Mein Stil? 2. Teil

Weshalb setze ich ein Fragezeichen hinter „Mein Stil“? Weil ich, obwohl ich klug vom Gegenteil spreche, für mich selbst noch immer nach dem passenden Aufkleber suche? Weil ich gar nicht immer das Gefühl habe, angekommen zu sein – denn ich bin hineingerutscht, in das, was ich so trage. Aber so wird es manchen von uns gehen: für Außenstehende sind manche Kleidungsstücke, Farben, Schmuckstücke oder Schuhe ganz klar diese oder jene Bloggerin, Freundin, Kollegin, ja, das habe ich doch sofort erkannt, das bist du! Hmm, bei manchen Dingen war man sich selbst nicht so sicher und manchmal werden einem Dinge unterstellt … so sprach mich vor längerer Zeit eine Bloggerin aus fernen Landen an, die mir versicherte, wir seien Zwillingen, unbedingt. Neugierig betrachtete ich mir ihren Blog und war bass erstaunt, entsetzt, schockiert: all diese Polyjerseyteile in psychedelischen Paisleymustern auf beigefarbenem Untergrund? Miniröcke und Blockabsätze? Gefärbtes Blondhaar? Hatte sie die Falsche angeschrieben? Sehe ich mich falsch? Ehrlich, ich war aufs Tiefste erschüttert …

Nun schätzen wir uns selbst gerne falsch, oft zu negativ, ein; ich für mich benutze das Wort spießig gerne, wohlwissend, dass meine Geisteshaltung eine latent andere ist. Als in der letzten Woche eine meiner „längsten“ Freundinnen durchklingelte, um sich nach meinem Befinden zu erkundigen, fragte sie auch – in einem Atemzug: von außen wird mein handarbeitliches Werkeln und mein Befinden wohl eng verbunden – was denn die Näherei so mache. Ich fand es leicht deprimierend, nicht sagen zu können, ich säße gerade an einem sehr aufregenden kirschrotem Kleid, sondern an einem grauen Flanellfaltenrock und einem ebensolchen Bleistiftrock. Beides klingt doch mehr als nur spießig. So langweilig, unoriginell, konservativ … und obwohl wir uns, meine Freundin und ich, nun seit Jahrzehnten kennen, war ich doch erstaunt, ein spontan-fröhliches „Oh, wow, das wird bestimmt toll, wann kann ich gucken kommen?“ zu hören? Toll?? Ich bemühte sie von der Spießigkeit meines Unterfangens zu überzeugen, aber ihrer Meinung nach – und sie neigt nicht zum Schmeicheln, was ich grundsätzlich jeder positiven Aussage unterstelle, mißtrauisch, wie ich bin (also ehrlich, keine Ironie!) – also ihrer Meinung nach wäre das an mir eben null spießig, sondern elegant und schön. Punkt. Hmmm, so dachte ich wieder einmal bei mir, denn ich hmmmse mir recht oft etwas.

Wie ich zu den kurzen Pullis und den selbstgenähten Röcken kam, hatte ich schon ausgeführt. Taillenkurz sind sie übrigens deshalb, weil meine Figur bei längerem sprich hüftlangem Strick nicht mitmacht: nicht nur sieht eine Hüfte dann am breitesten aus, wenn man sie zu verstecken sucht oder wenn ein Oberteil an der dicksten Stelle endet, nein, auch ein komplett angepaßter Pulli dieser Länge sitzt bei mir nur so lange wie ich mich nicht bewege. Wenn meine Hüften in Schwung geraten, was sie unweigerlich tun, sobald ich einen Fuß vor den anderen setze (ihr kennt das Video vermutlich, ich tue das nicht absichtlich!), zieht sich auch der perfekt taillierte, perfekt sitzende Strickpulli nach oben; weg von all diesen Wellen. Genau da wollen wir Strick ja auch haben: zusammengeknüllt in der Taille. Juhuu!
Aus dieser Tatsache heraus entwickelten sich zwei weitere Vorlieben: entweder den Pulli knapp unterhalb der Taille enden zu lassen oder aber, wenn er doch einmal zehn Zentimeter länger sein sollte, ihn mit einem Gürtel am spazieren gehen zu hindern und auch den Blick wieder von der Hüfte nach oben zu ziehen. Manchmal ergibt das ein gutes Gesamtbild, manchmal stimmt was nicht so ganz. Meist liegt es an einem zu tiefen Ausschnitt, wenn es nicht gut aussieht. Ha! Da habe ich noch eines meiner Geheimnisse gelüftet. Es ist nicht mein unglaubliches Talent für Accessoires, das eher unterentwickelt ist – zeigt mir zehn Bilder von mir mit Schmuck… – Nein, es ist ein billiger Notbehelf. So kann also nicht nur aus Faulheit, sondern auch aus Schummelei ein eigener Stil entwickelt werden. Kein Wunder, dass ich ein Fragezeichen setze, wenn es um meinen eigenen Stil geht 🙂

Von hier aus ist der Übergang zu figürlichen Zwängen leicht, nicht wahr? Ich bin der festen Überzeugung, dass es NICHT möglich ist, eine Besonderheit des Körpers zu verstecken: wenn du sehr dünn, sehr groß, sehr klein, sehr dick bist oder einen großen Busen hast, einen sehr runden Po, eine Adlernase, zehntausend Sommersprossen hast, dann wirst du das nur mit sehr viel Aufwand verstecken können und dieser Aufwand wird das Ergebnis niemals rechtfertigen. Nun sehe ich persönlich auch keinen großen Nutzen darin, ein Leben lang gegen Sommersprossen, fehlende Zentimeter und treue Kilos anzukämpfen und sich nicht oder nur verkleidet unter die Menschheit zu begeben.
Versteht mich hier nicht falsch: ganz klar kann man vorzüglich unter dem leiden, was Mutter Natur einem ins Körbchen gelegt hat – ich bin die größte Jammerin unter der Sonne, breche gerne mal innerlich zusammen, wenn ich mich im Spiegel sehe oder Bilder von mir sichten muss. Irgendwie weiß ich aber auch, das bin ich nun mal und ich mag ich ja doch, irgendwie, manchmal, so’n bißchen 😉 Geht schon, halt. Und ich finde Frauen vor allem dann schön, wenn sie – auch abseits von gängigen Idealen – das Beste aus sich machen. Nur, was ist das Beste?
Da kann ich auf Nummer sicher gehen und mich brav nach all den Tipps richten, die sich überall finden lassen: bedecke dies, betone das, trage jenes, lass was anderes. Ich kann mich durch Listen für kurze Hälse, dicke Arme, dünne Beine, breiten Hüften, runde Pos und kleine Busen wühlen und dann verhüllen, verdecken, einschnüren, um all das, was ich so habe, dem ewigen Ideal der Sanduhr anzunähern. Ich kann das auch hübsch bleiben lassen – es kommt eben darauf an, wie wichtig mir die Wirkung nach außen ist. Und es ist vollkommen in Ordnung, sich entweder sehr darum zu scheren oder sich einen feuchten Dreck darum zu kümmern, was die anderen denken. Nur sich selbst ist man Rechenschaft schuldig, da sollte man schon ehrlich sein.
Wie ist das bei mir, wie wichtig ist mir die Außenwirkung? Es wäre mir beispielsweise sehr unangenehm, als ungepflegt zu gelten. Ich kann damit leben, also arrogant klassifiziert zu werden – was ich nur sehr selten bin. Graue Faltenröcke allerdings tragen zu einem solchen Eindruck bei. Auch meine „Spießigkeit“, mein Anderssein so ohne Jeans und Turnschuhe stört mich nicht. Es kommt vor, dass ich angeschaut werde – manchmal sehr freundlich, manchmal geradezu ängstlich, manchmal sauer. Die Motive für derlei Blicke sind vielfältig, und sind mir oft egal. Es gibt aber auch die unauffälligen Tage, an denen ich mich nicht wohl fühle und nur unsichtbar sein möchte – nun finde ich meine Kleidung alles andere als auffällig oder gar besonders. Und an solchen Tagen frage ich mich doch – sehr ängstlich und wütend – was die doofe Kuh gerade eben sich wohl gedacht haben mag, als sie mir mit diesem Sauertopfgesicht und kopfschüttelnd hinterschaute – was zum Teufel habe ich der eigentlich getan? Es hängt also von der Tagesform ab, wie ich wahrgenommen werde, ob ich wahrgenommen werden möchte und wie sehr es mich stört, wenn es passiert, nicht passiert. Als Tipp kann ich weitergeben für all diejenigen, die sich aus Jeans und Treter nicht heraus trauen: es hilft enorm, wenn man quasi ein Ziel hat. Nicht nur kleidungstechnisch oder philosophisch betrachtet, sondern wahrhaftig, wenn man in einem unüblichen Aufzug (Vintage? Enge Kleidung, üppige Kurven? Roter Mantel? Was auch immer) unterwegs sein will oder muss. Ich beispielsweise besorge in unserem Hobby-Garten-Baumarkt mein Nähgarn, wenn es schnell gehen muss. Mit hohen Hacken, wehendem Rock und türkisfarbenem Pulli plus rote Lippen bin ich da vielleicht auffälliger als ich es eigentlich möchte – zur Ehre der Besucher dort sei gesagt, dass ich meist freundlichst angelächelt werde 🙂 – und an manchen Tagen fühle ich mich exponiert. Also gehe ich ohne links und rechts zu schauen flotten (ähm klappernden Schrittes) auf meine Abteilung zu, schnappe mir, was ich benötige und stolziere arrogant (denn so muss es wohl wirken) wieder heraus. Das hilft an solchen Tage sehr, Arroganz ist der billigste Schutz und er ist verdammt gut.
An all den anderen Tagen schlendere ich mit nur 100 km/h, lächele jeden, der schaut, gnadenlos an und plaudere mit allem, was mir im Weg steht – und freue mich über all die positiven Reaktionen. Gestern beispielsweise war ich dort und richtig gut drauf und mir kam am Ausgang eine Dame entgegen mit graugewelltem Haar, zart geschminkten Gesicht und perfekt abgestimmter Kleidung in beige und grau, getoppt mit einem sehr fluffigen, zarten Rüschenschal; sie wird in ihren späten Fünfzigern zu sein. An ihrem Gesicht ließ sich ablesen, wie fehl am Platze sie sich vorkam, denn so ziemlich jeder blickte ihr nach oder zu ihr hin. Ich konnte gar nicht anders, als ihr im Vorbeigehen zu sagen, wie toll sie aussähe. Vollkommen verdattert erst, dann hocherfreut bedankte sie sich und ging dann wesentlich entspannter weiter. Ha, und jetzt bin ich für heute komplett vom Pfade gewichen 😉
Also Thema für die nächste Stunde ist dann Figur und Stil und wenn ihr schon mal was dazu sagen wollt: bitte her damit!

