Mal wieder kein guter Start

Fünf Tage hatte ich nun Zeit, um Schnitte zu erstellen und zu nähen: keine Termine im Studio, dazu einen dienst­rei­senden Gatten — da hatte ich mir einiges versprochen …

Geschafft habe ich vier Rock­schnitte, den Basis­ärmel, zwei getestete/verworfene Hosen­schnitte und von gestern bis heute eine Hose, die mich um Jahre zurück­wirft. Oder nach vorne: die seit­liche Sil­houette ruft mir trotz all meiner Akzeptanz des Älter­werdens zu sehr "alte Frau". Sicher, da ließe sich noch einiges anpassen, was dann in den all­be­kannten Strudel von tie­fer­nähen, höher­nehmen, tie­fer­nähen, höher­nehmen und alles wieder retour. Was aber nichts daran ändern wird, dass es mir einfach nicht gelingt, eine weite Hose vom wei­testen Punkt des Pos gerade nach unten fallen zu lassen: während ich an der Hüfte Platz, Platz, Platz brauche, brauche ich am Ober­schenkel viel weniger Stoff als vor­ge­sehen. Ich hatte Burda 8488 als Aus­gangs­punkt gewählt, für meinen langen Unter­torso einige Zen­ti­meter (aber immer noch zu wenige) zuge­geben, hatte die Hüft­kurve höher, das Hin­terbein schmäler, die Bein­länge länger und überhaupt so ziemlich alles ver­ändert, von dem ich wußte, ich würde es brauchen. Dann noch, weil ja zur Taille hin Zen­ti­meter fehlten, einen Formbund aus meinem Rock­grund­schnitt gebaut. Ja, passen tut sie wohl, irgendwie und von vorne — im Spiegel, nicht auf den Bildern! — finde ich es auch ganz gut, das Werk.

Von der Seite kommen mir ten­den­ziell sui­zidale Gedanken; ins­be­sondere, da ich seit Wochen auf Zucker und Süßkram ver­zichte und sich das auch zeigt: in Zahlen und eigentlich auch im Spiegel. Außer in dieser Hose. Oder überhaupt in so ziemlich jeder Hose. Was ich maßlos frus­trierend finde. Gesundheit ist ja schön und gut und ich fühle mich auch deutlich besser. Aber deutlich bauch­loser fände ich schon auch irgendwie so ein wenig etwas schön. Denn ich würde gerne wieder mal elegant flie­ßende weite Hosen tragen.

Also wieder mal alles sooo gemein. Das wirkt sich fatal lähmend aus. Mag es nun sein, dass meine Ansprüche gestiegen sind, mag es sein, dass ich unglaublich unta­len­tiert bin: ich habe nach wie vor nichts anzu­ziehen und fühle Moti­vation schwinden vor diesem Berg an Arbeit. So ein kleiner Erfolg zu Beginn wäre doch netter gewesen …

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Unge­schminkt, etwas müde und fertig, nachdem ich seit heute früh um 8:00 an dieser Hose arbeitete und zwi­schen­durch einen Lin­sen­salat bereitete. Was mir von vorne auch gar nicht gefahlen will, sind die Falten von Hüfte zu Bauch. Es sind KEINE Zug­falten im üblichen Sinne — ich habe mit einiger Mehr­weite gear­beitet in der Hoffnung, die Hose möge dann nicht nur vom Po aus gerade nach unten fallen, sondern auch vom Bauch. Tut sie ohne Bund­falten und noch mehr Weite sicherlich nie: wie immer liegt es am Bauch sanft an und dann kommt viel Stoff über viel Lücke, der sich dann am Ober­schenkel wieder mit mir trifft. Und immer, immer, wenn ich viel Stoff über dem großen Nichts habe, dann bilden sich Wellen. Der Effekt ist der gleiche wie bei zu eng: Stern­chen­strahlen zeigen auf den Bauch, hurra. Alles spielen mit noch mehr Länge, noch mehr Weite endet nur in Schritt­beulen oder Stoff­mengen, die meine Hüften aufs Doppelte auf­pumpen. Ne, ich denke, ich bin für Hosen einfach nicht mehr gebaut.

