Es wird Herbst …

… und die Blätter fallen. Öhm, wie bitte? Nein, so weit ist es noch nicht, aber es fühlt sich heute sehr nach Herbst an. Und bei mir zumindest fallen Blätter. Papierblätter. Papier. Also Seiten. Also Bücher. Und Schnitte. Passt doch. Wer mir noch folgen kann, darf weiter lesen 🙂

In den letzten zwei Wochen hatte der Gatte nicht nur überraschend Urlaub – für mich überraschend, nicht für ihn. Um am Hause zu werkeln. Und während dieser zwei Wochen kehrte für alle überraschend der Sommer zurück. Um gestern übergangslos in den Herbst zu rutschen. Bilde ich es mir ein oder ist das Jahr in diesem Jahr sehr verdreht: Kurzer, nicht zu kalter Winter, kurzer, früher Frühling, sehr früher, sehr warmer Sommer, dann im Juni/Juli/Halbaugust eine noch unbekannte Jahreszeit mit viel Wasser und Wind, kühlen Temperaturen und kurzen Hitzeinbrüchen, ein weiterer, sehr kurzer Sommer und nun ein warmer langer Herbst (?) … Wie auch immer, die Sonne schien und der Gatte verschmutzte das Haus; so sehr, das Putzen nicht mehr lohnte (wofür ich heute morgen fünf Stunden büßen musste!) und so verzog ich mich meist nach draußen. Wo ich strickte. Genähtes – daran dachte ich oft, aber dazu aufraffen konnte ich mich nicht. Dafür sind zwei Pullis fertig geworden. Auch schön. Und ich habe online nach Schnittbüchern gesucht. Wäre doch gelacht, wenn ich das nicht irgendwann hinbekommen sollte.

Aber wie das mit mir so ist: ich neige manchmal zu einer gewißen Verbissenheit, der manches zum Opfer fällt. Da gibt es kein Grau mehr, nur Schwarz und Weiß dominieren die Szene. Beispiele, blogthematischbezogen? Aber bitte doch, bitte hier:
Vor gut sechs Jahren entdeckte ich das Stricken wieder. Nach einem halben Jahr verbot ich mir das Kaufen von Strickwaren. Nach anderthalb Jahren entdeckte ich das Stricken nach alten Anleitungen – ab da verbot ich mir das Tragen von taillenfernen Maschensäcken. Und ich bin konsequent dabei geblieben. Anfangs gab es immer wieder Konfektionsteile, die mich anblinzelten und mich zum Kauf verführen wollten. Aber zu spät: ich bin euch entfleucht auf immerdar!
Nun strickte ich die taillenbetonten Pullöverchen, während die Konfektionshosen und -röcke nur bis zur Hüfte hinauf reichten. Was blieb mir anderes übrig, als die benötigten Röcke selbst zu erstellen? Und auch dieses Mal dauerte es nicht lange, bis ich den gekauften Röcken abschwor und lieber mit schiefen, aber selbsteingenähten Reißverschlüssen umher lief. Ein Teil kam zu anderen und von da an bis heute hieß und heißt es: gekauft werden darf nur, was Schuh, Wäsche oder Jeans und T-Shirt ist. Wobei ich letzteres weder nähen noch tragen noch kaufen mag …
Aber es treibt mich weiter und wieder bin ich an dem Punkt, an dem ich mir das Kaufen und Benutzen verbiete. Von fertigen Schnittmustern diesmal. Und wie zuvor bin ich noch lange nicht so weit, diese Lücke perfekt zu ersetzen. Offenbar benötige ich einen bestimmten Druck, um voran zu kommen. Gibt mir zu denken. Ein wenig.

Und so schließt sich der Kreis: als es am Samstag nachmittag aus allen Wolken prasselte und blitzte, Gatte und Kinder sicher in einer Eisdiele auf unbestimmte Dauer fest saßen, begann ich zu räumen. Welche Bücher brauche ich nicht mehr, welche Schnitte kommen in den Müll, auf den Dachboden, dienen der Anregung und welche gebe ich frei in ein neues Heim. Und so bitten euch heute verstoßene Schnittmuster um Asyl. Lasst euch nicht abschrecken von manchen, die eher unscheinbar wirken – macht daraus, was immer euch einfällt. Manches ist nur in kleinen Größen da, aber viele kommen auch in einem weiten Größenspektrum. Wem ein Schnitt gefällt, gibt Laut. Zu dem Preis kommt das Porto, was in den meisten Fällen den Euro nicht überschreiten wird – das muss ich aber immer erst ausrechnen. Dazu darf sich melden, wer ein bestimmtes Burdaheft aus den Jahren 2008 – 2010 sucht; die Chancen stehen gut, dass es bei mir ist und für 2,50 € weg möchte 🙂 Los geht’s:

Burda 507A / 34 – 44 / Cabanjacke – 2,50 €
NL 6557 / 8 – 18 / Kleid – 3,50 €
NL 6755 / 8 – 18 / Wickelbluse – 3,- €
Style 2801 / 8 – 18 / Top – 2,- €
Style 2813 / 6 – 16 / Hose – 2,- €
Style 2225 / 6 – 16 / Kleid – 2,- €

S 4693 / 6 – 12 / Kleid und Mantel – 1,50 €
S 7192 / 32 – 40 / Kleid – 3,- €
S 9760 / 4 – 10 / Hose und T-Shirt – 1,50 €
S 4044 /10 – 18 /1940’s Retro Jacke, Rock und Hose – 5,- €
S 4995 / 8 – 14 / Hemdblusenkleid – 2,50 €
S 3780 / 6 – 14 / 1950’s Retro Kleid und Bolero – 3,50 €

B 6583 / 6 – 10 / David Warren Kleid, Top, Hose – 2,50 €
B 4136 / 8 – 12 / Bahnenrock – 1,50 €
B 5284 / 8 – 14 / Bluse – 2,50 €
B 4978 / 8 – 14 / Suzi Chin maggy boutique Kleid – 2,50 €

S 8387 / 8 – 12 (Siebzigergrößen!)/ Kleid – 1,50 €
S 6367 / 12 / Bluse – 1,50 €
S 8972 / 10 – 14 / Kleid – 1,50 €
V 8444 / 6 – 10 / Divine Details Kleid – 2,- €
V 7900 / 6 – 10 / Kleid und Jacke – 2,- €
V 9861 / 8 – 12 / Kleid – 2,- €

V 2283 / 6 – 10 / Kleid – 1,50 €
V 2941 / 6 – 12 / Donna Karan Jacke, Top und Rock – 3,50 e
V 1134 / 8 – 14 / Anna Sui Kleid – 3,50 €
V 1132 / 8 – 14 / Rock, Weste, Hose und Jacke – 4,- €
V 2282 / 6 – 10 / Tom und Linda Platt Rock, Top und Hose – 2,50 €

V 9594 / 6 – 10 / Jerseykleid – 2,- €
V 8469 / 6 – 12 / Kleid – 2,- €
V 2912 / 4 – 8 / Anna Sui Bluse – 4,- €
V 2850 / 6 – 10 / Anna Sui Top – 3,50 €

M 5449 / 10 – 14 / ausgestelltes Kleid – 2,- €
M 5972 / 6 – 14 / Laura Ashley Kleid – 4,- €
M 3761 / 4 – 10 / Kleid mit Kragen – 2,- €
M 3166 / 10 – 14 / Sommerkleid – 2,- €
M 5912 / 10 – 14 / Rock – 3,- €
M 5817 / 6 – 14 / Rock, Hose, Weste, Jacke – 4,- €

S 2562 / 6 – 14 / Amazing Fit Hose – 3,50 €
S 2644 / 8 – 16 / Project Runway Kleid in Wickeloptik – 2,50 €
S 2501 / 14 – 22 / Bluse – 2,- €
S 2282 / 4 – 12 / Project Runway Kleid Vierziger-Look – 4,- €

Easy guide to sewing tops, skirts and pants: obwohl auf Englisch ist gut verständlich erklärt, wie Röcke, Hosen und Überziehoberteile genäht werden. Für Anfänger ein guter Einstieg – 5,- €

Burda Nähen: muss ich nicht viel zu sagen, fast sämtliche Näharten sind erklärt und wer mit Burda näht, ist hier auch passend beraten, da die Begriffe die gleichen wie die im Heft gebräuchlichen sind – 5,- €

