Nähkränzchenvorbereitungen

Auf morgen freue ich mich schon sehr: Zunächst einmal sehe ich die wun­der­barsten Mit­nä­he­rinnen überhaupt (Arlett, Simone und Sabine), dann begeben wir uns gemeinsam auf den Stoff­markt, werden in einem fran­zö­si­schen Bistro uns stärken und danach bei mir nähen. Da ich den Haushalt nun als unrettbar verloren dekla­riert habe, wird die vor­herige Stärkung auch nötig sein …

Um morgen nicht nur freudig-dümmlich grinsend zwischen noto­risch flei­ßigen Schnei­de­rinnen zu sitzen, habe ich heute nach­mittag noch schnell zuge­schnitten; Schnitt dazu habe ich gestern abend eben­falls schnell, schnell erstellt.

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Was hier wie ein Fal­tenrock aussehen mag, ist in Wirk­lichkeit ein 7-Bahnenrock mit in der VM ein­ge­legter Kel­ler­falte, die unge­bügelt bleiben wird. Die Grundlage ist ein aus­ge­stellter Rock (also Rock­grund­schnitt mit zuge­drehten Abnähern ohne zusätz­liche Mehr­weite), bei dem ich mit dem Fadenlauf spiele: da die Falte in der VM keine Naht haben soll, muss die Mitte im Bruch liegen — also Fadenlauf in der VM, was bedeuten würde, der Schwung des Rockes fällt nach außen auf die Seiten. Was ich für mich und eigentlich für die meisten Frauen mit Hüfte nicht sooo schön finde: Der Rock steht dann oft etwas steif und irgendwie flach zu den Seiten ab. Möchte man einen aus­ge­stellten Rock, der schmal fällt, dann sollte der Fadenlauf an der Sei­tennaht liegen. Soll er aber gleich­mäßig ver­teilte Weite haben, die sanft mit­schwingt, dann wird der Fadenlauf in die Mitte zwischen Seite und VM gelegt. Weshalb ich mich für Bahnen ent­schieden habe — und jetzt mal neu­gierig bin, wie das bei einem nicht ganz so weiten Rock fällt.

Wie ein Rock mit deut­licher Mehr­weite fällt, der aus 8 Bahnen besteht und bei dem sowohl VM als auch Seite im FL liegen, könnt ihr übrigens bei meinem roten Kleid sehen (das, auch das stellte ich anhand Freun­din­nen­hilfe fest, in echt eben auch noch mal schöner ist als auf dem Bild … ;-) Der Rock fällt trotz einer Saum­weite von etwa 2,20 recht schmal und die Falten ver­teilen sich sehr gleich­mäßig. Dass diese Art Zuschnitt nichts als ein Not­behelf war, weil ich nicht genügend Stoff hatte, um jede Rockbahn so zuzu­schneiden, dass der FL genau in ihrer Mitte lief (was dann so aussieht wie bei den zwei Röcken hier — beide Röcke haben etwas mehr Schwung zur Seite als das rote Kleid, Schnitt ist in beiden Fällen der gleiche. Dass die Stoffwahl eben­falls Wirkung zeigt, konnte man auch schön sehen.) — nun, das muss ja keiner wissen, das hatte ich mir genau so aus­ge­dacht :-) Wie auch immer es entstand: Faden­lauf­spie­le­reien liebe ich sehr :-D

So, und nach einem arbeits­reichen, aber schönen Tag fallen mir gleich die Augen zu und ich wünsche noch allen anderen, die sich morgen zum Nähen treffen mögen, nah und fern, min­destens genauso viel Spaß wie uns vieren, obwohl ich mir das wirklich nicht denken kann :-D

Wald und Bäume

Ja, manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Wenn ich eine bestimmte Vor­stellung vor Augen habe, die ich nicht ver­wirk­lichen konnte, dann sehe ich andere Mög­lich­keiten nicht immer. Und wenn ich mich dann noch zu sehr auf Fotos verlasse, dann bin ich auch ver­lassen. Ich habe schon öfter gesagt, dass mich manche meiner Klei­dungs­stücke auf Fotos über­ra­schen, weil sie ihm Spiegel ganz anders wirkten. Meist neige ich dazu, mich auf das — häss­li­chere, weniger schmei­chel­hafte — Foto zu ver­lassen. So auch bei dem Kleid am Wochen­anfang: im Spiegel war es schon nicht der Renner, auf den Bildern absolut hoffnungslos.

