Pläne, Vorsätze, Ergebnisse

Mit Fug und Recht kann ich sagen: das gestrige Nähkränzchen war das unproduktivste überhaupt. Erklärbar dadurch, dass Janine krankheitsbedingt ausfiel, Arlett aufgrund widrigster Umstände nur eine Maschenprobe stricken konnte, Susanne mit allerentzückendstem Dreimonatsbabytöchterchen auftauchte und uns heftigst ablenkte. Die einzige, die richtig hart arbeitete und voran kam, war Sabine, deren nächster Quilt wohl bald fertig sein wird. Und ich? Ich wollte ja gleich drei Röcke zu Ende bekommen:

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Beim ersten musste die Hüftkurve links angepasst werden, beim zweiten nach verbessertem Schnitt musste sie sogar erst noch gefunden werden und der dritte hätte zugeschnitten und komplett genäht werden sollen. Was ja alles im Bereiche des Möglichen läge. Wenn …

… wenn der Stoff des ersten Rockes nur netter wäre. An und für sich der pure Luxus, eine Woll-Seidenmischung in leicht changierendem Dunkelviolett. Etwas steif und harsch, aber dennoch sehr edel. Leider aus dem ersten fehlerhaften Schnitt genäht und viel zu eng. Mühsam gerettet, in dem jede Nahtzugabe auf ihr absolutes Minimum reduziert wurde, was dann zu kleinen Öhrchen zwischen Bund und Hüfte führte. Bund und Saum sind schon mit Hand angenäht und die Lust, da was zu öffnen, ist eh schon minimal. Als aber Sabine bei der Anprobe ehrlich erschrocken meinte, ich müsse aber unbedingt etwas darunter ziehen, er sei schon sehr transparent – da war es mit meiner Motivation so ziemlich hinüber. Denn: ich stand im dunkleren Teil des Wohnzimmers, kein Licht war hinter mit und ich hatte ein Unterkleid an. Ich glaube, wenn ich den nicht mit dickstem Flanell fütterte, wird man immer durchsehen können.
So wandte ich mich an den hellblaugrauen Rock, den ich nach dem überarbeiteten Schnitt schon am Donnerstag zugeschnitten und weitestgehend genäht hatte. Und der zu meinem absolutem Entsetzen dennoch viel zu eng war. Also trennte ich freitags in der Nacht die Seiten und steppte sie neu zusammen, probierte an – besser, aber nun wieder unglaubliche Öhrchen über der Hüfte und viel zu viel Weite in der Taille; da schien etwas gar nicht zu stimmen und so langsam stieg das Frustlevel. Entweder hatte ich alles falsch gezeichnet und berechnet oder ich musste ganz viel zugenommen haben. Spätnachts Röcke anzuprobieren ist im übrigen eine idiotische Idee, das sollte ich wirklich einmal beherzigen.
Samstags trennte und steppte und trennte und steppte ich immer wieder und bekam es nicht hin. Sonntag vormittag endlich heftete ich erst einmal (zumal Heften ja seit einigen Wochen mein neuer bester Freund ist) und probierte – perfekt. Abgesteppt, ausgebügelt, anprobiert – perfekt. Nicht perfekt: der blöde Stoff, der wellte, buckelte und schlumperte. Ein halbes Mal hinsetzen und schon warf er mit Falten nur so um sich. Also lohnte sich die Fertigstellung nicht, dafür trennte ich ihn erneut und verwendete das nun perfekt an meine Formen angepaßte Stoffstück, um den dazugehörigen Pappierschnitt zu überprüfen und zu korrigieren. Jedoch welch Wunder: beide stimmten bis auf ein oder zwei Millimeter überein! Wir kamen zum Schluß, dass dieser Stoff schon von Anfang an buckelte und wellte und schlumperte und so die Schuld bei ihm und ihm allein zu suchen sei.

Nun war es so nett gemütlich, wie Sabine fleißig nähte, Arlett im Sessel Bücher durchblätterte und wir erzählten und entspannten, dass ich nicht wirklich motiviert war, einen Rock zuzuschneiden. Tja, unproduktiv war das Kränzchen für die meisten von uns vielleicht, aber weder ergebnislos noch verschwendet. Jetzt mache ich mich an die Arbeit, den Schnitt nochmals auszutesten … leicht angeschlagen, all die kranken Kinder in unserer Umgebung fordern langsam doch ihren Tribut. Wenn es wieder nicht klappt, dann bin ich vermutlich kränker als gedacht. Irgendeine Ausrede wird sich schon finden lassen!