Hosen, Hosen, Hosen!

WARNUNG: Das hier wird lang! Wer sich dennoch heranwagt, möge sich bitte Kraftnahrung und Erfrischungen bereit stellen!!!

Letzte Woche schon hätte ich euch Bilder von einer fertigen Hose, zwei halbfertigen Röcken und drei angefangenen Hosen in diversen Stadien von “Stoff ist gewaschen” bis zu “Zwei Nähte gestichelt” zeigen können und mögen. Stattdessen musstet ihr in meine Tardis steigen und alte Bilder gucken, denn die Kamera war unauffindbar. Als Steve am Freitag abend nach Hause kam, zeigte er nur kurz auf die Fensterbank seines Schlafzimmers – dort hinter Vorhang und unter einigen Broschüren und Kinderspielen lag sie denn auch …

Den heutigen Morgen habe ich genutzt, um das eine oder andere an den Hosen zu verändern und um Bilder zu nehmen. Ich denke eben nur an euch. Wie immer muss ich mich beeilen, in einer guten halben Stunde muss ich los, um meine wilden Kerle zu holen 🙂

Wie bereits dezent angedeutet, ist Dunkelblau das vorherrschende Thema. Kann ich immer brauchen und theoretisch sind sie – die Hosen – alle unterschiedlich. Fangen wir einfach mal an:

Dunkelblau?? Ok, das hier ist die dunkelblaue Woll-Burdahose in sandfarbener Baumwoll-Elasthanmischung. Übrigens die Stoffempfehlung für die Originalhose und ganz ehrlich? Wollstoff passt besser, denn diese Hose jetzt steht auch ohne mich aufrecht. Fast. Beim zweiten Mal habe ich einige Kleinigkeiten geändert: der Bund ist ohne Mittelnaht und nach oben viel enger geschnitten (was sich entschieden besser anfühlt) und die Hinterhose ist in der Mitte um anderthalb Zentimeter angehoben. Und wenn ich mir die Bilder ansehe, dann hätte ich sie auch gut um 2,5 cm heben dürfen. Auch an der hinteren Sitztiefe könnte ich in den nächsten Tagen noch etwas ändern.

Womit ich aber wirklich Schwierigkeiten habe, ist die Bügelfalte: Nach Burda bringe ich die vordere Falte vor dem Nähen in den Stoff – was ich nicht tun würde, wenn ich noch nicht weiß, wie die Hose sitzen wird und was ich noch ändern muss. Aber bei Hose Nummer Zwei habe ich das gemacht; die Bundfalte oben wird erst nach dem Einbügeln gelegt und das klappt dann auch. Nur … wenn ich nach der Wäsche die Bügelfalte wieder neu einbügeln muss, ist es genauso schwierig wie bei Hose Nummer Eins. Denn die eingelegte Falte ist schräg, während die Bügelfalte gerade ist … warum das so designt ist, weiß ich nicht. Ich habe mir andere Schnitte angesehen und dort sind die Falten gerade. Was das Einbügeln der Bügelfalte erleichtert. Ideen dazu? (Außer: Burda!)

Nun aber dunkelblau:

Burda 8488 – diesmal in 38 – die vordere Schrittkurve ist tiefer und runder als hier:

So fühlt es sich besser an und es gibt weniger Querfalten. Und da bin ich schnell wieder an dem Punkt, an dem ich mich aufrege: wann immer ich in letzter Zeit – und das war ja für meine Verhältnisse oft! – bei Burda 38 gewählt habe, hatte ich Schwierigkeiten mit der riesigen Taille, der Hüftbeugung und mit zuviel Stoff an den Oberschenkeln (und lasst mich sagen: ich habe dünne Beine – vom Knöchel bis zum Knie. Darüber … ähm, hat sich einiges getan… ), so dass ich rundum geändert habe und semizufrieden bin. Warum aber diese Hose nun oben herum etwas knapp und die komplette Schrittkurve eher einengend ist, ist mir unklar. Allerdings habe ich mir andere Hosen nach diesem Schnitt im Netz angesehen und stelle eigentlich bei jeder die Neigung zum Katzenbart fest – das muss am Schnitt liegen.

