Na ratet mal …

Da der erste 30er-Rock dieses Jahres so simpel war, musste ein zweiter folgen. Nähen geht dieses Jahr zwar flott, das Zeigen ist schwieriger. Aber heute scheint die Sonne, die Temperatur klettert ordentlich und trotz Erkältung und Erschöpfung liege ich OHNE Strümpfe unter der Decke und das war schon Anlass genug, die Kamera aufzubauen und Rock 2 der Serie 1 zu knipsen:

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Ich sehe aus wie Peter Pettigrew – offenbar mache ich ein Mäusegesicht, wenn ich niesen muss. Immerhin erst nach dem Klick geniest, sonst hätte ich das mit den Bilder für heute doch gelassen. Das also ist die ungeschminkte, kranke Wahrheit, mein wahres Ich … na danke.

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Zwei Meter weiter rechts ist noch Winter; kein Wunder, dass ich so trübselig schaue.

Und das reichte mir dann auch schon für dieses Modell. Den Schnitt kennt ihr eh schon und obwohl ich finde, dass das Mitteljeansblau dem Rock ein ganz neues Aussehen verleiht, gibt es nicht wirklich neues zu sehen. Außer der Mausenase natürlich.

Gestern zum späten Nachmittag jedoch riß es mich vom Krankenlager, weil ich endlich, sofort und dringend, eine echte 30er-Rockschnittkonstruktion testen wollte. Musste. Nun ist es ja so, dass jedem Modellschnitt ein Grundschnitt zu Grunde liegt: ob 1886, 1912, 1927, ob gestern, heute oder morgen – in jeder Schnittanleitung findet sich ein Grundmodell, das erst an die Trägerin angepasst und dann modisch abgewandelt wird. Doch nicht nur die Linien, Längen und Ausschnitte ändern sich, auch die Grundschnitte sind unterschiedlich konstruiert.

Ich tat mich sehr lange sehr schwer damit, verschiedene Wege zum Ziel zu beschreiten: am liebsten wollte ich jede Form aus dem gleichen Schnitt heraus holen können und fand das oft sehr schwierig. Beispielsweise der Rockgrundschnitt:
Heutzutage wird in der Regel ein Schnitt aus einem Rechteck erstellt, bei dem die Mehrweite von Taille zur Hüfte über einen moderaten Hüftabstich, zwei hintere und einen vorderen Abnäher entfernt wird.

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Das beispielsweise war mein Grundschnitt bis vor einige Monate (nach Winifred Aldrich). Als dann alles doof und blöd und dumm war, wollte ich endlich einen Rock ohne vordere Abnäher und griff zu Harriet Pepin:

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Hier wird nur mit einem einzigen und deutlich tieferen hinteren Abnäher, einem sehr stark gewölbten vorderen Hüftbogen und ohne Abnäher vorne gearbeitet. Damit lassen sich Röcke von 1930 – 19550 schon sehr gut formen. Aber in dreien meiner 30er-Konstruktionsbücher gibt es noch eine dritte Rockaufstellung für leicht ausgestellte Röcke:

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Klick aufs Bild führt zur Original-Anleitung.

 

Ebenfalls mit nur einem tiefen Abnäher hinten und keinem vorne. Der Unterschied zur Konstruktion der 40er ist dennoch deutlich: ausschlaggebend für die Form sind die Hüftweite und die gewählte Saumweite. Was mich immer von einem Versuch abhielt, war die Tatsache, dass es keine rechten Winkel ausgehend von den Mitten aus gibt – das sieht als fertiger Schnitt schon sehr anders aus. Aber diesmal wollte ich es wissen und habe heute morgen, als ich nicht mehr schlafen konnte, einen Proberock zugeschnitten und genäht. Nicht gebügelt, das muss mir irgendwie aus dem Gedächtnis gefallen sein. Ich war sehr gespannt auf das Ergebnis:

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Gut, gebügelt könnte man mehr erkennen. Ich stand also vor dem Spiegel und war erstaunt, denn er sitzt gut für einen ersten Wurf. Er rutscht ein wenig nach oben, da es an der oberen Hüfte etwas knapp wurde, aber der Fall ist so authentisch für viele der Röcke und Kleider der Enddreißiger, dass ich jubeln musste. Ich habe die Taille am Schnitt schlicht abrasiert, die Seitenlinie etwas gerader gestellt und hake das Experiment als gelungen ab; der Schnitt kann als Grundlage für Schnitte von 38-41 gut verwendet werden (vielleicht mal hier auf mein Pinterestboard 1939 schauen? Die ersten Kleider/Röcke entsprechen der Form dieses Rockes genau).

