Immer wieder ärgere ich mich über Reiß­ver­schlüsse. Besser: ich ärgere mich darüber, wie meine Maschine sie einnäht.

img1620

Ups, sieht viel schlimmer auf dem Bild aus als in Wirk­lichkeit. Auf der linken Seite scheint der Fuß den RV deutlich stärker nach vorne über den Stoff zu schieben als rechts. Nun ist der Fadenlauf in diesem Beispiel leicht schräg gestellt, aber auch bei einem Fadenlauf in der HM entsteht ein ähnliches Bild.

Was tue ich schon? Ich messe die Länge des RV aus, übertrage sie auf den Stoff, markiere mir Anfang und Ende und die Bund­an­satznaht, ver­stärke den Stoff mit Formband, hefte den RV pro­be­weise ein, kon­trol­liere 10x, trenne meist ebenso oft und doch: eine Seite zumindest hat mehr Stoff– als Reiß­ver­schluss­länge. Wie also kann ich es noch genauer und besser hin­bkommen? Ist natürlich auch stoff­ab­hängig, manchmal ist im ersten Angang schon alles fein. Eher selten allerdings.

Ich werde nun aber nicht nochmal trennen — um solche Falten zu erhalten, reichten mir genau 3 mm mehr Stoff als Reiß­ver­schluss. Das nun ändern zu wollen, würde mich wohl in den Wahnsinn treiben. Also nähe ich nun Saum und Bund an und gut ist. Aber wer noch einen Tipp hat, der mich weniger Nerven und Aufwand kostet … bitte gerne!

  
img1617

Weil es schon lange nicht mehr so anfing:

EIGENTLICH liebe ich vor allem Blautöne von Blaugrau bis Blaugrün, aber meine liebste Farb­zu­sam­men­stellung ist Blaurot und Lila. Das kann ein Him­beerrot mit einem kräf­tigen Amethyst, ein Kirschrot mit einem Aubergine oder ein Dun­kelrot mit einem Brom­beerton sein — Haupt­sache bläulich und kontrastreich.

Nach dem petrolfar­benen Oberteil habe ich nach ver­bes­sertem (aber noch nicht idealem) Schnitt ein weiteres in kräf­tigem Lila genäht. Wochen davor entstand ein Rock aus einem helleren, blau­roten Woll-Baumwollmix. Beides zusammen — quel surprise! — liebe ich.

img1613

img1617

Nun dürfte man ein­wenden, dass Röcke gebügelt noch viel besser aussehen und ich habe auch kurz mit mir gerungen, ob ich nur für das Bild das Eisen aufheize. Aber das wäre ja fast schon geschummelt, denn dieser Rock — bislang unge­tragen — hing zwei Wochen lang frisch gebügelt in einem Klei­der­schrank, der ihm viel, viel Platz bot. Man erinnert sich: ich bin die Frau, die NICHTS zum Anziehen hat.
Und was tut dieser Rock bzw. der Stoff, aus dem er entstand? Er knittert und fältelt. Das Bügeln dieses Stoffes während der Ver­ar­beitung war schon nicht witzig: da fängst du an der einen Ecke an und dampfst und drückst und streichst, bis er eini­ger­maßen glatt zu sein scheint und hebst du ihn nach voll­brachter Arbeit auf den Tisch, dann knittert er schon wieder los. Den fertigen Rock bügelst du an seiner Vor­der­seite und drehst ihn sanft und lie­bevoll übers Brett und noch bevor die Sei­tennaht erreicht ist, ist die Vor­der­seite schon wieder kraus. Nun saß ich gerade in ihm, stehe auf und habe Falten, die jedem Bügel­eisen spotten. Somit ist die Version auf den Bildern das ulti­mativ Beste, was zu erreichen ist.

