Ein bißchen Fischer, ein wenig Audrey

Nähend werde ich immer langsamer und langsamer – das mag damit zusammen hängen, dass ich immer weniger gut winzige Aufschriften lesen und dem Lauf der Nähmaschinennadel folgen kann. Oder, was viel schöner klingt, es liegt einfach an der mangelnden Zeit und darab, dass ich somit weniger im Training bin. Ja, es ist eindeutig die Zeit, die ein Problem ist …

Wie immer, wenn ich nicht viel nähe, kaufe ich viel zu viel Stoff und diese Stapel muss ich, will ich abarbeiten. Nun also eine Bluse. Eine Hemdbluse. Die in der ersten Version noch einen Kragen hatte, den ich schlampig schnell nach einer 08/15-Anleitung gezeichnet hatte. Hat sich gerächt. Also ist es nun eine kragenlose, manschettenlose und nahezu knopflose Hemdbluse geworden, die mich ein wenig an norddeutsche Fischerhemden erinnert:

 

 

Und weil das Hemdblüschen so ganz ohne Kragen ein wenig traurig wirkte, spielte ich mit den Stoffresten umher und beschloss, eine Art Schleife auf Höhe der sonst üblichen Brusttaschen anzubringen. Wie immer hätte ich das viel ordentlicher machen sollen, aber wie gesagt: Mir verschwimmen mitunter die Nähte vor den Augen, wenn es um Millimeterarbeit geht.

 

 

Aus dem Hemdschnitt möchte ich in nächster Zeit noch mehr heraus holen: Mit einem vernünftig konstruierten Kragen, mit einem leicht abgeschrägten Halsausschnitt, mit einer Passe auch im vorderen Bereich, vielleicht doch auch mit Taillenabnähern, mit mehr Knöpfen – der Möglichkeiten sind bei diesem simplen Schnitt ja viele.

 

 

Dieses Mal habe ich dem Rückenteil eine Kellerfalte von insgesamt 12 cm Mehrweite spendiert. Das gefällt mir zwar sehr gut, lässt mich aber nicht gut testen, ob der Schnitt mit Abnähern nicht doch zu eng an der Hüfte wird. Und für Probemodelle habe ich mittlerweile gar keine Zeit mehr, was verblüffend ist: Früher, als die Jungs noch klein waren, nahm ich immer an, dass ich unglaublich viel Zeit für Haus und Haar und Haut und halles handeres haben würde, wenn sie erst einmal in der weiterführenden Schule sein würden. Erstaunlicherweise sieht die Realität anders aus, aber tiefergehende Gedanken über unser Schulwesen mache ich mir ein anderes Mal.

Weniger Zeit ist natürlich nicht nur den Kindern geschuldet, sondern auch den Tieren, die ebenfalls ihr Recht auf Nähe und Schmusen fordern. Und auch das verhasste Fotografieren ist dank der drei vierbeinigen Lebenwesen nicht leichter oder zeiteffizienter geworden. So sieht das nämlich aus, wenn ich mein Stativ aufbaue:

 

Die Küche ist der einzige Raum, in den Maxi nur zögerlich eintritt und mit sehr viel Respekt. Ganz besonders, wenn eine der Katzen schon dort ist. Richtig schlimm ist es, wenn er zwar in meiner Nähe sein will, aber ein garstiger Sturm ums Haus und durch den Dunstabzug lärmt – vor starkem Wind fürchtet er sich nämlich richtig. Da gab es dann ein Extraleckerchen für ihn:

 

 

Er verschwand dann doch lieber in seinem Boot, was Momo dazu nutzte, mein Haargummi über den Boden zu scheuchen, es unter dem Kühlschrank zu verstauen und mir auf den Arm zu hüpfen.

 

 

Viel hübscher kann die Hemdbluse nicht präsentiert werden als mit Momo auf dem Arm. Die natürlich sofort wieder runter wollte, als Minusch in der Tür auftauchte – das war der Moment, an dem ich aufgab:  Die neuen Ballerinen hatte ich lang genug eingelaufen, Maxi brauchte seinen zweiten Spaziergang und überhaupt hatte ich noch so viel vor an diesem Tag. Nichts davon ist bislang wirklich geschafft. Erst beim Sichten der Bilder gerade eben fiel mir auf, dass Hose und Schuhe dem eh schon femininen Fischerhemd noch einen Minihauch von Audrey verleihen. Kann so bleiben, denke ich …

Und obwohl es hier ganz viele Tiere gibt, genäht habe ich nur für mich und deshalb qualifiziert sich die störrische Hemdbluse für den RUMS.

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Kommentare

  1. Ich liebe ja schlichte Schnitte und obwohl deine Bluse quasi abgespeckt ist, hat sie doch das gewisse Etwas durch die angedeuteten Schleifen statt der Brusttaschen und auch die Idee, nur zwei, dafür aber größere Knöpfe anzubringen, finde ich, je länger ich die Bluse betrachte, richtig klasse und erfrischend anders.
    LG von Susanne

    • Michou

      Und all das – die Schleifen, die Knöpfe – sind ja nur aus leichter Verzweiflung und Lustlosigkeit entstanden. Aber als ich dann vor dem Spiegel stand, fand ich das Ergebnis erstaunlich gut. Ein klein bißchen niedlich vielleicht, aber nicht kindlich.
      Aber mal was anderes: irgendwie kommen meine Kommentare bei dir im Blog nicht durch, kann das sein? Oder hatte ich was dummes geschrieben? 😀

  2. „Viel hübscher kann die Hemdbluse nicht präsentiert werden als mit Momo auf dem Arm. “ Treffender hättest du das nicht schreiben können – Momo ist wirklich eine ganz Wunderhübsche! <3
    Aber auch du siehst wieder einmal einfach unverschämt gut aus!
    Die Bluse gefällt mir auch, die Schleifen sind eine tolle Idee – und die Kellerfalte im Rücken ist mindestens genauso klasse!

    Liebe Grüße,
    Sabrina

    • Michou

      Momo ist auch eine wirklich entzückende Katzendame, die wohl ewig Baby bleiben wird 😀
      Und ich kann ja mit Komplimenten schlecht umgehen – gar nicht eigentlich. Das bringt mich immer dazu, mich sofort kritisch über mich selbst zu äußern 😀

  3. joanna

    „aus leichter Lustlosigkeit und Verzweiflung“ ist Dir was richtig schönes gelungen :-).
    Mal schauen was mir heute meine Lustlosigkeit und Verzweiflung erbringen, Hoffnung darf ich haben ;-).

    PS über unser Schulsystem tiefergehende Gedanken sich zu machen führt geradewegs in wesentlich weniger produktiv-kreative Verzweiflung …

    • Michou

      Ich drücke fest die Daumen und bin sehr zuversichtlich, dass du etwas Herrliches produzieren wirst und deine Verzweiflung geringer sein wird als die meine 😀
      Und Schule … es wird ja immer schlimmer und schlimmer und belastet uns alle massiv. Leider.

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