ZKJ Dezember – Jahre später …

Wie hier vor acht Tagen angekündigt ist das Uraltkleid nun also beendet. Nunja, nahezu beendet: ich sollte den Saum noch einmal nähen. Das Konstruieren einer Drapierung auf flachem Papier hat seine Tücken und ein weicher Stoff hilft dabei nicht. Der Rock, der sehr schräg Geschnittene, hing sich ganz ordentlich aus und als ich damals vor zwei Jahren soweit war, ihn zu säumen, war ich alles andere als begeistert. Der Gatte bastelte dann eine halbe Stunde an der idealen Aufbauformation seines Lasermessgerätes, um eine passende Saumlänge zu finden. Aus lauter Frust hatte ich den komplett schiefen Saum so, wie er war, festgenäht – da sind Unterschiede von mehr als drei Zentimetern drin. Also trennen, gerade schneiden, versäubern und handsäumen. Demnächst. Für heute geht es so.

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Heute würde ich manches anders nähen: so sind die Raffungen nicht ideal verteilt; oben ziehen sie in den Halsausschnitt, unten sind sie im unteren Bereich zu mächtig. Aber für einen ersten Versuch mit Asymmetrie, Drapierungen und Raffungen, Rockteilen mit verschiedenen Fadenläufen etc. ist die Konstruktion doch in Ordnung. Und das Kleid trägt sich extrem bequem.
Erstaunlich übrigens, dass die Bilder einen ganz anderen Eindruck erwecken als die Realität: meine Freundin meinte vorhin, dass das Kleid ja sehr schmal mache – hier sehen wir eher Bauch, Bauch, Bauch. Und Hüfte 🙂 Ideal kann der Sitz allerdings auch nicht sein, da sich meine Figur in den letzten zwei Jahren doch sehr verändert hat.

Und weil ich bis Ende Dezember vermutlich kein weiteres Kleid werde nähen können, deklariere ich dieses hier zum Dezemberbkleid.

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Dann schnell mal zum Kostüm: gestern noch war ich davon überzeugt, ich würde noch einmal zuschneiden wollen. Heute weiß ich: will ich nicht. Zweimal direkt hintereinander das Selbe nähen, ist für mich der Horror, die Hölle, das Elend. Geht nicht. Mag ich nicht. Will ich nicht. Und als ich vorhin damit vorm Spiegel stand und einfach einen schmalen Gürtel drum band, fand ich es in Ordnung. Nicht überragend, nicht umwerfend, aber nett, hübsch, adrett – tragbar. Und so werde ich heute nachmittag also weiter nähen und in absehbarer Zeit den veränderten Schnitt an einem neuen Stoff testen – Frühlingskostüm. Das ist doch ein Plan!

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ZKJ – Pisa

Müsste ich meiner Kleidung Namen geben, so hieße dieses Kleid Pisa. Weniger seines südlicheren Flairs wegen, sondern nur wegen des Turmes: Schief, schief, schief.

Beim Legen des Stoffes meinte ich, den Fadenlauf erwischt zu haben: der Stoff legte sich nahezu von selbst faltenfrei und gleichmäßig aufeinander, nix zog oder wankte, Fäden ließen sich gleichmäßig abzupfen – fein. Nach dem Zuschnitt sah auch noch alles gut aus, ich habe brav meine Markierungen übertragen und mit dem Legen der Falten im Oberteil begonnen. Erst als ich sie bügeln wollte, fand ich: das sieht irgendwie seltsam aus. Genauer: schief. Ich habe das Oberteil in der Mitte gefaltet und war nicht begeistert: auf einmal war der Ausschnitt verrutscht, die Schultern waren unterschiedlich breit und auf einer Seite war viel mehr Platz bis zur Seite als auf der anderen. Mehr schlecht als recht habe ich alle Markierungen entfernt, sorgfältigst gebügelt, wieder gefaltet und nachgeschnitten – niemals, niemals ein gutes Zeichen. Zumal der Stoff beim Kontakt mit der Schere begann, sich aufzulösen.

