Stilistisch gesehen

Als ich heute Morgen aufwachte, stand sofort die Frage fordernd vor mir: „Und? Wie führst du das Thema Stil nun fort?“ und grinste hämisch. Mir fielen die Stichworte Blaugrün, apart und Authenzität ein, außerdem Unsicherheit und Verkleidung. Tja,hmmm, wie nun …?

Letztendlich möchte, muß ich etwas klären – noch einmal, sicher ist sicher: es geht mir ü-ber-haupt rein gar nicht um Stilregeln oder gar Stilbefehle. Und ich will niemanden vorschreiben, wie sie auszusehen hat. Aber dennoch packt es mich manchmal beim Wandern durch unsere Bloglandschaft, beim Spaziergang durch die Stadt. Ich sehe eine Frau und denke: „Oweh, geht gar nicht!“ Oder: „Hach, was man aus der alles machen könnte …“ (Es ist sinnlos, mich zu fragen, wo, wann und bei wem ich das dachte 😉 ) Es ist einfach der professionelle Ehrgeiz, der mich dann gepackt hat. Ich habe so unendlich viele Frauen kennengelernt und manche von ihnen kamen direkt mit dem Wunsch nach Hilfe auf mich zu. Sie konnten ein blaues Rot nicht von einem braunen unterscheiden, wußten nicht, ob rosa und ocker besonders schön zusammen waren oder eher nicht oder ob der Rock ihnen stand. Die eine belastete es, die andere weniger, aber sie wünschten sich Regeln, um entspannter mit der Bekleidungsfrage umgehen zu können.
Andere erzählten, wie unwichtig, langweilig, nutzlos, häßlich und traurig sie sich fühlten. Da könnte man sich Hilfe für die Seele holen; aber ich habe nun einmal eine Schönheitsfarm geführt und war gefragt worden. Und durfte lernen, dass eine Frau, die gerne in den Spiegel schaut, einen Raum selbstbewußter betritt, dadurch anders wahrgenommen und behandelt wird und letztendlich zufriedener werden kann (nicht muß!). Das waren ganz klar die Fälle, an denen ich Spaß hatte, in die ich Stunden meiner Freizeit investierte und oft mit langjähriger Freundschaft belohnt wurde. Da gibt sich jemand in deine Hände und du findest die perfekte Nagel- und Brauenform, rufst deine Friseurin an und organisierst eine abendliche Boutiquenrunde, du findest die perfekten Farben, peelst, cremst, badest und massierst, bringst sie dazu, sich rundum wohl und glücklich zu fühlen und zeigst ihr das Endergebnis – ein Anfang war gemacht, dem natürlich eines fehlte: das ganz Eigene, was dir niemand, niemand geben kann. Beim Besuch im nächsten Jahr war es dann meist da. Und da schließe ich am letzten Beitrag endlich an:
Guter Stil lässt sich lernen, den Eigenen muss man finden.

Ich hatte euch Links zu ganz unterschiedlichen Bloggerinnen gegeben und wenn ihr sagen müsstet, was sie verbindet, wäret ihr dann mit mir einig, dass das Authenzität ist? Nicht die authentische Kleidung der Vierziger oder die echte Marke – sie tragen ihre Persönlichkeit, ihre Essenz verwandelt in Hosen, Röcke, Kleider. Von Kopf bis Fuß sind sie stimmig und ein Ausrutscher, der jeder immer mal wieder dazwischen kommt, wird nicht nur von ihr, sondern auch von uns gleich erkannt: nicht, weil ihr etwas nicht steht, weil irgendeine Regel übertreten wurde – sondern weil sie es nicht ist. Was so leicht klingt, ist schon schwer zu erklären: wie, das ist sie nicht? Müsste man den Finger darauf legen, was an einer falschen Hose, einem ungeliebten Kleid nicht stimmt – es ist manchmal nicht zu sagen. Es fühlt sich nur einfach falsch an.
Eigener Stil braucht Zeit und vor allem eines: Persönlichkeit bzw. das Wissen um die eigene Persönlichkeit. Mit Anfang 20 sind die meisten von uns noch nicht so weit, einen eigenen Stil zu haben. Oft ist man im besten Falle gut angezogen, manchmal einfach nur schräg (was mit „Eigenem Stil“ verwechselt werden kann), weil man noch gar nicht weiß, wohin es mit einem so gehen soll. Weil man testet, probiert und spielt. Auch wenn das Leben sich ändert – Kinder kommen, die Wechseljahre, eine Krankheit – kann das so sein. Man verliert sich selbst schon einmal aus den Augen, hadert mit dem Altern oder aber findet sich sein ganzes Leben nicht so recht, bleibt in einer Testphase stecken, verrennt sich immer weiter und hofft nun auf ständige Bestätigung von außen: kann ich das Hängerkleidchen mit den süßen Prilblümchen noch tragen? Bin ich noch zu jung für den Smoking? Gehen Karnevalskleider an Weihnachten als originell und eigen durch? Schwierig, schwierig – oder?

