Mein Schwedenkleid, liebevoll Ikealein genannt

In der letzten Woche fuhr ich spät am Nachmittag mit dem Großen in die Innenstadt – in einem Mix aus Langeweile und der Sucht nach Stoff. Im Großen und Ganzen war ich von Angebot enttäuscht, doch auf einem Tisch lagen Baumwollstoffe, relativ dünn, fest und elastisch, knitterwillig, aber farblich überzeugend. Kurz zuvor hatte ich den Sohn noch zu Cos geschleppt, um durch das Angebot zu schauen und einige Kleider zu probieren. „M“ ist bei Cos übrigens ausgesprochen großzügig geschnitten, aber leider war die junge Dame, die an diesem Abend die Umkleide betreute, wenig aktiv oder auch nur aufmunternd, so dass ich nicht weiß, wie diese an sich hübschen Kleider in „S“ gesessen hätten. Vermutlich zu eng.

Eines gefiel mir besonders; es war – wenig überraschend – ein Zeltkleid mit angeschnittenen Ärmeln, rundem Ausschnitt und einer sehr breiten Saumblende in Knallfarbe. Genau so hatte ich mir im letzten Jahr eines meiner Projekte gedacht, zu dem ich dann dank Schreibarbeit und Urlaub und neuem Hund nicht kam. Aber neues Jahr, neues Glück und so stand ich vor den bunten Baumwollstoffen und disponierte um. Ursprünglich war auf der Suche nach etwas weichflattrigfließendem für ein 20er-Jahre-Kleid, aber hey – einer geschenkten Inspiration geht man doch nicht aus dem Weg. Zwar war das Cos-Kleid aus Jersey mit Satinblende, aber pingelig wollte ich in meiner Geldausgebelust wahrlich nicht sein.

Nur welche Farben sollten es sein? Das dunkle Blau, so sehr ich es liebe, ist ausgesprochen hundehaarinkompatibel, das Kirschrot schied aus aufgrund der falschen Stoffqualität und so schwankte ich zwischen Himbeere, kräftigem Hellblau (obwohl, nein, es war schon klar, dass diese Farbe mit musste) und sehr sonnigem Supergelb hin und her. Himbeere wäre harmonischer, gefälliger, netter. Gelb hingegen bot mehr Kontrast und Spannung. Wobei mich diese Kombination vage erinnerte an – tja, was auch immer. Ich nahm Blau und Gelb (und am Samstag doch noch die Himbeere …), stopfte beides zu Hause angekommen in die Waschmaschine und stürzte am nächsten Vormittag an den Zeichentisch. Und entschied, faul zu sein.

Als Grundlage nahm ich den Schnitt des hellblauen Kleides vom letzten Sommer, mixte ein wenig Zelt und etwas Falte hinein, kontrollierte noch einmal, ob Vorder- und Rückenteil wirklich identisch an Schulter und Ärmel sind und schnitt zu; mir jeden weiteren Gedanken an mehr Mühe und Sorgsamkeit bei der Schnittaufstellung verbietend. Einen anderen Gedanken jedoch konnte ich nicht unterdrücken: Erinnerte die gewählte Farbgebung nicht ganz, ganz leicht und von weit her an die schwedische Flagge? Oder gar an schwedische Möbelhäuser? Bekäme ich in diesem Gewande wohl freundliche Rabatte, sollte ich durch Stockholm oder Bettwäscheabteilungen flanieren? Hmmm … ich grübelte noch darüber nach und wollte die Frage mit „Nein!“ abtun, als das Radio Abba spielte. Wenn es jemals ein Zeichen gab, dann war dieses eines. Ich betrachtete das werdende Kleid, streichelte es sanft und tröstend und versprach ihm, treu zu ihm zu stehen.

