Ein Bunter Blog

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Alles, was mir einfällt und gefällt.

Aktuelle Beiträge

Band Nummer zwei ist online!

Band Nummer zwei ist online!

Seit heute ist mein zweites Buch wahrhaftig auf dem Markt. Ein wenig seltsam, denn vor zehn Monaten noch ahnte ich nicht einmal, dass wirklich endlich anfangen würde, meine Emma zu schreiben. Leider bin ich viel nervöser als bei der ersten Veröffentlichung. Wieso? Weshalb? Warum? Ich […]

Noch ein Trailer

Noch ein Trailer

Wenn ich seltsam müde und antriebsarm bin, aber denke, ich müsse etwas Wichtiges tun, dann bastele ich kleine Buchfilmchen.  Kann ich das? Naja, eher nicht, aber Spaß habe ich eben doch daran. 4

Wer will? Rezensionsexemplar vom verschwundenen Professor

Wer will? Rezensionsexemplar vom verschwundenen Professor

So, der zweite Band nähert sich seinem Ende und ich sollte wirklich daran weiterschreiben, bevor die Söhne heimkommen. Aber hey, das hier ist mir auch wichtig: Wer von euch bloggenden Leserinnen möchte gerne ein digitales Rezensionsexemplar vom ersten Band erhalten? Der Blog ist eine Bedingung, […]

Eine düstere Zukunft lässt sich erahnen (im Buch wie im Leben?)

Eine düstere Zukunft lässt sich erahnen (im Buch wie im Leben?)

Heute überwinde ich mich wieder einmal und bin mutig: zwölf Minuten Lesung! Ihr kennt das doch auch, oder? Die eigene Stimme zu hören, kostet schon Überwindung. Sich beim Reden zu betrachten, noch viel mehr. Ich bin zwar ein eher zurückhaltende Person, aber ein ruhiges Gesicht […]

Tierkompatible Außer-Haus-Kleidung, städtische Version

Tierkompatible Außer-Haus-Kleidung, städtische Version

Milchiger Nebel begrüßte mich heute morgen und noch immer schweben abermilliarden Wassertröpfchen dichtgedrängt über Bonn. Es gibt ja nicht besseres für trockene Haut als das. Feuchtigkeit hoch zehn, selbst die Haare glänzen fein. Da fiel mir das aus dem Haus gehen gleich leichter – wenn’ […]

Tierkompatible Hauskleidung

Tierkompatible Hauskleidung

Nun, wo es draußen ungemütlicher wird, nasser und kälter, neige ich dazu, mich eben doch umzuziehen, wenn ich raus muss oder rein komme. Das hat den Vorteil, dass ich zu Hause durchaus ordentlich gewandet sein kann. Unter günstigen Bedingungen bin ich sogar bei der Hunderunde […]

Gemischt: Tierleben gegen Kleidervorlieben, Aufopferung und natürlich …

Gemischt: Tierleben gegen Kleidervorlieben, Aufopferung und natürlich …

… Emma! Mein Buch. Aber erst einmal zu den wirklich wichtigen Dingen: Ich klagte mein Leid bereits und weiß jetzt, wie vielen von euch es ebenso geht. Die Liebe zum Tier ist groß, doch die Liebe zu vier Tieren im eigenen Wohnumfeld mitunter getrübt. Immer […]

So, jetzt aber!

So, jetzt aber!

Ihr wisst sicherlich, wie unglaublich peinlich es mir ist, hier für mein Buch die Werbetrommel zu schlagen. Aber andererseits gehöre ich geschlagen, wenn ich es nicht erwähne, nicht wahr? Also ohne viele Worte kommt hier das passende Filmchen, um auf mein Anliegen hinzuweisen:   Ebenfalls […]


Mir besonders wichtig:

Feministin? Natürlich!

Feministin? Natürlich!