Als ich zum vorderen Rockteil kam und die Falten dort steckte, war es nicht schöner: obwohl die Mitte stimmte, waren die rechten Falten einen guten Zentimeter weiter zur Seite gerutscht als die der linken Seite. Auch die hinteren Rückenteile, obwohl beim Nachmessen und aufeinander legen absolut gleich, schoben sich nach dem Nähen überall hin, nur nicht dorthin, wo sie sein sollten.

Dazu kommen Probleme mit dem Schnitt bzw. den Originalangaben. Ich habe den Schnitt mit meinem Grundschnitt nach einer Haslamanleitung konstruiert und wollte dabei sämtliche Maßangaben behalten: wo die Falten sein sollten, wie sie laufen sollten, wieviel Kräuselweite, wie weit der Rock aufgesperrt werden sollte etc. Zwar fand ich manche Angaben im Vergleich zum Modellbild verblüffend – so hätte ich die Falten am Oberteil als viel näher an der Mitte, enger und schmäler gesehen – aber wie ich es auch drehe und wende: diese Falten laufen über die Brust. Und öffnen sich dann zwangsläufig.

Zu dem schiefen Lauf, den falsch sitzenden Falten, dem sich auflösenden Stoff kamen dann noch Belege, die nicht innen bleiben wollen; auch da kann ich nähen, sticheln und sichern wie ich will. Da ich die NZ der Kräuselungen nicht weit zurückschneiden kann und sie auch noch mit Zickzacksticken vor dem sich Auflösen bis in den Oberstoff hinein schützen muss, ist das Ganze hübsch knubbelig und will nach draußen.

Und weil alles so verzogen und irgendwie trotz ausreichender Weite eng ist, habe ich auf das Futter verzichtet – und der Stoff ist nicht schmuseweich, sondern kribbelt an Schulten, Nacken und Hals. Trägt auch nicht zu meiner Liebe bei. Dabei, also eigentlich und im Prinzip, hat das Kleid vieles, was ich mag: die Farbe auf alle Fälle, die sehr schlanke Wirkung mit Taille, die Falten und Kräuselungen. Aber man kann nicht alles haben.

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So ist das Kleid dann fadengerade … und ich merke, ich sollte wirklich mal wieder was für meine Kraft tun.

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Ja, sieht irgendwie nett aus, aber ist es nicht. Denn obwohl ich vorne mit dem Pfusch noch so einigermaßen durchkomme (kann ja immer sagen: “Das soll so!”), hinten sammelt es sich dann doch, das Elend:

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In vielen Schnitten dieser Zeit (also so von 38-43) wird eine Seite des Rockes mit mehr Weite ausgestattet – was auch sehr schön sein kann, wenn die Balance stimmt und der Stoff mitmacht. Hier hat das nicht funktioniert: der RV wandert stark nach links ab und das Rückenteil möchte nach vorne (hier sieht es so aus, als wäre es zu lang – von der Seite sieht man gut, was wirklich geschieht). Das hintere Rockteil habe ich auch zu weit nach vorne gezogen – eigentlich hätte es ein wenig eingehalten werden müssen, aber meine Blindheit hat das Einhalten nach vorne verlegt, weil ich die Seitennähte falsch platziert hatte – und warum? Weil die Markierung am Taillenmieder “Hier Seitennaht Rock!” weggefranst ist). Also hinten zu eng, vorne noch mehr Weite und als Belohnung schiefe Seitennähte – daher der Schwung links und rechts. Und besonders fies: bevor man sich einmal gesetzt hat, geht es noch – danach ist es verbeult und verknittert wie zu sehen. Wollstoff, der knittert – macht ja gar keine Freude.

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Und damit noch mal zu sehen ist, wie die Falten aufspringen. Sicherlich auch unseren anderen Dessousgewohnheiten zu zu schreiben: heute wird alles eher in die Mitte gedrückt, was wir so haben – damals eher zur Seite. Heute rund, damals natürlicher (bevor es spitz wurde). Aber dennoch kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Konstruktion jemals bei einer Frau so hingehauen hat, wie das Modellbild uns glauben lassen möchte.

Aber bin ich nun wahnsinnig unzufrieden? Auch nicht. Ich mag die Ärmel sehr, ich mag den kleinen quadratischen Ausschnitt, Miederteile ja eh, ich mag die schmalfallende Form und die Silhouette und fühle mich gar nicht so unwohl darin. So lang ich sitze und mal nicht an meiner Haut entlangkratze.

