Hunde und Sommer gegen Eitelkeit

Ich gehöre zu denen, die innerlich und äußerlich zusammen zucken und in Widerspruch ausbrechen, wenn man ihnen sagt, sie seien hübsch oder gar schön. Ja, sicher, ich freue mich schon, denn ich denke, das Gegenüber will mir etwas Gutes tun – vermutlich, weil wir uns sympathisch sind und Freundschaft jede Optik veredelt. Und nein, ich bin nicht wahnsinnig unzufrieden; ich habe – zähle ich das Positive an mir auf – durchaus Grund, mich ok zu finden. Ich fand nur immer schon, dass ich nah genug dran an dem Ideal bin, dass über die Jahrhunderte immer wieder favorisiert war: Relativ groß mit langen Beinen, zarten Händen, schmalem Hals und ovalem Gesicht, dazu ein paar Kurven, nicht zu wenig Haar und nicht zu kraus, voller Mund, gerade Nase – alles gut. Jetzt, mit zunehmenden Alter und mehr Bauch und Busen sieht das anders aus, aber grundsätzlich …

Aber ich fand auch, ich sei gerade so nah dran am Ideal, dass ich fast verpflichtet sei, es zu erfüllen. Vielleicht hätte ich ein wenig Beckenknochen abschleifen und dafür an den Brustkorb setzen lassen, meine Augenlider straffen und von frühester Kindheit an Ballett tanzen sollen, um meine natürlichen “Mängel” auszugleichen. Vielleicht sollte ich auch aufs Altern verzichten, aber keinesfalls auf Make up und Sport. Und weil ich das vage ahnte, es aber auch – man glaubt es kaum – immer wieder von anderen hörte, fühlte ich mich sehr lange gezwungen, mich bei allen und jeden für das klägliche Verfehlen des Klassenzieles entschuldigen zu müssen. Ich war als junge Frau offenbar gerade so schön, dass ich mich nie über mein Äußeres beschweren durfte, ohne des heimtückischen Fishing for compliments verdächtigt zu werden, aber nie so schön, als dass ich mir nicht hätte sagen lassen müssen, dass ich nun wirklich mehr an meinen Muskeln und den dünnen Waden, am kleinen Busen und der schlechten Haltung, an den schiefen Zähnen und dem flachen Po arbeiten solle – weil es so enttäuschend sei, dass ich dieses kleine bißchen Mehr einfach nicht liefern könne. Nein: Liefern wolle!

Da mir von den selben Menschen gerne Minuten zuvor oder Stunden danach erklärt wurde, wie entsetzlich oberflächlich, dumm und hohl schöne Menschen – nein, wieder falsch: Schöne Frauen! – also schöne Frauen seien, war mein Interesse naturgemäß gemindert, mich solchermaßen anzustrengen. Sowieso hätte ich schon damit zu tun gehabt, die andere Enttäuschung, die ich bot, auszubügeln: Weshalb bitte studierte ich nicht, intelligent und gebildet und interessiert, wie ich sei? Es sei doch wirklich gar betrüblich, wie ich immer und immer wieder das Klassenziel verfehlte. Eine Schande!

Meist konterte ich diese Tiraden mit einem “Ja, es ist sehr traurig. Ich bin nicht nur häßlich, sondern auch noch doof!” und ein kleines bißchen davon trug ich immer in mir. Zusammen mit ganz viel Trotz und Wut und Zorn. Wieso durfte mir derlei gesagt werden? Weshalb durfte ich nicht mitreden? Und weshalb bin ich bis heute nicht ganz frei davon, mich unwohl zu fühlen, wenn ich mich nicht zurecht mache oder fünf Wochen sportlos gammele? Das ist sicherlich auch erlernt, aber wenn ich in mich hineinschaue, dann liegt es (auch) an meinen eigenen Ansprüchen und was ich selbst gerne anschaue. Ich störe mich nicht an ungewaschenen Haaren und müden Gesichtern ohne Farbe, aber sehe ich die selbe Frau in farbig und frisch, dann freue ich mich sehr. Und sage das auch. Mich selbst sehe ich auch lieber mit ein wenig mehr Farbe und Frische; ich bewege mich dann freier und selbstbewußter. Selbst dann, wenn mich den ganzen Tag niemand zu Gesicht bekommen wird.