Damit ihr aber auch nicht neugierig bleiben müsst von wegen grauer Faltenrock:

Yepp, ich finde grau in grau schön 🙂

Und nur für euch: Schmuck. Nur wie zeigt man so etwas in einem Bild angemessen? Ich und posieren, das wird nichts mehr 😉

Grau kann auch anders, aber für mich funktioniert das nicht jeden Tag – heute eher nicht.

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Mein Stil?

Ein großes Thema, wenn es um die Findung des eigenen Stils geht, ist die Vereinbarkeit von Alltag, Vorstellung und Einkaufsmöglichkeit – selbst, wer näht und strickt, ist auf Schuhe, Wäsche, Strümpfe, den passenden Stoff, die richtige Wolle angewiesen. Und das will gefunden werden, was wir uns vorstellen. Dazu habt ihr schon Beispiele gegeben und diese Unmöglichkeit, warme, rote und schöne Stiefel (in einem einzigen Paar!) zu finden, oder der enge Zeitplan, dem man als pendelnde, berufstägige Mutter unterliegt, wirken sich negativ auf den gewünschten Stil aus. Geht auch mir so: da sind schöne Kleider und Röcke beendet und warten auf Ausgang, aber ein Paar Schuhe, die dazu passen und auf denen man seinem Alltag nachgehen kann, sind nicht aufzutreiben. Ohne Kompromisse geht es nicht, aber aus derlei Stolpersteinen kann sich wiederum etwas ganz Eigenes entwickeln.
Nun ist der eigene Stil ja nichts, was man am Reißbrett im stillen Kämmerlein entwickelt, um ihn dann am nächsten Tag mit einer Einkaufstour durch die einschlägigen Filialen umzusetzen. Den guten Stil mit seinen klassischen Versatzstücken kann man wohl planen, der eigene muss sich entwickeln – das kann dauern. Nun habt ihr euch darum Gedanken gemacht, wer ihr sein und was ihr braucht. Nun macht ihr euch Gedanken, wie ihr wahrgenommen werden wollt. Oder eben auch nicht. Wer gar nicht beachtet werden will, hat es schwer, denn ihr könnt nicht beeinflussen, was andere sehen und denken 🙂 Es gibt Dinge, die lassen sich nicht ändern – da sind wir wieder bei den grünkarierten Maiglöckchen. Trage ich rotes Lackleder, am besten noch in Form eines geschnürten engen Rockes, dann darf ich mich nicht beschweren, dass ich einer bestimmten Berufsgruppe zugeordnet werde. Laufe ich in Reithosen durch den Wald, wird jeder vermuten, ich käme aus dem Reitstall. Mit diesen Assoziationen könnt ihr spielen, ihr könnt euch dainter verstecken, ihr könnt sie enttäuschen. Macht euch nur klar, dass alles, was ihr tragt, von anderen eingeordnet werden wird. Will sagen: überlegt euch, wofür ihr nicht gehalten werden wollt 🙂

Der eigene Stil kann sich auch aus Fähigkeiten oder Unfähigkeiten entwickeln, aus Spaß am Experiment, aus Faulheit, aus Versehen: ich füge mich jetzt mal als Beispiel ein, bevor ich dazu komme, wie denn nun Figur, Aussehen, Alltag den eigenen Stil beeinflusse oder bestimmen. Mein Stil ist im Grunde immer der Gleiche gewesen, wenn er auch nicht immer sichtbar war. Immer schon hatte ich eine Vorliebe für das sehr Klassische, eine Neigung, einfach das zu tragen, was ich vorher als Guten Stil definiert hatte. Blöderweise sah vieles an mir nicht gut aus: weiße Blusen, schwarze Kleider? Gar nicht gut. Die Phase Anfang meiner Zwanziger, alles in Beige, Sand und Apricot zu haben (weil ich mir auf dem Kreuzfahrtschiff die Haare mit Henna hatte knallrot färben lassen – so kann eine spontane Idee den eigenen Stil massiv bestimmen oder verirren), war keine gute Phase: in nichts sehe ich so tot, so gesetzt, so spießig aus. Eine Schwangerschaft mit 12 Kleidungsstücken zu überstehen, von denen höchstens die Hälfte dem entsprach, was ich tragen mochte – uih, das wirkte sehr (ver)störend. Mit 30 Kilo mehr auf den Rippen ein halbes Jahr stillfreundlich gekleidet sein zu müssen: nicht die beste Zeit für einen guten Stil. Was immer mir in Woche 3 nach der Geburt passte, war zu groß in Woche 5. Ich griff eigentlich nur noch nach Kleidungsstücken, in die ich irgendwie passte. Von da aus in das übliche Mutti-Outfit von Jeans, Pulli und flachen Tretern war schon vorgegeben, nur dass in meinem Fall erst noch einmal der Griff zu den 12 Schwangerschaftsklamotten anstand – das Ganze noch einmal von vorne. Bis ich dann nach drei Jahren wieder in eine meiner Jeans passte und nicht in die des Gatten, war mir stiltechnisch gesehen alles egal.

