Mg 5 – 30:70 / Brustabnäher reduzieren?

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Herrlich warm schon jetzt am frühen Vormittag ist es und die nötigsten Einkäufe sind bereits erledigt. Dabei stellte ich fest, dass ich wirklich, wirklich, wirklich noch schnell einen zweiten Blazer nähen sollte.

Zwei Dinge gibt es, die mich an dem obigen stören: zum einen wellt sich auf einmal der Saum, so, als würde er immer weiter und breiter und würde nur durch das Futter an einer weiteren Zunahme gehindert werden. Ich habe das auch bei einigen Mänteln festgestellt, nachdem sie ein halbes Jahr auf dem Bügel verbrachten. Vorher war alles glatt und gleichmäßig, nach einer Zeit der Hängens aber … Bügeln half nichts. Woran liegt es?

Zum anderen stört mich, dass ein geformter Abnäher oder eine angepasste Teilungsnaht zwar sehr gut aussieht, wenn man das Jacket zuknöpft (was ich nicht vorhabe, bis heute ist es knopflos), aber einen Doppelbusen bildet, sobald es offen getragen wird. Das kann man hier besser sehen:

 

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Und das will ich nicht. Was tun? Müsste ich eine SBA durchführen? Und mich vor jedem Zuschnitt entscheiden, ob ich diese Jacke nur offen oder nur geschlossen tragen will? Muss ich auf Figurnähe verzichten und von vorneherein nur Sackähnliches nähen? Tipps sind sehr willkommen, bevor ich mich an Nummer zwei begebe.

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Alte Frage: Sack oder Pelle?

In der letzten Woche hielt mich nichts mehr im Bett und so setzte ich mich am Mittwochmittag für eine gute Stunde und am Donnerstagvormittag dreimal so lang an Eß- und Nähtisch und zeichnete den simpelsten Bleistiftrock überhaupt, schnitt zu und nähte (um danach natürlich wieder brav und sehr erschöpft im Bett zu liegen, ich bin ja nicht ganz wahnsinnig.) Der Rand sollte einen Zentimeter unter meiner natürlichen Taille enden, statt eines Nahtreißverschlusses hinten habe ich einen sichtbaren Metallreißer vorne eingesetzt und der Saum war einen Zentimeter eingestellt. Dazu habe ich einen recht knitterfreien Baumwollstretch gefunden und statt Bund gab es einen Beleg. Ziemlich klar und einfach, meinem Gesundheits-, na sagen wir ruhig: meinem Geisteszustand und meinem Geschmack für simples angemessen. Als Grundlage diente nach wie vor der 40er-Jahre-Grundschnitt nach Pepin – ohne vordere Abnäher komme ich viel besser mit Passformproblemen klar.

Gut.

Ich hockte also auf meinem lehnenfreien Höckerchen in einer Position, die es dem Männer-T-Shirt nahezu unmöglich machte, meine Wunden zu berühren. Und ich möchte mal sagen: ich fühle mich, als wäre ich aus einer Schlacht heimgekehrt und hätte nun noch eine Rekonvaleszenz ungewißer Dauer vor mir. Befreit, aber genervt und ängstlich auf Ruhe und Distanz zu allem und jedem bedacht. Perfekte Voraussetzungen, um als erste Tat außerhalb des Krankenlagers zu nähen. Etwas, was mich nach wie vor grübeln lässt (und ich grübelte darüber schon einmal bloggend):

Ist es für einen Bleistiftrock und seine Trägerin besser, er sitzt figurumspielend und kaschiert somit einen Bauch? Oder sollte man lieber zum Bauch stehen, dafür aber sowas wie Kurven zaubern und betonen, auch wenn diese eher ausladend (Hüfte) und rutschend (Po) sind? Ich stellte diese Frage auf FB und die Antwort war eindeutig: lieber eng statt Litfaßsäule!

Ja.

Nun.

