Aufgeben und auch wieder nicht

Wie weit bin ich nach zwei Arbeitstagen im Studio und einem frühen Abend im Bett?

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Gestern abend habe ich erst zwei Halsbündchen gestrickt – mussten zwei sein wegen der begrenzten Anzahl der Nadeln. Als für mich sehr störend erweist sich, dass die Endmaschen immer auf dem Hauptbett liegen müssen; von der richtigen Seite aus also Krausmaschen sind. Ich habe Bündchen gerne rundumlaufend gleichmäßig, so dass nach dem Zusammenähen keine Naht zu sehen ist. Da muss ich mich arrangieren …
Diese Bündchen haben einen relativ lockeren Anschlag und eine relativ feste Abschlagskante, liegen sie vor einem, so verhalten sie sich dadurch wie ein in Form gebügeltes Saumband. Eine Anregung der Knittaxanleitungsschreiber ist, diese Bündchen nicht an-, sondern aufzunähen, so dass sich eine Art Schmuckrand bildet. Das habe ich getan und es gefällt mir. Bis auf die Tatsache, dass es mir an zwei Stellen nicht gut gelungen ist: wo näht man eine Knötchenmasche an, wenn keine Masche da ist, sondern nur eine Ecke zwischen den abgeketten Halsausschnittmaschen und denjenigen, die bis zur Schulter hochlaufen? Punkt eins der Dinge, die ich hinbekommen will und muss.

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Einfach die erste hochlaufende Masche zu fassen – nicht gut.

Dann habe ich an der Schulterschrägung experimentiert: kette ich mit der Knittax ab, so bildet sich kein gleichmäßig schöner Rand, der an einen schräggelegten Zopf erinnert – es sieht eher so aus, als hingen die Maschen auf der Leine und die Steigung lief zu holprig an. Was beim Zusammennähen Kanten und Löcher ergibt. Mit verkürzten Reihen wollte ich mich noch nicht quälen, sondern habe entweder die erste Masche nicht erneut gestrickt oder sie umgehängt oder oder oder. An ein oder zwei Stellen ist es ok und da ich erst auf der Rückseite mit den Experimenten begann, gibt es kein gleichmäßiges Ergebnis.

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Suboptimal, nicht mein üblicher Standard, stört mich. Noch viel mehr aber stören mich die Randmaschen, die mit Matratzenstich verbunden die Seitennaht bilden – viel zu schlabbrig, weich und weit. Selbst ohne Zug dehnen sie sich und die Zunahmen aus einer Masche heraus sind nicht meine favorisierten. Beides zusammen sieht sehr schlampig aus:

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Woran ich auch noch feilen muss: die Fadenspannung über sehr viele Maschen hinweg; da habe ich den Faden nicht immer gleichmäßig stark gestrafft, was mit unterschiedlich dicken Reihen belohnt wird. Damit könnte ich leben.

Ansonsten hatte ich einmal den Reihenzähler nicht umgestellt und später zu früh abgekettet, dass dann an den hinteren Armausschnitten auszugleichen gesucht – wobei ich es übertrieb und nun zu tiefe Armlöcher habe. Ärmel, die dort hineinpassten, wären mir sichtbar zu weit.

Ergebnis ist, auf den Pulli habe ich keine Lust, obwohl er, an mir und vorm Spiegel stehend, durchaus nett werden würde. Und wie immer seit Monaten: was mich bei einer ersten Anprobe nicht überzeugt, hat kaum noch eine Chance, fertig gestellt zu werden. Das belastet mich etwas, weil ich darin ein fatales Muster erkenne: nur noch anfangen, nie beenden. Aber solche Phasen gibt es wohl mal und ich werde sie ignorieren. So habe ich nun die größte Maschenprobe überhaupt und jemals gefertigt und vor ein paar Minuten habe ich zwei weitere Garne über einige Reihen verstrickt. Bis morgen lasse ich ihnen Zeit, sich zurecht zu setzen, dann wird gemessen und etwas neues begonnen.

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Knittaxen live – quasi …

Gestern abend begann ich mit dem Rückenteil und kurz vor den Armausschnitten war ich zu müde, um weiter zu rodeln. Es ist ein etwas unbehagliches Gefühl, ein Strickteil so offen über einen Tisch hängen zu lassen, wo ich doch sonst alles sorgfältig zusammenrolle und es aus dem Weg lege – so stolz man auf sein intelligentes Katzentier auch sein mag, das Türen öffnet und immer einen Weg hinein findet, so unwohl fühlt man sich, Gestricktes nicht verstauen zu können. Aber da tat ich ihr unrecht: heute morgen hing noch alles so, wie es sein sollte.

