Ein heiterer Haushaltstag mit Frau Andrea

fraudrhüberleinMeine Damen, lassen Sie mich Ihnen ein herzliches Willkommen zurufen und gestatten Sie, dass ich mich Ihnen vorstelle:
Frau Dr.h.c. Hüberlein, Hauswirtschafts- und Schönheitsexpertin und Ratgeberin in allen Frauenfragen. Sicher haben Sie schon von mir gehört und so begrüße ich Sie heute im Heim von Frau Stephen Instone, deren freudige Überraschung ihr lebhaft in ihr reizendes Antlitz geschrieben war, als ich heute morgen vor ihrer Türe stand. Ich habe es mir zur hehren Aufgabe gemacht, die Frauen Deutschlands zurück zu ihrer Bestimmung und damit zum wahren Glück zu führen, indem ich ihnen mit Rat und Hilfe zur Seite stehe.

In den letzten Jahren ist eine Entwicklung zu beobachten, die mich äußerst betrübt: Frauen, die Zierde und Schönheit des Menschengeschlechtes, meinen, sich mit dem kämpferischen und starken Manne messen zu müssen und vernachlässigen dabei auf sträfliche Weise ihre Pflichten Familie und Haushalt, ja gar der Gesellschaft gegenüber. Der Haushalt wird als lästig wahrgenommen, Kinder sich selbst überlassen und das eigene Äußere vernachlässigt. Nein, dahin wollen wir es doch nicht kommen lassen: es ist alles nur eine Frage der Einstellung!

Unter uns wollen wir nicht so formal sein und so dürfen wir unsere Gastgeberin vertraut mit Frau Andrea ansprechen. Ich habe sie bei ihrer Arbeit heute begleitet und dabei mit guten Ratschlägen nicht gespart und bin mir sicher, dass sie nun schon auf dem Wege zur glücklichen und ausgeglichenen Hausfrau ist, die sich ihrer Bestimmung bewußt ist und sich so Respekt und Liebe ihrer Familie verdient.

Nun, Frau Andrea war an diesem Samstag erst um acht Uhr erwacht; eine Krankheit, die sie unter der Woche zum Ruhen zwang, mag hier als Entschuldigung gelten. Sie hustete ein wenig vor sich hin und beklagte sich sehr, dass sie alleine für dieses wahrlich sehr vernachlässigte Haus zu sorgen haben solle. Aber meine Damen, mit diesen billigen Ausreden wollen wir von nun an Schluß machen – eine kleine Erkältung muss uns und unseren Aufgaben wahrlich nicht im Wege stehen: in solchen Fällen empfehle ich alte Hausmittel; 5-6 Fiebertabletten aufgelöst in einem halben Liter Klosterfrau Melissengeist oder einem anderen Stärkungsmittel wirken wahre Wunder. Denn wir wollen unserem Gatten doch nicht zumuten, in ein unordentliches Haus abends zurück zu kehren oder gar hart erarbeitetes Geld für eine Haushaltshilfe ausgeben zu müssen, nur weil seine Frau meint, sich als große Dame gebären zu müssen, nicht wahr? Also hopphopp, schnell ins Bad, ein wenig Puder auf die Nase, die Haare frisch frisiert und dann in ein adrettes Hauskleid geschlüpft, die gestärkte Schürze angelegt und an die Arbeit.
Und hier noch einmal die Mahnung an alle Frauen, denen an einer guten Ehe und einem glücklichen Gatten gelegen ist: lassen Sie sich nicht gehen, denn auch andere Mütter haben hübsche Töchter! Bieten Sie immer einen angenehmen Anblick, damit Ihr Mann stolz auf Sie sein kann und Sie jederzeit mit Wohlgefallen anblickt. Glauben Sie mir: auch Sie selbst werden mit mehr Schwung und Freude an die Arbeit gehen, wenn Sie wissen, dass Sie jederzeit gepflegt und hübsch sind. Besonders wird es Sie daher freuen, zu hören, dass nichts auf der Welt dem weiblichen Körper, einer straffen, schlanken und jungen Figur zuträglicher ist als die mit Schwung ausgeführte Hausarbeit. Sie formt die Taille, hält Sie beweglich und elastisch und sorgt für weibliche Anmut, ohne dass sich häßliche Muskeln ausformen, die uns einen männlichen Anschein geben.

