Hachja …

So gerne würde ich mal wieder etwas hier schreiben. Aber was? Was nur? Ich würde ja auch gerne einmal wiedere nähen. Oder etwas zu Ende stricken . Immerhin stricke ich. Irgendwie. Nachdem Eva mir sagte, ein, zwei Reihen gingen ja wohl immer mal … Ich nickte brav mit dem Kopf und stricke seitdem einmal täglich eine Reihe. Komisch, wird überhaupt nicht fertig, das Ding. Wo liegt nur der Fehler?

Jackett – die Hülle hängt an der Puppe. Seit einer Woche. Futter zuschneiden und steppen ist soooo soooo sooooo zeitraubend. Nervtötend. Langweilig. Unnötig. Bah. Wird natürlich verstärkt von: Sieht die Jacke nicht irgendwie seltsam an mir aus? Liegt bestimmt daran, dass ja auch Sport sooo sooo sooo …. siehe oben! Dabei habe ich ganz viele Idee für Blusen, Kleider, Jacken, Mäntel. Auch, weil ich gerade glaube, denke, fühle, es wird mal wieder Zeit für ein klein wenig Stilveränderung. Ich sagte es ja bereits – und Nico hat gerade eine Linkparty gestartet, die ich gerne besuchen wollte, wenn ich denn mal Zeit und Idee und Nerv hätte – also, wo war ich? Achja, achso. Dunkelblau ist ja durch für mich und ich leide entsetzlich. So sehr, dass ich überlege, ein Spendenkonto einzurichten, in das ihr Trostherzen einzahlen könnt, die ich euch mit Megazinsen zurückzahlen werde, sobald ihr einen Farbkrisentrauerfall durchzustehen habt. Oder ich nehme Sachspenden an, die ich mit Dunkelblau abzahle? Zartes Grau, Nebenweiß, Altrosé, schwarzes Kunstleder, robuste Jeans? Das werden wohl die Farben sein, in denen ich in Zukunft umherspazieren werde. Edel, zart, mädchen- und damenhaft zugleich. Also eigentlich deckungsgleich zu meiner Persönlichkeit … dass ich da nicht früher drauf gekommen bin.

Aber wie hätte ich daraufkommen sollen? Früher waren das Farben, die ich als pflegeintensiv betrachtete, als etwas zu zart, zu farblos, zu – ach zu alles eigentlich empfand. Heute sind es die wunderbaren Zauberfarben, die mein Haar sowohl dunkler als auch das Grau darin interessanter erscheinen lassen und die vor allem weißen Hundehaaren gegenüber resistent sind. Oder zumindest so aussehen. Hätte ich nun die Kamera zur Hand, so könnte ich recht eindrucksvoll den Unterschied zwischen einem dunkelblauen Zopfpulli nach einer Viertelstunden Tragens und einem wollweißen nach zwei Tagen zeigen. Sieht ganz, ganz schlecht für den Dunkelblauen aus und ich überlege, ob es wohl eine Möglichkeit gibt, die Farbe komplett rauszuziehen? Gekaufter, blauer Baumwollpulli – entfärbbar und danach noch heil? Wer weiß was?

Na, auf jeden Fall denke ich viel an den Blog und mit schlechtem Gewissen ebenso viel an Stoffe und Garne, die zwei Meter entfernt von mir grimmige Falten ziehen. Aber im Augenblick nimmt mich zum Einen Emma und zum Anderen alles andere im Leben so gefangen, dass ich nicht vorwärts komme auf jedem Gebiet. Hey, motiviert mich doch einmal mal!!!!

Der verschwundene Professor

So, seit Mitte letzter Woche ist mein erster Kriminalroman – das Wort Krimi allein trifft es nicht und weckt die falschen Erwartungen, so finde ich – bei amazon und Weltbild und Hugendubel und wie sie alle heißen als ebook erhältlich; bei amazon gibt es sogar eine gedruckte Version, wenn man mag. Gefühlte 20.000 habe ich geändert, gestrichen, korrigiert, formatiert und mit Sicherheit lassen sich noch immer Fehlerchen finden. Was nicht sein sollte, aber irgendwann war ich an einem Punkt, an dem es nicht mehr weiterging.

Natürlich wird ständig, immer und überall geraten, auch als Selbstverleger Lektoren und Korrektoren zu beschäftigen, das Titelbild professionell gestalten zu lassen und das Schriftlayout aus der Hand zu geben. Aber ganz ehrlich: Zum einen glaube ich so langsam, dass diejenigen, die behaupten, all das zu tun, gerne ein wenig mehr behaupten, als wirklich geschieht und zum anderen erstaunt es mich dann, weshalb manches noch immer so schief und falsch und unlogisch herauskommt – sowohl bei den Selbstverlegern wie auch bei den Romanen, die ich zuletzt käuflich von Verlagen erstanden habe. Es erschließt sich also weder der Sinn noch die Qualität aus meinen Stichproben. Dabei ist es gar nicht einmal so, dass ich all das nicht täte, ich frage mich nur, wer so gut in seinem Hauptberuf verdient, dass er das finanzieren kann? Da kommen nämlich sehr schnell einige Tausende zusammen, denen man weitere Scheine hinterherschicken müsste – nämlich an Marketingagenturen – wenn man die Investition wieder reinbekommen möchte. Und ich persönlich kann mir nichts Grauenvolleres denken, als von nun an an jeder Ecke zu stehen und mein Buch anzubieten.

Bin ich auch viel zu schüchtern für, das ist klar, nicht wahr? Aber es schlagen natürlich auch zwei Herzen in meiner Brust: Einerseits möchte ich natürlich, dass es gelesen wird, andererseits habe ich eine Heidenangst vor bösen Besprechungen. Ich arbeite vorsorglich schon jetzt daran, die positiven Aussagen höher zu bewerten als die negativen, wenn letztere mich nicht überzeugen. Und bis jetzt habe ich ganz entzückendes von ebenso entzückenden Menschen zu hören bekommen, daran halte ich mich fest.

Und ganz zuletzt muss ich auch zugeben, dass ich eigentlich auch alles sehr, sehr gerne alleine gemacht habe: Vom Schreiben bis zum Titelbild ist alles aus meiner Hand und das ist ein unsagbar gutes Gefühl, wenn ich auch niemanden für meine Fehler verantwortlich machen kann.

 

Nun sitze ich wahrhaftig schon am Folgeband und hoffe sogar, ihn noch vor Weihnachten abschließen zu können. Hier wird kaum noch etwas anderes getan als geschrieben – das Jacket hatte ich sofort versemmelt, weil ich den falschen Schnitt zugeschnitten hatte … jau, sehr gut. Dank Janet von Vicona Vintage aber kann ich noch einmal von vorne beginnen, hoffentlich in dieser Woche noch.

Zu guter Letzt, damit das hier ein Ende findet, weise ich nun frech auf meinen Newsletter hin für all diejenigen, die mehr erfahren wollen. Bislang kam ich noch nicht dazu, ihn einzurichten – allzu oft wird er wohl nicht erscheinen, also könnt ihr euch gefahrlos anmelden.

Der nicht zu unterschätzende Einfluss von Haustieren auf den Inhalt des Kleiderschrankes

Die Kurzfassung des Titels lautet übrigens: Ach, Mist! Oder?

Ich liebe meine Tiere und bin jeden Tag aufs Neue froh und glücklich, zwei Katzen und zwei Hunde um mich zu haben. Jedes Tier hat seine Marotten und seine unverwechselbare Persönlichkeit, alle vier sind schmusig, unterhaltsam, albern, zickig und anspruchsvoll. So weit, so wunderbar.

Weniger wunderbar ist für mich, die immer Wert auf „ordentliche“ Kleidung legte, dass meine bevorzugten Haustiere keine Nacktschnecken, sondern seidig-weiche oder wollig-kuschelige Fellträger sind. Es ist eine grobe Nachlässigkeit der Natur, dieses Fell aus einzelnen Haaren gestaltet zu haben, die sich allesamt lösen können. Und das auch tun. Täglich, stündlich, minütlich. Eine Bewegung, ein Luftzug, eine Krauleinheit und schon versinkt das Haus in Einzelhaaren und Fellbüscheln. Das ist, ich muss es so hart sagen, vor allem Maxens Schuld. Ich habe es über Wochen versucht, ihn täglich mehrmals zu striegeln, was er immer nur auf einer Seite zulässt und das nicht lang. Nach etwa zehn Minuten schmerzt mein Arm und seine Geduld schwindet. Neben uns liegt dann schon die Pelzausstattung für einen zweiten Hund mittlerer Größe und dennoch: Streichel ich nun leicht über sein Fell, so wirbeln 15.378 Härchen in die Atmosphäre. Im Grunde müsste ich täglich zweimal saugen. Was, die treue und langjährige Begleiterin dieser meiner Aufzeichnungen weiß es, genau mein Ding ist – man erinnere sich an Frau Dr. h.c. Hüberlein! Aber ich habe leider noch anderes zu tun.

Wen wundert es also, dass es sich für mich und meine ordentiche Kleidung einigermaßen schwierig gestaltet, unbeschadet und eben ordentlich durch diese Fellflut zu gelangen? Ich, mit meiner laxen Haushaltsmoral und meiner Vorliebe für Dunkelblau und Unifarben, stand also seit dem vergangenen Jahr, als Max zu uns kam, und mehr noch seit Ostern, als Micky einzog, recht oft verzweifelt vor Schrank und Spiegel. Denn was sah ich?

 

 

Und man möge mir glauben: Das sieht auf dem Bild noch richtig gut aus! Maxens Haare sind hartnäckig, für zehn Quadratzentimeter benötige ich etwa zwei Kleberollenpapiere. Wenn ich danach noch per Hand zupfe. Naürlich suchte ich nach Lösungen. Irgendwo musste es doch eine Grenze geben: Während ich zu Vintage- und Nur-Katzen-Zeiten unbesorgt in dunkelblauen Crêpekleidern und 8cm-Absätzen putzte, wusch und kochte und die vier Katzenhaare als nötige Ergänzung des Outfit betrachtete, habe ich nun Schwierigkeiten, selbst unempfindliche Kleidung gepflegt aussehen zu lassen.

Gut, der Stilwandel kam vor Maxens Ankunft und machte sein Leben mit uns erst möglich. Aber natürlich habe ich mich auch ihm angepasst: Da ich selten außerhalb des Hauses umherlaufe, ohne dass die Hunde dabei sind, habe ich keinen Bedarf mehr an hohen Schuhen (und kann auch kaum noch länger in ihnen umherlaufen). Und ist das Wetter nass und ungemütlich, so trage ich den ganzen Tag über kuschelig-wasserunempfindliches, weil ich keine Lust habe, mich dreimal umzuziehen. Manchmal wünschte ich mir etwas mehr Eleganz zurück, aber um auf dem Sofa an Kriminalromanen zu tippen, braucht es das eben auch nicht.

Was mich aber doch sehr ärgert: Stilistisch komme ich irgendwie klar, aber uni Dunkelblau ist passé, fini, Geschichte. Es gibt keine Farbe in meinem Schrank, die schlechter mit vier Tieren kompatibel wäre. Perfekt hingegen sind mittlere Farbtöne und Muster. Ideal ist vor allem Grau. Mag ich ja auch, aber als Grundfarbe für die Garderobe? Trist, traurig, trübe. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Das muss ich nun herausfinden. Aber wenn ich der Haare nicht Herr werden kann, muss ich mich mit ihnen verbünden. Also her mit den Drucken, den hellen Blautönen, den Graunuancen und der hoffentlich wiederentdeckten Nählust. In den nächsten Tagen möchte ich ein graues Wolljackett zuschneiden und nähen, um für die Gassigänge gerüstet zu sein, die trocken, sonnig und freundlich herbstlich sind.

ABER falls jemand einen erprobten Praxistipp hat, wie ich Tierhaare und Dunkelblau nicht vermenge, bitte her damit.

Seit gestern online

 

Wer mich ein bisschen näher kennt, ob live oder vom Blog, der weiß, wie entsetzlich unangenehm es mir ist, wenn ich für mich werbe. Als ich das Kosmetikstudio eröffnete, habe ich mich schon an den exakt drei Beiträgen gestört, die ich hier eingestellt hatte – ihr kennt das: Da mag man etwas oder jemanden und auf einmal fängt dieses Etwas, dieser Jemand an, euch etwas zu empfehlen. Das ist einige Male ganz ok, vielleicht sogar witzig, spannend, aufregend, passend. Aber irgendwann stört es und man bekommt den Eindruck, das Etwas, der Jemand sei nicht mehr, was oder den man mochte.

