Feministin? Natürlich!

Seit etwa zwei Wochen gehe ich mit einem Beitrag zum Thema schwanger; immer wieder formen sich (Ab)Sätze, Gedanken und Tiraden, während ich nähe, koche, spazieren gehe. Viele unterschiedliche Stränge, doch bis jetzt morgens früh um fünf verweigerte ich mich dem Wunsche des Verstandes, das auch bloggen zu wollen. Wohlwissend, dass das lang und ausufernd werden könne. Aber nun bin ich seit anderthalb Stunden wach, statt Minusch liegt nun Momo schnurrend auf mir und was sonst soll ich mit dieser geschenkten Zeit beginnen?

Nun bin ich ja grundsätzlich und seit wenigstens 38 Jahren Feministin – bevor ich 8 war, kannte ich den Begriff nicht. Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Handvoll Aufkleber, die- auf welchen Wegen auch immer – bei uns gelandet waren und die ich meinem kleinen Bruder auf sein Bett klebte. Auf jedem waren Bilder von Frauen bei einer Hausarbeit, während ein Mann sinnlos im Hintergrund umherlungerte. Diese Aufkleber waren rund, bunt und oben und unten beschriftet: „Sei im Haushalt nicht nur Pascha, sondern Partner.“
Ich fand es ziemlich ungerecht, dass immer nur ich beim Abspülen und Abtrocknen helfen musste, mein Bruder nur an Ostern und Weihnachten. Bis er eine Gabel zu Boden fallen ließ.
Da formte sich in mir zum ersten Male bewußt heraus, dass das nicht richtig sein konnte. Gut, ich half im Haushalt angeblich nur, weil ich die Große und die Kluge war und er noch zu klein. Daran änderte sich aber seltsamerweise nie etwas und bei all meinen Freundinnen, so ebenfalls mit kleinen Brüdern geschlagen, war das ähnlich.

Aber auf meine persönliche Erweckungsgeschichte will ich gar nicht hinaus (obwohl es spannend wäre, von anderen zu hören, wann sie für sich entdeckten, den gleichen Wert wie männliche Wesen zu haben). Sondern auf zwei andere Aspekte:

Was alles ist Feminismus und was nicht?
Und weshalb spielt er für uns alle überall eine viel größere Rolle, als manche denken?

Entzündet hatte sich mein aktuelles Grübeln und meine momentane Wut an einem Abschnitt eines Artikels aus der FAZ; es ging um eine Jauch-Sendung, die ich grundsätzlich wegen Antipathie nicht mehr schaue. Es ging um Islamismus und um den Auftritt eines Imams, der die Sendung wohl an sich gerissen haben musste. Im Grunde war es die pure Langeweile, die mich dazu einige Artikel nachlesen ließ.

Und dann entflammte mein gerechter Feministinnenzorn durch diese Passage, die wohl nur ein Mann hatte schreiben können:

… Nur meinte Jauch in diesem Frauenbild eine Verfassungswidrigkeit im Sinne der FDGO feststellen zu müssen. Nur ist die katholische Kirche ein Verfassungsfeind, weil sie das Recht auf freie Berufswahl für Frauen einschränkt? Es ist wirklich grotesk, wie mittlerweile gewisse gesellschaftspolitische Überzeugungen zur verpflichtenden Leitlinie für alle gemacht werden sollen. Das geringste Problem am militanten Islamismus ist wirklich sein reaktionäres Frauenbild.

Ich lasse das jetzt mal so stehen und komme später, hoffentlich fädenverknüpfend und schläfrig, darauf zurück. Vielleicht nehmt ihr euch eine Sekunde Zeit, um eure eigenen Gefühle beim Lesen dieses Zitats zu erforschen.

Vor einigen Monaten startete eine persische Journalistin im Londoner Exil eine Aktion über Facebook, die es international bis in die Presse geschafft hat und die in diesem Moment 675.608 likes hat: My stealthy freedom.
Schon alleine in Erinnerung an eine meiner liebsten Mitschülerinnen zu Ausbildungszeiten – klug, warmherzig, gebildet, schön und persisch – und auch wegen all der wunderbaren Musliminnen, die ich kennen durfte und denen ich nahe war/bin, gehört mein like dazu. Und es ist mir Ehre und Freude zugleich, den dort erscheinenden Bildern meinen Daumen zu schenken und besonders nahegehende Texte zu teilen.
Auf dieser Seite geht es darum (falls eine von euch noch nichts davon gehört haben sollte, denn allzu großes Aufsehen hat es hier in der Presse nicht gegeben), iranische Frauen ohne ihren aufgezwungen Hijab zu zeigen. Bilder, die heimlich aufgenommen wurden; per Selbstauslöser, von Freundinnen, vom Ehemann, vor bedeutenden Gebäuden, mitten in der Stadt, auf dem Lande, tags wie nachts. Manche Frauen zeigen sich groß, klar und frontal, manche von der Seite und vorsichtigere von hinten. Und immer wehen die Haare frei im Wind, erzählen sie von ihren Wünschen, Hoffnungen und Sehnsüchten. Vom Traum, im Meer baden zu dürfen, unbehelligt durch ihre Heimat gehen zu können, von der Zukunft der kleinen Tochter.

Diese Seite, diese Journalistin, diese Frauen werden von allen Seiten angegriffen und der in meinen Augen hinterhältigste und gemeinste und dümmste Angriff lautet, ob diese Frauen (Weiber, Tussis, Spatzenhirne) denn nichts Wichtigeres als ihre Kleidung hätten, um sich darüber aufzuregen, um sich dafür zu engagieren. Zack.

Und da sind wir wieder beim obigen FAZ-Zitat. Frauenfragen können schlicht nicht das Wichtigste sein. Erschöpfen sich offenbar ja eh nur in Äußerlichkeiten, Eitelkeiten und Banalitäten. Hallo, wir haben eine Ebola-Epidemie, Islamisten bedrohen die freie Welt, die Konjunktur zieht nicht stark genug an und die Bahn streikt und die Frauen haben nichts Besseres zu tun, als über Kleinkram zu nörgeln? Es geht um die Menschheit, nicht um Rocklängen! Und jetzt durfte so eine weltverbessernde Jungschauspielerin auch noch vor den Vereinten Nationen über so ein Zeugs reden? Kein Wunder, dass wir das mit der Frauenquote noch mal verschieben müssen – die Weiber sind einfach nicht reif fürs wahre Leben! So!

Es wäre mir sehr lieb, wenn diejenigen, die noch dran geblieben sind, nochmals ihre eigenen Gefühle sortierten und ehrlich überlegen, ob sie nicht – auch als Frau – ähnliches gedacht haben? Ich schweife nochmals ab und lasse mein rotes Fädchen hier in euren Händen liegen; ich hole es gleich wieder ab.