Seit etwa zwei Wochen gehe ich mit einem Beitrag zum Thema schwanger; immer wieder formen sich (Ab)Sätze, Gedanken und Tiraden, während ich nähe, koche, spazieren gehe. Viele unterschiedliche Stränge, doch bis jetzt morgens früh um fünf verweigerte ich mich dem Wunsche des Verstandes, das auch bloggen zu wollen. Wohlwissend, dass das lang und ausufernd werden könne. Aber nun bin ich seit anderthalb Stunden wach, statt Minusch liegt nun Momo schnurrend auf mir und was sonst soll ich mit dieser geschenkten Zeit beginnen?

Nun bin ich ja grundsätzlich und seit wenigstens 38 Jahren Feministin – bevor ich 8 war, kannte ich den Begriff nicht. Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Handvoll Aufkleber, die- auf welchen Wegen auch immer – bei uns gelandet waren und die ich meinem kleinen Bruder auf sein Bett klebte. Auf jedem waren Bilder von Frauen bei einer Hausarbeit, während ein Mann sinnlos im Hintergrund umherlungerte. Diese Aufkleber waren rund, bunt und oben und unten beschriftet: “Sei im Haushalt nicht nur Pascha, sondern Partner.”
Ich fand es ziemlich ungerecht, dass immer nur ich beim Abspülen und Abtrocknen helfen musste, mein Bruder nur an Ostern und Weihnachten. Bis er eine Gabel zu Boden fallen ließ.
Da formte sich in mir zum ersten Male bewußt heraus, dass das nicht richtig sein konnte. Gut, ich half im Haushalt angeblich nur, weil ich die Große und die Kluge war und er noch zu klein. Daran änderte sich aber seltsamerweise nie etwas und bei all meinen Freundinnen, so ebenfalls mit kleinen Brüdern geschlagen, war das ähnlich.

Aber auf meine persönliche Erweckungsgeschichte will ich gar nicht hinaus (obwohl es spannend wäre, von anderen zu hören, wann sie für sich entdeckten, den gleichen Wert wie männliche Wesen zu haben). Sondern auf zwei andere Aspekte:

Was alles ist Feminismus und was nicht?
Und weshalb spielt er für uns alle überall eine viel größere Rolle, als manche denken?

Entzündet hatte sich mein aktuelles Grübeln und meine momentane Wut an einem Abschnitt eines Artikels aus der FAZ; es ging um eine Jauch-Sendung, die ich grundsätzlich wegen Antipathie nicht mehr schaue. Es ging um Islamismus und um den Auftritt eines Imams, der die Sendung wohl an sich gerissen haben musste. Im Grunde war es die pure Langeweile, die mich dazu einige Artikel nachlesen ließ.

Und dann entflammte mein gerechter Feministinnenzorn durch diese Passage, die wohl nur ein Mann hatte schreiben können:

… Nur meinte Jauch in diesem Frauenbild eine Verfassungswidrigkeit im Sinne der FDGO feststellen zu müssen. Nur ist die katholische Kirche ein Verfassungsfeind, weil sie das Recht auf freie Berufswahl für Frauen einschränkt? Es ist wirklich grotesk, wie mittlerweile gewisse gesellschaftspolitische Überzeugungen zur verpflichtenden Leitlinie für alle gemacht werden sollen. Das geringste Problem am militanten Islamismus ist wirklich sein reaktionäres Frauenbild.

Ich lasse das jetzt mal so stehen und komme später, hoffentlich fädenverknüpfend und schläfrig, darauf zurück. Vielleicht nehmt ihr euch eine Sekunde Zeit, um eure eigenen Gefühle beim Lesen dieses Zitats zu erforschen.