Nun komme ich durch meine sehr ernsthaft betriebene Schreiberei nicht zum Nähen, habe also nichts zu zeigen. Gut, ich komme in den jährlich wiederkehrenden Sommerferien sowieso nicht dazu und hoffe daher, dass ich mir für die Zukunft eine Routine aneigne, die allem Platz bietet: Dem Schreiben, dem Haushalt, meiner Näherei und auch meinen Augenbrauen, die ganz dringend mal wieder gezupft werden müssten. Ich bin so abgelenkt und abgetaucht, dass ich mich nicht einmal über meine verschnittene Frisur aufrege – da sieht man, wohin es führt, wenn Frauen erst lesen und dann kritzeln! Es ist der Untergang des Abendlandes! Mindestens! Aber ehrlich, das sind Sommerferien auch …

Was ich sagen wollte und vielleicht auch, worum ich bitten möchte: Meine Emma hat ihre eigene Webseite erhalten, wo ich über Fortschritte berichten möchte, Fundstücke aus der Zeit zeigen oder Hintergründe beleuchten will. Einen Newsletter wird es geben und alles, was man als Autorin (Verdammt, ich sinke gerade so tief in mein Sofa ein, dass ich nie wieder herauskommen werde  – ist das eigentlich allen so peinlich, das Schreiben zuzugeben?) so braucht. Und sie hat diese eigene Ecke im Virtuellen auch deshalb erhalten, weil ich all diejenigen, die doch wegen ganz anderer Themen gerne hier vorbeischauen, nicht sinnlos verärgern will.

Nun weiß ich aber auch, dass, wer hier gerne LIEST, schon grundsätzlich gerne lesen muss, sonst ginge man ja zu instagram anstatt sich Speis und Trank bereit zu stellen, um meine Zeilen ohne gesundheitliche Folgen zu überstehen. Und wer von euch gerne Krimis liest, die eben mal nicht blutig, brutal und bedrohlich daher kommen, mag vielleicht einmal rüberschauen, sich die Seite merken oder den Newsletter abonnieren oder in die Leseprobe schauen. Glaubt mir, eine solche Probe online zu stellen, fühlt sich sehr, sehr bedrohlich und grausig an – Alle werden sie hassen, alle! Zu wenig Folter, zu wenig Details, zu wenig Psycho! – und ich bin sehr versucht, euch um ganz viel Liebe und Nachsicht zu bitten. Aber dann wieder … nein, ich bitte einfach die cosy crime-Leserinnen, Emma unter die Lupe zu nehmen und sich an dem einen oder anderen, was kommt, zu freuen.

Ansonsten werde ich hier sicherlich erwähnen, wenn sich etwas tut in Sachen Veröffentlichung oder Fortsetzung oder Weihnachtsgeschichte oder was sonst ich gerade so plane. Aber das hier ist und bleibt der Blog, in dem ich Dinge schreibe, ohne sie zu kontrollieren, mich ärgere, freue, jammere, zeige und frage. Puh!

Karin Engel-Dingelstaedt / Andrea Instone – Jersey nähen für Plus-Size

Es ist vor 22 Minuten bei mir eingetroffen: Mein Belegexemplar von Jersey nähen für Plus-Size. Und ich finde es wunderschön!

Natürlich finde ich es wunderschön – wer fände ein Buch, an dem er mitarbeiten durfte, nicht ganz außergewöhnlich gelungen und wunderbar und herrlich? Eben.

ABER: Meine Begeisterung begann schon lange davor. Vor einigen Monaten erhielt ich erneut eine Mail aus dem Hause Frech/Topp. Ob ich nicht Lust habe, noch einmal einige Texte zu verfassen? Ich freute mich, las weiter und gebe zu, ich war verblüfft. Ausgerechnet sollte etwas zum Thema Jersey schreiben? Man klicke auf den Menu-Tab „Gestrickt & Genäht“ und findet in all den Jahren drei oder vier Teile aus Jersey. Schwerlich bin ich eine Expertin auf dem Gebiet.

Doch nicht nur Jersey sollte es sein, sondern auch Plus-Size … spontan wollte ich absagen; ich erinnerte mich ganz gut, wie mir in ein, zwei Diskussionen der Mund verboten war, weil ich angeblich zu normschön (welch ein Ausdruck!) sei, um überhaupt etwas zu wissen. Mal abgesehen davon, dass sich niemand selbst gebaut hat und ich keineswegs an irgendeiner Stelle meines Körpers irgendeine Norm erfülle, halte ich Diskussionen, die irgendwen ausschließen, für sinnlos, obwohl auch ich nicht mit jedem spreche. Und so blickte ich ein wenig ratlos auf das Angebot. Denn es interessierte mich ja schon – ich sollte ja keine Schnitte entwerfen oder Tipps zur Verarbeitung geben, sondern zu jedem Modell einen kurzen Text verfassen, der Laune macht, es nachzuarbeiten. Gleich hinterher kam eine zweite Mail mit den angedachten Modellen und ich war sehr, sehr angetan. Was tat ich also? Ich sagte zu und durfte ein Vorwort schreiben, das erklärt, weshalb ich eben doch genau die Richtige war, um in diesem Buch eine Meinung zu äußern.

 

 

Im zweiten Schritt bekam ich die Setcards der Modells – wunderschöne Frauen, die ganz klar nicht in einer Pseudo-PlusSize unterwegs waren, sondern im mittleren bis oberen Bereich. Das fand ich wichtig, weil somit nicht unter der Hand doch wieder gesagt wurde, nur bis hierhin sieht eine Frau mit Kurven gut aus.

 

 

Die Schnitte sind sehr unterschiedlich, was Form und Weite anbelangt und kein einziger ist dabei, der unbedingt etwas an der Figur der Trägerin ändern will. Ob kastig und weit oder eng und kurz – keine Frau sollte sich von überkommenen Stilregeln in ihren Vorlieben einschränken lassen, sondern nur von ihren eigenen Vorlieben.

 

 

Alle gezeigten Kleidungsstücke sind von Karin Engel-Dingelstaedt entworfen, konstruiert, gradiert und genäht – eine Heidenarbeit, vor der ich größten Respekt habe. Zwischendurch fand sie die Zeit, mir Bilder zu senden oder meine Texte daraufhin zu überprüfen, ob meine Beschreibung mit der Realität übereinstimmt. Dafür danke ich ihr noch einmal herzlich, so hat das Schreiben Freude bereitet.  Überhaupt war das eine interessante Erfahrung für mich, etwas nach einem kleinen Bild zu verfassen.

 

 

Natürlich ist jeder Schnitt ausführlich beschrieben und kommt mit Anleitung. Dazu fehlt der obligatorische Anhang nicht, in dem auf die Besonderheiten eingegangen wird, die Jersey und PlusSize mit sich bringen.

 

 

Dabei sind selbstverständlich zwei große Schnittmusterbögen mit insgesamt 12 Modellen, die sich übrigens wunderbar abwandeln lassen; dazu habe ich einige Vorschläge in meine Texte mit einfliessen lassen.

Jersey nähen für Plus-Size ist als Hardcover im Topp-Verlag erschienen und kostet 19,99 €.

So,  das war nun also mein zweites Projekt, das mir sehr viel Spaß gemacht hat. Nun wende ich mich ganz mutig meiner eigentlichen Sehnsucht zu – das hätte ich ohne diese beiden Anfragen vermutlich niemals in Angriff genommen.

 

Emma Schumacher

Lasst mich euch von Emma erzählen, denn sie ist der Grund, weshalb ich den Blog gar grausam-gräßlich vernachlässige. Gut, auch die Sommerferien und meine Schnittzeichnungsunlust tragen dazu bei, aber hauptsächlich ist es doch diese junge Dame, die mich abhält. Zwar trage ich sie seit zehn Jahren schon mit mir herum, doch erst nun hatte sie es satt, brav und still im Hintergrund zu warten, und so drängte sie sich ungewohnt tatkräftig in den Vordergrund.


Emma kam am 31. Oktober 1906 auf diese Welt. Diese Welt, das bedeutete für die Tochter eines deutschen Ägyptologen und einer englischen Adeligen das Bonn der Kaiserzeit, einer recht reichen Stadt mit einer renommierten Universität, vielen Pensionären und viel Natur um sich herum. Keine sich weit ausdehnende Stadt, doch eine, deren Ursprünge zwei Jahrtausende zurückreicht und in der die Streitereien kleiner und großer Herrscher immer schnell ihre Auswirkungen zeigten; egal, ob es sich um Deutsche (oder was man aus der heutigen Sicht als Deutsch empfinden mag) und Franzosen handelte oder um Katholiken und Protestanten. Oft war Bonn  gestümrt und besetzt, niedergebrannt und zertrümmert worden, doch noch immer stand es. Und seine Bürger standen gut da, im Großen und Ganzen, wenn man nicht eben das Pech hatte, der Unterschicht mit ihren Tagelöhnern, Dienstmägden und Knechten anzugehören. Ein selbstbewußtes Bürgertum, dass weder der höheren Bildung noch dem Handel abgeneigt war, bestimmte die Geschicke der Stadt.

Und aus solch einer bürgerlichen Familie stammte Emmas Vater her, von dem ich nun noch nicht zu viel erzählen mag. Man hatte es zu einem gewissen und soliden Wohlstand gebracht; ein Haus in der Arndtstraße 13 a bewohnte die Familie, zu der außerdem die Schwester des Professors zählte, deren Unterhalt man sich leisten konnte.

Emmas Mutter hingegen, deutlich jünger als ihr Gatte, kam aus dem englischen Landadel; auf einer ihrer Reisen, die sie gegen den Willen ihres Vaters unternahm, lernte sie den Professor kennen und blieb in Bonn, um nach einigen kinderlosen Jahren Emmas Mutter zu werden.

Emma wuchs heran, glücklich, zufrieden, geliebt. Der Erste Weltkrieg brach aus; auch in Bonn war er gegenwärtig. Oft gab es Luftalarm, doch nie, nicht einmal, fielen Bomben, nur selten war Feindflieger zu sehen. Die Versorgung der Bürger mit Nahrungsmitteln war schlecht und zu allem Überfluß brach auch die Spanische Grippe aus, die viele Opfer verlangte. Auch Emma steckte sich an und wochenlang schwebte sie zwischen Leben und Tod. Endlich, kurz vor ihrem 12. Geburtstag, erholte sie sich langsam. Ihre Mutter suchte an Schmuck zusammen, was sie finden konnte und machte sich am 31. Oktober 1918 auf den Weg in die nahe Innenstadt, wo sie Zutaten für Emmas „Geburtstags- und Genesungskuchen“ eintauschen wollte. Sie bekam alles, was sie benötigte und freute sich, ihrer Tochter einen herrlichen Tag zu bereiten.

Wieder ertönte der Fliegeralarm, als sie eben über den Friedensplatz ging; keiner der anderen Passanten schaute auch nur in den Himmel – längst hatten sich die Bonner daran gewöhnt, den Alarm zu ignorieren. Doch an diesem Tag verirrten sich einige englische Flieger und warfen die erste und einzige Bombe auf Bonn. Emmas Geburtstag war der Todestag ihrer Mutter.

Nach Kriegsende gab der Professor seine Tochter zu seiner Schwiegermutter nach England; so sehr hatte  diese darum gebeten und ihm dargelegt, wie ungeeignet ein alter Mann für die Erziehung einer jungen Dame sei.  So wuchs Emma in London und Edinburgh heran, wo ihre Großmutter ein Haus besaß, das ihr Bruder ihr überlassen hatte. Und sehr beschützt wuchs sie heran, die Freiheiten der Zwanziger erfuhr sie nur durch Zeitschriften und Bücher.

Emma war eine zierlich-schmale Person mit langen, dunkelroten Locken, sicherlich nicht häßlich und vielleicht sogar hübscher, als sie selbst er erkennen konnte. Aber still, schüchtern und zurückhaltend war sie und es ist nicht klar, ob sie so ruhig war, weil sie überall ein wenig fremd war oder ob sie sich überall fremd fühlte, weil sie eine so in sich gekehrte Persönlichkeit besaß. Doch ihre mitunter linkische Schüchternheit sollte nicht täuschen: Ihre Gedanken und Urteile waren alles andere als schüchtern. Wessen sie sich oft genug schämte. Was wiederum oft zu fleckig-roten Wangen führte – ihr ständiges Erröten quälte Emma. Vielleicht ist auch das ein Grund, weshalb sie meist lieber zu Boden schaut, als aufrecht ihre Meinung zu äußern. Nicht, dass sie zu Widerspruch und Störrischkeit erzogen worden wäre; eine Dame bemüht sich stets, ihre Gedanken zu verbergen und ihre Gefühle ebenso. Doch Emma kommt nach ihrer Mama, was sie selbst noch nicht so recht entdeckt hat. Erst kurz vor ihrem 20. Geburtstag beginnt ihre Reise zu sich selbst.