Und genau dieses Stoff­ver­halten ver­hindert, dass ich den Rock noch einmal trenne: es würde sich nicht lohnen. Warum trennen?

img1607

img1618

Kommt etwas mehr Bewegung ins Spiel, so sieht man deutlich: er ist zu weit. An der Taille habe ich locker 4 Zen­ti­meter zu viel, an der Hüfte min­destens genauso viel. Das liegt zum einen daran, dass ich dank Zucker­ver­zicht (8 Wochen nun!) von zuletzt 61,4 kg auf 58,5 runter gerutscht bin (was sich aber in Zen­ti­metern gemessen unge­wohnt wenig zeigt) und zum anderen an der Tatsache, dass ich etwas schlampig und unkon­zen­triert gear­beitet hatte.
Ich hatte nun also überlegt, alles — Futter, Bund, Saum und Rv — zu trennen und enger zu nähen. Begeistert war ich von der Aussicht nicht. Nachdem ich aber nun den Cha­rakter dieses Stoffes bis in seine dunkle Seele hinein erkannt habe, muss ich mich nicht weiter quälen: das bleibt so und ist damit sicherlich der hüb­scheste Haus­haltsrock, den man haben kann.

  
img1602

Grau. Liebe ich eigentlich. In Kom­bi­nation mit anderen Farben oder von Kopf bis Fuß. Doch in den letzten Jahren habe ich zu der Farbe meinen Draht merklich verloren.
Aber es gibt so Tage und Stim­mungen, da passt es. Gar nicht mal trist, sondern einfach unauf­fällig, etwas farblos eben. Wäre für mich momentan sogar ein Fort­schritt. Immerhin bin ich nicht mehr wütend, eher resi­gniere ich an meiner lästigen Erkältung.
Also grau für heute.
Grauer Himmel, graue Laune, graue Kleidung. Nicht schwarz, nicht weiß, sondern mit­tendrin. So ist das.

img1602

img1604

img1606

Da der Rock eben­falls in den letzten Wochen ent­standen ist — quasi ein Livetest des Rock­schnittes mit zuge­drehten Abnähern in Bezug auf Saum­weite und Sitz und Ver­wend­barkeit — hat das Grau auch eine weitere Berech­tigung als nur meinen inneren Zustand zu doku­men­tieren. Er ist neu, er ist genäht und er beweist: ich habe wirklich, wirklich etwas getan.

Dank Zusza war ich sogar fast moti­viert, diese Bilder zu machen — die ver­än­derte Kamer­a­po­sition muss ich noch ver­in­ner­lichen und statt nach oben das Kinn nach unten nehmen; so von oben herab bin ich nun wirklich nicht. Hätte ich hier jetzt mal gerade gestanden, dann könnte man viel­leicht sehen, dass der Rock zwar lang­weilig, aber ein Hüft­schmeichler ist. Ist aber auch nicht so wichtig, denn der eigent­liche Star des Bildes ist Momo.
Unsere zierlich-zarte, klein-feine schwarz-strubbelige Freund­lich­katze, die sich bislang nur selten zeigte, wenn geknipst wird. Sie ist das absolut ent­zü­ckendste Kat­zen­mädchen überhaupt. Außer morgens um 5:30 Uhr …

  
img1591

Reimt sich und alles, was sich reimt, ist gut. Stammt, wenn ich mich nicht sehr in meiner Erin­nerung ver­greife, vom Pumuckl. Das mit der kranken Frau ist aber nicht gut, für mich zumindest. Seit gestern nach­mittag scheint es wieder los zu gehen — ich kann keinen Tee mehr sehen, egal, ob Fenchel, Anis oder Pfef­fer­minze.
Doch anstatt mich wieder hin­zu­legen, denn so krank bin ich nicht, ver­suchte ich vor einigen Stunden aus der Kreatur des Alls, die mich aus dem Spiegel anstarrte, einen Mensch weib­lichen Geschlechts zu machen.
Sagen wir mal so: das ist ansatz­weise gelungen.
Falls Zombies zählen.
Ich wußte und weiß es eigentlich besser: mein krankes Ich mit viel Farbe zu bemalen, hat nie die Wirkung, die ich mir vor­stelle. Was ritt mich? Hmm, was auch immer, aber gibt es einen besseren Tag, als sich vor die geliebte Kamera zu stellen? Eben! Zumal ich mit dem Haar­schnitt gar nicht klar komme, nach einer miesen Nacht zu ermattet war, um das Haar zu waschen und es erneut zu ver­suchen. Aller­al­ler­beste Vor­aus­set­zungen! Zumindest, um letzte Reste mensch­licher Eitelkeit abzulegen …