Der Eigene Stil ist nicht festgemeißelt, er entwickelt sich aus den unterschiedlichsten Faktoren heraus, er geht mit eurem Leben mit. Phasen, in denen man vor dem Kleiderschrank und feststellt: „Wie zum Teufel kommt dieser Mist da hinein? Das bin ich doch gar nicht!“ gehören dazu. Wie damit umgehen? Ein erster Weg wird wohl Meikes Kopfkleiderschrank sein. Ganz enthusiastisch wird dann geträumt, was man als Kind schon mochte, was man immer haben wollte und oft habe ich erlebt, dass dabei die kleine Blonde sich als die große Rothaarige sieht, die Dicke als die Dünne, die Dünne als die Sportliche, die Sportliche als Märchenprinzessin, die Prinzessin als Vamp, der Vamp als Kanzlerin, die Kanzlerin als … ähm, ja hier versagt auch meine Phantasie 😉
Was ich sagen will: in diesen Vorstellungen geht es oft um sich als eine völlig andere Person und nicht um das, was ich gerne AN mir als die Blonde, Dicke, Dünne, Sportliche, die ich nun einmal BIN, sehen würde. Meist wird dann in diesem Enthusiasmus ein Versuch gestartet, eben jenes Traumteil zu nähen, zu kaufen und zu tragen. Es fällt nicht schwer, sich die heftige Bruchlandung auf dem Beton der Wirklichkeit vorzustellen, wenn das Ergebnis betrachtet wird – und dann kommen die Wenn’s und Aber’s: „Hach ja, ich bin ja auch ständig auf dem Spielplatz, da muss ich doch Jeans tragen, es geht halt alles nicht, es ist zu traurig.“ „Ich gehe ja gar nie auf den Opernball, da braucht es auch kein Kleid.“ „Ich bin eben viel zu dünn, zu alt, dick, jung, rothaarig, unpraktisch, verantwortungsbewußt, langweilig, beschäftigt, blablabla… um so etwas zu tragen.“

