68erin trägt was? Natürlich ein bißchen Hippie!

Ich liebe Kleidung und die Beschäftigung mit dem Äußeren immer schon: Als Kind habe ich mich mit Wonne verkleidet. Da ich nicht nur Kind, sondern dazu ein bönnsches Schlüsselkind war, hatte ich zum Einen einen gewißen Fundus bestehend aus meinen Karnevalskostümen, – perücken und -schminken und dem unbewachten Kleiderschrank meiner Mutter zur Verfügung und zum Anderen hatte ich viel Zeit ohne Eltern zu Hause. Ich war Prinzessin samt Ross (erst das Bügelbrett, später die Wäschetruhe), die Prinzen befreite, war Indianerin mit Silberbüchse oder mit der besten Freundin ein Engel für Charlie. Am Tag zog ich mich etwa sechs bis acht Mal um, blätterte zwischendurch in Zeitschriften und Büchern, schaute beim Fernsehen schon früh auf Krinolinen, Petticoats, Jeans und Knotenblüschen und baute sie mit meinen Mitteln nach – ein Plumeau ließ sich mit Gürteln um die  Taillen schnallen, darüber drapierte ich Laken und Tagesdecken, steckte sie mit Sicherheitsnadeln zu Turnüren hoch und knotete Blusen meiner Mutter um die Schultern, um ich standesgemäß am Wiener Hof verbeugen zu können. Beispielsweise.

Bis heute ziehe ich mit Kleidung immer auch ein wenig Stimmung, ein wenig Einstellung mit an. Oder konkreter und besser ausgedrückt: Zeigt die ausgewählte Kleidung ein wenig von meinen Vorstellungen, meinen Vorlieben und meiner Persönlichkeit. So gibt es einige Stile, die mich immer schon anzogen:

  • Die Ästhetik der 1920er bis 1950er, die ich einige Jahre sehr exzessiv kopierte.
  • Der Purismus, der meiner 20er begleitete.
  • Die Elemente der aktuellen Mode, die das Zeug zu einer längerfristigen Verweildauer hatten.
  • Das Elegant-Rockige, das ich in meinen 30ern mit Lederhosen, Seidenblusen und teurer Spitzenwäsche neben
  • die Klassik der Gamine im Stile Audrey Hepburns stellte.
  • Die Bohème, der Hippie in mir, der immer nur sehr dezent zum Vorschein kam …

… und zu der es mich immer mal wieder hinzieht, stärker und stärker. Mit dem schwarzgrundigen Kleid kam die Liebe schon zum Tragen und als ich im Dezember letzten Jahres einen ganz ähnlichen Stoff – einen blaugrundigen Viskosetwill mit Blumenmuster – fand, war die Versuchung groß, ihn zum gleichen Kleid zu verabeiten. Doch ein wenig Pinterestschau und Schnittwühlerei später und ich wollte ein Kleid mit hoher Taille. Und so bastelte ich in der letzten Woche daran herum, dieses Mal wieder auf Grundlage des Pepin-Grundschnittes, und das mit nur vagen Vorstellungen. So ist dieses Kleid noch ein wenig brav, aber aufpeppbar. Und es trägt sich sehr schön oder wird sich schön tragen, wenn nur der Lenz endlich eintrifft.

Jedoch: Wie lichtet man ein Empirekleid in dunklem Muster ab, so dass man die hohe Taille auch erkennen kann? Es folgen nun – für diesen Blog zumindest – ungewöhnlich viele Bilder, wie es eher nicht gelingt …

 

 

Versuch 1: Einfach mal schräg hinstellen und auf das Vögelchen warten. Warten. Warten … warten … hmm, hatte ich das nicht – Ah, ja doch! Dann noch einmal:

 

 

Versuch 2: Einfach noch einmal das Selbe und dieses Mal darauf vertrauen, dass die Kamera wirklich knipst. Also lächeln, lächeln, lächeln, bis das Lächeln eintrocknet … ja, sehr hübsch. Man erkennt rein gar nichts von der hohen Taille. Weiter.

 

 

Versuch 3: Raus mit der Hüfte, etwas seitlicher und hey, da war doch noch was? Peace!
Sieht in der Küche aber doch etwas albern aus und so viel Hippie ist ja auch noch nicht erreicht.

 

 

Versuch 4: Ohne Spökes, weiter eingedreht – und hurra, man sieht die Kellerfalte. Aber auch unglaublich viel Enthusiasmus und Freude über das Endergebnis …

 

 

Versuch 5: Im Profil müsste die hohe Linie doch zu sehen sein? Nein? Tja, aber immerhin ein elegischer Blick aus dem Fenster ist drin.

 

 

Versuch 6: Vielleicht sollte ich mich nach rechts wenden? Und genau beobachten, wie sich zwei Katzen an des Hundes Leckerli-Beutel zu schaffen machen? Herrlich kühl-arrogant der Blick – hätte ich nun einen Anzug mit breiten Schultern an, wäre ich zufrieden.

