Der nicht zu unterschätzende Einfluss von Haustieren auf den Inhalt des Kleiderschrankes

Die Kurzfassung des Titels lautet übrigens: Ach, Mist! Oder?

Ich liebe meine Tiere und bin jeden Tag aufs Neue froh und glücklich, zwei Katzen und zwei Hunde um mich zu haben. Jedes Tier hat seine Marotten und seine unverwechselbare Persönlichkeit, alle vier sind schmusig, unterhaltsam, albern, zickig und anspruchsvoll. So weit, so wunderbar.

Weniger wunderbar ist für mich, die immer Wert auf „ordentliche“ Kleidung legte, dass meine bevorzugten Haustiere keine Nacktschnecken, sondern seidig-weiche oder wollig-kuschelige Fellträger sind. Es ist eine grobe Nachlässigkeit der Natur, dieses Fell aus einzelnen Haaren gestaltet zu haben, die sich allesamt lösen können. Und das auch tun. Täglich, stündlich, minütlich. Eine Bewegung, ein Luftzug, eine Krauleinheit und schon versinkt das Haus in Einzelhaaren und Fellbüscheln. Das ist, ich muss es so hart sagen, vor allem Maxens Schuld. Ich habe es über Wochen versucht, ihn täglich mehrmals zu striegeln, was er immer nur auf einer Seite zulässt und das nicht lang. Nach etwa zehn Minuten schmerzt mein Arm und seine Geduld schwindet. Neben uns liegt dann schon die Pelzausstattung für einen zweiten Hund mittlerer Größe und dennoch: Streichel ich nun leicht über sein Fell, so wirbeln 15.378 Härchen in die Atmosphäre. Im Grunde müsste ich täglich zweimal saugen. Was, die treue und langjährige Begleiterin dieser meiner Aufzeichnungen weiß es, genau mein Ding ist – man erinnere sich an Frau Dr. h.c. Hüberlein! Aber ich habe leider noch anderes zu tun.

Wen wundert es also, dass es sich für mich und meine ordentiche Kleidung einigermaßen schwierig gestaltet, unbeschadet und eben ordentlich durch diese Fellflut zu gelangen? Ich, mit meiner laxen Haushaltsmoral und meiner Vorliebe für Dunkelblau und Unifarben, stand also seit dem vergangenen Jahr, als Max zu uns kam, und mehr noch seit Ostern, als Micky einzog, recht oft verzweifelt vor Schrank und Spiegel. Denn was sah ich?

 

 

Und man möge mir glauben: Das sieht auf dem Bild noch richtig gut aus! Maxens Haare sind hartnäckig, für zehn Quadratzentimeter benötige ich etwa zwei Kleberollenpapiere. Wenn ich danach noch per Hand zupfe. Naürlich suchte ich nach Lösungen. Irgendwo musste es doch eine Grenze geben: Während ich zu Vintage- und Nur-Katzen-Zeiten unbesorgt in dunkelblauen Crêpekleidern und 8cm-Absätzen putzte, wusch und kochte und die vier Katzenhaare als nötige Ergänzung des Outfit betrachtete, habe ich nun Schwierigkeiten, selbst unempfindliche Kleidung gepflegt aussehen zu lassen.

Gut, der Stilwandel kam vor Maxens Ankunft und machte sein Leben mit uns erst möglich. Aber natürlich habe ich mich auch ihm angepasst: Da ich selten außerhalb des Hauses umherlaufe, ohne dass die Hunde dabei sind, habe ich keinen Bedarf mehr an hohen Schuhen (und kann auch kaum noch länger in ihnen umherlaufen). Und ist das Wetter nass und ungemütlich, so trage ich den ganzen Tag über kuschelig-wasserunempfindliches, weil ich keine Lust habe, mich dreimal umzuziehen. Manchmal wünschte ich mir etwas mehr Eleganz zurück, aber um auf dem Sofa an Kriminalromanen zu tippen, braucht es das eben auch nicht.

Was mich aber doch sehr ärgert: Stilistisch komme ich irgendwie klar, aber uni Dunkelblau ist passé, fini, Geschichte. Es gibt keine Farbe in meinem Schrank, die schlechter mit vier Tieren kompatibel wäre. Perfekt hingegen sind mittlere Farbtöne und Muster. Ideal ist vor allem Grau. Mag ich ja auch, aber als Grundfarbe für die Garderobe? Trist, traurig, trübe. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Das muss ich nun herausfinden. Aber wenn ich der Haare nicht Herr werden kann, muss ich mich mit ihnen verbünden. Also her mit den Drucken, den hellen Blautönen, den Graunuancen und der hoffentlich wiederentdeckten Nählust. In den nächsten Tagen möchte ich ein graues Wolljackett zuschneiden und nähen, um für die Gassigänge gerüstet zu sein, die trocken, sonnig und freundlich herbstlich sind.

ABER falls jemand einen erprobten Praxistipp hat, wie ich Tierhaare und Dunkelblau nicht vermenge, bitte her damit.

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Kommentare

    • Michou

      😀 Ich befürchte ja, dass das seine Willigkeit, mir zu gefallen, weit überschreitet. Er ist ja mehr Partner als Untergebener, das hat er klar gemacht, nachdem er die Katzen beobachtet hat. 😀
      Klara – Mensch, das ist auch eine Geschichte, an die ich ewig nicht dachte … Danke dafür!

