Harumi Maruyama -Rock-Grundschnittvariationen

Vor ein paar Tagen stellte ich fest, dass es zu meinem Lieblingsschnittkonstruktionsbuch einen Nachfolger gibt und was tat ich? Selbstverständlich setzte ich das Buch auf meine Weihnachtswunschliste und begann, auf den Winter zu hoffen und einen verständigen Gatten. Geduldig. Natürlich. Also fast, denn am nächsten Tag lag es in meinem Briefkasten. Ups. Aber was kann ich machen? Ich bin noch immer büchersüchtig – aktuell lagern auf meinem kindle 312 Bücher, die ich demnächst alle zu lesen gedenke. Natürlich.

Aber zurück zum Buch. Rock-Grundschnittvariationen von Harumi Maruyama beschäftigt sich mit dem Thema Rock ebenso ausführlich wie das erste Buch sich mit Oberteilen beschäftigt hat: Es kommt mit einem Schnittmusterbogen für den Rockgrundschnitt, den ich aus Zeitmangel noch nicht getestet habe – schaue ich mir die Röcke in den Mrs. Stylebook-Magazinen an – japanische Schnittkonstruktion nach Bunka – dann vermute ich, dass sie eher dezent figurbetonend sind, aber ich werde berichten. Irgendwann in den nächsten Monaten …

 

 

Was ich an Harumi Maruyamas Büchern sehr schätze: Sie gehen sehr wertfrei mit möglichen Körperformen um und sind voll mit all den Informationen, die ich mir über Jahre hinweg mühsam aus verschiedenen anderen Publikationen oder durch (nervige) schlechte Näherlebnisse zusammen gesucht habe. Die Selbstverständlichkeit, mit der hier beispielsweise über die Unterschiede von Rockformen- und längen beim Gehen oder Sitzen geschrieben wird – herrlich. Ich selbst habe immer gehadert damit, dass mir manche Röcke das Sitzen nicht erlaubten, dafür aber im Stehen an mir herunter rauschten; ich hielt das für ein absurdes Problem, das allein meiner verbauten Figur geschuldet sei. Ha, von wegen!

 

 

Ein wenig muss zumindest ich mich in die oft knapp-trockene Beschreibung mancher Arbeitsschritte hinein fuchsen; ich habe für mich festgestellt, dass eine Befolgung der Anweisungen Schritt für Schritt ohne darüber zu philosophieren, am schnellsten zum Ziel führt – danach hat man dann aber auch verstanden, was man da getan hat. Ebenfalls gut gefällt mir, dass fast jede mögliche Abwandlung des Grundschnittes gezeigt wird: Nicht nur einen Faltenrock, sondern zumindest 20, wenn ich richtig gezählt habe. Was bedeutet: Die Leserin bekommt alles an die Hand, um ihren Traum richtig zu konstruieren, denn sie sieht, wie eine Falte fällt, wenn sie links oder rechts gelegt, wenn Weite in der Mitte oder am Rand zugegeben wird. Gleiches gilt für Röcke mit schwingendem Saum oder Raffungen – beim Blättern fühle ich mich sehr inspiriert.

 

 

Auch wieder dabei ist die Seite, in der zwei Schnitte aus unterschiedlichen Stoffen gezeigt werden – ich weiß jetzt auch, weshalb mein perfekter Kleiderrockschnitt in der Viskoseversion so seltsam zipfelte. Ich hatte diesen seitlichen Stoffüberhang auf mein Altern geschoben und fühle mich seit dem obigen Bild wenigstens fünf Jahre jünger. Das schafft ja auch nicht jedes literarische Werk, nicht wahr?

 

 

Nach den Grundlektionen folgen Intensivkurse und einige Designbeispiele aus der Arbeit Harumi Maruyamas, auch hier wieder zweifach gezeigt in Nessel und Modestoff. Anschließend geht es weiter mit Nähtechniken und der Schnittaufstellung mit eigenen Maßen und/oder der Anpassung des Schnittmusters. Dafür gibt es Tabellen mit Maßen und Proportionen, aus denen sich beispielsweise die idealen Abnäherweiten ablesen lassen:

 

 

Seit ich das Buch erhalten habe, habe ich es ungefähr einhundertunddreizehnmal in Händen gehalten und habe ganz viel Lust auf Röcke und Kleider und es liegt schon jetzt, ebenso wie der Vorgänger, direkt neben dem Nähbereich statt im Regal auf mich zu warten. Bei jeder kleinen Unsicherheit in der Schnittzeichnung griff ich zum ersten und ich denke, das wird nun nicht anders sein.

Ist es ein Buch für Anfänger? Für Anfänger in der Schnittkonstruktion sicherlich, wenn ein wenig Bereitschaft da ist, sich durch zu arbeiten. Für Nähanfänger eher nicht, weil doch vieles vorausgesetzt wird. Aber auch für all die, die sich schon weiter in die Thematik eingearbeitet haben, ist Rock-Grundschnittvariationen eines der Werke, die immer wieder zur Hand genommen werden. Mit 177 Seiten von denen keine nutzlos vertan wird, ist es seinen nicht ganz günstigen Preis von 32,- € sicherlich wert. Erschienen ist es im Stiebner-Verlag, der seinen eigenen Anspruch auch diesmal nicht unterschritten hat.

Weitere Buchrezensionen findet ihr übrigens oben unter dem Menüpunkt „Bücher“.

Diese Beiträge könnten dich interessieren:

3 Kommentare

  1. Das scheint genau das richtige Ergänzungsbuch für dich zu sein.
    Jetzt sehen wir bestimmt ganz viele neue Röcke bei dir, : ).
    LG von Susanne

  2. Wow, vielen lieben Dank für die ausführliche Rezension! Ich bin begeistert – am Wochenende diesen Post von dir gelesen, gleich das Buch bestellt (allerdings erst mal über Oberteile, ich möchte im Sommer meine Tops- und Blusengarderobe neu aufstellen) und jetzt liegt es bereits auf dem Tisch neben mir 🙂
    Ich lerne das Schnittmusterzeichnen nach der italienischen Sitam-Methode und ich denke mal, das Buch – beide Bücher, ich will sie beide haben – könnte eine gute Ergänzung sein.
    Liebe Grüße
    Juli

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Please leave these two fields as-is:

Protected by Invisible Defender. Showed 403 to 516.214 bad guys.