Das sind übrigens die besten Bilder — die wirklich schlimmen sind ver­nichtet, so viel Leid ertrage ich dann auch nicht. :-D

So, draußen sieht es schon wieder dunkel und herbst­lichst aus — schnell noch einen Rock zuschneiden? Oder am besten einen Sack: nicht nur, dass ich nichts zum Anziehen habe, ne, mir steht auch gar nichts.

  

Spam

Mal schnell zwi­schen­durch: Näh-Freundin Julia hatte mich gerade ange­schrieben, dass sie wohl im Spam gelandet sei — was mich zu der ver­blüfften Frage brachte, wo das denn wohl geschehen sei? Erst dann habe ich in meinem Blog­spa­m­ordner geschaut und gesehen, dass ihrer und zwei andere Kom­mentare dort gelandet sind. Weshalb, ist mir ein Rätsel; seitdem Akismet bei mir nicht mehr lief, habe ich ein anderes Plugin, das wohl auch andere Kri­terien hat. Ich schaue nur selten in diesen Ordner und wenn, schien alles gut zu sein.

Kurz zum Ablauf: wer hier einen Kom­mentar mit einer für das Plugin neuen eMail­adresse hin­ter­lässt, muss von mir frei­ge­schaltet werden, um das Plugin zu trai­nieren. Danach wird jeder weitere Kom­mentar mit selber Adresse und selbem Namen auto­ma­tisch ver­öf­fent­licht. Ein kleiner Tipp­fehler oder — so kommt es mir vor — ein längerer Zeitraum zwischen erstem und nächstem Kom­men­tieren und schon werde ich auf­ge­fordert, den Kom­mentar frei­zu­geben. Spam aller­dings bekomme ich nicht gemeldet … und alles, was älter als zehn Tage ist, wird aus dem Spa­m­ordner end­gültig, auto­ma­tisch gelöscht. Weshalb manche Kom­mentare — voll­kommen unauf­fällig, ohne Links im Inhalt oder ver­däch­tigen Adressen — als Spam markiert werden: ich weiß es nicht.

Wenn ihr also einen Kom­mentar hin­ter­lassen habt, der dann innerhalb eines Tages nicht auf­taucht, dann gebt mir doch bitte per Mail Bescheid — bis auf sehr per­sön­liche Anfragen schalte ich grund­sätzlich alles frei. Danke :-)

  

Was ich nicht hab', kann ich nicht anzieh'n

Eine profunde Erkenntnis, fürwahr. Leider eine, die mich unter Druck setzt; seit Monaten schon. Ich denke, ich erwähnte es das eine oder andere Mal bei­läufig — so bei­läufig, wie es eben ist, wenn vor dir jemand heulend und krei­schend auf dem Bauch liegend mit Händen und Füßen aufs Parkett trommelt.
Eine wochen­lange Grund­schnitt­zeich­nerei und Pro­be­teil­nä­herei habe ich so halbwegs über­standen und Ideen habe ich — eigentlich — auch; die Zeit ist auch nicht das größte Problem (obwohl ich mich immer mehr darüber wundere, wie selbige mir so quicksand­gleich durch die Finger rieselt). Es ist eher so, dass ich vor einer her­ku­li­schen Aufgabe stehe: eine kom­plette Gar­derobe samt dazu gehö­rigen Schnitte zu erstellen, bevor ich erfriere und sozial ver­einsame. Das kann einen erschauern lassen, nicht wahr?