Ich hatte den Großen gerade abgestillt, als ich wieder mit dem Stricken begann und mir auch ein paar luftig-weite Sommerröcke zulegte. Wie gesagt, dauerte diese Phase nicht lang an; 12 Wochen später war ich wieder schwanger und das Stricken lag vorerst erneut auf Eis. Aber nachdem Tommy abgestillt war, hing ich schnell wieder an der Nadel und im November 2007 entdeckte ich meine erste Strickanleitung aus den Dreißigern: Daliet (sind doch alle bei Ravelry hier, oder?)

Meine Haare waren dünner geworden, ich sah unglaublich fertig aus, hatte einige nicht so gute Friseurinnen erwischt und hing in den Seilen – Pony? Ich? Gruselig. Sogar abgeschnitten wurden sie, was ich sofort bereute, nachdem die Friseurin mir das Werk mit den Worten „Pfiffig, frech und witzig“ präsentierte. Will ich witzig aussehen? Ich mag was Witziges sagen, aber das alle Welt in hilfloses Lachen ausbrechen soll, wenn ich auf die Straße trete … nein, das wäre mir nicht recht. Und pfiffig? Sollte dieses Wort nicht schon seit Jahren aus dem Wortschatz gestrichen sein? Pfiffig? Und frech? Freut sich die Verkäuferin, die ich um einen Umtausch bitte, wenn ich das auf freche Art tue? Und überhaupt passten diese kurzen Haare zu gar nichts, was ich trug; und noch weniger zu dem, was ich tragen wollte, hatte ich doch die Dreißiger in Form von Strickpullis für mich entdeckt. Schwerer Irrweg. (Das muss ich mir jetzt ganz deutlich sagen, bin gerade ganz unzufrieden mit meinen Haaren. Nicht kurz schneiden!!) Alles, was ich trug, wirkte auf einmal sportlich oder wie aus einem fremden Kleiderschrank entwendet. Ihr könnt nicht viel erkennen, aber als Impression:

Nachgeschnitten wurde nicht, so besserte sich die Optik bald:

Die Haare wuchsen auf Ohrlänge und mittlerweile strickte ich nur noch die kleinen Pullöverchen. Wahrscheinlich würden die meisten von euch sagen: ja, das ist dein Stil, daran erkenne ich dich, ganz deines: taillenkurz, kurze Ärmel, hochgeschlossen, körpernah, sehr Dreißiger/Vierziger. Wenn ich euch nun sage, wie das kam, dann werdet ihr verstehen, was ich mit Stil aus Faulheit heraus meinte 😉 Bis zu Daliet war ich eine der Strickerinnen, deren MP zwischen 16 und 22 Maschen liegt; in dieser Garnstärke befinden sich die meisten angebotenen Wollen heutzutage. Wenn ich auf eine Anleitung stieß, die bei 22 Maschen lag, wurde mir schon mulmig, das dauert ja soo lange. 24 Maschen waren schon eine Qual und nun 28? Da musste ich ganz schön schlucken und nach wie vor liegt meine Schmerzgrenze bei etwa 130 M/R.
Und dann noch lange Ärmel – da schrecken mich nicht die vielen Reihen bis nach oben, sondern die Langeweile beim Stricken eines nur minimal geformten ewigen Rechteckes (weshalb ich auch kaum Schals besitze). Ich brauche immer Abwechslung, muss schnell mit Dingen fertig werden können und so fühlte ich mich von all den kurzen Ärmelchen in Vintageanleitungen angesprochen. Meine durchschnittliche Fertigungszeit für einen Pulli lag damals bei etwa 8 Tagen und alles, was länger dauerte, langweilte mich schnell, wenn es nicht besonders viel bot an Muster oder Schnittführung. Dazu mag ich lange Ärmel an mir gar nicht, wenn etwas um mein Handgelenk herum liegt, werde ich wahnsinnig. Ärmel über dem Ellebogen sehen schnell durchgewetzt aus, es pillt dort schnell und stark – weshalb also das kostbare Material so unnütz quälen? Ich trage „meine kurzen Dinger“ (Zitat Eva am Samstag 😉 ) eher zufällig und eher zufällig fand ich das, was zu mir passt, was mich widerspiegelt. Was genau das über mich sagt? Keine Ahnung. Spießige Tussi vielleicht?

Nun hatte ich eine Schublade voll von taillenkurzen Pullis und die Läden hingen immer noch voll von Hüfthosen und -röcken, die ich eh hasste, weil sie genau auf meiner breitesten Stelle saßen, da quetschten und ungünstig betonten. Das war nun sicher nicht mein Stil: Quetschhüften, zehn Zentimeter nackte Quellhaut und dann ein biederes Pullöverchen. Nächster Schritt: ich nähe mir einen schmalen Rock dazu. Pure Verzweiflung mit dem Nähen anzufangen. Egal, wie die Röcke auch verarbeitet waren oder wie sie saßen: es sah besser aus. Und auf einmal sah ich anders aus als alle anderen in meiner Umgebung. Turnschuhe oder flache Ballerinas dazu sahen gar nicht aus: so wuchsen mir Absätze. Dass diese nun auf manchmal 12 cm angewachsen sind, ist nicht ganz freiwillig: es gibt einfach keine Schuhe mehr, die bei 8 cm liegen; entweder dicke kurze Absätze, die mir gar nicht stehen oder aber Plateau und Riesenabsatz, die immerhin modern sind. Auch aus den Gegebenheiten entwickelt sich ein Stil …

Damit bin ich noch nicht am Ende, muss aber jetzt Kind zwei samt Freundin von der Schule holen, später noch Kind eins samt Freund – macht heute vier Kinder, zwei Geschwisterpaare in unserem Haus. Total entspannend! Da hilft nur stricken. Meine Nähpläne sind noch vorhanden, nur langweilen sie mich etwas und ärgern mich zu dem (blöder Mantel, blöder, blöder Mantel!). Die beiden Röcke, von denen ich vor ewigen Zeiten sprach, sind im übrigen fertig und tragbar. Die liebe Eva kann zum Faltenrock etwas sagen; ich zeige euch schnell den schmalen Rock – Quintessenz meines Stils? Habe ich einen? Welchen? Weiß ich selbst nicht 😉 Ich sehe nur, dass ich unglaublich alt, müde und fertig aussehe, der Rock aber nach schon zwei Tagen Haushalt und Autofahren sich anständig verhält, trotzdem der Wollstoff für einen Wollstoff arg knittrig ist. Mein Geschreibsel ist heute auch knittrig. Einfach nicht mein Tag heute, man sieht es deutlich:

Die neue Kamera und ich: so langsam wird es. Nur finde ich ihren Blitz gemein. Er ist hell, so hell, dass ich danach blind schwanke. Als beste Einstellung hat sich bei mir – wie peinlich ist das? – die Einstellung „Kinder und Tiere“ erwiesen: mit Verwacklungsschutz und langer Belichtungsdauer, weil die lieben Kleinen ja nicht still halten können. Die letzten beiden Bilder sind versuchsweise mit „Portrait“ aufgenommen und entsprechend unscharf. Es muss auch schmeichelhafter gehen, denn gar so glänzend-bleich und geisterhaft sehe ich zumindest am frühen Vormittag nicht aus … hoffe ich. Eva???

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Weitere Stilgedanken

Ich komme mit meiner gedanklich geplanten Chronologie, was ich wann anspreche, ins Schleudern, denn von euch kommen fantastische Stichworte, die mich in alle möglichen Richtungen treiben. All eure Kommentare lese ich sehr sorgfältig und bringen mich weiter, aber auch weiter weg; dann sitze ich am Heiligen Abend noch hier und versuche zum Kern zu gelangen – das will ich euch nicht antun. So habe ich mir überlegt, ich werde am Ende meiner ungemein bedeutenden Betrachtungen einen Beitrag schreiben, der eben jene Stichworte aufgreift, die so inspirierend sind. Also: gebt mir Feuer!