Als ich nach der Arbeit früh nach Hause kam, wollte ich losstricken; wie das manchmal so ist, kam mir etwas nettes dazwischen 😉 Dann aber. Ha! Ja, dann aber nichts. Oder ganz viel: ich rodelte los, der Faden hakte, hakte ganz beträchtlich, das Knäuel ließ sich nicht auf Anhieb sehen. Stattdessen drangen Fauchen und Knurren an mein Ohr. Ich warf mich unter den Tisch und fand beide Katzen ineinander verkeilt (was nicht oft vorkommt). Beide hielten inne, bleiben umarmt liegen und schnurrten mich wie auf Kommando an. Zwischen ihnen die Ursache der Streites: natürlich mein Wollknäuel. Während ich das Knäuel rettete, verloren sich ein oder zwei Maschen von den Nadeln, was ich – ungeduldig endlich weiter zu kommen – nicht bemerkte. Also nicht sofort. Eine Minute später, als sich ein großes Loch zeigte, das stetig tiefer wanderte, schon. Für elende Fieselsfrickelsarbeit bin ich nicht gemacht, also gnadenlos das Strickstück abgeworfen und geribbelt.

Und so dachte ich mir: mache ich es mal mit Dokumentation. Das ist doch mal eine Aufgabe, die weitere Hausarbeit verhindern könnte.

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Um 12:12 habe ich die Maschen angeschlagen und das Bündchen mit 107 Maschen begonnen. Beendet war es nach 30 Reihen um 12:37. Das ist eine deutliche Zeitersparnis, denn obwohl ich Bündchen auch sehr gerne mit der Hand stricke, bräuchte ich dafür etwa anderthalb Stunden. Wäre die Automatic schon funktionsfähig, so könnte diese Zeit noch einmal um ein gutes Drittel reduziert werden: Bei der M2 wird erst der untere, dann der obere Schlitten für eine Reihe Rippen geführt und bei der Automatic werden beide miteinander verbunden zeitgleich geführt. Mit Katze dauert beides länger.

Jetzt erstmal die heimgekehrte Brut versorgen und dann kommt der Teil, der deutlich länger an der Knittax dauert als mit der Hand: Wechsel vom Bündchen zu glatt rechts. Per Hand: 3 Sekunden maximal für das Wenden des Gestricks. Das Umlegen der Maschen vom unteren Patentgerät auf die Nadeln des Hauptteils zieht sich ganz schön. Wird jetzt gleichmal gemessen.

Stand bisher:

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13:23
Die Kinder sind versorgt, Muttern legt Maschen um. Mittlerweile zum fünften Mal ist das meine Aufgabe und beim ersten Mal hatte ich für etwas über 50 Maschen wahrhaftig eine gute Stunde gebraucht, mit Zittern und Zagen und Kämpfen und Bibbern. Dieses Mal habe ich 53 Maschen um 13:32 auf der richtigen Seite. Es übt sich offenbar, das Umnadeln.

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Dreißig Sekunden dürfen abgezogen werden – ein dringender Kraulnotfall kam dazwischen. Beide Katzen sind von der Knittax enorm angetan: während Minusch immer schon sofort an meiner Seite war, sobald es ums Nähen, Konstruieren oder Stricken ging, lässt sich nun auch Momo dazu herab, aus dem Kuschelkissen zu steigen und zuzuschauen. Birgt die schon erwähnten Gefahren; ständig sind sie auf der Pirsch:

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13:44
Weiter geht’s, wenn auch leicht gebremst – Lenny hinter sich sitzend zu haben, der über seine Hausaufgaben flucht, ist nicht witzig. Und schadet der Konzentration: Ich habe bis Reihe 80 vergessen, die Maschenweite zu erhöhen – also in etwa, die dünnere Bündchennadel gegen die Hauptnadel zu tausche. Ist nur eine Viertelnadelstärke, also nicht zu dramatisch, aber doch ärgerlich.
Diese 80 Reihen sind um 14:21 beendet, dazu links und rechts vier Zunahmen, die mir nicht so recht gefallen wollen; dazu ein anderes Mal mehr. Da sich bei mir jetzt nachmittägliche Müdigkeit bemerkbar macht und die Jungs in den Garten verschwunden sind, gibt es nun Pause auf dem Sofa – Hurra, kann es kaum erwarten!

