Hose I: Petrol

Enge/schmale Hosen in Serie. Am besten fange ich mit der an, mit der alles wieder begann: die petrolfarbene Hose, die als Ersatz für die abge­lebte und — leider muss ich es gestehen — gerissene blaue Hose gedacht war und die zwei Jahre lang 97%ig beendet in einer Schublade lag. Weil sie damals seltsam schlottrig saß. Nun nicht mehr …

Ich habe den Beleg fest­ge­stoppelt, die Länge auf Knö­chelhöhe gekürzt und den schludrig ein­ge­nähten RV belassen, wie er ist; damit lebe ich ganz gelassen und sehe es als Desi­gnelement. Versuche ich mir ein­zu­reden. Aber da ich diese Hose zunächst komplett trennen und als Schnitt­muster hatte ver­wenden wollen, finde ich, sie ist mit dieser Lösung wirklich gut davon gekommen :-D

In Knips-und-geknipst-werden-Laune bin ich heute morgen nicht gewesen — dieser so abrupt abge­bro­chene Sommer schlägt mir ein wenig aufs Gemüt. Daher gibt es zwar –artig, wie ich nun einmal bin — 360°Grad-rundum-Bilder, aber gedanklich beim Haushalt, zwei sich fet­zenden Katzen und zwei sich seltsam ruhig ver­hal­tenden Söhnen wollte mir ein Strah­le­lä­cheln nicht gelingen.

img1524

img1525

img1526

img1527

img1528

So, nun habe ich mich einmal um die eigene Achse gedreht, damit ihr alles sehen könnt. Völlig erschöpft ob dieser sport­lichen Anstrengung sitze ich nun auf meinem Bett, tippe diese Zeilen und friere, was ich dum­mer­weise nicht ändern kann: Fenster ist geöffnet, Türen und alle anderen Fenster auch zwecks Lüftung. Und aus­ge­rechnet diese kurzen Minuten meines ego­is­ti­schen Tuns nutzt Minusch, um es sich auf mir gemütlich zu machen. Im oberen Stockwerk! Obwohl es diesen Kat­zendeal gibt: Momo kuschelt oben, Minusch unten. Mein Gewissen und ihr Blick sagen beide, es wäre unerhört, unfassbar, unver­zeihlich, würde ich sie nun von diesem Platz verjagen.
Was also tut der mensch­liche Teil einer Katzen-WG? Bleibt frierend hocken und schreibt weiter.

Bei­spiels­weise kann ich noch erzählen, dass die Farbe der Hose selbst­ver­ständlich nicht von meiner Kamera richtig erfasst wurde. Es ist blaues Petrol, mehr so:

img1527b

Weiter lässt sich berichten, dass ich am Samstag zum zweiten mal bei meinem neuen Lieb­lings­friseur war: Cut'n'Roll in der Brü­der­gasse. Winzig klein, aber wun­derbar. Alles geht sehr flott, die Damen dort sind Zucker und weit weg vom sonst so üblichen — dem scheinbar stylish-hippen Schwarz, der Post­mo­derne, dem Tren­digen. Wobei das sicherlich genauso locker geschnitten wird wie die 50er-Frisuren, auf die man sich spe­zia­li­siert hat.
Die Frage ist, ob ich heute mit meinem Kopf die beste Werbung bin: gestern vor­mittag gewa­schen und dann ver­gessen und trocknen lassen, heute morgen nur schnell durch­ge­kämmt. Da geht auf alle Fälle mehr :-)

Was auf keinen Fall uner­wähnt bleiben darf, ist die auf­op­fe­rungs­volle Arbeit des Gatten am gest­rigen Nach­mittage: seit Wochen will ich wieder an die Knittax, aber die Hin– und Her­räu­merei von Näh­ma­schine und Strick­ma­schine ist mehr als nur lästig. Also jammerte ich einige Tage, ob es denn nicht möglich sei, ein wie auch immer gear­tetes Tischchen zu basteln, auf dem Letztere Platz hätte und das in mein Zimmer passt, ohne es komplett zu ver­stopfen. Am liebsten auf pas­sender, nied­ri­gerer Sitzhöhe, mit Platz für das Patent­gerät und Sei­ten­hal­te­rungen, um das Maschinchen am Ver­rut­schen zu hindern. Also ganz simpel und schnell, natürlich.