Nun hatte ich mich schon an ins­gesamt vier Hosen gemacht, die mehr oder weniger fertig sind — tragbar, aber die Beine ein zu selt­samer Zwitter zwischen eng und gerade. Also enger nähen, was mir aber gerade gar keinen Spaß macht. Denn noch habe ich ja nichts, was ich dazu tragen könnte. Kann also noch beiseite liegen bleiben, der Großteil der Arbeit ist getan und der Rest kann, könnte schnell erledigt werden. Für Ober­teile aber fehlen noch passende Ärmel und danach passende Grund­schnitte, die nicht ganz eng am Körper liegen. Was steht also zuvor an? Ärmel kon­stru­ieren, Ärmel testen, Ärmel­schnitte ver­ändern, Ärmel testen und auf Pappe festhalten.

So habe ich die Woche bis jetzt mit dem Kon­stru­ieren vierer Rock­schnitte und dem Waschen der dazu­ge­hö­rigen Stoffe, dem Zeichnen des ersten Ärmel und dem Zuschneiden des Pro­be­teils, dem Pro­be­nähen einer Hose nach einem Fer­tig­schnitt der 70er (leider nicht gut) und dem Besorgen der fehlende Reiß­ver­schlüsse ver­bracht. Und dem Gatten ange­kündigt, dass ich an diesem Wochenende für garnix zur Ver­fügung stünde, da ich dringend nähen müsse. Ich bin mir sehr sicher, dass er das nicht wirklich ver­standen hat. Er ver­wechselt mein "Ich habe nichts zum Anziehen!" mit dem klas­si­schen " Ich habe nichts zum Anziehen …". Konkret heißt das: ich habe in meinem Schrank ein Kleid, das noch gut passt, einen Rock, eigentlich keine Bluse, theo­re­tisch vier Hosen. Punkt. Natürlich ganz viele Pullis, die aber nicht alle zum Rock passen, zumal der Rock — den ich letzte Woche genäht habe — doch noch etwas zu warm ist. Zeigen kann ich ihn euch noch nicht, er hängt auf der Leine und in Strumpf­hosen werfen will ich mich doch noch nicht. Im übrigen ist auch endlich der him­beerrote Pulli fertig, der aber farblich nicht gut zum Rock passt und daher auch nicht gezeigt werden kann.

Was heißt das für mich: ich laufe seit Monaten zu Hause in einer mitt­ler­weile sehr ver­hassten schwarzen Yogahose herum. Stehe ver­zweifelt im Flur, wenn ich das Haus ver­lassen muss — was ich in einer beim H&M gekauften blauen, engen Hose plus einem eben­falls dort erstan­denem blauen Punk­te­blü­schen tue. Beide Teile kann ich nicht mehr leiden …

Jetzt werde ich Minusch von meinem Schoß schmeißen und Ärmel testen, hurra!

  

Zwei Jahre nun

Morgen vor zwei Jahren ist mein Vater gestorben — 26 Tage, nachdem ich früh­morgens von seinem Arzt erfuhr, wie es um ihn steht. 26 Tage waren sehr wenig Zeit, um überhaupt zu ver­stehen, was passiert. Noch viel weniger Zeit ist es, wenn zwei Tage nach dieser Bot­schaft dein Vater dich bittet, einen Platz zum Sterben für ihn zu suchen, während du am Tage zuvor noch zaghaft so etwas wie eine Hoffnung auf­keimen ließt. Vier Tage ver­gingen im Kampf mit einer bor­nierten und wenig empa­thi­schen Jung­ärztin; vier weitere bis zur Ver­legung in das Kran­kenhaus in unserer Nähe und noch einmal drei Tage bis zu seiner Ver­legung in die Pal­lia­tiv­station. Eine gute Woche lang, bis zu Tommys Ein­schulung, war mein Vater noch gut ansprechbar und gesprächs­bereit, aber seine kör­per­lichen Mög­lich­keiten nahmen fast stündlich ab. Nachdem er Tommy nach­mittags noch zu seinem neuen Status gra­tu­lierte, ging es immer schneller zu Ende. Schneller als ich oder wir alle gedanklich hin­terher kommen konnten. Es erschien mir während des Tuns normal und selbst­ver­ständlich und doch seltsam irreal, dass ich meinem Vater Beine und Gesicht mas­sierte, ihn mit Eis fütterte; wirklich an mich her­an­ge­lassen habe ich die Situation wohl nur selten — meist, wenn ich einmal alleine war und dann weinend zusammen brach.

