Feministin? Natürlich!

Seit etwa zwei Wochen gehe ich mit einem Beitrag zum Thema schwanger; immer wieder formen sich (Ab)Sätze, Gedanken und Tiraden, während ich nähe, koche, spazieren gehe. Viele unterschiedliche Stränge, doch bis jetzt morgens früh um fünf verweigerte ich mich dem Wunsche des Verstandes, das auch bloggen zu wollen. Wohlwissend, dass das lang und ausufernd werden könne. Aber nun bin ich seit anderthalb Stunden wach, statt Minusch liegt nun Momo schnurrend auf mir und was sonst soll ich mit dieser geschenkten Zeit beginnen?

Nun bin ich ja grundsätzlich und seit wenigstens 38 Jahren Feministin – bevor ich 8 war, kannte ich den Begriff nicht. Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Handvoll Aufkleber, die- auf welchen Wegen auch immer – bei uns gelandet waren und die ich meinem kleinen Bruder auf sein Bett klebte. Auf jedem waren Bilder von Frauen bei einer Hausarbeit, während ein Mann sinnlos im Hintergrund umherlungerte. Diese Aufkleber waren rund, bunt und oben und unten beschriftet: „Sei im Haushalt nicht nur Pascha, sondern Partner.“
Ich fand es ziemlich ungerecht, dass immer nur ich beim Abspülen und Abtrocknen helfen musste, mein Bruder nur an Ostern und Weihnachten. Bis er eine Gabel zu Boden fallen ließ.
Da formte sich in mir zum ersten Male bewußt heraus, dass das nicht richtig sein konnte. Gut, ich half im Haushalt angeblich nur, weil ich die Große und die Kluge war und er noch zu klein. Daran änderte sich aber seltsamerweise nie etwas und bei all meinen Freundinnen, so ebenfalls mit kleinen Brüdern geschlagen, war das ähnlich.

Aber auf meine persönliche Erweckungsgeschichte will ich gar nicht hinaus (obwohl es spannend wäre, von anderen zu hören, wann sie für sich entdeckten, den gleichen Wert wie männliche Wesen zu haben). Sondern auf zwei andere Aspekte:

Was alles ist Feminismus und was nicht?
Und weshalb spielt er für uns alle überall eine viel größere Rolle, als manche denken?

Entzündet hatte sich mein aktuelles Grübeln und meine momentane Wut an einem Abschnitt eines Artikels aus der FAZ; es ging um eine Jauch-Sendung, die ich grundsätzlich wegen Antipathie nicht mehr schaue. Es ging um Islamismus und um den Auftritt eines Imams, der die Sendung wohl an sich gerissen haben musste. Im Grunde war es die pure Langeweile, die mich dazu einige Artikel nachlesen ließ.

Und dann entflammte mein gerechter Feministinnenzorn durch diese Passage, die wohl nur ein Mann hatte schreiben können:

… Nur meinte Jauch in diesem Frauenbild eine Verfassungswidrigkeit im Sinne der FDGO feststellen zu müssen. Nur ist die katholische Kirche ein Verfassungsfeind, weil sie das Recht auf freie Berufswahl für Frauen einschränkt? Es ist wirklich grotesk, wie mittlerweile gewisse gesellschaftspolitische Überzeugungen zur verpflichtenden Leitlinie für alle gemacht werden sollen. Das geringste Problem am militanten Islamismus ist wirklich sein reaktionäres Frauenbild.

Ich lasse das jetzt mal so stehen und komme später, hoffentlich fädenverknüpfend und schläfrig, darauf zurück. Vielleicht nehmt ihr euch eine Sekunde Zeit, um eure eigenen Gefühle beim Lesen dieses Zitats zu erforschen.