Aber die andere Seite ist, dass es manchmal eben keine Freude, sondern Last ist, sich Zeit für sich selbst zu nehmen, dass es manchmal keinen Spaß macht, die Haut mal nicht mitspielt oder es sich nicht lohnt. Und damit tat ich mich lange sehr, sehr schwer. Daran arbeite ich und dabei helfen Hunde und Sommerwetter.

So wie heute morgen: Da ich heute nachmittag erst etwas später mit den beiden raus kann, musste ich es in der Früh heraus zögern; ich hätte also Zeit gehabt für ein leichtes Make up. Das ich gleich auch noch auflegen werde. Weil ich es will. Aber vorhin wollte ich lieber nähen – wobei das wohl ein Projekt ist, das mich nicht glücklich machen will – und schmiß mich dazu in einen Rock mit Gummizug, den ich im letzten Jahr aus einem verunglückten Kleid rettete. Und nie trug. Ich mag es wohl weit und schwingend und zeltig, aber nicht formlos. Doch da lag er vor mir und es war warm und so warf ich mir noch ein ärmelloses Top über, das die Bh-Träger nicht verbarg, schlüpfte ihn ein paar Canvasslipper und schnappte mir die Hunde.

Anderthalb Stunden waren wir unterwegs und hatten Spaß ohne Ende. Und als wir heimkehrten, bat ich Tom, uns zu knipsen. Eigentlich in der Hoffnung, den Rock verbloggen zu können, aber nun, wo ich hier sitze und vor mich hinschrieb, ist es doch eher ein Beitrag zum Thema Schönheit. Passt ja. Und Tierbilder gehen ja immer, nicht wahr? Es folgt nun ein fünfteiliger Fotoroman über das perfekte Foto mit Tieren …

 

 

Die Leinen sind ein Accessoire, auf das keinesfalls verzichtet werden kann – erst die umschlungenen Beine der Hundeführerin machen das Modebild perfekt und einzigartig und arbeiten die schlechte Haltung für jeden sichtbar heraus. Auch sollte der Fotograf die Kamera unbedingt in Überkopfhöhe des Models halten und sie dabei leicht nach vorne kippen. Erst wenn die Fotografierte beim Anblick der Bild anfängt, über Leid und Elend der Welt und insbesondere ihr eigenes nach zu denken, ist das Ziel erreicht. Nur Bilder wie diese sind in der Lage, das Bekämpfen jeglicher unnützer Eitelkeit vor Augen zu führen.

 

 

Gehen wir einmal näher ran, immerhin der Rock ist so erkennbar. Also fast, irgendwie, beinahe.

 

 

Keine Farbe, kein Nix, das hohe Lied der natürlichen Schönheit endet mit dem Wunsch, die Natur hätte sich mehr Mühe in den Details gegeben anstatt dunkle Ringe unter verquollene Augen zu malen. Tja …

Mein Schwedenkleid, liebevoll Ikealein genannt

In der letzten Woche fuhr ich spät am Nachmittag mit dem Großen in die Innenstadt – in einem Mix aus Langeweile und der Sucht nach Stoff. Im Großen und Ganzen war ich von Angebot enttäuscht, doch auf einem Tisch lagen Baumwollstoffe, relativ dünn, fest und elastisch, knitterwillig, aber farblich überzeugend. Kurz zuvor hatte ich den Sohn noch zu Cos geschleppt, um durch das Angebot zu schauen und einige Kleider zu probieren. “M” ist bei Cos übrigens ausgesprochen großzügig geschnitten, aber leider war die junge Dame, die an diesem Abend die Umkleide betreute, wenig aktiv oder auch nur aufmunternd, so dass ich nicht weiß, wie diese an sich hübschen Kleider in “S” gesessen hätten. Vermutlich zu eng.

Eines gefiel mir besonders; es war – wenig überraschend – ein Zeltkleid mit angeschnittenen Ärmeln, rundem Ausschnitt und einer sehr breiten Saumblende in Knallfarbe. Genau so hatte ich mir im letzten Jahr eines meiner Projekte gedacht, zu dem ich dann dank Schreibarbeit und Urlaub und neuem Hund nicht kam. Aber neues Jahr, neues Glück und so stand ich vor den bunten Baumwollstoffen und disponierte um. Ursprünglich war auf der Suche nach etwas weichflattrigfließendem für ein 20er-Jahre-Kleid, aber hey – einer geschenkten Inspiration geht man doch nicht aus dem Weg. Zwar war das Cos-Kleid aus Jersey mit Satinblende, aber pingelig wollte ich in meiner Geldausgebelust wahrlich nicht sein.