Ich habe mich also vorhin einigermaßen präsentabel gemacht – was ich sehr schwierig fand, denn ohne BH fühle ich mich doch unwohl (das scheuert) – und versucht, den Rock einzufangen. Bildlich. Schwierig, natürlich. Denn auf einem nicht dreidimensionalen Bild lässt sich kaum darstellen, wie weit ein Rock ist, der aus einem nicht fließenden Material genäht ist.

 

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So. Zunächst einmal ist der Rock so weit, dass er nicht einen, sondern gute drei Zentimeter unterhalb der Taille sitzt und der Stretchstoff nicht einmal in die Nähe des Gedehntwerdens kommt. An der Hüfte, die ich vorsichtshalber mit ordentlich Kurve und Zugabe versehen hatte, habe ich beiderseits schon zwei Zentimeter weggenommen.

Von dem eingestellten Saum ist nichts zu sehen, da war ich mit dem einen Zentimeter sehr vorsichtig, aber ich ging nach der langen Rockabstinenz davon aus, dass ich enorm breit und sehr kaschierbedürftig sei. Und weil der Rock so tief unten sitzt, ist die Länge natürlich auch nicht korrekt.

 

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Natürlich ist da immer noch Bauch, der wird auch nie verschwinden. Aber ziemlich dezent für meine Verhältnisse. DAS mag ich schon. Gleichzeitig ist natürlich auch der Po kaschiert, was sicherlich sehr damenhaft ist, aber auch so ein bißchen trutschig aussieht. Oder? Gleichzeitig liegt der Rock am Bein wirklich an keiner einzigen Stelle an – er steht dank des Materials um mich herum. Solange ich stehe. Bewege ich mich, bewegt er sich auch: er schraubt sich linksherum langsam nach oben. Naja, wenn ich mich bemühe, nicht mit den Hüften zu wackeln, dann bleibt er, wo er ist. Mehr oder weniger.

 

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Sehr damenhaft. Sehr. Ich könnte, ohne den Stoff zu dehnen, in der HM zwei Zentimeter wegnehmen. Was ich am Schnitt auch tun werde. Am Rock geht das nicht, denn er ist hinten im Bruch zugeschnitten. Und obwohl die Taille schon so tief gerutscht ist, kann ich immer noch gut zwei Zentimeter zusammen kneifen, ohne dass etwas einschneidet.

Daher jetzt die wirklich wichtige Frage: doch noch mal den Saum lösen, einen halben Zentimeter an den Seiten wegnehmen und nach unten mehr einstellen? Ich wäre bereit dazu … womöglich sogar noch heute. So ganz vorsichtig und mit Ruhe.

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Theoretisch ein hübsches Kleid, praktisch …

… bin ich nicht zufrieden. Zu traurig, aber wahr. Die eine oder andere unter euch erinnert sich sicherlich noch mit Schrecken an mein letztjähriges Grundschnittprobenähen, das sich über Monate hinzog und Frust, Frust, Frust mit sich brachte. Nach wie vor muss ich mich mit der Tatsache anfreunden, dass sich meine Figur komplett geändert hat und ich mich zwischen Teufel und Beelzebub entscheiden muss: Lasse ich alles formlos an mir herunterfallen oder lebe ich damit, dass mein Bauch und meine Hüfte sich immer, ständig, überall in den Vordergrund drängen? Ein Mittelweg wäre schön, liegt aber außerhalb meiner technischen Fähigkeiten. Und meines Nervenkostüms.

Was ärgert mich also noch immer? Eigentlich ärgert mich die eigene Blödheit. Es gab ein einziges, großes Problem mit all meinen Kleidern vor dieser Alles-neu-mach-Aktion: im Rücken warfen sich Falten übereinander, gegeneinander, untereinander. Die sollten nun endlich weg. Theoretisch ganz einfach; das Rückenteil war zu lang. Also probierte ich, kürzte ich, probierte ich, kürzte ich und das immer so weiter, bis keine Falte mehr da war. Und auch, wenn ich Bilder zeigte, war der Rat immer: da muss noch was weg. Irgendwann mittendrin merkte ich: die Taillennaht hat mit meiner natürlichen Taille, die trotz meines kurzen Oberkörpers tiefer lag, gar nicht mehr viel gemein. Aber wenn da noch eine Falte war, die jede (ich auch) als Längenfalte identifizierte, dann musste da doch was dran sein. Irgendwann war alles glatt und ausgehend von der Länge der hinteren Mitte legt ich nun rundum meine Taille fest – horizontal zum Boden. Das fühlte sich eigentlich nicht gut an, aber alles war glatt.

