Mag mich gar nicht bitten lassen: Farbe und die Beratung dazu

Ich stehe vor der Wahl, mich im eisekalten Keller an die Waschmaschine zu stellen, das Badezimmer zu putzen oder an meinem Kleid weiter zu werkeln – aber schon wissend, dass ich mittendrin werde aufhören müssen, um den Großen von der Schule abzuholen – was ein echtes Unternehmen ist: es ist so schweinekalt, dass auch mehrere Schichten mich nicht bis zum Gartentörchen warm halten können. Leider muss ich von da aus noch wenigstens eine Viertelstunde weiter (und wieder zurück) und das zu Fuß, ähm, zu Eisklump. Unser Auto hat den Geist aufgegeben. Mein Bügeleisen übrigens auch …

Weil ich mein Kleid aber mit Liebe und in Ruhe weiter bearbeiten möchte, setze ich mich einfach mit Decke und dicker Strickjacke an die Heizung und blogge – so sitze ich nicht faul herum, wenn es auch dem Haushalt nicht weiterhilft. Aber ich war gestern so fleißig mit Sofas abledern und ähnlichem Gedöns und morgen wird eh geputzt – da gönne ich mir das. Bin ich überzeugt? Weiß ich nicht, aber alles was warm hält (Laptop wärmt ja auch …), ist legitim. Und kommt mir noch einer mit „Hach, wie schön, die trockene Kälte und die schöne Sonne!“ … ich bin noch unentschlossen, was genau ich mit dem anstelle!

Wo beginne ich? Ich bin jemand, der sich nicht gerne in Kästchen einschließen lässt, ohne dass ich dabei grundsätzlich so anders bin, so progressiv, so alternativ, so was auch immer. Ich fühle mich nur in großen Gruppen und in engsten Räumchen nicht wohl. Wieviel schlimmer, wenn beides zusammen kommt: Drei Figurtypen teilen etwa 40 Millionen deutsche Frauen auf – finde ich ganz schön knubbelig. Zwölf Sternzeichen charakterisieren unsere Persönlichkeit – gut, nimmt den Aszendenten und den Einfluss der chinesischen Zeichen unter Berücksichtigung der drei Doshas und den Störungen der Sonnenstürme hinzu, dann lässt sich daraus wohl etwas basteln, was irgendjemandem gerecht werden kann – aber eng ist es doch immer noch. Konfektionsgrößen kommen auch noch dazu – so ließen sich doch komplette Bilder erstellen, oder? „Frau, Steinbock, Aszendent irgendwas, 173 cm, Kleidergröße 36/38, H-X-Sanduhr-Säulen-Mix, Sommertyp, NR“ – fehlt da was? „Gesichtsform oval-länglich“ vielleicht noch? Hmmm ….

Ich denke, ich habe hinreichend klargestellt und dargelegt – jetzt und in all den Jahren davor: Ich mag das nicht, auch dann nicht, wenn es nützlich sein kann. Nützlich? Ja, kann es sein, ich mache nämlich eine Ausnahme von der Regel, dass ich dieses Gruppieren nicht mag: bei den Farben, die zu uns passen. Wer jetzt aber zusammen zuckt und denkt, jetzt kommt die mir auch noch mit „Also, Korallenrot, das ist Ihre Farbe, hier ist hier Pass!“, der zuckt besser schnell zurück, denn da sind wir schon wieder bei dem, was ich so hasse. Et eß äwwer uch schwierisch mit mer, nä? (Hey, der Fastelovend steht vor der Tür, ich muss da bönnschen!!;-))
Wie auch immer, genau dieses So-ist-das,-so-machst-du-das ist ja nichts für mich: wer mich dazu bringen will, etwas zu tun, der erklärt mir das und zwar zwingend logisch, ansonsten kann derjenige sich den Mund fusselig reden. Wer nicht erklären kann, warum etwas wie ist, weiß es selbst nicht und sollte dann nicht zu große Reden schwingen. Jemand, der sich Zeit nimmt und überlegt und nach Antworten sucht – der hat mich immer auf seiner Seite.