Schaue ich mir meine vier engsten Freundinnen an, so sehe ich zwei, die ganz klar für sich in Anspruch nehmen, Feministinnen zu sein. Übrigens sehen das die dazugehörigen Ehepartner für sich selbst ähnlich – sie sind Feministen, ganz so, wie Miss Watson es sich mit ihrer Kampagne HeForShe wünscht. Für diese beiden Frauen hat sich die Frage nie gestellt; beide sind engagiert in allem, was sie tun, beide sind deutlich artikuliert in ihrer politischen, religiösen und gesellschaftlichen Meinung und beide wollen das Beste für alle Menschen,
Schaue ich meine anderen beiden Freundinnen an, so scheint das Thema Feminismus erst mal keines zu sein – keines, über das man sich die Köpfe heiß redet. Beide sind sehr feminine Frauen mit Spaß an Kleidung, Filmen, Büchern, beide bewältigen einen Alltag mit Kindern, Teilzeitjobs, Haushalt und dienstreisenden Ehemännern. Sich als Feministin zu bezeichnen, quasi beim Kennenleren, kann ich mir für beide nicht vorstellen. Bei den beiden anderen durchaus.

Nun wollen wir aber mal weiter schauen, denn welch Überraschung: Frauen neigen ja dazu, vielschichtig und kompliziert zu sein und darüber hinaus dunkle Geheimnisse zu hüten. Meine beide erkennbaren Feministinnen interessieren sich genauso fürs Handarbeiten, für Modegeschichte und für leckeres, selbst zu kochendes Essen wie sich die beiden Femininen gegen mißverstehende Kollegen, falsche Ansprüche anderer an sie und Ungleichbehandlung zur Wehr setzen. Der Unterschied liegt nur in einem – und das ist etwas, was ich bei so vielen Frauen sehe! – Punkt begründet: während die Feministinnen das Wort an sich („Feministin“) als wertfrei betrachten, tun sich die anderen beiden damit vielleicht etwas schwerer.
Denn dieses Wort ist über die Jahrzehnte durchaus absichtlich von einer kleinen, menschenfeindlichen Clique von ewig Gestrigen gleichgesetzt worden mit einer Art männerfeindlichem Kampfhuhn, das aus Frustration über das eigene unattraktive Äußere und die eigene geistige Minderheit nun Lärm schlägt und Probleme schafft, wo doch eigentlich alles in schönster Ordnung war. Die Feministin als Karikatur einer Frau, die nicht in der Lage ist, Kerle abzuschleppen und sich in einem Job hochzuschlafen.

Und so höre ich immer wieder Frauen in tiefster Überzeugung von sich sagen:
„Feministin – bin ich nicht. Feminismus – damit habe ich nichts zu tun. Alice Schwarzer – betrifft mich nicht. Ich mag Männer und ich schminke mich gerne und ich bin zufrieden mit meinem Leben.“

Hmmm, meist nicke ich nur oder sage vielleicht noch, dass ich unter Feminismus etwas anderes verstehe, aber weil ich nicht den Eindruck erwecken möchte, ihr nun streitsüchtig ihr Leben zerstören zu wollen, unterlasse ich jede ernsthafte Diskussion. Wahrscheinlich auch, weil ich nach all den Jahren so vieler Dinge müde geworden bin, mein politisches Engagement sich auf die Teilnahme und Weitergabe durchaus wichtiger, aber keinen körperlichen Einsatz fordernder Onlineaktionen beschränkt. Was übrigens ein Weg ist, den man doch leicht gehen könnte, wenn man sich für mehr als nur sich selbst interessiert – das nur mal nebenbei.

Aber ich denke, dieses Wort – Feminismus – müssen wir zurückerobern. Denn was ist eine Feministin?
Das ist nicht nur Alice Schwarzer (deren Verstand und Mut und Schreibe ich persönlich sehr schätze und genieße und dennoch nicht immer ihrer Meinung bin – das geht 😀 ). Das ist nicht nur die akademisch Gebildete, die sich elitär und etwas von oben herab mit den Problemen anderer Frauen beschäftigt, die sie selbst nicht (mehr) hat und die gerne mal bei der von ihr Belehrten Unwillen erregt. Das ist auch nicht die Journalistin, die eher schlecht als recht schreibt und sich als Feindbild die Selbermacherinnen ausgesucht hat (ja, der Brigitte-Rant – aber mal ehrlich, was kann man von DER Zeitschrift schon anderes erwarten?). Eine Frau, die andere Frauen dermaßen eindimensional wahrnimmt, eine Journalistin, die sich mit der gezeigten Oberfläche als Wahrheit zufrieden gibt, ist nicht wirklich eine Feministin.

Eine Feministin ist eine Frau, die glaubt, weiß, dass eine Frau und ein Mann den gleichen Wert haben. Die für beide die gleichen Chancen möchte und die will, dass beide ihr Leben so gestalten können sollten, wie es ihnen entspricht. Und sie ist eine Frau, die nicht nur Frauen in Führungspositionen oder Frauen in sogenannten Männerberufen als adäquate und ernstzunehmende Gesprächspartnerin akzeptiert; die andere Lebensentwürfe nicht verteufelt, auch wenn sie nach außen wie das gelebte Rollenklischee erscheinen müssen. Es geht darum, dass Frauen die gleichen selbstverständlichen Rechte haben wie jeder Mann und darum, dass auch Männer ein freieres und selbstbestimmteres Leben führen können sollten. Wo Frauen nicht sie selbst sein dürfen, kann es auch der Mann nicht. Wo Mädchen keinen Freund haben dürfen, haben Jungs keine Freundin. Simpel, nicht wahr?

Ich gehe davon aus, dass die meisten von euch das so unterschreiben könnten. Und Schock: Liebelein, auch mit deinen blutroten Lippen, dem glänzenden Haaren, den hohen Schuhen – nun bist du eine Feministin. Eine, die dieses Wort zurückholt aus seiner Verteufelung. Schnucki, mit deinem gepflegten Eigenheim, deiner entzückenden Kinderschar, dem reisenen Gatten und dem Zweitwagen – wenn du für deine Tochter jede Wahlmöglichkeit möchtest, dann bist du eine Feministin und befreist das Wort von seinen Zwängen. Sehr verehrte Vorstandsvorsitzende, mit deinem Businessanzug, dem Teilzeitgeliebtem und deiner Verachtung für Tussis – wenn du es hast schaffen können, dann glaube nicht, du wärest die Ausnahme unter all den anderen Frauen, sondern sag es allen, die es wissen wollen: Frauen können das, denn du bist eine Feministin, die es allen gezeigt hat.

Und jetzt hole ich mir mein rotes Fädchen wieder ab.

Hier in Deutschland schreibt also ein Mann, dass das reaktionäre Frauenbild das geringste Problem des militanten Islams sei. Ich nehme an, er denkt, der Militarismus, die Brutalität, die Bedrohung des Westens seien wesentlicher? Und er hält Frauenfragen eh für unnötig?

Dann möchte ich eines sagen (und das mag pathetisch werden, ich bin in Fahrt, in Rage und ich sollte schlafen) : dieses Frauenbild bedeutet was konkret?

Es bedeutet, dass ein Mann seiner Mutter, die ihn unter Schmerzen und Freude geboren hat, nicht genügend Kraft zutraut, um ihr Leben ohne Hilfe zu führen. Und dass sie nicht darüber entscheiden sollte, wie oft sie ein Kind zur Welt bringen sollte.

Es bedeutet, dass ein Mann seiner Schwester nicht die gleichen Freiheiten zubilligen will, die er sich nimmt.