Aber um was geht es wirklich? Um den Pulli, der vor mitt­ler­weile vier oder fünf Wochen endlich fertig wurde und in dem ich heute fröstele — ich denke, nachdem ich heute dem Mama­ta­xi­dienst abgesagt habe, werde ich gleich in die Wanne steigen und danach schauen, ob ich nicht doch noch etwas schaffen kann wie Hosen­beine enger nähen und Böden saugen.

img1591

Das Muster kommt toll raus. Das ist das Positive. Punkt. Ich komme leicht tot raus. Das kann man nun sehen, wie man will …

img1595

Wie immer gebe ich erst auf, wenn ich es so richtig satt habe — neuer Platz für die geliebte Kamera, ich rutsche auch für bessere Licht­ver­hält­nisse. Seltsam, dass die Pul­li­farbe nun stimmt, die Hose aber immer noch grell leuchtet. Da kapi­tu­liere ich jetzt. Auch vor der Tatsache, dass Minusch diesen Moment wählte, um mich zu umschmei­cheln und mir eine Stoffmaus zu Füßen zu werfen. Kurz vorm Blitz erst blickte ich wieder hoch, Haare wild im Gesicht. Das muss so.

img1599

Nach vier Ver­suchen, ein Bild mit etwas mehr Abstand zu erhalten, erklärte ich dann doch: "Ich mag das nicht! Schluß! Aus! Basta! Für heute reicht's!" Und nach diesem Bild werde ich mich wohl doch noch mal auf die Suche nach form­schöner Form­wäsche machen. Longline-BHs, unge­polstert, in 70E/F — falls da jemand was auf Lager hat, her damit. Ansonsten habe ich dann dank Gimp doch noch eine Mög­lichkeit gefunden, mich als Kunstwerk zu fühlen:

kunst

  
img1567

Ich hasse, hasse, hasse das Foto­gra­fieren. Die dämliche Kamera, die falschen Farben, die ver­zerrte Dar­stellung und mein unglaub­liches Untalent — vor und hinter der Linse. Vor allem verdirbt diese Chose mir Laune und Freude an Klei­dungs­stücken, die mir gefallen. Gefielen. Bis ich sie digital ver­ar­beitet vor mir sehe.

Der Versuch gerade eben im Kel­lerflur, ein Bild von dem zu nehmen, was ICH sehe, wenn ich anpro­biere, schei­terte grandios an meiner Unfä­higkeit, die Kamera still zu halten. Was durch Mechanik und Technik des Mist­dings eh ver­hindert wird: um ein scharfes Bild zu erhalten, muss ich den Aus­lö­se­knopf drei Sekunden lang auf halber Position zwischen Vögelchen und Nest halten und dann drücken. Witzig.

Danach habe ich die Bilder bzw. die ent­stan­denen Sil­hou­etten — Kel­ler­spiegel und Selbst­aus­löser — ver­glichen und wie bei diesen "Finde-den-Fehler"-Bildern (den wirklich guten, bei dem Gemälde der letzten Jahr­hun­derte ver­fälscht werden) sitze ich davor und denke, das sieht anders aus, nur weshalb und wo? Natürlich, die Sei­ten­um­kehrung spielt eine Rolle, aber dann spielte ich in Gimp mit hori­zon­talen Spie­ge­lungen und der Effekt blieb. Weshalb gefällt mir etwas im Spiegel, doch auf dem Bild kaum? Weshalb sehen manche Stoffe, Frisuren, Effekte im wahren Leben voll­kommen anders aus? Das beschäftigt mich deshalb, weil ich es schwierig finde, mich vom häß­lichen Digibild zu trennen und mich, mein digi­tales Ich (mein wahres Ich?) freund­licher zu sehen. Wollte ich mir darüber heute morgen, nach zwei Wochen Krankheit und noch leicht rekon­valsezent, Gedanken machen? Hier stehen vier Körbe Wäsche, auf der Leine hängt noch mehr, das große Kind ist schon wieder leicht krän­kelnd zu Hause geblieben, Bad, Böden und Betten schreien nach Pflege und ich wollte "nur mal eben" eine neue Klei­der­schran­ker­gänzung zeigen. Eine, in der ich mich sehr wohl­fühle, da nichts einengt, alles weich fließt und in der ich mich schön fand — soweit mir das gegeben ist, hahaha.