Das Irreale ist bis heute geblieben: es scheint, als sei all das in einer anderen Dimension geschehen, einer, die mit meinem Leben gar nichts zu tun hat. Das Gefühl wird von unserer Welt, wie sie so langsam an allen Ecken zusammen zu brechen scheint und in Unmensch­lichkeit und Per­version untergeht, wahr­scheinlich gefördert. Das sind so die Gedanken, die in schlaf­losen Nächten der letzten Monate über mich hin­weg­schwemmen, halb­ge­träumt, halb­ge­fürchtet, nie ganz da und doch leider nie ganz weg.

Aber was hat sich nach zwei Jahren ver­ändert? Die Taubheit der ersten Monate, die Depression im ersten Halbjahr sind lange vorbei und machten dann Platz für Trauer und Wut und Ärger und immer noch Ver­ständ­nis­lo­sigkeit, mit einem immer noch den Gescheh­nissen weit hin­terher hin­kenden Verstand. Dann war das erste Jahr herum und alles war schon einmal erlebt worden: die ersten Geburstage, das erste Weih­nachten und Sil­vester, der erste Früh­lingstag ohne Papa. Und all diese Tage kamen zum zweiten Mal zurück ohne ihn. Wie unfassbar mir das dann vorkam: wirklich schon das zweite Mal? Und die Trauer schien gar nicht geringer zu werden. Bis sie nicht mehr in jeder Minute des Tages unter allem, über allem lag.

Mit ihrem (schein­baren) Ver­schwinden kam das schlechte Gewissen, ein vages Schuld­gefühl. Meist saß ich im Auto und uner­wartet fiel mir mein Vater ein, das Füttern, das Zimmer. Immer noch murmelte die kleine Stimme, dass das alles gar nicht geschehen sein könne, das sei nur eine traurige Geschichte, die sich eine Schau­spie­lerin zurecht gelegt hatte, um am Set auf Kommando weinen zu können. Und sofort fragte die weniger kleine Stimme, ob ich denn wohl am Ende gar nicht mehr traurig sei, ob ich nicht ein schlechter Mensch sei, dass ich tagelang nicht an meinen Vater gedachte habe? All das in einer Viertelsekunde …

Und immer, immer über Monate hinweg schlug es dann über mir zusammen: doch, es geht dir noch genauso dreckig, du willst nur einfach nicht ständig und immer und überall flennen und heulen und weinen. Du kannst es einfach nicht mehr ertragen, traurig und elend zu sein, diese immer gleichen Bilder vor Augen und die immer gleiche Fragen, ob ich irgend­etwas anders hätte machen sollen oder müssen.
Von da an begann ich immerhin, die Realität ganz und gar zu akzep­tieren und nun, seit etwa drei Monaten, geht es mir besser. Ich nehme mir die Zeit, traurig zu sein, zu weinen und mich dem Gesche­henen zu stellen, aber es ist nicht mehr der Gedanke, der immer über allem und unter allem liegt.

  

Hose I: Petrol

Enge/schmale Hosen in Serie. Am besten fange ich mit der an, mit der alles wieder begann: die petrolfarbene Hose, die als Ersatz für die abge­lebte und — leider muss ich es gestehen — gerissene blaue Hose gedacht war und die zwei Jahre lang 97%ig beendet in einer Schublade lag. Weil sie damals seltsam schlottrig saß. Nun nicht mehr …

Ich habe den Beleg fest­ge­stoppelt, die Länge auf Knö­chelhöhe gekürzt und den schludrig ein­ge­nähten RV belassen, wie er ist; damit lebe ich ganz gelassen und sehe es als Desi­gnelement. Versuche ich mir ein­zu­reden. Aber da ich diese Hose zunächst komplett trennen und als Schnitt­muster hatte ver­wenden wollen, finde ich, sie ist mit dieser Lösung wirklich gut davon gekommen :-D