Es bedeutet, dass ein Mann von seiner Frau selbstverständlich jede Dienstleistung erwartet, die er für sein Recht hält, eine widerstandslose Erfüllung der sogenannten ehelichen Pflichten und sie ein Leben führen lassen will, das von seiner Laune, seinem Gutdünken abhängt.

Es bedeutet, dass ein Mann seiner Tochter ein unfreies Leben wünscht und sie als minderwertiges Gut ansieht.

Es bedeutet, dass dieser Mann für die Menschen, die ihm am nächsten stehen, keinen Respekt, keine Liebe, keine guten Wünsche hat. Wie kann ich erwarten, dass er diesen Respekt, diese Liebe und diese guten Wünsche für Menschen aufbringt, die ihm nichts bedeuten? Wie kann ich von ihm Zurückhaltung, Nächstenliebe und Mäßigung erwarten, wenn er all das nicht für die Frauen in seinem Leben aufbringen kann? Wie er sich diesen Frauen gegenüber verhält, ist Maßstab für sein Verhalten der Welt gegenüber.
Wer jetzt noch sagen kann, dass die Art, wie Frauen ihr Leben zu führen haben – EGAL, wo in der Welt, unter welcher Regierung, welcher Religion! – nichts mit der Art zu tun hat, wie die Welt nun einmal ist – der ist ein Ignorant und Egoist. Ihm ist egal, dass der einen Hälfte eines Volkes die Beteiligung am täglichen Leben und Erleben abgesprochen und als unmündig angesehen wird. Und dass die andere Hälfte eines Volkes dadurch ohne ein normales Miteinander, ohne erste große Liebe und ohne Respekt vor Schwächeren und Andersdenkenden aufwachsen könnte.
Da aber Männer – offenbar entgegen der Meinung mancher mächtiger Männer, die meinen, Gewalt und Gefahr dadurch bannen zu können, in dem sie Frauen unsichtbar machen – keine willenlosen, triebhaften Tiere sind, sondern fühlende, denkende, träumende, wünschende, liebende Menschen sind mit Hoffnungen auf eine bessere Zukunft, funktioniert die Welt noch immer irgendwie. Und so können im großen Gefüge Menschenrechtsfragen nach wie vor als das unwesentliche Detail „Frauenfrage“ abgetan werden.

So bekommt die iranische Frauenbewegung eine ganz andere Bedeutung: in einem Land, in dem Frauen noch nicht einmmal entscheiden dürfen, wie sie vor die Türe treten, in dem sie mit körperlicher Gewalt und Gefängnisstrafen rechnen müssen, wenn sie ohne Hijab außerhalb ihres Hauses angetroffen werden, ist das ein enormer und mutiger Schritt, der dem Regime (oder sprechen wir hier diplomatisch und beziehungsaufbauend von einer Regierung?) ganz und gar nicht gefällt, denn diese Aktion bringt einiges ins Wanken.
Stellt es euch doch einmal wirklich und intensiv vor: Wir hier bloggen über unsere Kleidung, zeigen uns sogar im Badeanzug, füllen Seite um Seite mit unserem Vergnügen am Selbermachen, am sich Anziehen, genießen unsere Vielfalt, unsere Auswahl und (ja, das muss jetzt noch mal sein, um es deutlich zu machen, sorry) und die meisten mögen sich dabei aus vielen Gründen nicht mit Gesicht zeigen. Dort sind Frauen, die all das nicht können, die sich verstecken müssen und sie zerren sich das Tuch vom Kopf und zeigen sich trotz der Gefahr. Das ist keine Kleinigkeit, das ist eine Bewegung mit Macht und Kraft und Bedeutung.
Und es sind, das freut besonders, nicht alleine Frauen, die sie unterstützen – es sind Männer, Iraner, die sich zu ihren Frauen und Schwestern und Müttern und Töchtern bekennen und es sind Männer überall in der Welt, die Worte finden, um ihre Hilfe anzubieten – HeForShe, ganz selbstverständlich, weil kluge Menschen überall wissen, dass es immer nur miteinander geht, um unser Leben reich und glücklich zu machen.
Es ist nur eine kleine Zahl an Unbelehrbaren, die den Feminismus in Mißkredit gebracht haben – ich wünsche mir, dass sich Frauen davon nicht beirren lassen. Feministin zu sein bedeutet ganz und gar nicht, von nun an mißmutig und häßlich wie die Nacht durch die Straßen zu ziehen und Kastration zu brüllen. Und es bedeutet auch nicht, nicht im geringsten, damit auf die Männerwelt abschreckend zu wirken. Sagen wir mal so, und damit ende ich auf der persönlichen Note, mit der ich auch begann: als ich noch „auf dem Markt“ war, habe ich aus meiner Einstellung nie ein Hehl gemacht, ich war nie eine der Frauen, die sofort kichern, wenn ein Mann einen Witz machte, hing nie bewundernd an Lippen, nur weil ihm das gefallen hätte. Denn Männer, die das brauchen, brauchte ich nicht. Stattdessen hatte ich tolle Gespräche, spannend, tiefgehend, witzig mit Männern, die klug, emotional zugänglich und tough waren – und konnte mich über einen Mangel an Zuwendung und Aufmerksamkeit, an Ritterlichkeit und Höflichkeit doch nie beklagen. Obwohl mir „Feministin“ auf der Stirn stand.

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24 Kommentare

  1. Hallo Michou,
    mit Diskussionen zum Feminismus tue ich mich auf Grund östlicher Sozialisation und familiärer Gegebenheiten recht schwer. Quasi von Geburt an bin ich aus mir selbst heraus bis zur Eingliederung ins westliche Wertesystem nie auch auf den Gedanken gekommen, einem Mann nicht gleichwertig zu sein. Obwohl in meiner Kindheit auch Überkommenes (keine Hosen tragen, Puppen als Spielzeug) gepflegt wurde, hatte ich naturwissenschaftliche Bücher, Baukästen etc. und wurde an traditionell eher männliche Tätigkeiten herangeführt. Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, bestimmte Berufe etc. nicht ausüben zu können, außer sie wären körperlich zu schwer. Ich will das nicht weiter ausdehnen aber daher sind mir einige Frauen diskriminierende Tatsachen schlicht nicht bekannt (gewesen). Ich bin der Meinung, das gesellschaftliche und persönliche Diskriminierung von Frauen nur eine Teil einer Machtpolitik im Sinne einer teile-und-herrsche-Mentalität ist, die auch andere gesellschaftliche Gruppen (Homosexuelle, Migranten…) von vorn herein von der Teilhabe ausschließen soll. Es geht demnach allgemein um Menschenrechte, zumal festzustellen ist , dass Menschen aus o.g. Gruppen, wenn sie in „Machtpositionen“ gelangt sind unabhängig von ihrer bisherigen Gruppenzugehörigkeit wie Machthaber (Männer) agieren.
    In diesem Sinne verstehe ich auch die Aussage des Journalisten. Erstmal geht es ums nackte Überleben aller, ehe man sich gesellschaftspolitischen Fragen widmen kann. Zumal den meisten von uns das vom Islam vermittelte Frauenbild nur über die Interpretation machtgeiler Männer bekannt ist.
    Genau das umreißt auch meine Schwierigkeit mit dem Wort Feministin selbst. Es wird von diesen (gerade in den modernen Medien) sehr oft ebenfalls mit Ausschließlichkeits- und Machtanspruch gerade auch anderen Vertreterinnen des gleichen Geschlechts gegenüber gebraucht. Du selbst schreibst von sog. „femininen Frauen“ und verachtenswerten „Tussis“. Auf ihre Rechte bzw. das Menschenbild etc. bezogen kann man diese Art von Differenzierung genauso als abwertend betrachten, wie die Aussage des Journalisten. Ob uns die Lebensweise eines Menschen gefällt oder nicht, sollte gleiches Recht… für alle gelten. Genau das ist die Schwierigkeit jeglichen -ismus, finde ich.