Nur welche Farben sollten es sein? Das dunkle Blau, so sehr ich es liebe, ist ausgesprochen hundehaarinkompatibel, das Kirschrot schied aus aufgrund der falschen Stoffqualität und so schwankte ich zwischen Himbeere, kräftigem Hellblau (obwohl, nein, es war schon klar, dass diese Farbe mit musste) und sehr sonnigem Supergelb hin und her. Himbeere wäre harmonischer, gefälliger, netter. Gelb hingegen bot mehr Kontrast und Spannung. Wobei mich diese Kombination vage erinnerte an – tja, was auch immer. Ich nahm Blau und Gelb (und am Samstag doch noch die Himbeere …), stopfte beides zu Hause angekommen in die Waschmaschine und stürzte am nächsten Vormittag an den Zeichentisch. Und entschied, faul zu sein.

Als Grundlage nahm ich den Schnitt des hellblauen Kleides vom letzten Sommer, mixte ein wenig Zelt und etwas Falte hinein, kontrollierte noch einmal, ob Vorder- und Rückenteil wirklich identisch an Schulter und Ärmel sind und schnitt zu; mir jeden weiteren Gedanken an mehr Mühe und Sorgsamkeit bei der Schnittaufstellung verbietend. Einen anderen Gedanken jedoch konnte ich nicht unterdrücken: Erinnerte die gewählte Farbgebung nicht ganz, ganz leicht und von weit her an die schwedische Flagge? Oder gar an schwedische Möbelhäuser? Bekäme ich in diesem Gewande wohl freundliche Rabatte, sollte ich durch Stockholm oder Bettwäscheabteilungen flanieren? Hmmm … ich grübelte noch darüber nach und wollte die Frage mit “Nein!” abtun, als das Radio Abba spielte. Wenn es jemals ein Zeichen gab, dann war dieses eines. Ich betrachtete das werdende Kleid, streichelte es sanft und tröstend und versprach ihm, treu zu ihm zu stehen.

Ja, ich hätte mit einer anständigen Taillierung arbeiten können und mit dezenterem Ärmeln, aber ich wollte schnellen Erfolg, einen Knalleffekt und maximale Luftigkeit. Ich denke, all das habe ich bekommen. Und nun scheint heute die Sonne so herrlich und ich brauche Ablenkung vom morgigen Tag – Zahnarzt, das Grauen und die Panik sind nicht vermittelbar – also rein in das Kleid, raus in den Garten und knipsen. Natürlich mit den üblichen Schwierigkeiten:

 

 

Es wird mir auf immer unerklärlich sein, wie eine Kamera tickt und was sie will. Ich hatte – und ich weiß leider nicht mehr, wie und wo – auf Mehrfachaufnahme geklickt und bekam drei Bilder in drei Sekunden. Weder ich noch der Himmel hatten uns in der Zeit nennenswert verändert. Weshalb ist eines zu dunkel, das nächste zu hell und das dritte komplett weiß? Ich weiß es nicht, aber schiebe hiermit für immer und alle Zeit jegliche Verantwortung für die Qualität der hier gezeigten Fotografien entschieden von mir. So!

 

 

Gut. Ja. Also. Wie es so ist: An diesem Bild ist die Kamera vielleicht eher unschuldig, obwohl sie auch einfach ein Sekündchen hätte warten können. Der Selbstauslöser lief, von der Straße her rief jemand nach mir, ich folgte dem Rufe und so also sieht ein Teil des Gartens aus, wenn ich mich nicht in die Sicht stelle. Vermutlich das beste der heutigen Bilder; genießt es, bevor es weiter geht.

 

 

Dieses Mal also flott vor die Linse gesprungen, festgestellt, dass die Katze mir unerlaubterweise nach draußen gefolgt war, kurz überlegt, ob ich ihr hinterher soll, dabei mit dem Fuß weggeknickt – egal, das soll so. Dieses Bild bezeugt meine nach all den Jahrzehnten ungebrochene mädchenhafte Unschuld. Behaupte jemand etwas anderes, wenn er es wage!

 

 

Wenn ich auch nicht knipsen kann, so gebe ich doch nicht nach vier Minuten auf. Es ist nicht meine Schuld, dass ich dieses Mal am Gartensessel hängen blieb und das Kleid noch schnell zurecht schieben musste, als die Kamera knipste. Wirklich nicht.

