Hunde und Sommer gegen Eitelkeit

Ich gehöre zu denen, die innerlich und äußerlich zusammen zucken und in Widerspruch ausbrechen, wenn man ihnen sagt, sie seien hübsch oder gar schön. Ja, sicher, ich freue mich schon, denn ich denke, das Gegenüber will mir etwas Gutes tun – vermutlich, weil wir uns sympathisch sind und Freundschaft jede Optik veredelt. Und nein, ich bin nicht wahnsinnig unzufrieden; ich habe – zähle ich das Positive an mir auf – durchaus Grund, mich ok zu finden. Ich fand nur immer schon, dass ich nah genug dran an dem Ideal bin, dass über die Jahrhunderte immer wieder favorisiert war: Relativ groß mit langen Beinen, zarten Händen, schmalem Hals und ovalem Gesicht, dazu ein paar Kurven, nicht zu wenig Haar und nicht zu kraus, voller Mund, gerade Nase – alles gut. Jetzt, mit zunehmenden Alter und mehr Bauch und Busen sieht das anders aus, aber grundsätzlich …

Aber ich fand auch, ich sei gerade so nah dran am Ideal, dass ich fast verpflichtet sei, es zu erfüllen. Vielleicht hätte ich ein wenig Beckenknochen abschleifen und dafür an den Brustkorb setzen lassen, meine Augenlider straffen und von frühester Kindheit an Ballett tanzen sollen, um meine natürlichen „Mängel“ auszugleichen. Vielleicht sollte ich auch aufs Altern verzichten, aber keinesfalls auf Make up und Sport. Und weil ich das vage ahnte, es aber auch – man glaubt es kaum – immer wieder von anderen hörte, fühlte ich mich sehr lange gezwungen, mich bei allen und jeden für das klägliche Verfehlen des Klassenzieles entschuldigen zu müssen. Ich war als junge Frau offenbar gerade so schön, dass ich mich nie über mein Äußeres beschweren durfte, ohne des heimtückischen Fishing for compliments verdächtigt zu werden, aber nie so schön, als dass ich mir nicht hätte sagen lassen müssen, dass ich nun wirklich mehr an meinen Muskeln und den dünnen Waden, am kleinen Busen und der schlechten Haltung, an den schiefen Zähnen und dem flachen Po arbeiten solle – weil es so enttäuschend sei, dass ich dieses kleine bißchen Mehr einfach nicht liefern könne. Nein: Liefern wolle!

Da mir von den selben Menschen gerne Minuten zuvor oder Stunden danach erklärt wurde, wie entsetzlich oberflächlich, dumm und hohl schöne Menschen – nein, wieder falsch: Schöne Frauen! – also schöne Frauen seien, war mein Interesse naturgemäß gemindert, mich solchermaßen anzustrengen. Sowieso hätte ich schon damit zu tun gehabt, die andere Enttäuschung, die ich bot, auszubügeln: Weshalb bitte studierte ich nicht, intelligent und gebildet und interessiert, wie ich sei? Es sei doch wirklich gar betrüblich, wie ich immer und immer wieder das Klassenziel verfehlte. Eine Schande!

Meist konterte ich diese Tiraden mit einem „Ja, es ist sehr traurig. Ich bin nicht nur häßlich, sondern auch noch doof!“ und ein kleines bißchen davon trug ich immer in mir. Zusammen mit ganz viel Trotz und Wut und Zorn. Wieso durfte mir derlei gesagt werden? Weshalb durfte ich nicht mitreden? Und weshalb bin ich bis heute nicht ganz frei davon, mich unwohl zu fühlen, wenn ich mich nicht zurecht mache oder fünf Wochen sportlos gammele? Das ist sicherlich auch erlernt, aber wenn ich in mich hineinschaue, dann liegt es (auch) an meinen eigenen Ansprüchen und was ich selbst gerne anschaue. Ich störe mich nicht an ungewaschenen Haaren und müden Gesichtern ohne Farbe, aber sehe ich die selbe Frau in farbig und frisch, dann freue ich mich sehr. Und sage das auch. Mich selbst sehe ich auch lieber mit ein wenig mehr Farbe und Frische; ich bewege mich dann freier und selbstbewußter. Selbst dann, wenn mich den ganzen Tag niemand zu Gesicht bekommen wird.

Aber die andere Seite ist, dass es manchmal eben keine Freude, sondern Last ist, sich Zeit für sich selbst zu nehmen, dass es manchmal keinen Spaß macht, die Haut mal nicht mitspielt oder es sich nicht lohnt. Und damit tat ich mich lange sehr, sehr schwer. Daran arbeite ich und dabei helfen Hunde und Sommerwetter.

So wie heute morgen: Da ich heute nachmittag erst etwas später mit den beiden raus kann, musste ich es in der Früh heraus zögern; ich hätte also Zeit gehabt für ein leichtes Make up. Das ich gleich auch noch auflegen werde. Weil ich es will. Aber vorhin wollte ich lieber nähen – wobei das wohl ein Projekt ist, das mich nicht glücklich machen will – und schmiß mich dazu in einen Rock mit Gummizug, den ich im letzten Jahr aus einem verunglückten Kleid rettete. Und nie trug. Ich mag es wohl weit und schwingend und zeltig, aber nicht formlos. Doch da lag er vor mir und es war warm und so warf ich mir noch ein ärmelloses Top über, das die Bh-Träger nicht verbarg, schlüpfte ihn ein paar Canvasslipper und schnappte mir die Hunde.

Anderthalb Stunden waren wir unterwegs und hatten Spaß ohne Ende. Und als wir heimkehrten, bat ich Tom, uns zu knipsen. Eigentlich in der Hoffnung, den Rock verbloggen zu können, aber nun, wo ich hier sitze und vor mich hinschrieb, ist es doch eher ein Beitrag zum Thema Schönheit. Passt ja. Und Tierbilder gehen ja immer, nicht wahr? Es folgt nun ein fünfteiliger Fotoroman über das perfekte Foto mit Tieren …

 

 

Die Leinen sind ein Accessoire, auf das keinesfalls verzichtet werden kann – erst die umschlungenen Beine der Hundeführerin machen das Modebild perfekt und einzigartig und arbeiten die schlechte Haltung für jeden sichtbar heraus. Auch sollte der Fotograf die Kamera unbedingt in Überkopfhöhe des Models halten und sie dabei leicht nach vorne kippen. Erst wenn die Fotografierte beim Anblick der Bild anfängt, über Leid und Elend der Welt und insbesondere ihr eigenes nach zu denken, ist das Ziel erreicht. Nur Bilder wie diese sind in der Lage, das Bekämpfen jeglicher unnützer Eitelkeit vor Augen zu führen.

 

 

Gehen wir einmal näher ran, immerhin der Rock ist so erkennbar. Also fast, irgendwie, beinahe.

 

 

Keine Farbe, kein Nix, das hohe Lied der natürlichen Schönheit endet mit dem Wunsch, die Natur hätte sich mehr Mühe in den Details gegeben anstatt dunkle Ringe unter verquollene Augen zu malen. Tja …

Mein Schwedenkleid, liebevoll Ikealein genannt

In der letzten Woche fuhr ich spät am Nachmittag mit dem Großen in die Innenstadt – in einem Mix aus Langeweile und der Sucht nach Stoff. Im Großen und Ganzen war ich von Angebot enttäuscht, doch auf einem Tisch lagen Baumwollstoffe, relativ dünn, fest und elastisch, knitterwillig, aber farblich überzeugend. Kurz zuvor hatte ich den Sohn noch zu Cos geschleppt, um durch das Angebot zu schauen und einige Kleider zu probieren. „M“ ist bei Cos übrigens ausgesprochen großzügig geschnitten, aber leider war die junge Dame, die an diesem Abend die Umkleide betreute, wenig aktiv oder auch nur aufmunternd, so dass ich nicht weiß, wie diese an sich hübschen Kleider in „S“ gesessen hätten. Vermutlich zu eng.

Eines gefiel mir besonders; es war – wenig überraschend – ein Zeltkleid mit angeschnittenen Ärmeln, rundem Ausschnitt und einer sehr breiten Saumblende in Knallfarbe. Genau so hatte ich mir im letzten Jahr eines meiner Projekte gedacht, zu dem ich dann dank Schreibarbeit und Urlaub und neuem Hund nicht kam. Aber neues Jahr, neues Glück und so stand ich vor den bunten Baumwollstoffen und disponierte um. Ursprünglich war auf der Suche nach etwas weichflattrigfließendem für ein 20er-Jahre-Kleid, aber hey – einer geschenkten Inspiration geht man doch nicht aus dem Weg. Zwar war das Cos-Kleid aus Jersey mit Satinblende, aber pingelig wollte ich in meiner Geldausgebelust wahrlich nicht sein.

Nur welche Farben sollten es sein? Das dunkle Blau, so sehr ich es liebe, ist ausgesprochen hundehaarinkompatibel, das Kirschrot schied aus aufgrund der falschen Stoffqualität und so schwankte ich zwischen Himbeere, kräftigem Hellblau (obwohl, nein, es war schon klar, dass diese Farbe mit musste) und sehr sonnigem Supergelb hin und her. Himbeere wäre harmonischer, gefälliger, netter. Gelb hingegen bot mehr Kontrast und Spannung. Wobei mich diese Kombination vage erinnerte an – tja, was auch immer. Ich nahm Blau und Gelb (und am Samstag doch noch die Himbeere …), stopfte beides zu Hause angekommen in die Waschmaschine und stürzte am nächsten Vormittag an den Zeichentisch. Und entschied, faul zu sein.

Als Grundlage nahm ich den Schnitt des hellblauen Kleides vom letzten Sommer, mixte ein wenig Zelt und etwas Falte hinein, kontrollierte noch einmal, ob Vorder- und Rückenteil wirklich identisch an Schulter und Ärmel sind und schnitt zu; mir jeden weiteren Gedanken an mehr Mühe und Sorgsamkeit bei der Schnittaufstellung verbietend. Einen anderen Gedanken jedoch konnte ich nicht unterdrücken: Erinnerte die gewählte Farbgebung nicht ganz, ganz leicht und von weit her an die schwedische Flagge? Oder gar an schwedische Möbelhäuser? Bekäme ich in diesem Gewande wohl freundliche Rabatte, sollte ich durch Stockholm oder Bettwäscheabteilungen flanieren? Hmmm … ich grübelte noch darüber nach und wollte die Frage mit „Nein!“ abtun, als das Radio Abba spielte. Wenn es jemals ein Zeichen gab, dann war dieses eines. Ich betrachtete das werdende Kleid, streichelte es sanft und tröstend und versprach ihm, treu zu ihm zu stehen.

Ja, ich hätte mit einer anständigen Taillierung arbeiten können und mit dezenterem Ärmeln, aber ich wollte schnellen Erfolg, einen Knalleffekt und maximale Luftigkeit. Ich denke, all das habe ich bekommen. Und nun scheint heute die Sonne so herrlich und ich brauche Ablenkung vom morgigen Tag – Zahnarzt, das Grauen und die Panik sind nicht vermittelbar – also rein in das Kleid, raus in den Garten und knipsen. Natürlich mit den üblichen Schwierigkeiten:

 

 

Es wird mir auf immer unerklärlich sein, wie eine Kamera tickt und was sie will. Ich hatte – und ich weiß leider nicht mehr, wie und wo – auf Mehrfachaufnahme geklickt und bekam drei Bilder in drei Sekunden. Weder ich noch der Himmel hatten uns in der Zeit nennenswert verändert. Weshalb ist eines zu dunkel, das nächste zu hell und das dritte komplett weiß? Ich weiß es nicht, aber schiebe hiermit für immer und alle Zeit jegliche Verantwortung für die Qualität der hier gezeigten Fotografien entschieden von mir. So!

 

 

Gut. Ja. Also. Wie es so ist: An diesem Bild ist die Kamera vielleicht eher unschuldig, obwohl sie auch einfach ein Sekündchen hätte warten können. Der Selbstauslöser lief, von der Straße her rief jemand nach mir, ich folgte dem Rufe und so also sieht ein Teil des Gartens aus, wenn ich mich nicht in die Sicht stelle. Vermutlich das beste der heutigen Bilder; genießt es, bevor es weiter geht.

 

 

Dieses Mal also flott vor die Linse gesprungen, festgestellt, dass die Katze mir unerlaubterweise nach draußen gefolgt war, kurz überlegt, ob ich ihr hinterher soll, dabei mit dem Fuß weggeknickt – egal, das soll so. Dieses Bild bezeugt meine nach all den Jahrzehnten ungebrochene mädchenhafte Unschuld. Behaupte jemand etwas anderes, wenn er es wage!

 

 

Wenn ich auch nicht knipsen kann, so gebe ich doch nicht nach vier Minuten auf. Es ist nicht meine Schuld, dass ich dieses Mal am Gartensessel hängen blieb und das Kleid noch schnell zurecht schieben musste, als die Kamera knipste. Wirklich nicht.

 

 

Aber weil wir ja auch über Konstruktionstechniken uns unterhalten, eilte ich noch einmal zum verfluchten Platze – weil es mir viel angenehmer war, einen Arm in die Büsche zu strecken als mir den anderen an den Verandadachpfosten anzuschlagen. Das Kleid ist, wie schon erwähnt, vorne und hinten aus dem gleichen Schnittteil entstanden; das Vorderteil hat lediglich einen tieferen Ausschnitt erhalten und eine großzügige Kellerfalte. Wie ihr sehen könnt, ist das Kleid deutlich größer als ich – dadurch konnte ich mir Brustabnäher sparen und eingesetzte Ärmel und habe die gewünschte Luftigkeit. Im Vergleich einmal meine wahren Abmessungen. Annähernd zumindest:

 

 

Nun warte ich noch auf flache, gelbe Sandalen, denn so hübsch und angezogen das Kleid mit den höheren Absätzen wirkt, so ungeeignet sind die für die täglichen Hundemärsche. Und dorthin soll mich die kleine Schwedin ja begleiten.

Siebenschön: Was ist Schönheit – 1. Teil

Bei der Vorbereitung dieser Serie fiel mir auf, wir alle reden oft aneinander vorbei, denn Schönheit – darunter versteht jede etwas anderes. Und so stellte ich meinen Siebenschönen die folgenden drei Fragen, bevor es richtig persönlich wird und bat sie um knappe Antworten. Die ersten Drei haben geantwortet: Offen und gerade heraus.

Bühne frei für Bine, Nico und Martina:

Wie definierst DU Schönheit?


Das in Kürze beantworten ist ganz s c h ö n schwierig. Schönheit ist für mich ein perfektes Zusammenspiel aus Äußerem und Innerem. Eine alte Frau mit vielen Falten kann genauso schön sein wie ein kleines Mädchen. Keinesfalls ist Schönheit makellos, ein schiefer Zahn, ein kleiner Leberfleck zum Beispiel können einen Menschen erst wirklich schön machen, einfach weil er anders ist und sich von der Masse abhebt. Ganz wichtig für wahre Schönheit: Die Ausstrahlung und ausdrucksvolle Augen.


Mit Selbstliebe und harmonischen Proportionen. Mit Selbstliebe meine ich funkelnde Augen, Begeisterungsfähigkeit, Menschen die mit sich und der Welt aufrichtig im Reinen sind. Das führt dazu, dass man auch anderen das Gefühl geben kann, gut, schön und richtig zu sein.
Das ist diese innere Schönheit, die das Äußere ein gutes Stück überstrahlen kann. Diese Menschen sorgen nach meiner Überzeugung auch für sich selbst, für gute Ernährung, einen gesunden Lebensstil, ein gepflegtes Äußeres.
Von Natur aus ist diese Haltung wirklich selten, aber man kann daran arbeiten. Nicht einfach, aber geht. Damit folgen die Proportionen fast automatisch, aber das kommt bei der nächsten Frage.


Ich könnte jetzt die Phrase abgreifen: Schönheit ist, wenn das Innere mit dem Äußeren im Einklang liegt. Ein Stück weit stimmt das auch, aber es ist nicht alles.
Ich bin ein visueller Mensch und mag Harmonien und Proportionen. Ich bin ein Fan von Leonardo da Vincis „Der vitruvianische Mensch“ sowie vom allgemeinen Goldenen Schnitt. Hinzu kommt, dass ich auch ein Ästhet bin. Ich mag die schönen Dinge in der Welt und verschließe gern die Augen vor Elend und Dreck. OK, das mag für manche unglaublich egoistisch und naiv klingen, aber dies ist mein Weg.


Hast du ein Schönheitsideal und wie sieht es aus?


Ja das habe ich. Schwer zu beschreiben, es ist irgendwie eine Mischung aus Marilyn Monroe, JeLo und Maite Kelly.

 


Ausgewogenheit, Individualität und Konsequenz.
Ausgewogenheit – bei Proportionen. Ich finde DoppelD-Oberweiten in superskinny unförmig. Genauso wie ein A-Körbchen mit nem ausgeprägten Birnenhintern. Aber ob insgesamt üppige Kurven oder elfenhaft finde ich beides schön.
Bei Männern ähnlich, Bierbauch “ohne Arsch in der Hose” sieht – finde ich – fürchterlich aus. Ob Waschbär- oder Waschbrettbauch ist mir dagegen wirklich egal, wenn der Rest dazu passt.
Nur wenn das Gewicht allzuviel wird und beim besten Willen nicht mehr gesund und fit sein kann, mag ich es einfach nicht.
Aber auch eine große Nase mit fliehendem Kinn ist nicht unbedingt “schön”, davon kann man aber optisch ablenken. Und eine tolle Persönlichkeit macht das eh unwichtig.
Individuell und konsequent – ich erinnere mich an einen Mann der vor Jahren im selben vollen Aufzug in einem Shoppingcenter stand. Ca. Mitte 50, silberne Haare zu einem kurzen Zopf gebunden.
Sehr gepflegte Erscheinung, kurzer VollBart, elegant/sportlich/modern gekleidet, eine graßgrüne sehr schicke Brille auf der Nase und eine farblich exakt passende – also graßgrüne Aktentasche. Hach! Ich fand ihn sensationell cool.Wir musterten uns erst wohl unbewusst gegenseitig und verabschiedeten uns dann mit einem charmanten, anerkennenden Lächeln zum Abschied. Sowas mag ich sehr.


Ein Schönheitsideal habe nicht wirklich, aber ich mag die „kühle Eleganz“ von Grace Kelly und bewundere den Stil von Amal Clooney. Sie ist eine moderne und kluge Frau, die kein Problem hat, ihre Feminität zu zeigen. Auch die ätherische Zartheit einer Cate Blanchett zählt zu meinen Schönheitsfavoriten.


Gemessen an dem, worauf du  bei anderen achtest und schaust – wie sehr entsprichst du deinem eigenen Ideal?


Nun wird es schwierig. Ich mag mein Gesicht und meine Ausstrahlung, diesbezüglich entspreche ich meinem eigenen Schönheitsideal. Körperlich sieht es anders aus. Nicht weil mein Körper altert oder von den Schwangerschaften gezeichnet ist, sondern weil ich “aus der Form” gekommen bin. Da ich mich damit inzwischen so richtig unwohl fühle und sogar schäme, ich war deshalb ewig in keinem Freibad mehr, unternehme ich etwas dagegen. Leider geht das nicht so schnell wie ich es gerne hätte.
Ich hoffe das war kurz genug und, wie ich finde, schon ziemlich schwer. So vieles ist schön und angeregt durch unsere Diskussionen stelle ich fest: So richtig hässlich finde ich Menschen eigentlich nie. Jeder hat irgend etwas das mich fasziniert, selbst wenn ich die Person “hinter” dem Körper unsympathisch finde.


Ich hab die genetische Anlage zu ner eher ausladenden BBP “Problemzone” bei schmalem Oberkörper. Um meinem eigenem Ideal halbwegs zu entsprechen muss ich also was tun.
Denn mein Mann und ich lieben den italienischen Lebensstil – viel gutes Essen in geselliger Runde mit leckerem Wein. Das passt nicht unbedingt zusammen, ist mit etwas Disziplin aber möglich auszugleichen.
Ich lege an andere Menschen tatsächlich die gleichen Maßstäbe wie an mich selbst. Es ist völlig OK, nicht perfekt zu sein.
Mein Leben einem strengen Essens/Workoutplan zu unterwerfen, finde ich idiotisch.
Es fühlt sich aber richtig und gut an, halbwegs schlank und fit zu sein und das ist mit einem normalen Lebensstil machbar.
Ich bemühe mich also nach meinen eigenen Maßstäben außen hübsch, innen schön zu sein und tue einiges dafür. Ob das gelingt müssen andere beurteilen. Und bleibt immer auch eine Geschmacksfrage. Ich kann sehr gut damit leben, wenn jemand mich nicht mag.
Es gibt Tage an denen ich wirklich gerne in den Spiegel gucke und mag was ich sehe. Die Mehrheit. Und dann gibt es Tage oder Momente da finde ich mich zu farblos, zu alt, zu schief, zu.. was auch immer. Aber die sind normal und vergehen wieder. Mit ein paar Albernheiten, ordentlichem MakeUp und Lieblingsklamotten sogar manchmal recht schnell. Warum soll ich mir selbst nicht zugestehen, was ich bei anderen OK finde.


Meinst du, wie sehr ich a.) den Schönheitsidealen der in Punkt 2 genannten Frauen oder wie sehr ich b.) meinen eigenen Idealen entspreche?
a.) Ich mag den Stil von Grace und Amal und trage gerne feminine Mode. Ich habe auch keine Scheu davor, mit Rüschen, Stickereien und Co zu experimentieren. Allerdings bin ich oft vom Ergebnis enttäuscht, weil ich halt üppig bin und meine angezogenen Kleider eher etwas für zarte und dünne Geschöpfe sind. Des Weiteren würde ich meine „Experimente“ nur in meinem Heimatort tragen. Da fühle ich mich sicher.
b.) Da kommen wir zum Punkt, dass das Äußere mit dem Inneren harmonieren sollte. (Denn meine äußere Erscheinung stimmt mit der von mir angestrebten „Proportionslehre“ nicht überein.)
Für mich sind folgende Eigenschaften wichtig: Toleranz, Humor, Bildung, Verständnis und Neugier. Diese Eigenschaften versuche ich in mein Leben einfließen zu lassen und auf mein Äußeres zu übertragen.
Ich bin nie klassisch Schick – ich brauche Brüche. Ein komplettes Kostüm ist mir zuwider, aber einen Bleistiftrock zur Bikerjacke finde ich cool. Meine Haare liebe ich gelockt und etwas wuschelig. Blond bin ich von Natur und will es auch bleiben. Ich habe auch kein Problem mit dem „Blond-Klischee“. Sollen die Leute mich doch für „blondchen-blöd“ halten. Ich mag es, diese Leute vom Gegenteil zu überzeugen.
Das hört sich jetzt sicherlich abgeklärt und gelassen an. Allerdings fühle ich mich in „fremder Umgebung“ unwohl. Beispiel: Meine Freundin hat einen sehr elitären Bekanntenkreis. Bei ihren Geburtstagen fühle ich mich übergewichtig, schlecht angezogen, ordinär und dumpfbacken. Denn da sind sie wieder, die ätherisch schlanken Schönen mit ihren akkuraten Haarschnitten, dezenten Make-ups und erlesener Garderobe.


Ihr merkt es vielleicht: Über die Definition haben wir uns ganz bewußt NICHT in der Gruppe unterhalten und so tritt eine jede Siebenschöne mit ihrer ganz persönlichen Wahrnehmung auf diese Bühne. Heutzutage haben wir uns angewöhnt, eigene Präferenzen möglichst zu negieren, obwohl wir uns doch nie davon werden freimachen können (oder überhaupt wollen? Ich selbst möchte das nicht). Keine von uns muss jeden Menschen, jede körperliche Erscheinung oder jedes Gesicht schön finden, wenn wir daran arbeiten wollen, jeden Menschen mit jeder Äußerlichkeit zu akzeptieren und zu respektieren. Mir darf X besser gefallen als Y. Um dann erstaunt-erfreut festzustellen, dass auch Y Schönheit mitbringt, die ich nicht sofort erfasst habe. Daher freue ich mich sehr, über die obigen Antworten.

 

Siebenschön

Sieben Frauen in sieben mitunter sehr verschiedenen Lebenssituationen und -stationen, unterschiedlich in Alter, Größe, Gewicht, Form und Prägung.
Einig darin, dass es eben nicht albern und oberflächlich ist, sich über das eigene Äußere Gedanken zu machen. Einig auch darin, sich – vielleicht zögerlich und übend, vielleicht immer schon – schön zu finden auch abseits klassischer Schönheit und medialer Präsentation. Und ebenfalls einig in dem Versuch, den eigenen Blick zu öffnen in alle Richtungen.

Siebenschön ist ein Märchen Ludwig Bechsteins aus den 1840ern: Ein junges Mädchen armer, aber ehrlicher Herkunft ist so schön wie sieben schöne Mädchen gemeinsam. Also klassisch Märchen und Sozialromanze. Und weil ja die inneren Werte immer so viel wichtiger sind als die äußeren, trägt das engelsgleiche Geschöpf einen Schleier vor dem Gesicht, damit sie – eigentlich auch eitel – für eben diese inneren Werte geschätzt wird denn für die profane Schönheit, die sie offenbar erduldet. Vielleicht aber ist sie sogar so schlau, dass sie weiß: Schönheit bringt Neid. Ein Märchen also, das wir hin- und herdeuten können, wie wir mögen. Vor allem aber hat es Bezug auf diese kleine Reihe – wie stehen Schönheit und Selbstbewußtsein zueinander, wieviel Unsicherheit kann sie erzeugen und ist das immer durch Intelligenz, Charme, Bildung, Talent auszugleichen in der eigenen Wahrnehmung?
Das mag nun so klingen, als hätten wir bereits alle Antworten – davon sind wir so weit entfernt, wie viele andere auch. Aber in den letzten Tagen haben wir erstaunt festgestellt, wie wenig alleine jede einzelne von uns ist mit all den Gefühlen und Fehleinschätzungen, die wir so mit uns herumtragen. Ein sehr befreiendes Erlebnis!

Aber wer sind „Wir“? Nunja, eine davon bin ich und das hat den großen Vorteil, dass ich mich nicht vorstellen muss, dazu habe ich die anderen sechs gezwungen – mit Bild! Und damit ich nichts lange überlegen muss, ob ich diese tollen Frauen nach Alter oder Größe oder Alphabet vorstelle, treten sie einfach in der Reihenfolge auf, in der sie mit ihren Intros fertig waren.


Nico, 41,  1,64 m, 57kg vor kurzem noch 62, Konfektionsgröße 36/38

Selbstständig als Präsentationsberaterin, Homeoffice oder vorne im Besprechungsraum, Wochenendehe, Fast-Teenie-Mama, Katzenliebhaberin und schon immer fasziniert von Kunst, Design und Psychologie.
Aufgewachsen mit / umgeben von Menschen mit dem Blick fürs schöne Detail. Und dann kam noch das Nähen dazu, bei dem der Blick für Körper und Passform ebenfalls geschärft wird. Da kann man auch bei Normalgewicht schon mal mit sich und dem älter werden hadern. Obwohl oder gerade weil man mit der eigenen Lebensgeschichte für jedes Jahr dankbar ist. Ich freue mich sehr auf den tiefgründigen Austausch über vermeintliche Oberflächlichkeiten.


Bine, 49, 1,60 m, Konfektionsgröße 44/46, figürlich ein astreines X

Freiberufliche Texterin und Autorin, im Homeoffice und überwiegend im Internet tätig. Ich bin sehr glücklich verheiratet, die „Ma“ von zwei erwachsenen Kindern, dreifache Katzen- und einfache Hundemami sowie Pflegerin einer Rennmausrentnerin. Meine Hobbys sind stricken, spinnen und färben, seit zwei Jahren nähen, lesen, geocachen und fotografieren.
Ich bin als Einzelkind aufgewachsen und erlebte schon in der Kindheit häufige Hänseleien wegen meiner roten Haare und der vielen Sommersprossen. Das „verwuchs“ sich, die Rundungen mit denen ich immer schon gesegnet war, allerdings nicht. Durch gute Ernährung war ich bis zu den Wechseljahren dennoch normalgewichtig, habe aber in den letzten Jahren gehörig zugenommen. Aktuell versuche ich mit WW mein Wohlfühlgewicht wieder zu erreichen, da ich mich selbst so gar nicht mehr mag, ungern in den Spiegel gucke und es optisch nicht so toll finde. Hinzu kommt die unbestreitbare Tatsache, dass Übergewicht nicht sehr gesund ist.


Stella, 44, 1, 76 cm, 85 kg, Konfektionsgröße 42/44

Angestellte im Sozialen Bereich, Mutter von 3 Kindern. Meine Freizeit besteht aus gärtnern, lesen und Handarbeiten, und nähen im Besonderen. Mit dem nähen habe ich sehr früh angefangen, da es schon recht früh klar war, das mein Körper nicht in Normkleidung passte. Zu gross und zu dick.Das trug nicht zu einem gesunden Selbstgefühl bei, aufgrund der ständigen Beurteilung von aussen. Seit letztem jahr aktuell auf Diät und 60 kilo leichter, nicht nur an Kilos sondern auch an eingefahrenen Sichtweisen auf den Körper im Allgemeinen.


Martina, 52 Jahre, 168 cm, 73 kgKonfektionsgrösse 42/44

verheiratet, Mama von einem Jungen und einem Mädchen und als Selbständige in der Baubranche tätig.
Hobbies: Nähen, nähen, nähen (wenn ich mal dazu komme), lesen und Schaufenster-gucken. Empfand mich immer mollig bzw. rundlich – hadere mit meinem Doppel-D-Busen. Bereits als Schülerin fühlte ich mich zu dick – heute wäre ich glücklich, wenn ich das wiegen würde.


Sabrina, 27 Jahre alt,1,80 m, vermutlich um die 70 kg, Konfektionsgröße 40

Unverheiratet und kinderlos. Beruflich arbeite ich redaktionell und auch privat schreibe ich auf meinem Blog. Darin geht es meist um Patchwork und Stickerei, aber dazwischen auch immer wieder um feministische Podcasts und Netzfunde.
In meiner Jugend bin ich durch Körpergröße und Schlacksigkeit aufgefallen, heute muss ich oft Fragen zu meinem Kurzhaarschnitt beantworten.


Kiki, 26 Jahre, 167 cm, 56 kg, Konfektionsgröße 34/36

Verheiratet und Mutter einer ganz kleinen Tochter (01.04.17). Historikerin und Religionswissenschaftlerin, aber vor allem Gymnasiallehrerin mit Leidenschaft – leider momentan ohne feste Stelle und in der Mutterpause. Schon seit Kindertagen begeisterte Bastlerin und Handarbeiterin mit Tendenz zu viel zu vielen Plänen und Hobbies. Bewegung und Sport sind mir sehr wichtig und beeinflussen sehr, wie wohl, zufrieden und schön ich mich fühle. Zugegeben bin ich meist zufrieden mit meinem Äusseren, im Bewusstsein, dass mein Aussehen nun mal so ist und andere schönere Haare, längere Beine etc. haben. Ebenso fällt mir jeden Tag auf, dass jeder Mensch auf seine Art schön ist oder sich schön zurechtmacht und ich so viele andere Menschen bewundere!


In den nächsten Tagen/Wochen bekommt jede von ihnen drei Fragen, die auf sie abgestimmt sind und die sie offen, ehrlich, freimütig beantwortet. Bitte macht euch – liebste Leserinnen – klar, dass das keine Selbstverständlichkeit ist und geht entsprechend freundlich und offen mit den Antworten um. Wir haben einfach festgestellt, dass trotz der allgegenwärtigen Diskussionen zu Schönheitsidealen und -zwang, Body shaming, Fat acceptance, Gesundheitsdebatten und dem seit Jahren behaupteten Wunsch, es müsse sich etwas tun, sich von all dem nicht alle Frauen abgeholt oder auch nur gemeint fühlen. Vielleicht können wir für eine kleine Zahl der tollen Frauen da draußen ein klitzekleines bißchen was ändern, indem sie merken: Oha, ich bin nicht alleine mit diesem oder jenem Gedanken 🙂

Achja, ein Klick auf den Namen führt übrigens zum jeweiligen Blog der Siebenschönen – von denen die eine oder andere ruhig einmal wieder etwas veröffentlichen könnte …

20°C-Hemdblusen-Kimono-Mustermix-Kleid

Heute ist Frühling! Satte 20 Grad und mehr! Also was tut die nähende Bloggerin? Sie kramt in aller Eile das luftige Kleid hervor, das über Wochen halbfertig an der Puppe hing, drückt dem Sohne die Kamera in die Hand und stellt sich auf die Wiese.

 

 

Der Stoff ist eine relativ feste, dennoch sehr weiche und leider auch rutschige Viskose mit einem Batikdruck, der sich sehr schön trägt. Bei 20°C zumindest – darüber dürfte das Kleid bald schon zu warm, darunter eindeutig zu kalt zum Tragen sein.

 

 

Der Schnitt ist der Bunkagrundschnitt in verlängerter Form mit geraden, hochgekrempelt wirkenden Ärmeln. Und einem asymmetrischen Ausschnitt, der eigentlich ein mittiges V hätte werden sollen. Fragt mich nicht, irgendwie habe ich die Punkte im Druck verwechselt und den widerspenstigen Beleg in die falsche Richtung gezwungen; er zumindest wußte, wohin er eigentlich gesollt hätte. Und weil der Ausschnitt nun fünf Zentimeter neben der Mitte endet, war meine Motivation zum Weiternähen mäßig. Aber der schöne Stoff …

 

 

Der Sohn hat es zuguterletzt doch noch geschafft, auch meine Füße mit aufs Bild zu bekommen und da sitzt das Kleid doch gleich ganz anders. Es ist gassitauglich, trägt sich angenehm und sieht besser aus als Jogginghosen und damit wird es als Erfolg gewertet. Basta!

Harumi Maruyama -Rock-Grundschnittvariationen

Vor ein paar Tagen stellte ich fest, dass es zu meinem Lieblingsschnittkonstruktionsbuch einen Nachfolger gibt und was tat ich? Selbstverständlich setzte ich das Buch auf meine Weihnachtswunschliste und begann, auf den Winter zu hoffen und einen verständigen Gatten. Geduldig. Natürlich. Also fast, denn am nächsten Tag lag es in meinem Briefkasten. Ups. Aber was kann ich machen? Ich bin noch immer büchersüchtig – aktuell lagern auf meinem kindle 312 Bücher, die ich demnächst alle zu lesen gedenke. Natürlich.

Aber zurück zum Buch. Rock-Grundschnittvariationen von Harumi Maruyama beschäftigt sich mit dem Thema Rock ebenso ausführlich wie das erste Buch sich mit Oberteilen beschäftigt hat: Es kommt mit einem Schnittmusterbogen für den Rockgrundschnitt, den ich aus Zeitmangel noch nicht getestet habe – schaue ich mir die Röcke in den Mrs. Stylebook-Magazinen an – japanische Schnittkonstruktion nach Bunka – dann vermute ich, dass sie eher dezent figurbetonend sind, aber ich werde berichten. Irgendwann in den nächsten Monaten …

 

 

Was ich an Harumi Maruyamas Büchern sehr schätze: Sie gehen sehr wertfrei mit möglichen Körperformen um und sind voll mit all den Informationen, die ich mir über Jahre hinweg mühsam aus verschiedenen anderen Publikationen oder durch (nervige) schlechte Näherlebnisse zusammen gesucht habe. Die Selbstverständlichkeit, mit der hier beispielsweise über die Unterschiede von Rockformen- und längen beim Gehen oder Sitzen geschrieben wird – herrlich. Ich selbst habe immer gehadert damit, dass mir manche Röcke das Sitzen nicht erlaubten, dafür aber im Stehen an mir herunter rauschten; ich hielt das für ein absurdes Problem, das allein meiner verbauten Figur geschuldet sei. Ha, von wegen!

 

 

Ein wenig muss zumindest ich mich in die oft knapp-trockene Beschreibung mancher Arbeitsschritte hinein fuchsen; ich habe für mich festgestellt, dass eine Befolgung der Anweisungen Schritt für Schritt ohne darüber zu philosophieren, am schnellsten zum Ziel führt – danach hat man dann aber auch verstanden, was man da getan hat. Ebenfalls gut gefällt mir, dass fast jede mögliche Abwandlung des Grundschnittes gezeigt wird: Nicht nur einen Faltenrock, sondern zumindest 20, wenn ich richtig gezählt habe. Was bedeutet: Die Leserin bekommt alles an die Hand, um ihren Traum richtig zu konstruieren, denn sie sieht, wie eine Falte fällt, wenn sie links oder rechts gelegt, wenn Weite in der Mitte oder am Rand zugegeben wird. Gleiches gilt für Röcke mit schwingendem Saum oder Raffungen – beim Blättern fühle ich mich sehr inspiriert.

 

 

Auch wieder dabei ist die Seite, in der zwei Schnitte aus unterschiedlichen Stoffen gezeigt werden – ich weiß jetzt auch, weshalb mein perfekter Kleiderrockschnitt in der Viskoseversion so seltsam zipfelte. Ich hatte diesen seitlichen Stoffüberhang auf mein Altern geschoben und fühle mich seit dem obigen Bild wenigstens fünf Jahre jünger. Das schafft ja auch nicht jedes literarische Werk, nicht wahr?

 

 

Nach den Grundlektionen folgen Intensivkurse und einige Designbeispiele aus der Arbeit Harumi Maruyamas, auch hier wieder zweifach gezeigt in Nessel und Modestoff. Anschließend geht es weiter mit Nähtechniken und der Schnittaufstellung mit eigenen Maßen und/oder der Anpassung des Schnittmusters. Dafür gibt es Tabellen mit Maßen und Proportionen, aus denen sich beispielsweise die idealen Abnäherweiten ablesen lassen:

 

 

Seit ich das Buch erhalten habe, habe ich es ungefähr einhundertunddreizehnmal in Händen gehalten und habe ganz viel Lust auf Röcke und Kleider und es liegt schon jetzt, ebenso wie der Vorgänger, direkt neben dem Nähbereich statt im Regal auf mich zu warten. Bei jeder kleinen Unsicherheit in der Schnittzeichnung griff ich zum ersten und ich denke, das wird nun nicht anders sein.

Ist es ein Buch für Anfänger? Für Anfänger in der Schnittkonstruktion sicherlich, wenn ein wenig Bereitschaft da ist, sich durch zu arbeiten. Für Nähanfänger eher nicht, weil doch vieles vorausgesetzt wird. Aber auch für all die, die sich schon weiter in die Thematik eingearbeitet haben, ist Rock-Grundschnittvariationen eines der Werke, die immer wieder zur Hand genommen werden. Mit 177 Seiten von denen keine nutzlos vertan wird, ist es seinen nicht ganz günstigen Preis von 32,- € sicherlich wert. Erschienen ist es im Stiebner-Verlag, der seinen eigenen Anspruch auch diesmal nicht unterschritten hat.

Weitere Buchrezensionen findet ihr übrigens oben unter dem Menüpunkt „Bücher“.

Rechteck mit Falten

Ich habe große Lust auf Röcke, aber leider beruht diese Neigung nicht auf Gegenseitigkeit. Fast nichts, was ich oben herum gerne trage, passt zu den Röcken, die ich mir wünsche. Bei anderen sieht es unglaublich lässig, wahnsinnig elegant und irre stilvoll aus, wenn sie weite Röcke mit weiten Oberteilen kombinieren oder Feines mit Sportlichem; bei mir sieht das alles nur seltsam und bieder aus. Also im besten Falle! Was immer die Rockform ist, dazu braucht es etwas kurzes, was die Taille freilegt. Das passt mir gerade so gar nicht in den Kram.

Aber das hielt mich nicht ab, endlich einmal einen wirklich supersimplen Rock nähen zu wollen: Einfach zwei Rechtecke in passende Kellerfalten legen, Bund dran oder Saumband dagegen legen, Reißverschluß rein – fertig. Ja, das sind in der Regel keine figurschmeichelnden Röcke, aber dafür luftige, die zu flachen Schuhen passen und hundespazierganggeeignet sein dürften. Wenn ich denn Oberteile finde … eigentlich will ich keine engen T-Shirts mehr tragen …

Wie auch immer, es lag hier seit längerem ein Leinen-Baumwoll-Stoff mit blau-naturfarbenen Webstreifen. Schieben wir es auf die immer noch nervende Erkältung, aber ich habe gestern drei Anläufe gebraucht, bis ich die Falten und ihre Verteilung richtig ausgerechnet hatte. Und dennoch habe ich es geschafft, dass die Taille zu weit ist. Aber egal, egal. Heute scheint die Sonne, also raus mit mir, der Kamera und dem Rock und Bilder knipsen:

 

Windig
Windiger
Fern
Nah

 

Und weil ich faul, bequem und arbeitsscheu bin, habe ich die Webkante als Saum genommen. Viel einfach geht es nicht und sollten mir in diesem Sommer schmale, nette T-Shirts in die Hände fallen, dann habe ich einen passenden Rock. Das ist doch was, oder?

Schönheit, Selbstbewußtsein, Unsicherheit

Es hat ja, zu meinem großen Erstaunen, doch einige Reaktionen auf meine gestrige Nachfrage gegeben und viele sind bereit, sich dem Thema hier zu stellen. Dabei fiel mir schnell auf, dass jede das Thema aus einem anderen, persönlichen Blickwinkel betrachtet. Was also keinen Sinn macht, ist ein vorbereiteter Fragebogen.

Daher denke ich es mir nun so: Wer hier auf meinem Blog gezeigt werden möchte, „bewirbt“ sich noch einmal – fest stehen schon Wollbiene und  Stella – und ich wähle drei bis fünf weitere aus. Ich schaue durch eure Blogs, wir mailen und ich denke mir die passenden drei Fragen für die Vorgestellte aus, sie sie frei, aber gnadenlos ehrlich beantwortet und mit Bildern versieht, die sie auswählt. Toll wären natürlich Bilder, die den Unterschied zwischen gewünschter Aussenwirkung und der vermeintlichen Wahrheit zeigen.

Diese Serie würde ich gerne innerhalb der nächsten Tagen starten und veröffentlichen. Danach liste ich alle Fragen noch einmal auf und stelle sie all den anderen Interessierten zur Verfügung – wer mag, wählt sich drei davon aus, postet den Beitrag im eigenen Blog und sendet mir den Link, der in die Zusammenfassung meines letzten Beitrags zum Thema kommt.

Wer will? Über eine rege Teilnahme würde ich mich freuen, also gehet in euch.

Ich werde jetzt Grinsekatze – und eine Art „Aufruf“ zum Thema Schönheit, Selbstbewußtein und Unsicherheit

Seit einigen Jahren schon habe ich zwar einen Instagram-Account, den ich allerdings nur zum Folgen und Begucken anderer Nutzerinnen angelegt hatte. Da ich auch kein Handy besitze, war ich so ziemlich außen vor, bis der große Sohn – ab nun Leonard genannt – mich fotografierte und der kleine – Tom mit Namen – es ihm gleichtat. Nach der H+H bekam ich einen Riesenpacken an Bildern, auf denen ich mehr oder weniger vorteilhaft zu sehen war. Auch die Bilder meiner Söhne, geschossen in urlaubsentspannten Abhängmomenten, trugen nicht eben zu meinem Wohlbefinden bei: Was mir in den letzten Monaten verstärkt auffiel, war nun deutlich sichtbar. Ich war ganz schön alt geworden. Die Betonung liegt auf „alt“, nicht auf „schön“ …

Und da ich seitdem immer wieder kränkelnd im Bett liege, wirbelten Gedanken, Gefühle und Grübeleien nur so herum in meiner Langeweile. In letzter Zeit las ich immer wieder so viele widersprüchliche Aussagen und Halbsätze von Frauen, die

  • super zufrieden mit sich waren, aber die Umwelt blöd fanden,
  • sich schöner fühlen wollen und an sich arbeiteten,
  • jeden Gedanken an Äußerlichkeiten von sich wiesen, weil sie wahrlich wichtigeres zu tun haben,
  • stolz auf sich sind, aber das nicht zu sagen wagen,
  • gegen Bodyshaming sich engagieren und dann im dritten Satz einer Brandrede von „dürren Hippen“ und „magersüchtigen Pseudojungs“ sprachen,
  • resigniert meinten, sie seien halt häßlich,
  • behaupteten, jede Frau sei schön – wenn sie halt nicht fett und faul sei,
  • sich mochten und selbstbewußt auftraten,
  • zweifelten, grübelten, lachten und weiterlebten.

Der ganz alltägliche Wahnsinn also. Und irgendwie – es mag aber nur mein eigenes, leicht verqueres Empfinden sein – fehlt mir in dem Thema der Blick hinter die Fassade. Wir, die wir in einer nicht ganz kleinen Blase vor uns hinbloggen und uns austauschen, einander lesen und sehen, scheinen uns darauf geeinigt zu haben, dass wir nicht von gängigen, jahrhundertealten Schönheitsidealen abhängig sind, dass wir, die wir uns benähen, uns knipsen und uns zeigen, zu uns stehen und uns nehmen, wie wir sind. Größtenteils verstehen wir uns wohl als emanzipiert, politisch interessiert und dabei eher Mitte-links stehend als CSU-nah. Und wir nehmen uns als tolerant, gebildet und offen war. All das zumindest scheint durch Gespräche, Blogbeiträge, Kurzmitteilungen. Klingt ziemlich klasse, oder?

Wie unzufrieden, wie traurig oder wie unsicher darf eine Solche also eigentlich sein, wenn es um ihr eigenes Äußeres geht? Ein bißchen ist ok, Frauen, die sich ihrer zu sicher sind und ständig betonen, wie toll sie sich finden, sind suspekt und arrogant. Frauen aber, die trotz all ihrer Talente, ihrer Klugheit und ihrer – von anderen so wahrgenommenen – Attraktivität auf einmal loslegen, ihre Weiblichkeit zu tunen und davon erzählen … weshalb hat das soviel Bezug auf uns andere?

Das ist jetzt alles ein wenig Wischi-Waschi, ich weiß und ich befürchte, das hier wird länger. Wann immer ich konkret werden will, spreche ich über mich ganz persönlich. Ein besseres Beispiel, das dazu niemanden außer meiner eigenen Person vorführt, kann ich nicht finden.

Für mich war mein eigenes Äußeres immer ein Thema und selten eines, dass mir Freude bereitet hätte. Irgendwie war ich nicht richtig: Zu dünn, zu picklig, zu still, zu unsportlich. Dass es andere Stimmen gab, die von besseren, kommenden Zeiten für mich sprachen, dass besonders ältere Herren und Frauen, die ich bewunderte, mich „apart“ (auch eines der Worte, die so ganz verloren gehen) nannten, dass man mir Stil und Geschmack attestierte – ja, geschenkt. Ich litt ja nicht an dem Schönheitsideal der Menschen um mich herum, sondern an meinem eigenen.

Irgendwann waren die Pickel weg (weshalb ich noch heute froh bin, die Ausbildung bei der besten aller Schulleiterinnen gemacht zu haben, die die Branche damals kannte), ich wog vier Kilo mehr, die verhasste Brille war gegen Kontaktlinsen eingetauscht und ich leitete eine Schönheitsfarm. Ich kann bis heute das kaum sagen, ohne innerlich zusammen zu zucken und mich wie eine Hochstaplerin zu fühlen. In den sechs Jahren dort bekam ich ausnahmslos positive Rückmeldungen, was meine Arbeit und meine Person anbelangte. Und mein Äußeres.  Ich fand das peinlich, ich fand es schwer auszuhalten, und war die Beziehung zur Kundin freundschaftlich, so konnte ich mich nicht enthalten, zu gestehen, dass ich das ganz anders sähe. Aber irgendwann, mit Mitte 20, stellte ich auf einmal fest, dass all die Komplimente und Nettigkeiten ihre Wirkung nicht verfehlt hatten: Ich war dann doch ganz zufrieden mit mir. Bzw. der Person, die andere sahen. Ich trat recht selbstbewußt auf, bekam die Stellen, auf die ich mich bewarb, lernte die Männer kennen, die ich kennen lernen wollte. Ich huschte nirgendwo hinein, ich trat auf. Alles, solange ich nicht in einem kleineren, nur privaten Kreis auf neue Menschen traf. Dieses Hochstaplergefühl hielt sich hartnäckig.

Dann machte ich mich selbstständig, der Laden lief, ich war Anfang 30 und war komplett mit mir im Reinen. Ja, ich könnte einen runderen Po haben und gerne dickere Waden, weniger Hüfte und geradere Schultern. Aber insgesamt fand ich mich schön und schaue ich mir die Bilder an, dann sehe ich: Ja, ich war schön. Und ich fühlte mich sicher und gut gewappnet gegen alles, was noch kommen würde. Von all meinen Kundinnen jeden Alters hatte ich unglaublich viel gelernt und wenn ich eines nicht wollte, dann weder gegen das Altern mit jedem Mittel anzukämpfen noch einfach nur resigniert Schminkpinsel und schöne Kleidung zu den Akten zu legen. Und das ging gut. Bis …

… bis eben all die Bilder auftauchten von der Messe, geknipst nicht von mir selbst, sondern von anderen. Und ich stellte fest: Es macht mich unendlich traurig, wie mein Gesicht sich verändert. Wie die Wangen einfallen, die Ringe unter den Augen immer dunkler werden, immer mehr Pigmentflecken sich breit machen, das Gewebe absackt, die Lider tiefer und tiefer rutschen und wie sich Make up so gar nicht mehr so verhält, wie ich es will. Und auf einmal identifizierte ich ein Gefühl, das sich in mir breit gemacht hatte über lange Zeit – so selbstverständlich, dass es mich im Griff hatte, noch bevor ich es überhaupt bemerkte hatte: Ich schämte mich.

Scham dafür, dass ich nicht mehr aussehe, wie ich aussah. Nämlich nicht mehr jung. Als ob ich das hätte verhindern können, als ob es noch nie zuvor geschehen sei und als ob es nicht alle betreffen würde, früher oder später. Ich schaute in mein Gesicht und sah all die Schmerzen der letzten Jahre und die Trauer und die Müdigkeit und den Sohnschulstress und die Weltsorgen. Nichts davon hatte ich hergebeten und nichts davon konnte ich wegwischen. Ich ertappte mich dabei, wie schrecklich ich es fände, alten Lieben zu begegnen, die sicherlich drei Kreuze schlagen würden, dass es mit uns nicht geklappt hat. Ich merkte, wie sehr ich darüber nachzudenken begann, wie lange ich dieses oder jenes wohl noch würde tragen können, ohne mich lächerlich zu machen. Ich schaute meine Bilder an und fand eine fremde Frau vor. Fast war ich soweit, mich bei meinem Mann dafür zu entschuldigen, dass ich so schlecht altere und nicht so gut, wie ich es vielleicht erwartet hatte.

Und dann schämte ich mich ein zweites Mal: Ist das nicht super peinlich, super oberflächlich, sich über eine solche Selbstverständlichkeit des Lebens so viele Gedanken zu machen? Immer mal wieder grübelte ich halböffentlich darüber nach, bekam liebe Antworten, die eher auf persönliche Tröstung abzielten als auf Erleuchtung. Ich dachte an all die früheren Kundinnen im Klimakterium, die mir jungen Frau rieten, meine Dreißiger zu genießen als die besten Jahre meines Lebens. Und an all die, die deutlich darüber hinaus waren und mir versicherten, wenn man es erst einmal hinter sich habe, dann sei es wieder toll, weil so viele neue Freiheiten auf einen warteten. Daran habe ich mich in den letzten Jahren immer sehr festgehalten. Tue es noch.

Ganz klar hat für mich wieder eine neue Zeit begonnen – ich hoffe ja weiterhin fest, dass auch der Menstruationsmist bald endlich vorbei sein wird! – und ich habe ja nicht vor, wieder so traurig und mich häßlich fühlend wie in der Pubertät im Kämmerlein zu hocken. Also was tun? In den letzten Tagen habe ich mich getraut, auch die letzten Reste von Eitelkeit beiseite zu schieben und habe Bilder von mir, krank, ungeschminkt, ohne günstigen Winkel und schönes Licht, auf instagram geteilt. So eine Art Konfrontationstherapie könnte man es nennen. Bestimmt hat die Eine oder Andere mit leicht fasziniertem Entsetzen darauf gestarrt. Aber mir hat das in der Tat einen Hauch von noch mehr Freiheit beschert.

Bei all diesen Überlegungen kam ich aber immer wieder zu all den anderen Frauen zurück. Jede empfindet Schönheit anders, jede hat andere Schwächen, andere Unsicherheiten. Wie spielen all diese Dinge in euer Selbstbewußtsein, wie ehrlich könnt ihr mit all dem umgehen? Wirklich ehrlich? Abseits von der scheinbaren Einigkeit? Ich hatte auf fb und twitter mal gefragt, wer Interesse daran hat, Fragen dazu zu beantworten, sich zu zeigen und damit vielen anderen zu helfen. Denn das habe ich in all den Jahren gelernt: Das Äußere spielt immer eine Rolle, auch, wenn es bewußt unwichtig sein soll. Und diese Rolle interessiert mich.

Nun war das ein langer Text, wie es beim freien Schreiben oft vorkommt – in die hoffentlich kommende Serie bringe ich mehr Struktur und darüber würde ich mir gerne mit jeder, die Interesse hat, Gedanken machen. Es soll nicht um ein inszeniertes Selbstbild gehen, sondern um den Blick dahinter – der fast immer eine viel interessantere und schönere Frau zeigt. Einige hatten sich schon gemeldet und ich habe glatt den Überblick verloren – wer nach dieser Litanei noch Interesse hat, ruft noch einmal hier.

Achja, und die Grinsekatze: Ich habe dann doch den ultimativen Trick gegen meine einfallenden Wangen gefunden. Immer breit lachen und grinsen 😀

Bleistiftrock, Bluse und – äh wie? – T-Shirt

Es war einmal eine Frau, die nach der Geburt ihres ersten Sohnes nach Jahren das Stricken wieder begann. Bald schon verliebte sie sich in kleine, feine Pullover aus vergangenen Tagen, deren Anleitungen von freundlichen Menschen in das weltweite Netz gestellt worden waren. Und so strickte sie tagaus, tagein einen nach dem anderen. Doch stand sie vor der Schwierigkeit, diese Strickwerke selten tragen zu können, da die Schneiderinnen und Schneider des Landes ihr keine Hosen und Röcke anboten, die dazu passten. Das stimmte die Frau recht traurig und so sann sie nach einer Lösung: „Wenn ich heute koche und morgen stricke, dann hole ich übermorgen Stoff und nähe selbst.“

Zwar hatte sie keinerlei Erfahrung auf diesem Gebiet, doch sagte sie sich, sie brauche ja nur ein oder zwei schlichte, gerade Röcke, die ihr bis in die Taille und bis unter die Knie reichen würden – sicherlich wäre sie in der Lage, das mit etwas Fleiß und Geduld zu schaffen. Nun, sie schaffte es. Mit Fleiß zumindest, Geduld … nunja. Und so begab es sich also, dass die Frau einen – von den Menschen des Landes so genannten – Bleistiftrock nach dem anderen nähte. So viele kleine Pullis und enge Röcke stellte sie her, dass all ihre Freunde und Bekannte beides als ganz das ihrige ansahen und sie daran erkannten. Doch eines Tages wünschte sich die Frau anderes, mehr, neues und legte Pulli und Bleistiftrock beiseite.

An die Röcke aber dachte sie immer wieder einmal und nähte wohl auch zwei weitere. Die sie nicht trug, denn die Röcke schienen die kleinen Pullis zu vermissen und sträubten sich sehr gegen alles andere. Das machte die Frau sehr traurig, aber auch zornig. Es war nicht an einem Kleidungsstück, ihr zu sagen, was sie zu tragen habe! Und so nähte sie einen dritten Rock aus einem Stoff, der der harten Welt der Arbeiter entstammte. Doch nichts wollte so recht dazu passen: Mit den längeren Hemden darüber sah der Rock traurig-sackig aus. Mit den weiteren Pullis war es das Selbe. In anderem fühlte sie sich zu wenig gekleidet, in manchem zu bieder – es war ein Kreuz.

In letzter Verzweiflung griff sie sich eine kleine Bluse, von der sie nicht recht wußte, was mit ihr beginnen. Und siehe da: Es war recht.

 

 

 

Auch wenn heute keine Tiere zu sehen sind: Zwei waren da und über den einen musste ich bei jedem Weg drüber steigen, während die andere am Fenster eine Hummel jagte. Aber beide zu beobachten, erleichtert mir das Knipsen enorm.

 

 

Das übliche Problem: Von vorne könnte die Bluse fast kürzer sein, damit etwas mehr Taille und Hüftkurve zu ahnen ist, von der Seite aber ist es so nahezu perfekt.

 

 

Wäre sie allerdings noch kürzer, dann hätte ich bei dieser Bewegung nicht nur einen Lufthauch verspürt, ihr dürftet mir dann auch alle auf den blanken Bauch schauen. Garantiert ohne Sixpack!

 

 

Und dann fiel mir ein: Ein Schlitz im Rock, egal wie konservativ, muss un-be-dingt in Szene gesetzt werden. Sexy, Baby! Ok, die Bluse ist dafür viel zu brav. Egal – Schlitz im Rock, yay!

Wie aber auch immer: Ich habe auch zum allerersten Mal ein T-Shirt genäht. Vor zwei Wochen kaufte ich mir eines und nahm dessen Schnitt ab. So weit, so einfach. Ich habe natürlich vergessen, die Nahtzugaben mit anzuzeichnen und vergaß sie natürlich auch beim Zuschnitt, so dass von der lockeren Passform nicht viel übrig blieb. Was aber nichts macht, denn ich habe so was von gepfuscht: Beim Halsausschnitt habe ich das Bündchen nicht gleichmäßig verteilt und habe es dann mit dem schlimmsten, schiefsten und wackeligsten Zierstepp angenäht, den man sich denken kann. Es ist nun endgültig klar – ob mit oder ohne Brille: Ich sehe das einfach nicht mehr, wo die Nadel einsticht, es sei denn, ich nähe im Schneckentempo. Was nicht klappt, solange ich ein Pedal unterm Fuß habe und das könnt ihr euch nun interpretieren, wie ihr mögt. Mein Flensburger Konto jedenfalls ist sauber …

Und weil das erste Shirt zwar mutmachend, aber nicht perfekt ist, habe ich auf Säume verzichtet (und aufs erneute Bügeln) und es einmal zum Rock getestet.

 

 

Impulskontrolle: Null. Kamera läuft, ich sehe die Flasche, habe Durst und … ups!

 

 

Das Halsbündchen habe ich vielleicht doch etwas knapp zugeschnitten? Es ist die Ausschnittweite x 0,8 – aber waschen und bügeln würden das vielleicht noch verbessern.

 

 

Ganz klar muss hier ein anderer BH drunter, kein abgepolsterter. Etwas weniger Fülle oben herum lässt das Shirt deutlich freundlicher an mir entlangfallen.

 

 

Aber es hat Spaß gemacht, obwohl ich keine Overlock benutzt habe – meine Overlock ist ein hinterhältiges Biest, das von dem anderen Biest im Haus (der kleinen, schwarzen Katze) so viel um die Ohren bekommen hat, dass ich keine Lust habe, neu einzufädeln und nach dem Problem zu suchen. Falls jemand da helfen mag oder sie für kleines Geld kaufen möchte: Gerne melden.

So, und nun darf sich die Märchenfrau überlegen, ob sie doch wieder einige Röcke nähen will. Ärgerlich ist einfach, dass Oberteile, die mir zu engen Hosen gut stehen, zu engen Röcken grauslig aussehen und ich daher vor dem Nähen einer Bluse immer entscheiden müsste, womit ich sie tragen will. Sehr lästig, das.

Curvo

Verreisen ist ja, bin ich ehrlich, nicht so mein Ding: Stundenlange Autofahrten oder überfüllte Züge erfüllen mich mit Horror, von Flügen ist gar nicht zu reden – nach jahrzehntelanger Flugverweigerung musste ich dann auf viel zu vielen Flügen feststellen, dass die Wirklichkeit noch viel schlimmer ist als meine Furcht. Soviel zu den Sprüchen all derer, die mir immer sagten, ich müsse es einfach einmal versuchen, danach hätte ich keine Angst mehr. Ha! Eben so gelogen wie alles andere von „Nach dem ersten Kind ist die Akne weg!“ oder „Nach dem Stillen gibt es keine Regelschmerzen mehr!“ Oder das Kind benimmt sich schwierig und ist unerträglich? Wir können uns sicher sein, dass das nur eine Phase ist … hahaha. Aber ups, wollte ich hierhin? Wollte ich nicht. Also zurück zum Reisen und dem Guten, was damit verbunden ist. Im Falle meiner letzten Reise – über Ostern spießig-bürgerlich in den Center Park an der Nordsee ist das Positive das Wiedererwachen meiner Stricklust.

Gut, sie erwachte weder lustig noch freiwillig; es war die Tatsache, dass wir endlose acht Tage in einem Ferienhaus mit Kamin drinnen und sicherlich Sturm, Regen und Kälte draußen verbringen würden und was fällt den meisten von uns sofort ein – wenn die Nähmaschine ein Riesentrumm ist und die Hunde den Kofferraum belegen? Eben. Stricken. Fast schon manisch-panisch durchwühlte ich meine Wollvorräte und Strickanleitungen, packte irgendwie von allem das Falsche ein und verbrachte dann eine halbe Nacht am Laptop, um doch noch eine passende Anleitung für Wolle, Nadelstärke und Maschenprobe zu finden. Gefunden habe ich Curvo von Sachiko Burgin. Da ich eine von Ingrid geschenkte Dropswolle in einem kräftigen Fliederton hatte, die diesem und diesem Farbton ähnelte, fand ich es reizvoll, einen Pulli zu stricken, der eine Mischung der anderen beiden ist – also in diesem Fall quergestrickt und am Saum nach unten gebogen.

Was kann ich sagen? Es ist kein perfekter Lieblingspulli geworden, da das Garn sich auch nach dem Waschen noch etwas steif und wenig schmiegsam zeigte. Ich denke, Curvo sähe deutlich besser mit einem dünneren Garn aus, das betont locker verarbeitet wird – so, wie der Pulli jetzt ist, schafft er etwas, was sonst wenige Oberteile schaffen: Ich sehe oben glatt breiter aus als unten. Außerdem kratzt er. Was mich aber nicht abhielt, ganz besonders gelungene Bilder zu schießen – also wie immer eigentlich …

 

 

Frohgemut also stellte ich mich vor die Kamera und es ging auch recht gut los. Es lässt sich erahnen, was mich an dem Schnitt anzog und es lässt sich erkennen, was mir am fertigen Werk nicht gefällt – beispielsweise die vollkommen alleine stehenden Ärmel.

 

 

Schön zu sehen, was mir besonders wenig gefällt – was der Wolle und nicht der Anleitung zuzuschreiben ist bzw. meinem Fehler bei der Kombination von Wolle und Schnitt: So wie die Ärmel steif vom Arm abstehen, so voluminös ist auch die Partie zwischen Schulter, Achsel und Brust. Wäre es ein Kleid aus Webstoff, so wäre das die Menge, die unbedingt in den Brustabnäher geschoben werden müsste. Ich könnte es einmal mit einem anderen BH testen, der anders formt. Aber kratziger Pulli und pushender BH klingt nach wenig Komfort.

 

 

Immerhin ist die Saumkurve hübsch und der Pulli fällt erstaunlich tailliert für einen geraden Sack. Und irgendwie dachte ich, dass ich vielleicht Bilder hinbekäme, die mir den Pulli in einem lieblicheren Licht erscheinen lassen könnten und knipste weiter. Das mit der Lieblichkeit hat irgendwie funktioniert …

… denn die Tiere trafen ein. Momo begab sich an den Napf und vermied es, in die Reichweite der Kamera zu geraten. Max tigerte vor der Türe auf und ab und warf mir flehentliche Blicke zu. Micky allerdings stürmte herein und Minusch folgte ihm auf dem Fuße.

 

 

Also mit Minusch zusammen finde ich den Pulli äußerst entzückend und ihr ist das leicht Kratzige äußerst genehm. Eigentlich sprang sie mir nur in die Arme, weil ihr das Durcheinander aus bettelndem Micky und flehendem Max zuviel war – letzteren hatte sie fest im Blick während der Aufnahme, doch dann entdeckte sie des Pullis Haptik und entschied: Halt mich, kraul mich, lass mich einschlafen. Einige Minuten hielt ich stehend mit dem immer schwerer werdenden Katzentier und dem immer unerbittlicher juckenden Pullover durch, dann gab ich auf. Und während ich das hier schreibe, liegt Momo rechts von mir auf der Fensterbank und überwacht die Straße, Minusch schläft auf der Nähmaschine, Micky liegt neben meinem Stuhl und Max auf meinen Füßen – mit Tieren lässt sich Idylle erstaunlich leicht erreichen; mit den Söhnen nur, wenn sie Zugang zu digitalem Gerät haben. Hmmm.

Wie auch immer, ich habe nach laaaanger Zeit wieder einmal etwas für mich gestrickt und sitze am nächsten. Und weil wieder einmal Dienstag ist, trage ich mit damit gerne beim Creadienstag ein.

Urlaub, Ferien, Erholung, Ruhe – krank!

So ist es ja immer, nicht wahr? Kaum kommt man zur Ruhe, freut sich auf die erholsamen Tage, die vor einem zu liegen scheinen, endet man kränkelnd in fremder Umgebung. Vorher wusch und packte man, um für jede Aktivität gewappnet zu sein, brachte die lästige Autofahrt vorbei an Baustellen und gesperrten Rastplätzen hinter sich, bezahlte Unsummen für ein vergammeltes Brötchen und wollte am liebsten selbst im Minutentakt ausrufen, wann man denn endlich da sei.

Dann endlich ist man angekommen, schleppt alles in das temporäre Heim und verspeist glücklich und zufrieden den Tags zuvor zubereiteten Nudelsalat – der nie besser schmecken würde als nun. Er war auch wirklich gelungen. Müde sinkt man in die Kissen, schläft schlecht und erwacht voller Tatendrang, der ein wenig durch das Wetter gedämpft wird. Als jahrelange Norderneyerin (kann man werden, nur Insulaner niemals!) wußte ich, warm wird es nicht, sondern feucht und böig. Ist es aber querregnend, dann bleibt auch der Nordseefan samt Familie und Hunden lieber im Haus. Im Haus, das Sauna und Whirlpool hat, in die der Gatte seiner Rückenbeschwerden wegen gesteckt wird, bevor ihm Massagen erteilt werden. Nach kurzen Gassigängen geht es ins Schwimmbad, vollgestopft mit Menschen, die – jetzt seien wir mal ehrlich und gemein – man zu einem Großteil nicht gerne im eigenen Wohnzimmer sitzen hätte. Aus diversen Gründen. Immer wieder treffen sich Blicke zwischen zwei Frauen, die sich als seelenverwandt begreifen, ohne aber zu weiteren Gesprächen zu führen – ich persönlich friere auch bei 29 Grad, wenn ich dabei klatschnass umherstehe und bin dann wenig kommunikativ.

Und dann freut man sich auf den dritten Tag, um fest zu stellen: Nordseeluft macht immer noch müde und so vergammelt ein jeder diesen Tag mit Genuß. Ich über Stunden in der Sauna und im Sprudel, abwechselnd strickend und lesend, die Jungs ohne jedes Gewissen an ihren Handys und der Gatte im Bett, den Rücken und die vom neuen Job geplagten Nerven schonend. Abends gönnt man sich das zweimalig gebuchte Buffet, das aber auch nicht einen Cent seines hohen Preises wert ist und erlebt dabei, dass die Vorurteile, die man im Spaßbad erwarb, hier aufs Schönste bestätigt werden – wer dort Kinder von der Rutsche schubste, hat auch geringe Hemmungen, andere gegen Heizplatten zu bugsieren oder Gabeln zur Verteidigung verbrannter Buletten einzusetzen. Als Veggie konnte ich immerhin ein Gemüserösti, eine Portion Fritten und einen 08/15-Salat ergattern. Der Gatte versorgte mich ungefragt mit einem Glas Weißwein, um sich dann über mein Gesicht zu amüsieren – ich bin schon keine große Weinliebhaberin, aber dieser Tropfen bescherte mir ein ganz neues Geschmackserlebnis. Drumherum jedoch wurde mit Wonne jeder noch so überladene Teller geleert, bevor Nachschub ranrollte. Soviel Hunger konnte hier doch niemand haben, um über die ersten Bissen hinaus noch angetan zu sein vom Angebot? Nun, einmal müssen wir noch hin und das hat ja auch seine Vorteile: Wie schön es ist, nicht kochen, aufräumen und nachkaufen zu müssen, wissen wir alle. Dafür nimmt man auch einmal oder zweimal eine gewiße Minderwertigkeit in Kauf.

Nun, an Tag vier sollte es aber endlich losgehen mit der Bewegung, der vielen. Stattdessen wachte ich mit Halsschmerzen aus der Hölle auf. Aber dennoch wollte ich mit allen raus und den Hunden. Bis knapp vor den Deich schaffte ich es, dann war ich durchgefroren und mein Kreislauf weg, das linke Ohr dröhnte und trommelte vor Schmerz und ich schwankte wie eine Schnapsleiche morgens früh um vier mühsam ins Ferienheim. Zurück in Wanne und Sauna mit frisch erworbenen Halsschmerztabletten, wo ich mich von den Söhnen mit belegten Broten (gibt es etwas köstlicheres, als von liebevoller Hand geschmierte Brote, wenn man kränkelt?) und Kräutertee versorgen ließ und es ansonsten dem immer noch schmerzgeplagten Gatten übertrug, sich um seine Söhne zu kümmern.

Aber Tag fünf! Ich war mir sicher, meine Erkältung würde wieder einmal ein kurzes Gastspiel sein: Brutal schmerzhaft zwar, aber schnell. Stimmte. Hurra! Also raus. Bis kurz vor den Deich, dann auf einmal Krämpfe. Ja, klar – ich musste meine Tage bekommen. Im Urlaub. Und wieder lag die Mutter flach. Das hatte ich mir wirklich anders gedacht. Immerhin – so hatte ich schon drei Bücher gelesen und das Stricken begonnen. Und morgen wäre auch noch ein Tag … vor dem eine Nacht lag, die überhaupt nicht witzig war. Als sie endlich um war, schmiß ich mich unter die Dusche, machte mich so hübsch es noch ging – die Handarbeitsschere half, die schnitt mir noch mehr Haare ab – und stellte mich dem Jüngsten vor seine streifengebende Kamera, denn den Pulli, den ich trug, hatte ich noch nie verbloggt.

Was ich hiermit tue. Viel erkennen lässt sich nicht. Die Wolle ist von Lana Grossa, die letztjährige (?) Brigitte-Edition, die sich zwar schön verstrickt, aber pillt wie verrückt. Es ist ein türkis-petrol, vielleicht einen Ticken zu grünlich für mich, was aber momentan sehr schön mit meiner grünlichen Nase korrespondiert. Sieht man aber auf den Bildern nicht.

 

 

Der Pulli selbst ist so simpel, wie es nur geht: Er geht gerade hoch, hat eine modifizierte Schulter (also eine einfache Achselabnahme, die sich im Ärmel wiederholt, einen Rundhalsausschnitt und nach unten schmäler werdende Ärmel – also knapp mehr als ein Anfängerprojekt. Genau das, was ich manchmal will.

 

 

Und weil Micky doch immer mit ins Bild will, überlasse ich ihm gerne die Hauptrolle. Besonders gut geht es ihm hier nicht: Der Sand, der Wind, das Salz reizen seine Augen, so dass er wenig sieht.  Er benimmt sich unglaublich aggressiv anderen Hunden gegenüber und hat sich dazu noch etwas in die Pfote getreten, die immer wieder neu blutete. Kaum sind wir im Haus, sucht er Nähe und Versicherung. Ich denke, wir sind dieses Mal alle sehr froh, wenn wir wieder zu Hause sein werden – es läuft so gar nicht wie gewünscht. Selbst das herrliche Café-Bistro auf dem Deich, in dem wir letztes Jahr so oft und gerne saßen, ist nicht mehr da … der nächste Nordseeaufenthalt muss endlich wieder die Insel sein!

Gerüscht – ok. Länge – ups.

Bevor ich in den nächsten zwei Wochen dank Schulferien und Gattenurlaub zu gar nichts komme, wollte ich in der letzten Woche unbedingt vieles schaffen: Texte für ein zweites Projekt beenden, ein Blusentop konstruieren und nähen und ein T-Shirt kopieren (Jersey!Ich!), das Haus von oben bis unten putzen und ordnen, ein Strickprojekt finden und beginnen, meine Haut wieder in Spur bringen und Haare schneiden lassen.

Idiotisch. Ganz klar. Idiotisch.

Dennoch habe ich ein T-shirt halb genäht und Erkenntnisse gewonnen, mir die Haare von einer Freundin schneiden lassen, das Haus teilweise gesäubert und Strickzeug zumindest bereit gelegt.  Auch die Texte sind beendet und das Top gezeichnet und genäht. Über drei Tage lang. Weil die Idiotie der vielen hektischen Pläne sich ja irgendwo niederschlagen muss.

Ich kaufte Stoff am Dienstag, der mir die Idee zu einem gerade geschnittenen Oberteil mit Uboot-Ausschnitt und halblangen Ärmeln gab, die in einer Rüsche enden sollten. Respekt hatte ich vor der Rüsche bzw. davor, wie das wohl an mir – mit knapp 50 und in den letzten Wochen erstaunlich verunsichert – aussehen solle. Dabei entging mir das eigentliche Problem komplett: Gerade geschnitten. Damit hatte ich ja immer schon fantastische Reinfälle erlebt …

Der gekaufte Stoff war nach der Wäsche noch immer steif wie eine dünnere Quiltbaumwolle und seltsam kratzig. Der Schnitt gezeichnet und ich verbissen-entschlossen. Ein seit langem liegender petrol-weiß gestreifter Baumwollstoff warf sich mir in die Arme und versprach mir alles, was ich mir erträumte. Erst beim Nähen fiel mir so recht auf, welch ein Hochstapler er war, denn viel weicher und fließender als der ursprüngliche Kandidat war er nicht. Was den Rüschen recht war.

Natürlich wollten die Armkugeln so gar nicht in die Armlöcher passen, natürlich wollte der Stoff knittern, natürlich ging das Garn aus und die Nerven gleich mit und natürlich wollte ich bei der Anprobe stumm hinten über kippen oder heulend nach vorne. Nicht wegen der Rüschen, die fand ich erstaunlich erwachsen. Aber der Körper?

Es spannte am Bauch, obwohl rundum viel Platz war; der Stoff wollte dort verweilen und klebte sich fest. Ein trauriger Anblick war das. Ich spielte also mit der Länge herum, wünschte vergeblich, ich hätte eine leichte Trapezform gewählt und schwor jeglichem Süß- und Leckerkram auf ewig ab. (Die Ewigkeit lief dann übrigens vorgestern ab – sie beträgt exakt 23 h 17 min und 47 sec) Ich wühlte mich durch die Reste des Stoffes und kam auf die wirklich großartige, einmalige, unschlagbare, fantastische Idee, die nötige Weite durch eine weitere Rüsche am Bauch zu sorgen. Mit viel Liebe und Sorgfalt schnitt ich eine längsgestreifte Rüsche zu, säumte sie, raffte sie und fand sie sehr gelungen. Weshalb ich sehr sorglos die Bluse auf Bauchhöhe kürzte und die Rüsche ansteppte. In der Tat wirkte es auf der Puppe sehr modern und nahezu cool. Welch eine gute Idee.

Ich kochte das Mittagsmahl für die Brut, ruhte mich ein wenig aus – nächtlichen Schlaf kenne ich kaum noch in den letzten Wochen – und warf mich dann in die so wunderbar gerettete und aufgepimpte Bluse. Vielleicht erinnert sich die eine oder andere an Fantasia, den Disneyfilm? An die entzückenden Nilpferddamen vom Ballett? Weshalb sie mir wohl in den Sinn kamen? Hmmm ….

Die Rüsche wollte sich nicht der Schwerkraft beugen, sie stand quer und wippte um mich herum. Ich drückte sie nach unten, fand, dass sie dann doch gut aussehen könne, bügelte wie eine Wahnsinnige und zog zuletzt ein Gummiband in den Saum. Nun blieb sie unten und fältelte sich gar gehorsam und, es ist kaum zu glauben, das sah auch noch gut aus. Doch beim ersten Schritt rutschte das Gummi hoch und höher. Es war hoffnungslos. Also wieder runter damit und grübeln, wie ich die nun fehlende Länge wieder dran bekäme. Kurze Antwort: Gar nicht, da kam nicht mehr genug an Stoff zusammen.

Mutig trug ich sie heute dennoch und auf den Bildern fällt mir auch auf, wie unschön die Ärmel eingesetzt sind. Und wie sehr Baumwolle an Jerseyhemdchen klebt. Was vielleicht gut aussähe, das wäre ein hochgeschnittener Faltenrock, etwas ganz schlichtes. Oder vielleicht einer mit Passe und einer geraden, gerafften Rockbahn. Mit Jeans sah es vorm Spiegel und in den Augen der anwesenden Jungs und Männer gut aus, auf den Bildern eher nicht.

Jetzt habe ich mir das von der Seele geschrieben, stelle fest, dass ich mir ein Kleid mit diesen Ärmeln wünsche und dass ich dringend den Bunkaschnitt neu aufstellen muss. Jetzt schaut ihr euch einfach die Hunde an und das blühende Tal, durch das wir täglich laufen.

 

 

Der kleine Sohn – der Tom – gab sich viel Mühe mit den Bildern und produzierte Serienaufnahmen en gros. Von 120 Bildern habe ich zumindest 111 ruiniert.

 

 

Das halten beider Hunde half auch nicht, dient aber als Ausrede. Sobald ein anderer Hund in Sicht kommt, tickt der Kleine aus. Die Trainerin, der ich oft begegne, ist zuversichtlich, dass ich das wegbekommen werde, aber Geduld müsse ich schon haben. Ist ja meine Stärke, das Ding mit der guten Weile …

 

 

Sicherlich fiele die Bluse etwas günstiger, hätte ich kein Top darunter getragen. Ich hätte aber ungünstiger frieren müssen im Schatten – bei 18 Grad um 10:00 Uhr gehe ich noch nicht bauchfrei. Aber so eine Art Bauernrock mit hoher Taille könnte vielleicht gut zur Bluse passen, oder?

Aber egal, egal – die Sonne scheint und zwei Hunde sind absolutes Glück!

Wieder einmal ein Zelt. In himmelblau. Mit Sonne!

Dass ich eine gewiße Vorliebe für weite Kleider und im besonderen Zeltkleider habe, habe ich 2015 und 2016 schon gezeigt. Ich finde ja, dass diese Kleider erstaunlich viel Figur zeigen, dafür, dass sie der Taille nicht nahe kommen; wir könnten nun darüber diskutieren, ob und weshalb das so ist. Wir können es auch lassen.

Nun hatte ich seit etwa zwei Jahren einen Stoff im Lager, den ich online bestellte und der sich als erstaunlich anders heraus stellte: In der Beschreibung war er eine Woll-Poly-Mischung mit leichter Struktur, graublau, leicht und fließend. Im Paket verwandelte er sich in ein recht kräftiges Himmelblau mit sehr deutlicher Struktur, dabei eher steif und starr und alles andere als dünn. Immer wieder packte ich ihn von links nach rechts, von oben nach unten, überlegte, was daraus wohl werden könne. Für einen Frühjahrsmantel waren die zwei Meter nicht ausreichend, für einen Blazer fand ich ihn nicht beweglich genug und die Farbe war alles andere als kombinationsfreudig.

Vor drei Wochen dann war ich so ärgerlich auf diesen Stoff, der mir Platz wegnahm, dass ich ihn heraus nahm und an ihm herum zupfte, in der Hoffnung auf plötzliche Inspiration. Kam nicht. Also ging ich es logisch an – ein ganz neues Vorgehen hier im Hause. Im Ausschlußverfahren kam ich darauf, er könne nichts anderes als ein weites Kleid mit halblangen Ärmeln werden und von da aus entstand dann das hier:

 

 

Was letzten Endes daraus wurde, entwickelte sich Schritt für Schritt – wenn ein Stoff das Herz nicht erobert hat, ist das Experimentieren erleichternd und leicht. Aber erst einmal zupfe ich das Kleid wieder zurecht, damit die Falte gerade sitzt. Oder nein, erst einmal zeige ich, dass da eine riesige Falte ist:

 

 

Der Grundschnitt ist der Bunkaschnitt, den ich immer verwende, wenn die Kleidung eher locker sitzen soll – der Pepin-Block ist deutlich figurnäher und ich denke, vom Endergebnis aus lässt sich auch immer gut erkennen, welchen von beiden ich benutzt habe.
Im ersten Schritt habe ich eine meiner bevorzugten Auschnittformen, eine flache, eckige, eingezeichnet. Der Bunkaschnitt ist von Achsel bis Hüfte gerade und wird je nach Silhouette mit rundum acht Abnähern und einer Seitennahtvertiefung eng angelegt, dazu kommt ein Brustabnäher aus dem Armloch heraus. Um auch dem weiten Kleid noch Form zu geben, habe ich im zweiten Schritt die Seitennaht an der Taille um 2 cm vorne und hinten verschmälert und dann den Brustabnäher (am Rücken den Schulterabnäher) komplett in den Saum gedreht – so fällt das Kleid in der Taille leicht ein und schafft vermutlich den oben genannten Effekt.

