20°C-Hemdblusen-Kimono-Mustermix-Kleid

Heute ist Frühling! Satte 20 Grad und mehr! Also was tut die nähende Bloggerin? Sie kramt in aller Eile das luftige Kleid hervor, das über Wochen halbfertig an der Puppe hing, drückt dem Sohne die Kamera in die Hand und stellt sich auf die Wiese.

 

 

Der Stoff ist eine relativ feste, dennoch sehr weiche und leider auch rutschige Viskose mit einem Batikdruck, der sich sehr schön trägt. Bei 20°C zumindest – darüber dürfte das Kleid bald schon zu warm, darunter eindeutig zu kalt zum Tragen sein.

 

 

Der Schnitt ist der Bunkagrundschnitt in verlängerter Form mit geraden, hochgekrempelt wirkenden Ärmeln. Und einem asymmetrischen Ausschnitt, der eigentlich ein mittiges V hätte werden sollen. Fragt mich nicht, irgendwie habe ich die Punkte im Druck verwechselt und den widerspenstigen Beleg in die falsche Richtung gezwungen; er zumindest wußte, wohin er eigentlich gesollt hätte. Und weil der Ausschnitt nun fünf Zentimeter neben der Mitte endet, war meine Motivation zum Weiternähen mäßig. Aber der schöne Stoff …

 

 

Der Sohn hat es zuguterletzt doch noch geschafft, auch meine Füße mit aufs Bild zu bekommen und da sitzt das Kleid doch gleich ganz anders. Es ist gassitauglich, trägt sich angenehm und sieht besser aus als Jogginghosen und damit wird es als Erfolg gewertet. Basta!

Harumi Maruyama -Rock-Grundschnittvariationen

Vor ein paar Tagen stellte ich fest, dass es zu meinem Lieblingsschnittkonstruktionsbuch einen Nachfolger gibt und was tat ich? Selbstverständlich setzte ich das Buch auf meine Weihnachtswunschliste und begann, auf den Winter zu hoffen und einen verständigen Gatten. Geduldig. Natürlich. Also fast, denn am nächsten Tag lag es in meinem Briefkasten. Ups. Aber was kann ich machen? Ich bin noch immer büchersüchtig – aktuell lagern auf meinem kindle 312 Bücher, die ich demnächst alle zu lesen gedenke. Natürlich.

Aber zurück zum Buch. Rock-Grundschnittvariationen von Harumi Maruyama beschäftigt sich mit dem Thema Rock ebenso ausführlich wie das erste Buch sich mit Oberteilen beschäftigt hat: Es kommt mit einem Schnittmusterbogen für den Rockgrundschnitt, den ich aus Zeitmangel noch nicht getestet habe – schaue ich mir die Röcke in den Mrs. Stylebook-Magazinen an – japanische Schnittkonstruktion nach Bunka – dann vermute ich, dass sie eher dezent figurbetonend sind, aber ich werde berichten. Irgendwann in den nächsten Monaten …

 

 

Was ich an Harumi Maruyamas Büchern sehr schätze: Sie gehen sehr wertfrei mit möglichen Körperformen um und sind voll mit all den Informationen, die ich mir über Jahre hinweg mühsam aus verschiedenen anderen Publikationen oder durch (nervige) schlechte Näherlebnisse zusammen gesucht habe. Die Selbstverständlichkeit, mit der hier beispielsweise über die Unterschiede von Rockformen- und längen beim Gehen oder Sitzen geschrieben wird – herrlich. Ich selbst habe immer gehadert damit, dass mir manche Röcke das Sitzen nicht erlaubten, dafür aber im Stehen an mir herunter rauschten; ich hielt das für ein absurdes Problem, das allein meiner verbauten Figur geschuldet sei. Ha, von wegen!

 

 

Ein wenig muss zumindest ich mich in die oft knapp-trockene Beschreibung mancher Arbeitsschritte hinein fuchsen; ich habe für mich festgestellt, dass eine Befolgung der Anweisungen Schritt für Schritt ohne darüber zu philosophieren, am schnellsten zum Ziel führt – danach hat man dann aber auch verstanden, was man da getan hat. Ebenfalls gut gefällt mir, dass fast jede mögliche Abwandlung des Grundschnittes gezeigt wird: Nicht nur einen Faltenrock, sondern zumindest 20, wenn ich richtig gezählt habe. Was bedeutet: Die Leserin bekommt alles an die Hand, um ihren Traum richtig zu konstruieren, denn sie sieht, wie eine Falte fällt, wenn sie links oder rechts gelegt, wenn Weite in der Mitte oder am Rand zugegeben wird. Gleiches gilt für Röcke mit schwingendem Saum oder Raffungen – beim Blättern fühle ich mich sehr inspiriert.