Wie gut aber doch, dass wir alle nicht nur virtuell exis­tieren, sondern auch ganz real, und Freun­dinnen haben, die leib­haftig vor uns stehen, Kaffee trinken, über Politik und Schönheit mit uns sprechen und vor denen wir uns für nichts zu schämen haben. So war heute mittag Freundin Viola im Hause, die sich jedes Mal — als absolute Nicht­nä­herin, mitt­ler­weile aber voka­belfit — nach meiner Näherei erkundigt. Ich zeigte ihr den gestern genähten Rock, ärgerte mich über den extrem knit­ternden Stoff und erwähnte das Kleid. Sie konnte sich nicht vor­stellen, dass mir dieser Stoff schon nicht stehen sollte, also zog ich mich aus und an und um. Und machte sie auf alle Fehler auf­merksam. Und aus­ge­rechnet eine Nicht­nä­herin sprach die goldenen Worte: "Wäre das Oberteil enger, dann sähe das doch toll aus!"

Ähm ja, wie wäre es schlicht mit Tail­len­ab­nähern? Einmal schnell abge­steckt, noch einmal vor­ge­führt und einen Blick in den Spiegel geworfen: oh, ein Kleid …! Aber eine leichte Ver­un­si­cherung blieb, also zeigte ich ihr die Fotos. Schön zu hören, dass sie das Kleid auf den Bildern niemals als das an meinem Körper (ob abge­steckt oder nicht) erkannt hätte. Beim sonn­täg­lichen Näh­kränzchen werde ich also das Vor­derteil abtrennen, die Abnäher nähen und alles wieder zusam­men­wurschteln. Bis dahin ist hof­fentlich auch mein Ver­schluß eingetroffen.

Was sagt mir das? Digi­tal­bildern, die ich auf­ge­nommen habe, ein wenig mehr zu miß­trauen: sehr viele Pass­form­fehler sind wahr­haftig nicht vor­handen und so ver­wundert es nicht, dass, wann immer ich nach einem Foto einen Schnitt bear­beite, ich verschlimmbessere …

Schicksal und Schokolade

Es ergab sich gestern viermal, dass ich mit unter­schied­lichen Frauen zu unter­schied­lichen Tages­zeiten über Kör­permaße sprach — es lag da das Thema Wech­sel­jahre, Ernährung, Schnitt­muster und Sport in der Luft. Zweimal virtuell, zweimal real gab ich meine Maße preis und kund zu wissen. Wie immer, wenn ich darüber spreche, schaue ich danach irgendwie genauer (kri­ti­scher?) in den Spiegel. Aber erst heute morgen, nur in Wäsche und zwischen zwei Räumen hin– und her­hetzend und quasi auf dem Weg zur Arbeit, fiel mir auf, dass sich schon wieder was geändert hat.

"Liebes Schicksal, ich habe wirklich überhaupt gar keine Lust, meine Grund­schnitte nun alle drei Monate anpassen zu müssen. So nicht, ja? So nicht!"
So sprach ich laut und unwillig vor mich hin. Das Schicksal ant­wortete leicht schneidend, dass es da so lange nichts tun könne, so lange ich meinte, innerhalb dreier Tage vier Tafeln Scho­kolade (und nein, es ist nicht teilen, den Kindern EINEN Riegel abzu­geben…!), eine drei­viertel Tüte Chips, diverse Lakritze und unge­zählte Nüsse zwischen den Mahl­zeiten ver­zehren zu müssen. Ups …