 

 

Aber irgendwie erschien mir das zu langweilig und als ich den Schnitt probeweise auf den Stoff legte, stellte ich fest, dass ich trotz halben Ärmels und großer Saumweite noch ein wenig Platz hatte. Und keine Lust, noch mehr Schnitt zu malen. So rutschte ich die VM um satte 12 cm weg vom Stoffbruch. Mir schwebte eine unauffällige Kellerfalte vor. So unauffällig, wie eine himmelblaue Falte in einem Stoff mit Persönlichkeit halt sein kann.
Ruckzuck war ich im Anprobestadium, blickte, noch bevor ich den Spiegel erreicht hatte, an mir herunter und musste lachen: Es war, als schaue ich auf zwei Stahlsäulen hinab, die monumental an mir entlangwallten. Vorm Spiegel sah es nicht viel anders aus – positiv ausgedrückt stand ich in einem Kunstwerk, das die Nichtigkeit der Menschheit ausdrückte. Was tun?
Nur kurz spielte ich mit dem Gedanken, den Stoff und die Falten mit bügelnder Gewalt unter Kontrolle zu bringen, aber eigentlich gefiel mir dieses Eigenleben gut. Und während ich da vor dem Spiegel stand, legte ich meine Linke über die Taille und hatte die Erleuchtung: Ich lasse dem Stoff all seine elementare Kraft und bändige sie nur soweit, dass ich in ihr nicht gar so nichtig erscheinen würde. Über etwa 4 cm an der leicht nach oben versetzten Taille habe ich also die Kellerfalte zu- und an die die darunter liegende Mittelnaht angesteppt.

Und jetzt? Ist es tragbar, mag ich es?

 

 

Ja, ich mag es sogar sehr, wenn ich auch noch nicht sagen kann, wie häufig ich es tragen werde: Ein wärmender Stoff, der luftig absteht, passt nur in eine kleine Temperaturspanne. Aber ich mag die unabsichtliche Mischung zwischen mittelalterlich und 60er-Jahre-Trapez.

 

 

Von hinten ist es übrigens ganz, ganz schlicht:

 

 

Und weil es nicht nur Dienstag ist, sondern ich mit diesem Stoff äußerst kreativ war, trage ich mich gerne beim Creadienstag ein 🙂

68erin trägt was? Natürlich ein bißchen Hippie!

Ich liebe Kleidung und die Beschäftigung mit dem Äußeren immer schon: Als Kind habe ich mich mit Wonne verkleidet. Da ich nicht nur Kind, sondern dazu ein bönnsches Schlüsselkind war, hatte ich zum Einen einen gewißen Fundus bestehend aus meinen Karnevalskostümen, – perücken und -schminken und dem unbewachten Kleiderschrank meiner Mutter zur Verfügung und zum Anderen hatte ich viel Zeit ohne Eltern zu Hause. Ich war Prinzessin samt Ross (erst das Bügelbrett, später die Wäschetruhe), die Prinzen befreite, war Indianerin mit Silberbüchse oder mit der besten Freundin ein Engel für Charlie. Am Tag zog ich mich etwa sechs bis acht Mal um, blätterte zwischendurch in Zeitschriften und Büchern, schaute beim Fernsehen schon früh auf Krinolinen, Petticoats, Jeans und Knotenblüschen und baute sie mit meinen Mitteln nach – ein Plumeau ließ sich mit Gürteln um die  Taillen schnallen, darüber drapierte ich Laken und Tagesdecken, steckte sie mit Sicherheitsnadeln zu Turnüren hoch und knotete Blusen meiner Mutter um die Schultern, um ich standesgemäß am Wiener Hof verbeugen zu können. Beispielsweise.

Bis heute ziehe ich mit Kleidung immer auch ein wenig Stimmung, ein wenig Einstellung mit an. Oder konkreter und besser ausgedrückt: Zeigt die ausgewählte Kleidung ein wenig von meinen Vorstellungen, meinen Vorlieben und meiner Persönlichkeit. So gibt es einige Stile, die mich immer schon anzogen:

  • Die Ästhetik der 1920er bis 1950er, die ich einige Jahre sehr exzessiv kopierte.
  • Der Purismus, der meiner 20er begleitete.
  • Die Elemente der aktuellen Mode, die das Zeug zu einer längerfristigen Verweildauer hatten.
  • Das Elegant-Rockige, das ich in meinen 30ern mit Lederhosen, Seidenblusen und teurer Spitzenwäsche neben
  • die Klassik der Gamine im Stile Audrey Hepburns stellte.
  • Die Bohème, der Hippie in mir, der immer nur sehr dezent zum Vorschein kam …

… und zu der es mich immer mal wieder hinzieht, stärker und stärker. Mit dem schwarzgrundigen Kleid kam die Liebe schon zum Tragen und als ich im Dezember letzten Jahres einen ganz ähnlichen Stoff – einen blaugrundigen Viskosetwill mit Blumenmuster – fand, war die Versuchung groß, ihn zum gleichen Kleid zu verabeiten. Doch ein wenig Pinterestschau und Schnittwühlerei später und ich wollte ein Kleid mit hoher Taille. Und so bastelte ich in der letzten Woche daran herum, dieses Mal wieder auf Grundlage des Pepin-Grundschnittes, und das mit nur vagen Vorstellungen. So ist dieses Kleid noch ein wenig brav, aber aufpeppbar. Und es trägt sich sehr schön oder wird sich schön tragen, wenn nur der Lenz endlich eintrifft.

Jedoch: Wie lichtet man ein Empirekleid in dunklem Muster ab, so dass man die hohe Taille auch erkennen kann? Es folgen nun – für diesen Blog zumindest – ungewöhnlich viele Bilder, wie es eher nicht gelingt …

 

 

Versuch 1: Einfach mal schräg hinstellen und auf das Vögelchen warten. Warten. Warten … warten … hmm, hatte ich das nicht – Ah, ja doch! Dann noch einmal:

 

 

Versuch 2: Einfach noch einmal das Selbe und dieses Mal darauf vertrauen, dass die Kamera wirklich knipst. Also lächeln, lächeln, lächeln, bis das Lächeln eintrocknet … ja, sehr hübsch. Man erkennt rein gar nichts von der hohen Taille. Weiter.

 

 

Versuch 3: Raus mit der Hüfte, etwas seitlicher und hey, da war doch noch was? Peace!
Sieht in der Küche aber doch etwas albern aus und so viel Hippie ist ja auch noch nicht erreicht.

 

 

Versuch 4: Ohne Spökes, weiter eingedreht – und hurra, man sieht die Kellerfalte. Aber auch unglaublich viel Enthusiasmus und Freude über das Endergebnis …

 

 

Versuch 5: Im Profil müsste die hohe Linie doch zu sehen sein? Nein? Tja, aber immerhin ein elegischer Blick aus dem Fenster ist drin.

 

 

Versuch 6: Vielleicht sollte ich mich nach rechts wenden? Und genau beobachten, wie sich zwei Katzen an des Hundes Leckerli-Beutel zu schaffen machen? Herrlich kühl-arrogant der Blick – hätte ich nun einen Anzug mit breiten Schultern an, wäre ich zufrieden.

 

 

Versuch 7: Natürlich, wie dumm von mir – dieses Kleid braucht Bewegung! Freiheit, Liebe, Blumen! Aber vielleicht sollte ich mich entscheiden, ob ich knutschen oder über matschige Kuhwiesen laufen will.

 

 

Versuch 8: Wedeln, immer wedeln mit dem Rockteil. Ja, das ist doch viel besser – aber vielleicht auch noch freundlich gucken dabei? Ein bißchen lächeln? Nur ein wenig?

 

 

Versuch 9: Jetzt reicht es, besser wird es nicht mehr, so bleibt das jetzt. Basta! Love and peace!

Puh, da war das Nähen fast schneller erledigt als das Knipsen. Nun bin ich viel zu erschöpft, der Tag zu weit fortgeschritten, als das ich noch etwas zum Schnitt oder zum sehr eigensinnigen Stoff sagen möchte – ich trage mich noch beim Creadienstag ein, hüpfe in die regentaugliche Jeans zurück und erledige noch den Einkauf, der so gar nicht zur Bohème passen will …

 

Ein bißchen Fischer, ein wenig Audrey

Nähend werde ich immer langsamer und langsamer – das mag damit zusammen hängen, dass ich immer weniger gut winzige Aufschriften lesen und dem Lauf der Nähmaschinennadel folgen kann. Oder, was viel schöner klingt, es liegt einfach an der mangelnden Zeit und darab, dass ich somit weniger im Training bin. Ja, es ist eindeutig die Zeit, die ein Problem ist …

Wie immer, wenn ich nicht viel nähe, kaufe ich viel zu viel Stoff und diese Stapel muss ich, will ich abarbeiten. Nun also eine Bluse. Eine Hemdbluse. Die in der ersten Version noch einen Kragen hatte, den ich schlampig schnell nach einer 08/15-Anleitung gezeichnet hatte. Hat sich gerächt. Also ist es nun eine kragenlose, manschettenlose und nahezu knopflose Hemdbluse geworden, die mich ein wenig an norddeutsche Fischerhemden erinnert:

 

 

Und weil das Hemdblüschen so ganz ohne Kragen ein wenig traurig wirkte, spielte ich mit den Stoffresten umher und beschloss, eine Art Schleife auf Höhe der sonst üblichen Brusttaschen anzubringen. Wie immer hätte ich das viel ordentlicher machen sollen, aber wie gesagt: Mir verschwimmen mitunter die Nähte vor den Augen, wenn es um Millimeterarbeit geht.

 

 

Aus dem Hemdschnitt möchte ich in nächster Zeit noch mehr heraus holen: Mit einem vernünftig konstruierten Kragen, mit einem leicht abgeschrägten Halsausschnitt, mit einer Passe auch im vorderen Bereich, vielleicht doch auch mit Taillenabnähern, mit mehr Knöpfen – der Möglichkeiten sind bei diesem simplen Schnitt ja viele.

 

 

Dieses Mal habe ich dem Rückenteil eine Kellerfalte von insgesamt 12 cm Mehrweite spendiert. Das gefällt mir zwar sehr gut, lässt mich aber nicht gut testen, ob der Schnitt mit Abnähern nicht doch zu eng an der Hüfte wird. Und für Probemodelle habe ich mittlerweile gar keine Zeit mehr, was verblüffend ist: Früher, als die Jungs noch klein waren, nahm ich immer an, dass ich unglaublich viel Zeit für Haus und Haar und Haut und halles handeres haben würde, wenn sie erst einmal in der weiterführenden Schule sein würden. Erstaunlicherweise sieht die Realität anders aus, aber tiefergehende Gedanken über unser Schulwesen mache ich mir ein anderes Mal.

Weniger Zeit ist natürlich nicht nur den Kindern geschuldet, sondern auch den Tieren, die ebenfalls ihr Recht auf Nähe und Schmusen fordern. Und auch das verhasste Fotografieren ist dank der drei vierbeinigen Lebenwesen nicht leichter oder zeiteffizienter geworden. So sieht das nämlich aus, wenn ich mein Stativ aufbaue:

 

Die Küche ist der einzige Raum, in den Maxi nur zögerlich eintritt und mit sehr viel Respekt. Ganz besonders, wenn eine der Katzen schon dort ist. Richtig schlimm ist es, wenn er zwar in meiner Nähe sein will, aber ein garstiger Sturm ums Haus und durch den Dunstabzug lärmt – vor starkem Wind fürchtet er sich nämlich richtig. Da gab es dann ein Extraleckerchen für ihn:

 

 

Er verschwand dann doch lieber in seinem Boot, was Momo dazu nutzte, mein Haargummi über den Boden zu scheuchen, es unter dem Kühlschrank zu verstauen und mir auf den Arm zu hüpfen.

 

 

Viel hübscher kann die Hemdbluse nicht präsentiert werden als mit Momo auf dem Arm. Die natürlich sofort wieder runter wollte, als Minusch in der Tür auftauchte – das war der Moment, an dem ich aufgab:  Die neuen Ballerinen hatte ich lang genug eingelaufen, Maxi brauchte seinen zweiten Spaziergang und überhaupt hatte ich noch so viel vor an diesem Tag. Nichts davon ist bislang wirklich geschafft. Erst beim Sichten der Bilder gerade eben fiel mir auf, dass Hose und Schuhe dem eh schon femininen Fischerhemd noch einen Minihauch von Audrey verleihen. Kann so bleiben, denke ich …

Und obwohl es hier ganz viele Tiere gibt, genäht habe ich nur für mich und deshalb qualifiziert sich die störrische Hemdbluse für den RUMS.