Vor einigen Monaten startete eine persische Journalistin im Londoner Exil eine Aktion über Facebook, die es international bis in die Presse geschafft hat und die in diesem Moment 675.608 likes hat: My stealthy freedom.
Schon alleine in Erinnerung an eine meiner liebsten Mitschülerinnen zu Ausbildungszeiten – klug, warmherzig, gebildet, schön und persisch – und auch wegen all der wunderbaren Musliminnen, die ich kennen durfte und denen ich nahe war/bin, gehört mein like dazu. Und es ist mir Ehre und Freude zugleich, den dort erscheinenden Bildern meinen Daumen zu schenken und besonders nahegehende Texte zu teilen.
Auf dieser Seite geht es darum (falls eine von euch noch nichts davon gehört haben sollte, denn allzu großes Aufsehen hat es hier in der Presse nicht gegeben), iranische Frauen ohne ihren aufgezwungen Hijab zu zeigen. Bilder, die heimlich aufgenommen wurden; per Selbstauslöser, von Freundinnen, vom Ehemann, vor bedeutenden Gebäuden, mitten in der Stadt, auf dem Lande, tags wie nachts. Manche Frauen zeigen sich groß, klar und frontal, manche von der Seite und vorsichtigere von hinten. Und immer wehen die Haare frei im Wind, erzählen sie von ihren Wünschen, Hoffnungen und Sehnsüchten. Vom Traum, im Meer baden zu dürfen, unbehelligt durch ihre Heimat gehen zu können, von der Zukunft der kleinen Tochter.

Diese Seite, diese Journalistin, diese Frauen werden von allen Seiten angegriffen und der in meinen Augen hinterhältigste und gemeinste und dümmste Angriff lautet, ob diese Frauen (Weiber, Tussis, Spatzenhirne) denn nichts Wichtigeres als ihre Kleidung hätten, um sich darüber aufzuregen, um sich dafür zu engagieren. Zack.

Und da sind wir wieder beim obigen FAZ-Zitat. Frauenfragen können schlicht nicht das Wichtigste sein. Erschöpfen sich offenbar ja eh nur in Äußerlichkeiten, Eitelkeiten und Banalitäten. Hallo, wir haben eine Ebola-Epidemie, Islamisten bedrohen die freie Welt, die Konjunktur zieht nicht stark genug an und die Bahn streikt und die Frauen haben nichts Besseres zu tun, als über Kleinkram zu nörgeln? Es geht um die Menschheit, nicht um Rocklängen! Und jetzt durfte so eine weltverbessernde Jungschauspielerin auch noch vor den Vereinten Nationen über so ein Zeugs reden? Kein Wunder, dass wir das mit der Frauenquote noch mal verschieben müssen – die Weiber sind einfach nicht reif fürs wahre Leben! So!

Es wäre mir sehr lieb, wenn diejenigen, die noch dran geblieben sind, nochmals ihre eigenen Gefühle sortierten und ehrlich überlegen, ob sie nicht – auch als Frau – ähnliches gedacht haben? Ich schweife nochmals ab und lasse mein rotes Fädchen hier in euren Händen liegen; ich hole es gleich wieder ab.

Schaue ich mir meine vier engsten Freundinnen an, so sehe ich zwei, die ganz klar für sich in Anspruch nehmen, Feministinnen zu sein. Übrigens sehen das die dazugehörigen Ehepartner für sich selbst ähnlich – sie sind Feministen, ganz so, wie Miss Watson es sich mit ihrer Kampagne HeForShe wünscht. Für diese beiden Frauen hat sich die Frage nie gestellt; beide sind engagiert in allem, was sie tun, beide sind deutlich artikuliert in ihrer politischen, religiösen und gesellschaftlichen Meinung und beide wollen das Beste für alle Menschen,
Schaue ich meine anderen beiden Freundinnen an, so scheint das Thema Feminismus erst mal keines zu sein – keines, über das man sich die Köpfe heiß redet. Beide sind sehr feminine Frauen mit Spaß an Kleidung, Filmen, Büchern, beide bewältigen einen Alltag mit Kindern, Teilzeitjobs, Haushalt und dienstreisenden Ehemännern. Sich als Feministin zu bezeichnen, quasi beim Kennenleren, kann ich mir für beide nicht vorstellen. Bei den beiden anderen durchaus.

Nun wollen wir aber mal weiter schauen, denn welch Überraschung: Frauen neigen ja dazu, vielschichtig und kompliziert zu sein und darüber hinaus dunkle Geheimnisse zu hüten. Meine beide erkennbaren Feministinnen interessieren sich genauso fürs Handarbeiten, für Modegeschichte und für leckeres, selbst zu kochendes Essen wie sich die beiden Femininen gegen mißverstehende Kollegen, falsche Ansprüche anderer an sie und Ungleichbehandlung zur Wehr setzen. Der Unterschied liegt nur in einem – und das ist etwas, was ich bei so vielen Frauen sehe! – Punkt begründet: während die Feministinnen das Wort an sich („Feministin“) als wertfrei betrachten, tun sich die anderen beiden damit vielleicht etwas schwerer.
Denn dieses Wort ist über die Jahrzehnte durchaus absichtlich von einer kleinen, menschenfeindlichen Clique von ewig Gestrigen gleichgesetzt worden mit einer Art männerfeindlichem Kampfhuhn, das aus Frustration über das eigene unattraktive Äußere und die eigene geistige Minderheit nun Lärm schlägt und Probleme schafft, wo doch eigentlich alles in schönster Ordnung war. Die Feministin als Karikatur einer Frau, die nicht in der Lage ist, Kerle abzuschleppen und sich in einem Job hochzuschlafen.