Nun war meine erste Erfahrung mit einer Farbberatung aber genau von dieser Art und so habe ich auch später noch viele erlebt oder aus zweiter Hand erfahren. Da standen dann Frauen/Kundinnen vor mir, die mir sagten, dass das doch alles Mist sei, sie mögen nun mal kein Rosa und sowieso sei es fast unmöglich, genau die richtige Nuance wie in dem Paß zu finden. Ähm, ja, das ist es. Aber das ist ja auch gar nicht das, was mit diesem Paß passieren soll – da stand wieder einmal eine Sch…beratung hinter. Und der schnelle Abverkauf eines teuren Bündels bunter Karten nach einer Beratung, die manchmal nur eine halbe Stunde dauerte. Kreisch!!! Ihr seht, ich verliere mich in meine frühere Profession 🙂

Gut, meine Erfahrung war so:
Ich arbeitete als Kosmetikerin in einer Hotelfarm, eingestellt hatte mich der Chef des Hotels, was der Chefin der Farm nicht passte. Das erklärte sich schon aus dem Umstand, dass wir beide mit dem Gewicht kämpften, nur aus unterschiedlicher Richtung heraus. Dazu gefiel es ihr nicht, dass ich zu allem eine eigene Ansicht hatte – was natürlich stressig sein konnte. Besonders deshalb, weil die meisten Kundinnen es sehr schätzten, mehr zu hören als „Das macht Ihre Haut schön weich und geschmeidig … blablabla.“ Lob an mir kam bei ihr als Kritik an ihr selbst an. Das hat mir das Leben dort zur Hölle gemacht und hätte ich damals den Ausdruck bossen schon gekannt, dann hätte ich gewußt, wie ich es hätte benennen können. Da war es der Dame ein gar großes Vergnügen, nachdem ihre Farbberatungsausrüstung ankam, mir zu erklären, ich hätte aber auch nicht geringste Ahnung, welche Farben mir stünden – worauf ich in den Genuß ihrer Farbberatung kam. Genuß schreibe ich jetzt durchaus mal ironiefrei: als Beraterin war sie eine Niete, denn es ging ihr darum, recht zu haben – nicht nur mir, sondern allen Kundinnen gegenüber. Und als weiteres Ziel stand der Abverkauf möglichst vieler Make up-Produkte und Seidenschals vor Augen. Auch etwas, was ich als Behandelnde immer gehaßt habe: wenn ich einer Kundin etwas beibringe, dann will ich das sacken und testen lassen. Der Verkauf – der sein muss, wenn ich essen will – kommt später von alleine. Ich schweife ab.

Das Ergebnis war: ich bin ein Sommer, während ich mich seit meinem 21. Lebensjahr als Herbst verkleidet hatte – meiner hennaroten Haare wegen und weil mir die Idee der Farben zusagte. Nur Goldschmuck mochte ich nie und konnte auch nicht finden, dass er mir stand. Hmmm, da überlegte ich schon öfter hin und her. Natürlich erklärte mir die Dame nicht, warum ich ein Sommer bin und wie ich damit nun umgehe – es ging ja nur darum, mir zu beweisen, dass ich ein dummes kleines Puttchen war, das nun seine komplette Garderobe in die Tonne treten konnte 🙂 Es war kein schöner Tag, kein gutes Gefühl, wie sie nun mit Wonne auf meine durch die falsche Farbe schiefe Lippe, die leuchtenden Pickel, meinen dünnen Hals hinweisen konnte; mit jeder Minute wurde ihre Laune besser. ABER: je länger ich schaute, umso mehr sah ich, dass sie recht hatte.
Nun, ein halbes Jahr später hatte der Chef des Hotels endlich einen guten Grund gefunden, die Dame loszuwerden – er konnte sie nie leiden – und mich auf ihren Platz zu hieven. Jetzt beschäftigte ich mich ernsthaft mit dem Thema, las und testete alles, was ich finden konnte und bot letztendlich den Dienst mit an – und bei mir ist keine raus gegangen und war unglücklich. Bin ich stolz drauf!

