Montag, 20. Februar 2012

Gereifte Farben und Farbkombinationen

Wappnet euch, es kommt ein Nach­schlag. Wie immer starte ich mit dem Vorsatz, mich knapp zu halten und ahne doch schon: Das wird nichts … ;-) Es steht noch die Frage im Raum, ob und wie sich meine Farben verändern, wenn ich die 30+ hinter mir lasse, wenn die Haare ergrauen und die Haut dünner wird — stehen mir meine Farben dann noch? Und wenn mir meine Farben partout nicht gefallen oder ich unbe­dingt auch "artfremde" Töne tragen möchte — wie lässt sich das regeln?

Das Altern ist unaus­weichlich und nachdem dieser Prozess mit der Stunde unserer Geburt beginnt, hätten wir Zeit genug, uns daran zu gewöhnen. Hmm, grau ist alle Theorie und es wird wohl nur wenige Menschen auf diesem Erdenrund geben, die diese Erfahrung mit Gleichmut, Gelas­senheit und Genuss erleben. Es kommt der Zeit­punkt, an dem die äußer­liche Verän­derung deutlich sichtbar wird — für die Person im Spiegel ist dieser Punkt oft früher erkennbar als für die Menschen herum. Und es beginnt oft eine Zeit der Unsi­cherheit: wie geht es mit mir weiter, was kann ich noch tragen, wie wirke ich auf andere, ist schon alles vorbei? Dazu immer wieder die tollen Tipps, wie zehn Jahre wegge­mogelt werden können, auf was man ab nun verzichten sollte, um sich nicht lächerlich zu machen — dazu hatte ich mich vor einem knappen Jahr schon einmal geäußert.

Und gerne taucht in solchen Alters­ver­mei­dungs­listen der Tipp auf, die Haare doch in einem "freund­lichen, warmen Ton" zu färben — weil die alte Frau von 45 Jahren ja eh schon so verbissen-kühl wirkt, nehme ich an. Das Befolgen dieses Tipps, den leider auch jeder Friseur verin­ner­licht zu haben scheint, führt bei etwa der Hälfte dieser gefärbten Damen dazu, dass sie so richtig müde, alt und traurig wirken. Denn egal, wie dünn, zart oder blass die Haut eines Sommers oder Winters auch noch werden mag: Goldtöne werden nie, nie, niemals einen posi­tiven Einfluß auf kühle Farb­typen ausüben.
Genauso kann aller­dings auch die Natur Ärger machen und zwar vor allem den Herbst– und Früh­lings­frauen: Haare färben sich nicht wirklich grau, sondern verlieren ihre Farbe, werden nahezu trans­parent — nur im Zusam­menhang mit den noch farbigen Haaren drum­herum entsteht der Farbein­druck. Das führt bei bei manchen Haar­farben zu schönen Ergeb­nissen: Schwarz­haarige ergrauen in der Regel sehr edel, auch dunkle Sommer können dieses Glück haben. Auch Schwe­disch– oder Plat­in­blonde haben es meist leicht: das Grau fällt in der eh schon silb­rigen Masse nicht auf — sie bleiben irgendwie blond. Ähnliches kann mit Hell­roten passieren: aus der leuch­tenden Karotte wird oft ein Gold­blond.
Schwierig hingegen kann es für Dunkelrote, Gold­blonde oder Braun­haarige werden: da entsteht das von euch schon erwähnte Maus­braungrau, irgendwie scheint alles unstimmig, unhar­mo­nisch zu sein. Jetzt aber hingehen und die Klei­dungs­farben der neuen Haar­farbe anzu­passen ist der falsche Weg: hier würde ich — ehrlich gesagt — zum Frau­en­zeit­schrift­stipp greifen: eine eher helle, warme Farbe hinein­tönen und bei den eigenen Farben bleiben. Denn unsere Alters­farben ändern sich nur innerhalb des eigenen Farb­schemas, sie werden zarter. Und so wie es in den Jahren zuvor war, kann es auch nun sein: der Einen stehen die hellen Farben, der anderen die Dunklen besser; die Eine sieht besser aus in Farben, die wenig von ihr abweichen, die Andere wirkt inter­es­santer mit größerem Kontrast. Im Grunde ändert sich nichts, bis auf Eines: während unser Gesicht in jungen Jahren eben nicht nur glatt und schön ist, sondern auch oft weniger von unserer Persön­lichkeit erzählt, so ist unser älteres Antlitz von unserem Leben, unserem Charakter geprägt — jeder bekommt irgendwann das Gesicht, das er verdient. Und dieses Gesicht zeigt die Wirkung einer falschen Farbe wesentlich stärker als ein glattes Gesicht. Das kann den Eindruck vermitteln, man könne im Alter nicht mehr die gleichen Farben tragen wie zuvor — in Wirk­lichkeit kam man nur Jahre mit der falschen Farbe durch ;-)