 

 

Auch wieder dabei ist die Seite, in der zwei Schnitte aus unterschiedlichen Stoffen gezeigt werden – ich weiß jetzt auch, weshalb mein perfekter Kleiderrockschnitt in der Viskoseversion so seltsam zipfelte. Ich hatte diesen seitlichen Stoffüberhang auf mein Altern geschoben und fühle mich seit dem obigen Bild wenigstens fünf Jahre jünger. Das schafft ja auch nicht jedes literarische Werk, nicht wahr?

 

 

Nach den Grundlektionen folgen Intensivkurse und einige Designbeispiele aus der Arbeit Harumi Maruyamas, auch hier wieder zweifach gezeigt in Nessel und Modestoff. Anschließend geht es weiter mit Nähtechniken und der Schnittaufstellung mit eigenen Maßen und/oder der Anpassung des Schnittmusters. Dafür gibt es Tabellen mit Maßen und Proportionen, aus denen sich beispielsweise die idealen Abnäherweiten ablesen lassen:

 

 

Seit ich das Buch erhalten habe, habe ich es ungefähr einhundertunddreizehnmal in Händen gehalten und habe ganz viel Lust auf Röcke und Kleider und es liegt schon jetzt, ebenso wie der Vorgänger, direkt neben dem Nähbereich statt im Regal auf mich zu warten. Bei jeder kleinen Unsicherheit in der Schnittzeichnung griff ich zum ersten und ich denke, das wird nun nicht anders sein.

Ist es ein Buch für Anfänger? Für Anfänger in der Schnittkonstruktion sicherlich, wenn ein wenig Bereitschaft da ist, sich durch zu arbeiten. Für Nähanfänger eher nicht, weil doch vieles vorausgesetzt wird. Aber auch für all die, die sich schon weiter in die Thematik eingearbeitet haben, ist Rock-Grundschnittvariationen eines der Werke, die immer wieder zur Hand genommen werden. Mit 177 Seiten von denen keine nutzlos vertan wird, ist es seinen nicht ganz günstigen Preis von 32,- € sicherlich wert. Erschienen ist es im Stiebner-Verlag, der seinen eigenen Anspruch auch diesmal nicht unterschritten hat.

Weitere Buchrezensionen findet ihr übrigens oben unter dem Menüpunkt “Bücher”.

Rechteck mit Falten

Ich habe große Lust auf Röcke, aber leider beruht diese Neigung nicht auf Gegenseitigkeit. Fast nichts, was ich oben herum gerne trage, passt zu den Röcken, die ich mir wünsche. Bei anderen sieht es unglaublich lässig, wahnsinnig elegant und irre stilvoll aus, wenn sie weite Röcke mit weiten Oberteilen kombinieren oder Feines mit Sportlichem; bei mir sieht das alles nur seltsam und bieder aus. Also im besten Falle! Was immer die Rockform ist, dazu braucht es etwas kurzes, was die Taille freilegt. Das passt mir gerade so gar nicht in den Kram.

Aber das hielt mich nicht ab, endlich einmal einen wirklich supersimplen Rock nähen zu wollen: Einfach zwei Rechtecke in passende Kellerfalten legen, Bund dran oder Saumband dagegen legen, Reißverschluß rein – fertig. Ja, das sind in der Regel keine figurschmeichelnden Röcke, aber dafür luftige, die zu flachen Schuhen passen und hundespazierganggeeignet sein dürften. Wenn ich denn Oberteile finde … eigentlich will ich keine engen T-Shirts mehr tragen …

Wie auch immer, es lag hier seit längerem ein Leinen-Baumwoll-Stoff mit blau-naturfarbenen Webstreifen. Schieben wir es auf die immer noch nervende Erkältung, aber ich habe gestern drei Anläufe gebraucht, bis ich die Falten und ihre Verteilung richtig ausgerechnet hatte. Und dennoch habe ich es geschafft, dass die Taille zu weit ist. Aber egal, egal. Heute scheint die Sonne, also raus mit mir, der Kamera und dem Rock und Bilder knipsen:

 

Windig

Windiger

Fern

Nah

 

Und weil ich faul, bequem und arbeitsscheu bin, habe ich die Webkante als Saum genommen. Viel einfach geht es nicht und sollten mir in diesem Sommer schmale, nette T-Shirts in die Hände fallen, dann habe ich einen passenden Rock. Das ist doch was, oder?