Der Traum ist geplatzt, das Experiment gescheitert und als Fazit bleibt: Siehste, mir steht halt gar nichts, bleibe ich eben unsichtbar. Trage ich halt, was alle tragen. Dann bleibe ich unter meinen Möglichkeiten. Sind wir jetzt nicht alle ganz traurig, wenn wir uns das vorstellen? Denken wir nicht, wenn wir durch eine Innenstadt gehen, wie trist es doch aussieht? Fällt uns nicht jede noch so schlicht, aber gut gekleidetete Frau auf? Leuchtet nicht manchmal sogar eine heraus? Wem das so geht, der gehe bitte sofort wieder zurück in der Kopfkleiderschrank – und mistet aus! Denn neben diesen Kleiderschrank stellt ihr bitte einen großen Spiegel in einem hellen UND freundlichen Licht, lächelt hinein und seht die Person, die ihr SEID und nicht die, die ihr mit 8 Jahren einmal sein wolltet. Ich wollte entweder eine schwarzhaarige Zigeunerin mit dunkler Haut, eine ägyptische Pharaoin mit schwarzen Haaren und dunkler Haut oder eine Indianerin mit (huch, ich war wirklich originell!) schwarzen Haaren und dunkler Haut sein. Meine Barbies waren vor allem schwarz- und rothaarig, ich war mit meiner besten Freundin ein (schwarzhaariger??) Engel für Charlie, ich war megasportlich, wahnsinnig schön, tierisch gefährlich und unendlich clever. Hachja, manches davon bin ich ja heute noch … 😀
In der Zeit von 16 bis 21 hätte Gefahr bestehen können, in einen falschen Weg zu laufen und mich dort für immer zu verirren: ich habe mir die Haare, wenn auch nie Schwarz (so doof war ich nie, puh!), so doch dunkelbraun gefärbt und lag auch oft im Freibad (wo meine Haare dann irgendwie blonder wurden – es wollte einfach nie dunkelhäutig UND schwarzhaarig werden). Wir kennen den Typ Frau, der sonnenbankgegerbt mit stumpfgefärbtem Schwarzhaar schwer verwittert Discoklamotten um 9:00 morgens trägt – ehrlich: könnt ihr euch mich so vorstellen? Und wenn ihr mittlerweile eine erwachsene Frau von 35 Jahren seid, zwei Kinder habt, einen eigenen Betrieb, ein zu pflegendes Elternteil oder sonstwie Verantwortung für mehr als nur euch selbst tragt – wird es dann nicht Zeit, sich vom Wunschbild der süßen, schlauen und toughen Achtjährigen in euch zu verabschieden? Also: stellt euch vor den Spiegel und schaut hinein. Listet gedanklich einmal auf, wer ihr seid und wo ihr steht. Listet auf, was diese Frau braucht: im täglichen Leben, im Haus, in der Stadt, zum Wohlfühlen. Listet auf, wohin eure Blicke wandern, wovon ihr inspiriert seid. Unterzieht diese Inspiration einem Wirklichkeitstest. Und zwar einem doppelten:

Ich möchte nicht mehr hören, dass Mutti nur Jeans und Turnschuhe tragen kann, weil die Alternative „Kostüm und Stöckelschuhe“ auf dem Spielplatz unpraktisch und lächerlich wäre. Und das – genau so! – habe ich in den letzten Jahren tausende von Malen gelesen, in Blogs, Kommentaren und Foren. Darf ich mal auflisten, was in diesem Satz alles falsch ist? Tue ich einfach:

Nicht jede Mutter, nicht jedes Kind will, muss, mag auf den Spielplatz, ja, es gibt nicht einmal überall einen, der nicht verrostet, verschissen (Hunde) oder abmontiert ist.
Jeans und Turnschuhe sind nicht die einzige Bekleidung auf der Welt, mit der man auf einen Spielplatz gehen kann und Kostüm und Stöckel nicht die einzige Alternative.
Sich lächerlich zu machen scheint eine ganz große Angst zu sein – wenn ihr euch von den Erwartungen anderer (fremder?) Menschen um euch herum nicht wenigstens in Bekleidungsfragen frei machen könnt, werdet ihr euren ganz eigenen Stil niemals finden. Fetter Punkt, tut mir leid.
Außerdem spricht da wieder das Vorurteil heraus, dass manche Frauen anderen Frauen gegenüber haben: kommt die mit ihren hohen Absätzen hierher, dann muss das eine doofe Kuh sein – klar. Weibliche Solidarität sieht anders aus, oder?

