Die Gewinnerinnen :-)

Am allerliebsten würde ich natürlich allen ein Buch senden und erfahren, ob ihr gerne darin geblättert habt, ob die zwei gegensätzlichen Seiten des Themas gut zusammen gewachsen sind und überhaupt und sowieso 🙂

Aber drei Bücher habe ich, drei Gewinnerinnen gibt es – heute morgen mit Katzenhilfe gezogen wurden:

Annemarie, Maria und Jule – bitte seid so lieb und meldet euch.

 

Nun aber: Wer will gewinnen?

In eigener Sache zu schreiben fällt mir auch nach Jahren noch schwer, also kurz und knackig: Heute morgen sind fünf Exemplare des Buches bei mir eingetroffen, zu dem ich Texte geschrieben habe. Und drei davon verlose ich jetzt wie versprochen.

Wer also möchte gewinnen? Und weshalb musst du es unbedingt haben? Das schreibt ihr mir bitte in die Kommentare bis Montagabend und am Dienstagmorgen lasse ich dann das Los entscheiden.

Jetzt nur nicht schüchtern sein – drei Bücher suchen ein Zuhause. Sollte die Gewinnerin danach Lust haben, etwas darüber in ihrem Blog (so sie einen führt) zu schreiben, so freue ich mich doppelt – na ok, das hängt vermutlich vom Fazit ab 😀

Gewinnspiel?

Manchmal ist der Wurm drin und er will nicht recht heraus. Verständlich, er hat es sich gemütlich gemacht, lebt in seinem Apfel und stört sich nicht geringsten daran, was andere um diesen Apfel herum wohl wollen. Von ihm oder dem Apfel oder überhaupt. Das könnte ein wunderbarer, geradezu romantisch verklärender Anfang eines Märchens sein, dessen Hauptakteur weniger Apfel als orange ist …

Aber nein, heute will ich nicht politisch werden und ich wünschte, all diese häßlichen Männer würden aus meinem Sichtfeld verschwinden. Und deshalb mal etwas Schönes (und ich widerstehe dem Impuls „… solange es noch geht“ außerhalb dieser Klammern zu schreiben). Ich warte nach wie vor auf meine Exemplare, die längst unterwegs sein sollten und es wohl auch sind, aber einfach nicht zu mir finden. Das ist der Wurm im Apfel. Und längst wollte ich drei dieser Bücher hier unter euch verlosen. Solange sie aber nicht hier sind, kann ich nicht so recht loslegen, oder? Dabei möchte ich schon gerne wissen, was andere zu dem Werk sagen, das zwei ganz unterschiedliche Seiten desselben Themas zu vereinen sucht. Ich gebe zu, ich bin noch immer oder eigentlich jetzt erst recht aufgeregt.

Mads Rønnborg (et moi …) – 100 x Outfit of the day


Je nun … wie fange ich an? Wie bespreche ich ein Buch, an dem ich selbst beteiligt war? Vermutlich genauso subjektiv, wie ich es auch bei all den anderen Büchern tat, die ich rezensieren durfte. Wie es zu meiner Beteiligung kam, erzählte ich euch in der vorletzten Woche schon. Doch wie das fertige Werk aussehen würde, davon hatte ich nur eine ungefähre Ahnung und bis heute morgen endlich auch eines meiner Exemplare eintraf, fragte ich mich, wie meine Texte und die Bildstrecke zusammen gehen würden.
Kurz gesagt: gut. Sie gehen gut zusammen.

Im Grunde ist es ein Wunder, denn auf den ersten Blick haben meine Meinung zu den Themen Kleidung, Schönheit und Selbstbewußtsein wenig gemein mit dem auf Instagram & Co. gebräuchlichen #ootd. Ich bin nicht hip und schick und trendy und keine Freundin altbekannter und wiedergekäuter Stylingtricks – also vielleicht das Gegenteil dessen, was der Hashtag verspricht und bietet. Zehn Themen haben wir, die Projektleiterin und ich, gewählt, zu denen ich schreiben sollte, was mir einfiel (da sei ich frei, man wolle etwas anderes als das Übliche):

 

 

 

Guter Stil, Stilregeln, Figur und Charakter, Image und Persönlichkeit, Komfort, Die richtigen Farben, Trends und Klassiker, Mode und Inspiration, Styling no-Gos – diese Texte sind mein Beitrag zu diesem bunten Buch voller verrückter, ungewöhnlicher, klassischer, sportlicher, und und und Inspirationen.