Etwas kleinlaut schlich ich zur Waage, ein selten gebrauchtes, stau­biges Teil in einer Ecke des Bades stehend. Waage und Schicksal sind offenbar gut Freund mit­ein­ander. 60 Kilo. Hmm. Als ich im Januar meine Grund­schnitte über­ar­beitet hatte, waren es 58. Und die passen besser zu mir, ich war doch immer schon zu dünn; da bin ich dran gewöhnt. Ich war aller­dings auch mal zehn Jahre jünger, da hätte ich mich dran gewöhnen mögen, wie ich will, das hätte doch nichts geändert. Im Gegenteil besteht sogar die leise Ver­mutung, die Zunahme an Jahren könne mit der Zunahme an Gewicht zusammen hängen. Was ich als doppelt grausaum und unge­recht empfinde. Da musste ich mich zumindest 38 Jahre lang in meinem Leben anstrengen, nicht abzu­nehmen und nun sollen drei läp­pische Täfelchen Scho­kolade solch eine Wirkung haben. Dabei ver­zichte ich doch — eben­falls schon seit Jahren — auf meine tägliche Ration an Teilchen und Torten.

Aber ha, was sagt das Gewicht schon wirklich aus? Stelle drei Frauen von 173 cm neben­ein­ander, lass sie allesamt 60 Kilo wiegen und sie werden voll­kommen unter­schiedlich aussehen. Also schnell nach unten, Maßband holen und nach­messen. Leider ist mein Maßband Teil der Ver­schwörung: sagte ich gestern noch, meine Maß wären 91 — 68–70 — 101, so kor­ri­giere ich heute auf 94 (WTF???? Sorry … )- 69 — 102,5. Als ich mit dem Nähen begann, war ich bei 84 — 72 — 91; meine ersten Schnitte kon­stru­ierte ich mit 89 — 68 — 98.

Was will ich damit sagen? Weiß ich auch nicht, außer, dass es mir eine Warnung sei, Scho­kolade nicht mehr in diesen Mengen zu ver­putzen. Ich werde mir ja täglich fremder und ich möchte doch die paar gut­sit­zenden, mühsamen erar­bei­teten Klei­dungs­stücke wenigstens ein– oder zweimal tragen können. Und nun sitze ich hier und sehne mich nach Mar­zi­pan­torten, Nou­gat­hörnchen, Erd­beereis und Kar­tof­fel­gratin. Ich finde das gemein … :-(

Und damit ich weiß, weshalb ich ver­zichte, wird heute genäht. Irgendein Rock soll es werden und am liebsten noch eine Bluse. Und dann ab in den Keller, Sport treiben. Bah! Das alles nur, weil ich nähe. Habe ich früher jemals meine Maße gekannt? Nein, habe ich nicht. Früher hat mir aber auch jede etwas mol­ligere Frau gesagt: "Nun iß doch mal was!" Meist sagte sie nach längerer Bekannt­schaft derlei nicht mehr, sondern meckerte mich nur noch mit "Verdammt noch mal, musst du immer was zu essen in der Hand haben???" Wie man es dreht und wendet, das Leben ist nicht fair. Schicksal und Scho­kolade, ihr kommt aus der Hölle!

Auf Regen folgt Sonnenschein, folgt Regen, folgt Sonne …

So geht es heute den ganzen Tag: Licht an, Licht aus, Fenster auf, Fenster zu. Durchaus passend, denn nachdem das brave Blüschen rundum gelungen war, musste ja etwas anderes schief gehen, denn es ließ mir keine Ruhe, noch einmal mit den frühen 30ern zu koket­tieren — viel­leicht den Rocksaum eine halbe Hand­breit kürzen, alles etwas schlichter halten? Am vor­letzten Wochenende trug ich den 30er-Rock mit flachen Stoff­schnürern und einem blau­weiß­ge­streiftem T-Shirt rund um die Uhr und sah gut darin aus, wenn auch ein leichter Sek­ten­ver­dacht hätte auf­kommen können, hätten enge Taille und tieferer Aus­schnitt nicht dagegen gesprochen.