Weshalb erzähle ich euch  das? 

Zum Einen aus dem oben genannten Grund: Diese junge Dame beschäftigt mich sehr stark in den letzten Wochen und so bin ich kaum noch hier in meinem virtuellen Wohnzimme. Zum Anderen schadet es ja nicht, eine Hintergrundgeschichte laut und öffentlich zu notieren – das Fräulein Schumacher bekommt nun also endlich ihren Willen und darf die Hauptperson in meiner Geschichte sein. Seltsamerweise ist diese stille und unsicher Spätzünderin die Heldin eines Krimis. Oder, wie ich es eben behaupte, eines sanften Kriminalromans.

Vermutlich hätte Emma noch immer keine Chance auf Körperlichkeit, hätte mich der Topp-Verlag nicht im letzten Jahr um Texte gebeten – das hat mir einen Schubs gegeben, um den ich sehr dankbar bin. Wenn ich auch noch nicht weiß, was daraus wird, so ist das Emma – Schreiben doch eine ganz wunderbare Erfahrung, die zumindest der Gatte schon so ernst nimmt, dass er über den wirklich massiv vernachlässigten Haushalt hinweg sieht. Auch über meine Augenringe, denn mittlerweile ist mein Tagesablauf so weit verschoben, dass ich kaum mehr als fünf Stunden am Tag schlafe – so sehr renne ich all meinen Aufgaben und Wünschen hinterher: Die Hunde bekommen kurze Runden (obwohl, selbst darauf haben die beiden meist keine Lust – dem einen ist zu heiß, wenn es trocken ist, dem anderen zu nass, wenn es kühler ist – hoffnungslos, denn wenn der eine nicht rausmag, will der andere auch nicht und das passt mir gerade viel zu gut, um sie zu zwingen.), die Söhne nix zu essen (was auch daran liegt, dass er eine nur draußen mit seinen hypercoolen Freunden unterwegs ist und der andere schläft und liest und spielt und so kaum etwas braucht. Und vor halbeins bekomme ich sie eh selten zu Gesicht – also, auch das passt mir gerade in den Kram) und ich kurbele mein eh schon minimales Sportprogramm alle zwei Tage in zwanzig Minuten herunter.

ABER dafür habe ich gute zwei Drittel meiner Geschichte geschrieben, ein Viertel ist überarbeitet und korrigiert. Und ich liebe es. Drei, vier Damen durften reinlesen, in ganz unterschiedlichen Bearbeitungsstadien und die beste Freundin bekommt jeden Tag die letzten Ergüsse am Telefon vorgetragen.

Was soll daraus werden? Immer mehr stelle ich fest, dass ich vermutlich auf Agentur- und Verlagssuche keine Lust habe. Weil ich ungeduldig bin, nicht gut im Team arbeite und auch, weil ich mich ja nicht wirklich als Berufsschriftstellerin sehen kann. Und dann ruft auch das Softwarherumspiel-Mädel laut in mir, dass selbst veröffentlichen bestimmt Spaß macht und spannend ist.

Leider steht auch der Snob in mir auf und weist auf die wirklich vielen sehr – nunja – befremdlichen Erzeugnisse, die zu finden sind und fragt mich, ob ich wirklich zu denen gehören möchte, die egal wie, Ihr Geschreibsel irgendwem unter  die Nase schieben müssen.

Dann mischt sich die Leseratte ein und deutet auf zwei Krimireihen, die ich in den letzten Monaten mit Wonne verschlang – und die mir nun erst als selbstveröffentlicht auffielen. Die kleine Ratte warf mir auch drei Bücher vor die Füße, die ich nach zehn Seiten genervt auf Seite legte : Aus guten Verlagen, die aber offenbar gar kein Interesse mehr am korrigieren oder gar lektorieren haben. Ich beispielsweise hasse es, wenn der Autor mich für dämlich hält und mir jede Gefühlsregung jeder Person haarklein und komplett daneben schildert. Also so was in etwa:

„Nein!!!! Nein!!!“, schrie sie laut. Sie schüttelte sich, rollte mit den Augen, als sie in die Zitrone biss. Die Zitrone war sehr sauer und sie schmeckte ihr nicht. Lachend kam er auf sie zu, zog sie zärtlich in die Arme und küsste sie leidenschaftlich.

„Schatz, ich werde auf ewiglich auf dich achten und in Zukunft jede Zitrone mannhaft niedermetzeln, die deinen Weg zu kreuzen wagt!“, so flüsterte er zärtlich und sprach in ihr Ohr, mit dem sie ihn zu hören glaubte. Dann machte sie sich frei, als wolle sie nicht in seinen Armen liegen, und verlangte gebieterisch: „Dudeldu, mein Schnuckelprinzchen, magst du mir nicht vielleicht ein supersüßes niedliches weißes Schimmelchen schenken?“

Ihre jungfräulichen Wangen überzogen sich  rosa, während ihr Eisesblick sich wie ein blutroter Speer in sein pochendes Herz bohrte. Er ergab sich mannhaft und stapfte zögerlich durch den gefrorenen Schnee, dessen Eiskristalle wie Diamanten funkelten, die Frau Holle munter aus ihrem Bettzeug geschüttelt haben musste. Beeilen wollte er sich, um der Herzensdame ihre kleinen Wünsche zu erfüllen und schlurfte los. usw usw usw.

Ich mag mich täuschen und ich mag mit diesem Text übertreiben, aber hallo? Aber ihr dürft nun gerne die Augenbrauen hochziehen und fragen, ob ich denn glaube, das besser zu können? Und ich antworte ehrlich: Irgendwie schon, aber vielleicht auch nicht.

Sommerliche Freitagsgedanken einer Endvierzigerin

Als ich noch sehr jung war und sehr dünn – wir sprechen von 15, 16 Jahren und 48 kg bei 173 cm – liebte ich besonders den Sommerschlußverkauf. Das Modehaus Blömer vor allem hatte ich im Visier: Eine junge und moderne Abteilung im Erdgeschoß mit all den angesagten Marken von Fruit of the loom bis Vanilia, angenehmes Ambiente (schon damals ging mir das dauernde Gewummere in den Läden auf die Nerven) und auch meine Mutter wurde fündig und konnte so immer mal wieder zum gemeinsamen Einkaufen überredet werden. Denn wirklich günstig war das Geschäft natürlich nicht.

Doch im SSV sanken die Preise und Verkaufsständer in unendlicher Menge standen vor allen Schaufenstern, die voll waren mit Kleidungsstücken, die das Haus egal wie verlassen sollten. Und damals war es so, dass dort vor allem die Stücke in den unüblichen Größen hingen – also 34 und 36 und von 48 an aufwärts. Gut, für die 36 musste ich mich beeilen, es schlichen dann gerne andere sehr Schlanke um die Ständer – die 36 war damals ein klein wenig enger geschnitten als heute; 34 ging selbst mir nicht weiter als bis an den Oberschenkel.

Nun war ich heute in der Innenstadt – hat sich natürlich gerecht, die Zahnlücke pocht, puckert und pulst ohne Ende – weil mich die Sucht nach hauchzarten, lässig hängenden Trägertops trieb und der Wunsch, einige hübsche Stoffe für die weiteren Nähpläne zu finden. Stoffkauf ist zur Zeit nicht spaßig, das muss ich mal sagen – selbst Karstadt hat nun kaum anderes als Jerseys und überteuerte Patchworkstoffe zu bieten. Aber gut, ich hielt mich dann beim Schweden und bei einem der Franzosen schadlos, die mir mit Freude das Gesuchte zu reduzierten Preisen anboten. Jeden negativen Gedanken an die Schlechtigkeit der Welt verdrängend, wühlte ich mich von Bügel zu Bügel und frage mich, was sich verändert hatte und was ich wohl nicht so recht verstünde.

Denn sowohl bei HM als auch bei Promod empfinde ich die Oberteile als eher weit gearbeitet – mit tiefen Armlöchern und viel Platz unter der Achsel, nicht unbedingt viel Platz für Busen allerdings – so dass ich hier wahrhaftig mit einer 36 auskomme. Gab es aber beim Schweden überhaupt nicht. Es fing im besten Fall mit 40 oder M an, was aber eine Ausnahme war – von 14 Tops gleicher Farbe waren 12 in XXL, eines in L und eines in M, das mir eine andere Frau schnell wegschnappte. Insgesamt 11 Teile hätten mir gefallen können, zwei davon fand ich M – ich habe beide gekauft und werde mich an Wochenende daran machen, die Träger zu kürzen und die Seiten zu verschmälern. Lässig ist ja schön, aber Ausschnitte, die den BH komplett freilegen, sind mir dann doch zu viel.

Bei Promod war es ganz ähnlich – vier Oberteile gefielen mir sehr, die kleinste Größe war eine 44. Ich stöberte weiter und fand genau das Top, das ich mir vorgestellt hatte – in 36. Meins! Ha. Eine junge Frau, die hinter mir stand, griff ebenfalls in den Ständer und musste feststellen: Die anderen waren in – tadaa! – 44.

Nun stand ich in der Kabine und wunderte mich. Zum Einen sind die deutschen Frauen schwerer geworden; so trägt die Durchschnittsfrau Kleidergröße 44 (interessant, wie die deutsche Durchschnittsfrau ansonsten so drauf sein soll – bislang habe ich mich ja für sehr durchschnittlich gehalten, aber jetzt fühle ich mich deutlich fremd :-D). Also genau die Größe, die ich auch in anderen Geschäften fand. Was heißt das denn nun? Wird mittlerweile vor allem diese Größe in solchen Massen hergestellt, dass zwangsläufig ein großer Überschuß bleibt? Oder traut sich diese Frau nicht in zarten Tops und engen Hosen vor die Türe? Was mir unverständlich ist und bleiben wird, denn zur selben Zeit klagen ja durchaus manche Frauen jenseits der 38 darüber, dass es für sie keine modernen und sexy Klamotten gäbe – also zur Zeit hängen sie in Hülle und Fülle in den Läden. Selbst bei Zara, die nun wirklich sehr eng schneidern und sich auf die junge, hippe, modesüchtige Narzisstin mit Selfiedrang spezialisiert haben (wobei ich da schon gerne schaue … mea culpa), hängen vor allem die größeren Größen (also maximal eine 40 …), während die Fähnchen, in denen ich schon an den Knien stecken bleibe, längst in irgendwelchen Kleiderschränken hängen. Sind die Schlanken und Dünnen doch nicht so arg in der Minderheit, wie die Statistiken es zeigen? Woher kommen diese Zahlen überhaupt – wieviele Frauen werden da alle Jubeljahre nach der Zahl ihrer Liebhaber und der auf ihrer Waage befragt? In meinem eigenen Freundes- und Bekanntenkreis ist Kleidergröße 36/38 am häufigsten anzutreffen, danach 44/46 und eine 50/52. Zwei Bekannte sind supersupersuperschlank, viel zu sportlich für meinen Geschmack sind die meisten, bildschön sind sie alle. Was die Zahl der Liebhaber anbelangt, kann ich allerdings nichts verlässliches berichten … 6,7 erscheint mir allerdings – nunja, lassen wir das.

Weshalb also hängen wunderschöne, durchaus elegant-verführerische Oberteile in den Läden, die an wunderschönen „Durchschnittsfrauen“ noch verführerischer wirken könnten, wenn gleichzeitig die „Durchschnittsfrau“ beklagt, nichts elegant-verführerisches finden zu können? Es nähen ja nicht alle alles selbst, nicht wahr?

Und während ich also bei HM in der Kabine stand und Kaufkleidung probierte, fiel mir endlich auf, was in den letzten zwei Jahren geschehen war und weshalb ich beim Anblick meines vollen Stoffschrankes und meiner Nähmaschine ein schlechtes Gewissen hatte. Vor drei Jahren noch war meine Garderobe – bis auf Schuhe, Strümpfe, Schlüpfer – zu 100% handgemacht. Heute kommt der Anteil Selbstgenähtes auf etwa 30-35%. Selbst für Nicht-Mathematiker ein deutlicher Unterschied. Das liegt zum einen daran, dass ich überhaupt gar keine Lust habe, mir enge Jeans und Röhrenhosen selbst zu nähen, wobei es dazu geeignete Stoffe eh kaum zu finden gibt, und zum anderen an der Tatsache, dass mir momentan einfach vieles ganz gut passt, was mir in den Läden angeboten wird. Kleider, Mäntel und längere Oberteile mit Ärmel sind die Kleidungsstücke, die nicht optimal sitzen und die ich nach wie vor selber fertige. Aber da stellt sich die Frage, wieviele Kleider, Mäntel und Blusen ich wirklich brauche … und so ist auf einmal das Nähen wieder Hobby geworden, nur hatte mein Gewissen das noch nicht so recht mitbekommen bis  heute.