 

 

Aber weil wir ja auch über Konstruktionstechniken uns unterhalten, eilte ich noch einmal zum verfluchten Platze – weil es mir viel angenehmer war, einen Arm in die Büsche zu strecken als mir den anderen an den Verandadachpfosten anzuschlagen. Das Kleid ist, wie schon erwähnt, vorne und hinten aus dem gleichen Schnittteil entstanden; das Vorderteil hat lediglich einen tieferen Ausschnitt erhalten und eine großzügige Kellerfalte. Wie ihr sehen könnt, ist das Kleid deutlich größer als ich – dadurch konnte ich mir Brustabnäher sparen und eingesetzte Ärmel und habe die gewünschte Luftigkeit. Im Vergleich einmal meine wahren Abmessungen. Annähernd zumindest:

 

 

Nun warte ich noch auf flache, gelbe Sandalen, denn so hübsch und angezogen das Kleid mit den höheren Absätzen wirkt, so ungeeignet sind die für die täglichen Hundemärsche. Und dorthin soll mich die kleine Schwedin ja begleiten.

Siebenschön: Was ist Schönheit – 1. Teil

Bei der Vorbereitung dieser Serie fiel mir auf, wir alle reden oft aneinander vorbei, denn Schönheit – darunter versteht jede etwas anderes. Und so stellte ich meinen Siebenschönen die folgenden drei Fragen, bevor es richtig persönlich wird und bat sie um knappe Antworten. Die ersten Drei haben geantwortet: Offen und gerade heraus.

Bühne frei für Bine, Nico und Martina:

Wie definierst DU Schönheit?


Das in Kürze beantworten ist ganz s c h ö n schwierig. Schönheit ist für mich ein perfektes Zusammenspiel aus Äußerem und Innerem. Eine alte Frau mit vielen Falten kann genauso schön sein wie ein kleines Mädchen. Keinesfalls ist Schönheit makellos, ein schiefer Zahn, ein kleiner Leberfleck zum Beispiel können einen Menschen erst wirklich schön machen, einfach weil er anders ist und sich von der Masse abhebt. Ganz wichtig für wahre Schönheit: Die Ausstrahlung und ausdrucksvolle Augen.


Mit Selbstliebe und harmonischen Proportionen. Mit Selbstliebe meine ich funkelnde Augen, Begeisterungsfähigkeit, Menschen die mit sich und der Welt aufrichtig im Reinen sind. Das führt dazu, dass man auch anderen das Gefühl geben kann, gut, schön und richtig zu sein.
Das ist diese innere Schönheit, die das Äußere ein gutes Stück überstrahlen kann. Diese Menschen sorgen nach meiner Überzeugung auch für sich selbst, für gute Ernährung, einen gesunden Lebensstil, ein gepflegtes Äußeres.
Von Natur aus ist diese Haltung wirklich selten, aber man kann daran arbeiten. Nicht einfach, aber geht. Damit folgen die Proportionen fast automatisch, aber das kommt bei der nächsten Frage.


Ich könnte jetzt die Phrase abgreifen: Schönheit ist, wenn das Innere mit dem Äußeren im Einklang liegt. Ein Stück weit stimmt das auch, aber es ist nicht alles.
Ich bin ein visueller Mensch und mag Harmonien und Proportionen. Ich bin ein Fan von Leonardo da Vincis „Der vitruvianische Mensch“ sowie vom allgemeinen Goldenen Schnitt. Hinzu kommt, dass ich auch ein Ästhet bin. Ich mag die schönen Dinge in der Welt und verschließe gern die Augen vor Elend und Dreck. OK, das mag für manche unglaublich egoistisch und naiv klingen, aber dies ist mein Weg.


Hast du ein Schönheitsideal und wie sieht es aus?


Ja das habe ich. Schwer zu beschreiben, es ist irgendwie eine Mischung aus Marilyn Monroe, JeLo und Maite Kelly.