Man könnte sich fragen, weshalb – zum Henker nochmal! – erzählt sie mir nun nicht endlich, wo ich meinen eigenen Stil herbekomme. Oder erklärt mir, welche Listen ich abarbeiten muss. Oder warum das wichtig sein soll. Oder wie das mit dem Alltag vereinbar ist. Und welche Teile ich im Schrank haben muss.

Weil, gehe ich davon aus, dass sich manche der vielleicht stillen Leserinnen diese Fragen stellen, ich merke, wir sind noch nicht soweit 🙂 Lasst mich wie immer meinen Disclaimer einwerfen: alles nur meine Meinung und auch meine Definition bekannter Begriffe. Das soll euch anregen und inspirieren, euch die Zeit vertreiben, zum Widerspruch anregen oder bestätigen – und so zwei-, dreimal im Jahr ist es mir ein Bedürfnis, etwas zur Diskussion bereit zu stellen und nicht nur Bildchen von mir zu zeigen, wie ich kamerascheu und genervt vorm Bügelbrett stehe. Also: meine Begrifflichkeit von Stil ist nicht zwangsläufig die, die ihr in der Vogue oder der Brigitte finden werdet. Disclaimer Ende.

Über meine Unterscheidung Guter Stil – Eigener Stil habe ich schon gesprochen und für mich führt diese Unterscheidung und die erbetene ehrliche Wahrnehmung der eigenen Persönlichkeit – NICHT der Figur! (erstmal nicht) – zum nächsten Punkt:
Der gute Stil lässt sich mit klassischen Versatzstücken, also den üblichen weißen Blusen, kleinen Schwarzen, Bleistiftrock, perfekt sitzende Jeans in dunkler Waschung etc., erlernen; seine Quintessenz ist nach meiner Definition: Außenwirkung! Ich will mit meinem Anblick niemanden weh tun oder Angst machen, ich will keine Begeisterungsstürme einer hysterischen Modemeute hervorrufen, ich will mich in die Gesellschaft einfügen, nicht herausstechen, ich will einen angenehmen, sympathischen Anblick bieten, ich will einen gewißchen Bildungsstand und soziale Kompetenz ausstrahlen. Das nicht aus einer Gesellschaft heraus stechen ist für die gut gekleidete Dame (schreit die Auflistung nicht geradezu nach dieser Vokabel? Dame?) schwierig zu erreichen – in den meisten Stadtbildern fällt solch eine Person auf. Punkt. Aber angenehm.

Im Grunde ist der gute Stil eine Stilrichtung unter vielen, aber eben die bestimmende, der gemeinsame Nenner; es ist ein bißchen wie mit der Sprache: das Hochdeutsche ist eine Variante der deutschen Sprache, ebenso wie Bönnsch und Alemannisch und Bayrisch und Plattdüütsch – aber eben diejenige, die alle verstehen, alle irgendwie sprechen könnten und die keinem wehtut. Und beides trägt zur Außenwirkung – wie nehmen andere mich wahr? – bei. Und diese Außenwirkung ist es, die mit unserer Persönlichkeit in Zusammenhang steht: wieder kommt der ehrliche Blick in der Spiegel, bei dem ich mich fragen muss, wie wichtig mir diese Wahrnehmung meiner Person ist. Und jetzt bitte nicht gleich denken: so wichtig ist mir das nicht, wer mich nicht mag, soll halt weggucken! Das wäre nicht ehrlich. so hätten wir es gerne alle, aber gleichzeitig wollen wir doch, dass wir mit dieser Haltung als tolle Person betrachtet werden: so unabhängig, so freundlich, so gut aussehend, so individuell – hach … oder? Was soll ich sagen: da steht die eierlegende Wollmilchsau auf der grünen Wiese mitten in der Stadt und frißt grünkarierte Maiglöckchen im September.

Denn wir leben alle miteinander, helfen einander, stehen in Konkurrenzsituationen, erbitten Hilfe, gewähren sie – und das äußere Erscheinungsbild spielt immer eine Rolle (über den Umgangston haben wir schon gesprochen). Dem einen Menschen ist es wichtig, unauffällig zu bleiben, der andere will unbedingt wahrgenommen werden. Der eine ist schüchtern, der andere eine Rampensau. Bin ich nun im Grunde meines Herzens jemand, der froh ist seine Ruhe zu haben, dann werde ich mit einem exzentrischen Kleidungsstil eben das kaum erreichen können. Auch der Unterschied: lebe ich in einer vielleicht sehr engstirnigen Dorfgemeinschaft oder in dem unglaublich hippen Künstlerviertel, spielt eine Rolle. Will ich in beiden unauffällig bleiben, dann passe ich mich an, trage eben vielleicht Jeans und T-Shirt oder knallbunte Wallewallegewänder – wie meine Nachbarn. Will ich in beiden Umgebungen herausstechen, so wäre ein Kleidertausch – Wallewalle im Dorf und Jeans im Künstlerviertel – vielleicht schon die Lösung. Ihr seht: mit eurem Stil seid ihr nie alleine.

Aber in den meisten Fällen sind wir nicht so extrem, dass wir nie gesehen werden wollen oder immer auffallen müssen. Und die meisten von uns leben mit ganz normalen, netten Menschen zusammen, die die gleichen Probleme haben wie wir. Und meistens den gleichen Inhalt im Kleiderschrank. Also höchst individuell. Meist in einem Stil, der sich mit Namen kaum benennen lässt, eher schon mit Uniform: irgendeine Jeans, irgendeinen bequemen Schuh, irgendein Oberteil und irgendwas drüber. Der eigene Stil wird dann vielleicht mit einem Ohrstecker, einem versteckten Tatoo oder eher in der Einrichtung ausgelebt. Sind wir nun nicht wieder sehr, sehr traurig? 😉

Also steht nun an, neben die ehrlich betrachtete Persönlichkeit die ebenso ehrliche Antwort zu stellen: Wie sollen eure Mitmenschen euch wahrnehmen? Ist euch wirklich wichtig, irgendwie anders zu sein? Denn auch das muss man ehrlich betrachten: es gibt Menschen, die wollen nicht einmal gut gekleidet sein, weil es viel zu auffällig (geworden) ist. Es gibt Frauen, die vollkommen damit glücklich sind, ihren guten Stil zu haben. Es gibt andere, die auf alle Fälle auffallen wollen. Und wieder andere, die das vielleicht nicht wollen, aber damit leben können, damit Inneres und Äußeres deckungsgleich sind. Und alle, alle sind gleich wertvoll. Was davon wollt ihr, willst du für dich haben?

Denn der eigene Stil ist ein weites Feld: nehme ich den Guten Stil als Basis (und egal, was ich im Absatz vorher gesagt habe – das ist bei fast allen, die nähen, sticken, stricken, häkeln der Mindestanspruch 😉 ) und gebe ein theatralisch geschminktes Gesicht mit einem knallroten Ballerinaknoten im Nacken dazu – dann habe ich schon einen sehr eigenen Stil. Diese Frau begegnet mir in unserem Stadtteil alle drei Monate; ich nehme stark an, dass sie vor gut 20 Jahren auf der Bühne stand. Sie fällt auf, trotz der eher zurückhaltenden Kleidung. Oder ich nehme eine aparte (Eva, ich liebe dieses Wort auch sehr!) Frau, die immer gut gekleidet ist in edlem Kaschmir, in Anzug und Kostüm, schlicht geschminkt, Haare perfekt geschnitten und gebe ihr einen Tick mit: immer zu allem etwas Grünes dabei zu haben, weil das ihren inneren Frieden sichert. Das ist der grüne Jadering, der grüne Gürtel, das grüne Armband, ein grüner Schal – es ist nicht jeden Tag das gleiche, aber begegnet dir diese Frau täglich im Bus, bei der Arbeit, dann wird es irgendwann offensichtlich und du beginnst schon zu suchen, was es heute ist, das grüne Teil. Ganz eigener Stil. Diese Frau war eine meiner ersten Kundinnen, insgesamt eine tolle Person und sie hat sich gefreut, dass ich sie irgendwann darauf ansprach. Oder nehmen wir die große, schlanke Frau mit den aufregenden Kurven, die Tag für Tag im strengen Anzug und den flachen Schuhen stecken – aber die sehr langen blonden Haare wellen sich über Arme und Rücken und das mit der größten Selbstverständlichkeit, ohne dass ständig daran gezuppelt und gedreht wird. Ganz eigener Stil.