 

 

Und all diese Outfits hat Mads Rønnborg zusammen gestellt. Ich behaupte mal, euch als Selbermacherinnen geht es ähnlich wie mir und so gestehe ich zu meiner ewigen Schande, dass mir der Name nichts sagte, als er mir nach dem Schreiben der ersten Texte genannt wurde als derjenige, der für den aufwändigen Bildteil verantwortlich sein würde. Mads hatte vor einiger Zeit eine Stylingshow im Frühstücksfernsehen (da lässt sich einiges bei youtube finden), er arbeitet beim Magazin Barbara als Stylist, daneben kleidet er Prominente ein und sorgt für perfekte Outfits in Werbekampagnen. Und diese Bandbreite von schlicht bis schillernd, alltäglich bis aufregend bringt er in die hier gezeigten Kombinationen mit ein. Ein kluger Dreh erscheint mir übrigens der Verzicht auf Models: so bleibt jeder von uns Platz genug, ihren eigenen Körper gedanklich in die Vorschläge einzukleiden, ohne sich mit der Figur des Models zu vergleichen – hier schließt sich der Kreis zwischen meinen Texten und seinen Vorschlägen gelungen.
 

 

Nun ist dieses Buch – trotzdem es in einem der großen Handarbeitsverlage erschienen ist – nicht unbedingt an Hobbyschneiderinnen und -strickerinnen gerichtet. Weshalb also sollte es in euren Bücherschrank? Mal abgesehen davon, dass ich äußerst geschmeichelt wäre, wenn ich dort stehen dürfte …
Schaue ich in meinen Schrank, so finden sich dort neben all den Strick-, Näh-, Schnittmuster- und Konstruktionsbüchern noch einmal genau so viele Bücher zu Kostümgeschichte, Filmmode, Strickhistorie und Stilikonen. Dabei kommt auch der Mode selbst ein großer Anteil zu und viele dieser Bücher stammen aus England oder genauer gesagt: von Trinny und Susannah und Gok Wan. Und ich blättere sie auch nach Jahren immer wieder gerne durch, weil sie mich inspirieren. Mal ist es der Gürtel zur Jeans, mal die flachen Schuhe zum Bleistiftrock – immer wieder finde ich etwas, was den Prozess des Nähenwollens in Gang setzt. Es ist ein angenehm warmes Gefühl, nun ein ähnliches Buch auf Deutsch in der Hand zu halten, in dem ich mich (also ICH – wahrhaftig ICH, es ist surreal) über verkrustete Regeln hermachen darf. UND gleichzeitig habe ich jetzt ganz aktuell Lust, wieder einen Bleistiftrock zu nähen, weil mir Mads‘ Auswahl Appetit gemacht hat. Wenn ihr also ähnlich gestrickt seid wie ich, dann habt ihr Spaß an diesem Band.

Das Buch 100 x Outfit of the day ist ein DinA4-Hardcover mit herrlich festen und mattglatten Seiten (gut, für mich hätte sich jetzt ALLES toll angefühlt :-D), es kommt auf 160 Seiten daher und erscheint im Topp-Verlag für 19,90 €.

PS: Achso und achja – sobald ich mehr Zeit habe, kommt auch die Verlosung noch 🙂

Pullover 1920-50er unterscheiden und stricken

Ich schrieb es schon auf fb: innerhalb kürzester Zeit stellten mir einige Frauen auf verschiedenen Wegen diese Frage. Und so dachte ich mir, schreib es hier auf, bevor du es vergißt.