Ja, ich hätte mit einer anständigen Taillierung arbeiten können und mit dezenterem Ärmeln, aber ich wollte schnellen Erfolg, einen Knalleffekt und maximale Luftigkeit. Ich denke, all das habe ich bekommen. Und nun scheint heute die Sonne so herrlich und ich brauche Ablenkung vom morgigen Tag – Zahnarzt, das Grauen und die Panik sind nicht vermittelbar – also rein in das Kleid, raus in den Garten und knipsen. Natürlich mit den üblichen Schwierigkeiten:

 

 

Es wird mir auf immer unerklärlich sein, wie eine Kamera tickt und was sie will. Ich hatte – und ich weiß leider nicht mehr, wie und wo – auf Mehrfachaufnahme geklickt und bekam drei Bilder in drei Sekunden. Weder ich noch der Himmel hatten uns in der Zeit nennenswert verändert. Weshalb ist eines zu dunkel, das nächste zu hell und das dritte komplett weiß? Ich weiß es nicht, aber schiebe hiermit für immer und alle Zeit jegliche Verantwortung für die Qualität der hier gezeigten Fotografien entschieden von mir. So!

 

 

Gut. Ja. Also. Wie es so ist: An diesem Bild ist die Kamera vielleicht eher unschuldig, obwohl sie auch einfach ein Sekündchen hätte warten können. Der Selbstauslöser lief, von der Straße her rief jemand nach mir, ich folgte dem Rufe und so also sieht ein Teil des Gartens aus, wenn ich mich nicht in die Sicht stelle. Vermutlich das beste der heutigen Bilder; genießt es, bevor es weiter geht.

 

 

Dieses Mal also flott vor die Linse gesprungen, festgestellt, dass die Katze mir unerlaubterweise nach draußen gefolgt war, kurz überlegt, ob ich ihr hinterher soll, dabei mit dem Fuß weggeknickt – egal, das soll so. Dieses Bild bezeugt meine nach all den Jahrzehnten ungebrochene mädchenhafte Unschuld. Behaupte jemand etwas anderes, wenn er es wage!

 

 

Wenn ich auch nicht knipsen kann, so gebe ich doch nicht nach vier Minuten auf. Es ist nicht meine Schuld, dass ich dieses Mal am Gartensessel hängen blieb und das Kleid noch schnell zurecht schieben musste, als die Kamera knipste. Wirklich nicht.

 

 

Aber weil wir ja auch über Konstruktionstechniken uns unterhalten, eilte ich noch einmal zum verfluchten Platze – weil es mir viel angenehmer war, einen Arm in die Büsche zu strecken als mir den anderen an den Verandadachpfosten anzuschlagen. Das Kleid ist, wie schon erwähnt, vorne und hinten aus dem gleichen Schnittteil entstanden; das Vorderteil hat lediglich einen tieferen Ausschnitt erhalten und eine großzügige Kellerfalte. Wie ihr sehen könnt, ist das Kleid deutlich größer als ich – dadurch konnte ich mir Brustabnäher sparen und eingesetzte Ärmel und habe die gewünschte Luftigkeit. Im Vergleich einmal meine wahren Abmessungen. Annähernd zumindest:

 

 

Nun warte ich noch auf flache, gelbe Sandalen, denn so hübsch und angezogen das Kleid mit den höheren Absätzen wirkt, so ungeeignet sind die für die täglichen Hundemärsche. Und dorthin soll mich die kleine Schwedin ja begleiten.

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20°C-Hemdblusen-Kimono-Mustermix-Kleid

Heute ist Frühling! Satte 20 Grad und mehr! Also was tut die nähende Bloggerin? Sie kramt in aller Eile das luftige Kleid hervor, das über Wochen halbfertig an der Puppe hing, drückt dem Sohne die Kamera in die Hand und stellt sich auf die Wiese.

 

 

Der Stoff ist eine relativ feste, dennoch sehr weiche und leider auch rutschige Viskose mit einem Batikdruck, der sich sehr schön trägt. Bei 20°C zumindest – darüber dürfte das Kleid bald schon zu warm, darunter eindeutig zu kalt zum Tragen sein.