Schönheit, Selbstbewußtsein, Unsicherheit

Es hat ja, zu meinem großen Erstaunen, doch einige Reaktionen auf meine gestrige Nachfrage gegeben und viele sind bereit, sich dem Thema hier zu stellen. Dabei fiel mir schnell auf, dass jede das Thema aus einem anderen, persönlichen Blickwinkel betrachtet. Was also keinen Sinn macht, ist ein vorbereiteter Fragebogen.

Daher denke ich es mir nun so: Wer hier auf meinem Blog gezeigt werden möchte, “bewirbt” sich noch einmal – fest stehen schon Wollbiene und  Stella – und ich wähle drei bis fünf weitere aus. Ich schaue durch eure Blogs, wir mailen und ich denke mir die passenden drei Fragen für die Vorgestellte aus, sie sie frei, aber gnadenlos ehrlich beantwortet und mit Bildern versieht, die sie auswählt. Toll wären natürlich Bilder, die den Unterschied zwischen gewünschter Aussenwirkung und der vermeintlichen Wahrheit zeigen.

Diese Serie würde ich gerne innerhalb der nächsten Tagen starten und veröffentlichen. Danach liste ich alle Fragen noch einmal auf und stelle sie all den anderen Interessierten zur Verfügung – wer mag, wählt sich drei davon aus, postet den Beitrag im eigenen Blog und sendet mir den Link, der in die Zusammenfassung meines letzten Beitrags zum Thema kommt.

Wer will? Über eine rege Teilnahme würde ich mich freuen, also gehet in euch.

Ich werde jetzt Grinsekatze – und eine Art “Aufruf” zum Thema Schönheit, Selbstbewußtein und Unsicherheit

Seit einigen Jahren schon habe ich zwar einen Instagram-Account, den ich allerdings nur zum Folgen und Begucken anderer Nutzerinnen angelegt hatte. Da ich auch kein Handy besitze, war ich so ziemlich außen vor, bis der große Sohn – ab nun Leonard genannt – mich fotografierte und der kleine – Tom mit Namen – es ihm gleichtat. Nach der H+H bekam ich einen Riesenpacken an Bildern, auf denen ich mehr oder weniger vorteilhaft zu sehen war. Auch die Bilder meiner Söhne, geschossen in urlaubsentspannten Abhängmomenten, trugen nicht eben zu meinem Wohlbefinden bei: Was mir in den letzten Monaten verstärkt auffiel, war nun deutlich sichtbar. Ich war ganz schön alt geworden. Die Betonung liegt auf “alt”, nicht auf “schön” …

Und da ich seitdem immer wieder kränkelnd im Bett liege, wirbelten Gedanken, Gefühle und Grübeleien nur so herum in meiner Langeweile. In letzter Zeit las ich immer wieder so viele widersprüchliche Aussagen und Halbsätze von Frauen, die

  • super zufrieden mit sich waren, aber die Umwelt blöd fanden,
  • sich schöner fühlen wollen und an sich arbeiteten,
  • jeden Gedanken an Äußerlichkeiten von sich wiesen, weil sie wahrlich wichtigeres zu tun haben,
  • stolz auf sich sind, aber das nicht zu sagen wagen,
  • gegen Bodyshaming sich engagieren und dann im dritten Satz einer Brandrede von “dürren Hippen” und “magersüchtigen Pseudojungs” sprachen,
  • resigniert meinten, sie seien halt häßlich,
  • behaupteten, jede Frau sei schön – wenn sie halt nicht fett und faul sei,
  • sich mochten und selbstbewußt auftraten,
  • zweifelten, grübelten, lachten und weiterlebten.

Der ganz alltägliche Wahnsinn also. Und irgendwie – es mag aber nur mein eigenes, leicht verqueres Empfinden sein – fehlt mir in dem Thema der Blick hinter die Fassade. Wir, die wir in einer nicht ganz kleinen Blase vor uns hinbloggen und uns austauschen, einander lesen und sehen, scheinen uns darauf geeinigt zu haben, dass wir nicht von gängigen, jahrhundertealten Schönheitsidealen abhängig sind, dass wir, die wir uns benähen, uns knipsen und uns zeigen, zu uns stehen und uns nehmen, wie wir sind. Größtenteils verstehen wir uns wohl als emanzipiert, politisch interessiert und dabei eher Mitte-links stehend als CSU-nah. Und wir nehmen uns als tolerant, gebildet und offen war. All das zumindest scheint durch Gespräche, Blogbeiträge, Kurzmitteilungen. Klingt ziemlich klasse, oder?