Als ich ausschließlich selbstgenäht getragen habe, und das in körpernahen Vintageschnitten, stand ich permanent unter Druck, bestimmte Bedürfnisse des Alltags befriedigen zu müssen und jede noch so geringe Zunahme oder einige Wochen mehr Sport führten dazu, dass die Kleider und Röcke nicht mehr richtig saßen. Halbjährlich passte ich an, halbjährlich nahm ich zu, bis ich es leid hatte – sowohl das ständige Ändern als auch das ständige Zunehmen. So recht gefiel ich mir nicht mehr, denn – lassen wir mal die immer noch dünnen Arme und Beine beiseite – aus dem Spiegel schaute mich mittlerweile eine recht kurvige Person an, der Körperlichkeit eine andere war als die, mit der ich aufgewachsen war. Aber diese Frau gefiel mir durchaus. Sie gefiel nur eben überhaupt nicht in Vintage.

Denn Vintage hatte für mich nichts mit Kurven und Üppigkeit zu tun – meine Liebe zu Vintage entstammt ja ebenfalls meinen Jugendtagen, als ich eben dünn war und mich damit quälte, dicker werden zu wollen. Was mich anzog, waren ja nicht nur Hollywoodfilmchen, sondern es waren die Modezeichnungen der 20er und 30er, auf denen hochgewachsene, hüftlose Frauen von makelloser Eleganz zu sehen waren, die nicht sexy, sexy, sexy sein wollten, sondern süffisant sich über die armen Frauen früherer Jahrzehnte mokierten, die in Korsetts eingeschnürt zum Klischee von Weiblichkeit wurden mit all ihren Rüschen, Schleifen und Schleppen. Es waren biegsame Frauen auf diesen Zeichnungen zu sehen, die anderes im Leben wollten, als sich über die Wünsche irgendwelcher Männer zu definieren und die selbst die schönste Kleidung trugen, als sei sie Nebensache und nicht beworbenes Produkt. Dass mir Vintagekleidung dabei durchaus auch an fülligen Frauen gefällt, spielte für mich selbst, also für die Person im Spiegel keine Rolle – mein Äußeres hatte einfach zu wenig Verbindung zu meinem Inneren. Es mag übertrieben klingen, aber ich hatte in dieser Zeit zum ersten Mal das Gefühl, Transgender nicht nur zu akzeptieren und für normal zu halten, sondern wirklich vollkommen zu verstehen – dein Inneres schaut dir im Spiegel einfach nicht entgegen.

Oh, ich mäandere, nicht wahr? Aber bätsch, wer bei dem Beitragstitel freiwillig liest, darf sich hier nicht wundern 🙂

Nun, ich gebe zu, es ist ein albernes halbes Kilo, das ich gerne noch loswäre – das ist der halbe Zentimeter, der im einen oder anderen Hosenbund kneift. Es macht mich nicht unglücklich, dass er noch da ist, es wird sich nichts von Bedeutung ändern, wenn er weg ist. Aber dass die „fremden“ Kilos weg sind und ich  – zur Zeit – ein wenig mehr  Spaß an Fitness habe, hat etwas verändert. Ich erkenne mich wieder, fühle mich zuversichtlicher, was mich wirklich erstaunte über die letzten Wochen, in denen ich mich ja auch ans Schreiben gewagt habe, egal, ob etwas daraus wird oder wie sehr ich mich blamieren mag.

Und auch das fiel mir dann heute morgen ein, als ich an einem Café vorbeikam: In diesem Café saß ich im Frühjahr 2001 an einem sehr warmen Tag und war sehr, sehr glücklich und unglaublich zuversichtlich und geradezu irrsinnig mutig (oder leichtsinnig). Ich hatte einige Wochen zuvor mein Gewerbe abgemeldet und meine Kosmetikliege und alles Zubehör verkauft, weil ich die Selbstständigkeit satt und mich gerade aus einer Depression heraus gezogen hatte. Ganz hatte ich mit der Branche noch nicht brechen wollen und die Außendienstlerin der Firma, mit der ich arbeitete, hatte alles daran gesetzt, mich zu erhalten – wer will schon gerne Kunden mit gutem Umsatz verlieren? Und so hatte sie mich überall wärmstens empfohlen und in der Tat flatterten Angebote ohne Ende ein. Ich wollte aber in Bonn bleiben, nicht wieder in den Norden oder nach München, selbst ein Angebot ans Mittelmeer konnte mich nicht reizen – ich wollte endlich seßhaft werden. Doch nicht zu weit entfernt gab es ein Hotel, dessen neuer Direktor große Pläne hatte. Ich stellte mich vor, er war angetan und es ist NICHT arrogant, dass ich das in Vorstellungsgesprächen gewohnt war, und ich erklärte mich bereit, einige Tage Probe zu arbeiten. Die beiden Angestellten, die dort waren, waren fachlich eher unsicher – gut, das bekäme ich in den Griff. Die Abteilung war unorganisiert und die Angebote unübersichtlich – jeder Reiseveranstalter hatte sich etwas eigenes zusammen gestellt und die Preise schwankten zwischen zu niedrig und astronomisch. Das Material war von minderer Güte, die Hygiene verbesserungswürdig. In kürzester Zeit hatte es hier einiges an Personalwechsel gegeben und eine Chefin war schon lange nicht mehr da. Wir sprachen lange über all diese Probleme und ich fand es durchaus reizvoll, wieder eine Farm zu leiten. Ich stieg also probehalber ein. Zweieinhalb Tage lang. In dieser kurzen Zeit tröstete ich im Halbstundentakt weinende Mitarbeiter, stritt mich mit der Rezeption, die selbständig Behandlungstermine doppelt und dreifach belegte, erfuhr, dass die Direktion mitnichten daran dachte, rostige Zangen zu ersetzen oder das Depot aufzunehmen, das mich vermittelt hatte. Als man mir dann noch erklärte, man sei davon ausgegangen, ich wolle hier etwas erreichen und daher doch sicherlich in den ersten drei Monaten auf freie Tage verzichten – und damit war genau das gemeint: 24/7 – aber man mir dazu nicht einmal eine Wohnung auf dem Gelände zur Verfügung stellen konnte, und als ich dann auch abends von den Angestellten angerufen wurde, die mir ihr Leid klagten – da war ich durch. Ich mochte mich nicht einmal mehr auseinander setzen: Ich schickte frühmorgens ein Fax mit der Nachricht, dass das Probearbeiten zu erhellend gewesen sei und daher den Vertrag nicht unterschreiben wolle. Dann floh ich in die Stadt und gönnte mir ein Frühstück, ohne zu wissen, wie ich meine Miete weiterhin würde zahlen können.

Nachmittags schrieb ich dann an vier verschiedene Zeitarbeitsfirmen Bewerbungsmails und hatte zwei Tage später einen Job. Und diese Zuversicht, die hatte ich vollkommen vergessen. Nein, heute würde ich das nicht mehr wagen und die Zeiten sind auch nicht mehr so, dass Quereinsteiger gute Chancen hätten – aber mich wieder ein wenig was trauen, MIR wieder ein wenig mehr zutrauen, das will ich auch wieder schaffen. Dann darf mich aus dem Spiegel ruhig eine alternde, müde Frau anschauen – mit der werde ich auch noch fertig 😀

Männerschreck

Erst einmal zur gestrigen Frage, was tun mit transparenten Stoffen (die man ja meist gekauft hatte, weil sie so herrlich luftig waren und die Transparenz nicht so arg auffiel). Es besteht Einigkeit in dem Gedanken, diese mit einem zarten Batist in passender Farbe zu füttern. Und in der Theorie stimme ich zu.

ABER passende zarte Stoffe zu finden, ist ja schon mal das Eine – Stunden an Onlinesuche sehe ich vor mir und neue Stoffe, die ich ursprünglich gar nicht wollte noch dazu. Das Andere ist: Habe ich, habt ihr, immer Lust, jedes Oberteil doppelt zu nähen? Und ist es nicht auch schade, dass dem zarten Oberstoff seine Zartheit genommen wird? Ich denke, ich bin noch nicht am Ende mit den Überlegungen und vielleicht schaffe ich es in den nächsten Tagen einmal, mir anhand meiner Sorgenkind-Stoffe kluge Gedanken zu machen. Wie immer ist es gut zu wissen, dass das Problem nicht mich alleine betrifft.

Jetzt aber zum Männerschreck. Ich habe es gestern wirklich geschafft, die zweite Stylebook-Bluse zu nähen. Wie die erste auch ist es ein sehr simples Modell, das wenig passformsensibel ist, aber dennoch mit feinen Details aufwartet: Vier Abnäher am Ärmelsaumen schaffen Form, der V-Ausschnitt ist sanft gerundet (was ich noch verstärkt habe), die Armausschnitte sind ebenfalls geformt und kleine Seitenschlitze gibt es auch. Dazu ist das Rückenteil um vier Zentimeter länger als das Vorderteil, was eigentlich den Sitz verbessern sollte.

Eigentlich, denn bei mir rutscht die Bluse genauso wie Kaufkleidung nach hinten herunter. Ich weiß, das hat etwas mit der Balance zu tun, aber für einen solchen Schnitt fehlt mir der Nerv, mich an das Thema zu begeben. Zumal, und das verblüfft mich selbst, ich finde, dass dieses Rutschen einen gewißen Charme bei dieser Bluse ausmacht.

Schwierig fand ich die Stoffauswahl: Da der Schnitt 22 cm weiter ist als die Oberweite, dazu überschnittene Schultern hat und gerade herunter geht, sieht er in einem festen Stoff gearbeitet sehr quadratisch aus. In einer fließenden Qualität hingegen machen die Ärmelabnäher nicht viel Sinn, da die skulpturale Form zusammen fällt.

Ich habe mich für einen Leinenrest entschieden – die Bluse kommt mit etwa 1,30 m Stofflänge hin. Ob ich mit dieser Entscheidung für die Goldene Mitte das Ideal getroffen habe, weiß ich noch nicht – ich denke, ich werde die beiden anderen Varianten auch noch einmal testen. Also in fließend und in fest.

Nun, das gute Stück wurde fertig und ich hatte meine Zahnschmerzen gründlich leid und plante, heute vormittag in die Innenstadt zu fahren, um nach passenden Stoffen für zwei, drei weitere Ideen zu schauen. Ich teilte dem Gatten mit, das Auto zu benötigen. Ich machte mich zurecht. Ich warf mich in eine vom Gatten geschenkte Hose und in die neue Bluse, schnappte mir Tasche und Schlüssel und war bereit, das kranke große Kind seinem Schicksal zu überlassen und trat vor die Tür. Wo zum Henker war der Wagen???

Der Gatte befürchtete ein abendliches Gewitter und wollte einer nassen Heimkehr vorbeugen. Mies gelaunt, aber insgeheim wissend, dass mit puckernder Wunde es nicht die beste Idee war, mich zu weit vom Heim zu entfernen, machte ich also das beste aus meinem nicht hundespaziergangtauglichen Gewand und schoß Bilder. Ganz, ganz viele Bilder, die ihr alle ertragen müsst.

Zusammen mit der Dreiviertel-Culotte kommt die Bluse sehr japanisch rüber. Wobei das auch immer eine Frage des Posings ist:

 

 

So kleidsam wären beide Teile, trüge man sie wie eine lebende Schnittzeichnung. Ihr müsst zugeben, besser kann man die Linienführung nicht deutlich machen. Und stellte ich mich so vor den Gatten, so verschreckte ich ihn nachhaltig – was ich mir mal merken werde, man weiß ja nie …

Viel besser und japanischer sieht es mit ein wenig Bewegung aus:

 

 

Immerhin habe ich mich vom Computerspielmännchen bis zur Reispflückerin hoch gearbeitet.

 

 

Mit den Händen in den Hosentaschen lässt sich ja alles auf cool und lässig trimmen – dazu ein sinnender Blick, der Welt abgewandt und der Sexyness eine Absage erteilend – was diese Bluse so alles kann.

