Home
Schönheit?
Pflege
Massage
Gesundheit

Magersucht und Bulimie

von Lin Franca Dibbern

Die Gründe für Magersucht oder Bulimie und deren Verlauf sind so vielfältig, dass ich hier nur einen Überblick über mögliche Ursachen, Folgen und Ziele geben kann. Fakt ist, dass immer mehr junge Mädchen, Frauen und auch Männer dieser Krankheit verfallen und dass es nicht nur eine Lebensphase ist, in der man nicht mit seinem Körper zurechtkommt, abnehmen will und wieder damit aufhört ... Es ist eine Krankheit, die die meisten ihr ganzes Leben lang verfolgt und an der auch zahlreiche Menschen jährlich sterben.

Man kann noch nicht einmal genau benennen, welche Menschen besonders gefährdet sind, Betroffene können schon vor der Magersucht an Depressionen erkrankt sein, autodestruktives Verhalten (z.B. Borderlinesyndrom) zeigen oder ein minderes Selbstwertgefühl haben, aber es deutet sich an, dass auch immer mehr Frauen mit starken Persönlichkeiten - als prominentes, tragisches Beispiel wäre hier Lady Diana zu nennen - erkranken, Frauen, an die zu hohe Erwartungen gerichtet werden, denen sie sich nicht mehr gewachsen fühlen oder Frauen, die täglich mit Mode, Schönheit und Diäten konfrontiert sind und so einen Weg finden, mit Schwächen (sowohl körperlichen als auch seelischen) umzugehen; hungern als Ausweg sehen, um den Anforderungen an den eigenen Körper gerecht zu werden.

Ursachen können auch in der Kindheit liegen. Vielen Mädchen wird erst später, in oder nach der Pubertät, bewusst, dass sie sich als Kind mehr Aufmerksamkeit gewünscht hätten, nie Prozesse der Problembewältigung (durch reden, um Hilfe bitten, auf sich aufmerksam machen) mitgemacht und gelernt haben. Viele fühlen sich unsicher, wertlos und unwichtig und wünschen sich mehr Akzeptanz. Manche sehen die Magersucht als Mittel um Ereignisse aus ihrem Leben zu verdrängen oder lehnen ihr eigenes Geschlecht ab und halten so ihre Entwicklung an.

All diese Ursachen übertragen sich auf den eigenen Körper. Man gibt sich selbst die Schuld für Schwächen, will sich dafür bestrafen und macht sich selbst immer schwächer damit - und dadurch wird die Magersucht zur einzigen Zuflucht, zum Mittel der Problemlösung - gleichzeitig stärkt sie einen aber in dem Bewusstsein, mehr wert zu sein, denn man zeigt damit seine Kontrolle über sich. Man nimmt anderen einen Angriffspunkt, denn niemand kann einem mangelnde Disziplin oder Maßlosigkeit vorwerfen, denn man hat Beherrschung über sich.

Die Frage, wie sich eine Ess-Störung entwickeln kann, lässt sich ebenfalls nicht so einfach beantworten. Es kann mit einer Diät anfangen, mit dem Kalorienzählen und dem ständigen Druck beim Einkaufen, denn meistens weiß man nach dem Aufstehen schon, was man tagsüber essen und nicht essen will und dann ist es wichtig, genau die Lebensmittel zu bekommen, die man sich eingeplant hat. Dies ist ein schleichender Prozeß, dessen man sich nicht bewußt ist, und schon diese Überforderung kann dazu führen, dass man die Nahrung ganz ablehnt. Es kann ebenfalls dazu führen, dass sich Nahrungsverweigerung und Bulimie abwechseln: besonders schwierige Situationen, das Scheitern an alltäglichen Dingen, Probleme sind dann der Auslöser für eine "Fressattacke", auf die man mit Erbrechen, Abführmitteln oder besonders ehrgeizigem Sporttraining reagiert oder der man später mit der Einnahme von Appetitzüglern entgegenwirken will. Dadurch entwickelt sich dann auch ein gestörtes Hunger-Satt-Gefühl, denn man macht das Essen nicht mehr vom eigenen Appetit abhängig, sondern benutzt es als Ventil. Es geht auch schon lange nicht mehr ums bloße Abnehmen, der eigene Körper wird meist schon als Feind empfunden, der kaschiert und versteckt werden muß, man leidet an der "Körperbildstörung", sieht sich immernoch in seiner alten Figur und bemerkt nicht wie mager man eigentlich ist. Folgen der Bulimie oder Magersucht können auch noch Haarausfall sein, Hals- und Zahnschmerzen aufgrund der Magensäure, das Ausbleiben der Periode, Organschäden (z.B. an den Nieren) und im schlimmsten Falle der Tod.

Wenn man erkennt, dass man eine Ess-Störung hat - und strenggenommen ist man schon betroffen, wenn man z.B. übertrieben Sport macht oder Abnehmpräparate über längere Zeit konsumiert - sollte man sich Ziele setzen. Als erstes muß man lernen, sich selbst wieder zu akzeptieren. Man muß einen geregelten Tagesablauf für sich finden und das Essen bewußt darin integrieren. Die Hintergründe müssen gefunden werden, meist hilft dabei der Austausch mit anderen Betroffenen in Foren oder speziellen Gruppen, mit Ärzten oder der Aufenthalt in einer Klinik. Rückfälle gibt es leider immer wieder, aber hat man einmal die Kraft gefunden die Krankheit anzugehen, dann ist schon ein großer Schritt getan!