Nun hatte ich außerdem für meine Verhältnisse ganz ordentlich zugelegt: innerhalb von zwei Monaten von 58 auf 62,5 kg, das macht sich bemerkbar. Auch das Alter in Form eines immer weicher werdenden Gewebes machte auf sich aufmerksam. Also musste das wohl alles so sein, mit der höheren Taille und der eingearbeiteten Mehrweite und so.
Ausgehend vom Oberteil machte ich mich an das Rockteil, das so geschnitten sein sollte, das es von der vollsten Stelle des Bauches aus gerade nach unten fallen sollte. Dass ich mir darin sehr fremd vorkam, beachtete ich nicht weiter und schrieb es falsch verstandener Eitelkeit zu.

Wie auch immer, mit diesen Grundschnitten baute ich nun neue Kleider und Röcke und fand zwar, dass sich der Sitz insgesamt verbessert hatte (was vielleicht eher daran lag, dass ich den vier Kilo mehr Platz gemacht hatte, aber wer denkt schon so genau nach), aber das Tragegefühl um die Taille herum bescheiden war. Aber bis Januar nähte ich mir also Kleider, die ja auch alle recht nett sind und im unbeweglichen Stehen auch gar nicht zu sehr zeigen, was nicht stimmt, die mich aber – die ich mich ja auch netto ohne Bekleidung kenne – figürlich sehr verwandelten: mein Oberkörper schien kürzer und meine Hüfte viel breiter. Nicht wirklich das, was ich wollte. Aber so recht wahrhaben wollte ich das nicht – viel zu viele Monate saß ich ja an den neuen Schnitten UND an meiner Wahrnehmung des sich verändernden Körpers.

Erst, als ich über die Vierziger-Kleider den eigentlich obligatorischen Gürtel legen wollte, musste ich der Wahrheit in ihr rotgerändertes Auge blicken: die Taillennaht sitzt zu hoch. Um gute zwei Zentimeter. Rundum. Auch hinten. Bah! Das hat zur Folge, dass sich das Kleid beim Armheben sehr stark hochzieht, dass ein Gürtel um zu viel Rockweite sich wickelt und diese einschnürte und dass ich verformter wirke, als ich es bin. Seitdem arbeite ich stückchweise zur richtigen Höhe mich hin …

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Ok, das wäre also geklärt, eigentlich wollte ich nur schnell das Januarkleid zeigen 😀 Und zwar mit acht Bildern, was mir viel zu selbstverliebt vorkommt. Aber ich konnte mich nicht entscheiden …

Farblich kommt das Bild dem Original hier am nächsten, also musste ich dieses Bild auswählen.

Farblich kommt das Bild dem Original hier am nächsten, also musste ich dieses Bild auswählen.

... aber hier fällt das Rockteil besser und ich stehe gerade ...

… aber hier fällt das Rockteil besser und ich stehe gerade …

Das Telefon klingelte, ich zuckte zusammen - aber die scheue Momo hat sich aufs Bild geschlichen. DAS kann ich nicht vernichten.

Das Telefon klingelte, ich zuckte zusammen – aber die scheue Momo hat sich aufs Bild geschlichen. DAS kann ich nicht vernichten.

Viel zu hell, leicht verschwommen, aber wer will sich über die Sonne beschweren? Muss also auch bleiben.

Viel zu hell, leicht verschwommen, aber wer will sich über die Sonne beschweren? Muss also auch bleiben.