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16:00
Weiter geht es und um 16:19 nehme ich die letzten Maschen zu – Reihe 100. Bergfest sozusagen. Der Reihenzähler ist der reine Luxus, möchte ich nicht missen. Hat die Automatic leider nur noch theoretisch, da hat sich etwas im Laufe der Jahre von der Maschine entfernt und nun zählt sie nicht mehr. Ein echtes Manko!

17:59
Kinder zum Taekwondo gefahren, vorher – das vierte Mal heute! Ich verzweifele ehrlich! – die Küche gesäubert. Um 17:15 stricken erst mal unterbrochen in Reihe 160, Armlochabnahmen sind abgeschlossen und obwohl die besser als die Zunahmen aussehen, da rechts- und linksneigend, ist das eine lahme Hakelei mit der Maschenumhängerei und bislang werden die Maschend dabei doch auch gedehent, was mir gar nicht gefällt. Aber ebenso wie mit dem Anschlag wird auch das mit jedem Mal besser und schneller und sicherer ablaufen. Jetzt geht es weiter bis zu den Schultern. Noch gut 40 Reihen …

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18:36
Hinterer Halsausschnitt ist abgekettet – geht auch schon deutlich schneller. Schön zu merken, wie so langsam neue Bewegungsabläufe selbstverständlich werden.

19:18
Kinder wieder abgeholt, Essen steht auf dem Herd, noch schnell an die Schultern ran.

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Essen vom Herd geholt, weiter gestrickt, Schulterschrägung abgekettet, letztes Bild für heute:

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Nachher wird noch in Ruhe auf dem Sofa fernsehschauend zusammen genäht. Ich darf gespannt sein …

Leviten lesen bitte!

Also mir. Die Leviten lesen. Bitter nötig, leider. Fertigstellen ist seit knapp zwei Jahren ein echtes Problem für mich geworden: sobald etwas nicht ganz so wird, wie ich mir das denke und die Änderung zu zeitintensiv wird, verabschiede ich mich von dem Projekt ohne allzu viel Wehmut. Obwohl manches durchaus schön und nett und fein werden würde und ich es auch gerne in meinem Schrank hätte – lieber, als auf meinem Stapel der zu erledigenden Dinge. Bekomme das aber einfach nicht hin. Ich könnte jetzt weit ausholen, denn ich habe eine ungefähre Ahnung, womit das zusammen hängt. Möchte ich aber nicht, die eine oder andere wird auch so richtig tippen 🙂

Nun habe ich aber auch den violetten Knittaxpulli beiseite gelegt, weil ich auf die eigentlich gute Idee kam, das Vorderteil knapp oberhalb des Ärnelbeginns abzuketten (abketten sieht übrigens zwar sehr ordentlich, aber nicht gewohnt schön aus – noch ein Punkt, der fürs Handstricken spricht; nur für all diejenigen, die sich zu sehr in Versuchung geführt fühlen durch die Entwicklungen Richtung Maschinenstrick) und ein Musterteil gesondert zu stricken und anzunähen. Gesondert deshalb, weil ich das Schicksal nicht herausfordern wollte, indem ich eine neue Technik teste und dabei die Maschen sausen lasse. So habe ich gestern abend – also vierfünftel vor Schluß – Muster getestet und fand sie alle ganz nett, aber keines, das rief, es gehöre zu mir. Und die Farbe, so schön sie ist, ist eben diesen kleinen Tick zu kräftig für mich; perfekt geeignet für einen Wintertyp, an mir mit perfektem Make up und Wahnsinnshaaren noch machbar, aber im Sommer eher unwahrscheinlich. Wird also irgendwann, sobald mir das perfekte Ajourmuster (handgestrickt, im Leben käme ich nicht auf die Idee, massenhaft Maschen mit einer Hilfsnadel auf andere Nadeln zu hieven und das unendliche Male; ich denke, da ist Handstrick noch einmal überlegen. Wenn man keine Zuguckmaschine hat, die das ganz alleine macht 😀 (und noch ein Punkt für all die Versucht-sich-Fühlenden!). Ajpur deshalb, weil die durchschimmernde Haut viele Farbe an der Grenze eben doch tragbar macht.