Nun sah ich auf etsy vor einiger Zeit ein sehr nettes Lei­nen­kleidchen, das ich von der Form her nach­ge­ar­beitet habe; leider kann ich es nicht mehr finden. Statt der 86 cm Länge, die ich für den Rock gewählt hatte, habe ich mich bei etwa 80 ein­ge­pendelt. Ach, was soll ich lange erzählen, ich bin dem Kleid gegenüber weniger als auch nur lauwarm. Am meisten jedoch ver­blüfft mich der Stoff, den ich für einen Blei­stiftrock schon einmal ver­wendet hatte und der mir im Klei­der­schrank sehr frisch ent­ge­gen­strahlt. So komplett von Hals bis Wade wird er unde­fi­nierbar grau­blau­trübe, wogegen ich sonst nichts habe, nur etwas mehr Defi­nition wünsche ich mir schon. Saum und Sei­ten­ver­schluß sind noch nicht genäht, sondern lediglich gebügelt bzw. gesteckt — es mag noch einmal etwas anders sitzen, wenn ich es wirklich schließen kann.

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Nun ist es ja leicht, ein Kleid bieder und lang­weilig aussehen zu lassen, wenn man mit vom Schlaf ver­wu­schelten Haaren, ohne Make up und mehr an Katze 2 denn an der Kamera inter­es­siert es prä­sen­tiert. Katze eins übrigens lief während der vier Minuten, die ich fürs Knipsen heute bereit war zu inves­tieren, ständig um mich herum und lauerte mal von links, mal von rechts — jetzt schläft sie von der Anstrengung erledigt neben mir auf dem Tisch. Müder Tag heute.

Mit hohen Schuhen übrigens sieht es deutlich gräß­licher aus — die 30er scheinen bei mir nur mit flachen Schuhen eini­ger­maßen zu funk­tio­nieren. Was dieses Kleid, das sich im übrigen bequem trägt (oder tragen wird, wenn die Nadeln aus Taille und Hüfte entfernt sein werden …), zu einem idealen Haus­halts­er­le­di­gungs­gewand macht: schrubben, kochen, rennen, ein­kaufen — könnte schlimmer sein.

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Die gewün­schen Bilder von der Seite gelingen einfach nie: lasse ich den Arm natürlich-entspannt fallen, so sieht man nichts. Hebe ich aus dem Blickfeld, verzieht sich alles zu sehr. Aber wie auch immer: ein Bild mit Sei­ten­an­sicht. Zu und zu schön.

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Ver­blüffend und selten: von hinten gefällt es mir am besten. Die beiden nach innen gelegten Falten, die Tei­lungs­nähte, sogar der in die Taille ein­ge­legte, weite Rücken, der kleine V-Ausschnitt und die über­schnit­tenen Schultern — die Rück­an­sicht ruft deut­licher 30er als die Vor­der­seite, die ein unent­schieder Misch­masch zu sein scheint und zudem end­gültig beweist, was ich immer schon ahne: Fülle, sei sie noch so minimal, in meiner Taille ist nicht schmei­chelhaft. Nicht, dass ich das unbe­dingt tragen möchte. Ich habe nur oft das Gefühl, es könnte auch mal lässiger sein, weniger auf Figur geschneidert. Aber jeder, wirklich jeder Versuch, geht daneben.

Bin ich nun sehr traurig? Eigentlich nicht. Im Grunde kann ich über die Passform nicht schimpfen und es sieht auch genauso aus, wie ich es geplant hatte. Es ist nicht untragbar und ent­stellt mich nicht voll­kommen. Es ist nur eben kein Kleid, zu dem ich an einem miesen Tag greifen würde; es sei denn, um mich zu bestrafen. Ich könnte mir sogar vor­stellen, etwas ähnliches noch einmal zu ver­suchen: aus einem Lei­nen­stoff, Rock wieder etwas länger, Vor­der­seite des Rockes wie die Rück­seite, die Taille vorne eng halten, den Aus­schnitt etwas breiter — das könnte schon noch gehen. Aber so sehr ich diesen Look auch liebe, an mir sehen andere Dekaden deutlich schöner aus.

Sonne ent­schwindet schon wieder, die Zeit ebenso, ich muss in die Küche, kochen und hier im Wohn­zimmer etwas Chaos besei­tigen und dann Pläne schmieden, welchen Stoff ich als nächstes ver­schwenden will — hach, aber so ganz lassen mich die über­trieben weiblich-schmalen Kleider von 1930 doch noch nicht los. An die 20er traue ich mich jetzt erst recht nicht heran … grübel, grübel, grübel. Hopp an die Arbeit, faules Stück!

Brav, aber wo ist die Sonne?

Für mich müsste die Wet­ter­vor­hersage um die gesehene Tem­pe­ratur ergänzt werden: ich schaue aus dem Fenster und es ist grau-trüb dort draußen. Tem­pe­ra­tur­an­zeige spricht aber von 21 Grad im Schautten hinterm Haus. Ich fröstele dennoch bei jedem Blick aus dem Fenster. Wenn schon warm, dann bitte mit blauem Himmel und Son­nen­schein. Ist das denn zuviel verlangt? Ehrlich …

Besonders unver­ständlich wird das Ver­halten der Sonne, wenn man weiß und bedenkt: ich habe gestern das brave Blüschen fer­tig­ge­stellt. Es müsste nun gewa­schen und gebügelt werden, aber wenn ich darauf warten will, bevor ich es foto­gra­fiere — man ahnt es schon, das wird nichts.

Nun habe ich drei Röcke dazu getestet und jeden dreimal geknipst. Alle drei ver­mitteln mir ein anderes Tra­ge­gefühl; ich denke, man kann es erraten :-D

Vor allem ist das Blüschen ja mal brav. Und mit lila Laven­del­blüten über­streut. Lila, lila, lila? Da war doch neulich mal was? Der lila Bah­nenrock. Sehr,sehr brav, farblich natürlich perfekt:

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Sieht so aus, als hätte ich in der Kom­bi­nation meinen ganz eigenen Mary-Poppins-Moment erlebt — mit Mary und Schü­lerin in Per­so­nal­union. Unter­streicht meine natür­liche Bravheit ganz selbstverständlich.

Oder viel­leicht mit dem auber­gi­ne­far­benen Blei­stiftrock — ein wun­der­barer Woll­stoff, den ich blö­der­weise mit einem Test­schnitt ver­dorben hatte. Und der auch nicht mehr so weit ist, wie er mal war. (Jaja, das mag nicht am Rock selbst liegen, aber meinen Schokoladen-und-Lakritz-Konsum müssen wir nicht jetzt diskutieren!)

Mit ein bißchen Zupfen aber geht es wunderbar:

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Tief einatmen wird eh massiv über­schätzt. Und so ein bißchen Bauch­ein­ziehen geht schon. Man muss ja auch nicht immer lächeln. Hmmm.

Oder wir wäre es mit Dun­kelblau? Und dem Lieb­lingsrock, der seit zwei Jahren viel getragen wird, immer noch (irgendwie) passt und auch noch ganz anständig aussieht? Zu dem Zeit­punkt hat mich der im Hin­ter­grund laufende Elec­troswing aber schon fest im Griff:

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Unge­wohnt bild­reich heute, nicht wahr? Kommt bestimmt so schnell nicht wieder :-D Aber ich habe mich auch um Detail­bilder bemüht. Nützt nix, bei dem Stoff und der Kamera ist nicht viel zu erkennen:

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So. Geschafft. Bluse und Bilder. Beides fer­tig­ge­stellt. Sicherlich könnte ich hier und da noch ein wenig kritteln, aber da man hier eh nichts sehen kann und es mich beim Tragen nicht stört, ich auch nicht sicher bin, ob der Mini­fehler im Blu­sen­block, in der Abwandlung oder in der Fer­tigung liegt — was soll's?

Bitte jetzt loben — nicht unbe­dingt für die Bluse, sondern fürs endlich einmal fertig stellen und zeigen :-D Und ab jetzt: Zen!

