Constanze Derham – Stoff und Faden

Draußen regnet es bitterlich und durchdringend; das weiß ich genau, denn ich war mit Maxi draußen und sitze nun hier – drinnen, aber nass. Die frostigen Füße auf der Heizung, die nassen Haare im Handtuch und mit Bademantel über der Skiunterwäsche des Gatten. Was sonst könnte ich tun, als mich Büchern zuzuwenden? Eben.

Wie viele andere habe ich mich noch vor Weihnachten über eine Ergänzung der Nähbibliothek freuen dürfen – vielen lieben Dank an dich, Constanze. Die die meisten von euch kennen durch ihren Blog Nahtzugabe, der für die Nähgemeinschaft in etwa das ist, was Tichiro für die Strickenden war – eine Anlaufstelle für alle möglichen Infos rund um unser Hobby. Regelmäßig durchforstet Constanze das Netz und Magazine, bewertet kritisch und lobt freudig und macht damit Lust auf mehr.

Und mehr gibt es jetzt: Stoff und Faden heißt ihr neuestes Buch, das sogar eine eigene Webpräsenz erhalten hat – Ehre, wem Ehre gebührt. Bemerkenswert finde ich, dass sie sich dabei auf Freunde und sich selbst verlassen hat und das Buch im Selbstverlag herausbringt: das ist mal echte Handarbeit. Für renommierte Verlage wäre das Büchlein vermutlich zu klein, zu speziell, zu wenig publikumswirksam gewesen: welche Hobbyschneiderin würde sich wohl für Materialien interessieren?

Ich behaupte mal: jede, die etwas länger als ein Jahr näht und anderes herstellt als nur Federmäppchen und Handyhüllen. Wer für sich selbst näht, kommt gar nicht drumherum, sich mit dem Stoff zu beschäftigen. Wir haben es alle erlebt, wie das mühsam zusammen gestoppelte erste Kleid zwickte und zwackte, weil sich Quiltstoffe eben nicht für elegante Etuikleider eignen. Wie sich der mit Liebe handgesäumte Tellerrock knisternd um die Beine wickelte, weil Poly nicht die beste Wahl war. Oder wie das perfekte Weihnachtskleid sich nach der Wäsche als Putzlumpen präsentierte, weil es zu heiß gewaschen oder gebügelt wurde.

 

 

Nun finden sich  in den meisten Nähbüchern auch Stofflexika. Doch da geht es mir so wie mit meinen Konstruktionsbüchern: alle erzählen mir vom gleichen Thema, aber keines nimmt sich der Sache vollständig an. In Buch eins erfahre ich verblüffend viel über Samt und Seide und wie ich sie nähe, aber kein Wort über Bügeltemperatur oder Leinen. Dazu brauche ich Buch zwei und drei und vier. Und hier finde ich Constanzes Lexikon viel hilfreicher: statt Bild über Bild von Cloqué und Crêpe zu zeigen, erzählt sie von Herstellungsverfahren, Erscheinungsbild, Historie und vergißt Wasch- und Bügelanweisungen nicht, sogar Nadelstärken empfiehlt sie.

 

 

In Aufmachung und Layout, Größe und Handlichkeit und nicht zuletzt in dem als selbstverständlich vorausgesetzten Anspruch der Hobbyschneiderin, sich auch mit der materialtechnischen Seite des kreativen Prozesses zu befassen, erinnert mich das Buch sehr positiv an meine Handarbeitsbücher aus den 50er/60ern – nicht ohne Grund kam mir Marlene Esser in den Sinn. Über die auch Constanze schon einiges zu erzählen wußte. Dabei kommt Constanze ohne den leicht amüsiert-belehrenden Ton der Genannten aus.

 

 

Zu dem Eindruck der Nostalgie tragen auch die Illustrationen bei: Schwarz-Weiß-Zeichnungen, die – meiner Meinung nach – viel deutlicher als jede Fotografie das Gewünschte zeigen. Doch obwohl meine Vintageliebe sich mit diesem Büchlein gestreichelt fühlt, es ist ein Lexikon, das auf dem allerneuesten Stand ist. Sollte es jede Hobbyschneiderin besitzen? Ich denke schon …

Stoff und Faden ist im Selbstverlag erschienen, kostet 14,- € und ist über die o.g. Webseiten direkt von Constanze erhältlich; aber auch über Buchhandlungen und Amazon sollte es beziehbar sein.

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Ein Kommentar

  1. Danke für die Empfehlung, das bestelle ich gleich! Sofort interessiert mich ja sehr 🙂
    LG, Sabine

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