Make your own pants von Palmer/Pletsch listet nahezu sämtliche Hosenpassformfehler auf und schlägt Lösungen vor. Ebenfalls enthalten sind Tips zum Abändern eines Basisschnittes. Sämtliche Ratschläge kenne ich mittlerweile auswendig, weil dieses Buch ständig neben mir lag 🙂 – 5,-€

Customize your sewing patterns for a better fit: es geht weniger um das Erkennen von Paßformfehlern als um deren Behebung nach verschiedenen Methoden, die hier erklärt werden – mit vielen Graphiken und ausführlichen Erklärungen – 7,- €

Simple chic ist eines der beliebtesten japanischen Schnittmusterbücher, immer noch findet sich kaum eines unter 20,- €. Abr ich möchte einfach nur Platz, daher: 8,- € – Martina war sooo schnell …

Eine Pramo fand auf mir unbekannten Weg einen Platz in meinem Regal – wer ostalgisch nähen möchte – 1,50 €

Ebenso erstaunlich war dieser Fund, von dem ich nicht viel wußte und es vor etwa drei Monaten in einem meiner Schränke fand: Burda Designerschnitte u.a. von Lagerfeld, Bogner, Aigner und Tristano Onofri. – 4,50 €

Überall kommt das Porto noch dazu, aber ich sehe zu, dass ich die günstigste Möglichkeit finde. Also, schlagt zu und freut euch 🙂

Komm zurück!

Lieber Sommer,

ich weiß, zwischen uns beiden läuft es nicht mehr so gut: Vor Lennys Geburt konntest du mir kaum heiß genug sein und nie hatte ich den Eindruck, du bliebest lang genug. Heute reichen mir Temperaturen bis 30°C und mit den anderen drei Jahreszeiten kann ich leben; ja, ich mag Frühling und Herbst sogar sehr und auch den Winter überstehe ich heutzutage ohne allzu großes Herzeleid. Aber ist das ein Grund, dich einfach so zu verziehen? Erst stiehlst du dem Frühling die Show, er macht dir ohne zu murren Platz und dann hast du keine Lust mehr und schiebst einen ver(w)irrten Herbst auf die Bühne?
Ja, ich weiß, die Landwirtschaft hat genörgelt, zu wenig Regen – denen hast du es jetzt ja gezeigt, kannst du also bitte, bitte, bitte wieder zurück kehren? Denn sieh einmal: ich habe dir ein Kleid genäht. Es hat mir Ärger bereitet, aber ich habe nur an dich gedacht und mich durchgebissen. Habe getrennt und gestichelt und getrennt und gestichelt und hier ist es. Kommst du bitte wieder zurück? In 2011, wenn möglich?

Ja, dieses Kleid hat mir wirklich Ärger gemacht. Das Oberteil habe ich bereits zweimal genäht und wenn ich diese Kleider heute anprobiere, dann spannt es. Rundum. So habe ich gemessen, gezogen, getestet und habe dem Oberteil die nötigen Änderungen verpasst: rundum vier Zentimeter mehr, einen halben Zentimeter mehr in den seitlichen Brustabnäher, beide Abnäher um anderthalb Zentimeter gesenkt. Dann kam die Anprobe und danach mein Beitrag, in dem es sich um die Frage drehte: “Wie bekomme ich mehr Platz für die Oberweite, ohne darunter in Stoffwellen zu versinken?” Eure Antworten waren wie immer hilfreich und ich bleibe dran. Am Abnäher.

In diesem Falle habe ich – da alles fein versäubert war, was nicht anders möglich gewesen wäre – mit Heftstichen sehr grob über alles drüber genäht: die Seiten einen halben Zentimeter enger genäht, die Abnäher wieder höher auslaufen lassen und statt feiner Tortenstückchen ähneln sie nun stämmigen Obelisken. Das sah annehmbar aus, nichts rutschte und auch meine Oberweite war wieder sichtbar. Nun also den Rock teilweise abtrennen, die Nähte korrekt ausführen und wieder anprobieren. Yepp, das könnte was werden. Die Falten im Rock hinten sind etwas verrutscht und auch der RV ist mir beim Einnähen einmal abgehauen – aber so bleibt das jetzt, auch der schönste Stoff wird unausstehlich, wenn man ihn wieder und wieder vor Augen hat.