Nun möchte ich ja aber was auf der Knittax stricken, also habe ich zartgraue, melierte Wolle von Phildar hervorgeholt, die jetzt zu meinem klassischen Pulli werden wird – ganz glatt gestrickt, was ja von Hand öde langweilig mühsam sein kann. Dafür wollte ich sie ja schließlich haben, die alte Dame. Maschenprobe ist erledigt, alles ist vorbereitet und jetzt wird angeschlagen. Und es wäre gar fein, wenn mir jemand mal überzeugend-freundlich die Leviten läse, damit das auch mal wieder was wird.

Knittaxen!

Ha, ja, ich weiß, dass jetzt sicher die Eine oder die Andere erwartet, wenigstens einen fertigen Pullover zu sehen. Tut mir leid, das Leben will einfach nie so wie ich. Nachdem ich am Donnerstag das Rückenteil zeigte, machte ich mich auch fleißig an das Vorderteil. Ich war in Reihe 110, als die alte Dame M2 rheumatisch stöhnte und sich nicht mehr gleitend fortbewegen mochte. Zumindest nicht von links nach rechts – ruckel ruckel ruckel zockel stopp. Zwar mit einem unguten Gefühl, aber es half ja nichts, setzte ich blanke Gewalt ein, um den Schlitten von seiner Position hinweg zu bringen. Ich nahm an, ich habe den Faden zu straff gespannt. Damit das zu verstehen ist, muss man wissen, dass man bei der Knittax M 2 den Faden jeweils in Laufrichtung des Schlittens über die Arbeitsnadeln halten muss – und da die Maschine nicht sehr schwer ist und der Schlitten nicht mehr so leicht läuft wie vielleicht im Jahre 1957, muss man zumindest meine M2 festhalten. Also rechte Hand führt den Schlitten von rechts nach links, linke Hand hält den Faden locker und die linke Seite der Maschine und andersherum. Dabei kann es natürlich passieren, dass man dem Faden nicht genügend Freiheit lässt, um eingezogen und gewickelt zu werden – dann meckert der Schlitten und der Oberarmmuskel.
Und weil ich dachte, das wäre mein Fehler gewesen, lief ich noch einmal von rechts nach links und siehe da: alles fein. Glücklich-entspannt legte ich den Faden erneut über die Nadeln und wollte nach rechts zurück – stotter stotter stotter. Hmmmm … ich habe es, ich muss es zugeben, noch weitere 12 Reihen versucht und erzwungen. Doch ich habe einsehen müssen: da stimmt was nicht! Also das Gestrick abwerfen und ribbeln – die Tortur, 120 Minimaschen zu fangen und auf nicht kooperative Nadeln zu hängen, habe ich mir erspart.

So weit war ich – und das tat schon weh … aber wenn man erst mal ribbelt, macht es auch Spaß 😀

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Stattdessen habe ich Schraubenzieher, Pinsel, Baumwolltuch und Maschinenöl ausgebreitet und die alte Dame aufgeschraubt und gereinigt und geölt und poliert. Die Staubausbeute war gering, nicht mehr als zwei stecknadelköpfchengroße Bällchen kamen zusammen. Es gab auch keine Rostflecken oder stumpfe Stellen, eine wirklich gepflegte alte Dame ist sie. Drei Stunden etwa bis weit nach Mitternacht habe ich an ihr gebastelt und eine kurze Probereihe lief wunderbar. Ich bin noch nicht sicher, ob es nun endgültig gut ist oder ob sie alle 300 Maschen aufzugeben gedenkt. Ich glaube aber, dass sie wirklich gut gepflegt war, selten genutzt wurde und dass sich nun nach all den Jahren im Dornröschenschlaf erst durch das erneute Arbeiten die Staubflusen hochgewirbelt haben und die eine oder andere nicht so gleitfähige Nadel ans Licht drängte.

