Siebenschön: Was ist Schönheit – 1. Teil

Bei der Vorbereitung dieser Serie fiel mir auf, wir alle reden oft aneinander vorbei, denn Schönheit – darunter versteht jede etwas anderes. Und so stellte ich meinen Siebenschönen die folgenden drei Fragen, bevor es richtig persönlich wird und bat sie um knappe Antworten. Die ersten Drei haben geantwortet: Offen und gerade heraus.

Bühne frei für Bine, Nico und Martina:

Wie definierst DU Schönheit?


Das in Kürze beantworten ist ganz s c h ö n schwierig. Schönheit ist für mich ein perfektes Zusammenspiel aus Äußerem und Innerem. Eine alte Frau mit vielen Falten kann genauso schön sein wie ein kleines Mädchen. Keinesfalls ist Schönheit makellos, ein schiefer Zahn, ein kleiner Leberfleck zum Beispiel können einen Menschen erst wirklich schön machen, einfach weil er anders ist und sich von der Masse abhebt. Ganz wichtig für wahre Schönheit: Die Ausstrahlung und ausdrucksvolle Augen.


Mit Selbstliebe und harmonischen Proportionen. Mit Selbstliebe meine ich funkelnde Augen, Begeisterungsfähigkeit, Menschen die mit sich und der Welt aufrichtig im Reinen sind. Das führt dazu, dass man auch anderen das Gefühl geben kann, gut, schön und richtig zu sein.
Das ist diese innere Schönheit, die das Äußere ein gutes Stück überstrahlen kann. Diese Menschen sorgen nach meiner Überzeugung auch für sich selbst, für gute Ernährung, einen gesunden Lebensstil, ein gepflegtes Äußeres.
Von Natur aus ist diese Haltung wirklich selten, aber man kann daran arbeiten. Nicht einfach, aber geht. Damit folgen die Proportionen fast automatisch, aber das kommt bei der nächsten Frage.


Ich könnte jetzt die Phrase abgreifen: Schönheit ist, wenn das Innere mit dem Äußeren im Einklang liegt. Ein Stück weit stimmt das auch, aber es ist nicht alles.
Ich bin ein visueller Mensch und mag Harmonien und Proportionen. Ich bin ein Fan von Leonardo da Vincis „Der vitruvianische Mensch“ sowie vom allgemeinen Goldenen Schnitt. Hinzu kommt, dass ich auch ein Ästhet bin. Ich mag die schönen Dinge in der Welt und verschließe gern die Augen vor Elend und Dreck. OK, das mag für manche unglaublich egoistisch und naiv klingen, aber dies ist mein Weg.


Hast du ein Schönheitsideal und wie sieht es aus?


Ja das habe ich. Schwer zu beschreiben, es ist irgendwie eine Mischung aus Marilyn Monroe, JeLo und Maite Kelly.

 


Ausgewogenheit, Individualität und Konsequenz.
Ausgewogenheit – bei Proportionen. Ich finde DoppelD-Oberweiten in superskinny unförmig. Genauso wie ein A-Körbchen mit nem ausgeprägten Birnenhintern. Aber ob insgesamt üppige Kurven oder elfenhaft finde ich beides schön.
Bei Männern ähnlich, Bierbauch “ohne Arsch in der Hose” sieht – finde ich – fürchterlich aus. Ob Waschbär- oder Waschbrettbauch ist mir dagegen wirklich egal, wenn der Rest dazu passt.
Nur wenn das Gewicht allzuviel wird und beim besten Willen nicht mehr gesund und fit sein kann, mag ich es einfach nicht.
Aber auch eine große Nase mit fliehendem Kinn ist nicht unbedingt “schön”, davon kann man aber optisch ablenken. Und eine tolle Persönlichkeit macht das eh unwichtig.
Individuell und konsequent – ich erinnere mich an einen Mann der vor Jahren im selben vollen Aufzug in einem Shoppingcenter stand. Ca. Mitte 50, silberne Haare zu einem kurzen Zopf gebunden.
Sehr gepflegte Erscheinung, kurzer VollBart, elegant/sportlich/modern gekleidet, eine graßgrüne sehr schicke Brille auf der Nase und eine farblich exakt passende – also graßgrüne Aktentasche. Hach! Ich fand ihn sensationell cool.Wir musterten uns erst wohl unbewusst gegenseitig und verabschiedeten uns dann mit einem charmanten, anerkennenden Lächeln zum Abschied. Sowas mag ich sehr.


Ein Schönheitsideal habe nicht wirklich, aber ich mag die „kühle Eleganz“ von Grace Kelly und bewundere den Stil von Amal Clooney. Sie ist eine moderne und kluge Frau, die kein Problem hat, ihre Feminität zu zeigen. Auch die ätherische Zartheit einer Cate Blanchett zählt zu meinen Schönheitsfavoriten.


Gemessen an dem, worauf du  bei anderen achtest und schaust – wie sehr entsprichst du deinem eigenen Ideal?