Aber worum geht es nun genau: Die Farbberatung beruht auf der Erkenntnis, dass unsere eigenen Farben genetisch festgelegt sind und sich zwar verändern können, das aber nur innerhalb eines bestimmten Bereiches. Es gibt zwei Farbpigmente im Menschen, von denen jeder nur eine Sorte in sich trägt. Es handelt sich dabei um Melanine, das sind farbgebende Hornstoffe und Horn ist überall dort in großen Mengen zu Hause, wo der Körper mit körperfremden Stoffen in Berührung gerät – sämtliche Schleimhäute, aber für uns interessant vor allem in Haar, Haut und Nägel.

Die Melanine sind zum Einen das Phaeomelanin, das gelblich-orange-braun ist und das Eumelanin, das gräulich-braun ist. Ihr seht schon: Ersteres ist ein sogenannter warmer Farbton – also mit einem deutlichen Gelbstich – während das Andere dem kühlen Farbbereich – also bläulich – zuzuordnen ist. Und nur eines von beiden tragt ihr in euch. Damit ist festgelegt, ob euch warme oder kühle Farben besser stehen.
Nun lassen sich Haut und Haar noch weiter unterscheiden: abhängig von der Anzahl der Pigmente ergibt sich ein sehr zarter Hautton, hellblaue Augen und sehr hellblonde Haare (kaum Pigmente vorhanden) bis hin zu sehr dunkler Haut, schwarzen Augen und Haaren (sehr viel Pigment vorhanden). Auch das ist genetisch vorgegeben und ändert sich nur minimal durch Sonnenbräune oder Alter (wenn die Produktion der Farbstoffe nachlässt). Aber immer noch sind die vorhandenen Pigmente an ihr Farbschema warm oder kalt gebunden. Auch die Stärke der Durchblutung, die Dicke der Haare und Haut spielt bei der Farbgebung eine Rolle und auch diese ist weitestgehend festgelegt. Diese Faktoren bestimmen nun die Stärke oder Transparenz der eigenen Farbe und deren Leuchtkraft: so können die eigenen Farben leuchten oder eher dezent durchscheinend sein.
Somit kann ich unsere natürlichen Farben in vier Gruppen einteilen: die warm-leuchtenden oder warm-gedämpften Töne und die kühl-gedämpften oder kalt-leuchtenden Farben. Damit habe ich schon die Vierer-Gruppierung, wie wir sie von der Farbberatung her kennen. Nun gibt es hier noch einen kleinen Haken, aber zu dem kommen wir dann später – ich befüchte viel später. Konnten alle bis hierher folgen? Wie sehr ihr euch auch schminkt, in die Sonne legt, altert, färbt oder sonst etwas tut: diese Farbgruppierung ändert sich nicht. Gut 🙂

Jetzt vergessen wir das für den Moment und wenden uns den Farben zu – nicht nur der beschränkten Anzahl, die der Mensch so von Natur aus mitbringt, sondern ALLEN. Hach, wat is et doch schön, nä? Und wir alle erinnern uns an die Grundschule, an den Malunterricht, an das Farbenspektrum, an Wasserfarbenpanscherei und die schmuddelig-braunen Wassersoßen, die später im Spülbecken landeten. Und wir erinnern uns weiter an die drei Grundfarben, die da sind – na, wer zeigt auf? Keiner? Ok, ich sage es: es sind Blau, Gelb und Rot. Und die aufmerksame und schlaue Leserin wird sich nun schon an die Stirn fassen und sagen: „Blau und Gelb – das hatten wir doch heute schon einmal?“ Ja, richtig, du schlaues Mädel. 🙂
Blau – kühle Farbe – Eumelanin – kühles Pigment. Gelb – warme Farbe – Phaeomelanin – warmes Pigment. Äh, und was ist mit Rot? Rot vergessen wir erst einmal, kommen wir nachher zu und jetzt komme ich mir vor wie der Schnauz in der Feuerzangenbowle … „und hinge dat Loch, dat kräje mer später!“
Aber nun haben wir schon die Aufteilung in blaustichige Farben und in gelbstichige Farben – in warm und kühl. Nun nehmen wir einen weiteren Faktor hinzu: Das Spektrum von Weiß über Grau zu Schwarz. Stellen wir uns diese Farben als transparent bis undurchsichtig vor und legen sie über unsere Farben von Blau zu Gelb, Grün zu Lila – so ändern wir ihren Eindruck: mit einem Hellgrauschleier wirken die Farben gedämpft, belassen wir sie pur, so erscheinen sie leuchtend. Und wieder haben wir es geschafft: wir haben eine Vierergruppe von warm-Leuchtend, warm-gedämpft, kühl-gedämpft und kalt leuchtend.