Am Freitag dann hatte ich erst einen besonders lieben Gast im Studio und als ich nachmittags nach Hause kam, war die zweite Dame aus dem Hause Knittax eingetroffen – die Automatic. Die erst einmal ausgepackt und begutachtet werden wollte. Obwohl knapp 10 Jahre jünger deutlich schlechter aussehend. Was aber auch an dem wahrscheinlich einmal weißen Gehäuse und den Metallbeschlägen liegt – die M2 wirkt deutlich eleganter und zeitloser. Also gleich aufschrauben und reinigen und ölen. Was deutlich weniger leicht ging. Ein erster Versuch mit dem Schlitten ergab sehr schnell: von links nach rechts einwandfrei, von rechts nach links hingegen werden Maschen nicht gestrickt, sondern abgeworfen. Bis spät in die Nacht – schon wieder – schraubte ich und baute ich, vermutend, ich habe beim Zusammenbau einen Fehler begangen (hatte ich nicht, ich bin so unglaublich begabt 😛 ). Durch ständiges Neuanschlagen und Abstricken konnte ich am frühen Samstagmorgen (nach einigen wenigen Stunden Schlaf) zumindest sicher sagen, WO der Fehler liegen musste: am Schlitten und das mit genauer Position. Aber weiter sah ich nichts, erbat Hilfe vom Gatten und verschwand unter die Dusche. Nach 20 Minuten kam ich runter und fand Vater und Sohn beim Maumauspiel – hatte ich nicht einen klaren Auftrag erteilt? Hatte ich und siehe da: sie strickte. In der Tat hatte ich die Position des Fehlers auf den Millimeter genau richtig erkannt, nur den Millimeter, den ein Fadenheberdreiecksbiegehebeding zu weit nach unten stand, den hatte ich nach stundenlangem Draufstarren nicht erkannt. Der Gatte bog mit männlicher Kraft alles zurecht und das Ding lief.

Bevor ich nun wirklich testen konnte, durfte ich mich im Studio ausruhen gehen und als ich heimkam, durfte ich kochen. Für Samstag hatte ich genug von jeder Art Handarbeit. Sonntag dann wollte ich das Patentstrickzusatzgerät für die Automatic testen und stellte fest, dass sich beide Maschine in einigem voneinander unterscheiden – die Automatic will deutlich mehr können als die M2. Leider fehlen zwei wichtige Teile und so wird das erst mal noch nichts. Die sogenannten Abstreifer fehlen und wenn mir jemand in Besitz einer Knittax Automatic sagen kann, ob die mehr tun als nur die benachbarten Platinen anheben, dann kann ich eine Lösung finden. Die Platinen in die richtige Position bringen, ließe sich mit etwas Bastelei sicher hinbekommen.

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Die Automatic mit PAM und beiden Schlitten, die fürs Rippenstricken miteinander verbunden werden. Sie hat zudem einen Garnführer und kann theoretisch ohne händisches Auflegen des Fadens arbeiten – ich habe das einige Reihen getestet und das ging bald doppelt so schnell im Vergleich zur M2. Allerdings vergaß ich im Rausche der Geschwindigkeit, immer wieder zu kontrollieren, ob der Faden auch richtig gelegt wurde und zack – auf einmal gab es ein Riesenloch, weil Nadeln ohne Faden die Maschen abwerfen …

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Die M2 mit PSG und den Schlitten, die beim Rippenstricken nacheinander über die Nadeln geführt werden. Führt man versehentlich den Hauptschlitten zuerst, dann adios Maschachos! Dauert alles etwas länger als mit der Automatic (zumal die ja noch keine Rippen stricken kann, hahaha), gibt aber auch deutlich mehr Kontrolle über die Arbeit.

Was kann ich nach der ersten Woche mit meinem Handstrickhilfsapparat sagen? Für mich war es eine gute Entscheidung und auch bewußt eine Entscheidung gegen eine “echte” Strickmaschine, die auf Knopfdruck mehr kann. Denn ich stricke gerne und gut mit der Hand und möchte keine Maschine, die mir Arbeit abnimmt, die ich selbst nicht kann – und ich habe mich in einigen Maschinenstrickforen umgetan und erstaunt gelernt, dass ein sehr großer Teil gar nicht mit der Hand stricken kann – sondern ich möchte eine Möglichkeit, mir langweilige Arbeiten zu erleichtern und damit ist das hakelige Wort Handstrickhilfsapparat auch ein sehr treffendes. Bei der Knittax halte ich doch für besser, wenn die Benutzerin handstrickend einigermaßen firm ist und das auch gerne tut. Was ich selbst nicht stricken könnte, möchte ich nicht von einer Maschine erledigt bekommen; für mich fühlt sich das nicht richtig an, egal, wie toll das Ergebnis ist. Und schaue ich mich in meinem Hobbybereich um, so passt das auch: ich mache alles gerne selbst, suche mir Erleichterung, wo ich selbst zu gelangweilt oder zu ungenau bin und behalte vor allem die Kontrolle in der eigenen Hand.