Insgesamt habe ich knapp 80 Vintagepullis gestrickt, gleichmäßig verteilt auf Anleitungen und eigene Entwürfe. Und nachdem zu Beginn meiner Vintagepulliliebe mir jedes Modell ähnlich vorkam, bemerkte ich doch bald, dass es große Unterschiede in Schnitt, Passform und Technik zwischen ihnen gab. Wer von euch also am Anfang seiner Strick- und Vintageliebe steht oder im Stil einer der Dekaden entwerfen will, bekommt jetzt und hier und heute eine Übersicht:

 

Die goldenen Zwanziger

Nachdem Kaiser- und Königreiche im ersten mit modernen Waffen geführten Krieg verschwanden und Fischbein-Korsetts und lange Röcke mitnahmen, war weibliche Kleidung vor allem zweierlei: bewegungsfreundlich und schnitttechnisch einfach.

Statt Taille und Busen betonte die Mode nun Beine, Hüfte und Arme, das Ideal war eine sportliche Frau, schlank, groß und gerade so jungenhaft, um ihre Weiblichkeit zu betonen. Neben fließenden Kleidern, voluminösen Mänteln und kleinen Hütchen, die das Gesicht umrahmten und vom Bubikopf nur die Spitzen freiließen, griff die neue Frau auch in den Kleiderschrank des Freundes – der boyfriend style ist wirklich keine Erfindung der letzten Jahre. So kamen lose geschnittene Jackets, die ersten Hosen und auch Strickpullover in unseren Kleiderschrank. Durch die simplen Schnittformen, die durch die Materialien, Stickereien, Volants und Schmuck aufgewertet wurden, brach eine Selbstmachwelle aus: überall gab es Schnittmuster, Strick- und Häkelanleitungen, Stoffe und Wollen und das oft zu sehr günstigen Preisen.

Die meisten Strickanleitungen dieser Jahre folgen derselben Form: einem T, das in einem Stück vom vorderen Saum über die Ärmel und den Halsausschnitt bis zum hinteren Saum gestrickt wird. Das Bündchen ist meist in einem besonders plastischen Rippenmuster gestrickt oder besteht aus einer angesetzten Häkelborte, gerne zweifarbig gearbeitet, bestickt oder mit Bändern durchzogen. Der Körper ist untailliert, gerne gestreift oder quer gemustert und reicht von der Hüfte aus relativ hoch in die Achseln. Dort werden Maschen für die Ärmel angeschlagen, die recht eng anliegen. Die Halsausschnittform war vielfältig: leicht eckig, tief und spitz oder gerade waren die beliebtesten Form, die sich leicht durch abketten und wieder anschlagen erreichen ließen. Nach dem Zusammennähen erhielten sowohl Ärmelsäume als auch Halsausschnitt entweder schmale Bündchen oder Häkelränder.

Die verwendeten Garne lagen meist im Bereich von 16-24 Maschen auf zehn Zentimetern, beliebt waren kräftige Farben ebenso wie sehr zarte. Natürlich gab es neben dieser Standardform auch Pullover, die mit Armkugeln und raffinierten Mustern aufwarteten, vor allem zum Ende des Jahrzehntes. Aber wer einen typischen Zwanzigerjahrepulli stricken möchte, schlägt die benötigte Maschenanzahl an, die der mittleren Hüfthöhe entspricht, strickt etwa 8 cm Bund und arbeitet sich dann im gewünschten Muster – eher plastisch-grafisch als liebliches Ajour – hoch und wieder runter.


Die glamourösen und bitterarmen Dreißiger

Natürlich lassen sich die Dekaden nicht haargenau voneinander trennen: zum Ende der Zwanziger wurden die Röcke wieder etwas länger und die nach wie vor langen Oberteile erhielten kleine Gürtel, die mit jeder Saison etwas weiter in die Taille rutschten. Die Kleider der Jahre 1930-33 etwa haben nach wie vor viel Verzierung um die Hüfte herum, liegen aber enger am Körper, spielen mit Volumen am Oberarm und zeigen dadurch eine Hinwendung zu einer gemäßigten Sanduhrfigur, die lang und schmal erscheinen sollte.