 

 

Aber fehlte nicht noch der urbane Geist? Der lässt sich schnell herbei rufen, in dem ein Teil des Saums in den Bund gesteckt wird (und ich mag das ja wirklich sehr!)

 

 

Von der Seite fällt das Rückenteil blousonartig herunter – was zum einen an den Händen in den Hosentaschen liegt und zum anderen an mangelhaften Balance.

 

 

So also wäre ich durch die Stadt gerast auf der Suche nach mehr Stoff. Statt dessen überbrachte ich Max und Micky die frohe Botschaft, dass sie nicht länger warten müssten, sondern nun gleich mit mir durch die Derle wandern dürften. Natürlich nicht in der feinen Hose, sondern in einem Poly-Crêpe-Jogginghosen-Verschnitt. Und das habe ich dann auch noch geknipst, nachdem wir zurück waren.

 

 

Was für die Bluse spricht, ist ihre Luftigkeit – alles ist weit und offen, wirkt aber angezogen. Sowas kann man doch immer gebrauchen, oder?

 

 

Mit engen Hosen gefällt sie mir übrigens ebenfalls, was für mich gar nicht in Frage käme, wäre ein Rock wie es im Heft kombiniert war. Was bei anderen wie ein Spiel mit Volumen und Längen wirkt, sieht an mir bieder und massig aus. So bleibt meine Sehnsucht nach Röcken weiterhin ungestillt.

 

 

Aber dafür kann die Bluse ja nichts …

Kleines Zelt, japanisch, grau

Ich sitze draußen und das in einem Minibikini, in dem ich mich niemals ins Freibad wagen würde. Aber das will ich auch gar nicht hin, sondern so entspannt wie möglich arbeiten und das Wetter genießen. Darf man das Schreiben an einem Buch, von dem man aber auch so gar keine Ahnung hat, ob es etwas wird, Arbeit nennen. Oder ist das reines Privatvergnügen? Ach, egal, egal.

Die Sonne scheint also, der Zahnschmerz ist auf ein erträgliches Minimum reduziert, mit den Hunden war ich auch endlich wieder unterwegsund sogar einen kleinen Einkauf habe ich erledigt. Und als ich an mir herunter schaute, stellte ich fest, dass ich ein noch nicht gezeigtes Zelt trug. Das wird hiermit geändert.

Frohgemut baute ich das Stativ auf und war zuversichtlich, rasch ein, zwei brauchbare Bilder zu produzieren. Weil: Fotografieren ist ja meine Stärke, nicht wahr?

 

 

 

 

Nun gut, meine Konzentration schwand beträchtlich, nachdem Max einige Male um meine Beine galoppierte – da unser Garten nicht vollständig geschlossen ist und er bei lauten Geräuschen gerne mal in die Nachbargärten abgaloppiert, kam seine Zuneigung mit Fessel. Ich sah mich schon zum Rollbraten verschnürt zu Boden sinken.

 

 

Mein altes Problem: Wohin mit den Händen, den Füßen, dem ganzen Mir vor der Kamera? Ich war noch mit Sortieren beschäftigt, als es knipste.

 

 

Dann besann ich mich auf den Lehrauftrag, den ich mir am Montag gab: Weite Oberteile und die Wirkung der BHs darunter. Normalerweise trag ich unter Schnitten wie diesem hier Halter, die nicht mehr tun als halten. Heute aber habe ich einen geformten, hebenden, stützenden BH an. Von vorne noch ok, von der Seite stört er den Fall des Stoffes schon sehr und zaubert ordentlich mehr von allem an mich ran.

 

 

Der Schnitt stammt wieder aus einem Mrs. Stylebook; ich denke, aus einer letztjährigen Ausgabe. Der Stoff war ein Rest, den ich doppelt genommen habe, da er ansonsten zu transparent gewesen wäre. Ich weiß nicht, wie es kommt, aber davon habe ich einige im Schrank liegen. Die meisten sind gemustert, so das doppelt legen nicht so schön wäre. Hemdchen unterziehen finde ich weder schön noch bequem … was also tun?

Ganz, ganz simpel

Am Freitag ist Zahn Nummer drei gezogen worden und ich habe Aua. Der Kreislauf sprang im Dreieck, wenn er überhaupt hoch kam, ich pendelte zwischen Bett und Sofa und ernähre seitdem von salzigen, weichgekochten Aufguß-Fertiggerichten und Schmerztabletten. Immerhin bin ich seit gestern abend wieder in einer senkrechten Version zu haben – es geht also aufwärts.

Doch zwischendurch, wenn ich stundenlang online war oder brav an einem weiteren Kapitel bastelte, trieb mich der kindliche Übermut; der Gatte nannte es dumm und kindisch und das waren die harmlosesten seiner gemurmelten Worte. Aber ich bin sicher, hier verständnisvollere Mitmenschen zu treffen. Irgendwann hat man das eigene Leid doch so leid, dass man es ignoriert und sich in eine Arbeit stürzt, die ablenkt. Der kreative und intelligente Mensch – Frau genannt – setzt sich dann gerne an die Nähmaschine. Oder? ODER? Eben, vielen Dank!

Am Donnerstag hatte ich einen Schnitt der zweitsimpelsten Sorte nach einer Stylebook-Anleitung gezeichnet und auch schon zugeschnitten (Zuschneiden mit Zahnschmerzen ist nicht zu empfehlen, das weiß ich schon). Und am späten Samstagnachmittag setzte ich mich dann hin und steckte die fünf Teile zusammen, schob sie unter die Nähmaschine, bügelte mehr recht als schlecht und tackerte zu guter Letzt noch den Saum an, der ein klein wenig wellig wurde – nie habe ich behauptet, unter Schmerz und Droge gut nähen zu können, nur, dass ich es trotzdem tat … gebraucht habe ich etwa vier Stunden, was ich ausnahmsweise auf meinen elenden Zustand schieben darf und nicht auf meine nachlassende Geschwindigkeit.

Vermutlich werde ich den Schnitt noch einmal oder zweimal verwenden, weil er sich wunderbar für Stoffreste von etwa einem knappen Meter eignet – oder weniger, wenn die Belege aus einem anderen Stoff geschnitten werden. Es ist im Prinzip ein Rechteck, das mit geformten Armlöchern und angepasster Schulterlinie aufwartet und wie ein überschnittenes T-Shirt wirkt. Der Halsausschnitt könnte etwas breiter und tiefer sein; eine Version mit kleinen Seitenschlitzen wäre ebenfalls nett anzusehen.

Gestern habe ich übrigens einen weiteren Schnitt aus dem selben Magazin gezeichnet und vielleicht fühle ich mich heute nachmittag wieder kindisch und albern genug, um ihn zuzuschneiden. Heute vormittag jedenfalls, nachdem ich mit dem Gatten und den Hunden bis in den Ort hinunter wankte und dort mit zwei Frauenzeitschriften und einem Frühstück belohnt worden war, fühlte ich mich fit und munter genug, um mich vor die Kamera zu werfen und das ganz, ganz simple Top zu knipsen.

 

 

Jo, ne – so viel zu fit und munter … ich versichere, es ist Ibuprofen, das mich in diesen Zustand versetzt. Es ist gar nicht auszudenken, wie ich bekifft gucken würde.

 

 

Das ist doch schon viel netter, nicht wahr? Und ist es nicht wunderbar, dass wellige Säume heutzutage einfach lässig weggesteckt werden können?

 

 

Und immerhin auf einem Bild lässt sich die überschnittene und nach oben gerundete Schulterlinie erahnen. Der Stoff ist ein uralter Rest einer zarten Baumwolle in weiß-hellblauen Webstreifen, der zu eigentlich allem in meiner Garderobe passt.

Was ich euch auch hatte zeigen wollen: Wie sich diese schlichten Schnitte ohne Abnäher verhalten, wenn darunter ein anständiger BH getragen wird – also einer, der hebt und formt und teilt. In meinen Augen sieht das nämlich unglaublich gräßlich aus. Weil ich diese Schnitte aber sehr liebe – sowohl nähend wie auch tragend – habe ich mittlerweile zwei Sorten BH im Schrank. Die formenden für alles Taillierte und die, die eigentlich nur minimal heben (was leider mittlerweile nötig wird, meckermecker) und eher – höhöhö – die Bälle flach halten.

So, und nun – solange die Sonne noch nicht ganz hinter den aufziehenden Wolken verschwunden ist – setze mich mit einem ausgewogenen Nudelgericht in Plastikdose auf den roten Sessel und schreibe an Kapitel 12. Und das hört sich nun wirklich an, als wüßte ich, was ich da tue 😀

10 Jahre – was gab’s, wie weiter?

So. Diesen Termin hatte ich mir vor einigen Wochen in den Kalender geschrieben, denn ich bin nicht gut darin, mir Geburtstage zu merken. Auch nicht den meines Blogs. Der heute 10 Jahre alt wird, obwohl die ersten Beiträge nicht mehr existieren und somit als Beweis nicht herhalten können.

Damals hatte ich bei twoday einen Blog angelegt, der schnell viel zu viel Inhalt für meine 5,- € im Monat hatte. Anfangs habe ich immer wieder Speicher freigeräumt und unwichtige Beiträge, überflüssige Fotos und seltsame Kommentare gelöscht. Was ich heute schade finde, auch wenn ich nur selten im Damals wühle. Irgendwann – ich müsste schauen, wann – wechselte ich dann zu meinem jetzigen Anbieter und hoste seitdem selbst. Herrliche Freiheit.

Ist es bezeichnend, war es die Vorsehung, die mich alles hat löschen lassen bis zu dem Beitrag im August 2007, in dem ich davon erzähle, mir eine „Schule des Schreibens“-Ausbildung zu gönnen und die erste Aufgabe vorstelle? Die Schreibschule habe ich nach dem ersten Halbjahr übrigens beendet, weil die beiden Söhne mir die Ruhe dazu nicht mehr gaben. Weshalb ich den Kurs überhaupt belegte? Weil ich mich in meinem Mutter-Hausfrauen-Dasein alt und gefangen fühlte an vielen Tagen und eine erstaunliche Sehnsucht nach Kritik hatte – zu Schulzeiten machte mich das Aufsatzschreiben, am besten in einer Klausur, unglaublich glücklich. Darüber nachgedacht, ob ich jemals öffentlich würde schreiben wollen, habe ich damals nicht. Obwohl ich es da ja schon tat, das öffentliche Schreiben …

Doch wie öffentlich ist ein kleiner Strickblog im Jahr 2007? Sehr, sehr lange ging ich davon aus, dass ich mich relativ unbemerkt mit einer Handvoll anderer toller Bloggerinnen unterhalb jeden Radars amüsierte und ich zucke heute noch zusammen, wenn mir jemand „Reichweite“ attestiert oder ich erkannt werde. Wer mich ein bißchen besser und näher kennt, weiß, dass ich zwar endlos quatschen kann, aber mich doch eher am Rand wohler fühle als in der Mitte. Naja, wer regelmäßig hier liest – tolle Bilder gucken ist hier ja nicht drin – weiß das natürlich auch schon.

Irgendwann also wurde aus dem Strickblog, in dem wenig Persönliches zu finden war, auch ein Nählern-Frust-Blog. Und als der Frust größer, weil die Passform wichtiger wurde, habe ich mir vor aller Augen das Konstruieren beigebracht. Jedes neue Hobby brachte neue Leserinnen, die mir mit Rat und Tat und viel Humor zur Seite standen. Immer mehr tauschte ich mich aus, wurde offener und entspannter und irgendwann schrieb ich über dieses und jenes zwischen den Zeilen.

Vor fünf Jahren kam die schlimme Zeit, in der mein Papa erkrankte, wir nicht wussten, was passiert und ich meine Hilflosigkeit in diesen Blog hinein packte – ich kam mit den Ereignissen nicht mit und funktionierte irgendwie. Es war ein heißer Sommer, den ich heute noch spüre. Der Kleine stand vor der Einschulung, beide Söhne hatten in der letzten Ferienwoche ein Tenniscamp, in dem sie sich den Tag über austoben konnten, während ich apathisch und dauerlesend auf der Terrasse lag und darauf wartete, sie abzuholen und meinen Vater in der Palliativstation zu besuchen. Die Wochen vom 18. Juli – dem Tag, an dem mein Vater das letzte Mal alleine Auto fuhr und mit uns Toms Geburtstag auf dem Chinesischen Schiff feierte – bis zum 27. August, an dem er starb – haben auch diesen Blog verändert. Denn ich schrieb mit täglicher Verzögerung über die Ereignisse und bis heute bin ich dankbar für jeden einzelnen Kommentar und die vielen, vielen Mails, in denen mir vollkommen fremde Frauen von ihren Verlusten erzählten und davon wie ihre Trauer als störend und übermäßig wahrgenommen wurde. Frauen, die mir dankten, weil ich darüber sprach und sie es selbst nicht durften. Und all diese Geschichten haben mir sehr geholfen, denn wir waren nicht allein.