Da ist immer noch eine Stelle, die etwas enger anliegen könnte, wenn ich meine Form stärker heraus arbeiten wollte. Mit dem ursprünglichen Abnäher hätte ich eine Hängebrust in Doppel F gebraucht, um diese Stoffmenge füllen zu können. Will ich das? Eher nicht.

Die einseitigen Falten kommen vom Drehen des Kopfes. Aber unterhalb der Schulterblätter ist das Oberteil immer noch weiter als nötig. Vorher allerdings hing der hintere Ausschnitt herunter und verschwand in all den Falten, die der Stoff warf.

Hinten noch zu weit, auch von der Seite und die vordere Mitte dürfte einen Zentimeter länger sein. Die Seitenlänge hingegen ist optimal.

All diese Änderungen werde ich beim nächsten Versuch berücksichtigen; mal sehen, was dann schiefgeht. Es ist aber auch wie verhext: da fing ich gerade an, mit meiner veränderten Körpermenge schnitttechnisch klar zu kommen, da verliere ich zack, anderthalb Kilo. Die ich mir auch nicht unbedingt wieder anfuttern will, da ich ja auf Zucker stärker verzichten will. Ohne Süßigkeiten nehme ich nicht zu. Nähe ich jetzt aber für den aktuellen Zustand, komme endlich klar – was passiert dann wohl? Weihnachten 😉 ?

Diese Beiträge könnten dich interessieren:

Hätte ich es doch fast vergessen!

Erinnert ihr euch noch an diesen Schnitt, den ich ausführlich vorgenäht habe?

Sollte man nicht meinen, dass auch der fertige Rock ein oder zwei Bilder wert gewesen wäre? Er wäre es nicht nur, er ist es auch – schon aus dem Interesse heraus, ob das Ding etwas geworden ist. Und ich hätte ihn längst gezeigt, wenn ich ihn beendet hätte.
Nun möchte man meinen – und die Damen Palmer/Pletsch sagen dies in ihrer Anleitung gar – dass ein solcher Wickelrock passformunsensibel sei. Ist er nicht. Ich hatte für den Zuschnitt bereits die Taille schmäler und die Hüfter weiter gezeichnet. Hundertprozentig kann das bei mir niemals funktionieren, weil das Verhältnis Taille-Hüfte nicht unproblematisch ist. Bei einem Rock, der eine Hüftbeuge eingezeichnet hat, ist das leichter – bei einem Rock, der nur minimal gebogen, sondern vor allem gerade ausgestellt ist, wird das schwierig. Würde ich die durch den Winkel von Taille zu Hüfte vorgegebene Linie bis zum Saum gerade durchziehen, so wären meine Röcke am Saum meterweit. Das will ich nicht immer. Also muss ich einen Kompromiss zwischen oberer Hüftbeugung und anschließender gerader Linie finden. Was mir nicht immer gelungen ist, aber das führt zu weit.
Aber bei diesem Rock ist der Kompromiss gelungen. Das Problem lag am Hakenverschluss. Also der einfachsten Verschlussform. Palmer/Pletsch rät, die Platzierung vom Haken und Öse am Körper festzulegen und sich nicht auf die eingezeichnete Markierung zu verlassen. Das ist – zunächst einmal – logisch, denn der Körper ist gerundet, wo der Schnitt flach ist. So stand ich vor dem Spiegel, mit Stecknadeln bewaffnet und legte fest.
Beim flachen Annähen stellte ich fest, dass der untere Bundteil straffer lag, als der darüberliegende. Also noch einmal probieren, neu festlegen. Sah gut aus. Bei der Anprobe jedoch lagen beide Bundteile schief übereinander. Hurra, auftrennen. Damit hatte ich für den Tag keine Lust mehr. So lag das türkise Wunder für einige Tage über Bügelbrett, Sofa, Sessel und diversen Stühlen. Bis ich es wieder zur Hand nahm, neu anprobierte und neu steckte. Dabei schien ich viel mehr Platz als beim ersten Mal zu brauchen. An diesem Tag fiel der Entschluß, es mit dem Süßschlemmen zu überdenken. Dennoch habe ich die Haken angenäht. Und – ha! Sie saßen am falschen Platz. Zurück aufs Bügelbrett mit dem Teil.