Den ganzen Nach­mittag hat er gebaut, gesägt, gehämmert und geschraubt. Natürlich stehe ich in ewiger Dan­kes­schuld, aber dafür ist die Knittax nun endlich aus dem Wohn­zimmer ver­schwunden, wo er sie nie haben wollte … haben wir doch beide was von :-D

img1529

Damit kann ich mich endlich an die Pullis begeben, die ich von Hand nicht stricken mag, da zu öde: Längere, weitere in glatt rechts. Denn nun habe ich zwar wieder einige Hosen im Schrank, aber nicht wirklich gut dazu passende Ober­teile. Oder mir passende Ober­teile. Was mich darauf bringt, dass ich ganz, ganz bald mit der Kon­struktion von pas­senden Ärmeln beginnen muss.

Nun jaulten erst die Jungs, dann die erschreckte Minusch und ich bin frei, mich in den ver­lot­terten Haushalt zu stürzen, bevor ich in die Küche verbannt werde. Alles wichtige ist gesagt, das war's.

  

Quo vadis?

Dies hier wird einer dieser Beiträge, bei denen ich zu Beginn des Schreibens noch nicht weiß, wo er endet; Schreiben als Gedan­ken­sor­tie­rerei hat sich für mich bestens bewährt.

Manchmal sind erzwungene Gege­ben­heiten nicht nur lästig, sondern vor allem eine Gele­genheit, sich neu zu sor­tieren, zu ordnen und (zurück) zu finden. Dabei geht es nicht um etwas Großes, Dra­ma­ti­sches, sondern ganz ober­flächlich um Kleidung. Wobei: ober­flächlich wäre eine ober­fläch­liche Betrachtung, denn Kleidung drückt nach außen doch aus, was wir von uns selbst halten, wie wir uns sehen, was wir mögen, was wir wollen und was nicht.

Bei mir sind es zwei Faktoren, die mir dieses Über­denken auf­ge­drängt haben: die Gewichts­zu­nahme und das Gefühl von "Da ändert sich doch was …?". Nach wie vor habe ich kein Problem mit meinem Alter, aber so ganz stimmig waren für mich Äußeres, Inneres und Ver­pa­ckung nicht mehr in den letzten Monaten. Ganz deutlich wurde mir das, als wir vor einigen Wochen in Maas­tricht waren und ich im Vichy­kleid der Hitze trotzte. Ja, es macht eine gute Figur, es war luftig und es passte noch so gerade eben. Aber Stoff und Schnitt fühlten sich nicht mehr gut, nicht mehr nach mir an. Und da ich eh dabei war, meine Grund­schnitte zu erneuern, schien das der richtige Zeit­punkt für eben jene Über­le­gungen zu sein.

Zur Zeit sind in meinem Klei­der­schrank drei Teile, die noch richtig gut passen, und zwei Kleider, die immerhin noch passend genug sind. Das ist nicht viel und Zeit war knapp — die Som­mer­ferien sind nicht nur der Feind jeder Blog­gerin, sondern auch der jeder Schnei­derin, vor allem, wenn auch der Gatte zu Hause ist: zum Nähen kommt man nur schlecht, irgend­etwas ist immer. Unbe­lastet von zu nähenden Teilen, von Zeit zu Zeit ein oder zwei Reihen stri­ckend, hatte ich so Zeit und Muße genug, meinen Klei­der­schrank, die Woll­truhen und Stoff­regale aus­zu­misten, meine Blog­ein­träge der letzten Jahre zu betrachten und in Geschäften Kleidung zu pro­bieren. Wo ich dann — irgend­etwas muss man ja tragen — eine enge blaue Hose, zwei blau-weiß– gestreifte T-Shirts und eine blaue Bluse mit weißen Punkten erstand. Was mir unglaublich viel Druck und Last von den Schultern nahm. Und für Ver­wun­derung sorgte … :-D

