Urlaub, Ferien, Erholung, Ruhe – krank!

So ist es ja immer, nicht wahr? Kaum kommt man zur Ruhe, freut sich auf die erholsamen Tage, die vor einem zu liegen scheinen, endet man kränkelnd in fremder Umgebung. Vorher wusch und packte man, um für jede Aktivität gewappnet zu sein, brachte die lästige Autofahrt vorbei an Baustellen und gesperrten Rastplätzen hinter sich, bezahlte Unsummen für ein vergammeltes Brötchen und wollte am liebsten selbst im Minutentakt ausrufen, wann man denn endlich da sei.

Dann endlich ist man angekommen, schleppt alles in das temporäre Heim und verspeist glücklich und zufrieden den Tags zuvor zubereiteten Nudelsalat – der nie besser schmecken würde als nun. Er war auch wirklich gelungen. Müde sinkt man in die Kissen, schläft schlecht und erwacht voller Tatendrang, der ein wenig durch das Wetter gedämpft wird. Als jahrelange Norderneyerin (kann man werden, nur Insulaner niemals!) wußte ich, warm wird es nicht, sondern feucht und böig. Ist es aber querregnend, dann bleibt auch der Nordseefan samt Familie und Hunden lieber im Haus. Im Haus, das Sauna und Whirlpool hat, in die der Gatte seiner Rückenbeschwerden wegen gesteckt wird, bevor ihm Massagen erteilt werden. Nach kurzen Gassigängen geht es ins Schwimmbad, vollgestopft mit Menschen, die – jetzt seien wir mal ehrlich und gemein – man zu einem Großteil nicht gerne im eigenen Wohnzimmer sitzen hätte. Aus diversen Gründen. Immer wieder treffen sich Blicke zwischen zwei Frauen, die sich als seelenverwandt begreifen, ohne aber zu weiteren Gesprächen zu führen – ich persönlich friere auch bei 29 Grad, wenn ich dabei klatschnass umherstehe und bin dann wenig kommunikativ.

Und dann freut man sich auf den dritten Tag, um fest zu stellen: Nordseeluft macht immer noch müde und so vergammelt ein jeder diesen Tag mit Genuß. Ich über Stunden in der Sauna und im Sprudel, abwechselnd strickend und lesend, die Jungs ohne jedes Gewissen an ihren Handys und der Gatte im Bett, den Rücken und die vom neuen Job geplagten Nerven schonend. Abends gönnt man sich das zweimalig gebuchte Buffet, das aber auch nicht einen Cent seines hohen Preises wert ist und erlebt dabei, dass die Vorurteile, die man im Spaßbad erwarb, hier aufs Schönste bestätigt werden – wer dort Kinder von der Rutsche schubste, hat auch geringe Hemmungen, andere gegen Heizplatten zu bugsieren oder Gabeln zur Verteidigung verbrannter Buletten einzusetzen. Als Veggie konnte ich immerhin ein Gemüserösti, eine Portion Fritten und einen 08/15-Salat ergattern. Der Gatte versorgte mich ungefragt mit einem Glas Weißwein, um sich dann über mein Gesicht zu amüsieren – ich bin schon keine große Weinliebhaberin, aber dieser Tropfen bescherte mir ein ganz neues Geschmackserlebnis. Drumherum jedoch wurde mit Wonne jeder noch so überladene Teller geleert, bevor Nachschub ranrollte. Soviel Hunger konnte hier doch niemand haben, um über die ersten Bissen hinaus noch angetan zu sein vom Angebot? Nun, einmal müssen wir noch hin und das hat ja auch seine Vorteile: Wie schön es ist, nicht kochen, aufräumen und nachkaufen zu müssen, wissen wir alle. Dafür nimmt man auch einmal oder zweimal eine gewiße Minderwertigkeit in Kauf.

Nun, an Tag vier sollte es aber endlich losgehen mit der Bewegung, der vielen. Stattdessen wachte ich mit Halsschmerzen aus der Hölle auf. Aber dennoch wollte ich mit allen raus und den Hunden. Bis knapp vor den Deich schaffte ich es, dann war ich durchgefroren und mein Kreislauf weg, das linke Ohr dröhnte und trommelte vor Schmerz und ich schwankte wie eine Schnapsleiche morgens früh um vier mühsam ins Ferienheim. Zurück in Wanne und Sauna mit frisch erworbenen Halsschmerztabletten, wo ich mich von den Söhnen mit belegten Broten (gibt es etwas köstlicheres, als von liebevoller Hand geschmierte Brote, wenn man kränkelt?) und Kräutertee versorgen ließ und es ansonsten dem immer noch schmerzgeplagten Gatten übertrug, sich um seine Söhne zu kümmern.

Aber Tag fünf! Ich war mir sicher, meine Erkältung würde wieder einmal ein kurzes Gastspiel sein: Brutal schmerzhaft zwar, aber schnell. Stimmte. Hurra! Also raus. Bis kurz vor den Deich, dann auf einmal Krämpfe. Ja, klar – ich musste meine Tage bekommen. Im Urlaub. Und wieder lag die Mutter flach. Das hatte ich mir wirklich anders gedacht. Immerhin – so hatte ich schon drei Bücher gelesen und das Stricken begonnen. Und morgen wäre auch noch ein Tag … vor dem eine Nacht lag, die überhaupt nicht witzig war. Als sie endlich um war, schmiß ich mich unter die Dusche, machte mich so hübsch es noch ging – die Handarbeitsschere half, die schnitt mir noch mehr Haare ab – und stellte mich dem Jüngsten vor seine streifengebende Kamera, denn den Pulli, den ich trug, hatte ich noch nie verbloggt.

Was ich hiermit tue. Viel erkennen lässt sich nicht. Die Wolle ist von Lana Grossa, die letztjährige (?) Brigitte-Edition, die sich zwar schön verstrickt, aber pillt wie verrückt. Es ist ein türkis-petrol, vielleicht einen Ticken zu grünlich für mich, was aber momentan sehr schön mit meiner grünlichen Nase korrespondiert. Sieht man aber auf den Bildern nicht.

 

 

Der Pulli selbst ist so simpel, wie es nur geht: Er geht gerade hoch, hat eine modifizierte Schulter (also eine einfache Achselabnahme, die sich im Ärmel wiederholt, einen Rundhalsausschnitt und nach unten schmäler werdende Ärmel – also knapp mehr als ein Anfängerprojekt. Genau das, was ich manchmal will.

 

 

Und weil Micky doch immer mit ins Bild will, überlasse ich ihm gerne die Hauptrolle. Besonders gut geht es ihm hier nicht: Der Sand, der Wind, das Salz reizen seine Augen, so dass er wenig sieht.  Er benimmt sich unglaublich aggressiv anderen Hunden gegenüber und hat sich dazu noch etwas in die Pfote getreten, die immer wieder neu blutete. Kaum sind wir im Haus, sucht er Nähe und Versicherung. Ich denke, wir sind dieses Mal alle sehr froh, wenn wir wieder zu Hause sein werden – es läuft so gar nicht wie gewünscht. Selbst das herrliche Café-Bistro auf dem Deich, in dem wir letztes Jahr so oft und gerne saßen, ist nicht mehr da … der nächste Nordseeaufenthalt muss endlich wieder die Insel sein!

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Ein Kommentar

  1. Da kann ich dir nur noch Gute Besserung wünschen. Im Urlaub krank zu werden, ist so ziemlich das letzte, das man braucht.

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