Vor einigen Monaten startete eine persische Journalistin im Londoner Exil eine Aktion über Facebook, die es international bis in die Presse geschafft hat und die in diesem Moment 675.608 likes hat: My stealthy freedom.
Schon alleine in Erinnerung an eine meiner liebsten Mitschülerinnen zu Ausbildungszeiten – klug, warmherzig, gebildet, schön und persisch – und auch wegen all der wunderbaren Musliminnen, die ich kennen durfte und denen ich nahe war/bin, gehört mein like dazu. Und es ist mir Ehre und Freude zugleich, den dort erscheinenden Bildern meinen Daumen zu schenken und besonders nahegehende Texte zu teilen.
Auf dieser Seite geht es darum (falls eine von euch noch nichts davon gehört haben sollte, denn allzu großes Aufsehen hat es hier in der Presse nicht gegeben), iranische Frauen ohne ihren aufgezwungen Hijab zu zeigen. Bilder, die heimlich aufgenommen wurden; per Selbstauslöser, von Freundinnen, vom Ehemann, vor bedeutenden Gebäuden, mitten in der Stadt, auf dem Lande, tags wie nachts. Manche Frauen zeigen sich groß, klar und frontal, manche von der Seite und vorsichtigere von hinten. Und immer wehen die Haare frei im Wind, erzählen sie von ihren Wünschen, Hoffnungen und Sehnsüchten. Vom Traum, im Meer baden zu dürfen, unbehelligt durch ihre Heimat gehen zu können, von der Zukunft der kleinen Tochter.

Diese Seite, diese Journalistin, diese Frauen werden von allen Seiten angegriffen und der in meinen Augen hinterhältigste und gemeinste und dümmste Angriff lautet, ob diese Frauen (Weiber, Tussis, Spatzenhirne) denn nichts Wichtigeres als ihre Kleidung hätten, um sich darüber aufzuregen, um sich dafür zu engagieren. Zack.

Und da sind wir wieder beim obigen FAZ-Zitat. Frauenfragen können schlicht nicht das Wichtigste sein. Erschöpfen sich offenbar ja eh nur in Äußerlichkeiten, Eitelkeiten und Banalitäten. Hallo, wir haben eine Ebola-Epidemie, Islamisten bedrohen die freie Welt, die Konjunktur zieht nicht stark genug an und die Bahn streikt und die Frauen haben nichts Besseres zu tun, als über Kleinkram zu nörgeln? Es geht um die Menschheit, nicht um Rocklängen! Und jetzt durfte so eine weltverbessernde Jungschauspielerin auch noch vor den Vereinten Nationen über so ein Zeugs reden? Kein Wunder, dass wir das mit der Frauenquote noch mal verschieben müssen – die Weiber sind einfach nicht reif fürs wahre Leben! So!

Es wäre mir sehr lieb, wenn diejenigen, die noch dran geblieben sind, nochmals ihre eigenen Gefühle sortierten und ehrlich überlegen, ob sie nicht – auch als Frau – ähnliches gedacht haben? Ich schweife nochmals ab und lasse mein rotes Fädchen hier in euren Händen liegen; ich hole es gleich wieder ab.

Schaue ich mir meine vier engsten Freundinnen an, so sehe ich zwei, die ganz klar für sich in Anspruch nehmen, Feministinnen zu sein. Übrigens sehen das die dazugehörigen Ehepartner für sich selbst ähnlich – sie sind Feministen, ganz so, wie Miss Watson es sich mit ihrer Kampagne HeForShe wünscht. Für diese beiden Frauen hat sich die Frage nie gestellt; beide sind engagiert in allem, was sie tun, beide sind deutlich artikuliert in ihrer politischen, religiösen und gesellschaftlichen Meinung und beide wollen das Beste für alle Menschen,
Schaue ich meine anderen beiden Freundinnen an, so scheint das Thema Feminismus erst mal keines zu sein – keines, über das man sich die Köpfe heiß redet. Beide sind sehr feminine Frauen mit Spaß an Kleidung, Filmen, Büchern, beide bewältigen einen Alltag mit Kindern, Teilzeitjobs, Haushalt und dienstreisenden Ehemännern. Sich als Feministin zu bezeichnen, quasi beim Kennenleren, kann ich mir für beide nicht vorstellen. Bei den beiden anderen durchaus.