Als ich am Sonntag nämlich bei Freundin Arlett auf Simone und Sabine traf, um gemeinsam zu nähen, waren die Damen wohl ver­blüfft. Noch ver­blüffter viel­leicht darüber, dass ich nicht nur eine Hose trug, sondern auch gleich noch eine nähte. Auch am Montag wurde das Tragen dieser Hose mit Erstaunen und durchaus begeis­terten Kom­men­taren begleitet, was nun so langsam mich ver­blüffte. Und den Gatten befragte, der meinte, das sei ja nun wahrlich nicht das erste Mal, dass ich sowas trage. Genau. Aller­dings ist das letzte Mal gute zwei Jahre her …

Damals passte — quasi über Nacht — meine 2008 genähte Hose nicht mehr, mit der ich an meinen 90er-Look anschloß. Am besten passte sie mir zwei, drei Jahre später, als ich endlich ein wenig zunahm und damit alle Falten und Probleme der Hose eliminierte:

hose

Diese Hose — theo­re­tisch nach einem Bur­da­schnitt — hatte mich viel, viel Arbeit gekostet, bis sie saß. Als ich dann mit dem Kon­stru­ieren von Schnitten begann, standen Hosen nicht oben auf meiner Liste und seitdem war die Zeit immer zu knapp und die Nerven immer zu schwach, um mich auch noch mit Hosen­paß­fomen zu beschäf­tigen. Und so, nachdem die geliebte Hose end­gültig aufgab, ver­schwanden die engen Hosen aus dem Schrank. Vor etwa zwei Jahren nahm ich noch einmal Anlauf, suchte und fand einen ähnlichen, wenn auch dünneren Stoff bei Karstadt, trennte die blaue Hose auf und nutzte sie, um einen Schnitt für Nummer zwei zu basteln. Doch so recht gelang es nicht: die Zugaben war zu reich­haltig, die Hose schlot­terte und so richtig wohl fühlte ich mich darin nicht mehr. Nach Krankheit und Tod meines Vaters kümmerte es mich nicht mehr. Im letzten Jahr habe ich dann drei weite Exem­plare genäht, die — Über­ra­schung, Über­ra­schung — nun auch nicht mehr passen. Was mich nun zum Hosen­nähen zwang.

Welch ein Glück, das meine Wünsche sich auf Ziga­ret­ten­hosen richtete, ich aus­mistete und dabei die nie beendete enge Hose fand, die nun deutlich strammer und deutlich besser saß. Aber, dumm von mir, den dazu gehö­rigen Schnitt hatte ich schon vor ewigen Zeiten entsorgt. Eines führte zum Anderen und ich begann, meine alten Burdas zu durch­wühlen (etwa 20 Hefte Burda und 5 Knipp hätte ich anzu­bieten, wer Interesse hat …?), um den Ori­gi­nal­schnitt zu finden. Ich fand ihn und kopierte letzte Woche mühsam aus — wie ich das hasse. Dann rannte ich in die Stadt, besorgte gleich 3 Stretch­stoffe und legte los. Wie immer: Burda passt mir nicht, die Wei­ten­zu­gaben sind aben­teu­erlich und auch in der Leibhöhe musste ich einiges ändern. Aber mit einigem Hin und Her hatte ich am Freitag eine fertige dun­kel­blaue Hose. Am Sonntag begann ich mit der grauen, heute beendete ich die petrolfarbene von vor zwei Jahren und nachher schneide ich noch eine rote Ziga­rette zu. Damit bin ich für den Herbst, der dieses Jahr wohl schon vor der Türe steht, schon einmal bein­tech­nisch gewappnet.

img1513

In den Augen anderer scheint sich damit bei mir einiges im Stil geändert zu haben, in meiner eigenen Wahr­nehmung nur insoweit, als ich mich auf gerad­li­nigere Sil­houette zurück besinne: Röcke mit mässiger Weite, klarer Schnitt­führung und Kleider zwar wei­terhin gerne mit Raf­fungen im Oberteil, aber nichts zu ver­spieltes oder nied­liches. Und jetzt bin ich auch endlich wieder an dem Punkt ange­langt, an dem ich mich aufs Nähen freue. Yay!