So langsam hatte ich die Hin- und Herrennerei satt, deshalb ganz innovativ: sitzend.

So langsam hatte ich die Hin- und Herrennerei satt, deshalb ganz innovativ: sitzend.

Die Epauletten sind liebevoll abgesteppt, das wollte ich zeigen - sieht man nicht, aber ich lächle - als Beweisstück dieser Fähigkeit unverzichtbar.

Die Epauletten sind liebevoll abgesteppt, das wollte ich zeigen – sieht man nicht, aber ich lächle – als Beweisstück dieser Fähigkeit unverzichtbar.

Hier sieht man die viel zu hohe Taille.

Hier sieht man die viel zu hohe Taille.

Die Taille rutscht noch höher und außerdem gefallen mir meine Haare auf dem Bild - konnte ich auch nicht löschen ...

Die Taille rutscht noch höher und außerdem gefallen mir meine Haare auf dem Bild – konnte ich auch nicht löschen …

Tja, viel zu viele Bilder, aber immer eine gute Erklärung parat. Ich stellte gerade bei diesem Kleid fest, dass ich noch einiges zu verbessern habe und auch die Ärmel noch ein wenig mehr Arbeit benötigen. Aber nun kommt die warme Jahreszeit und ich kann mich mit Puffärmeln oder ärmellosen Kleidungsstücken noch bis zum Herbst vor dieser Strafarbeit retten. Ich denke, ich sollte mich noch einmal mit einem Schnittprofi zusammen setzen und die kleinen Fehler ausmerzen. Und auf Zucker verzichten und Sport treiben … bah!

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Zwischen Sack und Pelle

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Bevor ich Bilder vom zuletzt beendeten Rock zeige, wird es lang und ausführlich. Nehme ich an; wer weiß schon, wohin es mich schreibend treibt …
Im Augenblick treibt mich – wieder einmal – die Besessenheit. Die Besessenheit, ein gut sitzenden Rockgrundschnitt zu erstellen. Klingt erst einmal nicht dramatisch. Aber es gibt Kriterien, die ich erfüllt sehen will. Eigentlich habe ich keine Lust, daran zu arbeiten, ich möchte nur das Ergebnis, das gerne vom Himmel in meine Hände falllen darf. Wo liegt die Schwierigkeit, was will ich ich haben?

Ich will einen Rockgrundschnitt, der für Röcke, nicht für Kleider gedacht ist – diejenigen, die sich mit Konstruktion befassen, wissen, dass es da einen Unterschied gibt: Kleiderröcke sind vor allem an das Oberteil angepasst, müssen andere Bewegungen mitmachen – beispielsweise das Heben der Arme. Sie sind meist etwas figurumspielender. Ein Rock-Rock ist entsprechend enger, häufig liegt auch die Seitennaht weiter vorne.

Das wäre ja noch nicht sooo dramatisch (obwohl: mir reicht das schon. Im Grunde. ) Aber ich will nun endlich einen Grundschnitt, der NICHT modern ist – sprich: keinen Abnäher im Vorderteil, nur einen im Rückenteil. Eigentlich auch kein Problem, denn ich habe ja hier die passende Anleitung aus dem Harriet-Pepin-Buch.

Aber weil ja zwei Kriterien irgendwie albern sind, um sich davon in den Wahnsinn treiben zu lassen, will ich noch einen dritten Wunsch erfüllt bekommen: ich möchte natürlich absolut umwerfend darin aussehen …

Nun. Also. Tja. Die Maße nehmen, den Grundschnitt zeichnen und einmal probenähen – das war ja nicht das Ding. Wie üblich bei diesem 40er-Grundschnitt stellte ich fest: das darf ein bißchen weniger spack sitzen. Aber ebenfalls wie immer, wenn man einen ersten Proberock nach den eigenen Maßen trägt, gibt es diesen Moment von “Hallo!” – nach wie vor stehe ich begeistert-fassungslos vor dem Spiegel und vergleiche das noch nicht richtig gute mit dem vor Jahren nach fertigen Schnitten genähte und stelle fest: das ist schon nun um Längen besser.