Habe ich etwas vergessen? Also: sagt nicht gleich, das oder jenes passt nicht in meinen Alltag, sondern denkt den Traum zu Ende. Macht euch frei davon, was andere denken mögen – in den allermeisten Fällen wird es nicht wahrgenommen oder positiv betrachtet. Und seid ehrlich, wenn ihr euren Charakter, eure Außenwirkung und euren Alltag betrachtet. Darf ich das für diejenigen, die noch suchen, als kleine Hausaufgabe mitgeben? (Bah, schon wieder Hausaufgaben!)
Und ich weiß schon, jetzt sind manche gar nicht glücklich, denn was schreibe ich hier nur wieder für ein seltsames Zeug? Was hat das denn mit Stil zu tun? Was mache ich denn nun mit meinen kurzen Stummelbeinchen, meinen Bingoflügeln, meinen Hängepo, dem Riesenbauch (alles Worte, mit denen sich Kundinnen vor mir beschrieben haben …)? Die sind erst einmal gar nicht so wichtig. Wir sind hier ja nicht bei einem Fünfzigerjahreseminar für die Braut, die lernen muss, ihrem Gatten ein Traumfigürchen vorzuspieln. Wenn es um den eigenen Stil geht, dann sind figürliche Besonderheiten zweitrangig. Optisch gut tragen kann man vieles Verschiedene, zur Persönlichkeit passt sehr viel weniger.

So jetz los, meckert und beschwert euch 😉

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Kommentare

  1. Der Gatte beim Schach … den Sohnemann mal kurz vor dem TV geparkt (schlechte Mutter ich) … und mich mit frischen Kaffee bewaffnett, freudig schmunzelnd, 3x mal lesend und in kopfnickender Montonie verfallend wieder einmal Deinen wohlformulierten Gedanken gefolgt.

    Ich bin ein stark visueller Mensch. Und wenn ich den mal in der Landeshauptstadt zum shoppen unterwegs bin setze ich mich zwischendurch gerne in ein Straßencafe (gerne in 2. oder 3. Reihe) und beobachte vorbeiflanierende Damen und Herren. Erst letztens viel mir wieder der gerne getragene Einheitsbrei auf … schick alle … mit ihren VL Speedys am Arm … Individualität oder gar eigener Stil mit Persönlichkeit … eher selten anzutreffen.

    Ich muß gestehen noch bis vor einem Jahr war ich auch nur in Jeans und flachen Tretern auf dem Spielplatz anzutreffen. Heute ist das anders (zeige nächste Woche ein Beispiel zu genau diesem Punkt ;-). Ich will einfach nicht mehr nur Mutter sein … nein, ich bin auch Frau … Vollweib sozusagen. :-)))

    Mir tut es auch immer weh wenn eine mollige Frau meint, dass sie nur weitumspielende Kleidung tragen darf und vor lauter Angst vor mitleidigen Blicken sich nicht getraut einfach auch mal etwas Neues auszuprobieren.

    Freu mich schon auf weitere Gedanken von Dir.

    Grüßle Steffi

  2. Ein wirklich schön geschriebener Beitrag.
    Ich beschäfftige mich auch seit einiger Zeit mit dem Thema Stil.
    Dabei kamen schon lustige Gespräche zustande. Darüber sollte ich auch mal etwas schreiben!
    Laut meiner Kollegen sehe ich nicht wie eine NW Lehrerin aus, sondern eher wie eine Kunstlehrerin. 😀

    Viele Frauen nehmen das Mutter darsein leider als ausrede sich gehen zu lassen.
    Ich selbst habe keine Kinder, beobachte es aber hier am Kindergarten oder in der Nachbarschaft.
    Wieso kann man sich morgens nichts ordenliches Anziehen, frage ich mich ganz oft? Fettige Haare und Schlabberhosen mag doch keiner gerne sehen.
    Meine Großmutter und auch Mutter sagten immer dass man immer eine halbe Stunde vor den Kindern aufstehen sollte und diese Zeit für sich nutzt. Duschen und entspannen!

  3. Ich finde mich wieder und kann nur zustimmend mit dem Kopf nicken!

    Wenn Du mich vor 6 Jahren kennengelernt hättest (hättest Du nicht, weil ich erstens nicht genäht und gestrickt habe und zweitens keinen Gedanken daran ‚verschwendet‘ hätte einen Blog zu betreiben), hättest Du wohl die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen – ich tu’s heute, wenn ich daran zurückdenke!
    Ich sag nur: klassische ‚Hunde’mami ;-): Cargojeans, Shirt, Steppweste, Outdoorschuhe und Outdoorjacke, dazu die Haare relativ kurz. Gruselgrusel!