Was mich ebenfalls sehr reizt, sind die Endzwanziger und frühen Dreißiger, aber kurze Drapierversuche mit Original-20er-Schnitten waren nicht schön – so unförmig, traurig und verbaut sah ich selten aus 😀 Es gibt auch für mich Grenzen(jenseits der Mausnase), an denen meine Eitelkeit sich stößt. Was die frühen 30er anbelangt: Bislang konnte ich keine Anleitungen für Grundschnitte finden, nur Anleitungen für die Abwandlung fertiger Schnitte. Dort wurde für einen schmalen Rock wie demjenigen auf den ersten Bildern oben ganz brutal ein ausgestellter Rock wie der nun konstruierte genommen und ab Hüfte gerade abgeschnitten. Wahrscheinlich schreit jede, die sich mit moderner Konstruktion beschäftigt, laut auf – dabei muss doch jede Balance abhanden kommen, das darf man doch nicht, jetzt geht die Welt gewiß bald unter – aber testen müsste man es eben doch einmal.

So, nun habe ich mich müde geschrieben und schlafe gleich ein. Falls ich mich zu unklar ausgedrückt haben sollt (denn ich habe das Gefühl, sehr verwirrt zu sein), dann nachfragen und ich stelle klar. Achja: und Klick auf das letzte Schnittbild bringt euch zum PDF mit der Anleitung. Tun wir doch einfach so, als wäre heute Montag – munter ist es ja da draußen 🙂

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MuMo – Die Wienerin etwa 1941/42

Da war doch mal was …? Der Muntere Montag ist sicher schon in Vergessenheit geraten; bei uns zumindest ist er in den letzten Wochen nie munter gewesen. Und so dachte ich heute am frühen Morgen, während ich die Wäsche in die Trommel stopfte, ich könnte ihn ja ein klein wenig munterer gestalten. Zumindest für diejenigen unter euch, die immer nach Inspiration dürsten.

Viele alte Zeitschriften besitze ich ja nicht, aber eine der bunteren Ausgaben habe ich noch und schon lange hatte ich sie einscannen wollen. Ich weiß jetzt wieder, weshalb mir das schon lange nicht mehr in den Sinn kam: es dauert Stunden! Bis alles gescannt ist, bis die Bilder bearbeitet und geschnitten sind, bis sie in das gleiche Format gebracht sind, bis die PDF-Software alles zusammengebündelt und verarbeitet hat: eigentlich kann ich mir das am ersten Tag der Woche gar nicht leisten. Auf der anderen Seite läuft mir der zu putzende Boden ja auch nicht weg 😀

Hier ist nun also die Wienerin, ohne genaue Jahresangabe – 22. Jahrgang; ein wenig Sucherei brachte den 19. Jahrgang hervor, der auf 1938 vermutet wird. Hach, jetzt fühle ich mich angenehm bestätigt, denn ich hatte auf 41/42 getippt. Wenn ich sonst schon nix kann, die Mode meiner Zeit einordnen geht gut. Ist ja auch ein unglaublich nützliches Talent, mit dem sich Welt erobern lässt. Wenn ich nur wollte!

Die Wienerin

Die Wienerin war eine Schnittmusterzeitschrift, der 20 Schnitte beilagen; weitere waren „lagernd“, was bedeutet, sie konnten bestellt werden. Wie üblich gab es nur eine Größe im Heft, in diesem Fall war es die 44, die in etwa den Maßen 96-76-106 entsprach.

Und natürlich habe ich besondere Lieblinge, die mich ansprechen:

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Ganz gerührt schaue ich aber auch auf die drei Seiten mit Kinderkleidung – sehen die gezeichneten Kinderlein nicht allesamt wie die komplette Käthe-Kruse-Kollektion aus?

MuMo – Schneidern mit Stil 1. Teil

Heute morgen, als die Wolken ins Zimmer lachten und mein Hals sich kribbelnd meldete, beschloß ich, dies sei kein guter Tag für montägliche Putzorgien – heute müsse alles etwas langsamer von der Hand gehen. Und so dachte ich, es sei eine gute Idee, mal eben etwas einzuscannen.
Das mit dem ‚mal eben‘ war ein Trugschluß; das von mir gewählte Heftchen bringt 68 Seiten mit und einige davon mit farbigen Akzenten, die ich euch nicht vorenthalten will. Aber das dauert … somit wird das nichts mit einem kompletten Scan, sondern nur mit einem Teil davon. Ein bißchen was anderes wollte und sollte ich heute doch noch erledigen können und dürfen und müssen und überhaupt und sowieso.

Was gibt es heute und an den nächsten ein oder zwei Montagen? Etwas für die ambitionierte Heimschneiderin, die keinen Fehler begehen möchte – und sind wir das nicht alle? Irgendwie?