Wie gesagt, etwas ungemütlich, auch im hinteren Bereich. Laut “Pants for any body” hilft die Vertiefung der Sitzkurve – etwas, was ich eh ständig machen muss wegen meiner tieferen Sitzfläche … *schluchztleisevorsichhin”

Fühlt sich besser an, richtig geschaut habe ich noch nicht ;-….
Ok, nun habe ich geschaut und denke, die erste Version ist besser. Aber weniger komfortabel, hmmm. Und sowieso bringt mich das zu dem Punkt, der mich beschäftigt. Immens beschäftigt. Vor kurzem erst stellte Cupcake Godess Sunni die große Faltenfrage und die Meinung der vornehmlich US-amerikanischen Leserinnen war eindeutig: “Bah! Pfui! Sitzen gar nicht! Würde ich nicht tragen! Muss man sich ja schämen!”. Ich habe mich mutig hinein geworfen und mit den Burdahosenbildern, über die ich mich hier schon mokiert habe, die These aufgestellt, dass das Gegenteil – also verschämt zu viel Stoff in dem Bereich – zu grotesken Deformierungen führt. Lasst es mich vor weniger leicht zu schockierenden europäischen Ohren und Augen sagen und schreiben, dass zu viel Stoff an dem Burdamädchen in türkis dazu führt, sie zur Rechtsträgerin zu diffamieren …. Bei welcher Frau würde ansonsten am obersten Oberschenkel irgendetwas beulen, wenn sie nicht zweigeschlechtlich wäre? (Und nein, ich glaube nicht, dass das Model nicht eindeutig weiblich ist. Ich denke nur, dass die Hose das nicht berücksichtigt ;-D)

Von da aus komme ich dann zu der traurigen Erkenntnis – auch gewonnen durch den Nähkurs – dass nicht an jeder Figur jedes Paßformproblem(chen??) zu lösen ist. Ich habe nun mal meinen Hintern tiefer als gewollt. War immer schon so und wird mit den Jahren nicht besser. Das heißt, ich muss Stoff wegnehmen und zwar an vielen Stellen. Aber Länge zugeben. Und dennoch Platz lassen, denn im Gegensatz zum – sagen wir mal: klassischen – flachen Po mangelt es mir durchaus nicht am nötigen Fettgewebe 😉 So langsam komme ich auch dahinter, dass meine vorderen Oberschenkel stärker gewölbt sind (für das Wort muskulös fehlt mir die Courage, aber ja, dieser Muskel baut sich bei mir am besten auf.) als oftmals vorgesehen. Was in Zukunft bedeuten könnte: Hinterhose verschmälern, Vorderhose teilweise verbreitern. Leider fehlt mir zwischen Bauch und Oberschenkel Polsterung – da fältelt sich Stoff gerne zusammen, denn er hat nichts, worüber er sich spannen könnte. Sieht aber fast genauso aus wie ein Katzenbart. Der noch dazu kommt, denn: nimmt man hinten was weg, so sieht man das auch vorne. Es sei denn, man gibt so viel Stoff dazu, dass er sich nach unten heraus beult.
“If pants are baggy in back, pull up at center back until wrinkles disappear. This often creates smiles in the front. If it does, let out inseams.”
Der Satz stammt aus dem “Pants for any body”-Buch und ja, das kann ich nur bestätigen. Im Nähkurs habe ich also mit der Schneiderin, die wirklich fantastisch war, hinten hoch gezogen, unten tiefer ausgeschnitten, vom Oberschenkel weggenommen, zugegeben, wieder hoch gezogen, tiefer ausgeschnitten, Hüften enger gemacht, Oberschenkel weiter, enger, oben höher gezogen, tiefer ausgeschnitten usw. usw. …

So, jetzt muss ich schnell mal los zum Kiga!

