Virale Effekte

Schon vor vielen Jahren, noch zu Zeiten meines ersten Blogs – das war 2006, ein reiner Strickblog und nicht sehr langlebig, weil zwei kleine Babies doch zeitraubend waren – kam ich auf die Idee, einmal eine Strickmaschine zumindest ausprobieren zu wollen. Und in dieser Zeit ergab es sich auch, dass eine damalige Mitbloggerin/Leserin von der anderen Rheinseite mir ihre Strickmaschine als Geschenk anbot. Ich scheute zurück: wir kannten uns kaum, wohin damit, habe ich die Zeit dafür, was will ich denn wirklich damit? Ich stillte den Kleinen und hatte schon mehr als genug Mühe, den nur wenig Größeren währenddessen davon abzuhalten, Treppen herunter zu stürzen oder sich mit Stromkabeln oder Brotmessern zu vergnügen. Ich lehnte dankend, wenn auch bedauernd ab.

Das Bedauern war im Laufe der Jahre immer mal mehr oder weniger groß. Dazu meinte der Gatte dann noch, dass seine Mutter ja nicht nur mit Nähmaschinen, Sergern, Stickcomputern und Bügelanlagen hantiert habe, sondern auch eine Strickmaschine mit allem Pipapo besäße, die sie nun ja auch nicht mehr bedienen möge und könne. Sicherlich könne man die irgendwann mal hierher schaffen. Was – sie lebt ja nun in Brisbane, Australia …! – kein kleines Unterfangen wäre. Also begrub ich diese kleine Sehnsucht im Laufe der letzten zehn Jahre mehrere Mal still und schnell.

Dummerweise begab es sich, dass die beste Ingrid ihren Maschinenpark mit einer Knittax M2 aufrüstete und das auch noch erzählte. Mein Virus begann, sich zu regen; er ahnte, dieses Mal könne er mich in seine Gewalt bekommen. Es dauerte nicht länger als ein Augenzwinkern, als die beste Eva ebenfalls eine Knittax – dieses Mal eine Automatic – bei sich einziehen ließ. Und ebenfalls davon erzählte. Beide tauschten sich in unserem Grüppchen aus und ich konzentrierte mich gar sehr auf die Schwierigkeiten, die man eben so hat, wenn man sich mit einer neuen Mechanik vertraut zu machen hat. Und entschied eisern, dass ich mir das nicht antun müsse; das sei nichts für mich.

Zu guter Letzt schlug auch noch die beste Anne zu, wenn auch nicht mit einer Knittax, die ja ein Strickhilfsapparat ist, sondern mit einer “echten” Strickmaschine (zumindest so liest es sich für mich…) und ich begann, nur mal so, tüdelüü, auf ebay mich umzuschauen. Ich wollte eine Knittax, welche auch immer. Also nur mal schauen, meine ich. Eher zufällig und ganz ohne böse Absicht, gewann ich eine Auktion. Ups. Und ebenso zufällig erwarb ich eine zweite, weil ich Angst hatte, die Nummer eins könne ja defekt oder unvollständig sein. Und weil bei Nummer zwei Wolle dabei lag – die musste ja gerettet werden. Oder vielleicht, weil Ingrid eine M2 und Eva eine Automatik hat und ich beiden gerecht werden wollte?

Die M2 ist schon im Hause – seit Montag vormittag und seitdem habe ich mich also vertraut gemacht. Montags vor allem durch ständiges auf- und abwickeln. Dienstags durch das Testen mit verschiedenen Garnen. Bis es am Abend endlich auch mit dem Patenstrickgerät, das man an das obere Hauptbett einhängen kann, funktionierte: Bündchen ohne Löcher. Und weil ich einfach nicht der Mensch für Probeteile bin, habe ich gestern nachmittag einen schlichten Pulli aus kräftigmittelvioletter Baumwolle begonnen. Der darf gerne zu eng oder zu lang werden, Hauptsache, ich habe das Gefühl, etwas Wirkliches zu stricken und nicht nur zu spielen.

Als erstes Fazit kann ich sagen: was per Hand lang dauert, geht mit der alten Dame flott (sie stammt von Januar 1957, alles dokumentiert). Allerdings gilt das auch andersherum: was mit der Hand schnell geht, dauert mit ihr ewig: anschlagen und abketten sind zeitraubend. Was sich, wie Anne gestern sagte, auf die Langzeit gesehen, aber lohnt.

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Erste Anschlag- und Bündchenversuche am Vormittag – sah gut aus, bis ich eine Masche einfach mal habe fallen lassen …

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Und so langsam verstand ich das Prinzip und wußte, worauf ich achten musste, um ein Bündchen zu erhalten und keine Fischernetz: in den ersten ein bis drei Reihen neigt zumindest mein PGS dazu, die unteren Nadelzungen in der Garnschlaufe hängen zu lassen. Links, wie es nicht sein soll, rechts, wie es richtig ist. Da hilft nur, jede Reihe zu kontrollieren und die Nadeln per Hand zu bewegen. Wenn mans’s erstmal weiß …

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Bündchen läuft – hurra.

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Schlichte Kimonoärmelchen – für den Anfang ausreichend. Noch muss ich meine Augen an den schmerzlichen Anblick gewöhnen, wie massiv die Maschen in der Breite gestreckt werden. Möchte dauernd streicheln und sagen, es würde bald alles wieder gut.

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Rücken: fertig. Nach drei Stunden. Ein bißchen lang, aber ich war so im Rausch und sagte mir: Baumwolle zieht sich ja eh immer so gemein in die Breite. Und überhaupt: ribbeln ist immer eine Option. Aber jetzt begebe ich mich ans Vorderteil. Mal schauen, ob ich es heute auch noch raushabe 😀

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