 

 

Versuch 7: Natürlich, wie dumm von mir – dieses Kleid braucht Bewegung! Freiheit, Liebe, Blumen! Aber vielleicht sollte ich mich entscheiden, ob ich knutschen oder über matschige Kuhwiesen laufen will.

 

 

Versuch 8: Wedeln, immer wedeln mit dem Rockteil. Ja, das ist doch viel besser – aber vielleicht auch noch freundlich gucken dabei? Ein bißchen lächeln? Nur ein wenig?

 

 

Versuch 9: Jetzt reicht es, besser wird es nicht mehr, so bleibt das jetzt. Basta! Love and peace!

Puh, da war das Nähen fast schneller erledigt als das Knipsen. Nun bin ich viel zu erschöpft, der Tag zu weit fortgeschritten, als das ich noch etwas zum Schnitt oder zum sehr eigensinnigen Stoff sagen möchte – ich trage mich noch beim Creadienstag ein, hüpfe in die regentaugliche Jeans zurück und erledige noch den Einkauf, der so gar nicht zur Bohème passen will …

 

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Kommentare

  1. Ich finde die Ergebnisse deines Mini-Shootings ja ganz großartig. Jedenfalls haben sie mich zum Kichern gebracht. Das war gar nicht dein Ziel? Mir egal, ich finds gut. 😀
    Dein Kleid übrigens auch; es steht dir sehr gut, finde ich.
    Liebe Grüße,
    Sabrina

    • Michou

      Gut, ich gebe mal zu, dass ich zu Beginn der Knipserei nicht das ausgesprochene Ziel hatte, heute mal Sabrina zum Kichern zu bringen – aber nach Sichtung des Ergebnisses war das die beste Alternative zum ursprünglichen Plan 😀 Und das hat ja immerhin geklappt 😀

  2. Mich hast Du mit den Bildern und den dazugehörigen launigen Kommentaren zum Lachen gebracht. Laut! Und ich grinse gerade wie ein Honigkuchenpferd vor mich hin!

    Sehr aufschlussreich fand ich den Blick zur Verwendung eines Plumeaus. Dass man sich das umschnallen kann, darauf wäre ich wohl nicht gekommen, was wahrscheinlich daran liegt, dass ich in dem Alter kaum alleine war.
    Dafür kann ich mich dunkel daran erinnern, in den Bezug des Plumeaus gekrochen zu sein und es als Tipi benutzt zu haben. 😉

    Ehe ich es vergesse: das Kleid steht Dir gut, ob mit elegischem Blick oder schwingendem Rockteil! 😀

    • Michou

      Danke dir und ehrlich gesagt: mir ist es zehnmal lieber, wenn einige über meine Versuche lachen und den Tag vergessen können, als dass irgendwer bewundernd vor meinem Talent, meiner Schönheit und meiner Perfektion steht – das wäre eh alles gelogen 🙂

      Ich war als Kind ausgesprochen verkleidungssüchtig und einfallsreich; ein Wunder eigentlich, dass mich Cosplay nicht anspricht. Obwohl: ich habe mich vermutlich schon ausgetobt in jenen Jahren.

  3. so wunderbar, deine ablichtungen (und das kleid natürlich) , dass die maus beim „gefälltmir“ button festhing und gleich mehrmals den erhobenen daumen beklickte , was mich erneut zum lachen brachte; bei dem fiesen wetter heute, ein wahrer lichtblick !

    • Michou

      Fieses Wetter ist hier auch und ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich in den letzten Tagen klitschklatschenass geworden bin – wie schön, dass ich nun aber soviel Lachen zurück erhalten, danke dir 😀

  4. Dodosbeads

    Lächeln, Schmunzeln, Lachen auch von hier! Ich stelle gewisse Parallelen fest: a) Verkleidungswütig als Kind (am liebsten wenn ich mich im Schrank meiner mondänen Tante bedienen durfte) b) die Lederhosen und Seidenblusenphase 😉
    Doch, man erkennt die hohe Taille des Kleides sehr gut. Steht Dir !
    LG Dodo

    • Michou

      Liebste Dodo,
      einen Hang dazu habe ich heute noch – immer, wenn ich woanders in Kleiderschränken wühlen darf, zwinge ich die Eigentümerin zu den unmöglichsten Versuchen. Ok, das ist mehr Barbiespiel als Selbstverkleiderei, aber ein sehr guter Ersatz. Mit dir hätte ich ganz bestimmt höllischen Spaß 😀
      Schön, wieder von dir zu hören 🙂

  5. Sehr amüsante Bilderreihe.
    Die erhöhte Taille habe ich sofort gut erkennen können; lässt deine langen Beine noch länger wirken. Die Kellerfalte hätte ich ohne Hinweis nicht entdeckt, : ).
    Sehr schönes Kleid, auch der Stoff ist hübsch.
    LG von Susanne

    • Michou

      Du und Dodo, ihr habe wohl Luchsaugen – ich fand bei jedem Bild, dass die hohe Taille doch gut versteckt war. Na, die Kellerfalte noch mehr (sie springt ja auch gleich auf, um mir Platz zu machen 😀 )

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