Gerüscht – ok. Länge – ups.

Bevor ich in den nächsten zwei Wochen dank Schulferien und Gattenurlaub zu gar nichts komme, wollte ich in der letzten Woche unbedingt vieles schaffen: Texte für ein zweites Projekt beenden, ein Blusentop konstruieren und nähen und ein T-Shirt kopieren (Jersey!Ich!), das Haus von oben bis unten putzen und ordnen, ein Strickprojekt finden und beginnen, meine Haut wieder in Spur bringen und Haare schneiden lassen.

Idiotisch. Ganz klar. Idiotisch.

Dennoch habe ich ein T-shirt halb genäht und Erkenntnisse gewonnen, mir die Haare von einer Freundin schneiden lassen, das Haus teilweise gesäubert und Strickzeug zumindest bereit gelegt.  Auch die Texte sind beendet und das Top gezeichnet und genäht. Über drei Tage lang. Weil die Idiotie der vielen hektischen Pläne sich ja irgendwo niederschlagen muss.

Ich kaufte Stoff am Dienstag, der mir die Idee zu einem gerade geschnittenen Oberteil mit Uboot-Ausschnitt und halblangen Ärmeln gab, die in einer Rüsche enden sollten. Respekt hatte ich vor der Rüsche bzw. davor, wie das wohl an mir – mit knapp 50 und in den letzten Wochen erstaunlich verunsichert – aussehen solle. Dabei entging mir das eigentliche Problem komplett: Gerade geschnitten. Damit hatte ich ja immer schon fantastische Reinfälle erlebt …

Der gekaufte Stoff war nach der Wäsche noch immer steif wie eine dünnere Quiltbaumwolle und seltsam kratzig. Der Schnitt gezeichnet und ich verbissen-entschlossen. Ein seit langem liegender petrol-weiß gestreifter Baumwollstoff warf sich mir in die Arme und versprach mir alles, was ich mir erträumte. Erst beim Nähen fiel mir so recht auf, welch ein Hochstapler er war, denn viel weicher und fließender als der ursprüngliche Kandidat war er nicht. Was den Rüschen recht war.

Natürlich wollten die Armkugeln so gar nicht in die Armlöcher passen, natürlich wollte der Stoff knittern, natürlich ging das Garn aus und die Nerven gleich mit und natürlich wollte ich bei der Anprobe stumm hinten über kippen oder heulend nach vorne. Nicht wegen der Rüschen, die fand ich erstaunlich erwachsen. Aber der Körper?

Es spannte am Bauch, obwohl rundum viel Platz war; der Stoff wollte dort verweilen und klebte sich fest. Ein trauriger Anblick war das. Ich spielte also mit der Länge herum, wünschte vergeblich, ich hätte eine leichte Trapezform gewählt und schwor jeglichem Süß- und Leckerkram auf ewig ab. (Die Ewigkeit lief dann übrigens vorgestern ab – sie beträgt exakt 23 h 17 min und 47 sec) Ich wühlte mich durch die Reste des Stoffes und kam auf die wirklich großartige, einmalige, unschlagbare, fantastische Idee, die nötige Weite durch eine weitere Rüsche am Bauch zu sorgen. Mit viel Liebe und Sorgfalt schnitt ich eine längsgestreifte Rüsche zu, säumte sie, raffte sie und fand sie sehr gelungen. Weshalb ich sehr sorglos die Bluse auf Bauchhöhe kürzte und die Rüsche ansteppte. In der Tat wirkte es auf der Puppe sehr modern und nahezu cool. Welch eine gute Idee.

Ich kochte das Mittagsmahl für die Brut, ruhte mich ein wenig aus – nächtlichen Schlaf kenne ich kaum noch in den letzten Wochen – und warf mich dann in die so wunderbar gerettete und aufgepimpte Bluse. Vielleicht erinnert sich die eine oder andere an Fantasia, den Disneyfilm? An die entzückenden Nilpferddamen vom Ballett? Weshalb sie mir wohl in den Sinn kamen? Hmmm ….

Die Rüsche wollte sich nicht der Schwerkraft beugen, sie stand quer und wippte um mich herum. Ich drückte sie nach unten, fand, dass sie dann doch gut aussehen könne, bügelte wie eine Wahnsinnige und zog zuletzt ein Gummiband in den Saum. Nun blieb sie unten und fältelte sich gar gehorsam und, es ist kaum zu glauben, das sah auch noch gut aus. Doch beim ersten Schritt rutschte das Gummi hoch und höher. Es war hoffnungslos. Also wieder runter damit und grübeln, wie ich die nun fehlende Länge wieder dran bekäme. Kurze Antwort: Gar nicht, da kam nicht mehr genug an Stoff zusammen.

Mutig trug ich sie heute dennoch und auf den Bildern fällt mir auch auf, wie unschön die Ärmel eingesetzt sind. Und wie sehr Baumwolle an Jerseyhemdchen klebt. Was vielleicht gut aussähe, das wäre ein hochgeschnittener Faltenrock, etwas ganz schlichtes. Oder vielleicht einer mit Passe und einer geraden, gerafften Rockbahn. Mit Jeans sah es vorm Spiegel und in den Augen der anwesenden Jungs und Männer gut aus, auf den Bildern eher nicht.