Der eigene Stil kann also schon in Kleinigkeiten bestehen. Aber nicht in der Idee, ich motze mein Businessoutfit einfach mit einer Tonne Modeschmuck auf – es ist die Kleinigkeit, die euch wichtig ist. Die Brosche mit der Kamee von der Großmutter, die egal, ob passend oder nicht, täglich aufgesteckt wird. Selbstgestrickte Schals in bunten Farben. Oder eben – einfach für uns eigentlich – die Kleidung, die selbsthergestellt neben der Mode oder einer Strömung herläuft. Der fünfzehnte Valeskarock ist also nur in den seltensten Fällen eigener Stil. Was er aber auch gar nicht sein muss oder will.

Ein eigener Stil kann einem aber auch aufgedrückt werden; Steffi hat es irgendwie angedeutet: falle ich körperlich aus einer Norm heraus, dann werde ich immer auch auffallen. Und damit muss ich umgehen lernen. Bin ich 1,95 groß, kann ich mit flachen Schuhen, knickebeinig und bucklich herumlaufen – ob das aber weniger auffällig ist? Bin ich sehr dünn, dann muss ich sehr lautes Getuschel ertragen lernen. Bin ich sehr dick, dann folgen mir die Blicke und jeder Bissen wird mir in den Mund gezählt. Meiner Meinung nach hilft da eben nur, nach vorne zu preschen: ich werde aus einer solchen Gabe der Natur nur selten das Gegenteil zaubern können. Auch Beschwerden in Richtung böse Gesellschaft, böse Schuh- und Bekleidungshersteller helfen mir nicht weiter: wir Menschen sind von der Natur darauf geeicht, Norm und Durchschnitt (die Gesundheit und Fruchtbarkeit widerspiegeln) schön zu finden, uns bei diesem Anblick wohl und sicher zu fühlen. Alles außerhalb der Norm bringt Verunsicherung, Ablehnung oder zumindest Neugierde mit sich. Es tut mir leid, damit müssen wir uns abfinden. Punkt. Wer betroffen ist, sollte wirklich, wirklich versuchen, daraus einen Pluspunkt zu machen, es als Herausforderung zu betrachten: Mutter Natur will, dass du auffällst 🙂

So, wie immer habe ich mich treiben lassen und das alles für eine Aussage, die sich leicht zusammen fassen ließe: Macht euch Gedanken darüber, wie ihr gesehen werden wollt. Und denkt daran, dass wir nicht das Traumbild unserer Kindheit werden wollen, sondern wir wollen als die Person gesehen werden, die wir sind. Wieviel ihr davon zeigen wollt, was davon sichtbar sein darf – das entscheidet über die Art, in der wir uns präsentieren. Bin ich eine romantische Person und möchte das zeigen, dann ist ein puristischer Look eine Verkleidung. Bin ich ein nüchterner Mensch, der schnell kühle Entscheidungen fällen muss und laufe dann in rosa Rüsche herum, so werde ich vermutlich als Heuchler wahrgenommen, der sich einschleimen will, um dann zu verletzen (Dolores Umbridge 😉 ).
Also macht euch Gedanken. Und teilt sie mit mir.

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Stilistisch gesehen

Als ich heute Morgen aufwachte, stand sofort die Frage fordernd vor mir: „Und? Wie führst du das Thema Stil nun fort?“ und grinste hämisch. Mir fielen die Stichworte Blaugrün, apart und Authenzität ein, außerdem Unsicherheit und Verkleidung. Tja,hmmm, wie nun …?

Letztendlich möchte, muß ich etwas klären – noch einmal, sicher ist sicher: es geht mir ü-ber-haupt rein gar nicht um Stilregeln oder gar Stilbefehle. Und ich will niemanden vorschreiben, wie sie auszusehen hat. Aber dennoch packt es mich manchmal beim Wandern durch unsere Bloglandschaft, beim Spaziergang durch die Stadt. Ich sehe eine Frau und denke: „Oweh, geht gar nicht!“ Oder: „Hach, was man aus der alles machen könnte …“ (Es ist sinnlos, mich zu fragen, wo, wann und bei wem ich das dachte 😉 ) Es ist einfach der professionelle Ehrgeiz, der mich dann gepackt hat. Ich habe so unendlich viele Frauen kennengelernt und manche von ihnen kamen direkt mit dem Wunsch nach Hilfe auf mich zu. Sie konnten ein blaues Rot nicht von einem braunen unterscheiden, wußten nicht, ob rosa und ocker besonders schön zusammen waren oder eher nicht oder ob der Rock ihnen stand. Die eine belastete es, die andere weniger, aber sie wünschten sich Regeln, um entspannter mit der Bekleidungsfrage umgehen zu können.
Andere erzählten, wie unwichtig, langweilig, nutzlos, häßlich und traurig sie sich fühlten. Da könnte man sich Hilfe für die Seele holen; aber ich habe nun einmal eine Schönheitsfarm geführt und war gefragt worden. Und durfte lernen, dass eine Frau, die gerne in den Spiegel schaut, einen Raum selbstbewußter betritt, dadurch anders wahrgenommen und behandelt wird und letztendlich zufriedener werden kann (nicht muß!). Das waren ganz klar die Fälle, an denen ich Spaß hatte, in die ich Stunden meiner Freizeit investierte und oft mit langjähriger Freundschaft belohnt wurde. Da gibt sich jemand in deine Hände und du findest die perfekte Nagel- und Brauenform, rufst deine Friseurin an und organisierst eine abendliche Boutiquenrunde, du findest die perfekten Farben, peelst, cremst, badest und massierst, bringst sie dazu, sich rundum wohl und glücklich zu fühlen und zeigst ihr das Endergebnis – ein Anfang war gemacht, dem natürlich eines fehlte: das ganz Eigene, was dir niemand, niemand geben kann. Beim Besuch im nächsten Jahr war es dann meist da. Und da schließe ich am letzten Beitrag endlich an:
Guter Stil lässt sich lernen, den Eigenen muss man finden.

Ich hatte euch Links zu ganz unterschiedlichen Bloggerinnen gegeben und wenn ihr sagen müsstet, was sie verbindet, wäret ihr dann mit mir einig, dass das Authenzität ist? Nicht die authentische Kleidung der Vierziger oder die echte Marke – sie tragen ihre Persönlichkeit, ihre Essenz verwandelt in Hosen, Röcke, Kleider. Von Kopf bis Fuß sind sie stimmig und ein Ausrutscher, der jeder immer mal wieder dazwischen kommt, wird nicht nur von ihr, sondern auch von uns gleich erkannt: nicht, weil ihr etwas nicht steht, weil irgendeine Regel übertreten wurde – sondern weil sie es nicht ist. Was so leicht klingt, ist schon schwer zu erklären: wie, das ist sie nicht? Müsste man den Finger darauf legen, was an einer falschen Hose, einem ungeliebten Kleid nicht stimmt – es ist manchmal nicht zu sagen. Es fühlt sich nur einfach falsch an.
Eigener Stil braucht Zeit und vor allem eines: Persönlichkeit bzw. das Wissen um die eigene Persönlichkeit. Mit Anfang 20 sind die meisten von uns noch nicht so weit, einen eigenen Stil zu haben. Oft ist man im besten Falle gut angezogen, manchmal einfach nur schräg (was mit „Eigenem Stil“ verwechselt werden kann), weil man noch gar nicht weiß, wohin es mit einem so gehen soll. Weil man testet, probiert und spielt. Auch wenn das Leben sich ändert – Kinder kommen, die Wechseljahre, eine Krankheit – kann das so sein. Man verliert sich selbst schon einmal aus den Augen, hadert mit dem Altern oder aber findet sich sein ganzes Leben nicht so recht, bleibt in einer Testphase stecken, verrennt sich immer weiter und hofft nun auf ständige Bestätigung von außen: kann ich das Hängerkleidchen mit den süßen Prilblümchen noch tragen? Bin ich noch zu jung für den Smoking? Gehen Karnevalskleider an Weihnachten als originell und eigen durch? Schwierig, schwierig – oder?