Wie ist es nun, wenn ich mit meinen Farben nicht sofort klar­komme, wenn ich als Sommer gerne Orange tragen möchte, als Frühling mich in Rosa sehe? Nicht ganz einfach und es gibt nur zwei Lösungen — glaube ich: Entweder mir sind die rich­tigen Farben nicht so wichtig — was für den Großteil der Menschen gilt und bislang niemandem ernsthaft geschadet hat ;-) Oder aber ich arran­giere mich. Daneben gibt es für Winter und Frühling die Möglichkeit, manche ihrer Farben mit der Palette der Anderen zu ergänzen: zwei leuch­tende Farben können mitein­ander eine span­nende Mischung ergeben. Pink und Orange beispiels­weise tauchen immer wieder in der Mode auf, sehr Sixties. Für Herbst und Sommer ist das schwie­riger, denn diese Farben haben die Neigung, einander negativ zu beein­flussen — das Ergebnis ist oft irgendwie matschig, bieder, lang­weilig.
Und dann gibt es da die Farben, die schwierig einzu­ordnen sind: sind sie kalt oder warm, gehören sie dem Winter oder dem Frühling, stehen sie mehr als einem Farbtyp? Ich habe mich mal hinge­setzt und bei Brigitte.de ein paar Bilder ausge­liehen, die wir uns gemeinsam anschauen wollen — hoffentlich sehen wir alle in etwa die gleichen Farben :-)

Ein knall­gelber Blazer — wer kann's tragen? Gelb in dieser klaren Form ist perfekt für den Winter, zumal man hierzu am besten Schwarz oder Weiß kombi­niert. Aber Geld pur steht auch für den Frühling, dann mit Toma­tenrot oder Orange — ganz klar eine Frage der Persön­lichkeit und des Mode­mutes. (Wobei: Mut? Wenn es einem steht, sollte man sich trauen und sich wundern, wie positiv das aufge­nommen wird, aber dazu hatte ich mich auch schon seitenlang ausge­lassen ;-) )

Ein klas­si­scher Trench, den wir so wenig wie Jeans noch in Farbe wahr­nehmen — kann also jede tragen? Jein, der Winter wird darin so tot und spießig aussehen, wie nur was. Ansonsten kommt es auf den Unterton an: es gibt einen gräu­lichen Sandton, der dem Sommer toll steht, aber auch dieses helle beige hier wirkt edel mit Dunkelblau — ein Fall von farb­ty­p­über­grei­fender guter Kombi, der Sommer käme also mit darunter hervor blit­zender Sommer­bluse davon und dürfte zugreifen. Aber vor allem Herbst und Frühling werden toll darin aussehen.

Zarte Spitze, gebro­chenes Weiß — kommt wieder darauf an, wie stark der Gelbanteil ist. Ist die Farbe eher creme, so gehört dieses Kleid dem Frühling, ist es ein Nebenweiß (also fast weiß, nur nicht mehr so strahlend) so trägt es der Sommer. Der Herbst kann mit Gold­schmuck an den Ohren das Kleid eben­falls passend machen — der Winter nimmt Abstand.