Durch diese Erfahrung war das Schreiben für mich endgültig Ventil für kleine und große Ärgernisse. Wenn mir einer diesen schiefen Elendstage begegnete, ertrug er sich leichter beim Gedanken an den Beitrag, den er ergeben würde – wenn ich mich auch ärgerte, so konnte er einige andere vielleicht zum Lachen bringen. Auch besonders Schönes fand seinen Weg in den Blog. Als ich mich beispielsweise mit dem Kosmetikstudio selbstständig machte – ein Plan, der sehr spontan entstand und an dem mein Vater Anteil hatte, der immer dafür plädiert hatte – war ich überwältigt von der Tatsache, dass meine ersten Kundinnen ausnahmslos Blogleserinnen der näheren Umgebung waren, die dazu bis zum Ende der Studios regelmäßig Termine vereinbarten. Es war ein eigenartiges Gefühl, erst im Laufe des Erstgespräches zu erfahren, dass mir da Frauen gegenüber saßen, die mich kannten. Frauen, die allesamt genauso spannend, toll, witzig, warmherzig, intelligent waren, wie ich mir meine Leserin eben vorstelle. Frauen, deren Lebensgeschichten sich sehr voneinander unterschieden, die verschiedene Hobbies und Interessen und Körper und Gesichter hatten und jede einzelne von ihnen hat mir den Tag verschönt. Und es ist bis heute ein großes Kompliment für mich, dass sie sich mit Umarmungen verabschiedeten und meinten, ich sei im wahren Leben die Selbe, die sie auf dem Blog so mochten. (Und jetzt habe ich etwas feuchte Augen, mal wieder …)

Egal, über was ich lamentierte und klagte, mich ärgerte und aufregte, ob es antifeministische Frauenministerinnen waren oder unerträgliche Moderatoren, ob es um den Flüchtlingsstrom und die rechte Meute, meinen nicht vorhandenen Gottglauben oder um unmögliche Wollqualitäten ging – immer entwickelten sich Gespräche, die mir viel bedeuten. Selbst als es um Regelschmerzen und Wechseljahrsärger ging, fand ich Zuspruch, Hilfe und viel zu lachen. Und jeder Kommentar, jedes Like hat mir meinen Alltag leichter und schöner gemacht. Das Schreiben, das semi-öffentliche Schreiben, das ganz private und persönliche Erzählen ist mir eine Selbstverständlichkeit geworden, weil ihr – die ihr also lest und kommentiert – mich nie peinlich-nackt im Regen habt stehen lassen.

Als nun im letzten Jahr der Topp-Verlag anfragte, ob ich einige Texte für ein Buch verfassen wolle, war das der Anstoss, mich endlich mit einem Wunsch auseinander zu setzen, den ich lange hatte – und der immer wieder von außen befeuert wurde. Ihr, die ihr auch Deutschleistungskurswählerinnen gewesen seid, kennt das: Deutschlehrer, die fest davon ausgehen, ihr würdet wenigstens journalistisch tätig werden oder einen Gedichtband nach dem anderen veröffentlichen oder doch zumindestens eine Verlagskarriere anstreben. Und dann traut man sich eben doch nicht oder ist viel zu beschäftigt, sich durch all die wirklich grandiosen Werke der Weltliteratur zu lesen, mit denen man sich nicht geringsten vergleichen kann.

Ich schrieb also diese Texte, die einigen sehr gefielen. Und schrieb Texte für ein weiteres, besonders schönes Nähbuch, das demnächst erscheint. Das hat mir Spaß gemacht und ein wenig Selbstvertrauen gegeben, aber ich stelle auch fest, dass das Thema Schönheit, Mode, Stil damit erst einmal ausgeschrieben ist für mich. Doch da war noch meine Emma, eine Figur, die ich seit zehn Jahren in mir trage. Ein-, zweimal hatte ich begonnen, sie in einen gemütlichen Krimi zu setzen, doch insgeheim erschien es mir sehr albern und vermessen, ernsthaft etwas schreiben zu wollen – Schund gibt es nun wahrlich schon genug und ob ich etwas anderes hervor bringen könne …?

Meine Freundin, die sich all meine mir wichtigen Texte am Telefon anhören muss, drängelte schon länger; einige andere mir sehr freundliche gesinnte Damen auch. Und so habe ich vor drei Wochen etwa begonnen. Ausgelöst durch einen wirklich heftigen Streit mit dem Gatten, dem ich samt Hunden und großem Sohn in einen Spaziergang entfloh. Über alles mögliche unterhielten sich das sehr schwierige Pubertier und ich uns, irgendwann erwähnte ich wohl, dass ich gerne meine Emma schreiben würde und der Sohn legte los mit einer Mordsstory, bei der ein Mann seine Frau ermordet (und das richten eheliche Streitereien in den Kindern aus!) und deren Schwester das beweisen wollte. Dabei fiel mein Groschen, wie Emmas erste Geschichte sein müsse – sehr persönlich nämlich. Und zwei Tage später schrieb ich los, vom mittlerweilen wieder versöhnten Gatten angespornt.

Ob daraus irgendetwas wird? Wer weiß das schon, aber im Moment schreibe ich täglich, lese es der Freundin vor, die es sehr mag und an den richtigen Stellen lacht oder schluchzt, und habe Proben davon drei Frauen zum Lesen gegeben, die mich zum Weiterschreiben motivieren. Entsprechend still ist es daher manchmal hier auf dem Blog – nix zum Zeigen, nix zum Erzählen. Ich weiß nicht, ob ich es schaffen kann, eine spannende Geschichte zu erzählen, ob ich fertig werde und dran bleibe, aber ich habe ein Vergnügen besonderer Natur für mich entdeckt und schreibe ganz so, wie es für mich passt. Weiter denke ich noch lange nicht. Was ich aber weiß, ist eines: Hätte ich vor zehn Jahren nicht mit dem Bloggen begonnen, hätte ich nicht immer auch ein Miteinander und Hilfe dadurch erfahren, dann säße ich auch jetzt noch hier und dächte, wie wunderbar es ist, dass andere Menschen Geschichten schreiben und wie gern ich das auch täte. Ich hätte auch niemals erfahren, wie wunderbar es ist, Kleidung selbst zu nähen oder in einen Stil komplett einzutauchen, einfach, weil ich ohne diesen Blog nie mit den  Frauen in Berührung gekommen wäre, die mir diese Ideen eingaben und mich auf dem Weg motivierten.

Von dort bis hier sind also nun zehn Jahre vergangen, in denen sich die Welt sehr verändert hat. Ich möchte gerne positiv in die nächsten zehn Jahre schauen, weiß aber nicht so recht, ob mir das gelingt: Was damals wie eine  gut asphaltierte Straße durch schöne Landschaften erschien, ist nun zu einer Autobahn mit einigen Schlaglöchern geworden, deren Ende hinter immer mehr Kurven zu liegen scheint. Ich schaue etwas weniger nach links und rechts, besinne mich etwas mehr auf mich selbst und versuche, nicht zuviel an das zu denken, was hinter der Kurve kommen mag. Ich weiß ja nun, alleine bin ich nicht.

Streifen. Und Stilverlust. Oder -änderung?

Meine Näherei liegt bald so brach wie meine Strickerei und ich finde das sehr belastend, spricht doch jeder Zentimeter Stoff zu mir von schlechtem Gewissen – auf die Wollknäuel höre ich gar nicht mehr. Obwohl: Sie lagern unter meinem Bett und meine Nächte sind wenig erholsam, es könnte also einen Zusammenhang geben … egal, egal. Denn ich habe endlich etwas genäht! Fast sogar flott: Vor noch einem guten Jahr hätte ich für ein ärmelloses Top mit zwei Teilungsnähten keine zwei Stunden benötigt. Aber  noch einmal: Egal, egal. Gestern abend schnitt ich zu und steckte alles zusammen, heute morgen habe ich anstatt zur Feder zur Nadel gegriffen und habe es genäht. Wow!

Wie immer bin ich nicht in der Lage, das Oberteil angemessen abzulichten – in diesem Fall fühle ich mich schuldlos, denn weite, gerade, kurze Tops aus nicht fließenden Stoffen neigen dazu, auf Bildern massiver zu wirken, als sie es sind. Und ich finde es lustig, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben so aussehe, als hätte ich schmale Hüften und eine Riesenoberweite und ein breites Kreuz. Besonders zwei Fotos leisten ganze Arbeit:

 

 

Und ihr dürft nun meine Uneitelkeit loben, dass ich diese Bilder zuerst zeige, aber ich gebe zu, ich ließ mir vorhin noch versichern, dass ich so nicht aussähe … soviel zu der Tatsache meiner nicht vorhandenen Eitelkeit. Aber eigentlich, eigentlich wollte ich nicht nur das Top zeigen, sondern – viel mutiger – meine Beine mit all ihren Dellen und Wellen. Als ob ich in der Lage wäre, detailgetreue Bilder zu zeigen.

Denn seit etwa drei Wochen trage ich auch außerhalb des Hauses, wenn es heiß genug ist, (gekaufte) Shorts, die – deshalb heißen sie ja so – richtig kurz sind. Wohlwissend und mitunter darüber sinnierend, dass derlei ja nicht gerne gesehen wird. Ab einem gewißen Alter – ich habe wahrhaftig die Dreißig als magische Grenze nennen gehört! – verzichtet eine Dame darauf, ihre nicht mehr einwandfreien Beine zu zeigen, denn kein schlimmeres Schicksal ist denkbar, als dem Jugendwahne zu verfallen und nicht zu toucherkennen, wie das eigene Verfallsdatum weit hinter einem liegt. Und ja, so ganz kühl lässt mich das nicht und würde mir gerne ein Schild umhängen, das erläutert, weshalb ich sie trage. Nicht, weil ich mich noch so wahnsinnig heiß finde oder ein besonders gut erhaltenes Exemplar einer Endvierzigerin wäre, sondern weil es heiß ist und ich zweimal täglich mit zwei Hunden durch die Natur wandere …

Und während mir das heute morgen beim Gassigang zum ersten Mal bewußt wurde, überlegte ich einiges andere. Ich erwähnte schon einmal, dass das Leben mit zwei Hunden und zwei Katzen, nicht zu vergessen zwei Söhnen und einem Gatten, mich vor Einschränkungen modischer Natur gestellt hat. Wären es vier Katzen, so müsste ich weiterhin nur auf häufiges Haareeinsammeln und krallresistente Stoffe achten. Doch täglich bei jedem Wetter raus zu müssen? In Vintage hätte ich das nicht gekonnt – und wer mir ernsthaft etwas anderes erzählen will, geht sicherlich nicht mit zwei echten Hunden durch echte Natur, sondern mit einem braven Hündchen auf planierten Wegen.

Nun hatte ich mit Vintage ja aus anderen Gründen gebrochen – es gefiel mir an mir nicht mehr und war mir auch zu restriktiv. Was an den körperlichen Veränderungen lag, die enge Rocktaillen und hohe Absätze nicht mehr tolerierten. Ganz kurz hatte ich gar einmal überlegt, ob ich denn zu Beginn nicht sehen konnte, dass es zu mir nicht passte und blätterte zurück. Nein, es ist für mich noch immer gut sichtbar, weshalb mich Vintage anzog: Ich war jünger und ich war – böses Wort – dünner. Meine Hüften waren wohl breit, aber eben nicht breiter als meine Schultern, der Bauch zwar gewölbt, aber nicht im Weg. Mit jedem Jahr und jedem Kilo fand ich die Anpassung schwieriger und das Ergebnis trauriger. Jünger würde ich nicht mehr werden, dünner jedoch war möglich.

Und als ich auf meinem Spaziergang an diesem Punkt der Überlegungen angelangt war, hielt ich erschrocken inne, denn dünn ist für mich aus zwei Gründen ein böses Wort: Zum einen ist es sehr verletztend, wenn man um Gewichtserhalt kämpft und zum anderen löst es bei vielen einen Reflex aus, der nicht eben positiv ist; da fallen uns allen sicherlich viele (seltsame?) Diskussionen der letzten Monate ein. Warum also wollte ich wieder dünner werden, wo ich doch immer nach mehr Gewicht gestrebt hatte und ich mich nicht zwangsläufig schöner finde auf den früheren, dünneren Bildern?