 

 

Der Schnitt ist der Bunkagrundschnitt in verlängerter Form mit geraden, hochgekrempelt wirkenden Ärmeln. Und einem asymmetrischen Ausschnitt, der eigentlich ein mittiges V hätte werden sollen. Fragt mich nicht, irgendwie habe ich die Punkte im Druck verwechselt und den widerspenstigen Beleg in die falsche Richtung gezwungen; er zumindest wußte, wohin er eigentlich gesollt hätte. Und weil der Ausschnitt nun fünf Zentimeter neben der Mitte endet, war meine Motivation zum Weiternähen mäßig. Aber der schöne Stoff …

 

 

Der Sohn hat es zuguterletzt doch noch geschafft, auch meine Füße mit aufs Bild zu bekommen und da sitzt das Kleid doch gleich ganz anders. Es ist gassitauglich, trägt sich angenehm und sieht besser aus als Jogginghosen und damit wird es als Erfolg gewertet. Basta!

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Bleistiftrock, Bluse und – äh wie? – T-Shirt

Es war einmal eine Frau, die nach der Geburt ihres ersten Sohnes nach Jahren das Stricken wieder begann. Bald schon verliebte sie sich in kleine, feine Pullover aus vergangenen Tagen, deren Anleitungen von freundlichen Menschen in das weltweite Netz gestellt worden waren. Und so strickte sie tagaus, tagein einen nach dem anderen. Doch stand sie vor der Schwierigkeit, diese Strickwerke selten tragen zu können, da die Schneiderinnen und Schneider des Landes ihr keine Hosen und Röcke anboten, die dazu passten. Das stimmte die Frau recht traurig und so sann sie nach einer Lösung: „Wenn ich heute koche und morgen stricke, dann hole ich übermorgen Stoff und nähe selbst.“

Zwar hatte sie keinerlei Erfahrung auf diesem Gebiet, doch sagte sie sich, sie brauche ja nur ein oder zwei schlichte, gerade Röcke, die ihr bis in die Taille und bis unter die Knie reichen würden – sicherlich wäre sie in der Lage, das mit etwas Fleiß und Geduld zu schaffen. Nun, sie schaffte es. Mit Fleiß zumindest, Geduld … nunja. Und so begab es sich also, dass die Frau einen – von den Menschen des Landes so genannten – Bleistiftrock nach dem anderen nähte. So viele kleine Pullis und enge Röcke stellte sie her, dass all ihre Freunde und Bekannte beides als ganz das ihrige ansahen und sie daran erkannten. Doch eines Tages wünschte sich die Frau anderes, mehr, neues und legte Pulli und Bleistiftrock beiseite.

An die Röcke aber dachte sie immer wieder einmal und nähte wohl auch zwei weitere. Die sie nicht trug, denn die Röcke schienen die kleinen Pullis zu vermissen und sträubten sich sehr gegen alles andere. Das machte die Frau sehr traurig, aber auch zornig. Es war nicht an einem Kleidungsstück, ihr zu sagen, was sie zu tragen habe! Und so nähte sie einen dritten Rock aus einem Stoff, der der harten Welt der Arbeiter entstammte. Doch nichts wollte so recht dazu passen: Mit den längeren Hemden darüber sah der Rock traurig-sackig aus. Mit den weiteren Pullis war es das Selbe. In anderem fühlte sie sich zu wenig gekleidet, in manchem zu bieder – es war ein Kreuz.

In letzter Verzweiflung griff sie sich eine kleine Bluse, von der sie nicht recht wußte, was mit ihr beginnen. Und siehe da: Es war recht.

 

 

 

Auch wenn heute keine Tiere zu sehen sind: Zwei waren da und über den einen musste ich bei jedem Weg drüber steigen, während die andere am Fenster eine Hummel jagte. Aber beide zu beobachten, erleichtert mir das Knipsen enorm.

 

 

Das übliche Problem: Von vorne könnte die Bluse fast kürzer sein, damit etwas mehr Taille und Hüftkurve zu ahnen ist, von der Seite aber ist es so nahezu perfekt.

 

 

Wäre sie allerdings noch kürzer, dann hätte ich bei dieser Bewegung nicht nur einen Lufthauch verspürt, ihr dürftet mir dann auch alle auf den blanken Bauch schauen. Garantiert ohne Sixpack!