 


Ausgewogenheit, Individualität und Konsequenz.
Ausgewogenheit – bei Proportionen. Ich finde DoppelD-Oberweiten in superskinny unförmig. Genauso wie ein A-Körbchen mit nem ausgeprägten Birnenhintern. Aber ob insgesamt üppige Kurven oder elfenhaft finde ich beides schön.
Bei Männern ähnlich, Bierbauch “ohne Arsch in der Hose” sieht – finde ich – fürchterlich aus. Ob Waschbär- oder Waschbrettbauch ist mir dagegen wirklich egal, wenn der Rest dazu passt.
Nur wenn das Gewicht allzuviel wird und beim besten Willen nicht mehr gesund und fit sein kann, mag ich es einfach nicht.
Aber auch eine große Nase mit fliehendem Kinn ist nicht unbedingt “schön”, davon kann man aber optisch ablenken. Und eine tolle Persönlichkeit macht das eh unwichtig.
Individuell und konsequent – ich erinnere mich an einen Mann der vor Jahren im selben vollen Aufzug in einem Shoppingcenter stand. Ca. Mitte 50, silberne Haare zu einem kurzen Zopf gebunden.
Sehr gepflegte Erscheinung, kurzer VollBart, elegant/sportlich/modern gekleidet, eine graßgrüne sehr schicke Brille auf der Nase und eine farblich exakt passende – also graßgrüne Aktentasche. Hach! Ich fand ihn sensationell cool.Wir musterten uns erst wohl unbewusst gegenseitig und verabschiedeten uns dann mit einem charmanten, anerkennenden Lächeln zum Abschied. Sowas mag ich sehr.


Ein Schönheitsideal habe nicht wirklich, aber ich mag die „kühle Eleganz“ von Grace Kelly und bewundere den Stil von Amal Clooney. Sie ist eine moderne und kluge Frau, die kein Problem hat, ihre Feminität zu zeigen. Auch die ätherische Zartheit einer Cate Blanchett zählt zu meinen Schönheitsfavoriten.


Gemessen an dem, worauf du  bei anderen achtest und schaust – wie sehr entsprichst du deinem eigenen Ideal?


Nun wird es schwierig. Ich mag mein Gesicht und meine Ausstrahlung, diesbezüglich entspreche ich meinem eigenen Schönheitsideal. Körperlich sieht es anders aus. Nicht weil mein Körper altert oder von den Schwangerschaften gezeichnet ist, sondern weil ich “aus der Form” gekommen bin. Da ich mich damit inzwischen so richtig unwohl fühle und sogar schäme, ich war deshalb ewig in keinem Freibad mehr, unternehme ich etwas dagegen. Leider geht das nicht so schnell wie ich es gerne hätte.
Ich hoffe das war kurz genug und, wie ich finde, schon ziemlich schwer. So vieles ist schön und angeregt durch unsere Diskussionen stelle ich fest: So richtig hässlich finde ich Menschen eigentlich nie. Jeder hat irgend etwas das mich fasziniert, selbst wenn ich die Person “hinter” dem Körper unsympathisch finde.


Ich hab die genetische Anlage zu ner eher ausladenden BBP “Problemzone” bei schmalem Oberkörper. Um meinem eigenem Ideal halbwegs zu entsprechen muss ich also was tun.
Denn mein Mann und ich lieben den italienischen Lebensstil – viel gutes Essen in geselliger Runde mit leckerem Wein. Das passt nicht unbedingt zusammen, ist mit etwas Disziplin aber möglich auszugleichen.
Ich lege an andere Menschen tatsächlich die gleichen Maßstäbe wie an mich selbst. Es ist völlig OK, nicht perfekt zu sein.
Mein Leben einem strengen Essens/Workoutplan zu unterwerfen, finde ich idiotisch.
Es fühlt sich aber richtig und gut an, halbwegs schlank und fit zu sein und das ist mit einem normalen Lebensstil machbar.
Ich bemühe mich also nach meinen eigenen Maßstäben außen hübsch, innen schön zu sein und tue einiges dafür. Ob das gelingt müssen andere beurteilen. Und bleibt immer auch eine Geschmacksfrage. Ich kann sehr gut damit leben, wenn jemand mich nicht mag.
Es gibt Tage an denen ich wirklich gerne in den Spiegel gucke und mag was ich sehe. Die Mehrheit. Und dann gibt es Tage oder Momente da finde ich mich zu farblos, zu alt, zu schief, zu.. was auch immer. Aber die sind normal und vergehen wieder. Mit ein paar Albernheiten, ordentlichem MakeUp und Lieblingsklamotten sogar manchmal recht schnell. Warum soll ich mir selbst nicht zugestehen, was ich bei anderen OK finde.