Wieder da, noch schnell Einkaufen und Essen in den Ofen schieben und weiter geht es mit meinen höchst erhellenden Ausführungen.
Es ist logisch, dass jede Änderung eine Wirkung nach sich zieht und nicht immer die Gewünschte bringt. Hosen passend zu bekommen ist sicherlich eine der langwierigsten und frustrierendsten Aufgaben, die ich mir denken kann: nicht nur sieht man nicht alles, nein, vieles ist einfach nicht machbar. Bei der im Kurs genähten Hose, die ich letztendlich nicht fertig gestellt habe (Knöpfe und Saum fehlen noch) ist die Porundung sicher die beste, die ich je hatte. Leider ist der Stoff undankbar, der Schnitt seltsam und – ganz fies – vorne ist es irgendwie beutelig. Im Stehen von vorne noch ganz gut, beim Gehen zieht sich aber alles noch oben und schlabbert herum. Verblüfft hatte mich, dass eine Verbesserung durch das Engernähen der Hüfte erzielt wurde und die Kursleiterin mit dem Gedanken spielte, insgesamt alles enger zu nehmen. Nicht jede Querfalte deutet also auf zu eng hin! Warum also ist der Katzenbart ein solches Schreckgespenst? Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals jemand beim Jeanskauf eine Hose deswegen weggelegt hätte. Im Gegenteil: diese Falten werden seit langem schon künstlich in Jeans eingehämmert, gefärbt, gerissen, gebügelt und was noch.

Kann eine eng anliegende Hose wirklich ÜBERALL perfekt sitzen, wenn sie
a) nicht aus Jersey ist,
b) die Trägerin keine perfekten Maße besitzt,
c) die Trägerin sich darin bewegen will?

Und letztendlich stellt sich die Frage, ob ich den meisten Menschen nicht doch eher ins Gesicht schaue … Natürlich nehmen wir die Körperform war und ob etwas sitzt oder nicht, aber ich denke, die meisten Hobbyschneiderinnen sind zu sehr ins Detail auf einem unbeweglichen Bild vertieft, um hier noch entspannt mit dem Thema umgehen zu können 😉 Von hier aus könnte ich ganz leicht in mein Hauptthema wechseln: Problemzonen, Körperform und ideale Kleidung. Aber das führt für heute zu weit. Nur eines ganz schnell: Kurz wirkender Oberkörper und flacher Po lieben hüftig getragene Kleidung. Bauch und hohe Hüfte hingegen wollen es taillenhoch. Was immer ich also tue: ideal wird es nach diesen eng gefassten Grenzen nie werden – da kommt uns Mädels eben wieder diese Verbissenheit im Detail in die Quere. Würde ich gerne ändern. Erst bei mir, dann bei allen andern. Das hieße allerdings die Welt zu verändern … muss ich mich im Alter von 43 Jahren noch auf den steinigen Weg zur Weltherrschaft machen???

Ihr seht, ein Nachmittag mit mir auf meinem Sofa könnte anstrengend werden, denn ich mäandere von einem Ufer zum anderen und schlängele mich durch jeden Sumpf;-) Manchmal aber finde ich meinen Weg zurück: Hosen. Dunkelblau. Bilder. Verzeiht! Kotau!

Diese Hose hatte ich schon in einem grauen Wollstretch genäht: Größe 12 von oben bis unten und sie schien ein wenig eng. Hmm. Da fühlte ich mich für einen Augenblick doch seltsam: Gut, ich habe fünf Kilo zugenommen, aber das 12 in der Taille zu eng sein könnte, erschien mir doch harsch. Aber schon im nächsten Moment war mir klar, dass der Stretchanteil vielleicht doch geringer ist als vermutet. Sicher war ich mir nicht, also habe ich am Schnitt nichts geändert und ihn genauso für den blauen Baumwollstretch verwendet. Ups, ist doch zu groß. Trotzdem ich den Formbund hinten enger gemacht habe, steht er noch immer ab. Und obwohl ich den Schnitt am Torso um 4 cm verlängert habe, fehlt mir hinten noch Länge. Was ich immer seltsam finde, denn unterm Po beutelt es dennoch. Die Idee, die Hinterhose kürzer zu machen und zu dehnen, erscheint mir immer logischer, nur gibt es kaum noch Schnitte, die das berücksichtigen – theoretisch müsste ich wohl die Sitztiefe weiter nach unten ziehen und die fehlenden Zentimeter am Oberschenkel nicht wieder hinzufügen, um das zu erreichen. Oder?
(Im übrigen fehlen noch die Knöpfe am Bund, daher meine Bauchschmerzhaltung)
Jetzt nochmal mit flacherer Schrittkurve vorne:

Von hinten (wo die Probleme weniger sichtbar sind denn von der Seite. Aber die Bilder werden nie was)