Und so höre ich immer wieder Frauen in tiefster Überzeugung von sich sagen:
„Feministin – bin ich nicht. Feminismus – damit habe ich nichts zu tun. Alice Schwarzer – betrifft mich nicht. Ich mag Männer und ich schminke mich gerne und ich bin zufrieden mit meinem Leben.“

Hmmm, meist nicke ich nur oder sage vielleicht noch, dass ich unter Feminismus etwas anderes verstehe, aber weil ich nicht den Eindruck erwecken möchte, ihr nun streitsüchtig ihr Leben zerstören zu wollen, unterlasse ich jede ernsthafte Diskussion. Wahrscheinlich auch, weil ich nach all den Jahren so vieler Dinge müde geworden bin, mein politisches Engagement sich auf die Teilnahme und Weitergabe durchaus wichtiger, aber keinen körperlichen Einsatz fordernder Onlineaktionen beschränkt. Was übrigens ein Weg ist, den man doch leicht gehen könnte, wenn man sich für mehr als nur sich selbst interessiert – das nur mal nebenbei.

Aber ich denke, dieses Wort – Feminismus – müssen wir zurückerobern. Denn was ist eine Feministin?
Das ist nicht nur Alice Schwarzer (deren Verstand und Mut und Schreibe ich persönlich sehr schätze und genieße und dennoch nicht immer ihrer Meinung bin – das geht 😀 ). Das ist nicht nur die akademisch Gebildete, die sich elitär und etwas von oben herab mit den Problemen anderer Frauen beschäftigt, die sie selbst nicht (mehr) hat und die gerne mal bei der von ihr Belehrten Unwillen erregt. Das ist auch nicht die Journalistin, die eher schlecht als recht schreibt und sich als Feindbild die Selbermacherinnen ausgesucht hat (ja, der Brigitte-Rant – aber mal ehrlich, was kann man von DER Zeitschrift schon anderes erwarten?). Eine Frau, die andere Frauen dermaßen eindimensional wahrnimmt, eine Journalistin, die sich mit der gezeigten Oberfläche als Wahrheit zufrieden gibt, ist nicht wirklich eine Feministin.

Eine Feministin ist eine Frau, die glaubt, weiß, dass eine Frau und ein Mann den gleichen Wert haben. Die für beide die gleichen Chancen möchte und die will, dass beide ihr Leben so gestalten können sollten, wie es ihnen entspricht. Und sie ist eine Frau, die nicht nur Frauen in Führungspositionen oder Frauen in sogenannten Männerberufen als adäquate und ernstzunehmende Gesprächspartnerin akzeptiert; die andere Lebensentwürfe nicht verteufelt, auch wenn sie nach außen wie das gelebte Rollenklischee erscheinen müssen. Es geht darum, dass Frauen die gleichen selbstverständlichen Rechte haben wie jeder Mann und darum, dass auch Männer ein freieres und selbstbestimmteres Leben führen können sollten. Wo Frauen nicht sie selbst sein dürfen, kann es auch der Mann nicht. Wo Mädchen keinen Freund haben dürfen, haben Jungs keine Freundin. Simpel, nicht wahr?

Ich gehe davon aus, dass die meisten von euch das so unterschreiben könnten. Und Schock: Liebelein, auch mit deinen blutroten Lippen, dem glänzenden Haaren, den hohen Schuhen – nun bist du eine Feministin. Eine, die dieses Wort zurückholt aus seiner Verteufelung. Schnucki, mit deinem gepflegten Eigenheim, deiner entzückenden Kinderschar, dem reisenen Gatten und dem Zweitwagen – wenn du für deine Tochter jede Wahlmöglichkeit möchtest, dann bist du eine Feministin und befreist das Wort von seinen Zwängen. Sehr verehrte Vorstandsvorsitzende, mit deinem Businessanzug, dem Teilzeitgeliebtem und deiner Verachtung für Tussis – wenn du es hast schaffen können, dann glaube nicht, du wärest die Ausnahme unter all den anderen Frauen, sondern sag es allen, die es wissen wollen: Frauen können das, denn du bist eine Feministin, die es allen gezeigt hat.