Auch den Strickanleitungen dieser frühen Dreißiger merkt man die Zwanziger noch an: Noch immer ist der Körper gerade hoch gestrickt, jedoch deutlich kürzer und reicht nur noch bis in die Taille, die durch breite Bündchen betont ist. Weiterhin beliebt sind graphische Einstrickmuster und eckige Ausschnitte, aber immer öfter tauchen zarte Ajours auf, die mit deutllich feineren Garnen gestrickt sind und Seidenhemdchen nötig machen – Transparenz ist das große Thema dieser Jahre.

Die Ärmel sind entweder kurz und voluminös oder lang und schmal wie in den Jahren zuvor. Sie werden zwar nicht mehr in einem Stück angestrickt, bleiben aber weiterhin im 90°-Winkel, was sich an den für die Zeit typischen Diagonalfalten unter der Achsel bemerkbar macht. In den Sommermonaten sind gerade hochgestrickte Lochmusterpullis mit überfallender Schulter und geradem Ausschnitt beliebt.

Zum Ende des Jahrzehntes werden die Anleitungen deutlich raffinierter, die Büste wird betont und eine gerade, starke Schulterlinie der bisherigen weichen Linie vorgezogen – ein Stil, der in den Vierzigern zur Perfektion gebracht werden wird. Wer einen Pulli entwerfen will, der typisch Dreißiger sein soll, schlägt die nötige Maschenzahl für die Oberweite mit einer deutlich dünneren Nadel an und strickt ein möglichst festes Bündchen über zehn Zentimeter Länge und wechselt danach auf eine dem Garn angemessene Nadelstärke. Nun geht es hoch mit etwa zwei Zentimeter Abstand zum Achselpunkt. Die nötige Maschenabnahme für das Armloch erfolgt in der Regel in einem Gang, Schulter und Halsausschnitt werden in einem gerade abgekettet für einen Ubootausschnitt. Nach dem Zusammennähen werden die benötigten Maschen aus dem Armloch aufgenommen, an der Schulter gerne die doppelte Anzahl für den Puffärmel, der in einem engen Ärmelbündchen ausläuft – dafür in der letzten Reihe vor dem Bündchen die Mehrweite zusammenstricken. Als passende Garne bieten sich schlichte Wolle mit einer Maschenprobe von 24 – 28 Maschen auf zehn Zentimeter an, sehr beliebt waren aber Angora und selbstmusternde Garne dickerer Stärke.

 

Die starken Vierziger

Diese Jahre waren überall durch den Krieg geprägt und das sich erneut wandelnde Frauenbild: Frauenkleidung musste nun praktisch, haltbar und dennoch weiblich sein – Frauen sollten jederzeit anpacken können, ohne durch lange Säume, hängende Ärmel oder flatternde Volants behindert oder gar gefährdet zu werden. Und sollten gleichzeitig einen netten Anblick bieten, um den kämpfenden Männer Motivation und Ansporn zu sein. An Material war nur schwer und selten zu kommen und so wurde umgeschneidert, zusammen gesetzt, geribbelt und neu gestrickt. So entstand eine Mode, die körpernah, kurz und bunt war.

Was an Material nicht zu bekommen war, wurde mit verfeinerter Stricktechnik wettgemacht: Pullover reichten bis knapp über den Nabel, betonten Taille, Busen und Schultern, waren hochgeschlossen und kurzärmelig. Fair-Isle-Muster waren beliebt, weil so aus Resten noch ein komplettes Kleidungsstück entstehen konnte, ebenso wurden Streifen oder Pullis mit andersfarbigen Ärmeln und Bündchen gearbeitet. Die verwendeten Garne lagen in der Regel bei 28 – 32 Maschen auf zehn Zentimetern, bevorzugt wurde reine Wolle, die dicht gezwirnt war, um dem Strickstück Haltbarkeit und ein solides Aussehen zu verleihen.