    Lange bin ich aber dem Irrtum aufgesessen, dass ich keine Röcke und Kleider tragen könnte, weil ich mich wohl nicht ‚fraulich‘ genug fühlte, außerdem in einem Beruf tätig bin, der ja wohl nur mit Jeans und Hosen zu bewältigen sei.
    Ich bin froh darüber – vor noch nicht mal einem Jahr – die Entscheidung zu einem Experiment getroffen zu haben: 1 Woche ohne Jeans. Die Woche hält bislang an, ich trage Röcke und Kleider mit wachsender Begeisterung (auch zu dicken Winter- und Gummistiefeln!) und meine – damals – heißgeliebten Jeans hängen traurig im Kleiderschrank!
    Ich fühle mich richtig angezogen und definitiv nicht verkleidet. Ein bißchen mitleidig schaue ich mich in der Welt um mich herum um…

    Danke Michou, für Deine tollen Beiträge!

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag!
    Simone

  4. joanna

    Ich stimme Dir in allen Punkten zu, nur … es ist nur theoretisch einfach … Ich weiß ziemlich genau was mir gefällt und meist weiß ich auch was mir steht. Allerdings trage ich das oft nicht – bzw. nicht mal kaufe ich mir das. Es ist eine Kombination aus begrenzten Finanzmitteln und dem praktischen Denken. Zwei Beispiele, beide mit der zu schnell nahenden kalten Zeit zusammenhängend. Winterschuhe und Winterjacke bzw. -Mantel. Die perfekten Winterschuhe für mich sind rote (Tomatenrot) Stiefel mit 5 mm Blockabsatz. Nicht gerade einfach zu finden, nicht? Aber auch wenn – meist sind das Schuhe die für Autofahrerinen gemacht sind, nicht für Leute die auf vereisten Bahnsteigen in beißender Kälte auf verspätete Bahn warten müssen. Also doch vernunftigerweise Stiefel die nicht rot sind, dafür warm gefüttert und eher dickere, sportliche Sohle haben. Noch schlimmer ist es mit einer Jacke. Eigentlich möchte ich lieber Mäntel. Aber ein Teil welches eigentlich jede Woche in die Reinigung muss (weil die Bahnen ja unglaublich „sauber“ sind) ist utopisch und wird nicht lange leben, wahr? Daher doch Jacke – und jetzt finde frau etwas was nicht für Bergsteigen und Wandern gemacht wurde, was nicht wie eine Daunendecke ausschaut usw usw … Ende vom Lied – ich habe mir tatsächlich irgendetwas gekauft und denke darüber nach mir doch etwas optimaleres zu nähen (nur wann?!).
    Ich denke vielen Frauen geht es ähnlich und viele greifen zu noch bequemeren Kompromissen als ich (die besagte Outdoor-Jacke oder Weste, praktischer Kurzhaarschnitt – es gibt auch weibliche Kurzhaarschnitte, aber irgendwie sieht man sie selten) und Schuhe die zwar nacht nichts aussehen aber einen nicht im Stich lassen. Es ist natürlich sich-aufgeben, da aber die Deutschen (‚tschuldigung) das meist gar nicht beachten, läuft frau so unsichtbar unter allen anderen und gewöhnt sich daran …

  5. Michou

    @ Joanna:

    Du hast so recht und das ist ein Dilemma und hat mich auch immer wieder runtergezogen. ABER: das betrifft auch immer nur einen Teil des Alltages – da geht noch was 🙂

    Rote Stiefel habe ich hier übrigens gesehen, aber wie du sagst: für ganz kalt ist das nichts. Aber für die 50 Tage drumherum – könnte ich mir auch sehr gut an dir vorstellen!