Meinst du, wie sehr ich a.) den Schönheitsidealen der in Punkt 2 genannten Frauen oder wie sehr ich b.) meinen eigenen Idealen entspreche?
a.) Ich mag den Stil von Grace und Amal und trage gerne feminine Mode. Ich habe auch keine Scheu davor, mit Rüschen, Stickereien und Co zu experimentieren. Allerdings bin ich oft vom Ergebnis enttäuscht, weil ich halt üppig bin und meine angezogenen Kleider eher etwas für zarte und dünne Geschöpfe sind. Des Weiteren würde ich meine „Experimente“ nur in meinem Heimatort tragen. Da fühle ich mich sicher.
b.) Da kommen wir zum Punkt, dass das Äußere mit dem Inneren harmonieren sollte. (Denn meine äußere Erscheinung stimmt mit der von mir angestrebten „Proportionslehre“ nicht überein.)
Für mich sind folgende Eigenschaften wichtig: Toleranz, Humor, Bildung, Verständnis und Neugier. Diese Eigenschaften versuche ich in mein Leben einfließen zu lassen und auf mein Äußeres zu übertragen.
Ich bin nie klassisch Schick – ich brauche Brüche. Ein komplettes Kostüm ist mir zuwider, aber einen Bleistiftrock zur Bikerjacke finde ich cool. Meine Haare liebe ich gelockt und etwas wuschelig. Blond bin ich von Natur und will es auch bleiben. Ich habe auch kein Problem mit dem „Blond-Klischee“. Sollen die Leute mich doch für „blondchen-blöd“ halten. Ich mag es, diese Leute vom Gegenteil zu überzeugen.
Das hört sich jetzt sicherlich abgeklärt und gelassen an. Allerdings fühle ich mich in „fremder Umgebung“ unwohl. Beispiel: Meine Freundin hat einen sehr elitären Bekanntenkreis. Bei ihren Geburtstagen fühle ich mich übergewichtig, schlecht angezogen, ordinär und dumpfbacken. Denn da sind sie wieder, die ätherisch schlanken Schönen mit ihren akkuraten Haarschnitten, dezenten Make-ups und erlesener Garderobe.


Ihr merkt es vielleicht: Über die Definition haben wir uns ganz bewußt NICHT in der Gruppe unterhalten und so tritt eine jede Siebenschöne mit ihrer ganz persönlichen Wahrnehmung auf diese Bühne. Heutzutage haben wir uns angewöhnt, eigene Präferenzen möglichst zu negieren, obwohl wir uns doch nie davon werden freimachen können (oder überhaupt wollen? Ich selbst möchte das nicht). Keine von uns muss jeden Menschen, jede körperliche Erscheinung oder jedes Gesicht schön finden, wenn wir daran arbeiten wollen, jeden Menschen mit jeder Äußerlichkeit zu akzeptieren und zu respektieren. Mir darf X besser gefallen als Y. Um dann erstaunt-erfreut festzustellen, dass auch Y Schönheit mitbringt, die ich nicht sofort erfasst habe. Daher freue ich mich sehr, über die obigen Antworten.

 

Siebenschön

Sieben Frauen in sieben mitunter sehr verschiedenen Lebenssituationen und -stationen, unterschiedlich in Alter, Größe, Gewicht, Form und Prägung.
Einig darin, dass es eben nicht albern und oberflächlich ist, sich über das eigene Äußere Gedanken zu machen. Einig auch darin, sich – vielleicht zögerlich und übend, vielleicht immer schon – schön zu finden auch abseits klassischer Schönheit und medialer Präsentation. Und ebenfalls einig in dem Versuch, den eigenen Blick zu öffnen in alle Richtungen.

Siebenschön ist ein Märchen Ludwig Bechsteins aus den 1840ern: Ein junges Mädchen armer, aber ehrlicher Herkunft ist so schön wie sieben schöne Mädchen gemeinsam. Also klassisch Märchen und Sozialromanze. Und weil ja die inneren Werte immer so viel wichtiger sind als die äußeren, trägt das engelsgleiche Geschöpf einen Schleier vor dem Gesicht, damit sie – eigentlich auch eitel – für eben diese inneren Werte geschätzt wird denn für die profane Schönheit, die sie offenbar erduldet. Vielleicht aber ist sie sogar so schlau, dass sie weiß: Schönheit bringt Neid. Ein Märchen also, das wir hin- und herdeuten können, wie wir mögen. Vor allem aber hat es Bezug auf diese kleine Reihe – wie stehen Schönheit und Selbstbewußtsein zueinander, wieviel Unsicherheit kann sie erzeugen und ist das immer durch Intelligenz, Charme, Bildung, Talent auszugleichen in der eigenen Wahrnehmung?
Das mag nun so klingen, als hätten wir bereits alle Antworten – davon sind wir so weit entfernt, wie viele andere auch. Aber in den letzten Tagen haben wir erstaunt festgestellt, wie wenig alleine jede einzelne von uns ist mit all den Gefühlen und Fehleinschätzungen, die wir so mit uns herumtragen. Ein sehr befreiendes Erlebnis!