Für einen Vierziger-Pulli braucht es mehr an Berechnung und Überlegung: Die Vorderseite wird breiter gestrickt als die Rückseite, um einerseits Platz für den Busen zu machen (Büstenhalter waren mittlerweile eher Büstenheber) und um andererseits die Seitennähte in die perfekte Position zu bringen. Außerdem wird eine Sanduhrform betont und geschaffen durch regelmäßige Zunahmen von der Taille bis zur Unterbrustweite. Auch die sehr hoch sitzenden Armlöcher (sie gehen bis in die Achsel – dadurch wird der Oberkörper optisch gestreckt und verschmälert) und die Schultern werden gleichmäßig geschwungen gearbeitet, der Halsausschnitt ist gerne rund und hoch, was ein sehr genaues Arbeiten des Halsbündchens erfordert – zwei Maschen zu wenig und es lässt sich nicht mehr über den Kopf ziehen. Die Ärmel werden von unten gearbeitet und verlangen perfekte Armkugeln für einen faltenfreien Sitz. Mein bester Rat für alle, die einen solchen Klassiker stricken wollen: eine gute Anleitung suchen und sollte der Sitz wie gewünscht ausfallen, werden alle künftigen Pullis danach berechnet.

Die Fünfziger – spießig und modern zugleich

Die Mode der Fünziger ist vielfältiger, als es uns der Rockabillytrend weismachen will: schaue ich in die Vogue Knitting der Fünfziger, dann sehe ich sehr schlanke, hoch elegante Frauen in sehr weiten und groben und in sehr schmalen und zarten Pullis, ich sehe Pastell und Schwarz und Knallbunt. Aber wenn ich die Reihe der Pullientwicklung logisch fortführen will, schaue ich mir den typischen kleinen Pulli an.

Die Fünfziger sind in mancher Hinsicht das Gegenteil der Zwanziger: feierte man dort die Befreiung vom Fischbein, so quetschte man sich nun wieder hinein. Waren die Zwanziger gerade, so waren die Fünfziger geradezu hyperkurvig und nicht weniger unrealistisch: die Taille war extrem schmal, der Busen spitz zur Seite geformt, die Hüften hoch und gerne ausgepolstert, die Schulten weich und abfallend. Und der typische kleine Pulli folgt: er reicht wie in den Dreißigern bis in die Taille, das Bündchen ist nun jedoch sehr schmal und wird gerne in den Rockbund gesteckt. Die Seitenneigung geht sehr stark nach außen und läuft gerne in kleine Kimonoärmelchen, die stark geschwungen zur Halsöffnung führen. Der Pulli ist hochgeschlossen mit einem kleinen Stehkragen, der im Nacken mit Knöpfchen geschlossen wird. Das verwendete Garn ist deutlich zarter als zuvor – Anleitungen, die eine Maschenanzahl von 38 – 50 Maschen auf zehn Zentimeter angeben, sind keine Seltenheit. Beliebt sind für diesen Pulli klassische Farben wie hellgrau, hellblau, beige, sand, rehbraun, aber auch rosa, hellgrün und tanne sind häufig zu sehen. Alles, was einen adretten und wohlerzogenen Eindruck macht, steht hoch im Kurs. Auch hier würde ich raten, erst einmal mit einigen Anleitungen zu arbeiten, wenn es solch ein Pulli werden soll.

Fazit:

Wie ich schon sagte, gibt es neben diesen typischen Vertretern ihrer Dekade unglaublich viele andere Modelle – auch in den Achtzigern haben wir nicht nur Säcke gestrickt und vor allem in den Fünfzigern lassen sich unglaublich tolle Modelle finden, die modern, klassisch und kein bißchen spießig sind. Aber diese Auswahl hier zeigt die typischsten Formen, mit denen ihr euch den Geschmack der Zeit zurück stricken könnt. Meine persönliche Vorliebe sind hier – wie bei den Kleidern auch – die späten Dreißiger und frühen Vierziger: perfekt angepasste Pullover ohne Bewegungseinschränkung oder optisch störende Diagonalfalten unter den Armen, die leicht an die eigene Figur angepasst werden können und keine spezielle Unterwäsche verlangen. Aber was auch immer ihr vorhabt, ich wünsche viel Spaß dabei.