    Du hast dem Thema aber auch böse vorgegriffen, so schnell bin ich doch auch nicht …

  6. Mir schwirrt noch etwas der Kopf von Deinem wirklich schön geschriebenen Beitrag… und ich gebe Dir wirklich absolut recht.
    Es ist nicht immer einfach sich hübsch anzuziehen,wäre es doch manchmal sooo leicht, sich mal eben den ollen Pulli und die Schlabberjeans drüber zu ziehen. Aber mittlerweile fühle ich mich darin so unwohl, dass ich das dann nicht mehr bin. Mal von Hosen ganz abgesehen, die ich kaum bis gar nicht mehr trage, fühle ich mich in dem Schlabberkram einfach nicht mehr wohl. Wie oft habe ich mich schon umgezogen, weil ich dachte „och, heute bleibst du eh zuhause, was sollst Du Dich da groß zurechtmachen“, und habe die Jogginghose übergeworfen um mir diese eine halbe Stunde später von den Beinen zu reißen. Ich trage auch zuhause meine Kleider, der DHL Zusteller freut sich immer (der, der mir den Stoffnachschub in regelmäßigen Abständen bringt) und meint, ich wäre da echt die Ausnahme, wenn ich wüßte wie er die Frauen oft zuhause antrifft, da würde er am liebsten manchmal schreiend weglaufen. Bei mir nicht, da bleibt er immer ein paar Minuten und wir quatschen ein bißchen. Er findet meine Kleider sehr schön und dass ich nähe, und das wiederum freut mich;-)

    Liebe Grüße
    Tina

  7. Liebe Michou,

    das schreibst Du sehr schön.
    Ich bleibe hier mal dran und schaue ob ich mich hier wiederfinde.
    „Meinen Stil“ habe ich so recht nicht gefunden und auch nicht so recht gesucht, vielleicht sollte ich das tun.

    Liebe Grüße
    Manu

  8. Liebe Michou,
    wieder so ein toller Beitrag! Im Moment wirkt er noch ein wenig nach und über vieles muss ich nochmal nachdenken, denn in gewissen Punkten erkenne ich mich wieder. Ich erkenne mich auch ein grosses Stück weit in dem Kommentar von Joanna wieder.Oft siegt im Alltag doch die Bequemlichkeit (Faulheit 😉 oder es schlägt ein wenig ins Gegenteil um, evtl. doch ein wenig zu „overdressed“ zu wirken. Auch ich habe mir im letzten Jahr viele Gedanken um meine Garderobe gemacht und ein klein wenig Besserung ist bereits eingetreten und deshalb bin ich weiterhin sehr gespanntund freue mich auf Deine Stiltipps.

    Liebe Grüsse von Sabine

  9. Liebe Michou,
    es ist schön, wie Du es schaffst, immer wieder zum Nachdenken anzuregen. Ich merke, daß ich jetzt in den Wechseljahren wieder zu der Kleidung zurückkehre die ich mit 20 gerne getragen habe. Bleistiftrock, kleines Blüschen, Jäckchen drüber und Pullöverchen. Dazu flache Budapester oder Stiefel, Strickjacke oder Swingermantel wie damals in starken Farben, rot, gelb, grün, blau und inzwischen grau statt schwarz, einfach und ungemustert. Darin habe ich mich damals wohlgefühlt und tue es auch jetzt wieder. Alles dazwischen waren Experimente.
    Nochmals ein ganz herzliches Dankeschön für Deine Anregungen und auch die Zeit, die Du in Deinen Blog investierst.
    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag von Martina aus Borkwalde bei Potsdam

  10. joanna

    Sorry war nicht meine Absicht Dein Tempo künstlich zu beschleunigen … ich rege mich nur so schnell über mich undr die in den Geschäften angebotene Ware auf – die kurzen Serien und die praktische Unmöglichkeit etwas gerade unmodisches zu bekommen (auch wenn es klassisch ist) machen mich wahnsinnig …

  11. Michou

    Du hast so recht, aber das hat Methode: wenn du etwas siehst, was du willst, was du suchst, was du brauchst, kaufe es sofort und kaufe nächste Woche wieder und wieder und wieder – ätzend.
    Und entschuldige dich bloß nicht, dass du vorgreifst, zeigt mir nur einmal mehr, warum ich dich so mag – du kannst halt meine Gedanken lesen 🙂

