Alte Frage: Sack oder Pelle?

In der letzten Woche hielt mich nichts mehr im Bett und so setzte ich mich am Mittwochmittag für eine gute Stunde und am Donnerstagvormittag dreimal so lang an Eß- und Nähtisch und zeichnete den simpelsten Bleistiftrock überhaupt, schnitt zu und nähte (um danach natürlich wieder brav und sehr erschöpft im Bett zu liegen, ich bin ja nicht ganz wahnsinnig.) Der Rand sollte einen Zentimeter unter meiner natürlichen Taille enden, statt eines Nahtreißverschlusses hinten habe ich einen sichtbaren Metallreißer vorne eingesetzt und der Saum war einen Zentimeter eingestellt. Dazu habe ich einen recht knitterfreien Baumwollstretch gefunden und statt Bund gab es einen Beleg. Ziemlich klar und einfach, meinem Gesundheits-, na sagen wir ruhig: meinem Geisteszustand und meinem Geschmack für simples angemessen. Als Grundlage diente nach wie vor der 40er-Jahre-Grundschnitt nach Pepin – ohne vordere Abnäher komme ich viel besser mit Passformproblemen klar.

Gut.

Ich hockte also auf meinem lehnenfreien Höckerchen in einer Position, die es dem Männer-T-Shirt nahezu unmöglich machte, meine Wunden zu berühren. Und ich möchte mal sagen: ich fühle mich, als wäre ich aus einer Schlacht heimgekehrt und hätte nun noch eine Rekonvaleszenz ungewißer Dauer vor mir. Befreit, aber genervt und ängstlich auf Ruhe und Distanz zu allem und jedem bedacht. Perfekte Voraussetzungen, um als erste Tat außerhalb des Krankenlagers zu nähen. Etwas, was mich nach wie vor grübeln lässt (und ich grübelte darüber schon einmal bloggend):

Ist es für einen Bleistiftrock und seine Trägerin besser, er sitzt figurumspielend und kaschiert somit einen Bauch? Oder sollte man lieber zum Bauch stehen, dafür aber sowas wie Kurven zaubern und betonen, auch wenn diese eher ausladend (Hüfte) und rutschend (Po) sind? Ich stellte diese Frage auf FB und die Antwort war eindeutig: lieber eng statt Litfaßsäule!

Ja.

Nun.

Ich habe mich also vorhin einigermaßen präsentabel gemacht – was ich sehr schwierig fand, denn ohne BH fühle ich mich doch unwohl (das scheuert) – und versucht, den Rock einzufangen. Bildlich. Schwierig, natürlich. Denn auf einem nicht dreidimensionalen Bild lässt sich kaum darstellen, wie weit ein Rock ist, der aus einem nicht fließenden Material genäht ist.

 

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So. Zunächst einmal ist der Rock so weit, dass er nicht einen, sondern gute drei Zentimeter unterhalb der Taille sitzt und der Stretchstoff nicht einmal in die Nähe des Gedehntwerdens kommt. An der Hüfte, die ich vorsichtshalber mit ordentlich Kurve und Zugabe versehen hatte, habe ich beiderseits schon zwei Zentimeter weggenommen.

Von dem eingestellten Saum ist nichts zu sehen, da war ich mit dem einen Zentimeter sehr vorsichtig, aber ich ging nach der langen Rockabstinenz davon aus, dass ich enorm breit und sehr kaschierbedürftig sei. Und weil der Rock so tief unten sitzt, ist die Länge natürlich auch nicht korrekt.

 

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Natürlich ist da immer noch Bauch, der wird auch nie verschwinden. Aber ziemlich dezent für meine Verhältnisse. DAS mag ich schon. Gleichzeitig ist natürlich auch der Po kaschiert, was sicherlich sehr damenhaft ist, aber auch so ein bißchen trutschig aussieht. Oder? Gleichzeitig liegt der Rock am Bein wirklich an keiner einzigen Stelle an – er steht dank des Materials um mich herum. Solange ich stehe. Bewege ich mich, bewegt er sich auch: er schraubt sich linksherum langsam nach oben. Naja, wenn ich mich bemühe, nicht mit den Hüften zu wackeln, dann bleibt er, wo er ist. Mehr oder weniger.

 

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Sehr damenhaft. Sehr. Ich könnte, ohne den Stoff zu dehnen, in der HM zwei Zentimeter wegnehmen. Was ich am Schnitt auch tun werde. Am Rock geht das nicht, denn er ist hinten im Bruch zugeschnitten. Und obwohl die Taille schon so tief gerutscht ist, kann ich immer noch gut zwei Zentimeter zusammen kneifen, ohne dass etwas einschneidet.

Daher jetzt die wirklich wichtige Frage: doch noch mal den Saum lösen, einen halben Zentimeter an den Seiten wegnehmen und nach unten mehr einstellen? Ich wäre bereit dazu … womöglich sogar noch heute. So ganz vorsichtig und mit Ruhe.

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