Und jetzt habe ich richtig viel Zeit hier verbracht und lasse euch mit diesen Erkenntnissen ein Weilchen alleine. Die wesentlichen Fragen wollen noch beantwortet werden: wie erkenne ich die Farbfamilie – bei mir und bei den Farben vor mir? Wieso verändert mich die richtige Farbe? Wie gehe ich mit einem Farbpaß um, wenn ich denn einen habe? Schränkt mich das nicht unnötig ein? Können wir unsere Städte schöner machen? Wollt ihr das hören?

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Kommentare

  1. selberschön

    Farbberatung – vor vielen Jahren hab ich es mir geleistet. Was kam raus? Alle Farben die ich an mir mag- passten auch! da hätte ich mir das Geld sparen können. Aber – endlich wurde mir klar: eine Tochter und mein Mann sind ein „Herbst“! darum also sahen sie immer irgendwie nicht richtig aus in den Sachen die ich ihnen kaufte,meine Sommer- farben und die der anderen Kinder machten beide Herbste kränklich und so.
    Fortan bekamen/bekommen diese beiden Kleidung in den Farben in denen ich selbst „wie tot“ aussehe und siehe da- damit erstrahen sie und sind glücklich!
    hat sich also doch gelohnt!
    viele Grüße von selberschön!

  2. Meine Mutter hat uns schon als Kinder mit zur Farbberatung geschleift und ich bin so schon als Winter groß geworden *gg*
    Es gibt leider sehr viele Menschen, die nur Farben schenken, die sie selbst gut finden und so bekam ich die Tage einen orangen Blumenstrauß geschenkt. Seeehr schöne Blumen, aber bitte nicht in meiner Nähe!
    Von daher freue ich mich sehr über diese detaillierte Abhandlung, auf das noch mehr Menschen um die Idee der Farbtypen wissen und evtl. auch danach schenken…

    Vielen Dank
    Natascha

  3. Was für ein Zufall! Schon länger ringe ich mit mir, mal zu einer Farbberatung zu gehen. Letzte Woche habe ich nun endlich einen Termin gemacht und hoffe nun, dass die Beraterin eine von den „Guten“ ist und ich glücklich wieder nach Hause gehe.
    Ich lese sehr gespannt und neugierig mit und freue mich über Deine Tipps und Erklärungen.

    Vielen Dank und liebe Grüsse,
    Sabine

  4. Jetzt hoffe ich doch mal sehr, dass es dieses Mal klappt, bei dir zu kommentieren. Normalerweise klappt das irgendwie nicht. Aber heute muß es!

    Ganz herzlichen Dank dafür, dass du dich des Themas annimmst. Genau deswegen zögere ich, Geld für so ne Beratung hinzulegen. Es gibt so viele unerträgliche oder schlechte oder beides Beraterinnen- und ich bin schon einigen begegnet, die mir ihren bunten Schals wedelten und mir sowas von unsympatisch waren. Es interessiert mich, ich halte es für nachvollziehbar, aber ich will wenn nur zu ner Guten.

    Kennst du ne Gute in Hamburg? Ganz zufällig?

    Auf jeden Fall. Ganz herzlichen Dank!

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