  12. Ursula

    Wenn ich meine Findungsreise so Revue passieren lasse … ich darf gar nicht dran denken, was für „merkwürdige“ Farben ich getragen habe. Ich bin ein kühler Farbtyp, tendenziell Sommer (kombiniere aus praktischen Erwägungen aber mit schwarzen Basics), und hatte mit Anfang 20 doch tatsächlich ein gelblich-beiges Kleid, einen maisgelben Pullover und andere Verirrungen. Als in den 80-ern Colour-me-beautiful nach Deutschland kam, wurde ich zu einer Präsentation eingeladen. Fortan war ich sensibilisiert und die „warmen“ Farben verschwanden nach und nach aus meinem Kleiderschrank. Seit vielen Jahren gibt es dort nur noch (na, fast nur) kühle Rot-, Blau- und Grüntöne, neben Grau und rotstichigem Braun. Mit dem Alter bevorzuge ich zunehmend gedecktere Varianten.

    Wie sehr man sich von Trends und vermeintlichen Must-Haves beeinflussen lässt, habe ich erlebt, als ich selbst Kollektion gemacht habe. Hier ein Experiment und dort eins, und nicht alles war „ich“. Als diese berufliche Phase vorbei war, hatte das einen durchaus fokussierenden Einfluss auf meinen persönlichen Stil. Aber natürlich hört man nie auf zu experimentieren. Bei jedem neuen Kleidungsstück fragt man sich: steht mir das? Und: steht mir heute noch, was ich gestern gut fand? Außerdem verändert man sich ja ständig.

    Ich bin jetzt in einem Alter, in dem sich, wie ich lese, viele Frauen kleidungstechnisch in Frage stellen. Das geht mir genauso. Die Bonuspunkte werden langsam vom Alter kassiert, die Minuspunkte dagegen verstärken sich. Wir dicken Frauen (und ich meine jetzt die Meine-Güte-ist-die-dick-en) haben dabei unsere besonderen Problemchen: der Busen, der sich zunehmend gen Bauchnabel bewegt, die Mittelrolle, die sich vorwitzig über die vorher ansatzweise vorhandene Taille wölbt, die generelle Wandlung von der wonnigen Fülle (wenn man das denn mag) zur Matrone jenseits von Gut und Böse. Dazu kommen persönliche Eigenarten. Manche Frauen bekommen ein Doppelkinn, ich habe X-Beine. Die Natur scheint an mir ein Exempel statuieren zu wollen, wie weit sich Füße auseinander treiben lassen. Was es immer schwieriger macht, lockere Oberteile mit schmalen Hosen oder Leggins zu „fassen“ …

    Das sind natürlich Detailfragen, wenn auch durchaus wichtige. Generell denke ich meinen Stil gefunden zu haben: schlichte Basics, bisweilen mit originellen Details, meistens ganz „normal“, plus auffälligen Modeschmuck und sonstige Accessoires. Aber es gibt Tage, an denen ich mich nicht sehen kann, und dann denke ich, eine gewandte Stylistin mit „Blick von außen“ könnte Wunder wirken …

    Eine interessante Lektüre zur Selbstanalyse gibt es übrigens bei http://www.xn--wir-sind-schn-tmb.com/know-how/figurtypen.html als kostenloses E-Book. Ich bin kürzlich darüber gestolpert und finde es sehr anschaulich. (Ich bin übrigens der O-Typ in älter und ohne Engelsgold.)

    Viele Grüße
    Ursula

  13. Tailor Maid

    Prima geschrieben. Und ich kann das „Ich würde ja gern, aber…“, oder „Wenn ich doch könnte…“… nicht mehr hören. Wenn man was will – kleidungstechnisch – dann kann man das auch machen, man muss es nur wollen. Und wenn man dafür nähen lernen muss, dann lernt man es halt. Diese ständigen Ausreden nerven. WENN ich Mut hätte, WENN ich dünn wäre, WENN ich nicht die Kinder, WENN WENN WENN… einfach machen!

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