Bilder mit Hosen an mir gibt es noch nicht, aber dem­nächst, dem­nächst bestimmt.

  

Wer bin ich? Das bin ich.

Manchmal stehe ich unter der Dusche oder bin beim Einkauf oder sitze im Auto und es kommt mir ein Gedanke, über den ich gerne schreiben möchte, will, muss. So auch heute. Seit Sonntag abend bin ich dabei, meine Woll­voräte — Stoff war letzte Woche dran — zu sor­tieren und dabei fielen mir neun Pullis in die Hände, die ich schon seit Jahren ribbeln will. Zwei liegen noch vor mir; eine wirklich mühsame Ange­le­genheit, bei der ich alberne TV-Shows schaue und ansonsten meine Gedanken treiben und kreisen lasse. Irgendwann fiel mir auf, dass ich nun Mitte 40 bin und sich doch einiges getan hat. Auch in Punkto Ehr­lichkeit und Akzeptanz mir selbst gegenüber.

Denn wer bin ich? Oder besser: welche Eigen­heiten, welche Gefühle, welche Vor­stel­lungen machen mich aus?

Meiner Per­sön­lichkeit treu bleibend beginne ich mit dem Nega­tiven (also mit den nega­tiven Dingen, dich ICH wahr­nehme, da habe ich bestimmt noch was vergessen …).

Ich bin unglaublich lär­m­emp­findlich. Selt­samer erster Punkt, so möchte man meinen, aber aus dieser Lär­m­emp­find­lichkeit ent­wi­ckelt sich viel anderes. Mir bereitet Lärm kör­per­liche Schmerzen und see­lische Qualen; ich träume von einem herrlich stillen Tag, an dem nichts anderes als ein Mix aus Regen, Wind, Vogel­ge­zwit­scher und schnur­renden Katzen zu hören ist. Kein Baulärm, keine nach­bar­liche Schrott­musik mit Wum­mer­bässen, keine krei­schenden Bremsen und keine schrei­enden (eigenen) Kinder.
Nun hatte ich von Februar letzten Jahres bis vor einem guten Monat keine zehn Meter von mir entfernt eine Bau­stelle — ein höchst unpro­fes­sio­nelle — mit Arbeit von Mon­tag­morgen bis Sams­tag­abend. Keine Mit­tagsruhe, keine Pause, kein Nichts. An den hei­ßesten Tagen saß ich mit heu­lenden Kindern (auch ihnen war es zu laut, vor allem bei den Haus­auf­gaben) in einem her­me­tisch abge­rie­gelten Raum mit Kopf­hörern auf den Ohren. Das hat mir nicht gut getan, der Haß floß aus jeder Pore; ich wurde aggressiv und aus­fallend, unge­duldig, böse und unge­recht. Was mich sehr erschreckt hat.

Ich halte mich eh für recht unge­duldig, da ich mich weigere, Dinge öfter als dreimal zu erklären. Ich bin eher schnell als genau, hasse Termine, die meine freie Zeit bestimmen (Besuch mal aus­ge­nommen), mit über­trie­bener Vehemenz, ticke zu schnell mal aus, werde täglich fauler und bequemer, setze mich mit unwich­tigen Dingen unter Druck und sehe wich­tiges zu ent­spannt und — am schlimmsten — arbeite nicht gut genug daran, das zu ändern. Ich bilde mir meine Meinung sehr schnell, sage sie entweder sofort oder nie und bin eine Mama, die nicht bastelt. Ich verbeiße mich in manche Projekte so sehr, dass anderes darunter zu leiden hat, oder pfeffere nicht auf Anhieb gelin­gendes zu schnell in die Ecke. Ich erwarte gute Ergeb­nisse, ver­weigere aber mitunter eine adäquate Anstrengung meinerseits.

