Eine düstere Zukunft lässt sich erahnen (im Buch wie im Leben?)

Heute überwinde ich mich wieder einmal und bin mutig: zwölf Minuten Lesung!

Ihr kennt das doch auch, oder? Die eigene Stimme zu hören, kostet schon Überwindung. Sich beim Reden zu betrachten, noch viel mehr. Ich bin zwar ein eher zurückhaltende Person, aber ein ruhiges Gesicht besitze ich jedoch nicht. Egal, an welcher Stele ich das Video anhalten, ich ziehe eine Grimasse. Da könnt ihr euch gerne ein Extraspäßchen gönnen.

In vier Wochen veröffentliche den zweiten Band und weil er schon jetzt vorbestellbar ist, dürft ihr noch einmal hinein hören. Ich möchte aber noch gerne erklären, weshalb ich diesen Ausschnitt gewählt habe – zufällig ist es Kapitel 2 Szene 2 aus Band 2 und weist ziemlich deutlich auf das hin, was noch kommen wird.

Es gibt ja einige, meist englischsprachige Krimiserien, die in den Zwanzigerjahren spielen. Und dort bleiben sie meist auch und seien es 40 Bände. Zwar bekommen die Hauptdarsteller viele, viele Fälle, Kinder, private Erlebnisse en masse und mitunter sogar ein dutzend Weihnachtstage, doch die Zeit bleibt gerne stehen  –  ein ewiges 1925 zum Beispiel. Das ist verständlich, denn alles, was davor war und danach kam, entbehrt der überschäumenden Lebenslust, die wir mit diesen Jahren verbinden.

Ich muss es nicht sagen: Für mich funktioniert das nicht.

Ebenso gibt es Krimireihen, die in den unblutigen Bereich fallen – ich will keinesfalls en detail von Folter, Tod und Vergewaltigung lesen, schon gar nicht mehr über mehrere Seiten. Ich habe es gerne einmal lustig zwischen den spannenden Szenen, ich mag es, wenn die Autorin mir auch Dinge zeigt, die nicht nur mit dem Krimifall zu tun haben. Besonders dann, wenn es fremde Orten oder fremde Zeiten sind, die mir gezeigt werden. Ich mag Nebenfiguren, die fürs Kolorit verantwortlich sind. Aber zu oft geraten wiederkehrende Person zu Lachnummern, die sich zu Wohle der Hauptdarstellerin dämlich, dümmlich oder düster geben müssen.

Logisch: Mag ich auch nich so sehr.

Die Frage ist berechtigt: Mache ich es denn besser? Für mich selbst schon, klar. Aber das sagt nicht viel aus. Ich kann nur sagen, was ich gerne schaffen möchte:

  • Platz für eure Phantasie – weshalb ich nur ausführlich schildere, was unbedingt nötig ist. Ob Tante Tinni nun dunkel, grau oder rosa ist, entscheidet die Leserin nach ihrem Gefühl. Und wie genau ein ärmlicher Raum zeigt, das er ärmlich ist – da hat jede ihr eigenes Kopfkino, um den passenden Film einzulegen. Ich gehe grundsätzlich davon aus, dass eine jede denken kann und denken will. Das ist doch der Zauber des Lesens, nicht wahr?
  • Eine Serie, die voranschreitet – nicht unbedingt in Riesenschritten, weil ich als Schreibende noch wachsen muss, um mich bis ins Dritte Reich vorzuwagen. Aber ich achte sehr darauf, dass die Daten in meinen Geschichten mit den realen Tagen übereinstimmen. Der 6. Dezember 1926 beispielsweise war ein Montag und so erlebt Emma ihn auch.
  • Eine nicht gänzlich unrealistische Fiktion – eine erfundene Geschichte bleibt eine erfundene Geschichte. Aber ich möchte sie so gestalten, dass sie möglich sein könnte.
  • Historisch ohne Belehrung – ich weiß eine ganze Menge über die Zeit und lerne täglich mehr dazu. Noch mehr vergesse ich wieder. Aber das Meiste davon ist vollkommen unwichtig: für mich, für euch, für die Geschichte. Ich lerne gerne aus Büchern, aber es reicht mir, wenn ich zum Nachschlagen und Weiterforschen angeregt werde. Seitenlange Ausführungen, weshalb der Nationalsozialismus unabwendbar war, jagen mich weit weg übers Feld und deshalb spare ich mir derlei.

Was ich mir nicht spare, das sind eben Hinweise auf all das, was schief zu laufen begann. Ob Emma sich über dumme Sprüche ärgert, die Frauen gelten, oder Siegfried auf dem Weg ist, glühender Nazi zu werden und dennoch Freund zu bleiben – das gehört halt zu mir. Die Inhalte des Blogs spiegeln sich ganz zart auch in meinen Krimis wieder. Hoffe ich zumindest.

Jetzt waren das schon bald zwölf Minuten Lesezeit – nun noch einmal zuhören, wie ich vorlese, ist echt nur was für die ganz Hartgesottenen unter euch.

 

 

Und jetzt eben stelle ich fest, dass ich einen Abspanntitel mittenreingehauen habe … ups.

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