Mg 8 – klar und kühl / geklaut und genäht

Der gestrige Tag war geil. Ohne besondere Vorkommnisse, aber geil. Die Nacht war es nicht. Normalerweise gehe ich zwischen 22:00 und 24:00 Uhr zu Bett und lese ein wenig. Und schlafe fast sofort darüber ein. Gestern nacht nicht, noch um halbeins war ich wach. Um 1:15 Uhr war ich dann wieder wach, weil auf dem Spielplatz oberhalb unseres Hauses junge Männer sich angeregt unterhielten. Lautstark, johlend, rücksichtslos. Bis ich richtig wach war, wälzte ich graue Gedanken über Leid und Elend der Welt, das ganz klar nur vom jungen Manne herstammen könne. Ehrlich gesagt, auch ganz wach ließen sich ausreichend Belege für diese These finden …

Um halbdrei krakeelten sie noch immer umher, ich hörte vereinzelt das Zuschlagen geöffneter Fenster und Gegrummel aus den näherliegenden Häusern. Aber niemand tat etwas. Weshalb eigentlich ertragen wir Störung und Unverschämtheit lieber als die Polizei einzuschalten? Vor vielen Jahren einmal tat ich das. Mit viel, viel Schuldgefühl und mit absolut blankliegenden Nerven so gegen vier Uhr in der Frühe. Der Beamte fragte, seit wann der Lärm denn bestehe und polterte auf meine Antwort, das sei seit etwa fünf Stunden so, dass ich mich doch das nächste Mal bitte früher melden solle – so könne man ja nicht arbeiten. Gelernt habe ich daraus: ich traue es mich noch weniger.

Gestern nacht aber, als alle Nerven rissen und ich mich in Hulk verwandelt hatte, riß ich mein Fenster auf, ließ das Telefon laut klingeln und fakte lautstark einen polizeilichen Anruf. Zuvor hatte ich gedroht, ich würde das jetzt gleich tun. Fanden die Knaben total witzig. Seltsamerweise war nach dem lauten Klingeln und meiner Schauspieleinlage spontan Ruhe … ob das beim nächsten Mal wieder funktioniert? Ich wage es zu bezweifeln.

Insgesamt kam ich auf zweieinhalb Stunden Schlaf in drei Phasen, unterbrochen vom Katzentier und danach vom Wecker für den Großen. So rächen sich die guten Tage. Grau und fahl wie ich war, war mir nach schnörkellos und praktisch:

 

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Und es steht heute 55:45 für das Selbstgenähte: die Hose hatte ich schon gezeigt und das Hemd ist ein abgetragenes (und von mir unauffällig entwendetes) des Gatten. Und weil mir der Kragen zu groß und zu steif war, habe ich ihn – Schande über mich – einfach abgeschnitten und die winzigen Restfransen zum Designelement geadelt. Doch ein bißchen was Schönes gibt es doch noch zu sehen: die Katzen. Katzen retten ja alles. Immer. Überall. Außer morgens um 5:00. Dann …!

 

0728

 

Sieht doch gleich viel besser aus, nicht wahr? Neben ihnen kann ich aussehen, wie ich will; auch sehr entspannend.