Zart­gelber Rock — wieder ein Streit zwischen Sommer und Frühling. Es gibt ein einziges Gelb, dass dem Sommer steht und dieses hier ist sehr nahe dran. Sobald die Farbe aber einen leichten Rotstich erhält, steht sie nur dem Frühling.

Ähnlich ist Fall bei Rosa: wie der Sommer ein einziges Gelb bean­spruchen kann, gibt es eine Rosa (vielmehr eine Art von Rosa), das dem Frühling gehört: dieses Rosa hier hat einen leichten Stich in lachsige und sobald der Sommer es trägt, wird er sich wundern, warum er so elend aussieht. Blöd an diesem Rucksack ist: die Träger und Verschlüsse scheinen ein Sommerrosa zu sein und damit wirkt die Tasche irgendwie unhar­mo­nisch. Farb­kom­bi­na­tionen können eben daneben gehen, vor allem bei Farben, die so dicht anein­ander liegen.

Ähnliches ist hier geschehen: die Grund­farbe ist ein Frühling, das Muster ist ein Sommer. Damit wird das Muster immer domi­nanter sein als die Frau, die das Kleid trägt. Ist aber nur meine unmaß­geb­liche Meinung … aber solche Kleider kauft man begeistert und trägt sie dann selten, weil irgend­etwas nicht stimmt, ohne zu wissen, was es ist.

Das Blau ist sehr leuchtend und mit Weiß kombi­niert: steht dem Winter bestimmt. Aber da beide Farben zusammen auf eine kurze Entfernung ein zarteres Blau ergeben können, kann auch der Sommer hier drin an der See flanieren.

Auf den ersten Blick eindeutig: Knallblau, muss der Winter sein und unter Umständen passen diese Schuhe auch gut zu einem Winte­routfit. Aber eigentlich ist das Blau gelbstichig — Korn­blume — und damit das einzige Blau, das dem Frühling gehört. Das lässt sich auch an dem braunen Leder erkennen, dass sich nicht mit dem Blau beißt.

Ganz einfach: Herbst, denn das Orange ist sehr mild und matt. Der Frühling kann es aber zu vielen seiner Farben kombinieren.

Noch ein Herbst, aber einen Tick mehr Leucht­kraft und der Winter sähe gut darin aus. Einen Spritzer mehr Blau und der Sommer trägt es.

Ein Winter.

Und noch ein Winter.

Ok, hier sollte es mich wundern, wenn es irgend­je­mandem wirklich stünde: Körper ist eher Herbst, Ärmel Frühling und die Besätze Sommer.

Aber jetzt bin ich dem Thema — glaube ich — durch, oder? Hat ja auch lange genug gedauert und ich bin baff, wieviele sich hierzu geäußert haben. Danke :-)