 

 

Und dann fiel mir ein: Ein Schlitz im Rock, egal wie konservativ, muss un-be-dingt in Szene gesetzt werden. Sexy, Baby! Ok, die Bluse ist dafür viel zu brav. Egal – Schlitz im Rock, yay!

Wie aber auch immer: Ich habe auch zum allerersten Mal ein T-Shirt genäht. Vor zwei Wochen kaufte ich mir eines und nahm dessen Schnitt ab. So weit, so einfach. Ich habe natürlich vergessen, die Nahtzugaben mit anzuzeichnen und vergaß sie natürlich auch beim Zuschnitt, so dass von der lockeren Passform nicht viel übrig blieb. Was aber nichts macht, denn ich habe so was von gepfuscht: Beim Halsausschnitt habe ich das Bündchen nicht gleichmäßig verteilt und habe es dann mit dem schlimmsten, schiefsten und wackeligsten Zierstepp angenäht, den man sich denken kann. Es ist nun endgültig klar – ob mit oder ohne Brille: Ich sehe das einfach nicht mehr, wo die Nadel einsticht, es sei denn, ich nähe im Schneckentempo. Was nicht klappt, solange ich ein Pedal unterm Fuß habe und das könnt ihr euch nun interpretieren, wie ihr mögt. Mein Flensburger Konto jedenfalls ist sauber …

Und weil das erste Shirt zwar mutmachend, aber nicht perfekt ist, habe ich auf Säume verzichtet (und aufs erneute Bügeln) und es einmal zum Rock getestet.

 

 

Impulskontrolle: Null. Kamera läuft, ich sehe die Flasche, habe Durst und … ups!

 

 

Das Halsbündchen habe ich vielleicht doch etwas knapp zugeschnitten? Es ist die Ausschnittweite x 0,8 – aber waschen und bügeln würden das vielleicht noch verbessern.

 

 

Ganz klar muss hier ein anderer BH drunter, kein abgepolsterter. Etwas weniger Fülle oben herum lässt das Shirt deutlich freundlicher an mir entlangfallen.

 

 

Aber es hat Spaß gemacht, obwohl ich keine Overlock benutzt habe – meine Overlock ist ein hinterhältiges Biest, das von dem anderen Biest im Haus (der kleinen, schwarzen Katze) so viel um die Ohren bekommen hat, dass ich keine Lust habe, neu einzufädeln und nach dem Problem zu suchen. Falls jemand da helfen mag oder sie für kleines Geld kaufen möchte: Gerne melden.

So, und nun darf sich die Märchenfrau überlegen, ob sie doch wieder einige Röcke nähen will. Ärgerlich ist einfach, dass Oberteile, die mir zu engen Hosen gut stehen, zu engen Röcken grauslig aussehen und ich daher vor dem Nähen einer Bluse immer entscheiden müsste, womit ich sie tragen will. Sehr lästig, das.

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Ein bißchen Fischer, ein wenig Audrey

Nähend werde ich immer langsamer und langsamer – das mag damit zusammen hängen, dass ich immer weniger gut winzige Aufschriften lesen und dem Lauf der Nähmaschinennadel folgen kann. Oder, was viel schöner klingt, es liegt einfach an der mangelnden Zeit und darab, dass ich somit weniger im Training bin. Ja, es ist eindeutig die Zeit, die ein Problem ist …

Wie immer, wenn ich nicht viel nähe, kaufe ich viel zu viel Stoff und diese Stapel muss ich, will ich abarbeiten. Nun also eine Bluse. Eine Hemdbluse. Die in der ersten Version noch einen Kragen hatte, den ich schlampig schnell nach einer 08/15-Anleitung gezeichnet hatte. Hat sich gerächt. Also ist es nun eine kragenlose, manschettenlose und nahezu knopflose Hemdbluse geworden, die mich ein wenig an norddeutsche Fischerhemden erinnert:

 

 

Und weil das Hemdblüschen so ganz ohne Kragen ein wenig traurig wirkte, spielte ich mit den Stoffresten umher und beschloss, eine Art Schleife auf Höhe der sonst üblichen Brusttaschen anzubringen. Wie immer hätte ich das viel ordentlicher machen sollen, aber wie gesagt: Mir verschwimmen mitunter die Nähte vor den Augen, wenn es um Millimeterarbeit geht.