In Knips-und-geknipst-werden-Laune bin ich heute morgen nicht gewesen — dieser so abrupt abge­bro­chene Sommer schlägt mir ein wenig aufs Gemüt. Daher gibt es zwar –artig, wie ich nun einmal bin — 360°Grad-rundum-Bilder, aber gedanklich beim Haushalt, zwei sich fet­zenden Katzen und zwei sich seltsam ruhig ver­hal­tenden Söhnen wollte mir ein Strah­le­lä­cheln nicht gelingen.

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So, nun habe ich mich einmal um die eigene Achse gedreht, damit ihr alles sehen könnt. Völlig erschöpft ob dieser sport­lichen Anstrengung sitze ich nun auf meinem Bett, tippe diese Zeilen und friere, was ich dum­mer­weise nicht ändern kann: Fenster ist geöffnet, Türen und alle anderen Fenster auch zwecks Lüftung. Und aus­ge­rechnet diese kurzen Minuten meines ego­is­ti­schen Tuns nutzt Minusch, um es sich auf mir gemütlich zu machen. Im oberen Stockwerk! Obwohl es diesen Kat­zendeal gibt: Momo kuschelt oben, Minusch unten. Mein Gewissen und ihr Blick sagen beide, es wäre unerhört, unfassbar, unver­zeihlich, würde ich sie nun von diesem Platz verjagen.
Was also tut der mensch­liche Teil einer Katzen-WG? Bleibt frierend hocken und schreibt weiter.

Bei­spiels­weise kann ich noch erzählen, dass die Farbe der Hose selbst­ver­ständlich nicht von meiner Kamera richtig erfasst wurde. Es ist blaues Petrol, mehr so:

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Weiter lässt sich berichten, dass ich am Samstag zum zweiten mal bei meinem neuen Lieb­lings­friseur war: Cut'n'Roll in der Brü­der­gasse. Winzig klein, aber wun­derbar. Alles geht sehr flott, die Damen dort sind Zucker und weit weg vom sonst so üblichen — dem scheinbar stylish-hippen Schwarz, der Post­mo­derne, dem Tren­digen. Wobei das sicherlich genauso locker geschnitten wird wie die 50er-Frisuren, auf die man sich spe­zia­li­siert hat.
Die Frage ist, ob ich heute mit meinem Kopf die beste Werbung bin: gestern vor­mittag gewa­schen und dann ver­gessen und trocknen lassen, heute morgen nur schnell durch­ge­kämmt. Da geht auf alle Fälle mehr :-)

Was auf keinen Fall uner­wähnt bleiben darf, ist die auf­op­fe­rungs­volle Arbeit des Gatten am gest­rigen Nach­mittage: seit Wochen will ich wieder an die Knittax, aber die Hin– und Her­räu­merei von Näh­ma­schine und Strick­ma­schine ist mehr als nur lästig. Also jammerte ich einige Tage, ob es denn nicht möglich sei, ein wie auch immer gear­tetes Tischchen zu basteln, auf dem Letztere Platz hätte und das in mein Zimmer passt, ohne es komplett zu ver­stopfen. Am liebsten auf pas­sender, nied­ri­gerer Sitzhöhe, mit Platz für das Patent­gerät und Sei­ten­hal­te­rungen, um das Maschinchen am Ver­rut­schen zu hindern. Also ganz simpel und schnell, natürlich.