Weil, und das werden wohl viele dünnbeinige  und -armige Frauen kennen, man innerlich ja doch ebenso zufrieden mit sich ist und sein könnte, wie es alle anderen Menschen sind oder sein sollten. Wenn nur nicht immer jede und jeder riete, man möge doch ein wenig mehr essen …

Und dann, eines Tages, gelingt es vielleicht mit dem Mehr an Gewicht. Nach dem die Kinder auf der Welt sind, die weniger Bewegung und mehr Trostschokolade mit sich brachten und dann kommen noch die Jahre dazu. Auf einmal hat man die jahrelang so vergeblich herbei gewünschten Kilos und wähnt sich am Ziele. Näht man, dann hat man vielleicht die Maße immer parat – alle Maße! Mich beschlich ja, nachdem ich also auf sagenhafte 64 kg mich hoch gearbeitet hatte, immer ein Gefühl der Fremdheit, wenn ich mich im Spiegel besah. Nachdem ich wieder Kleidung kaufte, wurde es verstärkt, dieses Gefühl. Ich brauchte Kleidergröße 42 und die saß an der Hüfte knapp, schlackerte mir dafür aber schlimmer denn je um die Waden. Ich maß nach.

Als ich mit dem Nähen begann, wog ich meist 54 kg und hatte die Maße 84 – 65 – 91, meine Waden waren an ihrer dicksten Stelle 29 cm „dick“. Mit 10 kg mehr hatte ich 94 – 74 – 104 zu bieten, meine Waden waren auch gewachsen – um sagenhafte 0,5 cm! Denn egal, was ich esse: Auf Arme und Beine hatte es keinen Einfluß. Nun will ich keinesfalls auf 54 kg zurück, aber ein Kilo weniger wäre mir nun lieb (dann wäre ich bei 57 kg und Kleidergröße 38) – im Laufe des letztes Jahres hatte ich ja auf all den Kram verzichtet, der mich so hoch gepusht hatte und um den ich gedanklich oft kreiste. Hatte ich morgens einen Ostfriesentee getrunken, so hatte ich danach Appetit auf Chips, danach auf etwas Süßes, etwas Warmes, etwas Herzhaftes, etwas Knackiges und so war ich den ganzen Tag damit beschäftigt, es mir gemütlich zu machen und zu essen. Ja, das habe ich mir dann doch mal aufgeschrieben, als das Gefühl, im Spiegel einer fremden Frau gegenüber zu stehen, übermächtig wurde und ups – ich war doch überrascht. Mein Grundumsatz lag dank Größe, Alter, Gewicht und Tätigkeit bei knapp 1800 kcal und was ich zu mir nahm … es gab Tage, da lag ich bald beim doppelten und außer ein wenig Hausputz und ein paar Situps hatte ich nicht viel Bewegung.

Langer Rede, kurzer Sinn: Ich fühle mich jetzt deutlich wohler, weil mir selbst deutlich näher. Meine Waden sind übrigens – dank Max und Micky und flacher Schuhe – auf 32 cm gewachsen und meine Hüften stehen mit der Schulter wieder in einer Linie. Was ich neben dem Gewicht aber auch verloren habe, ist die Sicherheit, zu wissen, was ich an mir mag, was mein einer und erkennbarer Stil ist. Gehe ich heute noch davon aus, dass schlicht, uni und cool das einzig Wahre ist, stehe ich morgen vor romantischen Blumen und träume vom Hippie-Look. Blättere ich in meinem Archiv zurück, dann liebe ich noch immer Bleistiftröcke und hohe Schuhe, trage ich sie jedoch einmal, so blickt mir ganz schnell eine gut mittelalte, leicht erschöpft wirkende Frau aus dem Spiegel entgegen, die eher bieder als schick wirkt. Und das ich diese Sicherheit verloren habe, ist vermutlich der Hauptgrund für meine Näh- und Stricklähmung. In diesem Dreieck zwischen Alter – Körperlichkeit – Alltag bemühe ich mich um die bestmöglichste Kombination und die beinhaltet nun kurze Hosen, die ich mich nie zu tragen wagte in all den Jahrzehnten zuvor.  Denn sie sind einfach die praktischste Kombination zu liebevoll gestichelten Blusen und Tops.

 

 

Wenn das kleine Top auf den Bildern auch nicht als Figurschmeichler auftritt, so habe ich es dennoch recht lieb 😀 Meine Hunde finden ich mich trotzdem klasse, meine Freundinnen fühlen sich nicht gestört, der Gatte mag es und ansonsten hat man mir noch nichts hinterher geworfen. Alles gut also, oder?

Ansonsten lässt sich zur Konstruktion sagen: Es ist minimal nach unten ausgestellt, könnte vielleicht einen Zentimeter länger sein. Der Brustabnäher kam schräg von unten und ist, ebenso wie der Schulterabnäher hinten, in die Passe gelegt worden – ich habe es gerne simpel beim Nähen und finde das Markieren von Sommerstoffen problematisch. Vermutlich werde ich aus allen möglichen Resten weitere Blüschen diesen Schnittes anfertigen, Figurschmeichelei hin oder her.

Geliebte Leserinnen

Es ist ja schon wieder einige Jahre her, dass ich eine Ode an die stille Leserin schrieb, die sich eines Tages aufrafft und kommentiert – kommentiert in der denkbar liebenswürdigsten und manchmal mich zu Tränen treibenden Art. Als ich dann den Laden eröffnete, lernte ich manche auch leibhaftig kennen und wußte ab da ganz genau, dass meine vage Vorstellung von den Frauen, die mich lesen und mir schrieben, eine absolut richtige war: Allesamt waren genauso offen, humorvoll, intelligent, lebensklug und herzenswarm wie erhofft. Und doch war jede anders und besonders – Frauen kommen eben sehr vielfältig und mit sehr persönlich zusammen gewürftelten Lebensgeschichten daher.

Eher selten geschah es mir bislang, dass ich erkannt wurde – Wiebke (oder ist es Wibke?) ahnt nun schon, dass sie gemeint sein muss 🙂 Ich erhielt einmal einen Kommentar, dass mich die Betreffende am Vormittag in der Stadt auf Karstadt’schen Rolltreppe erkannt habe, aber zu schüchtern gewesen sei, mich anzusprechen. Ein anderes Mal hörte ich auf dem Remagener Stoffmarkt, wie eine Frau ihrer Freundin zutuschelte: „Die kenn isch, dat is die Mischu. Also glaub isch …“ – ich gebe zu, dieses Mal war ich zu feige, mich umzudrehen und los zu jubeln. Auf einem meiner Kosmetikseminare kamen wir abends auf das Thema „Nähen“ zu sprechen und eine Kollegin schlug sich auf den Schenkel und rief, sie habe es doch geahnt – sie lese ja auch sämtliche Blogs, aber bislang kamen ihr all die Bloggerinnen kaum wie echte Menschen vor. Was mir, ich gebe es zu, bei manchen ganz ähnlich ging in früheren Jahren. Und dann sprach mich letztens eine der Angestellten der Bonner „Wolle Rödel“-Filaliale an, ob ich nicht auf der H+H gewesen sei? Da hätte sie mich gesehen und gehört und ich sei ihr so bekannt vorgekommen – und nun sei ich wohl auch noch Kundin.

Aber heute war es noch einmal ganz anders: Die Jungs brauchten – schon wieder und nein, ich werde wohl niemals für sie nähen – T-Shirts und kurze Hosen, dem Gatten schwebte ähnliches vor, die Hunde brauchten eh Bewegung und der kleine Hund aus der Hölle noch viel mehr Sozialtraining und so fuhren wir bei lauen Temperaturen ins nahe gelegene Bad Münstereifel, das in den letzten Jahren zum Outlet-Shopping-Center ausgebaut wurde. Nach den ersten Schritt schon hörte ich jemanden rufen und fühlte mich angesprochen: „Kommen Sie aus Bonn?“

Ich drehte mich um und nahm spontan an, wir müssten uns wohl schon einmal mit den Hunden begegnet sein – sämtliche Neubekanntschaften sind ausschließlich auf Max und Micky zurück zu führen. Aber nein, da erkannte mich jemand über den Blog. Und siezte mich – was ja gar nicht nötig ist. Ich trete jeder Leserin hier so was von nahe und palavere und jammere und klage und zetere, da kann mich ruhig duzen, was wir dann auch taten. Und wieder traf ich eine ganz tolle Frau mit einer unglaublichen Ausstrahlung, die lustig, offen und extem sympathisch war, dass ich am liebsten noch mehr Zeit für sie gehabt hätte – da hast du, liebe Wiebke, noch mal Glück gehabt, dass du deine Entourage dabei hattest, die dich schützen konnte 🙂

Und weil du mir sagtest, dass die Sache mit dem Passwort ein bißchen blöd sei, weil das Herum suchen ja nicht so schön sei und ich auf der Fahrt nach Hause mich fragte, weshalb ich eigentlich solche Angst habe, dass andere meinen Unsinn hören – nun ja, deshalb nehme ich das Passwort vom letzten Beitrag jetzt wieder raus und lasse eine jede sich darüber freuen, amüsieren, peinlich berührt den Kopf schütteln und sich krank lachen über das, was ich jetzt anfing und aus dem ich zumindest eine fertige Geschichte schaffen möchte. Wem es gefallen sollte, setzt unter den Beitrag – diesen oder den letzten – ein herzliches „Danke, Wiebke!“

So, ich strahle noch immer über das ganze Gesicht, you made my day, Wiebke und werde mich nun auch noch zum Sport aufraffen, weil … na, weil halt 😀

PS: Und hahaha! Wiebke hat ebenfalls einen Blog und gerade eben durfte ich mich freuen, denn sie hat auch von unserer Begegnung erzählt – vielen lieben Dank 🙂 Ich fühle mich jetzt sowas von wohl, ich kann es nicht in Worte fassen.

Prolog zu einem Projekt – und ein wenig Bibbern bei mir

Ehrlich gesagt, bin ich ganz schön feige – zwar schreibe ich hier auf dem Blog seit 10 Jahren und lebe gut damit, dass andere meine Texte und Aussagen vielleicht bewerten oder mißverstehen, aber ein ganzes Buch schreiben und in die Welt hinaus schicken, das ist etwas ganz anderes. Ich weiß nicht einmal, ob ich es schaffen werde und ob es je jemand anderes außer Familie und Freundinnen wird lesen können/wollen/dürfen/müssen.

Aber Augen zu und durch, der Prolog ist irgendwie beendet und ich habe ihn im Garten mit viel Pathos eingelesen. Seid gnädig, bitte …

Ermutigung wird gerne angenommen, von harscher Kritik bitte ich abzusehen – ich lerne noch und könnte damit nicht umgehen. Danke.

Zahnarztangst und der ganze Kram

So. Das liegt mir schon bald mein Leben lang auf der Seele: Meine miesen Zähne und das vage Gefühl, daran schuld zu sein. Weil, ebenso wie ich meine zu breiten Beckenknochen hätte ablehnen können,  hätte ich ja für einen weniger schmalen Kiefer oder weniger Zähne sorgen können. Und nach all den vielen Zahnärzten, die mir erklärten, dass mein Würgen ihre Arbeit behindere und ich mich doch endlich mal zusammen reißen solle, war mir klar, welch eine elende Versagerin ich bin.