    Gruß von Petra

  2. Ich unterschreibe den Artikel so – auch ich bin Feministin. Und kann die verqueren Vorstellungen mancher Leute von Feministen nicht mehr hören – Feminismus heißt nicht, Männer zu hassen, jede Art von Schönheit abzulehnen, die Verweiblichung von ALLEM zu fordern.

    Als meine Zwillingsschwester sich als Kind im Buchladen ein Buch „Der Drachenreiter“ aussuchte, fragte mein Vater die Verkäuferin „Ist das denn auch ein Buch für Mädchen?“ Das dürfte Mitte der 90er gewesen sein.
    Als mein Vater mir zum Geburtstag vor ein paar Tagen einen Werkzeugkoffer schenkte, erwähnte er mehrmals „Eigentlich ist das ja kein Geschenk für ein Mädchen“. Eigentlich war er wohl stolz auf „sein Mädchen“, dass sich auch über solch „männliche“ Geschenke freut und weiß, wo beim Hammer vorn und hinten ist, dennoch … ich wünsche mir eine Welt, in der ein Werkzeugkoffer ein Geschenk für junge Frauen sein kann, ohne „eigentlich“ und ohne „aber“.
    Ebenso übrigens eine Welt, in der ein junger Mann sich mit Röcken und Schminke stylen kann, ohne schief angesehen zu werden – und ihm die „weibliche“ Seite nicht als Schwäche ausgelegt wird.

    Das ist ja das Verquerste an den Feministinnen-Vorurteilen: Dass Feministinnen anstreben müssten, auszusehen wie ein Mann. Mit kurzen Haaren, Hosen, unrasiert und ohne Schminke. Feminismus als Vermännlichung der Frau? Das ist ja auch das Ärgerliche an den Aussagen im genannten Brigitte-Artikel: Wahre emanzipierte Frauen müssen so sein wie Männer, typische Männer-Jobs machen (Pilot), typische Männer-Hobbys haben (Kampfsport), typisch Weibliches (Handarbeit) ist nix wert. Und bei diesen Aussagen fühlt sich die Autorin noch total emanzipiert und feministisch …

    Und auch ich denke nicht, dass die Lebensbedingungen, die Unfreiheit von 50% der Bevölkerung, ein „kleinstes Problem“ darstellt. Was gäbe das für einen Aufschrei in der Welt, würde ein Staat seinen männlichen Bürgern die gleichen Einschränkungen auferlegen wie den weiblichen, und die heutige Rolle der Männer an Militär und staatliche Institutionen gegeben … was wäre das für ein „Unterdrückerstaat“ in den Medien, wie schnell würden da „Die Bürger müssen befreit werden!“-Stimmen laut.
    Aber so … ist es halt normal.

    Auch in Europa sind die Rechte der Frauen ja noch recht frisch. Frauenwahlrecht wurde in der ach-so-fortschrittlichen Schweiz 1971 eingeführt – das ist noch keine 50 Jahre her. Wie lange ist es her, dass eine deutsche Frau ihren Mann um Erlaubnis fragen musste, um arbeiten gehen zu dürfen?
    Da dürften sich viele unserer Eltern noch dran erinnern können – Eltern, nicht Großeltern.
    Wie lange ist es her, dass zum ersten Mal ein weibliches Staatsoberhaupt in Deutschland an die Macht kam? Die meisten Länder dieser Welt, selbst die meisten Länder Europas, hatten noch niemals eins. Mächtige Frauen sind – im Gegensatz zu mächten Männern – auch heute noch die Ausnahme. Macht ist heutzutage immer noch klar männlich.
    Und ich kenne jede Menge Männer, die über die Frauenquote schimpfen, weil sie sich dadurch benachteiligt fühlen – und vergessen oder abstreiten, dass traditionell eine – unterbewusste oder Schwangerschafts-Ausfall fürchtende – Männerbevorzugung herrscht.

    Problematisch sind natürlich die Feministinnen, die es übertreiben. Die tatsächlich einen Männerhass entwickeln und dadurch den Feminismus in Verruf bringen. Die unsinnige Forderungen entwickeln – ich erinnere mich an ein Deutschbuch aus meiner Schulzeit, dass „Herr und Frau Schulz“ als frauendiskriminierend abtat (weil die Frau erst an zweiter Stelle genannt wird) und als Verbesserungsvorschlag „Frau und Herr Schulz“ anbot. DAS wäre dann total gleichberechtigt 😉

    • Ich kann im Gegenzug auch alles unterschreiben, was du sagst. Denn es ist doch doppelt perfide: Frauen, die Frauen sagen, sie müssten sich wie ein Mann benehmen, um eine gute Frau zu sein …

      Für mich war die Grundlage meines Feminismus erst einmal eines: meine unbändige und kindliche Freude darüber, ein Mädchen und dann eine Frau sein zu dürfen. Die Jungs und Männer mochte und mag, die sich freuen Mann zu sein. Ich identifiziere mich mit meinem Geschlecht und habe kein Problem damit, auch über ach so typische weibliche Eigenheit zu verfügen – denn mein Spaß an der Kleidung, mein Interesse an Äußerlichkeiten verhindern nicht das Lesen eines guten Buches, das Bilden einer eigenen Meinung und das Sorgen für mich selbst, wann immer es sein musste.

      Auch das ist ja eines der großen Mißverständnisse: wir sagen NICHT, dass Männer und Frauen gleich seien oder sein müssten (ich habe zwei Kinder ohne Schmerzmittel zur Welt gebracht und mein Mann stand daneben – ja, ich hatte durchaus den Eindruck, dass wir unterschiedlich sind und auch unterschiedlich an die Sache rangingen 😀 ), sondern wir sagen, dass wir beide die gleichen Chancen und Rechte haben müssen (und nicht sollten!). Und das ist nicht einfach eine Frauenfrage, das ist eine entscheidende Frage für die Menschheit.

      Schön, sehr schön, dass du dich zu Wort gemeldet hast und vielen Dank für deinen Kommentar und deinen Zuspruch 🙂

  3. Liebe Petra,

    vielen Dank für deinen wunderbaren und klugen Kommentar. Einen Punkt möchte ich gerne herausgreifen und richtig stellen: Wenn ich von Tussis und Weibern spreche, so ist das nicht meine Stimme, sondern das, was ich von anderen hören und lesen konnte. Für mich sehe ich es ebenso, wie du es sagst: es sollen alle Lebensentwürfe gelten können.

