Rosen im Winter

Ich möchte ja sehr gern wieder öfter und mehr nähen und so blätterte ich in meinen gesammelten Schnittkonstruktionsanleitungen herum. Und verliebte mich in dieses Kleid aus einer Mrs. Stylebook.

 

 

Wobei ich schon gedanklich anfing, Abstriche zu machen: ein bißchen länger dürfte es für mich sein, der Kragen kann eh weg und ob die langen Ärmel wirklich so günstig bei dieser Kleiderform an mir sein würden? Beim Blick auf die Anleitung bzw. das Schnittendergebnis verstärkten sich sowohl meine Zweifel als auch meine Lust, diesen Schnitt zu zeichnen und zu testen; ein dunkelgrauer Scuba mit Rosenmuster sollte dafür herhalten – das Grau ist eigentlich viel zu grün für mich, so wäre ein Mißerfolg nicht zu dramatisch.

 

 

Wer sich die Faltenlegung und das Vorderteil anschaut, wird es gleich sehen: Niemals würden sich die Falten so legen lassen, wenn man den Stoff so zuschneidet. Also habe ich erst gezeichnet, viel Rand am Halsausschnitt gelassen und die Falten dann an der Puppe getestet und gelegt. Auch wegen der Rockweite war ich skeptisch: Sähe es nicht besser aus, wenn der Saum nach unten hin zuläuft?

Nunja, ich zeichnete, ich schnipselte, ich schnitt zu und ich nähte. Und herrje, was werde ich immer langsamer. Für ein Kleid mit vier kleinen Fältchen, keinen Abnähern und zwei Seitennähten aus einem Stoff, der nicht versäubert werden muss – da hätte ich noch vor drei Jahren anderthalb Stunden gebraucht. Heute … gerne würde ich mir einreden, dass ich sorgfältiger geworden sei. Stimmt aber nicht. Nur blinder und langsamer.

Nun, es ist fertig und ich bin ambivalent. Es ist vor allem der zu grünliche Ton, der mich stört. Die Faltenpartie hingegen gefällt mir sehr und ich überlege, wo ich sie übernehmen könnte. Vielleicht den Ausschnitt etwas mehr in die Breite ziehen und mit luftigen Stoffen zu einer Bluse wandeln? Wie auch immer, hier das Kleid:

 

 

Der Stoff ist übrigens unglaublich weich und glatt, aber leider lädt er sich auch stark auf, weshalb kein Kleid mit mehr Länge oder mehr Saumweite möglich war. Tragen tut es sich aber gut und wären es nur ein paar Grad mehr, wäre es sogar kuschelig.

 

 

Und bei der Anprobe gab ich mir recht: das Rockteil muss enger zulaufen – ich habe versucht, eine Art Ei zu formen – hier kann man es erahnen – aber da der Scuba sich wirklich  nicht sehr vom Bügeln beeindrucken lässt, fällt die Seitennaht eher blasig. Und die Saumweite könnte noch kleiner sein.

 

 

Auch die langen Ärmel lassen die Silhouette schon sehr geschlossen und massiv wirken – hochgeschoppt sieht es für mich deutlich besser aus.

 

 

Am Ende war es ein nettes Experiment mit neuen Erkenntnissen und der Möglichkeit, etwas aus dem Schnitt zu machen – vielleicht auch als Sommerkleid ohne Ärmel. Die Zeit wird es zeigen. Und ich zeige mich heute noch einmal beim Creadienstag.

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16 thoughts on “Rosen im Winter”

    • Meine erste Reaktion jetzt. ECHT??? Andererseits ist es dieses eine mal so, dass das Foto mir schöner erscheint als die Realität 😀
      Danke auf alle Fälle, vielleicht sollte ich mir doch nochmal Gedanken machen …

  • Ja! Ich finde kürzere Kleider bei Dir eh viel, viel schöner. Du wirkst jünger und flotter damit (nicht, dass Du vorher alt und bieder ausgesehen hast – nicht falsch verstehen). Ich bin total begeistert von diesem Look.

    • Naja, das Kurze funktioniert bei mir dann nicht, wenn ich lieber Taille zeige 😀 Und meist stören mich die kurzen Röcke beim Hinsetzen 😀

  • ja, ich finde auch,dass mit hochgeschobene Ärmel toll aussieht. wenn die ärmel runter sind- ist irgendwie zu japanisch, altbaken.
    das kleid , länge und silhouette an dir gefallen mir sehr gut. die graue farbe ist etwas ungewohnt.