Ich hätte es so lassen können, aber von der Seite stören mich die überhängenden Falten immer sehr und vor allem – viel störender – rutschte der Bund hinten nach unten, sobald ich mich bewegte – weil zu wenig Länge da war und weil er immer noch so weit ist. So bin ich zu der folgenden Änderung gezwungen gewesen, wenn ich nicht nur herum stehen will:

Außerdem spiele ich noch mit der Länge herum: ich wollte eine 7/8-Hose, aber das wirkt bei meinen langen Beinen (ha, ich habe nämlich wirklich keinen kurzen Oberkörper – neihein, meine Damen! Der ist ganz normal lang. Meine Größe von 1,73 kommt vor allem aus den Unterschenkeln und ein wenig aus dem unteren Torso. Jawohl 😉 ) doch nur wie normal gekauft und halt zu kurz. Also überlege ich, sie einfach noch ein Stückchen umzukrempeln, um eine Länge zwischen 7/8 und Capri zu erhalten.

Und dann haben wir da noch die Bootcuthose aus der Easy Fashion vom Frühjahr 2009. Die reizt mich schon lange, denn eine klassische Schlaghose (die sie aufgrund der Weite unten eher ist) steht eigentlich fast jeder und passt zu vielem. Eng an Hüfte, Po und Oberschenkel und dann weit. So sollte sie sein. Da muss ich noch basteln …

Das Hinterbein ist mal wieder zu weit, aber nachträgliche Änderungen führen seltsamerweise zu Falten unterm Po, die auf zu viel Stoff schließen lassen müssten. Bin ich wieder mal verwirrt. Am linken Bein habe ich nur am Oberschenkel und nur am hinteren Bein einen Zentimeter weggenommen – ausgebügelt sind die Nähte fast alle nicht, denn ich bastele noch. Auch der Bund ist nur provisorisch und nicht ganz gleichmäßig angebracht. Und die rechte Tasche beutelt – da habe ich irgendwo eine Welle eingebastelt.

Am Schnitt hatte ich mutig viel herum geändert:
3 cm mehr Höhe zwischen Oberschenkel und Taille – yep, das war richtig so. Gut gemacht!
Dann 2 cm keilförmig von der hinteren Mitte nach Burda-Anleitung für flachen Po wieder weggefaltet – yep, auch das stimmt so ziemlich. Ich werde besser und kapiere so langsam, was ich tue. Wenn nur endlich MEIN BUCH ankäme.
Den Reißverschluss entsprechend verlängert – yep, ebenfalls richtig, sonst käme ich nicht hinein.
Aber dann …

Das ist nicht das Schnittbild für die Hose, aber da das Burda-Archiv noch (immer) nicht wieder aufgebaut ist, müssen wir hiermit vorlieb nehmen. Die Hose hat Hüftsatteltaschen und Burda erklärt, dass eine Längenänderung in der eingezeichneten Höhe stattfinden solle: kurz oberhalb des Taschendes. So weit, so gut. Dann aber kommt der lapidare Satz, dass nach dieser Änderung die Tasche auf die ursrpüngliche Länge gekürzt werden solle, damit es hier keine Änderung gibt … Bevor ich am Freitag daran saß, erschien mir das logisch. Dann nicht mehr. Denn wenn ich hier Länge einfügen muss – und ich brauche mehr als einen läppischen Zentimeter – dann brauche ich auch am Reißverschluss mehr Länge. Und für meine Hände bzw. Arme. Denn die sind natürlich auch länger als bei einer kleineren Frau. Und ich möchte nicht die Schultern bis zu den Ohren ziehen müssen, um irgendwie in die zu hoch sitzenden Taschen zu gelangen. Und zudem müsste ich den Schnitt dann ja auch unterhalb der Hilfs- und Schnittlinie ändern, ich kann nicht einfach die Tasche nach oben malen, ohne auch auf den Übergang zu achten. Oder wie? Oder was? Oder wo? Also habe ich sehr mutig die Taschenschrägung geändert. Nun beutelt die eine Seite, aber die andere ist ok. Wobei der Bund ja nicht ganz gleichmäßig angeheftet ist.
Und eigentlich sollte ich hier nicht stundenlang schwafeln, sondern mich an die Arbeit machen. Damit ein letztes Bild:

So, auf an die Arbeit.

Diese Beiträge könnten dich interessieren: