Mehr Farben, mehr Beratung, mehr Abschweifungen

Bin schneller da als gedacht: Kind holen, Essen kochen, Essen essen, wegräumen, den Beitrag Korrektur lesen (wenn ich so holperdiholper schreibe, muss ich das mit etwas Abstand tun und bei der Farbengeschichte ist es mir wichtig) et voilà: weiter geht es. Wie weit, weiß ich noch nicht. Will ja heute wirklich nähen!

Wir haben also bei den Farben insgesamt und bei unseren genetisch bestimmten eigenen Farben eine Übereinstimmung gefunden, was die Aufteilung anbelangt. Was nun damit beginnen? Ich habe euch mal einige Farbbeispiele gebastelt, die hoffentlich auch bei unterschiedlichen Rechnereinstellungen in etwa so ausfallen, wie ich es mir vorstelle.
Nehme ich zwei Farben der gleichen Familie, so wird das Ergebnis (fast immer) harmonisch aussehen – es kann bei zu großer Nähe auch mal langweilig aussehen 🙂 Aber die Farben werden nicht miteinander in den Ring steigen und sich gegenseitig die Aufmerksamkeit stehlen. Kombiniere ich zwei Farben unterschiedlicher Familien, so kann das ausnahmsweise – oder durch herrschende Modevorgaben, an die sich unser Auge gewöhnt hat – richtig gut aussehen. Aber in den meisten Fällen wird unser Auge zwischen beiden Hin und Her wandern und sich ermüdet abwenden. Schlimmer noch: die Farben beeinflußen sich gegenseitig negativ. Intensives Pink kann an der richtigen Frau mit Schwarz, Smaragd, Knallblau oder Weiß unglaublich edel wirken. Kombiniert mit Rosa (wenn wir das auch immer wieder sehen) wird es kitschig, kombiniert mit Orange kann es zur Ausnahme kommen (an der richtigen Frau, im richtigen Verhältnis zueinander!) oder aber zum Augenkneifen, mit einer Farbe wie Ocker hingegen ist Pink schlicht ordinär – und Ocker wird dadurch auch nicht hübscher. Manchmal ist dieses Verhältnis zueinander nicht leicht zu sehen, fast immer aber zu erkennen:

Immer vorausgesetzt, ihr seht in etwa das Gleiche wie ich, dann habt ihr links ein gedämpftes Dunkelblau (DER Sommerton überhaupt) und daneben ein kräftiges Pink (Winter). Auf der rechten Seite seht ihr das gleiche Blau mit einem zarten Rosé-Fliedergemisch. Beim ersten Bild erscheint das Blau ein wenig zu klassisch, etwas verstaubt – es kommt gegen das leuchtende Pink nicht an, was das Pink leicht schreiend wirken lässt. Beim zweiten Bild hingegen gewinnt das Blau an Tiefe, während das Rosé pudrig-zart wirkt. Beide Töne ergänzen sich, weil sie der gleichen Farbfamilie – kühl-gedämpft – angehören. (Bevor jemand jetzt denkt: “Ne, mir gefällt das Erste besser, die hat ja keine Ahnung!” – erst mal weiter lesen 🙂 )
Drehen wir das Ganze einmal um:

Jetzt haben wir ein sehr kräftiges Blau (Winter), das mit dem Puderton kombiniert wurde: Das Rosa, das mit dem Dunkelblau distinguiert wirkte, sitzt nun als Mauerblümchen in der Ecke – neben einer lauten Göre. Aber Knallblau und Pink kommen klar, beide wirken fröhlich, leuchtend. Natürlich nicht so zurückhaltend wie die Dunkelblau-Rosé-Kombi, aber nicht weniger harmonisch (vorausgesetzt, euer Rechner zeigt euch, was ich euch zeigen will …)

Schauen wir uns die warmen Farben an:

Es wird jetzt etwas schwerer, weil sich die richtigen Farben nicht so recht mischen lassen wollten: ein leuchtendes Orangegelb ist gar nicht so leicht zu finden 🙂 Aber das Prinzip ist das gleiche, wenn es auch bei den warmen Farben schwerer zu erkennen ist: eine kräftig-klare Farbe mit einer gedämpften Farbe zu kombinieren wird immer ein nicht perfektes Ergebnis bringen.

Und hier bin ich an einem Punkt angelangt, der mich etwas unzufrieden macht: es ist hier, online, nicht möglich, euch alle Farben zu zeigen, die den einzelnen Jahreszeiten zugeordnet sind und schon gar nicht so, dass sie unverfälscht zu sehen sind. Ich kann nur so viel sagen: jede Farbberatung, die euch entweder auf GENAU die Farben im Paß festnageln will noch die Beratung, bei der es für jeden Typ jede Farbe in irgendeiner Form gibt, ist wirklich gut gelaufen. Es gibt keine hellblauen Töne für die warmen Typen, keine Goldtöne für Sommer und Winter, kein Grasgrün im kühlen Bereich und kein Rosa für den Frühling. Und es muss nicht dieses eine Korallenrot sein, das zu finden ist. Ganz vereinfacht gesagt, ist es in etwa so:

Frühling:
Die Farben erinnern an die Natur im Frühjahr: frisch und leuchtend, unverbraucht und bunt. Sonnige Töne eben: Grün in fast jeder Form außer den gedämpften Oliv- und Khakitönen des Herbstes. Orange von superknallig bis hin zu zartestem Apricot, solange es leuchtet. Gelb von oben bis unten bis auf das zarte Zitronengelb des Sommers. Als einzigen Blauton gibt es ein stark gelbstichiges Kornblumenblau. Und jede Farbe, die mit diesen harmoniert.