 

 

Aus dem Hemdschnitt möchte ich in nächster Zeit noch mehr heraus holen: Mit einem vernünftig konstruierten Kragen, mit einem leicht abgeschrägten Halsausschnitt, mit einer Passe auch im vorderen Bereich, vielleicht doch auch mit Taillenabnähern, mit mehr Knöpfen – der Möglichkeiten sind bei diesem simplen Schnitt ja viele.

 

 

Dieses Mal habe ich dem Rückenteil eine Kellerfalte von insgesamt 12 cm Mehrweite spendiert. Das gefällt mir zwar sehr gut, lässt mich aber nicht gut testen, ob der Schnitt mit Abnähern nicht doch zu eng an der Hüfte wird. Und für Probemodelle habe ich mittlerweile gar keine Zeit mehr, was verblüffend ist: Früher, als die Jungs noch klein waren, nahm ich immer an, dass ich unglaublich viel Zeit für Haus und Haar und Haut und halles handeres haben würde, wenn sie erst einmal in der weiterführenden Schule sein würden. Erstaunlicherweise sieht die Realität anders aus, aber tiefergehende Gedanken über unser Schulwesen mache ich mir ein anderes Mal.

Weniger Zeit ist natürlich nicht nur den Kindern geschuldet, sondern auch den Tieren, die ebenfalls ihr Recht auf Nähe und Schmusen fordern. Und auch das verhasste Fotografieren ist dank der drei vierbeinigen Lebenwesen nicht leichter oder zeiteffizienter geworden. So sieht das nämlich aus, wenn ich mein Stativ aufbaue:

 

Die Küche ist der einzige Raum, in den Maxi nur zögerlich eintritt und mit sehr viel Respekt. Ganz besonders, wenn eine der Katzen schon dort ist. Richtig schlimm ist es, wenn er zwar in meiner Nähe sein will, aber ein garstiger Sturm ums Haus und durch den Dunstabzug lärmt – vor starkem Wind fürchtet er sich nämlich richtig. Da gab es dann ein Extraleckerchen für ihn:

 

 

Er verschwand dann doch lieber in seinem Boot, was Momo dazu nutzte, mein Haargummi über den Boden zu scheuchen, es unter dem Kühlschrank zu verstauen und mir auf den Arm zu hüpfen.

 

 

Viel hübscher kann die Hemdbluse nicht präsentiert werden als mit Momo auf dem Arm. Die natürlich sofort wieder runter wollte, als Minusch in der Tür auftauchte – das war der Moment, an dem ich aufgab:  Die neuen Ballerinen hatte ich lang genug eingelaufen, Maxi brauchte seinen zweiten Spaziergang und überhaupt hatte ich noch so viel vor an diesem Tag. Nichts davon ist bislang wirklich geschafft. Erst beim Sichten der Bilder gerade eben fiel mir auf, dass Hose und Schuhe dem eh schon femininen Fischerhemd noch einen Minihauch von Audrey verleihen. Kann so bleiben, denke ich …

Und obwohl es hier ganz viele Tiere gibt, genäht habe ich nur für mich und deshalb qualifiziert sich die störrische Hemdbluse für den RUMS.

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Zu schlicht, zu unentschieden, zu langweilig

Das Jahr ist noch jung, aber ich muss sagen: es ist nähtechnisch das mieseste Jahr überhaupt; eindeutig mehr Mißerfolge als Hurras. Aus den unterschiedlichsten Gründen: halbherzig Begonnenes, Stoffe, die sich als nicht waschbar erwiesen, Denkfehler der dümmsten Art und dazu wenig Zeit und keine Lust, die Grundschnitte dem Gewichtsverlust anzupassen. Und irgendwie sind ständig Schulferien … jetzt mal gerade nicht, aber wir steuern geradewegs auf die Weihnachtsferien zu. Hach, seufz.