Und jetzt hole ich mir mein rotes Fädchen wieder ab.

Hier in Deutschland schreibt also ein Mann, dass das reaktionäre Frauenbild das geringste Problem des militanten Islams sei. Ich nehme an, er denkt, der Militarismus, die Brutalität, die Bedrohung des Westens seien wesentlicher? Und er hält Frauenfragen eh für unnötig?

Dann möchte ich eines sagen (und das mag pathetisch werden, ich bin in Fahrt, in Rage und ich sollte schlafen) : dieses Frauenbild bedeutet was konkret?

Es bedeutet, dass ein Mann seiner Mutter, die ihn unter Schmerzen und Freude geboren hat, nicht genügend Kraft zutraut, um ihr Leben ohne Hilfe zu führen. Und dass sie nicht darüber entscheiden sollte, wie oft sie ein Kind zur Welt bringen sollte.

Es bedeutet, dass ein Mann seiner Schwester nicht die gleichen Freiheiten zubilligen will, die er sich nimmt.

Es bedeutet, dass ein Mann von seiner Frau selbstverständlich jede Dienstleistung erwartet, die er für sein Recht hält, eine widerstandslose Erfüllung der sogenannten ehelichen Pflichten und sie ein Leben führen lassen will, das von seiner Laune, seinem Gutdünken abhängt.

Es bedeutet, dass ein Mann seiner Tochter ein unfreies Leben wünscht und sie als minderwertiges Gut ansieht.

Es bedeutet, dass dieser Mann für die Menschen, die ihm am nächsten stehen, keinen Respekt, keine Liebe, keine guten Wünsche hat. Wie kann ich erwarten, dass er diesen Respekt, diese Liebe und diese guten Wünsche für Menschen aufbringt, die ihm nichts bedeuten? Wie kann ich von ihm Zurückhaltung, Nächstenliebe und Mäßigung erwarten, wenn er all das nicht für die Frauen in seinem Leben aufbringen kann? Wie er sich diesen Frauen gegenüber verhält, ist Maßstab für sein Verhalten der Welt gegenüber.
Wer jetzt noch sagen kann, dass die Art, wie Frauen ihr Leben zu führen haben – EGAL, wo in der Welt, unter welcher Regierung, welcher Religion! – nichts mit der Art zu tun hat, wie die Welt nun einmal ist – der ist ein Ignorant und Egoist. Ihm ist egal, dass der einen Hälfte eines Volkes die Beteiligung am täglichen Leben und Erleben abgesprochen und als unmündig angesehen wird. Und dass die andere Hälfte eines Volkes dadurch ohne ein normales Miteinander, ohne erste große Liebe und ohne Respekt vor Schwächeren und Andersdenkenden aufwachsen könnte.
Da aber Männer – offenbar entgegen der Meinung mancher mächtiger Männer, die meinen, Gewalt und Gefahr dadurch bannen zu können, in dem sie Frauen unsichtbar machen – keine willenlosen, triebhaften Tiere sind, sondern fühlende, denkende, träumende, wünschende, liebende Menschen sind mit Hoffnungen auf eine bessere Zukunft, funktioniert die Welt noch immer irgendwie. Und so können im großen Gefüge Menschenrechtsfragen nach wie vor als das unwesentliche Detail „Frauenfrage“ abgetan werden.

