Schnelle Antwort

Ich schätze Rubinengel als Mitbloggerin sehr, das schicke ich mal voraus, wenn ich ihren Kommentar mit einem Post beantworte 🙂

“Wie war das doch noch gleich … Männer können besser sehen als denken? Gut ich bin nicht so fein­fühlig wenn es um ver­patzte Wortwahl bei Männern geht, da kann ich dann mit pas­senden Ant­worten dienen. Ich war auch schon mal so unver­froren und habe einen Mann in den Schritt gelangt (nicht grade sehr sanft) nach dem er der Meinung war unge­fragt meine Körb­chen­größe zu fühlen. Wir Frauen jammern doch immer rum von wegen Femi­nismus, dann steht endlich eure Frau und wehrt euch und steht nicht heulend in der Ecke, wenn ein Mann man mal wieder nicht die rich­tigen Worte gefunden hat.
viele liebe Grüße Rubinengel”

ABER: es geht nicht um die Einzelne, die sich vielleicht sogar körperlich gut verteidigen kann oder die immer die richtigen Worte findet – es geht darum, dass es gar nicht ok ist, jemanden in eine solche Verteidigungsstellung hinein zu zwingen. Und nicht jede kann oder will sich verteidigen: klar kann ich dem Typen eine langen – ob ich das aber für schlau halte, wenn ich mit dem alleine in einer Ubahn bin und nicht weiß, ob er nicht einfach zurück schlägt? Ist das ideal, deinem Chef verbal eine zu feuern, wenn er das nicht abkann und du über kurz oder lang deine dringend benötigte Stelle los bist?

Und Feminismus gleichzusetzen damit, als Frau auch noch die Verantwortung für das eigene Opfersein zu tragen – weißt du, damit ist man ganz nahe dran an der These, dass Frauen selbst schuld an einer Vergewaltigung sind, weil sie einen kurzen Rock getragen haben oder nach Einbruch der Dunkelheit noch unterwegs sind.
Die feministische Bewegung hat uns beigebracht, dieses Thema überhaupt endlich benennen zu können und zu erwarten, ernst genommen zu werden. Es bedeutet eben nicht, prügel auf Idioten ein und stell dich auf ihre Stufe. Und für mich zumindest bedeutet Feminismus Solidarität mit anderen Frauen und zu sagen “Wehr dich doch!” ist das nicht.
Auch dass Männer besser sehen als denken könnten, ist zwar ein gern genutzter Satz, aber ich finde ihn nicht weniger sexistisch als die Vorstellung, Frauen können gar nicht denken. Der Gedanke, dass die Häfte unserer Welt aus lernunfähigen, aber gut vernetzten Halbprimaten bestehen soll, die nicht in der Lage sind, ihren Hosenreißverschluß beim Anblick einer schwingenden Hüfte, eines Brustansatzes oder eines Oberschenkel unter Kontrolle zu halten, mißfällt mir sehr – letztendlich würdige ich mich als Frau doch selbst herab, wenn ich freiwillig mit solch einer Kreatur mein Leben teile. Und gönnerhaft über sexistisches Verhalten hinwegsehen wie der Hundebesitzer, der dem unter seiner Dogge liegenden verschreckten Passanten ein gutmütiges “Hach, der will nur spielen!” zuruft, nur weil die Jungs einfach nicht besser können, das will ich auch nicht. Unsere Welt wird immer noch von Männern regiert, die sich viel auf ihre schnelle Auffassungsgabe, ihr technisches Verständnis, ihr globales Denken einbilden (was davon wirklich vorhanden ist und wohin uns das gebracht hat, ist ein ganz ander Ding) – und da sollen sie sich auf unsere Unfähigkeit, ihn K.O. zu schlagen und ihre unzügelbare Lust herausreden können? Denn genau das beinhaltet deine Aussage auch.
Ich kann nachvollziehen, dass man im ersten Moment so denkt, wenn man das Geschehen nur auf sich, sein eigenes Erleben oder Nicht-Erleben bezieht. Aber geh mal den kleinen Schritt weiter und denk an die Frau, die es nie gelernt hat, sich zu wehren.

Mit lieben Grüßen 🙂

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