Und wenn die zusammen treffen, dann ist Freude angesagt. Halt nein, Frust. Ein Schau­spiel sondergleichen.

Die Dar­steller sind:

Ein Woll­stretch, der wirklich, wirklich stretchig ist. In jede Richtung. Und der das Bügeln hasst: die Nähte lassen sich nicht komplett glatt­bügeln, dafür sucht der Stoff bei Wärme das Weite. Und die Länge. Und überhaupt.

Ein Fut­ter­stoff, der zwar nicht sehr rutschig, aber dennoch sehr gemein ist. Einer, der franst, der das Bügeln eben­falls hasst — er kennt nur zu heiß oder zu kalt — und der sich nicht stecken lassen mag. Dazu noch absolut, voll­kommen, total unelastisch.

Ein Bügel­eisen, das alles andere als eine Gleitsohle sein eigen nennen darf. Auch, wenn das auf der Ver­pa­ckung stand. Dafür säuft es Wasser in einer Schnel­ligkeit, das ich mehr mit nach­füllen denn mit Bügeln beschäftigt bin.

Eine Näh­ma­schine, die heute endlich einmal wieder die Diva spielen will. Knopf­löcher sind ihr zu profan.

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So sitze ich nun also seit heute morgen und hätte 1000 andere Dinge erle­digen wollen und müssen. Also andere Dinge als Fluchen, Schimpfen, Ärgern und Wei­ter­machen. So hübsche Dinge wie kochen (gut, habe ich auch erledigt, irgendwie), waschen, auf­räumen, saugen, Steuer über­weisen (DAS muss ich nun aber wirklich ganz flott erle­digen), Ware bestellen. Blö­der­weise haben sich die hübschen Dinge keinen anderen Erle­diger gesucht. Hmmm, Montag halt …

  

Er wirkt nach wie vor. Der Fluch, der auf meinen Strick­nadeln zu ruhen scheint. Nach wie vor will mir nichts so recht gefallen: Am Mitt­woch­abend schlug ich eine Jacke mit dicken Vierer-Nadeln an — ein schnelles Erfolgs­er­lebnis sollte es werden.

Nun, schnell war es, ein Erlebnis auch, aber auf das Stricken der Ärmel wird das Ding noch lange warten dürfen: mal abge­sehen davon, dass mich das Ungetüm in einen Yeti ver­wandelt, gefällt mir auch die Wolle nicht mehr. Ein Bild hätte ich machen können, aber was soll ich euch ebenso quälen?

Da ich aber nicht auf­zu­geben gedenke, überlegte ich hin und her, her und hin, durch­forstete meinen Ravelry-Projekte-Ordner und meine Pul­lischublade, um genau das zu finden, was mich glücklich machen würde. Was nicht leicht ist, denn ich möchte Unver­ein­bares unter einen Hut zwängen: nicht denken, schnelles Vor­an­kommen, per­fekter Sitz und absolute Glück­se­ligkeit beim Blick in den Spiegel. Wie es aussieht, musste ich mich für das Eine oder das Andere ent­scheiden. Ich werde mich also durch viele Zöpfe und unend­liche Reihen arbeiten, um endlich wieder einmal ein Strick­stück zu fertigen, das ich wirklich haben will.

Und genau hier liegt wohl auch die Krux: meine Schublade ist so voll, dass von Bedarf nicht mehr zu sprechen sein kann. Der unbe­dingte Wille, dieses eine fehlende Teil im Schrank zu stricken, hat mich früher voran getrieben. Nun muss ich lernen, mit Genuß zu stricken — mein Ziel war immer das Ziel, nie der Weg. Das wird eine Umstellung …

Ein kleiner Fluch lag auch auf dem Mantel. Oder doch ein mitt­lerer? Am Sonn­tag­abend, müde, hungrig und irgendwie innerlich durch­froren, wollte ich ihn endlich beenden und begann mit den Knopf­lö­chern. Ja, da war die warnende kleine Stimme, die mir zuraunte, das sei eine wirklich dumme Idee und ich würde es bereuen. Aber wer bin ich, mir von irgendwem irgend­etwas vor­schreiben zu lassen? Doch trotz Schreib­tisch­lampe, gut aus­ge­leuch­tetem Nähfeld und all­ge­meiner Decken­be­leuchtung war das Licht nicht aus­rei­chend, um die Mar­kieren deutlich zu erkennen und so habe ich ein Knopfloch voll­kommen schief und falsch posi­tio­niert geschaffen. Ein kurzer Test am Pro­be­knopfloch zeigte: trennen würde sich das nicht lassen; muss also so bleiben. Welch ein Glück, dass ich entgegen mancher Unkenrufe eben doch keine Per­fek­tio­nistin bin.