    Du unterscheidest zwischen Menschenrechten und Frauenfragen, zumindest habe ich es so gelesen? Genau da setzt mein Anliegen an: Frauenfragen gibt es nicht; es SIND Menschenrechte. Ich finde es auch seit Jahrzehnten unglücklich, weibliche Menschen von vorneherein den sogenannten Randgruppen zuzuordnen – die Hälfte der Menschheit ist keine gesellschaftliche Gruppe, dafür sind sie einfach zu viele. Das zu den Menschenrechte für mich selbstverständlich das Recht auf Asyl oder Gleichgeschlechtlichkeit oder eine Gleichbehandlung von Arm und Reich gehört, ist selbstveständlich. Hoffe ich.

    Und natürlich wird in Syrien nun nicht erst einmal die Gleichstellung der Frau durchgesetzt werden – aber dennoch liegt hier ein tiefsitzendes Proble, für das ich niemals den Islam verantwortlich machen würde. Aber genau diese Haltung – Frauenrechte als gesellschaftliches oder noch schöner als kulturelles Problem zu verharmlosen, hat doch auch zur heutigen Situation geführt. Solange mit einem Staat gutes Geld zu verdienen war, konnte man über die eine oder andere gesteinigte Frau hinwegsehen – so sind sie halt, andere Länder, andere Sitten. Diese Denke muss weg. So behandelt man keinen Menschen, ob Mann oder Frau.

    Im übrigen gestehe ich dir eines gerne: ich hasse Feminismusdebatten und kann es gar nicht leiden, wenn mir irgendwer sagt, wie ich zu sein habe und was ich denken soll – ebenfalls egal, ob Mann oder Frau 😀

    Danke nochmals für deine Sicht und dein Mich-Teilhaben-Lassen an deinem Erleben!

    • Gerade das wollte ich ausdrücken, sog. Frauenrechte sind Menschenrechte.

      Frauen- sprich Menschenrechte als gesellschaftliches Problem zu betrachten finde ich nicht verharmlosend, im Gegenteil. Wir alle als biologische Menschen regeln die Art und Weise unseres Zusammenlebens innerhalb gesellschaftlicher Normen, Daran sind alle beteiligt, ob sie aktiv oder passiv sind. Gesellschaft ist für mich nichts was außerhalb bzw. neben mir existiert, sondern auch durch mich, den einzelnen. Das heißt eben nicht, nichts ändern zu können. Sich selbst, sein Verhalten ändern; Nebenmann/frau dazu anregen, fordern, einklagen, dann ändert sich Gesellschaft.
      Es geht nicht um das, was zwischen den Beinen ist, sondern das im Kopf.

  4. es wird schwer einen kurzen Beitrag hier zu hinterlassen :-).
    Zunächst, danke für Deinen Post. Die Diskussion brauchen wir sehr.

    Bei mir ist so wie bei Petra – im dem Ostblock aufgewachsen hatte ich nie wirklich den Eindruck dass irgendein Weg mir versperrt blieb wegen meines Geschlechts (bis auf Priester zu werden :-P). Daher war Feminismus selbsverständlich – und historisch, abgehakt. Gleichberechtigung war logisch und entsprach dem gesunden Menschenverstand – man müsste darüber nicht viel reden, man musste auch sich nicht als Feministin deklarieren – und man tat das nicht (das war brandgefährlich, man sieht es in meiner Heimat jetzt – Kapitalismus hat leider auch konservative Werte eingeschwemmt bzw. auf die Oberfläche hervorgeholt …).

    Erst als ich nach Deutschland kam, fing ich an mich doch als Feministin zu sehen und so zu definieren. Ich muss ehrlich gestehen, dass viele typische Merkmale (einverdiener-Familien, öffnungszeiten der Kindergärten, Beschäftigung von Müttern, Frauen- und Männerberufe) mir vorzeitlich erschienen, waren etwas was ich überhaupt nicht in dem „verheißenem Westen“ erwartet habe.
    Dass es auch vielen Frauen hier es scheinbar egal ist (das hoffe ich sehr, dass es scheinbar ist) wer ihr Leben bestimmt – oder sie sich keine Gedanken machen? vielleicht ist es bequemer nicht anzuecken? – verstehe ich nicht…

    Bezeichnend finde ich einen Satz, den ich nicht so lange her in einem Interview mit Iris Berben gelesen habe – dort sagte sie etwa so: „nein, Feministin würde ich über mich nicht sagen, so radikal bin ich nicht“. Ich war – bin immer noch – fassungslos, denn diese Frau hat ziemlich feministisches Leben hinter sich – und sie distanziert sich davon?! Feminismus ist per se nicht radikal oder unradikal, es ist kein Fundamentalismus (vielleicht sind die Begriffe zu ähnlich?).
    Es ist so wie Du geschrieben hast – Feminismus ist ein Menschenrecht.
    Es ist eigentlich nur logisch und vernünftig als Mensch feminist zu sein.

    Joanna
    mit einem ziemlich feministischem Ehemann gesegnet 🙂
    (und wie soll ich sagen? er wird tatsächlich von vielen bedauert, ich habe ihn wohl unterm Hauschuh … tja)

  5. Ich versuche gerade, es mir vorzustellen: du wächst gleichberechtigt auf und auf einmal kommst du in ein Land, in dem das nicht so ist, in dem du als Frau anders betrachtet wirst als zuvor. Und dann kannst du dich gleich entscheiden, wie du damit und mit dem Prädikat „Feministin“ umgehst …

    Dein Zitat empört mich im übrigen – du hast völlig recht, das hätte ich Frau Berben nicht zugetraut. Radikal? Das ist eben genau diese Vorstellung von Feminismus, die sich von der eigentlichen Idee entfremdet hat.

    Sicher, wenn ich an die frühen 80er zurückdenke, als ich das Thema ernsthaft zu betrachten begann, da waren viele Frauen in ihren Ansprüchen und Reden anders als heute – Emanzen war das Wort, das eigentlich abwertend gemeint war, von ihnen aber – ebenso wie das Wort „Weib“ zu einer Eigenbezeichnung wurde. Und viele scheuten nicht davor zurück, Visionen, Träume und auch Rachegedanken auf die Fahnen zu schreiben. Ich erinnere mich noch an den Fall Lorena Bobbit, der von vielen Emanzen damals geradezu gefeiert wurde – das würde ich durchaus radikal nennen.
    ABER dann muss man auch wieder sehen, seit wievielen Jahrhunderten Frauen versuchten, endlich Gehör zu finden, nicht nur austauschbares Anhängsel und Arbeitstier ohne Recht zu sein. Mit klugen Schriften, Schmeicheleien, auch der Unterstützung feiner Männer versuchten sie, in kleinen Schritten ein großes Ziel zu erreichen, ohne dabei ihren guten Ruf, ihre „Ehre“ oder ihre Weiblichkeit zu verlieren. Sehr weit kamen sie nicht …

    Bis die Suffragetten auf die Straße gingen, laut wurden, sich anketteten, hungerten und zuletzt Steine und Brandsätze warfen: „Hört her, schaut uns an, tut was!“ Wie sie behandelt wurden, wurde irgendwann auch dem ablehnendsten Mann zu viel – so ging man doch mit keiner Frau um. Das Wahlrecht war hart und blutend erkämpft worden. Und damit sollte die Frau doch erst mal Ruhe geben. Sie hatten ja auch genug zu tun in den nächsten Jahrzehnten mit dem Wiederaufbau zerstörter Städte…

    Und dann war alles wieder beim Alten, bis aufs Kreuzchen machen – Familien waren auf das Geldverdienen der Frau angewiesen, brauchten aber die schriftliche Erlaubnis des Gatten, der auch jederzeit für sie kündigen konnte. An allen Ecken und Ende Beschränkungen, Engstirnigkeiten, Wände. Und wieder kam man mit artiger Diskussionskultur nicht weiter; ich vermute mal, die radikaleren unter den Feministinnen trugen den Frust der Jahrhunderte in sich.