So bekommt die iranische Frauenbewegung eine ganz andere Bedeutung: in einem Land, in dem Frauen noch nicht einmmal entscheiden dürfen, wie sie vor die Türe treten, in dem sie mit körperlicher Gewalt und Gefängnisstrafen rechnen müssen, wenn sie ohne Hijab außerhalb ihres Hauses angetroffen werden, ist das ein enormer und mutiger Schritt, der dem Regime (oder sprechen wir hier diplomatisch und beziehungsaufbauend von einer Regierung?) ganz und gar nicht gefällt, denn diese Aktion bringt einiges ins Wanken.
Stellt es euch doch einmal wirklich und intensiv vor: Wir hier bloggen über unsere Kleidung, zeigen uns sogar im Badeanzug, füllen Seite um Seite mit unserem Vergnügen am Selbermachen, am sich Anziehen, genießen unsere Vielfalt, unsere Auswahl und (ja, das muss jetzt noch mal sein, um es deutlich zu machen, sorry) und die meisten mögen sich dabei aus vielen Gründen nicht mit Gesicht zeigen. Dort sind Frauen, die all das nicht können, die sich verstecken müssen und sie zerren sich das Tuch vom Kopf und zeigen sich trotz der Gefahr. Das ist keine Kleinigkeit, das ist eine Bewegung mit Macht und Kraft und Bedeutung.
Und es sind, das freut besonders, nicht alleine Frauen, die sie unterstützen – es sind Männer, Iraner, die sich zu ihren Frauen und Schwestern und Müttern und Töchtern bekennen und es sind Männer überall in der Welt, die Worte finden, um ihre Hilfe anzubieten – HeForShe, ganz selbstverständlich, weil kluge Menschen überall wissen, dass es immer nur miteinander geht, um unser Leben reich und glücklich zu machen.
Es ist nur eine kleine Zahl an Unbelehrbaren, die den Feminismus in Mißkredit gebracht haben – ich wünsche mir, dass sich Frauen davon nicht beirren lassen. Feministin zu sein bedeutet ganz und gar nicht, von nun an mißmutig und häßlich wie die Nacht durch die Straßen zu ziehen und Kastration zu brüllen. Und es bedeutet auch nicht, nicht im geringsten, damit auf die Männerwelt abschreckend zu wirken. Sagen wir mal so, und damit ende ich auf der persönlichen Note, mit der ich auch begann: als ich noch „auf dem Markt“ war, habe ich aus meiner Einstellung nie ein Hehl gemacht, ich war nie eine der Frauen, die sofort kichern, wenn ein Mann einen Witz machte, hing nie bewundernd an Lippen, nur weil ihm das gefallen hätte. Denn Männer, die das brauchen, brauchte ich nicht. Stattdessen hatte ich tolle Gespräche, spannend, tiefgehend, witzig mit Männern, die klug, emotional zugänglich und tough waren – und konnte mich über einen Mangel an Zuwendung und Aufmerksamkeit, an Ritterlichkeit und Höflichkeit doch nie beklagen. Obwohl mir „Feministin“ auf der Stirn stand.

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Schnelle Antwort

Ich schätze Rubinengel als Mitbloggerin sehr, das schicke ich mal voraus, wenn ich ihren Kommentar mit einem Post beantworte 🙂

„Wie war das doch noch gleich … Männer können besser sehen als denken? Gut ich bin nicht so fein­fühlig wenn es um ver­patzte Wortwahl bei Männern geht, da kann ich dann mit pas­senden Ant­worten dienen. Ich war auch schon mal so unver­froren und habe einen Mann in den Schritt gelangt (nicht grade sehr sanft) nach dem er der Meinung war unge­fragt meine Körb­chen­größe zu fühlen. Wir Frauen jammern doch immer rum von wegen Femi­nismus, dann steht endlich eure Frau und wehrt euch und steht nicht heulend in der Ecke, wenn ein Mann man mal wieder nicht die rich­tigen Worte gefunden hat.
viele liebe Grüße Rubinengel“

ABER: es geht nicht um die Einzelne, die sich vielleicht sogar körperlich gut verteidigen kann oder die immer die richtigen Worte findet – es geht darum, dass es gar nicht ok ist, jemanden in eine solche Verteidigungsstellung hinein zu zwingen. Und nicht jede kann oder will sich verteidigen: klar kann ich dem Typen eine langen – ob ich das aber für schlau halte, wenn ich mit dem alleine in einer Ubahn bin und nicht weiß, ob er nicht einfach zurück schlägt? Ist das ideal, deinem Chef verbal eine zu feuern, wenn er das nicht abkann und du über kurz oder lang deine dringend benötigte Stelle los bist?