Jetzt fehlt noch der Gürtel, vorher gibt es kein Bild von ihm an mir. Nur eines an der Puppe, an der er nicht wirklich gut sitzt:

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Nimmt ja gar kein Ende mehr hier mit den Dank­sa­gungen. Als ich vor zwei Wochen etwa lauthals nach schönem Man­tel­stoff brüllte, erhörte mich Ingrid und fragte an, ob ich unter Umständen etwas mit einem petrol-sandfarbenem Fischgrat mit türkisen und oran­ge­roten Streifen würde anfangen können; sie habe noch einen weiteren ähnlichen Stoff und benötige ihn daher nicht zwingend. Was mich in Erstaunen ver­setzte, denn ich rede mir ja gerne ein, dass jeder Stoff in meinem Schrank zwingend benötigt sei. Nun, außer, er ist es nicht, dann ver­schenke ich eben­falls gerne. Aller­dings finde ich schenken viel leichter als annehmen — aber ich überwand mich und danke hiermit nun auch noch höchst­of­fi­ziell für die liebe Gabe.

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Da ich noch immer mit meinem Mantel beschäftigt bin und mit der Planung eines weiteren in hellgrau, sehe ich in diesem Stoff ein Kostüm. Wenn ich denn endlich einmal voran käme mit all den 1.000 Dingen, die ich brauche, möchte, will.

Der Mantel raubt mir Nerven und da kann ich nur wieder danken: Arlett, die am Sonntag hier mit mir nähte und begut­achtete und meinen beiden Freun­dinnen Sarah und Viola, die gestern eine weitere Inspektion vor­nahmen. Mantel bzw. Design und Schnitt­führung bekamen Best­noten und ich das Verbot, mich geschlagen zu geben. So setze ich mich jetzt gleich ans Futter.

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Außerdem möchte ich mir für ihn den großen Luxus gönnen, einen Gürtel anfer­tigen zu lassen. Wenn alles andere dane­ben­gehen sollte, reißt er es sicherlich noch raus.

  

Vor etwa einer Vier­tel­stunde fand ich in unserem Brief­kasten einen Som­mergruß. Einen, über den ich mich sehr, sehr freue:

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Liebe Anne,

ich stimme nicht ganz zu: zwar mag dein Geschenk nach unseren Plau­de­reien der letzten Tagen nicht ganz über­ra­schend gekommen sein, aber niemals hätte ich damit gerechnet, dass du mei­net­wegen nun auch noch los­läufst und nur für mich mehr von diesem herr­lichen Stoff besorgst. Ich bin ganz beschämt und gerührt und freue mich wie eine Schneekönigin!

Ich danke dir von Herzen und werde mich anstrengen, deinen For­de­rungen gerecht zu werden. So lieb von dir, you made my day!

  

Ich habe keine Ahnung, wirklich keine Ahnung, wie ich das gemacht habe. Naja, eine Ahnung viel­leicht doch, aber das ist mir noch nie passiert:

Jedes Teil dieses Mantels — jedes, ernsthaft — hat eine andere Länge als das daneben. Das Problem liegt als erstes mal am Schnitt, den ich am Sonntag gebaut habe. Am grau­blauen Versuch stellte ich fest, dass ich viel zu viel Weite habe und außerdem einen zu großen Hals­aus­schnitt hatte. Das habe ich am Grund­schnitt geändert — Mini­mi­niän­de­rungen, der Taillen– und Hüfthöhe kaum betraf (ich habe alles gleich­mäßig höher gesetzt). Und dann habe ich am letzten Sonntag, bei herr­lichstem Wetter drinnen sitzend mit Schmerz­ta­bletten und Wärm­flasche, den Schnitt für den Mantel erstellt.