Aber wer sind “Wir”? Nunja, eine davon bin ich und das hat den großen Vorteil, dass ich mich nicht vorstellen muss, dazu habe ich die anderen sechs gezwungen – mit Bild! Und damit ich nichts lange überlegen muss, ob ich diese tollen Frauen nach Alter oder Größe oder Alphabet vorstelle, treten sie einfach in der Reihenfolge auf, in der sie mit ihren Intros fertig waren.


Nico, 41,  1,64 m, 57kg vor kurzem noch 62, Konfektionsgröße 36/38

Selbstständig als Präsentationsberaterin, Homeoffice oder vorne im Besprechungsraum, Wochenendehe, Fast-Teenie-Mama, Katzenliebhaberin und schon immer fasziniert von Kunst, Design und Psychologie.
Aufgewachsen mit / umgeben von Menschen mit dem Blick fürs schöne Detail. Und dann kam noch das Nähen dazu, bei dem der Blick für Körper und Passform ebenfalls geschärft wird. Da kann man auch bei Normalgewicht schon mal mit sich und dem älter werden hadern. Obwohl oder gerade weil man mit der eigenen Lebensgeschichte für jedes Jahr dankbar ist. Ich freue mich sehr auf den tiefgründigen Austausch über vermeintliche Oberflächlichkeiten.


Bine, 49, 1,60 m, Konfektionsgröße 44/46, figürlich ein astreines X

Freiberufliche Texterin und Autorin, im Homeoffice und überwiegend im Internet tätig. Ich bin sehr glücklich verheiratet, die “Ma” von zwei erwachsenen Kindern, dreifache Katzen- und einfache Hundemami sowie Pflegerin einer Rennmausrentnerin. Meine Hobbys sind stricken, spinnen und färben, seit zwei Jahren nähen, lesen, geocachen und fotografieren.
Ich bin als Einzelkind aufgewachsen und erlebte schon in der Kindheit häufige Hänseleien wegen meiner roten Haare und der vielen Sommersprossen. Das “verwuchs” sich, die Rundungen mit denen ich immer schon gesegnet war, allerdings nicht. Durch gute Ernährung war ich bis zu den Wechseljahren dennoch normalgewichtig, habe aber in den letzten Jahren gehörig zugenommen. Aktuell versuche ich mit WW mein Wohlfühlgewicht wieder zu erreichen, da ich mich selbst so gar nicht mehr mag, ungern in den Spiegel gucke und es optisch nicht so toll finde. Hinzu kommt die unbestreitbare Tatsache, dass Übergewicht nicht sehr gesund ist.


Stella, 44, 1, 76 cm, 85 kg, Konfektionsgröße 42/44

Angestellte im Sozialen Bereich, Mutter von 3 Kindern. Meine Freizeit besteht aus gärtnern, lesen und Handarbeiten, und nähen im Besonderen. Mit dem nähen habe ich sehr früh angefangen, da es schon recht früh klar war, das mein Körper nicht in Normkleidung passte. Zu gross und zu dick.Das trug nicht zu einem gesunden Selbstgefühl bei, aufgrund der ständigen Beurteilung von aussen. Seit letztem jahr aktuell auf Diät und 60 kilo leichter, nicht nur an Kilos sondern auch an eingefahrenen Sichtweisen auf den Körper im Allgemeinen.


Martina, 52 Jahre, 168 cm, 73 kgKonfektionsgrösse 42/44

verheiratet, Mama von einem Jungen und einem Mädchen und als Selbständige in der Baubranche tätig.
Hobbies: Nähen, nähen, nähen (wenn ich mal dazu komme), lesen und Schaufenster-gucken. Empfand mich immer mollig bzw. rundlich – hadere mit meinem Doppel-D-Busen. Bereits als Schülerin fühlte ich mich zu dick – heute wäre ich glücklich, wenn ich das wiegen würde.