Aber dann geht es los: hier ein bißchen mehr Weite, hier ein bißchen was weg, hier einen Zentimeter höher, dort vier Millimeter runter – mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Irgendwann siegen Unlust, Faulheit, Zufriedenheit und Langeweile und ich entscheide: so ist es gut, besser wird es nicht. Und dann schnappe ich mir einen nicht zu geliebten Stoff (so noch einer vorhanden ist) und wandle den Grundschnitt in ein gewünschtes Modell um und nähe. Und probiere. Es steht dann gerne 50:50. Entweder es ist alles wunderbar und wie berechnet. Ober aber es zeigt sich nun in der Abwandlung der übersehene Fehler des Grundschnittes.

Ist alles wunderbar, so wird der Grundschnitt auf Pappe gebannt und als Schablone für die nächste Abwandlung verwendet. Die meist auf dem Fuße folgt – von wegen ein Erfolg jagt den nächsten, hahaha. Manchmal aber zeigt erst das zweite Modell, wo es hakt. So war es auch in der letzten Woche. Vor zwei Wochen erstellte ich den neuen Grundschnitt, werkelte immer mal wieder an den Probemodellen, erstellte die erste Variante und nähte sie montags in der Nacht – der Vorteil eines dienstreisenden Gatten liegt in diesen nächtlichen Rattereien. Der Nachteil, das sei pflichtschuldigst erwähnt, liegt darin, dass die Kinder grundsätzlich dann krank werden und mich anstecken, wenn der Gatte nicht da ist.

Nun gut, Modell eins sollte ein ganz schlichter, aber sehr typischer Mittdreißiger-Rock werden: wadenlang, sehr schmal und mit mäßig schwingender Weite am Saum; in diesem Fall ausschließlich in der VM. Dazu fand sich ein Romanit-Crêpe (oder Crêpe-Romanit?) in dunkelblau. Schnell genäht, schnell getestet, einen kleinen Fehler gefunden – doch zuviel Länge in der HM-Taille weggenommen, lässt sich mit leben. Aber ein unglaublich bequemer Rock mit schöner Bewegung, durchaus stilecht, wenn ich denn einmal auf farbige Strümpfe verzichten würde und passende Blusen nähte. Ja, ich war sehr angetan. Ha!

Ja, ha! Denn im nächsten Schritt wollte ich die Vierziger auch einmal etwas stilechter nachbauen: dadurch, dass der hintere Abnäher tiefer und schmäler ist als bei meinem Rock auf moderner Grundlage, blieb er auch nach dem  Zulegen der Abnähers und Aufschneiden des Saumes deutlich schmäler als es all meine anderen weiten Röcke sind. Das war schon mal ein Erfolg. Dass ich aber beim Ändern des Vorderteils ein wenig verloren dastand – weil ja kein Abnäher da war und sich die Hüftkurve bei allen möglichen Möglichkeiten sehr veränderte, aber egal, DAS führt nun wirklich zu weit, bitte streichen – half nicht, den Fehler sofort zu erkennen. Den bemerkte ich dann, als ich den Rock anzog: die Silhouette (kürzer als sonst, schmal in der Hüfte, leicht ausgestellt mit sanftem Schwung) stimmte und ich wollte schon jubeln. Was so ein mieses Kellerlicht doch alles bewirken kann. Als ich allerdings die Details – also die unwesentlichen Dinge wie RV und Passform – im oberen Stockwerk betrachtete, war ich eher geschockt als glücklich: das verdammte Ding saß doch sehr, sehr körpernah. Bzw. säße es, wenn es nicht von der Hüfte weg als Wulst auf meine Taille geflohen wäre.