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Selbstständig sein I — Vecona Vintage

Als ich mich — zum dritten Mal in meinem Leben — im Herbst letzten Jahres (teil-)selbstständig gemacht habe, wunderte ich mich wieder einmal darüber, warum eigentlich nicht jeder selbst­ständig ist. Also seinen eigenen Laden hat, nicht etwa, dass ich meinte, es könne irgend­jemand nicht sein eigenes Brot belegen.

Und als dann vor einiger Zeit im Zuge meiner obses­siven Beschäf­tigung mit den frühen 30ern sich aus­ge­rechnet Janet in den Kom­men­taren zeigte, deren Label Vecona Vintage mir gut gefällt, da habe ich mir gedacht: viel lieber noch als wissen, warum nicht alle Frauen sich selbst­ständig machen (worauf die Antwort mir klar ist), möchte ich erfahren, warum andere Frauen es tun. Und habe Janet gefragt, ob sie Lust hätte, mir darauf zu antworten.

Hatte sie und nachdem wir beide wieder gesund und fit sind, gibt es jetzt und hier die Fragen und die Antworten.

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Kurz und knapp — Name, Alter und Beruf?

Ich bin Janet, 35 Jahre alt und leite zwei Mode­labels. Unter VECONA fertige ich auf­wändige Ein­zel­stücke als Auf­trags­ar­beiten, mit Vecona Vintage entwerfe und pro­du­ziere ich mit meinem Geschäfts­partner Kai Unger Kleidung für Damen und Herren im Stil der 1920er bis 40er Jahre.

Weshalb hast du dir diesen Beruf aus­ge­sucht? Wie hast du gemerkt, das ist es?

Meinen Beruf habe ich etwas lang­atmig nach dem Aus­schluss­ver­fahren gefunden. Ent­worfen und genäht habe ich die ersten Stücke schon während der Schulzeit, doch es wäre mir überhaupt nicht in den Sinn gekommen, damit meinen Lebens­un­terhalt zu ver­dienen. Deswegen habe ich zuerst eine Aus­bildung zur Indus­trie­kauffrau gemacht und anschliessend Com­pu­ter­vi­sua­listik studiert. Eines meiner ersten Infor­ma­tik­pro­jekte in der Uni war damals meine erste Homepage. Da ich nicht genau wusste, womit ich sie füllen sollte, habe ich meine Nähwerke prä­sen­tiert und direkt Rück­mel­dungen und Anfragen bekommen. Als ich mich nach dem Diplom für eine Sache ent­scheiden musste, bin ich meinem Herz gefolgt und habe mich für die Mode entschieden.

Warum hast du dich selbst­ständig gemacht? Hast du ein Laden­ge­schäft, einen Onlineshop, arbeitest du mobil?

Der Grund für die Selb­stän­digkeit war der, kein Rädchen in einem großen undurch­schau­baren Getriebe zu sein, sondern den kom­pletten Prozess von der Idee bis zur Ver­kaufs­prä­sen­tation selbst zu bestimmen. Ich komme ursprünglich aus der Gothic Szene und habe sehr extra­va­gante und auf­wändige Klei­dungs­stücke ent­worfen und umge­setzt. Es wäre undenkbar gewesen damit in einem kom­mer­zi­ellen Unter­nehmen Fuß zu fassen und sich dabei selbst zu ver­wirk­lichen. Da schien es nur logisch, diese Nische auf eigene Faust zu füllen. Nach wie vor fertige ich Unikate auf Kun­den­wunsch an, nur haben sich seit dem Grün­dungsjahr 2004 meine Inter­essen und somit auch der Kun­den­stamm immens erweitert. Ein Laden­ge­schäft gibt es bis heute nicht, alles läuft über das Internet. Nach Ter­min­ab­sprache kann man uns aber gern in unserem Atelier in Wiesbaden-Biebrich besuchen und die Vintage Kol­lektion in Augen­schein nehmen, pro­bieren und natürlich auch erwerben.