Der Eigene Stil ist nicht festgemeißelt, er entwickelt sich aus den unterschiedlichsten Faktoren heraus, er geht mit eurem Leben mit. Phasen, in denen man vor dem Kleiderschrank und feststellt: „Wie zum Teufel kommt dieser Mist da hinein? Das bin ich doch gar nicht!“ gehören dazu. Wie damit umgehen? Ein erster Weg wird wohl Meikes Kopfkleiderschrank sein. Ganz enthusiastisch wird dann geträumt, was man als Kind schon mochte, was man immer haben wollte und oft habe ich erlebt, dass dabei die kleine Blonde sich als die große Rothaarige sieht, die Dicke als die Dünne, die Dünne als die Sportliche, die Sportliche als Märchenprinzessin, die Prinzessin als Vamp, der Vamp als Kanzlerin, die Kanzlerin als … ähm, ja hier versagt auch meine Phantasie 😉
Was ich sagen will: in diesen Vorstellungen geht es oft um sich als eine völlig andere Person und nicht um das, was ich gerne AN mir als die Blonde, Dicke, Dünne, Sportliche, die ich nun einmal BIN, sehen würde. Meist wird dann in diesem Enthusiasmus ein Versuch gestartet, eben jenes Traumteil zu nähen, zu kaufen und zu tragen. Es fällt nicht schwer, sich die heftige Bruchlandung auf dem Beton der Wirklichkeit vorzustellen, wenn das Ergebnis betrachtet wird – und dann kommen die Wenn’s und Aber’s: „Hach ja, ich bin ja auch ständig auf dem Spielplatz, da muss ich doch Jeans tragen, es geht halt alles nicht, es ist zu traurig.“ „Ich gehe ja gar nie auf den Opernball, da braucht es auch kein Kleid.“ „Ich bin eben viel zu dünn, zu alt, dick, jung, rothaarig, unpraktisch, verantwortungsbewußt, langweilig, beschäftigt, blablabla… um so etwas zu tragen.“

Der Traum ist geplatzt, das Experiment gescheitert und als Fazit bleibt: Siehste, mir steht halt gar nichts, bleibe ich eben unsichtbar. Trage ich halt, was alle tragen. Dann bleibe ich unter meinen Möglichkeiten. Sind wir jetzt nicht alle ganz traurig, wenn wir uns das vorstellen? Denken wir nicht, wenn wir durch eine Innenstadt gehen, wie trist es doch aussieht? Fällt uns nicht jede noch so schlicht, aber gut gekleidetete Frau auf? Leuchtet nicht manchmal sogar eine heraus? Wem das so geht, der gehe bitte sofort wieder zurück in der Kopfkleiderschrank – und mistet aus! Denn neben diesen Kleiderschrank stellt ihr bitte einen großen Spiegel in einem hellen UND freundlichen Licht, lächelt hinein und seht die Person, die ihr SEID und nicht die, die ihr mit 8 Jahren einmal sein wolltet. Ich wollte entweder eine schwarzhaarige Zigeunerin mit dunkler Haut, eine ägyptische Pharaoin mit schwarzen Haaren und dunkler Haut oder eine Indianerin mit (huch, ich war wirklich originell!) schwarzen Haaren und dunkler Haut sein. Meine Barbies waren vor allem schwarz- und rothaarig, ich war mit meiner besten Freundin ein (schwarzhaariger??) Engel für Charlie, ich war megasportlich, wahnsinnig schön, tierisch gefährlich und unendlich clever. Hachja, manches davon bin ich ja heute noch … 😀
In der Zeit von 16 bis 21 hätte Gefahr bestehen können, in einen falschen Weg zu laufen und mich dort für immer zu verirren: ich habe mir die Haare, wenn auch nie Schwarz (so doof war ich nie, puh!), so doch dunkelbraun gefärbt und lag auch oft im Freibad (wo meine Haare dann irgendwie blonder wurden – es wollte einfach nie dunkelhäutig UND schwarzhaarig werden). Wir kennen den Typ Frau, der sonnenbankgegerbt mit stumpfgefärbtem Schwarzhaar schwer verwittert Discoklamotten um 9:00 morgens trägt – ehrlich: könnt ihr euch mich so vorstellen? Und wenn ihr mittlerweile eine erwachsene Frau von 35 Jahren seid, zwei Kinder habt, einen eigenen Betrieb, ein zu pflegendes Elternteil oder sonstwie Verantwortung für mehr als nur euch selbst tragt – wird es dann nicht Zeit, sich vom Wunschbild der süßen, schlauen und toughen Achtjährigen in euch zu verabschieden? Also: stellt euch vor den Spiegel und schaut hinein. Listet gedanklich einmal auf, wer ihr seid und wo ihr steht. Listet auf, was diese Frau braucht: im täglichen Leben, im Haus, in der Stadt, zum Wohlfühlen. Listet auf, wohin eure Blicke wandern, wovon ihr inspiriert seid. Unterzieht diese Inspiration einem Wirklichkeitstest. Und zwar einem doppelten:

Ich möchte nicht mehr hören, dass Mutti nur Jeans und Turnschuhe tragen kann, weil die Alternative „Kostüm und Stöckelschuhe“ auf dem Spielplatz unpraktisch und lächerlich wäre. Und das – genau so! – habe ich in den letzten Jahren tausende von Malen gelesen, in Blogs, Kommentaren und Foren. Darf ich mal auflisten, was in diesem Satz alles falsch ist? Tue ich einfach:

Nicht jede Mutter, nicht jedes Kind will, muss, mag auf den Spielplatz, ja, es gibt nicht einmal überall einen, der nicht verrostet, verschissen (Hunde) oder abmontiert ist.
Jeans und Turnschuhe sind nicht die einzige Bekleidung auf der Welt, mit der man auf einen Spielplatz gehen kann und Kostüm und Stöckel nicht die einzige Alternative.
Sich lächerlich zu machen scheint eine ganz große Angst zu sein – wenn ihr euch von den Erwartungen anderer (fremder?) Menschen um euch herum nicht wenigstens in Bekleidungsfragen frei machen könnt, werdet ihr euren ganz eigenen Stil niemals finden. Fetter Punkt, tut mir leid.
Außerdem spricht da wieder das Vorurteil heraus, dass manche Frauen anderen Frauen gegenüber haben: kommt die mit ihren hohen Absätzen hierher, dann muss das eine doofe Kuh sein – klar. Weibliche Solidarität sieht anders aus, oder?

Habe ich etwas vergessen? Also: sagt nicht gleich, das oder jenes passt nicht in meinen Alltag, sondern denkt den Traum zu Ende. Macht euch frei davon, was andere denken mögen – in den allermeisten Fällen wird es nicht wahrgenommen oder positiv betrachtet. Und seid ehrlich, wenn ihr euren Charakter, eure Außenwirkung und euren Alltag betrachtet. Darf ich das für diejenigen, die noch suchen, als kleine Hausaufgabe mitgeben? (Bah, schon wieder Hausaufgaben!)
Und ich weiß schon, jetzt sind manche gar nicht glücklich, denn was schreibe ich hier nur wieder für ein seltsames Zeug? Was hat das denn mit Stil zu tun? Was mache ich denn nun mit meinen kurzen Stummelbeinchen, meinen Bingoflügeln, meinen Hängepo, dem Riesenbauch (alles Worte, mit denen sich Kundinnen vor mir beschrieben haben …)? Die sind erst einmal gar nicht so wichtig. Wir sind hier ja nicht bei einem Fünfzigerjahreseminar für die Braut, die lernen muss, ihrem Gatten ein Traumfigürchen vorzuspieln. Wenn es um den eigenen Stil geht, dann sind figürliche Besonderheiten zweitrangig. Optisch gut tragen kann man vieles Verschiedene, zur Persönlichkeit passt sehr viel weniger.

