Gepflegtes Spielkind?

Was mir ebenfalls schon länger im Geiste umherspukt: Hautpflege. Also richtig. Vom wieso und warum bis zum wie und wann. Also durchaus aufwendig und ohne das Versprechen, es auch zügig zu Ende zu führen. Es ist halt so, dass ich ganz, ganz oft noch meinen Röntgen- und Sezierblick einschalte – ohne böse Absicht, das passiert einfach, ich bin ein Opfer meiner selbst! – und denke: ach, Mensch, warum lernt das eigentlich niemand in der Schule?
Und jetzt sagt mir nicht, dass sei so unwichtig, so oberflächlich, so egoistisch: wer auch nur ein wenig Lippenstift oder Wimperntusche verwendet, tut das, weil er sein Äußeres verbessern möchte. In vielen Fällern ein Verschlimmbessern, weil: hat man ja nicht gelernt. Da werden dann die Augen schwarz und dick ummalt, aber die Haut nicht schön getönt, weil man ja natürlich bleiben will – und damit angemalter aussieht, als hätte man es “komplett” gemacht.
Da wird von der eigenen Seele oder der Wunschvorstellung von der eigenen Person auf die Haut geschlossen und sie wird beruhigt, beruhigt, beruhigt, bis sie selig einschlummert und nichts mehr macht. Oder eine Akne wird sich heran gepflegt, weil man jeder nicht mattierenden Creme nur das Schlimmste unterstellt. Es wird der Hals aufwärts gewalkt, um Falten vorzubeugen, die ohne diese Behandlung nie entstanden wären. Es werden Unsummen in die teuersten Cremes gesteckt, weil sie ganz ganz schnell die Vernachlässigung von drei Jahrzehnten entfernen sollen – was nicht erfolgreich sein wird und damit den Beweis liefert, dass es gut war, nie etwas zu tun. Es wird das Billigste gekauft, ohne sich wenigstens zwei oder drei Inhaltsstoffe anzusehen, nur um sich zu beweisen, dass man eben als wahrer intellektueller Gutmensch das Äußere für nicht so wichtig hält.

Aber das Erste, was wir an einem fremden Menschen wahrnehmen ist sein Äußeres – im schlimmsten Falle könnte es auch der Geruch sein, aber da wollen wir jetzt nicht dran rühren 😉 Sicherlich wird der kluge Mensch nicht das alleine – also das Aussehen – als Grundlage für seine Bewertung und Wertschätzung nehmen, aber wieviele von uns würden sich die Mühe machen, hinter jedem ungepflegtem Menschen die sensible Seele, das tiefe Wissen und die warmherzige Güte zu entdecken, die dort angeblich schlummern? Nicht so viele, weil die meisten von uns doch ahnen: wer sich sehr gehen lässt, schätzt sich selbst nicht hoch ein und das kann leider anstrengend für seine Umgebung werden. Aber damit komme ich viel zu weit ab vom Thema, das dient nur der Beruhigung des Gewissens derjenigen, die sich nicht wagen zu rufen: Ja, ich will das wissen. Ich will mich salben und cremen und massieren und zupfen und schminken und einfach schön finden.

Luft holen, puh. Eigentlich wollte ich nur schnell eine Umfrage starten (Spielkind, Spielkind!), ob ich mir die Arbeit machen soll, immer mal wieder und von Zeit zu Zeit. Aber: ich bin streng! Ihr seid gewarnt!

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PS: Ich zitiere mich mal selbst – wenn auch ein wenig genant. Gestern bei Tailor Maid wollte ich in einem Kommentar klarstellen, dass ich einen Unterschied zwischen jünger machen und hübsch machen sehe. Aus dem Alterungsthema heraus hat meine Kosmetikthemaherumspukerei ja neuen Schwung gewonnen.

Hübsch machen: immer, nie auf hören – das ist nämlich Wertschätzung der eigenen Person.
Jünger machen: funktioniert nie und zeigt irgendwann die Geringschätzung der eigenen Person.

Vielleicht habe ich ja Elan genug, um bis zu diesem Punkt voran zu schreiten …