Aus gegebenem Anlass

Enge Röcke und ihre Passform. Ihre Passform an mir. Und warum sie rutschen. Oder beulen. Immer wieder kommt der gute Rat, sie an der Seite weiter zu fassen – nach der Theorie, dass ein Rock, der genügend Weite hat, nicht hoch rutschen könne. Und in der Theorie kann ich das unterschreiben. Auch in der Praxis stimmt das. Manchmal.

Zum Beispiel hier:

Beide Röcke sind aus festem Stoff; der blaue Rock passte erst gut, dann kamen die ersten Kilos dazu (auf dem Bild sind es schon zwei mehr drauf als zur Entstehungszeit des Rockes). Mit Strümpfen und Unterrock – beides nötig unter dem haftenden Kratzewollstoff – wird es schon deutlich zu knapp. Vielleicht raffe ich mich in diesem Herbst auf, ihn zu öffnen und neu zusammen zu nähen – hier ist mehr als genug NZ vorhanden.
Der rosafarbene Rock war von Anfang an arg knapp – aus irgendeinem Grund hatte ich falsch zugeschnitten, wollte aber nicht aufgeben – mittlerweile hat der Rock als der Klügere nachgegeben 😉 (Nein, stimmt nicht – da kam ich schon lange nicht mehr hinein.)
Bei diesen Beiden erweist sich die Theorie als korrekt: mehr Weite an den Seiten wäre die Lösung.

ABER: noch öfter habe ich das Gegenteil erlebt. Da ich leider keine Bilder mache, während ich an der Passform bastele, kann ich es euch nicht eindeutig beweisen. Ihr werdet mir glauben müssen. Oder darauf warten, dass ich beim nächsten Mal Bilder schieße.

Der Rock, der am besten sitzt, ist leicht elastisch, relativ fest und nicht gerade weit geschnitten:

Dieser Rock ist durch den Nähkurs gewandert – hier musste ich die vordere Mitte anheben, ein absolutes Novum damals – und mittlerweile passt er nicht mehr – die letzten zwei Kilos passen nicht hinein. Aber auch hier, trotzdem recht knapp geschnitten, gab es Querfalten nur nach langem Sitzen oder schräger Hüfthaltung. Und ganz ehrlich: wenn bei der Bewegung der Rock noch ganz glatt fällt, dann sieht er aber mit Sicherheit aus, als wollte man Sektenzeitschriften verkaufen …

Und dann sind da die Röcke, die sich jeder Anpassung widersetzen und bei denen ich mittlerweile im Stoff den Schuldigen sehe. Hier habe ich ausgelassen, ausgelassen, ausgelassen. Und das Problem wurde schlimmer, schlimmer, schlimmer.

Hier glaube ich mittlerweile, dass die Lösung im Anheben der vorderen Mitte liegen könnte. Denn an meiner rechten Hüfte ist der Rock etwa 2 cm weiter als links und wenn ich den Rock trage, dann entstehen auf der rechten Seite mehr Beulen und Falten. Der Rock zieht sich an der weiten Seite hoch. Was aber wie gesagt auch an der Zuviellänge in der Mitte liegen kann. Hier ist die Theorie nicht wirklich anwendbar gewesen.

Das übelste Stück von einem Rock ist aber dieser hier:

Mal abgesehen davon, dass die gesamt Kombi nicht stimmt (Bah, bah, bah!) ist dieser Rock komplett daneben gegangen – ich nehme an, der Stoff wäre bestenfalls zum Polstern von weichen Stühlen geeignet. Die Falten, die ihr da seht, dürften gar nicht da sein, denn der Rock ist riesig: auf anderen Röcken liegend ist er auf beiden Seiten knapp 2 cm weiter – macht rundum etwa 8 cm! Und dennoch hängt er nicht einmal im Stehen glatt herunter. Sobald ich mich bewege, entstehen vier oder fünf dicke Stoffwellen an den Hüften. Aus rein technischem Interesse habe ich Wochen später die Seiten enger geheftet – die Falten waren weg. Der Rock allerdings auch – kann ihn einfach nicht leiden 😉

Beim aktuellen Nadelstreifenrock ist es einfach so, dass die vordere Mitte etwas kürzer sein dürfte – aber das hängt immer sehr vom Stoff ab, weshalb ich diese Änderung nicht im Schnitt vermerkt habe. Und ich bin einfach viel zu bequem und lustlos, als dass ich den Bund nun noch einmal abtrennen wollte …

Wie ist das bei euch? Habt ihr das schon erlebt, dass eine eigentlich vollkommen logisch erscheinende Änderung zum gegenteiligen Effekt geführt hat?