Geschrieben von Michou um 12:40 | Abgelegt unter Farbe! | 6 Kommentare

Dienstag, 14. Februar 2012

Kurze Fortsetzung zum Frühlingskleid

Wir sind wieder im trauten Heim, satt gegessen und die Scho­ko­ber­liner warten. Aber ganz schnell noch etwas zum Kleid bzw. zur lügenden Digi­tal­kamera bzw. zum Stoff:
Der Stoff ist irgendwie seltsam, dabei bleibe ich. Er fühlt sich durchaus gut an, aber bei jedem Schritt scheint der Elasthan-Anteil nach unten zu wippen, nach oben zu wippen, nach unten, nach oben, nach unten — wipp, wipp, wipp. Nicht störend, nicht so sichtbar, aber irgendwie doch spürbar.
Der Stoff schaffte auch Probleme beim ersten Ärmel­schnitt, der nur oben, aber dafür stärker gepufft war: ich hatte ihn zuvor an einem gestreiften Baum­woll­stoff getestet und es sah gut aus. Mit diesem Stoff hier entstanden aus dem gleichen Schnitt seltsame Gebilde — als hätte ich mir gerüschte Scheiben um die Schulter gebunden. Da half nur ein komplett neuer Zustand.
Was den Glanz anbe­langt: der ist in Wirklich gar nicht vorhanden. Null, garnicht! Fast ärgere ich mich, dieses Bild geschossen zu haben, denn diese Farbe mit diesem zarten Schimmer wäre noch ein gutes Stück hübscher als die Realität, die durchaus auch nicht zu verachten ist. Aber nicht zu verachten und "Hach, ich bin ja so verliebt!" sind zwei­erlei; ich denke, der Schnitt hätte einen zweiten Versuch in einem anderen Stoff verdient — viel­leicht eine Art Popeline, so dass das Kleid etwas krisper heraus käme? Aber woher den passenden Stoff bekommen? Ich muss wohl auf den nächsten Stoff­markt warten. Oder bei Karstadt demnächst mal wieder Glück haben. Oder eine neue Online­quelle auftun. Vorschläge? Ich möchte gerne eine Art Crêpe finden, der früh­lings­ge­eignet ist und nicht komplett aus Poly besteht. Aber unmöglich. Auch könnte ich mir eine Variante aus gestreiftem Oberteil und unifar­benem Rock vorstellen. Ideen?

So, nun werde ich mir einen kleinen Mittags­schlaf gönnen, danach geht es an das Sommer­kleid — deshalb sieht es auf dem Bild auch so schlimm aus: um mich herum stapelte sich die frisch gebü­gelte Wäsche, der Fern­seher (ohne den ich nicht bügeln kann!) lief auch noch und die Nähma­schine und der Schnitt breiten sich eben­falls aus. Muss bis heute abend alles wieder schön sein …

Geschrieben von Michou um 13:30 | Abgelegt unter Fertig! | 3 Kommentare

Dienstag, 14. Februar 2012

Frühling! Frühling! Frühling!

Gut, ich kann noch so sehr schreien, flehen und mit den Armen wedeln: der Frühling scheint nicht nahbei zu stehen. Es schneit immer wieder einmal, aber immerhin ist es wärmer geworden und ich kann mich draußen bewegen. Unser Wagen wird sicherlich noch eine gute Woche, wenn nicht länger, bewe­gungs­un­fähig vor der Tür zu stehen, was mich zwingt, jeden Tag zu Fuß herab und hinauf zu laufen. Fällt mir eindeutig leichter nun, aber es hat negative Auswir­kungen auf meine Waden: je mehr ich sie bewege, um so schlanker werden sie. Das ist das Elend mit langen, schmalen Muskeln: da baut sich selten etwas rundes auf, sie ziehen sich nur noch länger und das ist eine meiner Problem­zonen, die mich zwei Jahr­zehnte lang davon abhielt, Röcke zu tragen. Alleine, dass ich hier darüber spreche, zeigt wohl ein gewisses Trauma — ach, Mensch, Weiber! Dabei fällt mir ein: ich könnte noch einen Farb­ar­tikel nach­schieben — besteht noch Interesse? Da ist ja noch die Frage nach dem Altern, beispielsweise …