Erst Ende letzter Woche konnte ich mich aufraffen, ihn zu beenden, egal wie! Mittlerweile hatte ich zwei Wochen nichts Süßes außer einer Tüte Lakritz und einer Handvoll geschenkter Pralinen zu mir genommen. Macht sich um die Bauch-und Hüftregion deutlich bemerkbar. Macht sich heute auch deutlich am Rock bemerkbar, der nun tiefer als zuvor sitzt und ein klein wenig weit an der Taille ist. Aber gut. Nur die vorderen Rockteile könnten etwas mehr übereinander liegen – auch ohne Wind neigen sie dazu, sich voneinander zu trennen …

Zwischenzeitlich war ich in der Lage, das Bild zu finden, das meine eigentlich Inspiration war: ein Rock von Sonia Rykiel.

Nicht wirklich ein Wickelrock, aber die Knöpfe würden auch zu meinem Rock gut passen – nur ohne Knopflöcher. Das hätte die Anpassung unmöglich gemacht. Nur vom edlen, faltenfreien Fall bin ich weit entfernt, wie sollte es auch anders sein.

Hmm, es ist heller hier draußen als es aussieht.

Ich stehe im Schatten, die Kamera ist im Schatten, das Bildbearbeitungsprogramm hat das Möglichste heraus geholt – surrealistisch, im besten Falle.

Die Jungs auf dem Sofa lachen sich mittlerweile schlapp. “Mami, beinahe hätte ich was gesagt!” Ich will es gar nicht hören, mein Kind.

Besser wird es heute nicht.

Das Problem mit einem Rock, der sich theoretisch der Figur leicht anpassen lässt, ist die Tagesform, in der die jeweilige Figur gerade ist. In meinem Fall sind das die Zentimeter an der Taille, die sich über die letzten Wochen veschoben haben: von 70 cm bei Beginn der Rocknäherei zu 73cm auf dem Höhepunkt zu 69 cm jetzt. Kein Wunder, dass ich nicht hinterher kam, oder?

Denkt an den Post von Samstag: will nicht jeder ein Vintage-Rockschnittmuster besitzen, dass man nicht hat abkopieren müssen? 😉

Diese Beiträge könnten dich interessieren:

Mutig

Ich bin sehr, sehr mutig, denn ich werde euch nun das durchsichtige Kleid zeigen. Ich kann das tun, denn unsere Kamera verfügt über eine unergründliche, rätselhafte Persönlichkeit: sie ist in der Lage, stocksteif stehende Menschen zu verwackeln. Details unscharf abzulichten. Bei praller Sonne den Blitz einzuschalten, um vollkommen weiße Bilder zu produzieren. So zu blitzen, dass dicke Wollpullis transparent erscheinen. Und sie kann durchsichtige Kleider blickdicht machen. Lasst euch also nicht täuschen: Tragen kann man das Kleid nicht außerhalb des heimischen Gartens!

Ich neige dazu, Kleidung zu knapp zu schneiden. Das weiß ich. Und ich versuche oft, dagegen anzugehen, in dem ich den Schnitt ausmesse und mich für das Maß mit den empfohlenen Bequemlichkeitszugaben entscheide. Bei diesem Kleid habe ich ein FBA eingefügt, dass im seitlichen Vorderteil sitzt. DAS passt auch erstaunlich gut: der höchste und weiteste Punkt des Kleides stimmt genau mit meinen eigenen Maßen überein. Was nicht überein stimmt, sind das mittlere und rückwärtige Mittelteil, dass ich eine Nummer größer zugeschnitten habe. Eine Nummer zu groß. Großzügig war ich auch im Hüftbereich: spannt es hier nicht immer? Also habe ich Platz geschaffen. Ergebnis ist, dass das Kleid am Ausschnitt zu weit über die Schultern reicht, in der HM leicht absteht, die Prinzessnähte am Rock in Falten fallen und die Taille des Kleides sich um meine Taille dreht. Nichts, was sich nicht leicht ändern ließe – abgesehen von der HM, denn ich trenne keine handgenähten RVs heraus. Vor allem nicht bei einem Kleid, das so nicht tragbar ist. Also wird es auch kein Unterkleid geben, denn das ist mir viel zu viel Mühe – aber den Tip mit dem Baumwoll-Voile merke ich mir. Danke dafür 🙂

Dieses Kleid wird als Vorlage bei einer erneuten Verwendung des sehr schönen Schnittes dienen – und als Gartenkleid, wenn es noch einmal so heiß wie im letzten Jahr werden sollte: luftig, leicht und weit – ideal. Und es ist ein lehrreiches Kleidchen: FBA macht mir keine Angst mehr, lässt sich nämlich ganz leicht am Schnitt anmalen.