Nun wollen wir aber mal weiter schauen, denn welch Überraschung: Frauen neigen ja dazu, vielschichtig und kompliziert zu sein und darüber hinaus dunkle Geheimnisse zu hüten. Meine beide erkennbaren Feministinnen interessieren sich genauso fürs Handarbeiten, für Modegeschichte und für leckeres, selbst zu kochendes Essen wie sich die beiden Femininen gegen mißverstehende Kollegen, falsche Ansprüche anderer an sie und Ungleichbehandlung zur Wehr setzen. Der Unterschied liegt nur in einem – und das ist etwas, was ich bei so vielen Frauen sehe! – Punkt begründet: während die Feministinnen das Wort an sich (“Feministin”) als wertfrei betrachten, tun sich die anderen beiden damit vielleicht etwas schwerer.
Denn dieses Wort ist über die Jahrzehnte durchaus absichtlich von einer kleinen, menschenfeindlichen Clique von ewig Gestrigen gleichgesetzt worden mit einer Art männerfeindlichem Kampfhuhn, das aus Frustration über das eigene unattraktive Äußere und die eigene geistige Minderheit nun Lärm schlägt und Probleme schafft, wo doch eigentlich alles in schönster Ordnung war. Die Feministin als Karikatur einer Frau, die nicht in der Lage ist, Kerle abzuschleppen und sich in einem Job hochzuschlafen.

Und so höre ich immer wieder Frauen in tiefster Überzeugung von sich sagen:
“Feministin – bin ich nicht. Feminismus – damit habe ich nichts zu tun. Alice Schwarzer – betrifft mich nicht. Ich mag Männer und ich schminke mich gerne und ich bin zufrieden mit meinem Leben.”

Hmmm, meist nicke ich nur oder sage vielleicht noch, dass ich unter Feminismus etwas anderes verstehe, aber weil ich nicht den Eindruck erwecken möchte, ihr nun streitsüchtig ihr Leben zerstören zu wollen, unterlasse ich jede ernsthafte Diskussion. Wahrscheinlich auch, weil ich nach all den Jahren so vieler Dinge müde geworden bin, mein politisches Engagement sich auf die Teilnahme und Weitergabe durchaus wichtiger, aber keinen körperlichen Einsatz fordernder Onlineaktionen beschränkt. Was übrigens ein Weg ist, den man doch leicht gehen könnte, wenn man sich für mehr als nur sich selbst interessiert – das nur mal nebenbei.

Aber ich denke, dieses Wort – Feminismus – müssen wir zurückerobern. Denn was ist eine Feministin?
Das ist nicht nur Alice Schwarzer (deren Verstand und Mut und Schreibe ich persönlich sehr schätze und genieße und dennoch nicht immer ihrer Meinung bin – das geht 😀 ). Das ist nicht nur die akademisch Gebildete, die sich elitär und etwas von oben herab mit den Problemen anderer Frauen beschäftigt, die sie selbst nicht (mehr) hat und die gerne mal bei der von ihr Belehrten Unwillen erregt. Das ist auch nicht die Journalistin, die eher schlecht als recht schreibt und sich als Feindbild die Selbermacherinnen ausgesucht hat (ja, der Brigitte-Rant – aber mal ehrlich, was kann man von DER Zeitschrift schon anderes erwarten?). Eine Frau, die andere Frauen dermaßen eindimensional wahrnimmt, eine Journalistin, die sich mit der gezeigten Oberfläche als Wahrheit zufrieden gibt, ist nicht wirklich eine Feministin.