    Von Frau Berben erwarte ich das nicht, das sehr ich auch bei keiner mehr. Feminismus ist nicht radikal, er ist, wie du sagst, nichts weiter als gesunder Menschenverstand.

    • bei uns gab in den 80gern keine Frauenbewegung , es gab Freiheitbewegung – von beiden Geschlechtern getragen. Das war vieleicht ein Segen dieser Zeit…
      Aber es kann auch sein, dass ich das ganz einfach nicht mitbekommen habe, in Sachen Feminismus war meine Familie (zumindest die meiner Mutter) sehr fortschrittlich und frei und feministisch … Es ist anders wenn man um etwas kämpfen muss und nicht hineingeboren ist …

  6. Liebe Michou,
    danke für Deinen toll geschriebenen Artikel. Ich kann Dir im Wesentlichen nur zustimmen. Ich möchte aber aber eine Lanze für die Brigitte brechen. Du schreibst: „Eine Femi­nistin ist eine Frau, die glaubt, weiß, dass eine Frau und ein Mann den gleichen Wert haben. Die für beide die gleichen Chancen möchte und die will, dass beide ihr Leben so gestalten können sollten, wie es ihnen ent­spricht….usw.“ Das ist aber ganz genau die Aussage, für die die Brigitte seit den 80er Jahren steht. Sie vertreten eine leise Art des Feminismus, ohne auf die Barrikaden zu gehen. Frauen werden immer wieder bestärkt, keine Berührungsängste mit Männerdomänen zu haben und in jeder Zeitschrift, die ich bislang gelesen habe (zugegebenermaßen recht wenige, aber meine Schwestern, die sie regelmäßig lesen, bestätigen das auch), habe ich Beispiele von feministischen Lebensentwürfen gesehen, die Mut machen, sich frei von überkommenen Konventionen zu machen. Die Brigitte bestärkt gewiss nicht das „Heimchen am Herd“, allerdings macht sie diesen Entwurf nicht schlecht, wenn die Frau eine Wahl hatte und sich wohl dabei fühlt.
    Für mich ist das auch der wahre Feminismus bzw. geschlechterneutral die wahre Emanzipation: Sich seinen Lebensentwurf selber aussuchen zu dürfen und auch mal seine Richtung zu ändern (besonders letzteres). Nicht aufgrund des Geschlechts, der Herkunft, des Alters, Aussehens, Intellekts was-auch-immers in eine Schublade gesteckt zu werden, in der man dann gefälligst auch zu bleiben hat.
    Den unsäglichen Artikel aus der online-Brigitte habe ich auch gelesen, und habe das Gefühl, dass die Autorin in ihrem Kopf voller Vorurteile und selber komplett unfrei ist. Hinter dieser Kolumne steht aber nicht die Brigitte-Redaktion, vielmehr versteht sich diese Rubrik als Forum, das kontroverse Meinungen zur Diskussion stellt. Angesichts der hohen Wellen, die dieser Beitrag schlägt, denke ich, dass diese Diskussion durchaus ihren Platz hat.
    Ich schätze, ich darf mich als priviligiert betrachten, dass ich bei einer West-Kindheit in den 70er und 80er Jahren nicht nur Nähen und Stricken sondern auch Bohren, Sägen, Schrauben und Löten gelernt habe. Ich würde nie auf die Idee kommen, einen Klempner für einen verstopften Abfluss zu rufen, alles das hat mir mein Vater mit der allergrößten Selbstverständlichkeit „per Osmose“ vermittelt, genau wie Hauswirtschaften quasi im Vorbeigehen an uns weitergegeben wurde. Meine Geschwister und ich wurden mit einem kompletten Satz Werkzeug in die Welt entlassen und wir konnten alle damit umgehen.
    Vermutlich habe ich auch deshalb mit Barrikaden stürmendem Feminismus nicht viel am Hut, weil ich nie um Männerdomänen kämpfen musste. Eine freie Berufswahl, angefangen mit dem Abitur war gar keine Frage, vielleicht auch, weil meine Mutter als Mädchen nicht studieren durfte in der Nachkriegszeit. Sie hat es ihr Leben lang bedauert, dass sie sich nicht bei ihren Eltern durchgesetzt hat. Mein Vater andererseits hat immer wieder betont, dass die Studentinnen, die er in Elektrotechnik ausgebildet hat mindestens so fähig waren, wie ihre männlichen Kommilitonen.

    Deine Definition des islamistischen Frauenbildes (die katholische Kirche hat sich übrigens auch noch nicht so weit davon entfernt) ist wirklich hervorragend. Ergänzen möchte ich noch eines: Ich finde das Schlimmste ist, dass die Frauen so gehirngewaschen sind, dass sie s e l b e r Töchter als minderwertig betrachten, und wenn ich darüber nachdenke, wird mir echt schlecht! Vor diesem Hintergrund ist die Gleichberechtigung der Frau tatsächlich keine Frage sondern eine Notwendigkeit, wie Du und die anderen Kommentatorinnen sehr richtig ausführen.
    Viele Grüße, Stefanie

    • Liebe Stefanie,

      auch an dich erst einmal ein dickes Dankeschön für deine klaren Worte und den Blick in deine Lebens-Erfahrung. Gut gefällt mir der Satz, ihr habet alles per Osmose gelernt, denn bei uns war es durchaus ähnlich 🙂

      Zur Brigitte – hach, jetzt seufze ich schwer und lange. Ich bin ja auch mit ihr groß geworden, habe nach ihr gestrickt, habe mit ihr gekocht, habe Serien verfolgt (da gab es mal eine über Frauen, die ins Ausland geheiratet hatten und von ihren Erfahrungen berichteten und die empfand ich als durchaus prägend). Und das mit dem leise tretenden Feminismus kann ich gut unterschreiben, aber mehr aus der Erinnerung heraus als aus dem aktuellen.

      Denn womit ich mich sehr, sehr schwer tue, ist zum einen der Ton der (Online-)Redaktion auf Kommentare, die nicht ganz der eigenen Linie entsprechen und damit meine ich nicht die Kommentare, die unter aller Würde sind, sondern durchaus auch welche, die konstruktive Kritik bringen vermengt mit Zuneigung und Zuspruch. Da wird schnell mal zickig reagiert. Nun ist die Brigitte unter all den Modezeitschriften (und das ist ja doch vor allem) die Einzige, die sich auch der Frauenfrage verschrieben hat. Oder meint, das getan zu haben. Nur erscheint mir das wirkliche Angebot wahllos, nie wirklich ernstgemeint. Mir fehlt eine klare Linie, ein klares Wort, welche Meinung wer vertritt. Besonders das Onlineangebot empfinde ich als – tja, darf ich das sagen? – etwas verlogen? Das Geldverdienen steht so deutlich an erster Stelle, dass es der (ursprünglichen) Redaktionsidee oft im Wege steht.
      Da wird von einem realistischen Frauenbild, einer realistischen Frauenschönheit gesprochen, es werden Filmchen – die ich schon Wochen vorher im Netz sah – und Bilder und Texte geschrieben, wie ok es doch ist, so zu sein, wie man ist. Darunter werden mir hauseigene Links zur Brigitte-Diät und Wie kaschiere ich meine Hüfte angeboten, rechts flackert der Werbelink zum Onlineshop für Shapewear und Diätpillen. Im Heft sieht es oft genauso aus.

