In diesen Schuhen

– in nahezu all meinen Schuhen -trete ich die Frauenbewegung mit Füßen. Hätte ich vor zwanzig Jahren noch gemeint. Meinen vielleicht heute noch welche. Andererseits: wer interessiert sich noch für die Emanzipation, seit wir eine Frauenministerin haben, die den Jungs auf ihrem harten Lebensweg helfen möchte? Seit wir eine Kanzlerin haben, die andere Frauen – wie gerne berichtet wird – um sich herum weg beißt? Eben!

Das ging mir heute morgen durch den Kopf, als ich meine Schuhe – diverse durcheinander gewürfelte Paare zwischen meiner Zimmertür und meinem Kleiderschrankvorhang – wahrhaftig mit Füßen trat, um Platz zu haben. Aufräumen muss ich das komplette Haus, immer, dauernd, ständig. Da bleibt mein Zimmer unerledigt … Ich schweife ab. Wie immer. Ihr mögt das 😉 Ihr habt das zu mögen!
Mein werter Gatte gibt von Zeit zu Zeit in Bezug auf meine Fußbekleidung Kommentare ab, die auf die absolute Nutzlosigkeit und Wertlosigkeit ebenjener Fußbekleidung abzieht. Wenn ich beispielsweise verkünde, dass ich deshalb keine Lust habe, Sonntags bei seinen Kurzausflügen mit den Jungs dabei zu sein, weil ich nicht in der Lage bin, hinter ihren Fahrrädern her zu rennen. Ich kann das deshalb nicht, weil besagte Schuhe es nicht erlauben. Allerdings wäre ich auch auf flachen Schuhen nicht in der Lage, derlei zu tun. Aus flachen Schuhen falle ich heraus, weil ich keine Ferse habe, die rund genug ist, um Schuhe fest zu halten. Durch die Neigung eines hohen Absatzes hingegen finde ich schneller passende “unpassende” Schuhe. Unpassend in Bezug auf männliche Freizeitaktivitäten. Schade, nicht wahr? Denn könnte ich mir Schöneres denken, als durch Matschepampe zu springen, in Zelten zu übernachten, auf dem Fußballplatz zu stehen oder Berge zu erklimmen? Lasst mich kurz innehalten und nach denken …

Nein, nach längerem Sinnen stelle ich fest: Ich will keine passenden Schuhe haben. Ich möchte einen ruhigen Sonntagnachmittag ohne drei Männer oder Männlein um mich herum. Ohne Kampfgeschrei, ohne Power Rangers, Spiderman, Batman, Fußball oder – das Grauen schlechthin – Formel Eins. Und kaum gelange ich an diesen Punkt meiner Seelenforscherei, stelle ich fest: Hohe Schuhe und Feminismus sollen sich nicht vertragen? Ha, im Gegenteil, sie erleichtern mir das Durchsetzen meiner weiblichen Lebensgewohnheiten und fördern zudem mein Selbstbewußtsein. Soll er doch denken, das Weibchen sei unpraktisch und schwach – muss mich das wirklich interessieren? So gesehen bin ich, wer ich bin ohne mich um die Meinung anderer zu scheren 😀
Ernsthaft; klar schränken mich hohe Schuhe und schmale Röcke stärker ein als Hosen und Ballerinas. Aber ich entscheide, wann und wo ich mich einschränken lasse und habe zudem immer einen guten Grund, nur das mitzumachen, was meine Schuhe mir erlauben. Insofern besitze ich eine Hymne (war das nicht so eine AllyMcBeal-Sache???):

Worauf aber wollte ich eigentlich hinaus? Ahja, die Einschränkung und die Vorteile und passende BHs: Heute morgen machte ich mich mit meinen – wieder einmal erkälteten – Jungs und einer frauenfeindlichen Schuhe/Rock-Kombination auf den Weg in unser örtliches Wäschefachgeschäft, in dem ich mir Anfang des Monats einen BH anpassen ließ (und das erzähle ich extra für Joanna – all denjenigen, die aufgrund gewisser Wortverbindungen über google hier hinein geraten sind, sei gesagt: Jungs, hier seid ihr gründlich falsch!), um einen weiteren abzuholen. Vom Parkplatz bis zum Laden sind es wohl so 200 m, die die beiden Derwische im Schweinsgalopp zurück legten, während die werte Frau Mama vornehm hinterher stöckelte. Der Vorteil dabei: meine beiden Wilden erzogen sich durch diesen Umstand selbst zu Kavalieren (hey, wann habt ihr dieses Wort das letzte Mal gesehen, gelesen, gehört – geschweige denn in natura erlebt?): Sie konnten nicht auf mich warten und sprangen die Ladenstufen hoch und öffneten die Türe, grüßten sehr höflich – trauten sich aber nicht weiter. So hielten sie mir die Türe auf, bis ich entspannt eintreten konnte. Seht ihr: nichts als Vorteile.
Es bleibt übrigens bei 75 D – das allerdings bei MarieJo, einer französischen Marke, die etwas kleiner und etwas fester schneidert als Triumph. Ich bräuchte in der Tat eher 70 um den Oberkörper herum, aber die Körbchen stehen dann leider zu eng und zu schmal beieinander – nur die 75 bietet mir genau die richtige Stelle für die Körbchen. Da muss ich halt mit leben.

Nun zum eigentlichen Sinn und Zweck dieses Beitrages (Hä? Der hat auch einen Sinn?): Schon seit Wochen im Schrank hängt ein blauer (!) schmaler Rock mit Bundfalten. Der Schnitt ist Simplicity 2315 und ich kann ihn euch nur ans Herz legen, wenn ihr nach einem schmalen Rock mit leichtem Sechziger-Anklang sucht.

Diesen Rock hatte ich im Herbst letzten Jahres schon einmal aus einem herrlichen dunkelgrauen Wollstoff genäht: in sich dezent gemustert, wunderschöner Fall, guter Sitz – nur leider war der Rock hinten nicht schön genug für mich. Die hintere Mitte hätte höher sitzen müssen; der Schlitz hing durch und auch die rückwärtigen Abnäher waren zu kurz. Nichts, was sich nicht leicht ändern ließe. Wenn man sich denn die Zeit dafür genommen hätte und nicht in einer Hauruck-Aktion den Bund abgetrennt und den Rock zu tief abgeschnitten hätte … Nun hatte ich die Änderung – das Senken der HM um etwa anderthalb Zentimeter- am Schnitt sehr sorgfältig vorgenommen. Um nun festzustellen, dass das vielleicht nicht mehr erforderlich ist … also wieder Bund ab und diesmal auslassen. Was nur begrenzt ging. Bevor ich den Rock das nächste Mal nähe – was mit Sicherheit in diesem Herbst geschehen wird! – werde ich die fehlenden Zentimeter wieder zufügen und den Abnäher um einen weiteren Zentimeter verlängern. Mal sehen, was dann wieder nicht stimmen wird 😉

Von vorne aber sieht er ganz nett aus. Der Stoff ist eine sehr simple, feste Baumwolle, die nach dem kurzen Ausflug heute morgen natürlich erste Knitter zeigt. Sieht weniger schlimm aus als auf dem Bild:

Dafür gibt es heute keine Fehlbilder: habe nur zweimal knipsen müssen! Yay!!
Achja, und die Haare sind auch wieder dunkel. Ich kann und mag mich an heller nicht gewöhnen, obwohl das – angeblich – besser ist, wenn frau vor sich hin altert. Dann altere ich halt mir der falschen Farbe. Vorerst.

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