Und Feminismus gleichzusetzen damit, als Frau auch noch die Verantwortung für das eigene Opfersein zu tragen – weißt du, damit ist man ganz nahe dran an der These, dass Frauen selbst schuld an einer Vergewaltigung sind, weil sie einen kurzen Rock getragen haben oder nach Einbruch der Dunkelheit noch unterwegs sind.
Die feministische Bewegung hat uns beigebracht, dieses Thema überhaupt endlich benennen zu können und zu erwarten, ernst genommen zu werden. Es bedeutet eben nicht, prügel auf Idioten ein und stell dich auf ihre Stufe. Und für mich zumindest bedeutet Feminismus Solidarität mit anderen Frauen und zu sagen „Wehr dich doch!“ ist das nicht.
Auch dass Männer besser sehen als denken könnten, ist zwar ein gern genutzter Satz, aber ich finde ihn nicht weniger sexistisch als die Vorstellung, Frauen können gar nicht denken. Der Gedanke, dass die Häfte unserer Welt aus lernunfähigen, aber gut vernetzten Halbprimaten bestehen soll, die nicht in der Lage sind, ihren Hosenreißverschluß beim Anblick einer schwingenden Hüfte, eines Brustansatzes oder eines Oberschenkel unter Kontrolle zu halten, mißfällt mir sehr – letztendlich würdige ich mich als Frau doch selbst herab, wenn ich freiwillig mit solch einer Kreatur mein Leben teile. Und gönnerhaft über sexistisches Verhalten hinwegsehen wie der Hundebesitzer, der dem unter seiner Dogge liegenden verschreckten Passanten ein gutmütiges „Hach, der will nur spielen!“ zuruft, nur weil die Jungs einfach nicht besser können, das will ich auch nicht. Unsere Welt wird immer noch von Männern regiert, die sich viel auf ihre schnelle Auffassungsgabe, ihr technisches Verständnis, ihr globales Denken einbilden (was davon wirklich vorhanden ist und wohin uns das gebracht hat, ist ein ganz ander Ding) – und da sollen sie sich auf unsere Unfähigkeit, ihn K.O. zu schlagen und ihre unzügelbare Lust herausreden können? Denn genau das beinhaltet deine Aussage auch.
Ich kann nachvollziehen, dass man im ersten Moment so denkt, wenn man das Geschehen nur auf sich, sein eigenes Erleben oder Nicht-Erleben bezieht. Aber geh mal den kleinen Schritt weiter und denk an die Frau, die es nie gelernt hat, sich zu wehren.

Mit lieben Grüßen 🙂

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Ich bin noch nicht durch!

Ich komme soeben vom Kurzeinkauf für kochfaule Mamas zurück – Brötchen und Berliner – und rege mich noch immer auf. Beim Gang durch die Zeitschriftenabteilung geriet mir der Titel eines in meinen Augen eh fiesen Schmierblattes – nennen wir es mal „Focus“ – unter die Augen. Unter dem Titel Sexismus-Debatte wird gefragt: „Was darf Mann noch?“ Focus verspricht Aufklärung und Rat.

Und nein, ich habe nicht hineingeschaut und ich werde es auch nicht tun – da ist jeder Cent zu schade. Es ist alleine dieser Titel, der mich in Rage bringt. Legt er nicht nahe, dass es irgendwann einmal vollkommen in Ordnung gewesen sein muss, Frauen den Po zu tätscheln, ihr an die Brust zu grabschen, sie vor Kollegen zu Schäferstündchen aufzufordern oder ihr sonstwie zu nahe zu treten – alles ungefragt und von ihr ungewollt? Impliziert er nicht schon wieder, dass die eigentlichen Opfer Männer sind, die einfach nicht klarkommen können mit den ungerechtfertigten Ansprüchen von Frauen? Und am allerschlimmsten: negiert er nicht die Tatsache, dass die meisten Männer durchaus wissen, was sich gehört und was nicht?

Und bevor nun solcherart verunsicherte Männer ihr letztes Geld für ein solches Heft ausgeben und darin womöglich – das würde mich nicht wundern – erfahren, dass alles gar nicht so schlimm ist und dass sie eigentlich alles dürfen, solange sie reich und/oder schön sind; bevor also das geschieht, rate ich ihnen, sich einen alten Spruch zu Gemüte zu führen, der da lautet:

„Väter sind Männer, die nicht wollen, dass andere Männer mit ihren Töchtern tun, was sie mit den Töchtern anderer Väter getan haben.“
Das lässt sich leicht anwenden, in dem der tiefere Sinn interpretiert wird: alles, von dem ihr nicht möchtet, dass es eurer Mutter, eurer Schwester, eurer Tochter oder eurer Frau geschieht, das tut ihr auch keiner fremden Frau an. Die Väter, die immer wieder einmal durch die Presse geistern, nehme ich ausdrücklich davon aus.
Lasst die Pfoten von jeder Frau, die euch nicht dazu einlädt.
Ruft keiner Frau peinliche Sprüche hinterher, um euch vor euren Kumpels groß und stark zu fühlen.
Verabschiedet euch von der ewiggestrigen Idee, dass ein weibliches Nein immer ein Ja sei.
Zeigt Selbstrespekt – wer es nötig hat, andere klein zu machen, sie zu ängstigen, sie zu zwingen (egal, ob Mann oder Frau!), der hat vor allem guten, ärztlichen Rat nötig.
Frauen genießen einen guten Flirt ebenso wie Männer, werden genauso kribbelig, nervös, albern und ängstlich, wenn Gefühle im Spiel sind, egal, ob körperlicher oder geistiger Art. Aber nur das ist gut, was beide wollen. Immer. Überall. Sei also Mann, nicht Affe.
So einfach ist das.

Und weil ich nichts so einfach stehen lassen kann, will ich euch gerne zugeben, dass Mann (und Frau) verunsichert werden kann, wenn er sich am Zeitschriftenregal weiterbewegt und auf Frauenzeitschriften Titel findet wie „Sexy Body in 14 Tagen“, „Wie mache ich ihn scharf?“ „Auszüge aus dem neuesten Sex-Roman“ „So wird dein Sommer heiß heiß heiß“ – offenbar dreht sich bei den Mädels alles irgendwie um Sex und Männer. Ist der rote Lippenstift, der enge Rock, der hohe Absatz also doch nur dazu da, um ihn zu Übergriffen zu bewegen? Ich sage noch immer „Nein!“ Die meisten Frauen blättern derlei Zeitschriften der Kleidung wegen durch und tolerieren derlei Artikel, die seit wenigstens der 80er die immer gleichen sind. Viele junge Frauen mögen das anders sehen, kommen dabei aber auch nicht auf die Idee, sie machten sich dadurch zum Freiwild. Es ist schwierig – auch für uns Frauen. Wir sind ständig hin und hergerissen zwischen Dingen, die wir mögen und die wir mögen sollten, zwischen Spiel und Ernst, zwischen Abscheu und Faszination. Unsere Kleidung ist fast immer Freude am Spiel und selten klare Aussage. Kein ungewollter Übergriff wird entschuldbar durch einen Hinweis auf Artikel in Cosmopolitan und Focus!

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Leserwunschkonzert zum Thema Jungs und wie sie die Welt sehen, sexismusrelevant ;-)

Meine liebste Maria fragte gerade sehr klug an, was denn mein älterer Sohn – Lenny, 8 Jahre, tendenzieller Macho, sportlich und anstrengend, aber sehr Frauen- und Mädchenaffin – zum Thema zu sagen hätte. Da er wieder einmal nicht ins Bett findet und neben mir auf der Sofalehne sitzt (ich bin viel zu geschafft, um da jetzt zu kämpfen), habe ich ihn befragt.

Ich: „Lenny, sag mal, wenn du alleine auf der Straße wärst und es käme dir ein fremder Mensch entgegen, der dich seltsam anschaut und vielleicht anspricht: vor wem hättest du mehr Angst? Vor einem Mann oder einer Frau?“ (Gleiche Versuchsanordnung, sehr wissenschaftlich, meine Vorgehensweise)
Lenny – aus der Pistole geschossen: „Vor dem Mann!“
I: „Wieso?“
L schaut mich an, als wisse ich wirklich gar nichts von der Welt: „Weil Männer stärker sind ..!?!“ Es schwingt ein ‚Mama ist wirklich dumm manchmal, ich muss wohl gut auf sie aufpassen‘ mit.
I: „Kannst du dir vorstellen, dass manche Frauen sich sehr unwohl fühlen, wenn ihnen ein Mann auf den Busen guckt oder auf den Popo klopft?“
L zwischen blankem Entsetzen und fassungslosem Amusement: „Ja!“
Ich: „Wieso?“
L: „Vielleicht ist sie verheiratet und will keinen anderen Freund oder der ist unnett oder der ist ein Fremder.“
I: „Was glaubst du, gibt es mehr Männer, die Frauen auf den Popo klopfen oder mehr Frauen, die Männer auf den Popo klopfen?“
L ohne zögern: „Männer.“
I: „Wieso?“
L: „DAS weiß ich auch nicht!“

