“Stilphilosophie”

Vor noch nicht gar so langer Zeit lief mir Nicole mit ihrem Blog Art & Stil über den Weg und seit heute macht sie sich Gedanken zu Kleidung und was sie genau mit uns zu tun hat. Ausgangspunkt war ein Buch, über das ich persönlich nicht viel weiß – schon weil ich mittlerweile Wochen brauche, um etwas komplett durch zu lesen – aber dessen Inhalt sie zu eben jener Reihe angeregt hat.

Vier Fragen sind es, die sie sich und uns heute stellt und wer Spaß daran hat, trägt sich in die Linkliste ein.

Welche Unterhaltung über Mode oder Stil hat Dich verändert?

Keine und jede vermutlich. Kleidung war schon als Kind für mich eine Sache von Stimmung, Wetter und Anlass, daran hat sich durch keine Unterhaltung jemals etwas geändert. Was sich geändert hat, ist der Blick auf mich selbst. Jedes Gespräch mit Ute, die ich hier schon oft erwähnt habe, hat das bewirkt.

Mit wem redest Du über Kleider?

Über meine eigenen eigentlich nur mit einer Freundin, die sich selbst nicht so arg viel daraus macht. Ansonsten rede ich mit jeder Freundin über Kleidung, die darüber reden mag. Wobei es dabei entweder um das Selberherstellen geht, um die historische Entwicklung oder um die Frage, ob es ihr steht.

Glaubst du, du hast Geschmack oder Stil? Was ist dir wichtiger? Was verstehst Du darunter?

Für mich greift beides ineinander, daher kann ich die Frage so nicht beantworten. Ob ich Geschmack und Stil besitze? Das liegt wohl im Auge des Betrachters. Ich habe ein Auge für Farbe und gelte allgemein als gut angezogen – da gibt es gute und schlechte Tage.

Stil ist für mich etwas, was mit dem Charakter und der Persönlichkeit zu tun hat und mit der Bereitschaft, davon etwas nach außen zu tragen. Oder eben auch nicht. Stil kann aus Brüchen entstehen, durch Eigenarten oder durch Anpassung. Geschmack ist für mich natürliches, ästhetisches Empfinden, das nach Harmonie strebt.

Wenn Du Dich nur mit Klamotten beschäftigen würdest, und man dich als Expertin nach deiner Stil-Philosophie fragen würde, was würdest du sagen?

Ganz schwierige Frage das, denn ich kann mir gar nicht vorstellen, mich mit nur einer Sache zu beschäftigen. Aber da ich ja auch stilberatend tätig war und man mich gefragt hat, muss ich mir das nicht vorstellen. Für mich war immer wichtig, eine gute Mischung aus den Wünschen meiner Kundin oder Freundin, dem, was ihr besonders gut stand und ihrer Persönlichkeit hinzubekommen. Während wir also vor dem Spiegel Farben testeten, ihren Kleiderschrank sortierten und von Geschäft zu Geschäft zogen, sprachen wir über vieles und am Ende kam immer ein Ergebnis heraus, das uns beide glücklich machte und ihr Komplimente einbrachte.

In den Spiegel zu schauen und sich so zu sehen, wie man sich selbst sehen möchte – das ist das Schönste, was man erreichen kann. Einfach mal bass vor Erstaunen über die fremde Frau zu sein, die man im Innersten schon ewig kennt, ist unbezahlbar.

 

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7 thoughts on ““Stilphilosophie””

  • “Einfach mal bass vor Erstaunen über die fremde Frau zu sein, die man im Innersten schon ewig kennt, ist unbezahlbar.” was für ein schönes und passendes Fazit. Ich liebe es das bei anderen zu beobachten. Und es ist auch genau der Moment, indem man selbst zu strahlen anfängt, wenn das Innere ganz deutlich und in der schönsten Art im Äußeren sichtbar wird. Hach, deshalb ist Kleidung was tolles, nicht wahr.
    Liebe Grüße, ich freue mich sehr, dass Du mitmachst!

  • Das ist mir vor 2 Wochen passiert.
    Ich bin heute noch entsetzt und fasziniert davon.
    Es war ein körpernah geschnittenes schwarzes Strickkleid. Oberteil Silber gesprenkelt auslaufend in schwarz. Der Spiegel war 5×3 m , ich war noch in in so einem Laden in der Umkleidekabine. …
    So kannte ich mich im Alltag nicht. Aber in meinen Träumen.
    Liebe Grüße Stella

  • Ich finde es spannend, wie unterschiedlich die Gedanken ausfallen, die wir uns zu diesen vier Fragen machen. Besonders deine Definition von Geschmack und Stil fand ich aufschlussreich, gerade weil sie so anders ist als meine eigene.
    Aber eines möchte ich ganz dick unterstreichen: “In den Spiegel zu schauen und sich so zu sehen, wie man sich selbst sehen möchte – das ist das Schönste, was man erreichen kann.” Ganz bei sich zu sein und das Gefühl zu haben, genau den Kern dessen zu treffen, wie man sich sieht/sehen möchte, ist toll und kann einem unheimlich viel Selbstbewusstsein schenken.

    Liebe Grüße,
    Sabrina

    • Und dabei fällt mir auf, dass ich es noch gar nicht geschafft habe, die letzten Einträge dazu zu lesen – das muss unbedingt nachgeholt werden und bei dir werde ich gleich starten.
      Aber man merkt auch, wie schwierig Gespräche darüber sein können, wenn jede etwas anderes darunter versteht 🙂

      • Ich merke gerade, dass ich hier nicht mehr darauf geantwortet habe, obwohl ich ja zum einen gerne plaudere 😀 und zum anderen den letzten Satz wieder ganz wichtig finde. Natürlich erschweren unterschiedliche Definitionen Gespräche, aber ich glaube, das liegt nicht zuletzt daran, dass man so selten über Definitionen spricht – und dadurch gnadenlos aneinander vorbei redet. Dann wundert man sich total, wie der andere auf solche (für einen selbst vielleicht verquer wirkende) Ideen kommt, aber fragt kaum einmal “Was verstehst du denn darunter?”, weil man gar nicht erst darauf kommt, dass andere Leute so eine ganz andere Herangehensweise haben könnten. (Erkenntnis, die ich hatte, als ich in einem kürzlich gehörten Podcast erfahren habe, was Alice Schwarzer im Gegensatz “zum Rest der Welt” als Pornographie definiert.)

        • Aber da liegt wiederum die Crux: um Definitionen auszutauschen, müsste man ja aufeinander zu gehen und gemeinsame Definitionen finden, die das Gespräch erleichtern. Bei unseren Themen hier unter klugen und unterschiedlich fühlenden Frauen funktioniert das ja noch, aber im größeren … na, wir sehen ja, wie die Welt sich entwickelt 🙁
          Umso schöner und wichtiger ist das Plaudern mit netten Menschen, die im Handumdrehen zu Menschen werden, die man immer wieder gerne sieht und hört und liest 🙂

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