Ich bin noch nicht durch!

Ich komme soeben vom Kurzeinkauf für kochfaule Mamas zurück – Brötchen und Berliner – und rege mich noch immer auf. Beim Gang durch die Zeitschriftenabteilung geriet mir der Titel eines in meinen Augen eh fiesen Schmierblattes – nennen wir es mal “Focus” – unter die Augen. Unter dem Titel Sexismus-Debatte wird gefragt: “Was darf Mann noch?” Focus verspricht Aufklärung und Rat.

Und nein, ich habe nicht hineingeschaut und ich werde es auch nicht tun – da ist jeder Cent zu schade. Es ist alleine dieser Titel, der mich in Rage bringt. Legt er nicht nahe, dass es irgendwann einmal vollkommen in Ordnung gewesen sein muss, Frauen den Po zu tätscheln, ihr an die Brust zu grabschen, sie vor Kollegen zu Schäferstündchen aufzufordern oder ihr sonstwie zu nahe zu treten – alles ungefragt und von ihr ungewollt? Impliziert er nicht schon wieder, dass die eigentlichen Opfer Männer sind, die einfach nicht klarkommen können mit den ungerechtfertigten Ansprüchen von Frauen? Und am allerschlimmsten: negiert er nicht die Tatsache, dass die meisten Männer durchaus wissen, was sich gehört und was nicht?

Und bevor nun solcherart verunsicherte Männer ihr letztes Geld für ein solches Heft ausgeben und darin womöglich – das würde mich nicht wundern – erfahren, dass alles gar nicht so schlimm ist und dass sie eigentlich alles dürfen, solange sie reich und/oder schön sind; bevor also das geschieht, rate ich ihnen, sich einen alten Spruch zu Gemüte zu führen, der da lautet:

“Väter sind Männer, die nicht wollen, dass andere Männer mit ihren Töchtern tun, was sie mit den Töchtern anderer Väter getan haben.”
Das lässt sich leicht anwenden, in dem der tiefere Sinn interpretiert wird: alles, von dem ihr nicht möchtet, dass es eurer Mutter, eurer Schwester, eurer Tochter oder eurer Frau geschieht, das tut ihr auch keiner fremden Frau an. Die Väter, die immer wieder einmal durch die Presse geistern, nehme ich ausdrücklich davon aus.
Lasst die Pfoten von jeder Frau, die euch nicht dazu einlädt.
Ruft keiner Frau peinliche Sprüche hinterher, um euch vor euren Kumpels groß und stark zu fühlen.
Verabschiedet euch von der ewiggestrigen Idee, dass ein weibliches Nein immer ein Ja sei.
Zeigt Selbstrespekt – wer es nötig hat, andere klein zu machen, sie zu ängstigen, sie zu zwingen (egal, ob Mann oder Frau!), der hat vor allem guten, ärztlichen Rat nötig.
Frauen genießen einen guten Flirt ebenso wie Männer, werden genauso kribbelig, nervös, albern und ängstlich, wenn Gefühle im Spiel sind, egal, ob körperlicher oder geistiger Art. Aber nur das ist gut, was beide wollen. Immer. Überall. Sei also Mann, nicht Affe.
So einfach ist das.

Und weil ich nichts so einfach stehen lassen kann, will ich euch gerne zugeben, dass Mann (und Frau) verunsichert werden kann, wenn er sich am Zeitschriftenregal weiterbewegt und auf Frauenzeitschriften Titel findet wie “Sexy Body in 14 Tagen”, “Wie mache ich ihn scharf?” “Auszüge aus dem neuesten Sex-Roman” “So wird dein Sommer heiß heiß heiß” – offenbar dreht sich bei den Mädels alles irgendwie um Sex und Männer. Ist der rote Lippenstift, der enge Rock, der hohe Absatz also doch nur dazu da, um ihn zu Übergriffen zu bewegen? Ich sage noch immer “Nein!” Die meisten Frauen blättern derlei Zeitschriften der Kleidung wegen durch und tolerieren derlei Artikel, die seit wenigstens der 80er die immer gleichen sind. Viele junge Frauen mögen das anders sehen, kommen dabei aber auch nicht auf die Idee, sie machten sich dadurch zum Freiwild. Es ist schwierig – auch für uns Frauen. Wir sind ständig hin und hergerissen zwischen Dingen, die wir mögen und die wir mögen sollten, zwischen Spiel und Ernst, zwischen Abscheu und Faszination. Unsere Kleidung ist fast immer Freude am Spiel und selten klare Aussage. Kein ungewollter Übergriff wird entschuldbar durch einen Hinweis auf Artikel in Cosmopolitan und Focus!

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