Jetzt habe ich mir das von der Seele geschrieben, stelle fest, dass ich mir ein Kleid mit diesen Ärmeln wünsche und dass ich dringend den Bunkaschnitt neu aufstellen muss. Jetzt schaut ihr euch einfach die Hunde an und das blühende Tal, durch das wir täglich laufen.

 

 

Der kleine Sohn – der Tom – gab sich viel Mühe mit den Bildern und produzierte Serienaufnahmen en gros. Von 120 Bildern habe ich zumindest 111 ruiniert.

 

 

Das halten beider Hunde half auch nicht, dient aber als Ausrede. Sobald ein anderer Hund in Sicht kommt, tickt der Kleine aus. Die Trainerin, der ich oft begegne, ist zuversichtlich, dass ich das wegbekommen werde, aber Geduld müsse ich schon haben. Ist ja meine Stärke, das Ding mit der guten Weile …

 

 

Sicherlich fiele die Bluse etwas günstiger, hätte ich kein Top darunter getragen. Ich hätte aber ungünstiger frieren müssen im Schatten – bei 18 Grad um 10:00 Uhr gehe ich noch nicht bauchfrei. Aber so eine Art Bauernrock mit hoher Taille könnte vielleicht gut zur Bluse passen, oder?

Aber egal, egal – die Sonne scheint und zwei Hunde sind absolutes Glück!

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12 Kommentare

  1. Hmmm, ich versuche dauernd auf den Bildern zu finden, was an der Bluse nicht richtig sein soll, aber ich finde nichts! Ich finde, sie sieht einfach richtig gut aus. Und ich finde sie auch zur Jeans cool und habe nicht das Gefühl, dass sie einen Rock braucht, um tragbar zu werden. Und außerdem brauche ich dringend auch was mit diesen Ärmeln. Und zwar ganz, ganz schnell 🙂
    Liebe Grüße
    Katharina

    • Das liegt nun auch daran, dass ich die anderen 115 Bilder nicht verwendet habe 😀 Sie ist schon ein wenig kurz und neigt dazu, sich noch kürzer zu präsentieren. Wenn die Jeans etwas höher geschnitten wäre, fühlte ich mich wohler 😀
      Aber das mit den Ärmeln hat mmich überzeugt. Sie sind ganz gerade geschnitten und bekamen eine 13 cm breite und um 13 cm längere Rüsche als der Umfang des Ärmels – ist das verständlich?

  2. Ich bringe die Bluse auf den Bildern nicht mit der überein, die Du in Text beschrieben hast. Die im Text ist furchtbar. Die auf den Bildern ist super.
    Vlt. liegt es an den Hunden? Keine Ahnung.
    Liebe Grüße von Kari

    • Das liegt bestimmt an den Hunden 😀 Etwas länger fände ich sie schon besser, aber vielleicht mache ich beim nächsten warmen Tag noch einmal Bilder in der Küche, dann sehen wir mehr von ihr.

  3. Liebe Michou,

    vorweg: Deine Texte lese ich wahnsinnig gern. Dieser Wortwitz und Lebensironie sind einfach herrlich. Und inzwischen habe ich so viel von Dir gelesen, dass ich weiß, dass man die Hälfte streichen kann und die verbliebene Hälfte mit einem zugekniffenen Auge wertschätzen kann. Die Bluse ist toll. Punkt. Auch oder gerade zu einer Jeans. Es ist grad total hip, was Du da trägst und ob Du willst oder nicht, Du kannst das mit Deinen fast 50 tragen. Also: freu Dich 🙂 Zum Thema: zu kurz und der Stoff verträgt sich nicht mit Unterhemdenstoff. Ich kenn das Problem, hab’s aber auch noch nicht in den Griff bekommen. Mein Plan ist jedoch folgender: Megan Nielsen, Rowan Body. Bin noch auf der Suche nach flutschigen Stoffen mit wenig aber genügend Elasthan-Anteil, aber das wird bestimmt.

    Viele Grüße
    Kerstin

  4. Danke für genaue Definition der Ewigkeit. Habe dringend gebraucht :-).
    Ich konnte Kari zitieren – die Bluse auf den Fotos ist niemals die gleiche die Du im Text beschreibst :-). Niemals nie.

    • Das dachte ich mir, dass die Ewigkeitsdefinition für mehr als eine nötig sein könnte – daher mein aufwendiges Testverfahren 😀
      Der Großteil der Bilder ist so grauenvoll und ich sah dermaßen kurz- und dünnbeinig, riesenhüftig, schmalschultrig und buckelig aus und die Bluse so verknittert und entstellend, dass ich den Unterschied zwischen vielleicht nicht perfektem Spiegelbild und scheinbarer (?) Realität nicht fassen konnte 😀

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