Nun ja, genug jetzt, weshalb sollte ich auch gute Laune haben bei dem Saustall, den ich hier zu besei­tigen habe? Eben.

img1569

Yepp, da ich besagte Wäsche­körbe erst aus dem Weg hätte räumen müssen, um Bilder im Warmen zu schießen, ging ich raus. Hat sich gelohnt … alle Mängel hoch 10. Wie gestern schon gesagt, die Schul­ter­breite ist viel zu lang; daraus resul­tieren die Falten von oben zur Brust. So kann eben auch der Eindruck von zu eng an der Brust­linie ent­stehen, denn im Ver­gleich zu Taille und Ach­selhöhe habe ich an der Ober­weite lediglich eine Mehr­weite von 10 cm (wieso das mit Punto di Roma geht, aber bei einem Blu­sen­schnitt drei Nummern zu groß wäre — Rätsel der Menschheit!) während die anderen beiden Regionen gute 20 haben mögen.

Aber obwohl es auf dem Bild schlimm aussieht, ist es mir doch egal. Nahezu. So gut wie.

img1567

img1568

Als ganz besonders nervend hat sich die schwache Batterie der Kamera erwiesen (und keine pas­senden im Haus, logisch): der Blitz lud und lud und lud. Und ich stand und stand und stand. Lachte, lächelte, grinste, fror ein. Bild ver­wa­ckelt, Spiel von vorne. Auf den Bildern, die nichts wurden, lächelte ich hold­selig und hoffnungsfroh.

Farben stimmen auch nicht, das Ganze ist etwas grün­licher, tiefer, glänzt nicht und vor allem der Stoff des Rockes ist einfach sagenhaft:

stoff1

stoff2

Das Unver­ständ­liche ist, dass ich diesen Stoff seit über einem Jahr immer wieder beiseite gelegt hatte: nicht, weil er mir zum Anschneiden zu schade gewesen wäre, sondern weil er mir zu laut, zu billig, zu auf­dringlich erschien. Ich schob diesen Fehlkauf auf geistige Umnachtung, auf das Ver­langen, unbe­dingt Beute zu machen, wenn auch nichts zu finden war, auf das schlechte Licht in der Stoff­ab­teilung. Letzten Endes nahm ich ihn für diesen Schnitt­versuch — zu dem ich heute nichts mehr sagen mag, obwohl es darum heute hätten gehen sollen — und schon beim ersten Steppen leistete ich Abbitte; auf einmal zeigte er sich edel, struk­tu­riert, inter­essant und tief. Es ist eine Woll-Viskose-Poly-Mischung vom Karstadt-Angebotstisch und hat mich maßlose 2,- € gekostet …
Dass es mir nun nicht gelingt, Rock und Stoff in ihrer wahren Schönheit zu zeigen … erwähnte ich, dass ich ver­ärgert bin und frus­triert vom Fotomist? Even­tuell könnten Arlett und Sabine bestä­tigen, dass er schön ist. Der Rock, nicht der Mist.

PS: Habe übrigens einen Fehler gefunden.Nein, nicht einen Fehler, DEN Fehler: Ich fühle mich vor der Kamera so unwohl, dass ich schief und schräg stehe. Immer noch. Dank Gimp und meiner Bil­der­dre­herei weiß ich mehr:

vergleich1

Kame­rabild und mein Spie­gelbild. Wie ich mich von Bildern und wie vom Spiegel kenne — viel­leicht etwas weniger verschwommen.

vergleich2

Kamera und gedrehtes Spie­gelbild. Immer noch finde ich den Spiegel irgendwie anders und netter.

vergleich3

Drehe ich beides spie­gel­ver­kehrt, so ist mir das umge­kehrte Digibild voll­kommen fremd; erst hier fällt mir auf, ich stehe komplett gekippt — was keine Absicht war: Das Bild war dazu gedacht, einmal ungepost gerade zu stehen, damit man die Schnitte erkennen kann. Stehe ich vorm Spiegel (und ich stehe gerne davon, auch wenn ich mich mal nicht mag), so stehe ich gerade.
Kein Wunder, wenn ich auf Bildern immer Falten finde, die sonst nicht da sind. Habe gerade statt auf­zu­räumen mal andere Bilder gespiegelt. Yepp. Wie Kaninchen vor Schlange. Der schlimmste Beruf der Welt: bestimmt Model!