Die Epidermis, unser Arbeitsfeld

Einen groben Überblick über unsere Haut und ihre Aufgaben haben wir nun, aber bevor wir nun freudestrahlend die Schminktöpfchen hervorkramen und lospinseln, nehmen wir uns unser eigentliches Arbeitsfeld noch einmal vor.

Die Oberhaut oder Epidermis ist also das, was wir sehen, was wir fühlen und was wir pflegen – wenn wir es denn tun. Sie ist es, über die wir uns ärgern (und sie sich über uns!), die wir waschen, cremen und schminken und die wir zerren, drücken und quälen. Manche tun dies, manche tun das, manche alles. Grund genug, genauer hin zu schauen:

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Das Bild ist nur ein sehr grobes Schema; die Epidermis besteht aus 5 Schichten, die allerdings nicht strikt voneinander getrennt sind, sondern ineinander übergehen: im Grunde sind es Zeitstufen, die die Zelle durchläuft, bis sie als abgestorbenes Hautschüppchen abfällt. Die untere Schicht hatten wir schon angesprochen – die Mutterzellschicht, die sich ständig teilt und dadurch für Nachschub sorgt. Statt wie auf dem Bild liegen nicht nur fünf oder sechs Zellreihen übereinander, da kommt einiges mehr zusammen.

In der Epidermis befinden sich keine Gefäße mehr. Aus naheliegenden Gründen: liefen hier viele Blutgefäße entlang, so würden wir wohl den ganzen Tag über immer wieder Blut verlieren (die Wäscheberge!), aber vor allem wären allen möglichen bösartigen Angreifern Tür und Tor weit geöffnet. Stattdessen können wir uns die Oberhaut als Burgmauer mit allem Drum und Dran vorstellen: Zinnen, Wassergraben, glühendes Pech, Wachsoldaten und was immer wir wollen. Nichts soll rein, wenn möglich auch nichts raus. Soweit die Theorie …

Nun sind wir nicht alle gleich: so wie die Eine rote, die Andere blonde Haare von der Natur mitbekommen hat, so sind auch die Eigenheiten der Haut unterschiedlich verteilt. Es gibt Talgdrüsen, die unermüdlich zu produzieren scheinen, andere lassen sich kaum dazu bewegen. Manche Haut neigt zu einer zu starken Schweißbildung, die nächste wieder leidet unter einer Verhornungsstörung. Die Eine ist hochempfindlich, der Anderen scheint nichts etwas anhaben zu können – es gibt also die unterschiedlichsten Anlagen. Und diese werden auch noch durch Pflegegewohnheiten, Lebensumstände, Wohnort, Psyche und Medikamente beeinflusst. Mitunter sogar massiv. Und schon ist ein sehr wichtiges Gleichgewicht gestört:

Unsere Haut hält noch einen chemischen Schutz bereit – den Säureschutzmantel, von dem sicher alle schon gehört haben. Vereinfacht ausgedrückt besteht dieser aus abgestorbenen Hautzellen (sozusagen die Mauersteine), aus Schweiß und Talg, aus (für uns wichtigen, gesunden) Bakterien und anderen körperfremden Substanzen wie z.B. Staub (alles zusammen der Mörtel, um alles zusammen zu halten). Es sind auch Substanzen wie Harn- und Milchsäuren enthalten, für uns ist das eher unwichtig. Also bleiben wir bei den fünf genannten Bestandteilen, die in einem ausgewogenen Verhälntis zu einander stehen müssen, um eine funktionsfähige Schutzwand aufbauen zu können. Das lässt sich am Beispiel Mauer auch gut nachvollziehen: habe ich beispielsweise zu viele Ziegel und zu wenig Mörtel, so wird es entweder einer sehr löchrige Wand werden oder eine, die beim kleinsten Stoß zusammen bricht. Ist der Mörtel zu dünnflüssig, so kann er nicht fest werden – wieder nix mit der glatten, fest verfugten Wand. Ganz einfach eigentlich.

Übertragen auf unsere Haut heißt das: ich brauche Hornzellen, die von guter Qualität sind und das in der richtigen Quantität. Ich brauche Fett und Schweiß, die miteinander vermischt den Mörtel bilden. Ich muss die Hautflora – also den Lebensraum von Bakterien und Pilzen auf meiner Haut – respektieren. Ich muss schützen, nicht zerstören. Oder nachhelfen, wo sich meine Haut nicht mehr selbst helfen kann – sei es, dass sie durch Medikamente oder falsche Pflege gestört worden ist oder von Natur aus einen Mangel aufweist.

So und nun stehe ich vor dem Problem, wie ausführlich es eigentlich werden sollte: spreche ich den pH-Wert an, bei dem sehr umstritten ist, wie wichtig er ist? Erkläre ich genau, wie Bakterien auf unserer Haut sich ihren Platz nicht nehmen lassen wollen und daher äußere Angreifer abwehren? Ist es wichtig, was mit dem Schweiß aus dem Körper heraus gebracht wird und was Verdunstungskühle bedeutet? Braucht es eingehende Beschreibungen des Haarwachstumszyklus? Muss die Rein’sche Barriere ein Thema sein? Ich glaube: Nein. Wer sich nun intensiver mit dem Thema beschäftigen möchte, findet anhand der Stichworte alles dazu in den Weiten des Netzes. Das kann sehr spannend sein, spielt aber für die tägliche Pflege keine Rolle.
Eine größere Rolle spielt jetzt gerade Minusch, die Getigerte, die der Meinung ist, nun, da die Jungs sich fürs Schlafengehen fertig machen, sei endlich ihre Zeit gekommen: ich sitze hier mit untergeschlagenen Beinen auf dem Sofa, auf dem Schoß den Laptop und dazwischen eine mittlerweile deutlich schwerere Katze, deren selig ein- und ausfahrende Krallen ich aus meinem Merinostrickpulli (Ja, Sommer – ha!) klauben muss. Mit zehn Fingern tippen und gleichzeitig mit zwei Händen Katze kraulen und Laptop sichern … ich schaffe es nicht. Deshalb gibt es jetzt eine unerwartete Pause. Die nicht ungenutzt verstreichen soll: ihr macht euch nun mal Gedanken, welche Einflüsse sich wohl auf die Horn- und Talgproduktion auswirken und was es wohl mit dem Wasser in und zwischen den Zellen auf sich hat. Wollen doch mal sehen, ob es hier Einserschülerinnen geben wird.