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Und weil ich es endlich wieder einmal geschafft habe, ein Kleid zu nähen, ernenne ich es zu meinem Novemberkleid. Gut, es ist schon Dezember, aber der Großteil der Arbeit lag im vergangenen Monat und so bin ich vielleicht motiviert, noch eines für Dezember zu schaffen …

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Ok, aber heute…!

Aller Ermutigung zum Trotz bin ich mit meinem unanständigen Hauskleid nicht weit gekommen: Kind Eins war glücklich aus dem Haus, die Wolken zogen sich weiter zu und verschafften Kühlung, ich erwachte aus kurzem, mittäglichen Schlummer – einigermaßen erfrischt sogar – Stoff war zugeschnitten und lag erwartungsfroh bereit. Gut, da mag ich mich täuschen: Knalltürkis kann ja gar nicht anders, als erwartungsfroh auszusehen. Gut möglich, dass er innerlich erzitterte und bangte. Aber derlei Feinheiten darf ich ignorieren.

Musste ich auch, denn Kind zwei wollte nun mit mir spielen: Dackelblick und Gipsarm sind Aufforderungen, denen man nicht widerstehen kann und darf. Ich bot mir einen Aufschub von 40 min aus, den ich erhielt und die zum Stecken der Kellerfalten und der Abnäher, zum Fadenspulen und dann gar zum Steppen und Heften nutzte. Tommy baute währenddessen das ‘Spiel des Lebens’ auf und gewährte mir sogar eine Verlängerung zum Ausbügeln. Mittlerweile hatten sich die Wolken verzogen und sekündlich wurde es wärmer und wärmer und wärmer. Kurz nachdem auch ich einmal ein Spiel gegen mein Minigenie und Geldgiermonster gewonnen hatte, trafen Kind Eins und der dienstreisenbeendende Gatte ein und wir zogen gemeinsam Richtung Eisdiele und ungesundes Abendessen.

Eigentlich wollte ich dann weiter nähen, aber irgendwie … es gab noch manches zu besprechen, einen Film zu schauen und wie das dann so ist: Morgen ist auch noch ein Tag. Das war gestern und Heute ist Morgen. In einer halben Stunde schon erscheint der Handwerker, der unsere Heizung in den Griff bekommen soll – auch ein heißen Tagen wäre warmes Wasser schön. Am Nachmittag müssen wir wieder ins Krankenhaus, um Tommys Arm untersuchen zu lassen und bitte, bitte, wer nun noch Zeit und Kraft zum erneuten Daumendrücken aufbringen kann: der Arm soll bitte sich anständig verhalten haben und vernünftig und gerade zusammen wachsen wollen – ansonsten müsste der Knochen komplett gebrochen werden und das hört sich nicht an wie etwas, was ich meinem Sohn wünschen würde. Er erträgt seine Lage im übrigen mit solch einer Gelassenheit, dass ich wenigstens einmal pro Tag vor ihm auf die Knie fallen könnte vor lauter Bewunderung. Ich wäre nichts als Wut und Galle …

Aber zwischendrin ist Zeit für Seiten- und Schulternähte, Versäuberungen und Reißverschlüsse – ich bemühe mich! Muss ich auch, das unanständige Hauskleid wäre dann ja auch das ZKJ für Juli. Schön, so ganz ohne Druck zu nähen. Oder so ähnlich!

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ZKJ – Juni in Vichy

Nicht, dass es heute warm und sonnig genug wäre, um dieses Kleid zu tragen. Es ist sogar kein bißchen warm und sonnig. Aber der Juni hat nur noch wenige Tage zur Verfügung und die Wettervorhersage macht keine Hoffnung auf Besserung innerhalb diesen Zeitraumes. Also habe ich heiß, heiß, heiß geduscht, mich auf Sonnenschein konzentriert und mich erst in das Kleid und dann vor die Kamera geworfen. Und für wen? Nur für euch natürlich. Spenden in Form von Heizdecken, Plüschsocken, Merinogarnen und Wollflanell werden gerne entgegen genommen.