      Vielleicht bin ich deshalb so schlecht auf diese Zeitschrift zu sprechen, weil sie mich enttäuscht hat – sie ist nicht mit mir erwachsen geworden. Sie möchte so gerne meinungsbildend sein und spircht eine eigene Meinung nicht aus. Und gibt es Kontroversen, so kommt genau diese Stellungnahme: das gebe nicht die Meinung der Redaktion wieder …

      Das mit den Töchtern ist das für mich Unverständlichste: ich habe mehr als einmal erleben können, wie ausgesprochene Machos zu glühenden Feministen wurden, nachdem sie eine Tochter hatten – die Vorstellung, ihrer Prinzessin könnten nicht alle Türen offen stehen, könnte von einem dahergelaufenen Kerl belästigt werden, war zu viel. Dass dieses Erleben für so viele Männer so gar nicht greift, geht ein wenig über meinen Verstand, besser mein Gefühl. Und Frauen, die Mutter einer Tochter werden, nachdem sie von sich selbst keine gute Meinung mehr haben – sie sehen in ihr vielleicht wirklich nur ein vergeudetes Leben 🙁

      • Ach ja, die Brigitte – was hab ich mich über deren „Modestrecken ohne Models!“-Kampagne geärgert, für die sie dann ausschließlich Frauen fotografiert haben, die problemlos in jeder Modelagentur aufgenommen worden wären, alle groß,, jung und schlank. Der einzige, der wohl was vom „keine Models“ gemerkt hat, wird der Fotograf gewesen sein, der den Damen vielleicht mehr Anweisungen geben musste als gewohnt. Ich hatte mich so drauf gefreut, wie in der Ottobre (die ich dafür liebe!) mal größere, kleinere, dickere, dünnere, ältere, jüngere Frauen zu sehen … Pustekuchen.

        • Die Damen hatten ja auch gerne ganz normale Berufe: Tänzerin, Schauspielerin, Tennislehrerin etc. Viel peinlicher fand ich aber, dass das zwar laut angekündigt, aber leise eingeschlafen ist. Und dass sich Frauen dazu bewerben sollten, um dann von anderen Frauen bewertet zu werden; wählt, wen ihr sehen wollte. Zur Förderung von Stutenbissigkeit wohl geeignet. Nunja, jeder macht Fehler. Und wir haben gelernt: normal ist eine Frau eben doch nur dann, wenn sie schön ist 😀

  7. Über die online-brigitte kann ich nicht urteilen, ich habe mich nur auf die Zeitschrift bezogen. Über den Artikel bin ich via einem anderen Blog und der dortigen Kritik gestolpert, im Netz lese ich sie nicht.
    Ist Dir übrigens aufgefallen, wie zurecht angewidert und entsetzt die vermutlich selben Männer über die Gruppenvergewaltigungen in Indien vor einigen Monaten geschrieben haben, die jetzt Frauenrechte als nebensächlich abtun? Das nenne ich Doppelmoral, oder , nicht ganz so hart naiv und nicht zu Ende gedacht.
    Stefanie

    • Und nur für dich werde ich die nächste Ausgabe kaufen und die Onlinevariante einmal vergessen! 🙂

      Zur Doppelmoral: ich befürchte, gehen wir noch ein wenig weiter zurück, so waren die Selben auf Seiten Herrn Kachelmanns, weil Frauen ja gerne dazu neigen, Vergewaltigungen zu erfinden.
      Diese Massenvergewaltigungen und die Morde sind da nochmal ein ganz ander Ding: da schien das Wesen Mann auf einmal doch nichts anderes als ein seelenloses Ungeheuer zu sein – damit wollte sicher keiner der Herren verglichen oder gar in einen Topf geworfen werden.

      Nein, wenn man sich zu genau umschaut, dann gefällt einem wohl selten, was man sieht. Aber gerade Indien – da gibt es jetzt wohl wirklich eine Bewegung unter den indischen Männern, etwas ändern zu wollen – das finde ich sehr berührend und hoffnungsstimmend. Da wird mir glatt weihnachtlich 🙂

  8. My stealthy freedom….. das einzige politische Statement, das auch ich schon länger unterstütze! Ich bin davon sehr begeistert und auch oft sehr berührt.
    Ich gebe Dir so Recht!
    Und ich bin immer wieder so dankbar, in einem freien Land geboren worden zu sein. Ein unglaubliches Privileg, wie ich oft auf Reisen festgestellt hab.

    Und ja, ich bin eine Feministin, absolut.

    Liebe Grüße, Eva

    • Hiho, wie schön, dich wieder zu hören – wenn du das auch unterstützt, dann müsstest du ja bei FB sein? Dann würde ich mich sehr freuen, wenn ich dich dort auch kennen dürfte 🙂

      Ja, wir sind priviligiert und das sollte uns dazu bringen, abgeben zu können und zu unterstützen, aber ich sehe viel zu oft schlichtes Desinteresse an allem außerhalb des eigenen Horizontes. Oder noch schlimmeres …

  9. Wirklich schöner Text mit ganz vielen klugen Gedanken! Ich finde diese Seite ganz schön (http://www.amiafuckingfeminist.com – Schnelltest .-), weil sie es genau auf den Punkt bringt. Es geht um Gleichheit, nicht gegen Männer & auch nicht alles gut finden müssen, was Frauen machen. Aber es hackt einfach an zu vielen Stellen, um nicht Feministin zu sein, da bin ich ganz deiner Meinung. Ich finde es dann immer richtig schade, wenn Frauen, die sich als Feministin bezeichnen, untereinander diskutieren, was man darf & was nicht (z.B. ob Emma Watson für den Feminismus sprechen darf oder ob es ein Fehler ist, die Männer in den Fokus zu stellen. Dabei ist bei HeforShe ja eigentlich eindeutig, um wenn es geht). Je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, desto mehr Dinge fallen einem auch im Alltag auf & Frau wie Mann kann sich eigentlich gar nicht mehr entscheiden kein(e) Feminist(in) zu sein. Genau so ist auch mein Blog entstanden.

    • Ahja, die Schnelltestseite kenne ich auch, die hätte ich noch irgendwo mit reinnehmen müssen, aber das ist ja dank dir nun elegant gelöst 🙂

      Meiner Meinung nach ist es schon längere Zeit so, dass sich der Fokus weg vom Mann als „Feindbild“ – und damit meine ich die Strukturen und die Widerstände mehr als wirklich den Großteil der Männer – verlegt hat auf Grabenkriege unter Frauen. Weshalb das so ist, ist mir unverständlich; das bringt ja nun gar nicht weiter, sondern führt eben mit zu der seltsamen Situation, dass Frauen sich als nicht-feministisch bezeichnen. Wenn ich mir das mitunter abgehobene Geschwurbel in manchen Kreisen anhöre, dann vergeht es auch mir:

      Feminismus ist kein Club, für den 20.000 Nachweise, Einladungen und Empfehlungen braucht. Allein der Gedanke, jemand könne Emma Watson das Recht absprechen, für dem Feminismus zu werben, ist doch absurd. Jede Frau, die versucht, für andere Frauen ein besseres Leben zu erreichen, sollte nicht noch einer kleinen Clique anderer Frauen beweisen müssen, dass sie das darf.