Jetzt zum wirklich Wichtigen: Der Gatte kehrte gestern abend von einer Kurzdienstreise aus Rom zurück und hatte etwas im Gepäck. Fünf “LMB”s. Und es sind nette Dinge darin, vor allem für diejenigen, die Jersey lieben und damit umgehen können. Bevor ich mir die Mühe mache, alles bei ebay anzubieten, frage ich erst einmal bei euch nach: wer hat Interesse? Pro Heft 8,-€ inkl. Porto und es sei Dein 🙂

Diese Beiträge könnten dich interessieren:

Eins, Zwei, Drei

ist nicht nur einer meiner Lieblingsfilme, sondern auch das Motto dieser letzten Nähwoche. Der Gatte war drei Tage unterwegs und so konnte/musste ich Montagabend einmal den mit Stoffen und Stoffresten gefüllten Wäschekorb hinterm Sofa ausleeren und inspizieren. Darin befinden sich – theoretisch – all die Stoffe, die als nächstes vernäht werden sollen. Ihr ahnt, dass “als nächstes” ein dehnbarer Begriff ist.
Ein Begriff, der einen Zeitraum von mehreren Monaten umfassen kann.
Ein Begriff, der sich auch auf bereits begonnene Projekte bezieht. Projekte, die daneben gingen. Oder langweilig geworden waren. Die einer Lösung bedürfen. Die Lösung bestand am besagten Montagabend im Wegwerfen.
Anderes wurde umgeschichtet, umsortiert, ausgetauscht oder – ha! es gibt ein echtes “als nächstes”! – am selben Abend noch gebügelt, ausgebreitet und zugeschnitten. Genau dreimal habe ich Stoffreste und Minicoupons dazu verwendet, Blusentops zu schaffen.

Das erste könnte auch unter dem Titel: “Mehr holde Lieblichkeit” laufen. Wenn es denn etwas ordentlicher gearbeitet wäre. Aber das geht nicht immer 😉 (Und wer nun denkt, ruft oder schreibt: “Natürlich kann man immer ordentlich arbeiten! Du willst das doch anziehen!” – der ist ein Spielverderber, der in einer anderen Liga spielt 😉 )
Das fing schon damit an, dass von diesem kirschroten Baumwollstoff nur ungleichmäßige Reste übrig waren – vor drei Jahren hatte ich daraus einen Rock zugeschnitten, der dann von meiner ersten Nähmaschine gefressen wurde. Nun waren noch einige Rechtecke, kleinere Dreiecke und lange Streifen übriggeblieben. Mit einer kleiner Mißachtung des Fadenlaufes habe ich Vorder- und Rückenteil heraus geholt und einen Beleg für den Halsausschnitt. Aus den Streifen wollte ich nun unbedingt eine Rüsche für den Ausschnitt schaffen. Außerdem wollte ich einen flachen Kragen anbringen. Ging nicht in Rot, also in den Resten weiter gekramt und weiß gefunden – gerade eben genug für Kragen und Armauschnittbelege.

Beim Ansetzen der Rüsche dann Unglück Eins: ein Faden hatte sich um die untere Spule gewickelt und zerrte den Stoff in die Führung – das MUSS am Stoff liegen, er will sich von jeder Maschine vernaschen lassen. Da das aber ein Projekt war, an dem mir nicht zuviel, habe ich trotz der nun leicht zu schmalen linken Rüsche weiter gemacht.
Beim Annähen des Beleges an Rüsche und Vorderteil dann brach mir die Nadel ab – ich hatte eine Stecknadel zwischen des Schichten vergessen. Kommt davon, wenn man um halbelf in der Nacht noch etwas neues beginnt. Mitten in einer kritischen Naht war das ungünstig. Bis alles wieder lief, hatten sich die Schichten irgendwie verzogen und beim späteren Betrachten stellte ich – nach dem Abschneiden der NZ – fest, dass da zwei Zipfel herausschauten, die da nicht hingehörten.
Also alles wieder wenden und den Ausschnitt ein klein wenig weiter und tiefer ausnähen. Gut wäre es gewesen, wenn ich mich dabei daran erinnert hätte, dass die Seiten schon ungleich waren. Nun war alles hübsch schief, aber nicht mehr wirklich auftrennbar.