  1. Ursula

    Wie wäre es mit Putzertierchen, die sich um den Haarüberschuss der geliebten Fellpfoten kümmern? Die Frage ist leider, woher nehmen. Gibt es nicht Tiere, die ihre Nester bevorzugt mit tierischen Haaren auskleiden? Wenn Du die auf Eure Vier dressieren könntest …
    Zum Trost: Ich glaube nicht, dass Du mit den Schleimspuren domestizierter Nacktschnecken auf Deiner Kleidung glücklicher wärst.

    Viele Grüße
    Ursula

  2. Ute

    Als leid geprüfte ehemalige Besitzerin eines weißen Schäferhundes kann ich dir sagen, dass es nur eine Möglichkeit gibt Tierhaare und dunkelblau verträglich zu gestalten: ein Hund mit schwarzem Fell.

    Unsere Hunde dürfen nicht in den ersten Stock des Hauses, was zumindest bei den Hundehaaren für etwas Erleichterung gesorgt hat, da die Katze sich aber im ganzen Haus frei bewegt, hilft das auch nur wenig.

    Unser jetziger Hund haart kaum, bei der Vorgängerin, habe ich tatsächlich täglich gesaugt ohne sichtbaren Effekt. Eine Lösung habe ich in 13 Jahren leider nicht gefunden.

    • Michou

      Mit einer Runde in der Waschmaschine scheinen sich die Haare sogar erst richtig in den Stoff zu verweben – alles doof 😀 (Wie weit bist du denn mit deinem Text? Ich habe es nicht vergessen!)

  3. Ja, das leidige Problem der Hundehaare kenne ich auch und wenn in den Zeiten des Fellwechsels die Hundehaare büschelweise im Haus herumliegen, obwohl ich doch gerade erst gesaugt habe, nervt mich das auch immer ganz schön. Nun ja, so ist es, wenn man mit Tieren zusammenlebt, denn die Alternative wäre ja nur die Hundehütte im Garten und das würde in unserer Familie keiner übers Herz bringen, : ).
    LG von Susanne

  4. Auf die Kleidung? Das hat Einfluss auf die gesamte Einrichtung des gesamten Hauses! Teure Teppiche? Liegt eh nur der Hund drauf, und die Katzen wetzen ihre Tatzen. Exotisch anmutende Korbmöbel? Rausgeworfenes Geld, denn es dauert nur Wochen, bis überall spitze Enden herausstehen, an denen alle ständig hängenbleiben. Alle, nur nicht die Tiere, versteht sich. Ist übrigens auch so, wenn man Babies oder kleine Kinder hat. Oder irgendwelche staubtreibenden Hobbies. Wer Schöner-Wohnen und makelloses Äußeres für unabdingbar hält, muss wohl allein und hobbylos bleiben. Isso …. 😉

    • Michou

      Ach, das häusliche Ambiente habe ich mit der ersten Schwangerschaft abgeschrieben. Damit kann ich noch so gerade leben, obwohl ich es auch gerne anders hätte. Und bei uns sind es wirklich übel an vielen Stellen aus – weil die Katzen kratzten und die Kinder kritzelten und keiner die Zeit und Lust hatte, das zu verbessern. Aber nun geht es echt ans Eingemachte – Dunkelblau!!

  5. Du darfst einfach ab sofort nur noch Stoffe in Hundefarbe kaufen 😀 . Bei mir ist es der fluffige Kater, der haart. Er wird zwar gerne gebürstet, aber so richtig nützen tut es nicht, das ganze Haus ist voller hellroter Haare. Zum Glück haften Katzenhaare nicht ganz so hartnäckig, weil sie etwas weicher sind, aber ein bisschen Balu habe ich auch immer dabei 😀

    • Michou

      Ein bißchen ist ja auch immer ok, das gehört doch irgendwie dazu. Aber die Nutzlosigkeit meines Tuns steht mir zu oft vor Augen. Im Augenblick sauge ich jeden Nachmittag und bin dann morgens entsetzt, warum der Wohnzimmerboden komplett verhaart ist!

  6. Was für ein schöner Post! Spricht mir aus der Seele, denn gerade am Wochenende daheim haben sich die umherfliegenden Katzenhaare gemütlich in die neue Hose eingearbeitet….. Schlechte Laune bekam ich aber erst, als ich nach Abtrocknen im Gesicht voll Katzenhaare war, weil Kater Lenin wieder drei Tage im Handtuchfach geschlafen hatte …. und ich „frische“ Handtücher im Bad verteilt hatte.
    Neben der Farbe denke ich vor allem dass es eine Frage des Materials ist, wie sichtbar Tierhaare sind. Auf Jeans haftet es nicht so gut gut, auf Wolle, Strick usw. dafür wie die Pest. Wenn also dunkelblau, dann schöner glatter Stoff 😉 wie Bibernylon von Stoff und Stil – gibt es auch in marine. LG Kuestensocke

    • Michou

      Das kenne ich auch – Handtuch und Katzenhaare, die dir Stunden später noch in die Augen geraten können 😀
      Bibernylon? Was immer das ist, das klingt jetzt nicht nach Kleiderstoff und wenn ich daran denke, bin ich doch betrübt. Aber natürlich hast du recht, das Material spielt die größte Rolle dabei, doch ist man auch da eingeschränkt: Alles, was ich gerne trage, womit ich gerne nähe, scheidet aus. Und das lähmt mich gar sehr …

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