Nun muss ich sagen, dass Lenny von beiden Jungs eigentlich derjenige ist, der Gefühlsregungen am besten lesen kann – sowohl real als auch in Filmen, wo er an Liebesbeziehungen interessiert ist und sich immer diebisch freut, wenn ein Junge verliebt ist. Er hat sich schon des öfteren bei mir beklagt, dass so viele Jungen seiner Klasse verliebt sein doof und unmännlich fänden. Wenn er erst einmal aus seiner schwierigen Phase raus ist – so in 20 Jahren – und er noch genauso denkt, dann bekomme ich bestimmt eine entzückende Schwiegertochter. Und weil Tommy von Natur aus eine coole Sau ist und dazu durchaus charmant und sehr hilfsbereit ist, steigen meine Hoffnungen auf zwei entzückende Schwiegertöchter. Wer also passendes Heiratsmaterial im Hause hat – Arrangements können getroffen werden 🙂

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Sexismusdebattenursachenerklärung

Gerade eben, als ich Tommy, unseren sehr schlauen und sehr liebenswürdigen (meistens bis knapp vor immer!) Sechsjährigen, von seinem Taekwondo-Training abholte, kündigte WDR 5 eine Hörsendung für morgen vormittag an: Ein Mann und eine Frau tauschen für einen Tag die Rollen und erleben den Alltag neu.
Tommy: „Oh, das ist gut, warum schaust du das nicht, wenn ich in der Schule bin?“
Ich: „Ist wahrscheinlich nur zum Hören, im Radio.“ (Radio höre ich nur unter der Dusche und im Auto, das Kind weiß das und verstand sofort.)
T: „Schade. Das wäre doch witzig, ein Mann in hohen Schuhen und dann fällt er dauernd hin.“
Ich: „Es geht vor allem darum, ob Männer und Frauen von anderen Menschen unterschiedlich behandelt werden.“
T. „Und? Tun die das?“
Ich: „Manchmal schon und zur Zeit ärgern sich ganz viele Frauen über manche Männer, von denen sie doof behandelt werden, weil sie Frauen sind.“
T: „Männer sind ja manchmal auch doof. Jungs auch, aber nicht so oft. Mädchen auch, aber das ist noch seltener.“
Ich: „Hmm, na, alle Menschen benehmen sich manchmal doof. Aber wenn Männer Frauen seltsam behandeln und dumme Sachen sagen oder sich in den Weg stellen, fühlt sich das noch mal anders an.“
T: „Warum?“
Ich: „Wenn du ganz alleine spazieren gingest und ein Mensch auf dich zukommt und dich anspricht, vor wem hast du mehr Angst?“
T, ohne Zögern: „Vor dem Mann, ist doch klar!“
Ich – unsicher, ob ich ihm die Antwort wohl suggeriert haben könnte: „Warum denn? Es gibt auch böse Frauen!“
T: „Aber Männer sind viel stärker!“

Genau so ist es eben und ich fand, dieses schlichte Argument, weshalb Frauen in einer U-Bahn dem Grabscher keine knallen, dem unbekannten Sprücheklopfer keine rhetorische Watsche verpassen, sich also einfach nicht wehren – nun dieses Argument tauchte in keiner der Debatten auf, die ich verfolgte. Es wurde viel darüber gesprochen, dass Frauen sich nicht als Opfer sehen dürften, mal Courage zeigen müssten und das wir wollen, dass ein solches Sich-Wehren einfach nicht nötig sein sollen müsse, aber dass einfach mal eine sagt: Ich habe versucht, aus der Situation zu kommen, ohne dass mir noch mehr geschieht – das fehlte mir. Dabei liegt es so auf der Hand: wären beide Geschlechter in jeder Hinsicht gleich stark – sozial, politisch, finanziell, rechtlich UND körperlich, gäbe es diese Debatte so nicht.

Es wird sehr spannend, welche Art Männer meine Jungs wohl werden. Noch finden sie Frauen und Mädchen toll und neigen zu einer Generalsolidarisierung mit ihren Mitschülerinnen – zehn gebrochene Herzen weiter kommt dann die Bruchprobe -)

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