Eine Feministin ist eine Frau, die glaubt, weiß, dass eine Frau und ein Mann den gleichen Wert haben. Die für beide die gleichen Chancen möchte und die will, dass beide ihr Leben so gestalten können sollten, wie es ihnen entspricht. Und sie ist eine Frau, die nicht nur Frauen in Führungspositionen oder Frauen in sogenannten Männerberufen als adäquate und ernstzunehmende Gesprächspartnerin akzeptiert; die andere Lebensentwürfe nicht verteufelt, auch wenn sie nach außen wie das gelebte Rollenklischee erscheinen müssen. Es geht darum, dass Frauen die gleichen selbstverständlichen Rechte haben wie jeder Mann und darum, dass auch Männer ein freieres und selbstbestimmteres Leben führen können sollten. Wo Frauen nicht sie selbst sein dürfen, kann es auch der Mann nicht. Wo Mädchen keinen Freund haben dürfen, haben Jungs keine Freundin. Simpel, nicht wahr?

Ich gehe davon aus, dass die meisten von euch das so unterschreiben könnten. Und Schock: Liebelein, auch mit deinen blutroten Lippen, dem glänzenden Haaren, den hohen Schuhen – nun bist du eine Feministin. Eine, die dieses Wort zurückholt aus seiner Verteufelung. Schnucki, mit deinem gepflegten Eigenheim, deiner entzückenden Kinderschar, dem reisenen Gatten und dem Zweitwagen – wenn du für deine Tochter jede Wahlmöglichkeit möchtest, dann bist du eine Feministin und befreist das Wort von seinen Zwängen. Sehr verehrte Vorstandsvorsitzende, mit deinem Businessanzug, dem Teilzeitgeliebtem und deiner Verachtung für Tussis – wenn du es hast schaffen können, dann glaube nicht, du wärest die Ausnahme unter all den anderen Frauen, sondern sag es allen, die es wissen wollen: Frauen können das, denn du bist eine Feministin, die es allen gezeigt hat.

Und jetzt hole ich mir mein rotes Fädchen wieder ab.

Hier in Deutschland schreibt also ein Mann, dass das reaktionäre Frauenbild das geringste Problem des militanten Islams sei. Ich nehme an, er denkt, der Militarismus, die Brutalität, die Bedrohung des Westens seien wesentlicher? Und er hält Frauenfragen eh für unnötig?

Dann möchte ich eines sagen (und das mag pathetisch werden, ich bin in Fahrt, in Rage und ich sollte schlafen) : dieses Frauenbild bedeutet was konkret?

Es bedeutet, dass ein Mann seiner Mutter, die ihn unter Schmerzen und Freude geboren hat, nicht genügend Kraft zutraut, um ihr Leben ohne Hilfe zu führen. Und dass sie nicht darüber entscheiden sollte, wie oft sie ein Kind zur Welt bringen sollte.

Es bedeutet, dass ein Mann seiner Schwester nicht die gleichen Freiheiten zubilligen will, die er sich nimmt.

Es bedeutet, dass ein Mann von seiner Frau selbstverständlich jede Dienstleistung erwartet, die er für sein Recht hält, eine widerstandslose Erfüllung der sogenannten ehelichen Pflichten und sie ein Leben führen lassen will, das von seiner Laune, seinem Gutdünken abhängt.

Es bedeutet, dass ein Mann seiner Tochter ein unfreies Leben wünscht und sie als minderwertiges Gut ansieht.

Es bedeutet, dass dieser Mann für die Menschen, die ihm am nächsten stehen, keinen Respekt, keine Liebe, keine guten Wünsche hat. Wie kann ich erwarten, dass er diesen Respekt, diese Liebe und diese guten Wünsche für Menschen aufbringt, die ihm nichts bedeuten? Wie kann ich von ihm Zurückhaltung, Nächstenliebe und Mäßigung erwarten, wenn er all das nicht für die Frauen in seinem Leben aufbringen kann? Wie er sich diesen Frauen gegenüber verhält, ist Maßstab für sein Verhalten der Welt gegenüber.
Wer jetzt noch sagen kann, dass die Art, wie Frauen ihr Leben zu führen haben – EGAL, wo in der Welt, unter welcher Regierung, welcher Religion! – nichts mit der Art zu tun hat, wie die Welt nun einmal ist – der ist ein Ignorant und Egoist. Ihm ist egal, dass der einen Hälfte eines Volkes die Beteiligung am täglichen Leben und Erleben abgesprochen und als unmündig angesehen wird. Und dass die andere Hälfte eines Volkes dadurch ohne ein normales Miteinander, ohne erste große Liebe und ohne Respekt vor Schwächeren und Andersdenkenden aufwachsen könnte.
Da aber Männer – offenbar entgegen der Meinung mancher mächtiger Männer, die meinen, Gewalt und Gefahr dadurch bannen zu können, in dem sie Frauen unsichtbar machen – keine willenlosen, triebhaften Tiere sind, sondern fühlende, denkende, träumende, wünschende, liebende Menschen sind mit Hoffnungen auf eine bessere Zukunft, funktioniert die Welt noch immer irgendwie. Und so können im großen Gefüge Menschenrechtsfragen nach wie vor als das unwesentliche Detail “Frauenfrage” abgetan werden.