Beim Absteppen der Armlochs dann gab es draußen einen kräftigen Rumms, ich erschrak mich und zack – eine hübsche Zacke in der weißen Ziernaht. War mir aber nun auch egal. Und warum war mir das alles so egal? Weil das ganze Projekt eben nur ein Versuch war. Der mir nun eigentlich ganz gut gefällt. Gefallen würde, wenn ich es denn hätte richtig machen können 😉 Auf jeden Fall weiß ich nun, dass der Kragen, den ich zum meinem Standardtoü gezeichnet habe, passt.

Die anderen zwei Tops kommen dann in den nächsten Tagen dran. Heute habe ich nämlich gar keine Lust zum Fotografieren – das Licht war nämlich heute UNMÖGLICH!

Jepp, kopflos hat was für sich. Außerdem seht ihr sehr schön, warum ich dem roten Hosenmodell einen Bund angenäht habe: ich mag es gar nicht, wenn die Bluse die Taille verbreitert, weil die Hose/der Rock zu weit unten sitzt. Mochte aber heute keinen Rock tragen … und frischgewaschene Haare mit Monsterlocken ist auch nicht so mein Ding. Meckermeckermecker!

Damit aber nicht genug, denn ich will immer noch die bessere Passform erreichen: ich habe bei dieser Bluse mittlerweile die Schultern nach vorne verlegt, die Armlöcher einen Zentimeter nach oben verlegt, dem Brustabnäher einen halben Zentimeter mehr Weite verschafft, den Halsausschnitt hinten enger gemacht und die Länge zwischen rückwärtiger Schulter und Achsel um einen halben Zentimeter verkürzt.
Aber weiterhin rutscht der Halsauschnitt beim Tragen vom Nacken hinunter. Und es bilden sich Falten, die in keinem Fitting-Buch verzeichnet sind. Und es klafft am hinteren Armausschnitt:

Meine ganz schlimme rechte Seite – wobei ich hier beim Knipsen auch sehr schief stand.

Die weniger schlimme linke Seite.

Die Falten von Schulter zu Schulterblatt.

Nun habe ich hin und her überlegt, dass mein Rücken vielleicht zu krumm ist. Dann müsste ich mehr Länge zwischen Schulter und Achsel in der HM einfügen. Allerdings würde sich bei einem Rundrücken das Ausschnitt nach oben schieben und die Falten würde in die umgekehrte Richtung zeigen, nämlich vom Nacken zur Achsel.
Eine andere Theorie zur Entfernung des hinteren Armlochklaffens besagt, dass das wirklich zuviel Länge ist – dabei müsste das Rückenteil an der Achsel schmaler geschnitten werden. Was mir im Grunde logischer erscheint, denn mein Brustkorb ist schmal und gerade; da würde ich genau den Zipfel Papier/Stoff wegschneiden, den mein Brustkorb nicht braucht.
ABER dann habe ich – so denke ich es mir – vielleicht doch ein Problem mit meiner neuen Oberweite: hier könnte durchaus noch ein wenig mehr Luft sein. Wenn ich nun hinten wegnehme und vorne zugebe, verteilt es sich dann wirklich so, wie es sollte? Auf der rechten Seitenansicht sieht man ganz gut, wie sich der eigentlich gut passende vordere Armausschnitt und der genau richtig sitzende Brustabnäher nach hinten drehen – weil mir der hintere Kragen rutscht und das Rückenteil zieht. Was ist die Lösung? Hinten wegnehmen, vorne zugeben und dazu die Schulternaht noch weiter nach vorne drehen? Aber wenn das Rückenteil da bliebe, wo es hingehört, sitzt die Schulternaht im richtigen Winkel …

Was genau also sagen diese hinteren undefinierbaren Falten? Hervorspringende Schulterblätter sind es nicht, mein Rücken selbst ist auch nicht gerundet, nur die Armkugeln und die habe ich im Griff. Auch die vorderen Armausschnitte werden besser mit jeder Änderung, und dennoch komme ich hier jetzt nicht weiter.

So, das war wieder einmal lang und unklar. Kein Tag zum Bloggen heute, eigentlich.

Diese Beiträge könnten dich interessieren: