So ganz langsam doch aufgeregt …

Irgendwann im Frühsommer letzten Jahres erhielt ich eine Mail, die ich auf den ersten – offenbar durch Erfahrung nicht vorurteilsfreien – Blick auf den Betreff für die folgende Art von Spam hielt, die wir als Bloggerinnen kennen und hassen gelernt haben:

„Liebe xy (hier steht selten der richtige Name, da der eine Klick zu Impressum/Über mich entschieden zu viel verlangt ist für die wichtige Person, die uns hier schreibt)
Dein/Ihr Blog fiel mir auf und wir könnten uns eine Zusammenarbeit gut vorstellen (wer „Wir“ ist, wird nur selten erschöpfend dargelegt). Daher möchte ich wissen, wieviel es kosten würde, einen Artikel bei Ihnen zu veröffentlichen und/oder ein Banner zu besetzen (Das sind dann übrigens schon die guten Angebote, durchaus kommt es vor, dass für die Veröffentlichung dreier Lobartikel ein Anleitungsheftchen für gehäkelte Babysöckchen drin ist …)“ …

Anfangs schrieb ich artig zurück, bedankte mich für das Angebot und lehnte ab. Irgendwann, als es überhand nahm, tat ich das nicht umgehend und als einer daraufhin drängelte und unhöflich wurde, machte ich es offiziell: Nein, danke, ich möchte keine Werbung auf meinem Blog. Etwas empfehlen, beschreiben und zeigen ist eben doch eine ganz andere Nummer als ständige Kaufmich-Artikel und als überzeugte Adblockerin fände ich es auch nicht fair, es woanders zu hassen und es selbst zu tun.

Doch dieser Betreff jetzt lautete neben „Kooperationsanfrage“ eben auch „Styleratgeber“ und das machte mich zumindest neugierig. Kurz zuvor hatte ich meine Kleiderschrankserie geschrieben, die ja nun das genaue Gegenteil von einem Ratgeber ist. Ich las die Mail – die mit meinen Realnamen und einer wirklichen Kenntnis meines Blogs punktete – einmal, dreimal, siebenmal und war verwirrt, erfreut, geschmeichelt, mißtrauisch und seltsam aufgeregt. Ich fragte genauer nach und fand mich in einem Telefonat wieder, das entspannt, professionell und persönlich war und ehe ich mich versah, hatte ich zugestimmt, einige Texte für ein Buch zu verfasssen, das eigentlich die Quadratur des Kreises sein müsste: Outfitideen mit Texten, die NICHT von ständiger Figuroptimierung und Verboten handelten.

Als ich die ersten Kapitel beendet hatte, sandte ich sie ein, innerlich noch immer davon überzeugt, ich habe etwas falsch verstanden und man wäre nun enttäuscht von meiner Arbeit. Das Gegenteil war der Fall, wenn ich den Antworten und dem jetzigen Erscheinen des Buches glauben soll. Zwar ist mein Anteil daran nur ein kleiner, aber hoffentlich einer, der den Käuferinnen des Buches gefallen wird und ihnen Mut macht, mehr von sich – von ihren Vorlieben und ihrer Persönlichkeit, nicht unbedingt von ihrem Busen! – zu zeigen. Nächsten Mittwoch wird es erscheinen, irgendwann um diesen Zeitpunkt herum erhalte ich meine Belegexemplare und sollte bei euch Interesse bestehen, könnte ich eine Verlosung arrangieren. Es ist kein ausgesprochenes Handarbeitsbuch, sondern eines, in dem es sich um 100 Outfits dreht – aber ich habe in den Varianten einiges gefunden, was mich auf Ideen brachte. Vielleicht geht es euch ja auch so.

Puh, jetzt bin ich schon etwas weniger nervös und werde euch in der nächsten Woche mehr davon zeigen können – ob ihr wollt oder nicht …

Die letzte Vier in blaukariert

Hachja, mein Jubeltag und dann noch der letzte Vierer und wie sieht es aus? Gestern gab es in Dauerschleife Stress mit Server und Blog und die Nachricht, mein geliebter Max werde für die nächsten drei Wochen Antibiotika schlucken müssen, womöglich ist heute der kälteste Tag des Monats und morgen wird ein amerikanischer Präsident eingesetzt – achwas, womöglich krönt er sich selbst – der mir wenig Hoffnung auf den nächsten Geburtstag mit der ersten 5 macht. Entsprechend ruhig lasse ich es heute angehen: zur Feier des Tages bleibt der Haushalt mitsamt seinem Staub einfach liegen.

Letzte Woche hingegen sah alles recht rosig aus: ein tolles Angebot, eine schöne Idee und Zeit, etwas zu nähen. Auf aufwändiges Konstruieren hatte ich keine Lust, dafür aber auf den karierten, sehr festen Jerseycoupon, der dank eines kreisrunden Riesenloches für ganz kleines Geld zu haben war. Und je länger ich ihn ansah, umso weniger wollte ich mich und ihn quälen: er sollte so wenig wie möglich zerschnitten werden und so habe ich das simpelste Oberteil überhaupt daraus genäht. Ein T mit Seitennähten und je einem geraden Streifen für Ärmelaufschläge und Stehkragen.

 

 

Da ich nur wenig Stoff zur Verfügung hatte, hat es bei den Ärmelbündchen nicht ganz so gut hingehauen mit dem versetzten Muster: das Karo ist ungleichmäßig und ich habe es senkrecht gegen den waagerechten Musterlauf gesetzt. Am Kragen kam es sich gut aus, an den Ärmeln treffen die Streifen leider fast aufeinander an einigen Stellen.

 

 

Nachdem sonst Maxi sich ins Bild schleicht, war heute Minusch wieder an der Reihe – da will ich ihr den Auftritt nicht verderben.

 

 

Und weil es mir sonst mit dem Simpelschnitt gar zu langweilig gewesen wäre, habe ich den Saum von gerade auf geschwungen geändert.

 

 

Ob ich das Oberteil viel tragen werde, hängt vom kommenden Frühjahr ab – aber einfach einmal in den Stoff hineinzuschneiden und mit wenigen Nähten auszukommen, hat mir Spaß gemacht. Und weil ich es ganz alleine nur für mich gemacht habe, trage ich das Karoteil beim heutigen Rums mit ein.

Erstaunlicher Fund

Ihr Lieben, die ihr vielleicht einmal einen Kommentar hinterlassen habt – vor allem zur Kleiderschrankserie – und euch gewundert/geärgert haben mögt, dass er nicht erscheint: gerade eben fand ich 13 Kommentare aus dem letzten Jahr, die mir ganz neu waren und es waren tolle Kommentare von bekränzt und Stella und anderen auch.

Gestern gab es ein Serverproblem und nach Wiederherstellung meiner Seite hatte ich auf einmal einen vollen Spamordner und wie auch immer ihr dort herein gekommen seid und wo immer ihr euch bis gestern versteckt hattet – nun seid ihr online, wie es sich gehört. Wenn auch ewig spät. War mir wichtig, das kurz mitzuteilen 🙂

Podcast bei Muriel

Oh, bibber, bibber, bibber … heute ist mein (für mich sehr unterhaltsames) Gespräch mit Muriel online gegangen und wenn ich schon mit Bildern von mir fremdele – mit meiner Stimme und meinem mitunter aus der Bahn springendem Enthusiasmus noch viel mehr.

Und so bitte ich euch gar herzlich: seid lieb und nachsichtig mit mir, wenn ihr reinhört. Und jetzt werde ich mir die Kopfhörer aufsetzen, Wäsche falten und Küche aufräumen und mir selbst zuhören. Vermutlich werde ich mich danach in der Badewanne wälzen und nie wieder heraus kommen wollen …

Aber egal, Muriel war wirklich fantastisch, einfühlsam und lustig und sollte sie eine von euch um ein Gespräch bitten: ziert euch nicht, macht es einfach.

