Fängt ja gut an:-)

Na, alle gut rüber gekommen? Schön!
Angespornt von meinem überraschenden Erfolg mit einem Burdaschnitt – trotz des verhassten Auskopierens, ich kann es nicht oft genug sagen! – habe ich mich am Silvesternachmittag und gestrigen Vormittag an einen Rock begeben. In den letzten Ausgaben hatte Burda einiges an schönen Bleistiftröcken zu bieten. Diesen hier:

Dann folgte dieses Modell:

Und nun noch dieser Rock:

Zum ersten dieser Röcke hatte ich einen Stoff in meinem Vorrat und die Idee mit dem sichtbaren Reißverschluss gefiel mir so gut, dass ich einen solchen besorgte. Auch den Stoff habe ich gedanklich beiseite gelegt. Nur die entsetzlichen Schnittmusterbögen hielten mich von einem Projektbeginn ab. Und die Tatsache, dass ich nach meiner anfänglichen Vorliebe für seitliche Reißverschlüsse diese mittlerweile an Röcken gestrichen habe: meine Hüftrundung ist eben, nun, ein wenig, hmm, problematisch. Und für die neue Nähmaschine habe ich noch keinen Nähfuß für Nahtreißverschlüsse. Die eh nicht so gut halten, wie ich meine.

Rockmodell Numero zwei hingegen schied sofort aus: das würde ich nie passend bekommen. Und die paar fertiggestellten Röcke, die ich online sehen konnte, saßen selten: oben zu schlottrig, um die Hüfte zu eng.

Der Letzte hingegen, der brachte mich zu Fall: dazu beigetragen haben sicherlich die auf Vintage gestylte Atmosphäre, der schöne Stoff, der kleine Godet, meine Zurückhaltung den anderen beiden Röcken gegenüber – meine Willenskraft war aufgebraucht und so habe ich sogar den Originalstoff bestellt. Mit knapp 30,-€ pro Meter mein bislang teuerster Stoff.

Es ging schon nicht gut los: der Schnittmusterbogen wollte sich partout nicht von seinen Klammern befreien lassen. Ein schmerzhaftes Erlebnis – für mich. Allerdings waren die Blutstropfen auf dem Bogen nicht die einzigen Farbspuren. Der Bogen war wohl nicht trocken, als er gefaltet wurde und so sind viele Linien verschmiert und andere nicht erkennbar, weil sie von den Abdrücken der gegenüberliegenden Seite überdeckt sind. (Und das ist nicht das erste Mal, dass ich das erlebe.) Nun ist der Rock der “rosa unterlegte Extraschnitt”, der eine ausführliche Anleitung bei sich trägt. Bislang habe ich noch nie rosa heraus kopiert. Will ich auch nie wieder: die roten Striche (vor allem die sehr feinen für die 38) lassen sich durch (Burda-) Kopierpapier nicht mehr ausmachen. Eine gute Stunde saß ich am Stricheln, Schauen, Anzeichnen, Vergleichen und Ausschneiden.

Der karierte Stoff ließ sich dafür sehr gut gerade legen. Was mir nicht so viel genutzt hat, denn oben rutschen die Karos doch wieder auseinander – trotz Karchecklinie auf dem Schnitt. Aber das könnte ich verkraften. Nur das Endergebnis … der Reihe nach. Der Schnitt ist also kopiert und die NZ angezeichnet. Dann habe ich nachgemessen. Meine Taille: 70cm. Burdamaßtabelle 38: 70cm. Schnitt: 80cm. ?!? Obere Bundkante soll Taille sein. Wie der Rock da halten soll, ist mir nicht verständlich. Mag sein, dass ich mich vermessen habe; ich bin immer schnell bereit, den Fehler (beim Nähen!) bei mir zu suchen, aber ich habe meinen Standardschnitt an die zusammen gefügten Burdaschnittteile gehalten und dann am obersten Rand der Passe jeweils gute 1cm weggenommen. Und oben herum passt es gut, ohne zu eng zu sein.
Nun mag ich meine Röcke ja eher zu eng als zu weit: als immer zu dünn Gewesene weiß ich, dass nichts dünner macht, als wenn Kleidung schlottert. Nicht in diese Rechnung aufgenommen habe ich, dass ich innerhalb der letzten Wochen (durchaus absichtlich und mit anfänglicher Anstrengung) zugenommen habe. Ich weiß das schon, aber angekommen ist es noch nicht so ganz. Zwar schneide ich Schnitte größer aus, irgendwie. Aber Irgendwie ist es nie richtig: Gehe ich auf die Größe, die für meine Maße angegeben ist, dann ist es überall zu weit. Gehe ich darunter, ist es zu eng. Zeichne ich dazwischen, sitzt es nicht. Sowieso neige ich immer wieder dazu, den Herstellern dieser Schnitte gesunden Menschenverstand zuzutrauen. Selbst Burda. Großer Fehler, sage ich nur, großer Fehler. Wie soll ein normales Menschenkind wie ich auch verstehen, warum nun also ein schmaler Rock (laut Beschreibung, also nicht eng), der für die Maße 70/94 entworfen wurde und der für die Taille – also die Stelle, die wohl die geringste Bequemlichkeitszugabe vertragen kann – 80cm vorsieht, an der Hüfte nun keine 10cm Zugabe hat? Hätte ich mal messen sollen, aber irgendwie ist mir das entglitten … wie auch die Sache mit der Länge:
Der Rock ist 72cm lang und für meine bevorzugte Linie würden daran noch etwa 4 cm fehlen. Aus welchem Grund auch immer: das habe ich vergessen. Zwar habe ich statt der 4cm 5cm für den Saum zugegeben, aber das reicht natürlich nicht (für mich).