      Na, ich will mich um die Uhrzeit nicht zu sehr verlaufen 😀 Dass ich deinen Blog sehr mag, habe ich ja schon mal gesagt:-)

  10. Als bisher stille Leserin deines schönen Blogs möchte ich doch unbedingt sagen: Ich möchte unterschreiben! Jeden deiner Sätze, jeden Gedankengang dahinter. Auch ich bin Feministin, exakt nach der Definition, die du gibst.

    Einen kleinen Blick in mein Leben möchte ich noch geben, aus gutem Grund:
    Ich lebe seit knapp acht Jahren mit einem Mann zusammen. Wir sind beide berufstätig. Er ist in Festanstellung und verdient recht gut, ich bin schlecht verdienende Freiberuflerin im IT-Bereich. Mein Partner würde sich als Feminist betrachten, fragte man ihn danach.

    Trotzdem hat er sich keinen Tag für Haushaltsarbeiten verantwortlich gezeigt. Kochen kann er auch nicht. Die Waschmaschine hat er in sieben Jahren vielleicht einmal in Betrieb gesetzt, von den weiteren Vorgängen ganz zu schweigen. Sehr früh ist mir ob dieser Situation der Kragen geplatzt, doch konnte ich mich nur theroretisch durchsetzen. Fakt war: Was ich nicht tat, blieb liegen. Lästige Alltagsarbeit soll doch bitte wer-auch-immer machen, nicht er.
    Schließlich habe ich ihn gefragt, ob diese Arbeiten für ihn einen Wert haben. ‚Natürlich!‘ war die vorhersehbare Antwort. So habe ich dann gefordert, wenn er nicht bereit sei 50% dieser Arbeit zu tun, möge er den Wert, den ich da abliefere, die Zeit und die Energie, die ich dafür einsetze, adäquat kompensieren. Das geht jetzt nicht so weit (sollte es das?), daß mir eine feste Summe monatlich überwiesen wird, hat aber dazu geführt, daß das Ausgehen zum Essen grundsätzlich von ihm bezahlt wird, daß er Reparaturen oder Neugeräte – eine neue Waschmaschine war kürzlich fällig – allein finanziert, und daß keinerlei Rückfragen kommen, wenn ich zum Beispiel um 300 Euro bitte. Ich kriege sie und Schluß. Richtig glücklich macht mich diese Zwischenlösung nicht, sie hat mich aber immerhin von dem Gefühl befreien können schlichterdings im Namen der Liebe ausgebeutet zu werden, und ist ein gangbarer Weg für mich.

    Was ich mit diesem Bericht zeigen möchte: Patriarchalische Strukturen, ‚klassische‘ Geschlechterrollen im Elternhaus und schlichte Faulheit können selbst im Kopf eines Mannes fatale Allianzen eingehen, der jederzeit dafür eintreten würde, daß Männer und Frauen gleiche Rechte und Möglichkeiten haben sollten. Sich dagegen zur Wehr zu setzen, kann verdammt schwierig und anstrengend sein – und man muß es immer wieder klarstellen, ein für alle Mal funktioniert in der Regel nicht. Im Leben der meisten Frauen, die ich kenne, klafft genau die dieselbe Lücke zwischen Theorie und Praxis …
    Das Ungleichgewicht beginnt also bereits im Kleinen, und es ist noch lange nicht ausgeräumt.

    • Liebe Felis,

      wie schön, dass du dich auch zu Wort meldest aus der Stille heraus 🙂 Dein Kommentar war erst im Spam gelandet (das passiert zur Zeit dermaßen häufig, ich gucke nun zweimal täglich rein), nicht wundern, dass er nicht auftauchte.

      Deinen Bericht kann in zu einhundertprozent nachvollziehen. Denn egal, wieviel sich gesellschaftlich ändern mag – bis es im täglichen Kleinkram ankommt, muss noch einiges geschehen. Haushalt, der an uns hängen bleibt – da müssen wohl noch einige andere Faktoren am Werk sein. Im Grunde kann es ja nur drei Prinzipien geben:

      Jeder macht seinen eigenen Dreck weg.
      Wer ihn zuerst sieht, macht ihn weg,
      Wer sich als erstes, daran stört, macht ihn weg.

      Habe alles durchgetestet.
      Das erste funktioniert nur bei mir. Die anderen drei lassen liegen, behaupten aber hinterher, sie seien es nicht gewesen oder hätten ihn entfernt.
      Meist sehe ich ihn zuerst, sieht in der Gatte zuerst, hat er sofort schlechte Laune und wir leiden alle gemeinsam. Sehe ich ihn zuerst und halte mich an das Prinzip 2, sieht ihn niemand sonst. Und keiner sieht, was ich getan habe. Wert der Arbeit damit gleich null. Frustig.

      Das Dritte habe ich auch durchgespielt. Und liegen lassen. Keiner fand es schön, keiner hat was getan. Ich war die erste, die sich nicht mehr darin bewegen mochte. Ich entfernte Müll und Schmutz. Fand niemand der Rede wert.

      Also laviert man sich so durch. Darüber sollten wir in 100 Jahren noch einmal sprechen. Bis dahin ist das bestimmt alles gaaaaannz gaaaanz anders 😀

      ABER verhindert Hausarbeit, Feministin zu sein? Null.

      • Dein ABER – Nein, natürlich nicht. Da könnte man ja gleich sagen ‚Handarbeiten auszuführen, zu nähen gar, verhindert es Feministin zu sein.‘ 🙂
        Ich denke aber, wenn man wie wir Feministin ist, fuchst es einen besonders, daß sich in Sachen Hausarbeit und Bewertung von Hausarbeit einfach nichts geändert hat – und man nichtmal auf den eigenen Partner … hinreichend einzuwirken vermag.

        Hundert Jahre könnten eventuell reichen. 😉

        • Ja, das Gefühl kenne ich zu gut. Da geht es dann auch um noch mehr, nämlich um die Frage, ob ein „nützliches Mitglied“ der Gesellschaft nur jemand sein kann, der Vollzeit arbeitet und sich darüber identifiziert. Natürlich nicht irgendeine Vollzeit, nichts, wo es um andere Menschen geht – Krankenschwester: notwendig, aber sozial uninteressant, Key Account Director – hat kaum jemand was von, aber wow, der hat es geschafft.

          Diese Ansicht liest man ja auch noch aus dem Brigitte-Jammerbeitrag – nur Frauen, die in dieses männlich geprägte System hoch einsteigen und sich als der bessere Mann erweisen, sind echte Feministinnen. Im Grunde nur eine Zementierung von Rollenklischees.

          Das mit den 100 Jahren kommt mir allerdings manchmal doch noch etwas optimistisch vor 😀

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