Wer das genauso sieht und will, der kann ich vor allem die M2 nur ans Herz legen (und ich werde sie doch nicht verkaufen 🙂 ) Oder noch ein besseres Beispiel: wer wie ich mal einen Fiat Panda hatte – mit Rolldach und Campingsitzen und dem größten Kofferraum der Welt! – und immer noch gerne an ihn zurück denkt, der wird die M2 dolle liebhaben! Gerät mit Charakter, so ist das halt.

Ah, aber bevor ich ende und mich wieder in die Küche zu begeben habe (und was war ich heute schon fleißig, dafür habe ich mir was verdient, wenn mir nur mal jemand etwas zukommen ließe 🙂 ), will ich beweisen, dass auch noch handgestrickt wird. Der gelbe Lochmusterpulli und ich – wir kämpfen und er behauptet ständig, dass er gar nicht zu mir passe. Bin geneigt, ihm zu glauben und zu ribbeln. Was ich doch eher selten tue, wenn zwei Teile nahezu beendet sind. Und weil ich ihn nicht gleich morden wollte, habe ich, wie das jede anständige Strickerin tut, erstmal was anderes angeschlagen:

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Das mit Abstand anstrengendste Ajourmuster, das ich jemals gestrickt habe. Der Rapport von 14 Reihen und 16 Maschen ist der erste, den ich nicht auswendig kann, da sich das Muster und die Richtung der Ab- und Zunahmen oft ändert. Ich bin immer schon froh, wenn ich erkennen kann, in welcher Reihe ich bin. Dazu habe ich nur eine ungefähre Ahnung, an welcher Stelle in Höhe oder Breite ich gerade bin und befürchte auch einen Wollengpass. Das Muster zieht sich vor allem in der Länge so dermaßen zusammen, wie ich es noch nie erlebt habe. Allerdings finde ich es so traumhaft schön, dass ich in den nächsten Tagen unbedingt weiter kämpfen sollte.

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So langsam macht sich hier Freizeitstreß bemerkbar: den Schnitt für das rote Kleid und auch den für das 30er-Kleid (bald mal mehr dazu) wollte ich noch anpassen (zwei dumme kleine Fehler, eine Sache von Minuten – aber das seit Tagen), da war ein Mantel, den ich konstruieren wollte und Massen von Stoffen, die nach Blusen, Kleidern und Röcken schreien, Blusengrundschnitt erstellen steht auch ganz vorne und endlich an die 20er und Wollvorräte auf ihre Tauglichkeit hinsichtlich Knittax oder Hand durchforsten und mal wieder Sauna und eine Behandlung für mich und und und …

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Virale Effekte

Schon vor vielen Jahren, noch zu Zeiten meines ersten Blogs – das war 2006, ein reiner Strickblog und nicht sehr langlebig, weil zwei kleine Babies doch zeitraubend waren – kam ich auf die Idee, einmal eine Strickmaschine zumindest ausprobieren zu wollen. Und in dieser Zeit ergab es sich auch, dass eine damalige Mitbloggerin/Leserin von der anderen Rheinseite mir ihre Strickmaschine als Geschenk anbot. Ich scheute zurück: wir kannten uns kaum, wohin damit, habe ich die Zeit dafür, was will ich denn wirklich damit? Ich stillte den Kleinen und hatte schon mehr als genug Mühe, den nur wenig Größeren währenddessen davon abzuhalten, Treppen herunter zu stürzen oder sich mit Stromkabeln oder Brotmessern zu vergnügen. Ich lehnte dankend, wenn auch bedauernd ab.

Das Bedauern war im Laufe der Jahre immer mal mehr oder weniger groß. Dazu meinte der Gatte dann noch, dass seine Mutter ja nicht nur mit Nähmaschinen, Sergern, Stickcomputern und Bügelanlagen hantiert habe, sondern auch eine Strickmaschine mit allem Pipapo besäße, die sie nun ja auch nicht mehr bedienen möge und könne. Sicherlich könne man die irgendwann mal hierher schaffen. Was – sie lebt ja nun in Brisbane, Australia …! – kein kleines Unterfangen wäre. Also begrub ich diese kleine Sehnsucht im Laufe der letzten zehn Jahre mehrere Mal still und schnell.