Da saßen wir nun: der Rock auf meiner Taille und ich in der Bredouille. Denn in meiner jubelnden Erfolgsarroganz hatte ich auf breite Nahtzugaben verzichtet, die bei meiner Hüftrundung doch nur Ärger machen würden. Mehr als einen halben Zentimeter auf jeder Seite konnte ich nicht rauslassen. Aber immerhin, das hätte reichen sollen. Und so begab ich mich zurück an den Arbeitstisch – da ich mir vor einiger Zeit vornahm, Projekte nur dann liegen zu lassen, wenn sie absolut und vollkommen hoffnungslos verloren sein sollten. War es nicht und der Stoff, eine wirklich edle Woll-Seiden-Mischung, gehörte zu den geliebten Schätzen. Also trennte ich. Sogar den Bund. Und da sprang er mir in die Augen, der ganz, ganz große Fehler, der sich bei bundlosen Proberöcken und weichen Romanitstoffen verstecken konnte: die VM lief leicht spitz nach oben. Irgendwo, irgendwann, irgendwie hatte ich die Taillenformung falsch ausgeschnitten, abgemalt oder sonstwie verdorben. Und da war er dann, der Moment, der mich zwang, erneut alles zu überdenken und mit Proberöcken zu beginnen.

Und wieder legte ich los: Freitag bis in die Nacht und gestern steppte ich, trennte ich und probierte ich. Ganz dumm übrigens, sowas freitags spät in der Nacht zu tun, nur um dann verzweifelt zusammen zu brechen, weil der Bauch immer größer zu werden schien. Am nächsten Morgen wußte ich: das tat er wirklich; 9 Stunden lang am Tisch zu sitzen und dabei immer wieder Nüsse, Lakritze, Brote und Nudeln mit Käse in sich hinein zu stopfen ist einfach keine gute Idee, wenn man gleichzeitig eine anständige Rockpaßform erarbeiten will. Der Rock, den ich nachts um 23:35 mühsam schließen konnte, sauste am nächsten Morgen an mir herunter. Und das war das erste Mal, dass ich das Gefühl hatte, ich müsse mich wohl zwischen Sack und Pelle entscheiden.

Was ich nicht will, ich will ja die perfekte Balance zwischen beiden. Im letzten Jahr, als ich mich monatelang mit dem neuen Grundschnitt befasste, befassen musste, hatte ich irgendwann entschieden, ich ginge nun den leichtesten Weg. Der Rücken will sich einfach nicht gut anpassen lassen: dann mache ich ihn einfach kürzer und lasse ihn über meiner Taille enden, basta. Nun saß er glatt und der Rock musste sich fügen. Was ich dann dort weitertrieb und die Hüfte so weit machte, dass mein sich nach unten wegwölbender Bauch perfekt überspielt wurde. Dass ich die beiden “engen” Röcke danach nur noch zum Putzen und bald gar nicht mehr trug – es waren einfach Säcke, die mich auf Bildern, vor dem Spiegel und wahrscheinlich auch im wahren Leben einfach nur breiter und formloser machten als nötig.

Die Alternative allerdings – so ich ein wenig mehr Form zeigen will – scheint immer nur die Variante zu sein, bei der ich mehr zeige, als mir gefällt. Diesen Punkt zwischen beiden Extremen zu finden … ich bekomme es nicht hin. Und so habe ich das Gefühl, ich müsse mich entscheiden, was mir besser gefällt und/oder was mich mehr stört. Die körpernähere Variante gefällt mir als Silhouette frontal betrachtet deutlich besser, die weitere ist von der Seite schöner. Was nun?

Ja, ich habe gewarnt, es wird lang! Aber nun doch noch schnell zum Montagsrock. Nur für euch habe ich mich um größtmögliche Stilechtheit bemüht und da ich keine Feinstrumpfhosen im Hause habe, stand ich nackten, kalten, frierenden Beinen im Wohnzimmer und habe die neue Kamera bemüht. Sechs Bilder habe ich geknipst, sechs Bilder kann ich euch zeigen! DAS ist mal ein Erfolg 😀 Fühlt sich doch gleich wieder ganz anders an.