Frau Andrea stand nun endlich bereit und so ging es los – ich sah zu und wies sie auf kleine Fehler und Unterlassungen hin,was sie dankbar entgegennahm. Zunächst ging es an das Fegen der Treppen; achten Sie bitte immer darauf, dass Sie in einem mehrstöckigen Haus von oben nach unten arbeiten. Eine gute Organisation ist schon die halbe Arbeit. Für das Fegen der Treppen habe ich zehn Minuten veranschlagt, danach greifen wir uns den Staubsauger und wirbeln ein Liedchen trällernd von der obersten zur untersten Etage und lassen dabei keine Ecke aus. Ja meine Damen, achten Sie auch auf sogenannte Wollmäuse, die sich unter Türen und Stühlen ansammeln können. Für diese Arbeit rechnen wir mit einer knappen Stunde und Sie werden merken, wie Ihre Lebensgeister sich erheben – ein ständiges sich Beugen und Erheben und die Schritte vor, zurück und zur Seite – betrachten Sie diese angenehme Tätigkeit als einen Tanz und schon strahlen Sie den ganzen Tag.

Es war dann allerdings der Zeitpunkt gekommen, an dem Frau Andrea sich erneut beklagte: der Hunger plage sie. Bedenken Sie, meine Damen, dass es noch nie geschadet hat, ein klein wenig zu hungern; ihre Taille wird es Ihnen danken. Zu häufige und frühzeitige Pausen sorgen nur für eine größere Unlust, die nötige Arbeit wieder anzugehen. Wenn Sie einmal begonnen haben, dann arbeiten Sie durch und belohnen sich hernach mit einem gesunden Imbiss bestehend aus einem Apfel und einem frisch belegten Brot – lernen Sie die einfachen Dinge wieder zu schätzen und das gute Gefühl, sich eine Mahlzeit wahrhaftig verdient zu haben. Und so scheuchte ich Frau Andrea weiter, die mir einen dankbaren Blick zuwarf.

Ich sah mich um und gab ihr daraufhin eine Liste der zu erledigenden Aufgaben: da war der Esstisch, der gewischt und neu geölt werden musste, die Backbleche mussten gereinigt werden, das Bad geputzt, Altpapier sortiert, leere Glasflaschen entsorgt, der Kühlschrank und die Küchenschränke gereinigt und der Katzenessplatz versorgt werden. Für all diese Aufgaben braucht eine flotte Frau nicht länger als gute drei Stunden. In diesem Punkte kann ich Frau Andrea nichts vorwerfen: flott ist sie, allein an guter Laune lässt sie es ermangeln. Zwischendurch mussten noch ein Geschenk eingepackt und die Einkäufe (erledigt vom treusorgenden Gatten – das nenne ich großzügige Unterstützung der Hausfrau!) wegsortiert werden.

Meine Damen, Sie sind sicher aufmerksam genug, zu bemerken, dass es noch unendlich viel mehr zu tun gegeben hätte, alleine auch Frau Andrea gehört zu jenen Frauen, die der Meinung sind, das Nötigste müsse manchmal ausreichen. Aber ist das wirklich so? Ich denke, die Betten hätten noch frisch bezogen und gelüftet werden müssen und einige Hemden und Socken gebügelt werden können, bevor sich unsere reizende Gastgeberin ihren Imbiss verdient hätte. Auch die Fenster waren nicht in allen Zimmern streifenfrei klar und von einem frisch gekochten Essen waren wir auch noch weit entfernt: die Familie sah sich gezwungen, eine Brotzeit zum Mittag einzunehmen. Immerhin hat Frau Andrea versprochen, heute abend ein Kartoffel-Ricotta-Gratin und einen gesunden Salat zu bereiten. Sicher, nach getaner Arbeit hat auch die Hausfrau das Recht, die Beine für einige Minuten hochzulegen und in einer Illustrierten zu blättern. Aber wir wollen es damit auch nicht übertreiben. Auch der Blick in den Spiegel sollte zur Pflicht werden, damit wir jederzeit adrett und gepflegt aussehen.

Frau Andrea sitzt also nun auf dem Sofa und erholt sich und nachdem sie noch nicht ganz gesund ist, sei ihr dies auch gestattet – aber das wollen wir nicht zur Gewohnheit werden lassen, nicht wahr? Und ich schließe mit dem Angebot an alle Damen diesen Landes, mich jederzeit in ihr Heim einzuladen, um die hohe Kunst des Haushaltens zu lernen und zu lieben. Damit verabschiede ich mich und entlasse Sie, meine Damen, zurück an den heimischen Herd. Vergessen Sie den Lippenstift nicht!

Ihre Frau Dr.h.c. Hüberlein

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