So ganz langsam doch aufgeregt …

Irgendwann im Frühsommer letzten Jahres erhielt ich eine Mail, die ich auf den ersten – offenbar durch Erfahrung nicht vorurteilsfreien – Blick auf den Betreff für die folgende Art von Spam hielt, die wir als Bloggerinnen kennen und hassen gelernt haben:

„Liebe xy (hier steht selten der richtige Name, da der eine Klick zu Impressum/Über mich entschieden zu viel verlangt ist für die wichtige Person, die uns hier schreibt)
Dein/Ihr Blog fiel mir auf und wir könnten uns eine Zusammenarbeit gut vorstellen (wer „Wir“ ist, wird nur selten erschöpfend dargelegt). Daher möchte ich wissen, wieviel es kosten würde, einen Artikel bei Ihnen zu veröffentlichen und/oder ein Banner zu besetzen (Das sind dann übrigens schon die guten Angebote, durchaus kommt es vor, dass für die Veröffentlichung dreier Lobartikel ein Anleitungsheftchen für gehäkelte Babysöckchen drin ist …)“ …

Anfangs schrieb ich artig zurück, bedankte mich für das Angebot und lehnte ab. Irgendwann, als es überhand nahm, tat ich das nicht umgehend und als einer daraufhin drängelte und unhöflich wurde, machte ich es offiziell: Nein, danke, ich möchte keine Werbung auf meinem Blog. Etwas empfehlen, beschreiben und zeigen ist eben doch eine ganz andere Nummer als ständige Kaufmich-Artikel und als überzeugte Adblockerin fände ich es auch nicht fair, es woanders zu hassen und es selbst zu tun.

Doch dieser Betreff jetzt lautete neben „Kooperationsanfrage“ eben auch „Styleratgeber“ und das machte mich zumindest neugierig. Kurz zuvor hatte ich meine Kleiderschrankserie geschrieben, die ja nun das genaue Gegenteil von einem Ratgeber ist. Ich las die Mail – die mit meinen Realnamen und einer wirklichen Kenntnis meines Blogs punktete – einmal, dreimal, siebenmal und war verwirrt, erfreut, geschmeichelt, mißtrauisch und seltsam aufgeregt. Ich fragte genauer nach und fand mich in einem Telefonat wieder, das entspannt, professionell und persönlich war und ehe ich mich versah, hatte ich zugestimmt, einige Texte für ein Buch zu verfasssen, das eigentlich die Quadratur des Kreises sein müsste: Outfitideen mit Texten, die NICHT von ständiger Figuroptimierung und Verboten handelten.

Als ich die ersten Kapitel beendet hatte, sandte ich sie ein, innerlich noch immer davon überzeugt, ich habe etwas falsch verstanden und man wäre nun enttäuscht von meiner Arbeit. Das Gegenteil war der Fall, wenn ich den Antworten und dem jetzigen Erscheinen des Buches glauben soll. Zwar ist mein Anteil daran nur ein kleiner, aber hoffentlich einer, der den Käuferinnen des Buches gefallen wird und ihnen Mut macht, mehr von sich – von ihren Vorlieben und ihrer Persönlichkeit, nicht unbedingt von ihrem Busen! – zu zeigen. Nächsten Mittwoch wird es erscheinen, irgendwann um diesen Zeitpunkt herum erhalte ich meine Belegexemplare und sollte bei euch Interesse bestehen, könnte ich eine Verlosung arrangieren. Es ist kein ausgesprochenes Handarbeitsbuch, sondern eines, in dem es sich um 100 Outfits dreht – aber ich habe in den Varianten einiges gefunden, was mich auf Ideen brachte. Vielleicht geht es euch ja auch so.

Puh, jetzt bin ich schon etwas weniger nervös und werde euch in der nächsten Woche mehr davon zeigen können – ob ihr wollt oder nicht …