Wie auch immer: ein Kleid ist fertig. Endlich. Obwohl: endlich? Seit einigen Wochen setzt bei mir ein Umdenken ein — ich arbeite lang­samer und kürzer als zuvor an den Dingen, die ich nähe. Zunächst einmal dauert es länger, einen Schnitt zu erstellen als ihn nur auszu­schneiden. Und hier habe ich noch einiges zu lernen, muss mich (sollte mich endlich!!) stärker konzen­trieren, nicht zu oft Markie­rungen zu vergessen. Aber es scheint, dass meine Schnitte nun endlich besser passen und so kann ich mich auf den nächsten Punkt besinnen: ordent­licher zu arbeiten, weniger schlampig. Denn entgegen der immer wieder geäu­ßerten Vermutung, ich sei ein Perfek­tio­nistin, bin ich wirklich eine kleine Nähschlampe und sonderlich geschickt bin ich auch nicht. Reiß­ver­schlüsse gehen immer wieder daneben, immer wieder passen Nähte nicht ganz aufein­ander, verrutscht mir beim Zuschnitt die untere Lage. Aller­dings gibt — nein, gab, gab, gab!!! es dafür Gründe: das Gefühl, zu viel Zeit, Energie und Liebe in etwas zu stecken, das nachher nicht sitzt, nicht passt. Die Neugierde, wie es denn sitzen wird, die mich zu rasch nach vorne getrieben hat. Der Zeit­druck, etwas schnell fertig bekommen zu wollen/müssen. Die zu vielen Ideen für weitere Projekte, die mich unruhig werden liessen. All das muss ich in den Griff bekommen und insofern bin ich ganz zufrieden, wieviel Zeit ich mir dieses Mal gelassen habe. Wenn ich keine Lust auf Ärmel hatte, habe ich es eben gelassen und statt dessen neue Schnitte gemalt oder einige Reihen gestrickt. Als der Farb­unfall mich aus der Bahn warf, habe ich zwei Tage lang gar nicht mehr hinge­schaut, bis ich entschied, es werde mich nicht so sehr stören. Ich hoffe, ich habe etwas gelernt …

Die Idee für das Kleid war wie immer eine aus der Vinta­geecke — ein wenig Enddrei­ßiger, Anfang­vier­ziger sollte es sein mit nach unten weiter werdendem Bahnenrock, Taschen, kurzen, leicht gepufften Ärmeln, helleren Besätzen und bezo­genen Knöpfen:

Der Stoff dazu kam vom Roten Faden: eine Viskose-Elastik-Gabardine in Petrol (und es ist nicht ganz mein Petrol, aber ich denke, mit Make up ist das einer der Fälle, in denen es dennoch funk­tio­niert, zumal der helle Besatz im perfekten Sommer-Nebenweiß ist). Und dieser Stoff ist irgendwie, tja, ich weiß nicht. Er fällt sehr schwer, was diesmal weniger ideal als erwartet ist, er ist nicht sehr wärmend, aber auch nicht kühl, so dass ich über seine jahres­zeit­liche Verwendung im Unklaren bin. Für mich ein Früh­lings­kleid; wir werden sehen, ob das zutrifft.

Aus der Idee geworden ist das hier:

Bevor ich mehr sagen kann, muss ich flitzen und den großen Sohn von der Schule abholen.

Geschrieben von Michou um 11:09 | Abgelegt unter Fertig! | 10 Kommentare

Sonntag, 12. Februar 2012

Wen darf ich treffen?

Am 22. und 23. September findet hier in Bonn das Raveler-Treffen im Bristol statt: wer von euch hat vor zu kommen und an welchem Tag? Wen darf ich zu mir einladen, wen werde ich treffen, wer will sich ein schönes Wochenende in Bonn machen? Bevor ich mich nun für einen der beiden Tage anmelde, möchte ich das unbe­dingt wissen, damit wir viel­leicht gemeinsam etwas planen können. Wäre das nicht schön?

Anmelden könnt ihr euch übrigens hier.

Geschrieben von Michou um 09:12 | Abgelegt unter Stricken | Keine Kommentare

Samstag, 11. Februar 2012

Und noch mehr Farben, noch mehr Du, noch mehr Fragen — oder Antworten?

