Vorwort zum Hautthema

Ja, ich hatte es versprochen, ich kehre nur für euch kurz in meine dunkle, finstere Vergangenheit zurück – tiefer noch als beim letzten Mal, als es “nur” um die Farbberatung ging. Jetzt ist die Haut dran!
Hmm, klingt wie eine Drohung, ganz falsch, also noch einmal: Jetzt steht die Haut im Mittelpunkt. Besser?

Ich hatte euch gebeten, mir zu erzählen, was ihr über die Haut wißt. Warum eigentlich wollte ich das wissen? Weil ich schon eine lange Zeit über keinen Kontakt mehr zu Kundinnen habe und irgendwie annahm, in den letzten zehn Jahren könnte sich ja grundlegendes geändert haben. Grundlegendes in der Verbreitung des Wissens, in den Erfahrungen oder den Wünschen und Vorstellungen derjenigen, die Kosmetika verwenden, die sich um ihre Haut kümmern möchten. Und es ist gar nicht böse gemeint, wenn ich feststelle: Nö, ist alles beim Alten geblieben …

Naja, so sehr habe ich mich auch wieder nicht gewundert, denn wenn ich in Frauenzeitschriften oder Onlinegruppen quer lese, dann steht da oft noch das gleiche Tralala wie immer schon. Lediglich die beworbenen Inhaltsstoffe haben sich geändert. Manche sind sicherlich wirksamer geworden, aber eigentlich ist das sekundär: entscheidend bleibt nach wie vor die richtige Balance. Balance zwischen und von was? Das kommt später.

Ich habe mir also alle Kommentare neugierig, brav und genau durchgelesen. Was habe ich heraus gefunden?

  1. Die Haut als das größte Organ des Menschen – das ist bekannt. Was das aber wirklich für uns bedeutet: ist das auch klar?
  2. Sonne scheint ein großes Thema zu sein: da hat die massive Aufklärung der letzten Jahre vieles geleistet. Ist Sonnenschutz aber schon ausreichende Hautpflege?
  3. Dann gibt es diejenigen, die anatomisches Wissen mitbringen – von Basis (die Haut besteht aus mehreren Schichten) bis zum Medizinstudium (aber enthält das auch das Wissen um die Pflege?)
  4. Die meisten beziehen sich auf ihre eigene Haut und es klingt meist ein gewißer Frust durch: die will nicht so, wie ich das will.
  5. Andere haben sich mehr mit den Inhaltsstoffen und der Ausrichtung der Kosmetika beschäftigt: was darf drin sein, was nicht? Ist Bio besser?
  6. Die Haut als Schutzhülle und Spiegel der Seele: was kommt von außen, was von innen?
  7. Und auch die Zeitsparerinnen oder die Hautverwöhnten sind vertreten: morgens keine Zeit für aufwendige Rituale, mene Haut ist gut und braucht nichts, meine Haut mag nichts, ich glaube nicht daran – das sind die Varianten.
  8. Das Problem mit den Hautärzten …
  9. Immer noch unterwegs: die Mischhaut!
  10. Pickelchen, die nicht von einem weichen wollen.

Schön fand ich, dass sich viele die Zeit genommen haben, ausführlich zu antworten, auch wenn ich jetzt noch lange nicht auf jede Einzelne eingehen kann – aber ich weiß jetzt, wo wir stehen. Manche Fragen werden sich – hoffentlich! – im Laufe der Serie erledigen; andere sicher dazu kommen. Ihr müsst ein wenig Geduld haben, denn dass ich nicht für kurze Anweisungen zu haben bin, sondern gerne ewig lange herum erkläre, das wißt ihr wohl schon. Und ich habe zwar einen groben Plan im Kopf, aber nichts ist ausgearbeitet, nichts liegt bereit. Wäret ihr früher zu einer Erstbehandlung bei mir gewesen, so hätte die erste Behandlung zwei Stunden in Anspruch genommen – und wenigstens eine halbe Stunde davon wäre für die Diagnose der Haut, der Analyse ihrer Bedürfnisse, ihrer Reaktionen und ihrer Vita drauf gegangen: wie ist sie gepflegt worden, wie ist der momentane Zustand, wie reagiert sie unter Alkohol, Wärme, Kälte, Berührung und Sonne, gibt es Allergien oder Empfindlichkeiten, wie empfindet ihr sie selbst, was mögt ihr und was nicht. Ich war und bin der Meinung, dass ich noch so gut arbeiten kann – wenn die Besitzerin der Haut nicht weiß, was sie tun darf und was nicht und vor allem: ‘WARUM?’ – na, dann kann sie sich Zeit und Geld bei mir sparen.
Wichtig ist auch, klar zu machen, was realistisch ist und was nicht. Grundsätzlich ist es so, dass die richtige Pflege mehr kann als gedacht, sehr teure oft weniger als gewünscht und schlechte mehr zerstört als befürchtet – einfach nur einschmieren ist selten eine gute Idee. Schwierig wird es auch, wenn ihr schon mit zu vielen (Vor-)urteilen, Ängsten oder Ablehnungen an die Sache herangeht. Offen bleiben und für den Anfang einmal alles vergessen, von dem man dachte, das ist gut, das ist böse – das wünsche ich mir jetzt mal von euch. Das betrifft später vor allem Inhaltsstoffe, denn wenn wir ganz ehrlich sind, dann ist es wie mit jedem Aspekt unseres Lebens in Luxus, Wohlstand und Sicherheit: fast immer wird etwas auf Kosten von Natur oder Mensch , entgegen ethischer, esoterischer oder sozialer Vorstellungen hergestellt worden sein. Inhaltsstoff A könnte in 100.000facher Konzentration unfruchtbar machen, B wird in politisch unsicheren Gegenden gekauft, C wird nicht bei Mondschein gepflückt und D ist einfach nicht in hübscher Verpackung zu haben …
Schön ist das nicht, aber so ist es eben auch mit Baumwollstoffen oder Merinowolle, Kleidung von H&M oder dem Konto bei der falschen Bank: es kann einen fertig machen, doch an vielen Tagen möchte man es auch mal nicht wissen und hören. Deshalb also noch einmal die Bitte: erst mal offen bleiben und nicht von vornerein sagen, ich nehme nur dies oder das. Zunächst einmal schauen wir uns die Haut an.

Dazu sollte ich noch sagen: ich habe nicht vor, hier einen Dermatologiekurs zu geben; es geht mir darum, die Haut so einfach, genau und verständlich zu erklären, wie es für unseren Zweck nötig ist. Auch möchte ich euch bitten – ich sagte ja, ich sei streng – in den Kommentaren gerne Fragen zu stellen, aber noch nicht zu persönlichen Problemen: das macht das Lesen für andere unübersichtlich. Fragen sind mir sogar wichtig, damit ich erkenne, ob ich etwas vergessen, mich mißverständlich ausgedrückt oder zuviel vorausgesetzt habe. Über Gespräche zum jeweiligen Beitragsthema freue ich mich ja immer.

So, das war wie immer länger als geplant, aber das musste mir von der Seele. Ich bin schon fleißig gewesen und denke, dass ich morgen oder übermorgen den ersten Beitrag zum Thema veröffentlichen kann.