Entsprechend wenig habe ich gezeigt. Wenn ich auch mit Wonne die Mißerfolge zu zeigen pflegte, so wenig mochte ich die Knipserei und mich für Unschönes noch weiter zu quälen, danach war mir in diesem Jahr nur selten. Denn 2016 ist ja in vielerlei Hinsicht ein annus horribilis. Ich bemühe mich, mich auf das positive zu konzentrieren: tolle Sommerferien an der Nordsee, wo ich mich zuhause fühle, ein Angebot, das ich annahm, obwohl es mich noch mehr Zeit und Nerven kostete, die Aufstockung des heimischen Tierbestandes, das weniger große Kind auf meinem alten Gymnasium in meiner alten Klasse, viele tolle Frühstückchen mit Hund und Gatte ohne Kinder und viele neue nette Bekannte ebenfalls dank Hund und Schule. Es ist sicherlich egoistisch und kurzsichtig, diese Dinge über die allgemeine Entwicklung der Welt zu stellen, aber letztenendes – noch nie habe ich ein so starkes Gefühl der Hilf- und Machtlosigkeit empfunden. Nicht einmal während der weltpolitisch grauen 80er-Jahre. Doch damals war alles drumherum bunt und optimistisch, man war sich in seiner Fassungslosigkeit gegenüber dem Wahnsinn einig. Heute … all wir guten Menschen haben einen Nachteil: uns machen Hass und Hetze krank und mürbe, während Rassisten, Nationalisten, Islamisten – und was es sonst an -isten so gibt – sich davon nähren und aufblühen, je gräßlicher sich die Menschheit verhält. Nun, in den nächsten Tagen werden wir sehen, welche Saat aufgeht.

ABER da wollte ich gar nicht hin, entschuldigt. Eigentlich wollte ich zum Kleid, das ich ausprobieren wollte und mich dabei gründlich vertan habe. Viel zu unentschlossen bin ich an die nötige Weite für Ärmel und Oberteil gegangen, viel zu schlicht ist der Schnitt und viel zu halbherzig (wieder einmal) ging ich an Konstruktion und Näherei. Mir schwebte ein weiteres Hippiekleid vor, höher geschlossen und mit weniger Rockweite. Ewig lange suchte ich nach passendem Stoff, Viskose oder Baumwolle, der weich-flanellig sein dürfte und irgendwie wild gemustert. Bei Karstadt fand ich eine kirschrote Viskose mit gelben, weißen und dunkelblauen Paisleys. Obwohl ambivalent, kaufte ich ihn – entweder es wird Bohème oder Sofakissen. Und bei so viel Musterei blieb der Schnitt ruhig. Viel zu ruhig, eigentlich hätte ich in die Vollen gehen müssen mit weiten Ärmeln, mehr Taille und mehr Weite zugleich, mit Saumrüschen und dem ganzen Tralala. Sollte, hätte, müsste. Aber dann erwies sich der Stoff auch noch als zuschnittbiestig und sowohl verzogen als auch schief bedruckt. Nunja, allzuviel Liebe ist nicht verloren gegangen.

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Ja, der Saum ist nicht fertig und wedelt schief umher – eigentlich ist eine Hälfte des Kleides schief. Verzogen, komplett verzogen.

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Trotz des sehr wilden Musters ist es so unglaublich brav, dieses Kleid. Sehr brav, ich spüre, wie ich zahm und sanft und gehorsam werde, wenn es mich umhüllt – ihr seht es auch.

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Und kein Stiefel, kein Schuh, kein nichts will so recht dazu passen. Verzogen und nicht kompromissbereit das Ding. Außerdem ist es nun schon so kalt, dass mir ein Kleid auch zu Hause nicht mehr reicht – Fazit daher:

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Aber es war den Versuch wert. Irgendwie. Glaube ich. Nur: ich will Kleider nähen. Obwohl ich friere und gar nicht mehr so recht weiß, was ich an mir sehen mag. Albern, höchst albern.

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