Es stellte sich gestern heraus, dass ich dabei eine Linie irr­tümlich als meine Saum­linie ansah und so den Vor­der­teilen mal eben 10 cm zu viel spen­dierte. Wodurch — da ich die Weite am Saum zugab — das Vor­derteil auf der rich­tigen Länge nun weniger weit ist als das Vor­derteil. Darüber durfte ich mich schon mal ärgern und mich heute an die not­dürftige Änderung begeben. Hmm, ja …

Irgendwie war das alles noch nicht so richtig rund und schön und sah selt­samst vorm Spiegel aus. So zwang ich das große Kind, mir rundum Taille und Hüfte mit Nädelchen zu mar­kieren und den Saum abzu­pusten. Aus zehn Längs­teilen besteht der Schnitt — also fünf Schnitt­teilen, die alle nach­ge­messen und über­abeitet werden müssen. Und eigentlich müsste der Grund­schnitt doch einmal bis zur Hüfte pro­be­genäht werden — hätte ich noch Pro­be­stoff im Haus. Außerdem muss ich den Stoff wohl an der einen oder anderen Stelle aus­ge­bügelt haben; anders kann ich mir die massiven Län­gen­un­ter­schiede nicht erklären. Was das Anpassen des Papier­schnittes nicht leichter macht, denn was weiß ich, wo es stimmt und wo nicht?

ABER: dafür ist der Sitz ansonsten deutlich besser. Ich hatte beim Grau­blauen den Papier­schnitt nach­ge­messen und fest­ge­stellt, dass ich statt der gewünschten 6 cm rundum der Taille 11 und der Hüfte 13 mehr spen­diert hatte. Weil ic die Zugaben im Grund­schnitt mal eben igno­riert hatte. Die nun, da ich schon wieder abge­nommen habe, sowieso völlig unnütz sind. Hurra, so macht das richtig Spaß und näh­tech­nisch ist dieses Jahr die größte Her­aus­for­derung überhaupt. Könnte ich drauf ver­zichtet haben …

Ich habe — mutig, mutig — die 6 cm an der Brust behalten und die Taille auf 5 cm redu­ziert, ebenso die Hüfte. Fühlt sich besser an und sollte auch mit dem Futter noch passen, zumal ich auf den Bildern noch einen dicken Gürtel drunter habe. Farbe stimmt nicht, aber das ist egal heute.

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Der Blitz war sehr, sehr hell; ich sehe jetzt noch Sternchen. Details werden alles ver­schluckt, aber in Wirk­lichkeit schmiegen sich die Tei­lungs­nähte sehr schön an, der Stoff fällt sehr glatt und fal­tenfrei nach unten — das ist schon mal das Plus. Aller­dings sind beide Vor­der­seiten ver­schieden lang, was mich extrem irri­tiert und unlustig stimmt, weiter zu machen. Die Taschen würde ich so nicht mehr machen und die fehlende Weite ärgert mich ebenfalls.

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Wie man sieht, bringt mein regel­mä­ßiges Fit­ness­training nicht viel; ich bleibe krumm. Aber hey, schnitt­tech­nisch bin ich weiter, denn diese Kurven — vorne wie hinten — nehme ich mitt­ler­weile spielend.

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Da ich den Rücken weiter gelassen habe — damit Strick­jäckchen darunter passen — und die Schul­ter­partie nocht keine aus­rei­chende Unter­stützung hat, wirkt der Rücken noch immer ein wenig zu lang. Das muss so, Punkt. Nur den Abnäher, den ich aus dem Arm habe kommen lassen, werde ich im Schnitt noch ein wenig breiter nehmen, da kann noch was weg.
Und dann muss ich mich ent­scheiden, ob ich die Weite vom hinteren Rockteil so erhalten und auf die Vor­der­seite über­tragen will oder anders­herum. Nachdem dieser Mantel ja nur so halb geliebt werden wird, gebe ich natürlich nicht auf und mache mich irgendwann in diesem Jahr gleich an den nächsten.

Kragen muss auch neu kon­struiert werden; den runden ersten Versuch mag ich nämlich auch nicht zu sehr. Schon gar nicht zur Nichtfrisur.