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In Würde altern ... Eigentlich ja gerne und mit Mitte 20 sind wir uns sicher, dass wir das hinbekommen werden – es ist noch sooo lange hin, bis wir uns darum kümmern müssen. Verblüffend allerdings, wie schnell wir dann zum ersten Mal vor dem Spiegel stehen und uns wenig würdevoll graue Haare ausreißen, die Antifaltencreme hektisch einmassieren oder fassungslos gegen weiches Gewebe an Oberarmen, Rücken oder Oberschenkelinnenseiten schlagen – das war doch erst gestern noch anders ...? Nun hat jede eine andere Einstellung zu diesem Thema und geht anders damit um, deshalb schicke ich voraus, dass alles, was ich hier schreiben werde, ausschließlich meine Meinung, meine grauen Haare und mein fassungsloser Schmerz beim Blick in den Spiegel ist. ;-) Es fällt mir leicht, mich an meine Idee vom Altern zu erinnern: Mit 15 verband ich mit „Altern“ entweder jeden über 30 - wobei ich mir vornahm, ab 30 nur noch kinnlange Frisuren und elegante Kostüme zu tragen; schließlich würde ich mich nicht in Teenieklamotten lächerlich machen wollen – oder aber den Wunsch, endlich wie 18 auszusehen inkl. mehr Oberweite, weniger Pickel und einer Persönlichkeit, die jede noch so unfreundliche Verkäuferin dazu brachte, mich endlich zu siezen. Hmm, allein an diesem letzten Punkt kann ich meine Veränderung festmachen: Werde ich im Kindergarten von Kleinkindern gesiezt, erfasst mich ein Schauer: „Sehe ich denn wirklich schon so alt aus???“. Mit Mitte 20 hingegen, erwachsen und gereift wie ich nun war, wusste ich, dass die 30 nicht das Ende sein würden; ja, ich hoffte, dass auch die 40 noch mit Leben gefüllt sein könnten, und bildete mir ein, dass ich das erste graue Haar witzig bis niedlich finden würde, dass ein Lachfältchen hübsch und eine ausgeprägtere Nasolabialfalte persönlichkeitsunterstreichend sein würde. Und eigentlich bin ich davon noch immer überzeugt – bei anderen! Bei mir selbst? ... sooo witzig, niedlich, hübsch und voller Persönlichkeit finde ich diese Zeichen des Älterwerdens nicht. Nein, all diese Zeichen sind mir viel zu deutlich. Bin ich nun in dem Alter, in dem ich auf Gesundheitsschuhen den Gang zum Schönheitschirurgen meines Vertrauens antreten sollte? Und weiter? Für den Rest meines Lebens mit dem Spiegelbild hadern? Das macht weder jünger noch schöner. Und wie ist meine Einstellung zum Altern, nun, wo es nicht mehr nur blanke Theorie ist, sondern beginnt? Zur Zeit bilde ich mir ein, dass es ab Mitte 60 wieder leichter wird, damit klar zu kommen – man ist eindeutig über die Lebensmitte hinaus und vielleicht abgeklärt genug, um sich am Leben zu freuen und das Beste aus dem eigenen Aussehen zu machen. Vermutlich liege ich damit ebenso falsch wie mit all meinen bisherigen Theorien - zumal der Anspruch auch "erwachsene" Frauen wächst. Wenn mir allerdings jemand anböte, ich könne wieder Mitte 20 sein – ich würde ablehnen und das nicht einmal dankend. Klar, ein bisschen straffer, ein bisschen frischer und glatter wäre nicht so schlecht, aber trotz der gelegentlichen Frustattacken beim Blick in den Spiegel bin ich heute (oft) selbstsicherer, entspannter und zufriedener als noch 10 Jahre zuvor. Damals hatte ich zu oft das Gefühl, mich anderen beweisen zu müssen – heute werde ich ernst genommen und es ist mir nicht mal mehr so wichtig. Wenn nun aber die Geisteshaltung, das Selbstbewusstsein sich so verbessert haben, sind diese Dinge dann der Ausgleich für die sichtbaren Veränderungen? Und wenn ich zufriedener mit mir bin, warum ist es dennoch so schwer, das eine graue Haar, die Lachfältchen, die weiche Haut am Rücken zu akzeptieren und sie mit Würde zu tragen? Vielleicht, weil sich unsere Gesellschaft geändert hat. Ich meine nicht den immer wieder zitierten Jugendlichkeitswahn – sondern die Tatsache, dass viele „ältere“ Menschen nach wie vor jung fühlen, jung denken und auch jung sind; nur eben nicht mehr ganz so jung aussehen – und nach wie vor bin ich fest davon überzeugt, dass Schönheit nur wenig mit dem Alter zu tun hat. Wenn ich nun noch meinen Spiegel davon überzeugen kann, habe ich gewonnen. © Andrea Instone |
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