Wie unzufrieden, wie traurig oder wie unsicher darf eine Solche also eigentlich sein, wenn es um ihr eigenes Äußeres geht? Ein bißchen ist ok, Frauen, die sich ihrer zu sicher sind und ständig betonen, wie toll sie sich finden, sind suspekt und arrogant. Frauen aber, die trotz all ihrer Talente, ihrer Klugheit und ihrer – von anderen so wahrgenommenen – Attraktivität auf einmal loslegen, ihre Weiblichkeit zu tunen und davon erzählen … weshalb hat das soviel Bezug auf uns andere?

Das ist jetzt alles ein wenig Wischi-Waschi, ich weiß und ich befürchte, das hier wird länger. Wann immer ich konkret werden will, spreche ich über mich ganz persönlich. Ein besseres Beispiel, das dazu niemanden außer meiner eigenen Person vorführt, kann ich nicht finden.

Für mich war mein eigenes Äußeres immer ein Thema und selten eines, dass mir Freude bereitet hätte. Irgendwie war ich nicht richtig: Zu dünn, zu picklig, zu still, zu unsportlich. Dass es andere Stimmen gab, die von besseren, kommenden Zeiten für mich sprachen, dass besonders ältere Herren und Frauen, die ich bewunderte, mich “apart” (auch eines der Worte, die so ganz verloren gehen) nannten, dass man mir Stil und Geschmack attestierte – ja, geschenkt. Ich litt ja nicht an dem Schönheitsideal der Menschen um mich herum, sondern an meinem eigenen.

Irgendwann waren die Pickel weg (weshalb ich noch heute froh bin, die Ausbildung bei der besten aller Schulleiterinnen gemacht zu haben, die die Branche damals kannte), ich wog vier Kilo mehr, die verhasste Brille war gegen Kontaktlinsen eingetauscht und ich leitete eine Schönheitsfarm. Ich kann bis heute das kaum sagen, ohne innerlich zusammen zu zucken und mich wie eine Hochstaplerin zu fühlen. In den sechs Jahren dort bekam ich ausnahmslos positive Rückmeldungen, was meine Arbeit und meine Person anbelangte. Und mein Äußeres.  Ich fand das peinlich, ich fand es schwer auszuhalten, und war die Beziehung zur Kundin freundschaftlich, so konnte ich mich nicht enthalten, zu gestehen, dass ich das ganz anders sähe. Aber irgendwann, mit Mitte 20, stellte ich auf einmal fest, dass all die Komplimente und Nettigkeiten ihre Wirkung nicht verfehlt hatten: Ich war dann doch ganz zufrieden mit mir. Bzw. der Person, die andere sahen. Ich trat recht selbstbewußt auf, bekam die Stellen, auf die ich mich bewarb, lernte die Männer kennen, die ich kennen lernen wollte. Ich huschte nirgendwo hinein, ich trat auf. Alles, solange ich nicht in einem kleineren, nur privaten Kreis auf neue Menschen traf. Dieses Hochstaplergefühl hielt sich hartnäckig.

Dann machte ich mich selbstständig, der Laden lief, ich war Anfang 30 und war komplett mit mir im Reinen. Ja, ich könnte einen runderen Po haben und gerne dickere Waden, weniger Hüfte und geradere Schultern. Aber insgesamt fand ich mich schön und schaue ich mir die Bilder an, dann sehe ich: Ja, ich war schön. Und ich fühlte mich sicher und gut gewappnet gegen alles, was noch kommen würde. Von all meinen Kundinnen jeden Alters hatte ich unglaublich viel gelernt und wenn ich eines nicht wollte, dann weder gegen das Altern mit jedem Mittel anzukämpfen noch einfach nur resigniert Schminkpinsel und schöne Kleidung zu den Akten zu legen. Und das ging gut. Bis …

… bis eben all die Bilder auftauchten von der Messe, geknipst nicht von mir selbst, sondern von anderen. Und ich stellte fest: Es macht mich unendlich traurig, wie mein Gesicht sich verändert. Wie die Wangen einfallen, die Ringe unter den Augen immer dunkler werden, immer mehr Pigmentflecken sich breit machen, das Gewebe absackt, die Lider tiefer und tiefer rutschen und wie sich Make up so gar nicht mehr so verhält, wie ich es will. Und auf einmal identifizierte ich ein Gefühl, das sich in mir breit gemacht hatte über lange Zeit – so selbstverständlich, dass es mich im Griff hatte, noch bevor ich es überhaupt bemerkte hatte: Ich schämte mich.

Scham dafür, dass ich nicht mehr aussehe, wie ich aussah. Nämlich nicht mehr jung. Als ob ich das hätte verhindern können, als ob es noch nie zuvor geschehen sei und als ob es nicht alle betreffen würde, früher oder später. Ich schaute in mein Gesicht und sah all die Schmerzen der letzten Jahre und die Trauer und die Müdigkeit und den Sohnschulstress und die Weltsorgen. Nichts davon hatte ich hergebeten und nichts davon konnte ich wegwischen. Ich ertappte mich dabei, wie schrecklich ich es fände, alten Lieben zu begegnen, die sicherlich drei Kreuze schlagen würden, dass es mit uns nicht geklappt hat. Ich merkte, wie sehr ich darüber nachzudenken begann, wie lange ich dieses oder jenes wohl noch würde tragen können, ohne mich lächerlich zu machen. Ich schaute meine Bilder an und fand eine fremde Frau vor. Fast war ich soweit, mich bei meinem Mann dafür zu entschuldigen, dass ich so schlecht altere und nicht so gut, wie ich es vielleicht erwartet hatte.

Und dann schämte ich mich ein zweites Mal: Ist das nicht super peinlich, super oberflächlich, sich über eine solche Selbstverständlichkeit des Lebens so viele Gedanken zu machen? Immer mal wieder grübelte ich halböffentlich darüber nach, bekam liebe Antworten, die eher auf persönliche Tröstung abzielten als auf Erleuchtung. Ich dachte an all die früheren Kundinnen im Klimakterium, die mir jungen Frau rieten, meine Dreißiger zu genießen als die besten Jahre meines Lebens. Und an all die, die deutlich darüber hinaus waren und mir versicherten, wenn man es erst einmal hinter sich habe, dann sei es wieder toll, weil so viele neue Freiheiten auf einen warteten. Daran habe ich mich in den letzten Jahren immer sehr festgehalten. Tue es noch.

Ganz klar hat für mich wieder eine neue Zeit begonnen – ich hoffe ja weiterhin fest, dass auch der Menstruationsmist bald endlich vorbei sein wird! – und ich habe ja nicht vor, wieder so traurig und mich häßlich fühlend wie in der Pubertät im Kämmerlein zu hocken. Also was tun? In den letzten Tagen habe ich mich getraut, auch die letzten Reste von Eitelkeit beiseite zu schieben und habe Bilder von mir, krank, ungeschminkt, ohne günstigen Winkel und schönes Licht, auf instagram geteilt. So eine Art Konfrontationstherapie könnte man es nennen. Bestimmt hat die Eine oder Andere mit leicht fasziniertem Entsetzen darauf gestarrt. Aber mir hat das in der Tat einen Hauch von noch mehr Freiheit beschert.

Bei all diesen Überlegungen kam ich aber immer wieder zu all den anderen Frauen zurück. Jede empfindet Schönheit anders, jede hat andere Schwächen, andere Unsicherheiten. Wie spielen all diese Dinge in euer Selbstbewußtsein, wie ehrlich könnt ihr mit all dem umgehen? Wirklich ehrlich? Abseits von der scheinbaren Einigkeit? Ich hatte auf fb und twitter mal gefragt, wer Interesse daran hat, Fragen dazu zu beantworten, sich zu zeigen und damit vielen anderen zu helfen. Denn das habe ich in all den Jahren gelernt: Das Äußere spielt immer eine Rolle, auch, wenn es bewußt unwichtig sein soll. Und diese Rolle interessiert mich.

Nun war das ein langer Text, wie es beim freien Schreiben oft vorkommt – in die hoffentlich kommende Serie bringe ich mehr Struktur und darüber würde ich mir gerne mit jeder, die Interesse hat, Gedanken machen. Es soll nicht um ein inszeniertes Selbstbild gehen, sondern um den Blick dahinter – der fast immer eine viel interessantere und schönere Frau zeigt. Einige hatten sich schon gemeldet und ich habe glatt den Überblick verloren – wer nach dieser Litanei noch Interesse hat, ruft noch einmal hier.

Achja, und die Grinsekatze: Ich habe dann doch den ultimativen Trick gegen meine einfallenden Wangen gefunden. Immer breit lachen und grinsen 😀