Das Label Vecona Vintage haben wir 2009 gegründet, nachdem wir selbst mit dem Swing tanzen ange­fangen haben. Mit der Musik kam das Interesse an den ent­spre­chenden Epochen und mit unseren eigenen Designs auch die Nach­frage anderer Tänzer. Mitt­ler­weile zeigen wir unsere Kol­lektion auf Desi­gn­messen wie Blickfang, Stil­blüten und Desi­gners Open und erreichen so Design-Interessierte außerhalb der Tanz­szene. Es ist schön zu erleben, wie von Jahr zu Jahr das Interesse wächst und die Besucher durch aktuelle Filme wie „The Great Gatsby“ oder „The Artist“ und Künstler wie Max Raabe oder Caravan Palace von der Ästhetik der dama­ligen Mode begeistert werden.

Welche Illu­sionen hast du verloren, was hast du dafür bekommen?

Die Illusion alles alleine zu schaffen, ist relativ schnell verloren gegangen. Auch der Tag von Selb­stän­digen hat nur 24 Stunden und die Woche 7 Tage. Sobald ein Projekt größer wird, lässt es sich nicht mehr ohne Hilfe bewäl­tigen. Aus dem Grund haben wir Vecona Vintage gleich von Anfang an zu zweit in Angriff genommen und arbeiten mit vielen talen­tierten Partnern zusammen, wie zum Beispiel unserer groß­ar­tigen Foto­grafin Frauke Bönsch und Visa­gistin Theresia Pistel.
Das Ergebnis so eines Vor­habens ist natürlich eine enorme Befrie­digung. Der Moment, wenn nach zahl­reichen Pro­be­stücken und Pro­to­typen das finale Modell ent­standen ist oder der Augen­blick, wenn die Vor­schau­bilder beim Shooting auf dem Bild­schirm erscheinen. Der absoulte Hammer ist es, wenn glück­liche Kunden am Stand, die seit Jahren auf der Suche nach einer tail­len­hohen Mar­le­nehose waren, endlich bei uns ihr Lieb­lings­stück finden.

Würdest du es wieder tun?

Da der Erfolg uns Recht gibt, selbstverständlich!

Dein Aus­gleich? Was machst du in deiner Freizeit?

Das Tanzen ist ein sehr guter Aus­gleich für die lange Zeit an der Näh­ma­schine und am Computer. Aller­dings bin ich nicht der Typ, der ehr­geizig neue Figuren lernt und wochen­lange Work­shops besucht. Ich liebe es dafür umso mehr, auf Parties zu tanzen und mich einfach auf Musik und Tanz­partner ein­zu­lassen. Da es sich beim Lindy Hop um einen Social Dance handelt, ist man nicht auf einen festen Partner ange­wiesen und wechselt den ganzen Abend durch. Das ist unglaublich spannend und herrlich, um wieder Energie auf­zu­laden.
Darüber hinaus bin ich pas­sio­nierte Schatz­jä­gerin auf Floh­märkten und liebe es, alte Ori­ginale, Zeit­schriften und Nähma­terial auf­zu­stöbern, aber da sind wir ja jetzt schon wieder beim Beruf ange­kommen. Für mich ein deut­liches Zeichen, die richtige Wahl getroffen zu haben.

Darf ich Bilder sehen? Wenn ja, dann wünsche ich mir einen Eindruck deines Arbeits­platzes, ein Hob­bybild und eines, das in irgend­einer Form bezug zu deinem heutigen Ich hat.

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vecona showroom

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Wer Janet und ihre Mode nun per­sönlich ken­nen­lernen möchte: sie ist an diesem Wochenende in Godesberg zu Gast; mehr dazu findet ihr auf dieser Face­book­seite.

Liebe Janet, ich danke dir sehr für deine Ant­worten und freue mich auch wei­terhin sehr über hilf­reiche Kom­mentare (die habe ich nötig!). Wer von euch nun auch denkt "Selbst­ständig bin ich auch und ich habe auch was mit Nähen, Stricken oder sonstwie pas­sendem zu tun", darf sich gerne melden. Ich höre gerne von euch :-)