Sommer:
Stellt euch einen richtig heißen Tag am Meer vor – am besten die Nordsee (und da kann es ordentlich heiß werden) und ihr habt die Quintessenz dieser Farbfamilie: dunstiges Blau in jeder Variante. Dazu kommen auch die Shitwettertage: grau kann sehr edel und lebendig wirken – hier kann man aber auch schnell in die Langeweilefalle tapsen. Dazu kommen die Farben von müden, sommerheißen Blumen, die keine Kraft mehr für viel Farbe haben: nebenweiß (nicht creme oder eierschale, die gehören Frühling und Herbst), flieder, sämtliche Rosen- und viele Beerentöne (sobald sie zu sehr ins Bräunliche spielen, dann gehören sie dem Herbst). Aber auch viele Töne, die auf den ersten Blick hin kräftig wirken, gehören dem Sommer: kirschrot beispielsweise. Viele Farben lassen sich nur dann richtig zuordnen, wenn sie kombiniert werden – wer also beispielweise auf der Suche nach einem blauen Rot ist, nimmt sich einen blaugrauen Stofffetzen mit und hält gegen: lieben sich die Farben, dann her mit dem Stoff. Ansonsten: ne, das wird nichts. Ihr merkt, ich bin ein Sommer und gerate ins Quatschen.

Herbst:
Wie der Sommer auch mag der Herbst es dezent und zurückhaltend, auch wenn manche Farben durchaus leuchtend wirken. Natürlich sämtliche Herbstlaubfarben gehören hier hinein, viel frisches Obst kommt hinzu und dazu die Farben der Wüste, alles, was nach Abenteuer aussieht. Dazu kommen viele Petroltöne, wobei die Grenze zwischen den grünlichen Blautönen des Sommers und den bläulichen Grüntönen des Herbstes nicht immer eindeutig zu ziehen ist – da kann es durchaus einmal zu Überschneidungen kommen; ebenso im Beerenbereich. Herbst und Sommer sind – so unterschiedlich sie eigentlich sind, auch die beiden Farbfamilien, die am häufigsten miteinander verwechselt werden. Was sicher mit daran liegt, dass diese Typen am häufigsten vorkommen.

Winter:
Zumindest in Mittel- und Nordeuropa finden sich nur wenige Winterfrauen – Schneewittchen wird ja immer wieder als der perfekt Wintertyp definiert. Wer sich noch an Isabelle Adjani erinnert: das winterliche Ideal. Der Winter hat sehr starke eigene Farben und ist der einzige Typ, der wirklich, wirklich gut aussieht in Schwarz und Weiß. Sicher, die Mode hat uns dahin gebracht, dass Schwarz allen steht, aber nein: DAS ist neben Jeans sicherlich die größte Sünde wider die eigene Person. Schwarz will Kontrast, will einen gleichwertigen Partner und der findet sich selten. Dem Winter stehen daneben – bis auf Orange und Tomatenrot – sämtliche Knall-, Leucht- und Neonfarben und ist auch der einzige Typ, der diese Farben adelt. Daneben werden aber oft die Eisfarben vergessen: Farben, die so hell und leuchtend sind wie Nuancen frischgefallenen Schnees im Licht. Also sehr, sehr helles Blau, Geld, Rosa und Grün.

Na, nun habe ich auch hier wieder mehr aufgezählt als gewollt – wehe, das nützt nicht wenigstens einer 😉

Aber immer noch fragt man sich, was hat das mit mir zu tun? Ich bin ja nicht ockerfarben, kann ich also Pink tragen? Das sind doch die wirklich wichtigen Fragen, nicht wahr? Nun, nur die wenigsten von uns sind ockerfarben – sollte eine hier denken: “Ach doch, ich bin ockerfarben.” dann würde ich vorsichtig raten, einen Mediziner aufzusuchen. Aber wenn auch nicht ockerfarben so mag man eben doch zur Gruppe des Ockers gehören, also eine warmstichige, gedämpfte Farbgebung sein eigen nennen. Und da muss eine Beraterin schon sehr geübt sein, um das auf den ersten Blick zu sehen. Es gibt Menschen, die man sofort einstuft und richtig liegt. Aber es kann auch schwer sein und damit komme ich zum ersten Haken:

Es kann sein, dass man als Sommer geschaffen wurde, aber dennoch von der irischen Großmutter väterlichseits mit roten Haaren beschenkt worden ist. Dann greift manch eine Beraterin oder Internetseite zum Ausdruck Mischtyp, der ja vorhin auch schon mal im Kommentar erwähnt wurde – ich sage, nein, das gibt es nicht. Es kommt nur manchmal zu kleinen Spielereien der Natur 🙂 Ich hatte eine Kollegin mit eben jenen sehr roten Haaren, die aufgrund dessen immer als Frühling galt. Aber so recht überzeugend fand ich das nicht, denn aus der Frühlingspalette gab es nur weniges, was wirklich freundlich an ihr war. Welch ein Glück, dass sie mit Sommersprossen gesegnet war: die sind meist eindeutig hilfreich! Sind sie gräulich – kühler Farbtyp. Sind sie rotbraun – warmer Farbtyp. Ihre waren gräulich und bettrachtete man sich den Ansatz ihrer Haare, bevor das Tageslicht viel anrichten konnte (fast alle Haarfarben bauen sich unter UV-Licht über rot ab!), dann sah man ein rot, das leicht bläulich-dunkelblond schimmerte. Eine Rothaarige, die wirklich mal gut in Rosa aussah 😉

Aber nun, meine Lieben, breche ich ab, mir brechen sonst die Finger – für heute ist es genug. Ob ich morgen dazu komme, weiter zu fahren – ich kann es nicht versprechen. Ich tue mein Bestes, schnell wieder zu schreiben. Vielleicht gibt es Fragen?

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