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Klick aufs Bild führt euch zur Datei 🙂

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Munterer Montag – wieder erwacht!

Nun gut, es ist Dienstag. Aber als ich gestern mich daran begab, meinen Aktenschrank zu sortieren – alte Schnitte, neue Schnitte, eigene Schnitte, Knittax-Unterlagen, Strickhefte, Nähhefte, allgemeine Inspiration – fielen mir Schätzchen in die Hand, die mir gar nicht recht bekannt vorkamen. Unter anderem ein kleines Heftchen: Erikas Handarbeiten 2 von 1948 – Kostenpunkt: 1,95 Mark.
Der erste Gedanke war, und ich finde, das ehrt mich sehr :-D, ich müsse das sofort einscannen. Zumal ich denke, ich solle mich wieder mehr organisieren, endlich wieder raus aus der Lahmheit, die mich seit dem Tode meines Vaters so gefangen hält. Das ging mir auf, als ich vor einigen Tagen auf dem Weg zum Einkauf an Spätzle dachte. Mein Vater kam aus Lindau – der bayrischen Stadt am Bodensee – und ist mit schwäbisch-bayrischer Kücher groß geworden. Kam er abends von der Arbeit nach der Hause, so erinnere ich mich vor allem daran, dass er dann mit Holzbrettchen und holzeingefaßtem Besteck Brotzeit machte samt Radi und Bier dazu trank. Nicht sehr rheinisch, ließ sich hier aber gut machen. Weniger gut war die Tatsache, dass hier vor 40 Jahren kaum jemand wußte, was Spätzle oder Kasspatzen sind und noch weniger konnten sie herstellen. Bei einem unserer jährlichen Lindau-Urlaube wurde also ein Spätzlehoble besorgt und meine Mutter lernte, damit umzugehen. Kam auch auf Parties immer gut an. Käsespätzle werden für mich auch in zukünftiges veganen Zeiten unverzichtbar sein; da hängt zu viel anderes dran.
Wie nun auch immer, ich dachte daran, fertige Spätzle mitzunehmen und auf einmal setzte die Trauerspirale so heftig ein, wie ich es seit einigen Monaten nicht mehr kannte. Es hat mich überwältigt und ich musste erst einmal auf dem Parkplatz im Auto verharren, bis ich mich einigermaßen gefasst hatte. Als ich nach Hause kam, war mir klar, ich muss mich zumindest so weit eingesammelt bekommen, dass ich mein Leben wieder genießen kann. Und da fehlt mir doch einiges, was ich gerne tun möchte – und was ich von einer Seite zur anderen geschoben habe. Was davon ich dann wirklich wieder auf die Reihe bekommen werde, sei mal dahingestellt.
Aber mir wieder einen etwas geregelteren Tagesablauf zuzulegen, ist sicher nicht verkehrt. Und der Blog gehört dazu – und da war doch mal was? Genau: Teilen. Downloads. Munterer Montag. Nun also geht es ans Stricken. Und zwar luftig, luftig, luftig.

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Ein Klick aufs Bild führt euch zum PDF, ansonsten ist es auch über den Reiter ‚Downloads‘ zu finden. Nachgestricktes würde ich natürlich gerne sehen und ich möchte noch einmal fragen, ob eine der knapp 1.000 Damen, die die Modenschau 1938 herunter geladen haben, mir diese Datei noch einmal zusenden könnten: sie ist vor einiger Zeit gecrasht und ich habe sie nicht mehr auf dem Rechner …

MuMo – ein Sommerkleid

Im April hatte ich euch eine Bluse aus dem Buch ‚Modernes Hausschneidern nach Mass‘ abfotografiert – heute gibt es aus dem selben Buch ein Sommerkleid. Zur Erinnerung sei erwähnt, dass die abgebildeten Kästchen ab 93cm Oberweite und 120cm Hüftweite 2,4 cm breit sind und für Körpermaße darunter 2,1 cm. Wenn also zwei Kästchen eingezeichnetet wären, dann ergäben dieses eine Länge von 4,8 cm für jede, deren OW über 93 cm liegt oder aber eine Länge von 4,2 cm für eine Oberweite von beispielsweise 86 cm.

Kleid1

Kleid-2

Kleid3

Nur für die Statistik: öhm, natürlich ist hier kein Stoff zugeschnitten und kein Bad geputzt. Ich sitze hier schon seit Stunden und nichts geschieht, ich verstehe es auch nicht … mache ich etwas falsch? Ah, ich weiß, ich gehe jetzt schlafen, damit die unsichtbaren Geister ungestört walten können. Dummerchen, ich, tststs.