So jetz los, meckert und beschwert euch 😉

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Stilfragen

Gut denn, ich fühle mich ermutigt – ich nehme an, dass in dieser Ermutigung ein gewißer therapeutischer Ansatz zu vermuten ist. Therapeutisches Nähen und Stricken betreibe ich schon, therapeutisches Putzen, Waschen, Bügeln ist bereits im Ansatz verfehlt und hat nicht einmal einen Placeboeffekt. Es ist seltsam, eigentlich, oder? Ich meine, wo ich das alles doch so gerne und so ständig betreibe … ha, ihr seht, ich schweife sofort wieder ab und ihr habt mich gezwungen, mich einem größeren Thema zu widmen. Es ist kaum zu erwarten, dass ich das kurz und knapp behandeln werde.

Das Thema Stil beschäftigt mich als Person fast mein Leben lang und als Bloggerin treibt es mich in den letzten Tagen erneut um. Ihr kennt das, das manchmal am frühem Morgen, während eines Elternabends, in der Supermarktschlange ein zu bloggender Gedanke auftaucht und einen verfolgt, nicht mehr in Ruhe lässt, bis er endlich, endlich in die Tastatur fließt. Und sich in meinem Falle verselbstständigt und mich auf Pfade führt, an die ich nun noch nicht denke. Ihr liebt das, vergeßt das nicht. Und das war keine Aufforderung, das war ein Befehl. Ich fühle mich heute dominant, irgendwie. Merkt man’s? Und weitschweifig, denn das ist der Grundsatz des therapeutischen Schreibens: finde einen Weg und verlasse ihn, wenn dir etwas einfällt. Lass alles fließen. Es wird erstaunen, zu lesen, dass ich durchaus in der Lage bin, auf den Punkt zu schreiben und das kurz und knapp. Aber schreibe ich ans Finanzamt? Nein, ich schreibe an mich und an viele kluge Frauen, die die gleiche Frage umtreibt: Was ist Stil?

Was fällt mir ein, wenn ich das Wort „Stil“ höre?
Es gibt Stilfragen, Stilberater, Stilregeln, Stilbrüche.
Es gibt schlechten Stil. Guten Stil. Den eigenen Stil.
Es gibt den Schreibstil, den Redestil, den Kleidungsstil.

Spontan greife ich mal den Stilbruch heraus; ein Wort, dass ich nicht mehr hören oder lesen mag. Wann immer einer Moderedakteurin nichts mehr einfällt, weil das Getragene entweder schlicht scheußlich oder aber nicht in Schubladen einordbar ist, erfahren wir, das sei ein Stilbruch. Gerne gezeigt sind dann flimsige Blümchensommerkleidchen, die mit derben Schnürstiefeln und abgewetzten Jeansjacken getragen werden – ein alter Hut seit Beginn der 90er. Oder aber da zeigt ein Streetstyleblog eine Dame in grau, die einen kräftig bunten Gürtel und Gummistiefel trägt – ha, eindeutig ein Stilbruch! Seltsam mutet mich an, wenn bei einer Kombination von Tweed und Seidenbluse oder von Jeans und Ajourkaschmirstrick ebenfalls von Stilbruch gesprochen wird – so neu und so ungewöhnlich sind diese Kombinationen nicht. Aber es öffnet wieder eine Schublade und verunsichert diejenigen, die glauben, kein Geschick in Kleidungsfragen zu haben. Denn wir haben auch gelernt: wer die (Stil-)Regeln kennt, der darf sie auch brechen. Das sind natürlich nur die ganz Großen; zeigte Armani eine Mischung aus Tiger und Leo und pinken Rosen, dann ist das ein Traum der Sinnlichkeit (also, nicht dass so etwas bei ihm zu sehen wäre), tut das aber die Gemischtwarenhändlerin aus Wanne-Eickel, dann geht das gar nicht (wobei ich in diesem Fall mal unnachgiebig bin und meine: geht sowieso gar nie…).

Stilregeln ändern sich ständig und nur der Kenner, der Profi weiß, was gilt, was nicht und was zu brechen ist und wie. Viele von uns kennen noch Regeln wie „Grün und Blau trägt die Sau“, „Lila, der letzte Versuch“ und „Der Mantel muss länger als der Rock sein“. Wenn wir mal etwas weiter zurück gehen, dann kommen wir auf Dinge wie
„Krokodil nur am Tage!“ „Spitze nur am Abend, Pailletten nur nach Anbruch der Dunkelheit.“ „Eine Dame verlässt das Haus nie ohne Strümpfe.“ „Schuhe, Hut, Tasche, Handschuhe müssen zueinander passen.“ „Ohne Hut nicht in die Kirche.“ „Schultern zeigt man erst am Abend.“ „Rot und Blau ist nur für Damen und Herren von Stande.“ „Mammut passt nicht zu Krokodil.“
Heute ist höchste Individualität angesagt, theoretisch. Passen Schuhe und Tasche und Gürtel nun zusammen, so ist das „too matchy-matchy“, spießig und altmodisch, ein Spiel auf der sicheren Seite, kannst du das nicht besser? Aber kombinieren wie du lustig bist? Nein, wenn du das tust, solltest du dich schon von Modestrecken in Frauenmagazinen inspirieren lassen. Was im täglichen Leben zu seltsamen Ergebnissen führen kann. Zudem wird dir im Januarheft noch dies und das als neue Stylingregel verkauft, während das Märzheft das an irgendeinem Starlet als total daneben abqualifiziert. Noch dazu wirst du dich fragen, wann und wo du dies oder das wirst tragen können – dein Leben findet nun mal nicht auf dem Roten Teppich statt. (Und um genau diese Frage geht es mir eigentlich, aber ich will hier erst einmal die Grundlagen geklärt wissen – ich gehe hier sachlich vor. Jawohl!)

Von den Regeln zur Entscheidung Guter Stil – Schlechter Stil ist es nicht weit. Schlechten Stil verbinde ich persönlich aber nicht mit Kleidung, sondern mit dem eigenen Auftreten. Schlechter Stil ist für mich das Nichtschauen, ob hinter mir jemand durch die Tür treten möchte. Nicht aufzustehen, wenn der Bus sich füllt und ein älterer Mensch, eine Schwangere, ein kleines Kind stehen muss. Jemanden den Einkaufswagen in die Hacken zu fahren und sich nicht zu entschuldigen. Anderen Menschen ungefragt Kritik aufzudrängen (eine Ausnahme ist das Annörgeln des Gatten und die Zwangserziehung der Nachkommenschaft 😉 ). Sich wie ein Fähnchen im Wind jeder neuen Meinung anzuschließen. Und vieles mehr, die Liste lässt sich fortsetzen. Wenn solch ein schlechter Stil sich zeigt, nützt es auch nicht, wenn die betreffende Person perfekt gekleidet, frisiert und behangen ist; im Gegenteil hinterlässt das bei mir einen besonders schalen Geschmack im Mund …

Guter Stil hingegen ist etwas, wonach wir alle streben und das hoffentlich in jeder Hinsicht. Ich lasse den Bereich Sozialer Umgang nun aus, sonst kommen wir nie zum Ende; jetzt geht es um die äußere Hülle. Für mich bedeutet guter Stil eigentlich etwas klassisch-konventionelles. Damit meine ich nicht schwarzes Kostüm mit Perlenkette – obwohl es das sein kann – sondern eine Art sich zu kleiden, die nicht zu sehr heraussticht, nie vernachlässigt wirkt, unaufgeregt elegant ist und der Situation angepasst. Es wirkt nie verkleidet, nie gewollt und das wichtigste: es wird den allermeisten von uns gefallen, wenn wir die Person sehen, die ihn trägt. Das heißt: es ist eine Art sich zu kleiden, die niemandem weh tut. Damit fallen unglaublich viele Stilrichtungen heraus: der Punk hat alleine durch sein Aussehen provoziert. Der Teddyboy machte sich dadurch zum Außenseiter. Über den Dandy wurden Karikaturen verbreitet. Der Gruftie wird beäugt. Die Vintageträgerin von Großvätern angehimmelt. Und so weiter und so fort. Jetzt kann ich mir gut vorstellen, dass manche schon den Kopf schütteln: „Darf ich jetzt nur noch im Kostümchen durch die Gegend stöckeln? Ist die bescheuert?“