Das sind so die Dinge, die mich an mir am meisten stören, die ich aber auch nicht in den Griff bekomme und zu denen ich mitt­ler­weile stehe. In früheren Jahren sah ich nur dieses Negative an mir, gemixt mit meiner Nörgelei an meinem Äußeren. Kom­pli­mente, Lob und Prei­sungen anderer bei­spiels­weise durch Kunden-Dankeskärtchen, Freun­din­nen­mei­nungen und Date-Reaktionen blieben mir wei­test­gehend unver­ständlich und sorgten für ein Gefühl von Pein­lichkeit und Hochstapelei.

Bild183

Aber so, wie ich nun das Negative annehmen kann, kann ich heute auch zum Posi­tiven stehen:

Ich bin groß­zügig, gebe gerne, was andere besser brauchen können, teile, was sonst nicht zu haben ist, erkenne eine große Band­breite an Schönheit und Ein­stellung anderer an, kenne keinen Neid und keine Mißgunst, freue mich über Erfolge anderer, stehe loyal zu jeder Freundin, kann nachts um 3:00 für jeden Kummer ange­rufen werden und bin ehrlich, in dem, was ich sage und ver­spreche. Ich bin mit­fühlend, hilfs­bereit und alt­mo­disch höflich, wenn es um das tägliche Mit­ein­ander geht. Ich habe und hatte Freun­dinnen aus allen Teilen der Welt, mit jeder mög­lichen Haut­farbe und jeder mög­lichen Religion und bemühe mich, meine Vor­ur­teile aus dem Weg zu räumen, wenn sie mir doch noch einmal auf­fla­ckern sollten. Ich liebe meine Tiere und die der anderen und bin eine 60/40-Vegetarierin/Veganerin, da mir Lei­chen­berge jeder Art ein Horror sind. Ich möchte für jeden Menschen mehr als nur eine Wahl­mög­lichkeit und ein Höchstmaß an Chan­cen­gleichheit, wohl wissend, dass das leider utopisch ist, was mich aber dazu bringt, zumindest per Wahl­stimme mich überall dort ein­zu­setzen, wo es anderen viel schlechter geht als mir. Das Wissen um den Zustand unserer Welt geht mir sehr nahe.

Dann gibt es auch einfach die Dinge, die weder positiv noch negativ sind:

Ich stehe gut links von der Mitte, empfinde aber auch meine Stamm­partei als nicht mehr ganz für mich passend, was traurig ist. Ich bin vor allem Hausfrau und dennoch altes Eman­zen­ur­ge­stein, finde nicht alles, was Alice sagte und tat, fan­tas­tisch, ihre Person aber nach wie vor. Ich lese, seit ich drei bin und das vor allem in meinem per­sön­lichen 3K-Bereich: Krimi, Komik, Klassik und kenne mich vor allem in letz­terem Bereich ziemlich gut aus. Ich liebe Jane Austen, ver­ab­scheue aber den Kult der­je­nigen um sie, die in ihren Büchern nur die Romanze sehen. Ich höre kaum noch Musik, da (s.o.) schon genug Geräusch um mich ist, aber wenn, werde ich wohl schon alter­snost­al­gisch und lege vor allem 80iger, Chanson und Rock auf gemixt mit Händel, Mozart, Vivaldi, Telemann, Beet­hoven und Bach. Ich liebe Filme, die entweder aus den 30er-50er stammen oder aber in dieser Zeit spielen und schaue mir sogar ganz miese zu Ende an — notfalls ohne Ton — wenn die Kostüme ein Traum sind. Ich liebe Serien wie Black Adder, Pushing Daisies, Doctor Who, Buffy, Foyle's War, Poirot, Miss Fisher's Murder Mys­teries oder Büro, Büro und Drei sind einer zu viel (wieder Alter­snost­algie, ganz gewiß). Ich war eine schüch­terne, selbst­zwei­felnde und miese Schü­lerin, die nur in Deutsch, Religion und Geschichte Einsen und Zweien ein­heimsen konnte, habe einen IQ von über 135 (was mir aber auch nicht genutzt hat) und lerne für mich alleine gerne, sorg­fältig und viel. Solange es mich inter­es­siert, ansonsten bin ich gerne mal schwer von Begriff und nicke freundlich mit dem Kopf. Ich lese gerne vor und habe schon manch einen Besuch unver­mutet zum Zuhören gezwungen, stehe sehr, sehr ungern im Mit­tel­punkt, habe kein Problem damit, eine Rede vor einer Gruppe zu halten, stehe auch nicht gerne am Rande alleine, hasse große Gruppen, finde aber immer zwei, die ticken wie ich und fühle mich dann wohl. Mit Prü­fungs­si­tua­tionen kann ich nicht umgehen, was erstaunlich für mich ist, da ich ja Seminare abhalten konnte, ohne vor Angst zu zer­fließen. Als Kind habe ich vor allem gelesen und gemalt und später gezeichnet und bereue, dieses (sehr kleine) Talent nicht aus­gebaut zu haben, denn mitt­ler­weile bin ich in dieser Kunst unfähig. Ich würde gerne singen können, kann meine Stimme nicht leiden, rede entweder wie ein Was­serfall oder schweige nickend vor mich hin. Ich möchte einen gemüt­lichen Krimi schreiben, wage mich aber nicht voran. Ich mag Vor­ge­dachtes, Vor­de­si­gnetes, Mas­sen­taug­liches meist nicht, habe mich aber doch in einige Monster-High-Püppchen verliebt (und bin daher in den Augen der Freun­dinnen des großen Sohnes eine ziemlich tolle Person). Ich mag Farben, hasse Schwarz, bevorzuge heute das Wetter in Frühling und Herbst, komme mit dem Sommer nun schlechter und dem Winter ein wenig besser klar als noch vor einigen Jahren. Ich habe zwei Kinder im Bonner Geburtshaus in der Wanne zur Welt gebracht, was ich mir nie zuge­traut hätte, aber fan­tas­tisch klappte. Bin dem Eso­te­ri­schen gegenüber eigentlich nicht auf­ge­schlossen, habe aber dennoch drei nahezu über­sinn­liche Erleb­nisse gehabt, an deren Ein­ordnung ich nach wie vor arbeite. Ich finde mich abwech­selnd ziemlich häßlich und eini­ger­maßen hübsch, kann mit Kom­pli­menten noch immer nicht umgehen, freue mich aber sehr darüber. Ich laufe durch die Stadt und sage Frauen, die mir gefallen, dass sie mir gefallen und empfinde dabei viel Glück. Ich laufe durch die Stadt und sage heute manchen Menschen sogar mal, dass es höf­licher gewesen wäre, mir die Türe nicht vor der Nase zufallen zu lassen und erschrecke dann über meine eigene Unver­schämtheit. Ich fange leicht und schnell Gespräche mit Fremden an und bin schüchtern auf eine extro­ver­tierte Art und Weise. Ich stelle all meine Kleidung selbst her und habe zur Zeit nur zwei Teile, die mir noch passen. Und deshalb sollte ich nun aufhören, schnell den Haushalt erle­digen und endlich, endlich wieder mit dem Nähen beginnen.

img1509

img1508

img1507

img1506

img1504

Das bin ich. Wer bist du?

Bild182

  

Geht zu — passt! Mal herzlich gelacht …

Es ist schon eine Weile her, dass ich in einer Damen­ober­be­klei­dungs­um­klei­de­kabine stand. Mein mona­te­langer Frust mit den Grund­schnitten gemixt mit der momen­tanen Hitze und dem Ausflug nach Maas­tricht brachte mich heute vor­mittag dazu, mich in diverse Geschäfte zu begeben, um mich zu quälen. Oder meine Nählust ans­zu­sta­cheln, alles eine Frage der Sichtweise.