Nun wird es schwierig. Ich mag mein Gesicht und meine Ausstrahlung, diesbezüglich entspreche ich meinem eigenen Schönheitsideal. Körperlich sieht es anders aus. Nicht weil mein Körper altert oder von den Schwangerschaften gezeichnet ist, sondern weil ich “aus der Form” gekommen bin. Da ich mich damit inzwischen so richtig unwohl fühle und sogar schäme, ich war deshalb ewig in keinem Freibad mehr, unternehme ich etwas dagegen. Leider geht das nicht so schnell wie ich es gerne hätte.
Ich hoffe das war kurz genug und, wie ich finde, schon ziemlich schwer. So vieles ist schön und angeregt durch unsere Diskussionen stelle ich fest: So richtig hässlich finde ich Menschen eigentlich nie. Jeder hat irgend etwas das mich fasziniert, selbst wenn ich die Person “hinter” dem Körper unsympathisch finde.


Ich hab die genetische Anlage zu ner eher ausladenden BBP “Problemzone” bei schmalem Oberkörper. Um meinem eigenem Ideal halbwegs zu entsprechen muss ich also was tun.
Denn mein Mann und ich lieben den italienischen Lebensstil – viel gutes Essen in geselliger Runde mit leckerem Wein. Das passt nicht unbedingt zusammen, ist mit etwas Disziplin aber möglich auszugleichen.
Ich lege an andere Menschen tatsächlich die gleichen Maßstäbe wie an mich selbst. Es ist völlig OK, nicht perfekt zu sein.
Mein Leben einem strengen Essens/Workoutplan zu unterwerfen, finde ich idiotisch.
Es fühlt sich aber richtig und gut an, halbwegs schlank und fit zu sein und das ist mit einem normalen Lebensstil machbar.
Ich bemühe mich also nach meinen eigenen Maßstäben außen hübsch, innen schön zu sein und tue einiges dafür. Ob das gelingt müssen andere beurteilen. Und bleibt immer auch eine Geschmacksfrage. Ich kann sehr gut damit leben, wenn jemand mich nicht mag.
Es gibt Tage an denen ich wirklich gerne in den Spiegel gucke und mag was ich sehe. Die Mehrheit. Und dann gibt es Tage oder Momente da finde ich mich zu farblos, zu alt, zu schief, zu.. was auch immer. Aber die sind normal und vergehen wieder. Mit ein paar Albernheiten, ordentlichem MakeUp und Lieblingsklamotten sogar manchmal recht schnell. Warum soll ich mir selbst nicht zugestehen, was ich bei anderen OK finde.


Meinst du, wie sehr ich a.) den Schönheitsidealen der in Punkt 2 genannten Frauen oder wie sehr ich b.) meinen eigenen Idealen entspreche?
a.) Ich mag den Stil von Grace und Amal und trage gerne feminine Mode. Ich habe auch keine Scheu davor, mit Rüschen, Stickereien und Co zu experimentieren. Allerdings bin ich oft vom Ergebnis enttäuscht, weil ich halt üppig bin und meine angezogenen Kleider eher etwas für zarte und dünne Geschöpfe sind. Des Weiteren würde ich meine „Experimente“ nur in meinem Heimatort tragen. Da fühle ich mich sicher.
b.) Da kommen wir zum Punkt, dass das Äußere mit dem Inneren harmonieren sollte. (Denn meine äußere Erscheinung stimmt mit der von mir angestrebten „Proportionslehre“ nicht überein.)
Für mich sind folgende Eigenschaften wichtig: Toleranz, Humor, Bildung, Verständnis und Neugier. Diese Eigenschaften versuche ich in mein Leben einfließen zu lassen und auf mein Äußeres zu übertragen.
Ich bin nie klassisch Schick – ich brauche Brüche. Ein komplettes Kostüm ist mir zuwider, aber einen Bleistiftrock zur Bikerjacke finde ich cool. Meine Haare liebe ich gelockt und etwas wuschelig. Blond bin ich von Natur und will es auch bleiben. Ich habe auch kein Problem mit dem „Blond-Klischee“. Sollen die Leute mich doch für „blondchen-blöd“ halten. Ich mag es, diese Leute vom Gegenteil zu überzeugen.
Das hört sich jetzt sicherlich abgeklärt und gelassen an. Allerdings fühle ich mich in „fremder Umgebung“ unwohl. Beispiel: Meine Freundin hat einen sehr elitären Bekanntenkreis. Bei ihren Geburtstagen fühle ich mich übergewichtig, schlecht angezogen, ordinär und dumpfbacken. Denn da sind sie wieder, die ätherisch schlanken Schönen mit ihren akkuraten Haarschnitten, dezenten Make-ups und erlesener Garderobe.


Ihr merkt es vielleicht: Über die Definition haben wir uns ganz bewußt NICHT in der Gruppe unterhalten und so tritt eine jede Siebenschöne mit ihrer ganz persönlichen Wahrnehmung auf diese Bühne. Heutzutage haben wir uns angewöhnt, eigene Präferenzen möglichst zu negieren, obwohl wir uns doch nie davon werden freimachen können (oder überhaupt wollen? Ich selbst möchte das nicht). Keine von uns muss jeden Menschen, jede körperliche Erscheinung oder jedes Gesicht schön finden, wenn wir daran arbeiten wollen, jeden Menschen mit jeder Äußerlichkeit zu akzeptieren und zu respektieren. Mir darf X besser gefallen als Y. Um dann erstaunt-erfreut festzustellen, dass auch Y Schönheit mitbringt, die ich nicht sofort erfasst habe. Daher freue ich mich sehr, über die obigen Antworten.

 

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