Nein, bin ich nicht. Ich denke nur, dass wir uns erst einmal von dem Gedanken befreien müssen, dass man unbedingt in die Kategorie „Guter Stil“ fallen möchte. Es gibt Frauen, die verkörpern den Guten Stil durchgehend, sind auch gar Stilikonen. Da fällt mir nun gerade vor allem Inès de la Fressange ein. Sie ist immer gut und unaufgeregt und passend gekleidet. Man schaut sie gerne an; überlegt womöglich gar, dass man – wie es einem immer vorgebetet wird! – wirklich gar nicht ohne eine gutsitzende, erwachsene Jeans, ohne weiße Hemdbluse, schwarze Chaneljacke und das kleine Schwarze auskommen kann. Um dann festzustellen, dass es an einem selbst eher langweilig, spießig, ungekonnt aussieht. (Von allen Bloggerinnen, die ich so verfolge, fällt mir hier Christel ein, die diese Art sich zu kleiden, auch gut verkörpern könnte. Was sie aber, welch Glück für uns, gar nicht muss, denn sie hat ihren ganz eigenen Stil gefunden.) Warum also sieht das an Mme de la Fressange so wunderbar aus und an mir nett, aber nicht strahlend? Weil in ihrem Fall Guter Stil/Eigener Stil ganz deckungsgleich sind. Das macht dann die Stilikone aus.

Für mich – und das muss ich mal wieder betonen: es ist nur meine Sicht und kein allgemein gültiger Stilregelkalender! – sind Guter Stil und Eigener Stil zwei verschiedene Dinge. Und beide sind nicht immer im ersten Anlauf zu erreichen. Der eigene Stil wird dann von anderen als Guter Stil wahrgenommen werden, wenn er zur Trägerin passt. Und zwar nicht nur zur Figur, sondern zur Persönlichkeit. Das wird man nur erreichen, ich werde mal boshaft (Therapeutisches Schreiben, ha!), wenn man eine Persönlichkeit hat …

So, das ist der Weg, der mir vorschwebt. Ich habe mal fünf Beispiele für euch von Bloggerinnen (die ihr alle kennt), die – meiner Meinung nach, Disclaimer, Disclaimer! – einen Stil verkörpern, der für andere leicht erkennbar und vor allem stimmig ist. Ich habe die Damen nicht gefragt, ob ich das darf, sie werden sich schon beschweren, wenn ich daneben liege 🙂 Ihr stöbert mal durch diese Blogs – also ihr, die ihr demnächst weiter über Stil lesen wollt bei mir, auf dass ihr weise und klug werdet. Und schaut mal ganz bewußt, ob es einfach nur Guter Stil ist (also ein Stil, der sagt: ich tue niemanden weh, Jackie Kennedy wäre auch ein gutes Beispiel) oder doch schon ein Eigener Stil, der nicht einfach so auf jemand anderen übertragen werden kann und der dem Auge nicht nur nicht weh tut, sondern Freude bereitet. Über Meinungen freue ich mich schon.

Steffis Nähfiddeley macht mal den Anfang. Den Blog habe ich noch nicht so lange auf dem Schirm, und erst gestern habe ich mal weit zurückgeblättert und ich bin so baff, wie sehr sie sich verändert hat. Hübsch und ausgefallen war sie wohl immer, aber doch nicht immer so ganz stimmig. Was aber nun in den letzten Monaten so zu sehen ist, ist schlicht der Hammer. Auch wenn ich das gar nicht gerne sage, weil es so nach Schublade klingt: es ist vollkommen egal, ob man ein Kilo mehr oder weniger hat – es geht. Ich schaue mir jedes Bild mit hüpfendem Herzen an, weil sie angekommen ist. Nun experimentiert sie sehr erfolgreich mit den Dreißigern, die ganz, ganz schnell nach Kostümfundus aussehen können. Tut es das bei ihr? Nein! Es ist ihr eigener Stil, ihre Persönlichkeit, die da rüber kommen. Ich empfange Humor und Wärme und Selbstvertrauen. Eine schöne Frau, die aus Versatzstücken der Vergangenheit etwas Eigenes geschaffen hat.

Allerleirauh bittet nicht nur zum Tee, sondern fast in eine andere Welt. Ihre Art sich zu kleiden, ist weder Heutiges noch Vergangenes, sondern ganz und gar Eigenes. Ich schaue sie an und träume mich ruckzuck in Feen- und Märchenwelten hinein. Guter Stil ist das sicher nicht, denn sie fügt sich gar nicht in ein Stadtbild ein. Sie ist ein Hingucker und ein freundlicher noch dazu. Kann ich sie mir anders vorstellen? Nein.

Christel darf nun auch nicht fehlen; sie hat es sogar geschafft, dass ich mich gerne an meine Kindheitsdirndl zurück erinnere, fast sehne 😉 Ich weiß nicht, wie sie es macht, aber selbst stilistisch so unterschiedliche Kleider wie tailliert mit angekräuseltem Rock und kurze A-Linie sehen an ihr ganz nach ihr aus. Es ist ein Stil, der nicht mit einer Periode, mit einer Landschaft oder sonstwie in Verbindung gebracht werden könnte, aber es ist immer ganz Mimmi. Ganz große Kunst!

Periodisch festgelegter ist Miri, die die Vierziger bevorzugt und das sehr authentisch. Aber wiederum: was bei anderen schnell mal verkleidet aussehen könnte, ist an ihr modern und aufregend. Was immer sie in den letzten Jahren gezeigt hat und so oft sie auch sagen mag, das sei halt nur ihr langweiliger Standardschnitt: ich kenne niemanden, der aus einem Schnitt so viel Vielfalt heraus holen kann.

Was bei Miri die Vierziger, sind bei Eva die Sechziger – kein Wunder, wenn man den Mod schon im Titel hat. Nun ist sie da nicht festgelegt, bei ihr lassen sich alle Jahrzehnte finden. Aber was immer sie trägt, es ist sofort als „Ganz Eva“ erkennbar. Ganz klar schaut man sich ihre Bilder auch nicht an und denkt: Nett …

Von Rotschopf zu Rotschopf: Simone ist ebenfalls angekommen. Was immer sie trägt (und ich durfte sich schon zweimal live sehen und kann sagen: ähm, die Bilder sind viel schlechter gar als die Wirklichkeit), es ist ihre perfekte Hülle.

Nun fehlen noch einige in dieser Liste, aber ich habe mir ein Limit gesetzt und wollte möglichst unterschiedliche Typen zeigen; das ist wohl gelungen. Denn keine von ihnen trägt etwas, was ihr im Sekundentakt durch den Baumarkt laufen seht. Sie sind positiv auffällig und ich bin dezent neidisch, was ich durch Lob zu verdecken trachtete. Aber das, was ihr da seht, ist das, worüber ich mir in der nächsten Zeit Gedanken machen möchte. Wer denkt mit?

Und jetzt ist es schon wieder sooo spät geworden und ich muss Klarschiff machen, denn ich darf heute abend jemanden kennen lernen, auf die ich mich so lange freue!! Klar, dass sie und ihr Gespons da nicht auf Krümeln treten und im Saft festkleben sollen. Machen eure Kerle auch soviel Dreck innerhalb zweier Tage???

Achso, noch ein PS: die Musterschülerinnen unter euch suchen sich unter dem Stichwort Farbe! in der Stichwortliste links noch einmal meine ungemein wichtigen Beiträge zum Thema Farbberatung heraus – gehört ja dazu. Hausaufgaben sind bis Montag spätestens zu erledigen. Sonst kommt die Stilpolizei. Oder so …

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