So stand ich zunächst bei Zara in der Umkleide. Zara hatte ich 97 oder 98 für mich entdeckt als der erste Beklei­dungs­an­bieter, dessen Hosen mir nicht zu kurz waren. Für mich absolut sen­sa­tionell und mit meinen dama­ligen 52 kg passte ich relativ pro­blemlos in die haus­eigene 38. Da zu dem Zeit­punkt auch alles in der Hüfte saß, musste ich mir zumindest um das Taillen-Hüft-Verhältnis keine Gedanken machen; Kleider jedoch waren noch eine Mög­lichkeit für mich: zu eng, zu kurz, zu weit, zu alles. Dennoch war Zara für mich der Anbieter, der für mich am pas­sendsten schnei­derte und auch ein Angebot hatte, das zwischen Klassik und Moderne alles hatte, was ich wollte. Fast alles zumindest.

Heute griff ich dann gleich zu L, was einen kurzen Augen­blick lang ein befremd­liches Gefühl war. Ich schnappte mir einen über­knie­langen, blauen Blei­stiftrock mit großen, hellen Blüten, ein rosa Kleid mit engem Rock, eine blaue, enge Hose und einen dun­kel­blauen Strick­fal­tenrock. Ja … was kann ich sagen?

Am Blei­stiftrock hätte ich in der Taille gute 10 cm ent­fernen müssen und für einen Augen­blick lang war ich sehr versucht, das auch wirklich zu tun — solche Stoffe bekommen wir Selbst­nä­he­rinnen einfach nicht: Viskose-Baumwoll-Mischung mit ein klein wenig Elasthan, knit­terfrei, fest, angenehm. Aller­dings hätte ich aus den NZ der Hüfte nicht genügend heraus bekommen; mein Profil wurde eher unschmei­chelhaft betont :-D

Der Strickrock … wäre ich auf Kon­fektion ange­wiesen, so wäre nun mein Tag gelaufen. Es lässt sich kaum beschreiben, was dieses Ding mit mir tat. Zum ersten Mal in eminem Leben kam ich mir wirklich, wirklich füllig vor. Dass ich kein zartes Rehlein mehr bin, weiß ich wohl, aber das war ein Walroß, das mir schnaufend entgegenblickte.

Die blaue Hose kam ohne RV aus und endete knapp vor dem Bauch­nabel — ich denke, DIE Zeiten sind nun wirklich vorbei, aber sie passte. Irgendwie. Und vor zehn Jahren hätte ich sie wahr­scheinlich ein­ge­packt, wohl wissend, dass ich nichts besser sit­zendes bekommen würde.

Das Kleid machte mir dann end­gültig klar, wie wun­derbar das Sel­ber­machen ist. Das Gute: es saß in der Taille perfekt. Das Schlechte: das war aber auch die einzige Stelle, an der es keine böse Über­ra­schung gab. Vor meinem inneren Auge lief der depri­mie­rende Film ab, der von Krisen in Umkleiden und Zusam­men­brüchen vorm hei­mi­schen Spiegel sprach. Ich konnte es kaum erwarten, nach Hause zu kommen und irgend­etwas zu nähen. Theo­re­tisch zumindest, denn in der Realität stand ich sofort in der Küche und nun ist mir warm und müde zumut'.

  

Smaragdgrün …

… ist eigentlich etwas zu leuchtend für mich, aber da ich sämt­liche Blau­grüntöne für mich in Besitz genommen habe, fühle ich mich dennoch sehr wohl im Pfau­en­fe­der­pulli. Oder würde mich darin wohl fühlen, wäre es nicht viel zu heiß für Strick.
Als nun aber heute morgen es sint­flutete, setzte ich mich unter das Ter­ras­sendach und knipste Bilder, bevor es wieder heiß und schwül werden würde. Außerdem hatte ich die — ver­geb­liche — Hoffnung, frühes Tages­licht würde die Farbe korrekt wie­der­geben. Nein, bleibt unfo­to­gra­fierbar. Und auch der Versuch, das mit Gimp in den Griff zu bekommen, war ver­geblich. Deshalb kommen nun ent­setzlich viele Bilder, alle mit unter­schied­lichem Far­beffekt und irgendwo dazwi­schen liegt die Wahrheit.