    • Schön, dass du die beiden Worte zusammen nennst – japanisch und altbacken. In dem Stylebook-Magazin sind viele tolle Sachen drin, die modern, architektonisch, avantgardistisch oder schlicht entzückend sind – aber dann ist ganz vieles auch wirklich altbacken und irgendwie sogar prüde. Kleidung, die die Figur wirklich zeigt, gibt es eigentlich gar nicht. Beispielsweise 🙂
      Wenn die graue Farbe mal grau wäre, es hat so einen Antikgrünton dabei, der das kombinieren superschwierig macht.

      • die sind prüde:-) eine meiner schülerin ist eine japanerin. sie mag nur sowas tragen,was kastig und grade ist- das ist bei den guter ton und tradition. die Stylebooks finde ich eigentlich ganz und gar nicht altbacken,aber die “Lady Boutique”. da sehen alle meodelle immer wie früher “klingel” katalog.-)man weiß genau,welches alter sie ansprechen wollen. also, machs modern!ärmel hoch- sieht super aus!

        • Die hatte ich noch nie in der Hand – aber es sind auch die Ladymodelle im Stylebook, die so sind. ABER die Modelle an den grauhaarigen Damen sind dann wieder cool größtenteils.
          Japanerinnen habe ich nur eine kennengelernt, aber nicht so genau.

  • Erstaunlich, was man aus Scuba so alles machen kann! Ich finde das Experiment sehr geglückt, und ja, ich stimme der Vorkommentatorin sehr zu: die Länge steht Dir ausgezeichnet!
    Für mich schreit dieser Schnitt jedoch nach einem Sommerkleid!
    Ich stelle mir einen fließenden Figurschmeichler vor, Seide oder hochwertige Viscose, mit einem Muster, das den Schnitt ähnlich gut zur Geltung bringt…
    Und in einer anderen Farbe…aber das wirst Du selbst besser beurteilen können😉
    Liebe Grüße von Kari

    • Stimme dir mit jedem Wort zu und überlege gerade, ob es dazu Ärmel bräuchte. Auf alle Fälle einen breiteren Ausschnitt! Und nach unten doch was enger. naja, es hat ja noch ein oder zwei Wochen Zeit 😀

  • Ich finde es richtig super an dir; du siehst jung, modern und schick aus in dem kleinen Kleid und die Länge ist genau richtig.
    Im Zweifel gefallen mir an mir meist 3/4 Ärmel besser, als lange; aber hochgeschoppt ist ja auch schon eine einfache Lösung, : ).
    LG von Susanne

  • nächster Fan von dem Kleid meldet sich hiermit. Diese Silhouette steht Dir ausgezeichnet (und ja, ich finde 3/4 Ärmel – auch wenn furchtbar unpraktisch, weil kalt – bei dieser Linienführung vorteilhafter). Das Grau ist in der Tat etwas grün aber so arg stört mich das nicht.

    • Ich finde die kürzeren Ärmel auch praktischer bei fast allem, was ich tagsüber so mache. Außer beim Warmbleiben 🙂
      Wobei ich noch immer denke, dass dieses Kleid ausnahmsweie einmal schöner auf dem Bild als in der Realität ist … aber ich schweige jetzt.
      Was macht denn überhaupt deine Näherei? Bereust du die Blogaufgabe nicht ein wenig? Ich vermisse dich ja sehr. Mehr auf meinem Sofa als im Netz, aber dennoch

      • hah, wenn ich den 48 Stunden Tag hätte …
        (ja, ja, ich bereue, ein wenig)
        Näherei – hm, wie kann man das sagen? Die ist zum Hochgenuss geworden – sprich in kleinen Dosen aber mit größtem Vergnügen (=laaangsam). Die Nähpläne sind realistischer geworden (=weniger Kleider) und ich habe mir gelobt mich Stofftechnisch zu bessern (weniger, bessere Qualität).

        Was Deinen Sofa angeht – oh ja, sehr gerne. Wenn ich mich nicht an den Bürotisch so angekettet fühlte (Ausrede, ich weiß). Ich melde mich bald 🙂

        Und zurück zum Kleid – stell Dir vor, ich habe im Geiste meine Stoffe / Schnitte durchgekammt nach etwas geeignetem / ähnlichem.

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