Den ganzen Nach­mittag hat er gebaut, gesägt, gehämmert und geschraubt. Natürlich stehe ich in ewiger Dan­kes­schuld, aber dafür ist die Knittax nun endlich aus dem Wohn­zimmer ver­schwunden, wo er sie nie haben wollte … haben wir doch beide was von :-D

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Damit kann ich mich endlich an die Pullis begeben, die ich von Hand nicht stricken mag, da zu öde: Längere, weitere in glatt rechts. Denn nun habe ich zwar wieder einige Hosen im Schrank, aber nicht wirklich gut dazu passende Ober­teile. Oder mir passende Ober­teile. Was mich darauf bringt, dass ich ganz, ganz bald mit der Kon­struktion von pas­senden Ärmeln beginnen muss.

Nun jaulten erst die Jungs, dann die erschreckte Minusch und ich bin frei, mich in den ver­lot­terten Haushalt zu stürzen, bevor ich in die Küche verbannt werde. Alles wichtige ist gesagt, das war's.

  

Quo vadis?

Dies hier wird einer dieser Beiträge, bei denen ich zu Beginn des Schreibens noch nicht weiß, wo er endet; Schreiben als Gedan­ken­sor­tie­rerei hat sich für mich bestens bewährt.

Manchmal sind erzwungene Gege­ben­heiten nicht nur lästig, sondern vor allem eine Gele­genheit, sich neu zu sor­tieren, zu ordnen und (zurück) zu finden. Dabei geht es nicht um etwas Großes, Dra­ma­ti­sches, sondern ganz ober­flächlich um Kleidung. Wobei: ober­flächlich wäre eine ober­fläch­liche Betrachtung, denn Kleidung drückt nach außen doch aus, was wir von uns selbst halten, wie wir uns sehen, was wir mögen, was wir wollen und was nicht.

Bei mir sind es zwei Faktoren, die mir dieses Über­denken auf­ge­drängt haben: die Gewichts­zu­nahme und das Gefühl von "Da ändert sich doch was …?". Nach wie vor habe ich kein Problem mit meinem Alter, aber so ganz stimmig waren für mich Äußeres, Inneres und Ver­pa­ckung nicht mehr in den letzten Monaten. Ganz deutlich wurde mir das, als wir vor einigen Wochen in Maas­tricht waren und ich im Vichy­kleid der Hitze trotzte. Ja, es macht eine gute Figur, es war luftig und es passte noch so gerade eben. Aber Stoff und Schnitt fühlten sich nicht mehr gut, nicht mehr nach mir an. Und da ich eh dabei war, meine Grund­schnitte zu erneuern, schien das der richtige Zeit­punkt für eben jene Über­le­gungen zu sein.

Zur Zeit sind in meinem Klei­der­schrank drei Teile, die noch richtig gut passen, und zwei Kleider, die immerhin noch passend genug sind. Das ist nicht viel und Zeit war knapp — die Som­mer­ferien sind nicht nur der Feind jeder Blog­gerin, sondern auch der jeder Schnei­derin, vor allem, wenn auch der Gatte zu Hause ist: zum Nähen kommt man nur schlecht, irgend­etwas ist immer. Unbe­lastet von zu nähenden Teilen, von Zeit zu Zeit ein oder zwei Reihen stri­ckend, hatte ich so Zeit und Muße genug, meinen Klei­der­schrank, die Woll­truhen und Stoff­regale aus­zu­misten, meine Blog­ein­träge der letzten Jahre zu betrachten und in Geschäften Kleidung zu pro­bieren. Wo ich dann — irgend­etwas muss man ja tragen — eine enge blaue Hose, zwei blau-weiß– gestreifte T-Shirts und eine blaue Bluse mit weißen Punkten erstand. Was mir unglaublich viel Druck und Last von den Schultern nahm. Und für Ver­wun­derung sorgte … :-D

Als ich am Sonntag nämlich bei Freundin Arlett auf Simone und Sabine traf, um gemeinsam zu nähen, waren die Damen wohl ver­blüfft. Noch ver­blüffter viel­leicht darüber, dass ich nicht nur eine Hose trug, sondern auch gleich noch eine nähte. Auch am Montag wurde das Tragen dieser Hose mit Erstaunen und durchaus begeis­terten Kom­men­taren begleitet, was nun so langsam mich ver­blüffte. Und den Gatten befragte, der meinte, das sei ja nun wahrlich nicht das erste Mal, dass ich sowas trage. Genau. Aller­dings ist das letzte Mal gute zwei Jahre her …