Sabrina, 27 Jahre alt,1,80 m, vermutlich um die 70 kg, Konfektionsgröße 40

Unverheiratet und kinderlos. Beruflich arbeite ich redaktionell und auch privat schreibe ich auf meinem Blog. Darin geht es meist um Patchwork und Stickerei, aber dazwischen auch immer wieder um feministische Podcasts und Netzfunde.
In meiner Jugend bin ich durch Körpergröße und Schlacksigkeit aufgefallen, heute muss ich oft Fragen zu meinem Kurzhaarschnitt beantworten.


Kiki, 26 Jahre, 167 cm, 56 kg, Konfektionsgröße 34/36

Verheiratet und Mutter einer ganz kleinen Tochter (01.04.17). Historikerin und Religionswissenschaftlerin, aber vor allem Gymnasiallehrerin mit Leidenschaft – leider momentan ohne feste Stelle und in der Mutterpause. Schon seit Kindertagen begeisterte Bastlerin und Handarbeiterin mit Tendenz zu viel zu vielen Plänen und Hobbies. Bewegung und Sport sind mir sehr wichtig und beeinflussen sehr, wie wohl, zufrieden und schön ich mich fühle. Zugegeben bin ich meist zufrieden mit meinem Äusseren, im Bewusstsein, dass mein Aussehen nun mal so ist und andere schönere Haare, längere Beine etc. haben. Ebenso fällt mir jeden Tag auf, dass jeder Mensch auf seine Art schön ist oder sich schön zurechtmacht und ich so viele andere Menschen bewundere!


In den nächsten Tagen/Wochen bekommt jede von ihnen drei Fragen, die auf sie abgestimmt sind und die sie offen, ehrlich, freimütig beantwortet. Bitte macht euch – liebste Leserinnen – klar, dass das keine Selbstverständlichkeit ist und geht entsprechend freundlich und offen mit den Antworten um. Wir haben einfach festgestellt, dass trotz der allgegenwärtigen Diskussionen zu Schönheitsidealen und -zwang, Body shaming, Fat acceptance, Gesundheitsdebatten und dem seit Jahren behaupteten Wunsch, es müsse sich etwas tun, sich von all dem nicht alle Frauen abgeholt oder auch nur gemeint fühlen. Vielleicht können wir für eine kleine Zahl der tollen Frauen da draußen ein klitzekleines bißchen was ändern, indem sie merken: Oha, ich bin nicht alleine mit diesem oder jenem Gedanken 🙂

Achja, ein Klick auf den Namen führt übrigens zum jeweiligen Blog der Siebenschönen – von denen die eine oder andere ruhig einmal wieder etwas veröffentlichen könnte …

20°C-Hemdblusen-Kimono-Mustermix-Kleid

Heute ist Frühling! Satte 20 Grad und mehr! Also was tut die nähende Bloggerin? Sie kramt in aller Eile das luftige Kleid hervor, das über Wochen halbfertig an der Puppe hing, drückt dem Sohne die Kamera in die Hand und stellt sich auf die Wiese.

 

 

Der Stoff ist eine relativ feste, dennoch sehr weiche und leider auch rutschige Viskose mit einem Batikdruck, der sich sehr schön trägt. Bei 20°C zumindest – darüber dürfte das Kleid bald schon zu warm, darunter eindeutig zu kalt zum Tragen sein.

 

 

Der Schnitt ist der Bunkagrundschnitt in verlängerter Form mit geraden, hochgekrempelt wirkenden Ärmeln. Und einem asymmetrischen Ausschnitt, der eigentlich ein mittiges V hätte werden sollen. Fragt mich nicht, irgendwie habe ich die Punkte im Druck verwechselt und den widerspenstigen Beleg in die falsche Richtung gezwungen; er zumindest wußte, wohin er eigentlich gesollt hätte. Und weil der Ausschnitt nun fünf Zentimeter neben der Mitte endet, war meine Motivation zum Weiternähen mäßig. Aber der schöne Stoff …

 

 

Der Sohn hat es zuguterletzt doch noch geschafft, auch meine Füße mit aufs Bild zu bekommen und da sitzt das Kleid doch gleich ganz anders. Es ist gassitauglich, trägt sich angenehm und sieht besser aus als Jogginghosen und damit wird es als Erfolg gewertet. Basta!