Einen Zahnarzt hatte ich – in jungen Jahren auf Norderney – der ganz lässig damit umging, schnell und sicher war und mich in entscheidenen Momenten mit den richtigen Worten ablenkte, tröstete und motivierte. Man höre und staune: Den Großteil meiner Behandlungen habe ich ohne Spritze ertragen und er fand mich dennoch sympathisch. Danach ging es bergab, bis ich in Bonn über den Notdienst einen guten fand. Stillend und panisch hat er einen vereiterten Zahn gerettet und ich wagte endlich wieder einen erneuten Anlauf, der dann von Schwangerschaft zwei und einer danach einsetzenden Flut an Erkrankungen unterbrochen wurde. Am Ende war ich mit Hashimoto diagnostiziert, was häufig zu einem zusätzlichen Engegefühl im Rachen-Kehlkopf-Bereich führt. Sprich: Mein Würgen wurde schlimmer und schlimmer. Der nächste Anlauf stoppte, da seine Co-Ärztin gelinge gesagt ein Miststück war. Der dritte Versuch endete mit der Erkrankung meines Vaters; meine anschließende Depression machte es nicht besser. Die Selbstständigkeit, der einsetzende und permanente Schulstress der Söhne, die Arbeit am Buch und ups, es waren mehrere Jahre vergangen, in denen ich den Besuch beim Zahnarzt heraus schob. Immer fest daran glaubend, dass die zukünftige Andrea – die ja älter, weiser, reifer sein musste – mit der hoffnungslosen Situation besser umgehen könne als die gegenwärtige. Aus heutiger Sicht ist die damalige Andrea natürlich eine blöde Kuh, die mir diesen Mist eingebrockt hat. Andererseits …

Andererseits kann die ältere Andrea besser damit umgehen. Fast täglich habe ich in den letzten Jahren an meine Zähne gedacht; spürte es hier bröckeln und dort schieben, schämte mich und fand mich peinlich, feige, scheußlich. Und dann, um Ostern, brach erst die eine Riesenfüllung raus und dann die zweite. Ich war – verblüffend, aber wahr – sofort bereit, einen Termin bei meinem Zahnarzt zu machen. Doch zu meinem großen Glück kam mir eine fiese Erkältung dazwischen, die sich zu einer Bronchitis auswuchs. Vor mich hinleidend, legte ich mich zu Bett und googlete, wie ich mich auf die Prüfung vorbereiten könne. Ich hatte nicht unbedingt eine klassische Zahnarztphobie und auch nicht zu viel Schiß vor Schmerzen – schlimmer als Regelschmerz und Geburt kann es nicht sein. Ich hatte Angst vor dem Würgen, den Anklagen, meiner Unfähigkeit, mitzuarbeiten. Ich könnte einen sehr langen Text über all das schreiben, was ich zu hören bekam. Aber vorbei, vorbei. Es geht nach vorne.

Denn mittlerweile hat Lachgas Einzug gehalten in viele Praxen und manche Ärzte ahnen sogar, wie lähmend sich Würgen und Schnaufen auswirken kann. Und anstatt einen Termin beim alten Zahnarzt zu machen, habe ich mir einen Neuen ausgesucht, der dazu noch besser zu erreichen ist. Die Praxis ist luftig, modern, hell, hat unglaublich schöne Bilder an den Wänden und das giftige Grasgrün der Kittel erschüttert so sehr, dass man keine Zeit für Angst beim ersten Eintreffen hat.

Heute hatte ich den zweiten Termin und zwei Zähne – ein Weisheitszahn und der in der Schwangerschaft abgebrochene, der nie behandelt werden konnte, weil ich schon das Röntgen mit Plättchen in der Backe nicht schaffte – sind entfernt worden. Mit Spritze (fies, aber nötig und wirklich richtig gut gesetzt) und Lachgas. Das Gas hat mich nicht unbedingt Bettschwere fühlen lassen, aber Entspannung (so weit man mit hochgezogenen Schultern entspannt ist) und viel, viel besser: Kein Würgen! Null! Ich kann gar nicht beschreiben, welch eine Erleichterung das ist. Ich schreibe das jetzt, bevor die Spritze endgültig nach lässt – nachher fließt mir das vielleicht nicht mehr so leicht in die Tastatur …

Schon beim ersten Termin hatte ich ein gutes Gefühl: Ich wurde sofort zum Röntgen gebracht, noch bevor ich auf der Liege Platz nahm. Ich wollte schon panisch werden, als ich sah, dass diese Praxis es ganz ernst meint mit der Fürsorge für den Patienten. Ich brauchte keine Plättchen, kein umständliches Gefummele. Und so wurde ich für den heutigen Termin erst eine Stunde vorher leicht nervös. Ansonsten habe ich Wochen zuvor schon Pankikattacken gehabt.

So, das musste mal raus und ich weiß, so geht es sehr, sehr vielen – das habe ich in den letzten Wochen gelernt. Und deshalb kann ich vielleicht einmal ein bißchen Mut verbreiten: Sucht euch einen Zahnarzt, der Lachgas hat UND Angstpatienten einlädt. Die gibt es überall.

Ich lege mich jetzt mal aufs Sofa und schaue, was passiert. Die Hunde müssen nachher halt mit den Jungs raus und vielleicht nähe ich nicht unbedingt heute weiter, aber egal, wie weh es nachher noch sein wird: Ich bin unglaublich erleichtert und wahnsinnig stolz. So!

Schönheit Teil 3 – Nicoles Gedanken

Ich kann nicht mehr sagen, wann genau mir Nicole über den Weg gelaufen ist oder wo es war, aber irgendwie und irgendwann sprachen wir miteinander, immer mal wieder, immer öfter, immer intensiver. Manchmal, man kann das ja ruhig zugeben, wundern wir uns gemeinsam über den Wahnsinn der Welt und unserer Mitmenschen, manchmal sind wir ganz bei uns und machen uns Gedanken über unser Seelenleben, manchmal haben wir nur den schönen Schein im Sinn.

Was ich aber genau sagen kann: Ich war sofort nicht nur eingenommen von ihr, sondern fasziniert. Als ich dann noch ihren Vortrag bei youtube sah und hörte, freute ich mich sehr über den neu gefundenen Schatz und noch mehr darüber, dass wir uns demnächst auch persönlich treffen werden.

Doch genug der Vorrede, hier nun ihre Gedanken und Assoziationen zum Thema Schönheit, die – wie ihr sehen werdet – sehr frei sind.


 

 

7 Frauen reden über Schönheit, nachdem die liebe Michou/Andrea uns dazu eingeladen hat. Offen, ehrlich, manchmal zögernd, zweifelnd, aber neugierig und wertschätzend. Welch wundervolle Erfahrung. Wieder einmal zeigt sich…

Der eigene Horizont definiert das eigene Universum.

Wie schwer ist es, sich wirklich in andere hinein zu fühlen. In jemanden der so ganz anders ist mit seiner Herkunft, Prägungen, Erfahrungen, Ängsten und Wünschen. Anderseits trifft das auf alle Menschen zu… wenn man sie genauer betrachtet. Aber dieses genauer betrachten muss man eben zulassen. Und genau daran scheitert es, denn es ist gar nicht so einfach die Zerbrechlichkeit unter dem sorgsam gehegten Schutzpanzer zu zeigen.

Ausgesprochen passend lief mitten in dieser Phase der Film ‚EMBRACE. Du bist schön‘ für einen Tag in den Kinos. Dieses sich selbst annehmen und einfach die eigene Schönheit erkennen klingt wundervoll. Und so einfach. Vielleicht ist es das auch. Aber dürfen wir das?

Und warum tun wir es nicht?

Ich habe mich nach diesem Film mehrfach gefragt, ob es wirklich so viele sind,  die ihren eigenen Körper so sehr hassen, wie man es dort zu hören bekommt. Es liegt außerhalb meines Universums. Trotz aller unglücklichen Verschachtelungen in meinem Leben ist da irgendwo ein passables Maß an gesunder Selbstliebe in mir verankert. Für die ich sehr, sehr dankbar bin.

Auch in Zeiten in denen mein Körper so gar nicht meinen optischen Idealen entsprach, konnte ich mich noch freundlich im Spiegel ansehen. Habe ich mich bedenkenlos in Sauna oder Schwimmbad getraut «Ist mir doch egal, was die anderen denken. Gibt schließlich auch schöne Seiten an mir und ich bin eh nicht zur optischen Bereicherung anderer da.» Selbstverachtung ist mir fremd.

Noch viel unerklärlicher ist sie mir, wenn sie sich scheinbar bruchstückhaft nur auf einzelne Bereiche bezieht. Aber ich bin neugierig und höre gerne zu. Gleichzeitig merke ich, wie schwer es mir fällt, dabei offen zu bleiben. Ehrlich zu sagen, wie gut es mir mit mir selbst geht. Darf ich sagen, dass ich gerne in den Spiegel sehe? Darf ich mich schön finden? In vollem Bewusstsein meiner Unperfektheit. Und obwohl ich parallel nach Veränderung strebe, weil ich weiß, das mir das gut tut. Es scheint in anderen Ohren seltsam, arrogant, stolz, unsympathisch zu klingen.

Aber ist es nicht genau das, was wir allen Menschen wünschen?

Liebevolle Selbstannahme und -bewusstsein. Doch wie gut können wir etwas erreichen, wenn genau das wonach eigentlich alle streben, gleichzeitig so negativ ausgelegt wird?

 

 

Die Diskussionen endeten immer und immer wieder damit, dass wahre Schönheit tatsächlich von innen kommt. Im Idealfall mit äußerer – ich nenne sie zur Abgrenzung jetzt mal – Hübschheit zusammentrifft. Die zwar oft mit den typischen  Idealen zusammentrifft, aber nicht unbedingt muss und ganz viele Spielarten erlaubt. Und dass diese innere Schönheit in der Lage ist ganz, ganz viel äußerliches zu überstrahlen.

Dann müssen wir sie aber bitte auch erlauben!

Mir scheint es in Diskussionen, dass die Wertschätzung des anderen vor allem dann gut ist, wenn man sich selbst dabei abwertet. „Also ich finde Dich wunderschön, Du hast eine ganz wundervolle Ausstrahlung und Deine harmonischen Kurven und so, ganz toll. Und ich weiß gar nicht was Du an mir findest, ich bin gar nicht so toll, guck doch mal diese Falten hier an.“

In der Bibel heißt es „Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst.“ Selbstliebe ist da die selbstverständliche Grundlage um dem anderen in Liebe zu begegnen. In der Transaktionsanalyse ist es die Grundhaltung „Ich bin OK, Du bist OK“. Wir beide sind gut und richtig. Egal ob ich mich selbst klein mache und andere auf den Sockel hebe oder andere von oben herab runtermache –

Da stimmt was mit der Selbstliebe nicht.

(Und zwar mit der gesunden Selbstliebe, ich rede nicht von Narzissmus, das würde wieder andere runtermachen beinhalten). In dem Film kamen mehrere Frauen vor, die mit sich selbst Frieden geschlossen hatten – scheinbar. Besonders bemerkenswert waren eine Australierin, deren Körper und Gesicht komplett von Brandnarben gezeichnet war und eine in London, die an starkem Bartwuchs litt. Beide strahlten eine solche Liebe mit sich und der Welt aus, dass sie wahrhaft inspirierend wirkten. Sie mussten sich komplett von der Beurteilung anderer lösen, um mit sich selbst Frieden zu schließen. Und vermutlich fällt es vielen leichter es diesen Frauen anzunehmen, weil sie eben definitiv keinem Ideal mehr entsprechen. Ob einer Lena Gercke oder einer Barbara Meier (GNTM Gewinnerinnen 2006 und 2007) gegenüber genauso dankbar und herzlich begegnet wird, bei der gleichen Haltung und Aussage? Wohl kaum. Nur warum nicht?

Dürfen wir gleichzeitig innen und außen schön sein?

Scheinbar nicht. Je näher man an das Ideal gelangt, umso eher kennt man wohl aggressive, vernichtende, herablassende Kommentare. Manchmal sogar völlig irrationale Vorwürfe von guten Freundinnen.

Weil es einem dann vor Augen führt wie unzulänglich wir selbst sind? Dann sollte uns das ein eigentlich ein Zeichen sein, den Blick von den anderen abzuwenden und nach innen zu gucken. Selbstliebe heißt sich von der Bewertung mit anderen lösen. Im negativen wie im positiven. Sich schön finden, weil man sich schön findet, nicht weil andere einen so bezeichnen. Etwas für sich tun, weil man sich um sich selbst kümmert, nicht weil man dem Ideal anderer hinterherhechelt.

Nicht einfach, aber lohnend.

Wenn man das begriffen hat, käme man auch nicht auf die Idee andere dafür anzugreifen, dass sie schön sind. Ihnen aus heiterem Himmel vorzuwerfen, dass sie nach Anerkennung lechzen, weil sie Komplimente bekommen. Sie anzugiften, sie würden idiotischen Idealen hinterherhecheln, weil sie etwas für ihre Gesundheit tun. Nicht über Magersucht und Freudlosigkeit lästern, weil jemand anderes schlank ist. All das ist mir in letzter Zeit begegnet und macht mich wütend und traurig zugleich.

Ich bin überzeugt, wenn wir alle unsere Energie mehr der inneren Schönheit widmen, gibt es auch im Außen mehr schönes zu sehen. Ein Therapeut oder Coach hat da übrigens eine deutlich langfristigere Wirkung als teure Tagescreme, Designerkleid und HighHeels zusammen.

Und dann trauen wir uns bitte auch dazu zu stehen! In diesem Sinne…

Ich bin schön. Jetzt Ihr!

Ich bin sehr gespannt, welche Fragen da jetzt folgen werden – denn so war es angekündigt.