Damals passte — quasi über Nacht — meine 2008 genähte Hose nicht mehr, mit der ich an meinen 90er-Look anschloß. Am besten passte sie mir zwei, drei Jahre später, als ich endlich ein wenig zunahm und damit alle Falten und Probleme der Hose eliminierte:

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Diese Hose — theo­re­tisch nach einem Bur­da­schnitt — hatte mich viel, viel Arbeit gekostet, bis sie saß. Als ich dann mit dem Kon­stru­ieren von Schnitten begann, standen Hosen nicht oben auf meiner Liste und seitdem war die Zeit immer zu knapp und die Nerven immer zu schwach, um mich auch noch mit Hosen­paß­fomen zu beschäf­tigen. Und so, nachdem die geliebte Hose end­gültig aufgab, ver­schwanden die engen Hosen aus dem Schrank. Vor etwa zwei Jahren nahm ich noch einmal Anlauf, suchte und fand einen ähnlichen, wenn auch dünneren Stoff bei Karstadt, trennte die blaue Hose auf und nutzte sie, um einen Schnitt für Nummer zwei zu basteln. Doch so recht gelang es nicht: die Zugaben war zu reich­haltig, die Hose schlot­terte und so richtig wohl fühlte ich mich darin nicht mehr. Nach Krankheit und Tod meines Vaters kümmerte es mich nicht mehr. Im letzten Jahr habe ich dann drei weite Exem­plare genäht, die — Über­ra­schung, Über­ra­schung — nun auch nicht mehr passen. Was mich nun zum Hosen­nähen zwang.

Welch ein Glück, das meine Wünsche sich auf Ziga­ret­ten­hosen richtete, ich aus­mistete und dabei die nie beendete enge Hose fand, die nun deutlich strammer und deutlich besser saß. Aber, dumm von mir, den dazu gehö­rigen Schnitt hatte ich schon vor ewigen Zeiten entsorgt. Eines führte zum Anderen und ich begann, meine alten Burdas zu durch­wühlen (etwa 20 Hefte Burda und 5 Knipp hätte ich anzu­bieten, wer Interesse hat …?), um den Ori­gi­nal­schnitt zu finden. Ich fand ihn und kopierte letzte Woche mühsam aus — wie ich das hasse. Dann rannte ich in die Stadt, besorgte gleich 3 Stretch­stoffe und legte los. Wie immer: Burda passt mir nicht, die Wei­ten­zu­gaben sind aben­teu­erlich und auch in der Leibhöhe musste ich einiges ändern. Aber mit einigem Hin und Her hatte ich am Freitag eine fertige dun­kel­blaue Hose. Am Sonntag begann ich mit der grauen, heute beendete ich die petrolfarbene von vor zwei Jahren und nachher schneide ich noch eine rote Ziga­rette zu. Damit bin ich für den Herbst, der dieses Jahr wohl schon vor der Türe steht, schon einmal bein­tech­nisch gewappnet.

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In den Augen anderer scheint sich damit bei mir einiges im Stil geändert zu haben, in meiner eigenen Wahr­nehmung nur insoweit, als ich mich auf gerad­li­nigere Sil­houette zurück besinne: Röcke mit mässiger Weite, klarer Schnitt­führung und Kleider zwar wei­terhin gerne mit Raf­fungen im Oberteil, aber nichts zu ver­spieltes oder nied­liches. Und jetzt bin ich auch endlich wieder an dem Punkt ange­langt, an dem ich mich aufs Nähen freue. Yay!

Bilder mit Hosen an mir gibt es noch nicht, aber dem­nächst, dem­nächst bestimmt.

  
Veröffentlicht unter Nähen