Es ist fast schon ein Muss, dass es mit den Bildern nicht so recht etwas werden wollte: zu wenig Licht, aber zu viel Blitz. Falsche Einstellung, falsche Entfernung, nicht eingelaufene Schuhe und laufende Katzen tragen zum Erfolg meiner Fotografiererei nicht bei. Und weil es heute so lange dauerte, bis ich einigermaßen vernünftige Bilder hatte, bekommt ihr nun ganz viele davon.

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Wie zufrieden bin ich? Wenn es heiß wäre, sicherlich sehr: ich wollte ein Kleid, das möglichst luftig sein soll und das habe ich erreicht. Bis auf die Taille liegt der Stoff nirgendwo eng an. Auch mit dem Rhythmus des Kleides bin ich zufrieden: vom Auschnitt mit seinen 11 Kellerfältchen geht es zur Taille mit 6 Kellerfalten und von dort zum Rock mit 4 zur Mitte gelegten Falten. Die ursprünglichen zwei Kellerfalten sahen überhaupt gar nicht aus – Rock und Oberteil schienen zu zwei verschiedenen Kleidern zu gerhören; dem Rockteil fehlte einfach Bewegung. So, wie es jetzt ist, gefällt es mir besser, es ist harmonischer.

Wie wohl fühle ich mich darin? Bei Hitze sicher sehr, jetzt, wo ich darin friere, schaue ich mehr darauf, ob es mir steht oder nicht. Da bin ich noch hin- und hergerissen, denn normalerweise meide ich tiefe Ausschnitte, in denen ich mich einfach nur dünn fühle – wie gesagt, bei Hitze ist mir das egal und da wirkt es auch anders. Bilde ich mir ein. Auch bin ich mir noch nicht sicher, wie sehr zu mädchenhaft ist es finde. Aber ich habe beschlossen, dass ein kühler, grauer, wahrscheinlich später auch noch verregneter Tag nicht der richtige Moment ist, um über derlei nach zu denken. Das verschiebe ich auf 30C° plus!

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Wochenende in Vichy

Es fällt mir in den letzten Monaten unglaublich schwer, mich zum Nähen zu motivieren; ständig blockiere ich mich selbst. Nun war die letzte Woche heiß und das Bedürfnis, ein Hochsommerkleid im Schrank zu haben, wuchs. Logisch, dass das Wetter nun – kurz vor Vollendung des Kleides – mir eine lange Nase dreht. Da aber nur noch ein paar Handstiche und der Saum fehlen, buhe ich zurück und werde mich heute abend nicht blockieren (lassen).

Am Freitag spätnachmittags habe ich mich ausgeschimpft, endlich den frischgewaschenen Stoff gebügelt und zugeschnitten:

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Samstag mittag habe ich 21 kleine Kellerfalten und zwei Abnäher auf den Stoff übertragen – eine Arbeit, die ich wenig liebe, die aber nicht halb so schlimm wie befürchtet war. Und alles gesteckt:

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Nach dem Abendessen dann habe ich das Rockteil genäht und versäubert, was ich heute morgen sehr nett von mir fand, denn so konnte ich mich ganz dem Oberteil widmen. Nachdem oben und unten, vorne und hinten miteinander verbunden war, wäre der ideale, der übliche Zeitpunkt gekommen, an dem ich mir am liebsten im Weg stehe: Reißverschluß einnähen. Ich zögerte, kurz nur und wechselte den Fuß aus. Ja, ich habe ihn ohne Umwege eingesetzt, nicht noch schnell saugen oder telefonieren oder bloggen oder bügeln oder kochen – nein, rein damit. Und den Beleg gleich hinterher.

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Nachher also Saum und in den nächsten Tagen hoffentlich Bilder von mir und dem Kleid, traut vereint. Ich könnte nun schon loslegen, was ich alles hätte besser oder zumindest anders machen sollen; ich bin halt kein Profi. Aber andererseits: wofür? Der Stoff fühlt sich toll an und war eine Wonne bei der Verarbeitung. Bis auf die schmasitzende Tailles ist es ein für meine Verhältnisse luftiges Kleid und wer weiß, wieviele Sommer ich solche Kleider noch werde tragen können, also: alles gut 🙂

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