img1486

img1487

img1488

img1489

img1490

Und nein, ich würde nor­ma­ler­weise nichts weißes darunter tragen, aber kurz­ent­schlossen, wie ich war, konnte ich auf derlei Fein­heiten keine Rück­sicht nehmen. Sonst hätte ich wohl auch meine noch feuchten Haare lie­bevoll in Form gebracht. Aber wenn die Muse ruft, hahaha.
Aber von derlei Neben­säch­lich­keiten einmal abge­sehen bin ich mit dem Sma­ragden sehr zufrieden; besonders gut gefällt mir, dass ich vor dem Anstricken lange genug nach­ge­dacht hatte, um die Anleitung so zu modi­fi­zieren, dass Ärmel und Arm­aus­schnitt das Muster fort­laufen lassen — es sind doch die kleinen Freuden, die den Alltag so erträglich machen :-)

Die rote Variante ist bei den Achseln ange­langt, weiter kam ich noch nicht, denn wir waren von Don­ners­tag­morgen bis Frei­tag­nacht in bzw. bei Maas­tricht. Wo es freitags einen Stoff­markt gibt … den ich trotz Tommy-Geburtstag und Wahn­sinns­hitze besuchen durfte. Und auch fündig wurde, wenn auch nicht so wie gewünscht:

img1491

Nun geht es — wie immer, keine Über­ra­schung hier — an den Haushalt: Noch eine weitere Ladung Wäsche wartet, Essen will gekocht und Treppen gefegt werden und wenn es mir dann noch gelingt, die Män­ner­runde aus dem Haus zu bekommen, dann kann ich mich mit meinem Rock­schnitt beschäftigen.

  

Trockne! Schneller!

Obwohl — es ist warm, fast schon heiß und ich brauche alles, nur keinen kleinen Woll­pulli. Aber nachdem ein Teil fertig gestrickt und vernäht, gewa­schen und zum Trocknen in Form gebracht vor mir liegt, werde ich unge­duldig. In wirklich kalten Wintern muss ich dann etwa zwei Tage warten, bevor ich den Pulli in seiner ganzen Pracht sehen und tragen kann; heute könnte es sein, dass er schon heute abend so weit ist — nur, um dann in der Schublade zu ver­schwinden, bis die ersten Blätter fallen. Dennoch: los, trockne!

img1467

Denn ich brauche ein Erfolgs­er­lebnis. Aus dem Rock­grund­schnitt habe ich einen leicht aus­ge­stellten Rock gebaut, in dem ich den vorderen Abnäher komplett und einen der beiden hinteren um die gleiche Weite zuge­dreht habe. Aber irgend­etwas stimmte noch immer nicht: der Abnäher wollte und wollte nicht sitzen und die Weite habe ich doch an die falsche Stelle gedreht. Alles ver­suchen und trennen und nähen der letzten drei Tage half nicht: es wollte nicht werden oder — wie der Gatte meint — war nur mir nicht gut genug. Da liegt eine Mei­nungs­ver­schie­denheit in der Luft …

Wie auch immer, ich bin noch nicht so ganz glücklich und gerate langsam klei­dungs­tech­nisch massiv unter Druck. Wir wollen in den nächsten Tagen immer mal wieder kleine Ausflüge unter­nehmen und es wird schwierig für mich, dabei bekleidet zu sein. Der Gatte will das immer noch als das übliche "Ich habe nichts anzu­ziehen!" miß­ver­stehen. Anzu­ziehen hätte ich genügend — so ich denn hin­ein­passte. Oder wir mit einem frühen Win­ter­ein­bruch zu rechnen hätten. Aber ich werde mir nun bis nächste Woche eine Nähpause gönnen und die Gedanken sor­tieren und vor allem Pulli zwei mit einem Pfau­en­fe­der­muster beginnen. Wird ja doch wieder schnell kalt als gedacht.

img1471