So, genug der nervösen Vorrede: hier ist der Podcast.

Liebe Muriel, vielen Dank für deine Geduld, deine liebevolle Vor- und Nachbereitung und die Mühe, die du dir jedes Mal machst 🙂

Rosen im Winter

Ich möchte ja sehr gern wieder öfter und mehr nähen und so blätterte ich in meinen gesammelten Schnittkonstruktionsanleitungen herum. Und verliebte mich in dieses Kleid aus einer Mrs. Stylebook.

 

 

Wobei ich schon gedanklich anfing, Abstriche zu machen: ein bißchen länger dürfte es für mich sein, der Kragen kann eh weg und ob die langen Ärmel wirklich so günstig bei dieser Kleiderform an mir sein würden? Beim Blick auf die Anleitung bzw. das Schnittendergebnis verstärkten sich sowohl meine Zweifel als auch meine Lust, diesen Schnitt zu zeichnen und zu testen; ein dunkelgrauer Scuba mit Rosenmuster sollte dafür herhalten – das Grau ist eigentlich viel zu grün für mich, so wäre ein Mißerfolg nicht zu dramatisch.

 

 

Wer sich die Faltenlegung und das Vorderteil anschaut, wird es gleich sehen: Niemals würden sich die Falten so legen lassen, wenn man den Stoff so zuschneidet. Also habe ich erst gezeichnet, viel Rand am Halsausschnitt gelassen und die Falten dann an der Puppe getestet und gelegt. Auch wegen der Rockweite war ich skeptisch: Sähe es nicht besser aus, wenn der Saum nach unten hin zuläuft?

Nunja, ich zeichnete, ich schnipselte, ich schnitt zu und ich nähte. Und herrje, was werde ich immer langsamer. Für ein Kleid mit vier kleinen Fältchen, keinen Abnähern und zwei Seitennähten aus einem Stoff, der nicht versäubert werden muss – da hätte ich noch vor drei Jahren anderthalb Stunden gebraucht. Heute … gerne würde ich mir einreden, dass ich sorgfältiger geworden sei. Stimmt aber nicht. Nur blinder und langsamer.

Nun, es ist fertig und ich bin ambivalent. Es ist vor allem der zu grünliche Ton, der mich stört. Die Faltenpartie hingegen gefällt mir sehr und ich überlege, wo ich sie übernehmen könnte. Vielleicht den Ausschnitt etwas mehr in die Breite ziehen und mit luftigen Stoffen zu einer Bluse wandeln? Wie auch immer, hier das Kleid:

 

 

Der Stoff ist übrigens unglaublich weich und glatt, aber leider lädt er sich auch stark auf, weshalb kein Kleid mit mehr Länge oder mehr Saumweite möglich war. Tragen tut es sich aber gut und wären es nur ein paar Grad mehr, wäre es sogar kuschelig.

 

 

Und bei der Anprobe gab ich mir recht: das Rockteil muss enger zulaufen – ich habe versucht, eine Art Ei zu formen – hier kann man es erahnen – aber da der Scuba sich wirklich  nicht sehr vom Bügeln beeindrucken lässt, fällt die Seitennaht eher blasig. Und die Saumweite könnte noch kleiner sein.

 

 

Auch die langen Ärmel lassen die Silhouette schon sehr geschlossen und massiv wirken – hochgeschoppt sieht es für mich deutlich besser aus.

 

 

Am Ende war es ein nettes Experiment mit neuen Erkenntnissen und der Möglichkeit, etwas aus dem Schnitt zu machen – vielleicht auch als Sommerkleid ohne Ärmel. Die Zeit wird es zeigen. Und ich zeige mich heute noch einmal beim Creadienstag.