Ein neues Lieblingskleid

Es ist ja eine Weile her, dass ich DAS von einem Kleid behauptet habe; ich glaube, es ist mein Walliskleid, das diesen Titel bislang trug (und auch weiter tragen wird). Mein Krimidinnerkleid liebe ich auch, habe es aber seit diesem Anlass nicht mehr aus dem Schrank genommen. Alle drei Kleider eint: sie sind blau. Wenn das mal keine Überraschung ist …

Allerdings eint sie auch, dass sie auf Bildern nicht halb so gut rüberkommen wie in Wirklichkeit und das macht mir heute leider besonders zu schaffen. Sieben Menschen haben dieses Kleid live gesehen und waren angetan, aber wie ich das auf ein statisches Bild übertragen kann, werde ich nie begreifen. Und um es noch schwieriger zu gestalten, ist es heute wolkenverhangen und trübe vor den Fenstern und die Bilder verwaschen und undeutlich.

 

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Das Material ist ein taubenblauer Wollcrêpe mit interessanter Webung – feine Struktur, leicht transparent und schwingend fallend; die Verarbeitung war ein Traum. Überhaupt liebe ich an diesem Kleid ganz besonders, dass es aus drei Längsnähten, zwei französischen Abnähern und Ärmeln und Beleg besteht: kein stundenlanges Markieren, kein Reißverschluss, keine Knöpfe, keine Taillennaht – würde ich mir nicht immer selbst im Wege stehen, wäre es in drei Stunden zugeschnitten, genäht und gesäumt.

 

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Von der Seite fällt es schmal und besonders der Rücken ist gut gelungen. Der Schnitt ist übrigens das Original zu der Überziehbluse, deren Konstruktion ich euch hier aufgezeigt hatte. Eigentlich zeigt sich die wahre Schönheit des Kleides in der Bewegung.

 

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Ich denke, ich werde den Schnitt für weitere Kleider verwenden bzw. modifizieren: Gerne hätte ich Kleider, die am Saum schmäler sind und dennoch an mir entlangfließen. Nach den jetzt zu nähenden Mänteln werde ich mich einmal dran setzen. Das Kaminkleid übrigens hat mit diesem Schnitt weniger gemein als vermutet: es ist in der Taille deutlich weiter und am Saum um ein vielfaches schmäler als dieses hier und wirkt dadurch kompakter und weniger zierlich.

 

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Der Gatte hatte dieses Kleid in seinem Rohzustand übrigens als “hübschen Sack” bezeichnet; ich erwähnte das schon. Bevor ich meiner Empörung Ausdruck verleihen konnte, fasste er mich um die Taille (die er offenbar leicht finden konnte) und meinte, ich sähe sehr zart und jung und frisch darin aus. Soviel zu der von Beate aufgeworfenen Frage (in einem Kommentar zum Kaminkleid, der mir sehr gefiel), ob “frau heut­zutage eigentlich immer wie ´ne Fleischauslage rum­laufen” muss. Offenbar nicht, wenn das Ziel die liebevolle Aufmerksamkeit des Gatten sein sollte.

Das entschlossene Volumen auch dieses Kleides dürfte dir, liebe Beate, also gefallen und ich bin ganz deiner Meinung. Und beneide dich im übrigen um deine silberne Haarpracht; bislang war mir dein Blog gar nicht vertraut, das werde ich nachher einmal ändern.

Und nun erwarte ich Lob dafür, dass ich sehr brav und fleißig und anständig meine fertigen Werke endlich gezeigt habe. Es fehlt noch ein grauer Mantel, der vielleicht morgen dran kommt. Das Wetter passt ja.

 

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