So bekommt die iranische Frauenbewegung eine ganz andere Bedeutung: in einem Land, in dem Frauen noch nicht einmmal entscheiden dürfen, wie sie vor die Türe treten, in dem sie mit körperlicher Gewalt und Gefängnisstrafen rechnen müssen, wenn sie ohne Hijab außerhalb ihres Hauses angetroffen werden, ist das ein enormer und mutiger Schritt, der dem Regime (oder sprechen wir hier diplomatisch und beziehungsaufbauend von einer Regierung?) ganz und gar nicht gefällt, denn diese Aktion bringt einiges ins Wanken.
Stellt es euch doch einmal wirklich und intensiv vor: Wir hier bloggen über unsere Kleidung, zeigen uns sogar im Badeanzug, füllen Seite um Seite mit unserem Vergnügen am Selbermachen, am sich Anziehen, genießen unsere Vielfalt, unsere Auswahl und (ja, das muss jetzt noch mal sein, um es deutlich zu machen, sorry) und die meisten mögen sich dabei aus vielen Gründen nicht mit Gesicht zeigen. Dort sind Frauen, die all das nicht können, die sich verstecken müssen und sie zerren sich das Tuch vom Kopf und zeigen sich trotz der Gefahr. Das ist keine Kleinigkeit, das ist eine Bewegung mit Macht und Kraft und Bedeutung.
Und es sind, das freut besonders, nicht alleine Frauen, die sie unterstützen – es sind Männer, Iraner, die sich zu ihren Frauen und Schwestern und Müttern und Töchtern bekennen und es sind Männer überall in der Welt, die Worte finden, um ihre Hilfe anzubieten – HeForShe, ganz selbstverständlich, weil kluge Menschen überall wissen, dass es immer nur miteinander geht, um unser Leben reich und glücklich zu machen.
Es ist nur eine kleine Zahl an Unbelehrbaren, die den Feminismus in Mißkredit gebracht haben – ich wünsche mir, dass sich Frauen davon nicht beirren lassen. Feministin zu sein bedeutet ganz und gar nicht, von nun an mißmutig und häßlich wie die Nacht durch die Straßen zu ziehen und Kastration zu brüllen. Und es bedeutet auch nicht, nicht im geringsten, damit auf die Männerwelt abschreckend zu wirken. Sagen wir mal so, und damit ende ich auf der persönlichen Note, mit der ich auch begann: als ich noch “auf dem Markt” war, habe ich aus meiner Einstellung nie ein Hehl gemacht, ich war nie eine der Frauen, die sofort kichern, wenn ein Mann einen Witz machte, hing nie bewundernd an Lippen, nur weil ihm das gefallen hätte. Denn Männer, die das brauchen, brauchte ich nicht. Stattdessen hatte ich tolle Gespräche, spannend, tiefgehend, witzig mit Männern, die klug, emotional zugänglich und tough waren – und konnte mich über einen Mangel an Zuwendung und Aufmerksamkeit, an Ritterlichkeit und Höflichkeit doch nie beklagen. Obwohl mir “Feministin” auf der Stirn stand.