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Kommentare

  1. Ich bin bestimmt keine Spezialistin in Schnittanpassung und auf die Art und Weise wie ich es betreibe, schreit wahrscheinlich zum Himmel (Ich ziehe die Teile auf meine Büste, ich weiß in etwa, an welchen Stellen ich meistens ändern muss, dann ändere ich so wie ich denke, bis es an der Büste o.k. aussieht, probiere kurz an, nähe weiter und meistens passt es dann.) Diese Methode funktioniert aber nur bei Kleidern und Oberteilen. Bei Hosen und engen Röcken ist das problematischer, aber was schreibe ich dir das, da weißt du ja bescheid und hast sicherlich schon alles mögliche ausprobiert.

    Mein eigentlicher Punkt ist, um auf deine Frage zurückzukommen, dass ich denke es liegt zu einem ganz großem Teil am Stoff.
    Mir ist es oft passiert, dass ich einen Hosenschnitt bzw. Rockschnitt hatte, der einigermaßen gepasst hat, aus einem anderen Stoff aber unmöglich tragbar geworden ist. Mal ist mehr Stretch, mal mehr Dehnbarkeit in Längs-, mal mehr in Querrichtung, mal verändert sich der Stoff nach 2 Minuten tragen, mal aber auch erst nach einem halben Tag. Ich beobachte immer wieder unterschiedliches Reibungs- und Gleitverhalten auf Haut, Strumpfhosen und zwischen unterschiedlichen Futterstoffen, was sich dann auch wieder auf die Passform auswirkt. Du siehst, weiterhelfen kann ich dir leider auch nicht wirklich, ich wähle meistens meine gut und weniger gut passenden Kleidungsstücke nach Tagesform aus (da passen sie nämlich auch noch unterschiedlich gut oder schlecht) und versuche die wirklich bösen Stellen zu kaschieren (Gürtel, längeres Oberteil etc.) und was gar nicht geht landet halt irgendwann in der Kiste der unausgereiften Patente…

    Viele Grüße
    Julia

  2. Michou

    Hi Julia,

    ich bin vor ein paar Tagen erst auf deinen Blog aufmerksam geworden – dein Ostersommerkleid hatte es mir besonders angetan! Deine Methode scheint also gut zu funktionieren 🙂

    Das mit dem Stoff und seinem unterschiedlichen Verhalten, da komme ich auch immer mehr hinter. Aber es gibt immer noch viele Unwägbarkeiten – wie oft schon hat sich ein Stoff nach dem Nähen vollkommen anders verhalten als zuvor. Was mir beim Kauf sanft über die Hand floss, stand nach dem Verarbeiten von alleine. Was sich beim Zerknüllen nicht krinkelte, war schon nach dem Schließen der Reißverschlusses verbeult. Fast drei Jahre lang habe ich die Schuld nur bei mir gesucht, jetzt weiß ich es besser 😀

    so, jetzt spreche ich noch eine Bitte aus: blog mal brav weiter, das sind hübsche Dinge, die du da zeigst!

  3. Julia

    hallo zusammen.
    grundsätzlich gilt IMMER vor dem nähen stoffe waschen und thermobearbeiten.
    z.b. Futterstoff näht man NIEMALS ohne ihn mit wasserdampf behandelt zu haben… oder seide muss IMMER mit warmen bügeleisen trocken drübergebügelt werden.
    zweitens, man muss sich theoretisch mit bestandteilen der stoffe beschäftigen. jeder stoff hat seine eigenschaften. beispeil. ein jersey aus viscosa ist weicher und seidiger aus aus BW. wenn man ihm 4 bis 6% elastan hinzufügt- ist dieser jersey deutlich dehnbarer. nun, wenn es 10% wird -aufpassen, dass er noch form behält! gegebenfalls dagegen arbeiten,d.h. mit vlieseline und formband arbeiten.
    drittens, je teuerer der stoff ist, desto weniger überraschungen gibt es.
    ein shirt, was man für 15€/m jersey von Hilco kauft,wird niemals die form verlieren wie z.b. ein jersey no name von karstadt.
    hier kommt die frage, was ich ich eigentlich mit nähen erreichen?
    also ich nähe aus gut ausgewählten stoffen,denn wenn ich einfach eine klamotte brauche- gehe ich und kaufe mir fertig. aber etwas ,was ich mit so viel zeit,liebe usw verarbeite-muss sich lohnen. u.a. es ist auch ein tolles gefühl in den finger beim verarbeiten,wenn der stoff gut ist und später auch auf der haut.
    nun, wenn man näht um erstmal überhaupt nähen zu lernen, dann muss man auch überraschungen in kauf nehmen.

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