Dummerweise begab es sich, dass die beste Ingrid ihren Maschinenpark mit einer Knittax M2 aufrüstete und das auch noch erzählte. Mein Virus begann, sich zu regen; er ahnte, dieses Mal könne er mich in seine Gewalt bekommen. Es dauerte nicht länger als ein Augenzwinkern, als die beste Eva ebenfalls eine Knittax – dieses Mal eine Automatic – bei sich einziehen ließ. Und ebenfalls davon erzählte. Beide tauschten sich in unserem Grüppchen aus und ich konzentrierte mich gar sehr auf die Schwierigkeiten, die man eben so hat, wenn man sich mit einer neuen Mechanik vertraut zu machen hat. Und entschied eisern, dass ich mir das nicht antun müsse; das sei nichts für mich.

Zu guter Letzt schlug auch noch die beste Anne zu, wenn auch nicht mit einer Knittax, die ja ein Strickhilfsapparat ist, sondern mit einer “echten” Strickmaschine (zumindest so liest es sich für mich…) und ich begann, nur mal so, tüdelüü, auf ebay mich umzuschauen. Ich wollte eine Knittax, welche auch immer. Also nur mal schauen, meine ich. Eher zufällig und ganz ohne böse Absicht, gewann ich eine Auktion. Ups. Und ebenso zufällig erwarb ich eine zweite, weil ich Angst hatte, die Nummer eins könne ja defekt oder unvollständig sein. Und weil bei Nummer zwei Wolle dabei lag – die musste ja gerettet werden. Oder vielleicht, weil Ingrid eine M2 und Eva eine Automatik hat und ich beiden gerecht werden wollte?

Die M2 ist schon im Hause – seit Montag vormittag und seitdem habe ich mich also vertraut gemacht. Montags vor allem durch ständiges auf- und abwickeln. Dienstags durch das Testen mit verschiedenen Garnen. Bis es am Abend endlich auch mit dem Patenstrickgerät, das man an das obere Hauptbett einhängen kann, funktionierte: Bündchen ohne Löcher. Und weil ich einfach nicht der Mensch für Probeteile bin, habe ich gestern nachmittag einen schlichten Pulli aus kräftigmittelvioletter Baumwolle begonnen. Der darf gerne zu eng oder zu lang werden, Hauptsache, ich habe das Gefühl, etwas Wirkliches zu stricken und nicht nur zu spielen.

Als erstes Fazit kann ich sagen: was per Hand lang dauert, geht mit der alten Dame flott (sie stammt von Januar 1957, alles dokumentiert). Allerdings gilt das auch andersherum: was mit der Hand schnell geht, dauert mit ihr ewig: anschlagen und abketten sind zeitraubend. Was sich, wie Anne gestern sagte, auf die Langzeit gesehen, aber lohnt.

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Erste Anschlag- und Bündchenversuche am Vormittag – sah gut aus, bis ich eine Masche einfach mal habe fallen lassen …

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Und so langsam verstand ich das Prinzip und wußte, worauf ich achten musste, um ein Bündchen zu erhalten und keine Fischernetz: in den ersten ein bis drei Reihen neigt zumindest mein PGS dazu, die unteren Nadelzungen in der Garnschlaufe hängen zu lassen. Links, wie es nicht sein soll, rechts, wie es richtig ist. Da hilft nur, jede Reihe zu kontrollieren und die Nadeln per Hand zu bewegen. Wenn mans’s erstmal weiß …

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Bündchen läuft – hurra.

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Schlichte Kimonoärmelchen – für den Anfang ausreichend. Noch muss ich meine Augen an den schmerzlichen Anblick gewöhnen, wie massiv die Maschen in der Breite gestreckt werden. Möchte dauernd streicheln und sagen, es würde bald alles wieder gut.

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Rücken: fertig. Nach drei Stunden. Ein bißchen lang, aber ich war so im Rausch und sagte mir: Baumwolle zieht sich ja eh immer so gemein in die Breite. Und überhaupt: ribbeln ist immer eine Option. Aber jetzt begebe ich mich ans Vorderteil. Mal schauen, ob ich es heute auch noch raushabe 😀

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