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Mit der Weite/Enge, die ich bei diesem Rock erreicht hatte, könnte ich gut leben – liegt aber vermutlich nur am Romanit, dass es sitzt, wie es sitzt. Seufzend werde ich mich nun in die Küche begeben, um das Mittagsraclette vorzubereiten. Hach, ne …

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Die Wahrheit lässt sich nicht abbilden

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Von mir nicht, von meiner Kamera nicht. Ich bin eh schon übelster Laune, weil ich keine meiner anstehenden Aufgaben ohne eine funktionierende Internetverbindung erledigen kann. Heute nachmittag erwarte ich den Techniker, der alles retten und verbessern soll. Noch sind meine Hoffnungen hoch …

Dass diese meine Laune vielleicht nicht die beste Ausgangslage darstellt, um Bilder von einem der neuen Kleider zu knipsen – hätte ich darüber nachgedacht, so wäre es mir aufgefallen. Da ich mich aber habe überreden lassen, an den nächsten zwei Vormittagen zu arbeiten, bleibt mir gar nicht so viel Zeit in dieser Woche wie angenommen. Also ging es los. Und zwar gleich gut und richtig: alles verschwommen und verzerrt. Egal, mit welcher Einstellung, egal, ob mit Blitz oder ohne und auch egal, ob die Schneiderpuppe als Platzhalter für die Schärfeeinstellung fungierte oder nicht. Zwei erkennbare Bilder kamen heraus. Dann erst einmal Einkäufe erledigen und danach mit der Kamera noch einmal an den alten Platz umziehen. Brachte auch nicht mehr außer einer mirakulösen Vermehrung meiner Haarpracht durch seltsamen Schattenwurf im Blitzlicht – eine 60er-Jahre-Betonfrisur scheine ich zu haben, die hält, ob es regnet, stürmt oder schneit. Oder ein Klavier drauf fällt. Nach insgesamt 45 Bildern blieben 5, mit denen ich einigermaßen leben kann und auf denen man irgendetwas sehen kann. Erkennen wäre zu viel gesagt. Dass meine Stimmung sich seitdem gehoben hätte, kann ich nicht behaupten; ja, ich vermute sogar, dass ich ein wenig Mißmut und Unlust austrahle.

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Was mich aber wirklich ärgert: man kann wirklich nicht sehen, dass es ein hübsches Kleid ist. Man kann nicht einmal ahnen, dass es mir vielleicht doch steht. Stattdessen kann man ahnen, dass ich in der letzten Woche älter geworden bin; man darf sich wundern, wie ich es dabei auf mehr als ein Jahr plus bringen konnte. Was man vielleicht sehen kann, sind die kleinen Fehler des Grundschnittes, die ich dank dieses Kleides erkennen und ausmerzen konnte:

Ich hatte ja im letzten Jahr sehr lange am neuen Grundschnitt gebastelt und wollte dabei vor allem mein Uralt-Problem loswerden: die Falten im Rücken und der seltsame hängende Hinterrock. Dabei hatte ich dann ALLES, vom Vorderteil bis zum Rock an den Rücken angepasst und dabei in Kauf genommen, dass die genähte Taille höher war als die figürliche. Als ich die 62 kg hatte, saß sie ja auch ein wenig höher. Nun schwanke ich wieder zwischen 59 und 60,5 kg und sie sitzt tiefer. Über einen Zentimeter tiefer. Schön konnte man das auch beim dunkelblauen Kleid mit dem Pünktcheneinsatz sehen, dass dadurch fast schon eine A-Linienform bekam.

Wie nun auch immer, ich erwarte sekündlich (hahaha) den rettenden Engel und werde nun für die Brut ein Essen zubereiten, bevor ich mich an ein echtes Frühlingskleid setze. Mittlerweile hätte ich noch vier weitere fertige Teile zu zeigen, aber ich gefalle mir auf diesen Bildern gerade so wenig, dass meine Motivation kurz und knapp unter Null liegt. So eitel bin ich denn doch. Diesmal siegte noch das schlechte Gewissen …

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