Langer Vorrede, kurzer Sinn: ich habe mit dem Nähen begonnen, es passte auch alles nett zueinander und nun weiß ich auch endlich, wie meine eine spitze Passe schön einnäht. Dafür hat es sich gelohnt. Muss ich mir immer wieder sagen. Dann kam die erste Anprobe: Taille sitzt an der richtigen Stelle, kneift nicht, rutscht nicht. Hüfte ist zu eng. Ups! Sofort nörgele ich mich an: “Du doofe Nuss! Hallo? Du hast da 98 cm zu verpacken! Kapier das mal!” Kleinlaut schleiche ich zur Maschine zurück, öffne sehr mühsam die Seitennähte – das mag dieser Stoff gar nicht! – und gebe rundum noch einen guten Zentimeter zu. Hatte ja am Stoff ein klein wenig mehr stehen lassen. Doch nicht ganz doof! Anprobieren, zurück zum Spiegel.
?????!!!!!
Die spitze Passe bzw. die Rockbahn darunter mag nicht freigelassen werden. Zwar sitzt der Rock nun irgendwie angenehmer, nur wellt es sich seitlich der Passenspitze. Und zwar ordentlich. Ziehe ich die Seitennähte wieder straff, ist es besser, kann mich aber nicht mehr rühren. Ich kontrolliere also akribisch den Fadenlauf und die Schrägung und die NZs, um zu sehen, ob ich etwas schief genäht habe. Habe ich nicht. Alles sehr gleichmäßig. Also wieder zur Maschine, wieder Nähte trennen – der Stoff wird nun schon übellaunig und ich nähe ihn so schnell es geht wieder zusammen – in der goldenen Mitte zwischen erster und zweiter Version. So langsam habe ich schon keine Lust mehr, mache aber tapfer weiter. Bis ich dann das mit der fehlenden Länge bewußt registriere. Aaaahhh!!! Da der Godet eine kleinere Saumzugabe hat, bleibt mir nichts anderes, als ihn tiefer einzusetzen und den Saum insgesamt ganz schmal abzusteppen. Mit der Hand annähen ist da keine Option mehr, das würde nach außen kippen. Das Steppen wiederum sorgt natürlich dafür, dass der Godet nun nicht mehr weich fällt, sondern etwas störrisch absteht. Die Falten unterhalb der Passe ziehen sich und lassen den Rock noch enger aussehen, als er schon ist. Mein Bauch wölbt sich in die Passe hinein, von der ich eigentlich einen eher festigenden Effekt erwartet hatte. Meine Rückseite ist etwas überbetont, wobei: mehr Weite hinten sorgt dafür, dass ich noch flacher wirke. Enge hingegen zeigt, warum das so ist 😉

Um mit diesem Thema abzuschließen, habe ich mich heute morgen dennoch entschlossen, den Rock a) zu tragen, b) Bilder zu machen (obwohl ich noch immer nasse Haare habe, ‘tschuldigung) und c) diesen viel zu langen Eintrag als eine Art Abschiedsbrief zu verfassen.

Ja, die Freude steht mir im Gesicht geschrieben …

Eh, die Haare sind nasser als gedacht!

Als Fazit bleibt nur: sollte eine von euch mit diesem Rock liebäugeln, dann wäre ein flacher Bauch eine gute Voraussetzung. Aber das mag auch nur mein Problem sein 🙂 Was ich aber in mein Basisrepertoire einfügen werde, ist der Godet – für weichfallende Stoffe eine schöne Lösung.

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