Ich gebe zu: ich habe den Überblick verloren, was die noch offenen Fragen anbe­langt. Wenn heute noch Antworten offen bleiben sollten: schreit! Ich möchte ja mein Bestes tun, um einen süßen kleinen Teil der weib­lichen Deutsch­sprech­menschheit vor dem ewigen Schwarz (der Verderbnis, der Hölle — außer für die, die phäno­menal darin aussehen!) zu retten. Oder — schlimmer noch — vor Fehl­farb­be­ra­tungen. Das Problem bei mir ist meine Neigung zum Dahin­schreiben und da liest die Eine oder Andere verständ­li­cher­weise nicht genau: Tut es euch nicht an, irgend­welchen Onlin­ebe­ra­tungen zu sehr zu vertrauen. Ich habe mir gestern nacht die Zeit genommen, mich auf etwa 14 Seiten zu testen und keine Einzige dieser Seiten hat mir wirklich das gesagt, was auf mich zutrifft. Natürlich bin ich einige Male korrekt als Sommer iden­ti­fizier worden, die Eine oder Andere hat mir auch — trotz Fehl­ka­te­go­ri­sierung als Herbst oder Frühling — viele richtige Farben gezeigt und verschie­dentlich wurde das Ganze dann sofort in eine Stil­be­ratung gewandelt: der Sommer ist wahl­weise rüschig oder konservativ-spießig. Es gab gar Seiten, die sich an die Analyse meiner Persön­lichkeit wagten (uner­gründ­licher Eisberg und so Zeug — ich lach mich weg) und wieder Andere, die sich um mein Seelenheil sorgten, da mir das lebens­wichtige Orange fehlen würde und ich zur Vermeidung von Krank­heiten unbe­dingt diese Farbe im Wohn­be­reich einsetzen müsse. Also bitte: nehmt das nicht zu ernst. Es ist mir ein Rätsel, wie eine wirk­liche Farb­be­ra­terin solche Tests in ihre Homepage einbauen kann: weshalb soll ich noch zu ihr gehen und wie kann sie mir später erklären, dass ich doch ein anderer Typ bin? Und wieso sind fast alle Make up-Empfehlungen für meinen Typ rund um Schwein­chenrosa aufgebaut?

Deshalb möchte ich ein kurzes Fazit ziehen, wo wir bis jetzt stehen:

  1. Das Farb­spektrum lässt sich in warme, also gelbsti­chige und in kühle, nämlich blausti­chige Farben unter­teilen. Diese beiden Gruppen wiederum lassen sich in leuchtend-klare und in gedeckte Töne trennen, so dass wir vier Grupppen erhalten: warm-leuchtend, warm-gedeckt, kühl-gedeckt und kalt-leuchtend.
  2. Gleiches gilt für unsere persön­lichen Farben — also für Haut und Haar: hier entscheidet ein Melanin über kühl und warm und die Verteilung/Häufigkeit desselben zusammen mit Durch­blutung, Haut– und Haar­dicke über die Tiefe und Leucht­kraft dieser Farben. Wiederum erhalten wir die vier o.g. Gruppen.
  3. Auch wenn manche Seiten es gerne herunter beten: es gibt keine Misch­typen. (Das ist genauso wie der idio­tischste Ausdruck von allen: Mischhaut! Lasst mich kurz schreien, so ein Schwachsinn, aber wenn ich hier erst anfange, bin ich vor Ende des Jahres nicht am Ende…) Aber dazu — zu den Misch­typen gleich mehr.
  4. Nicht jeder Typ hat alle Farben! Hier kommt die Angst der Verkäufers ins Spiel: wenn ich meiner Kundin, die Braun liebt, sagen muss, dass in ihrer Palette kein Braun ist — kauft die dann was?  Da sage ich doch lieber: alle Paletten habe alle Farben, es kommt nur auf die Nuance an … Blödsinn. Alle Typen haben viele Farben und es kommt auf die Nuance an, aber der Sommer wird nie irgendeine Form von Orange haben, der Winter nie irgendein Braun, der Herbst keinen Blauton und der Frühling keine Form von Rosa. Basta! Das ähnlichste zu diesen Farb­bei­spielen ist das ganz zarte Zitro­nengelb für den Sommer, Neono­range oder Schwarz für den Winter, deutlich grünes Petrol für den Herbst und Lachs/Apricot für den Frühling. Und jede, die gelernt hat, mit ihren Farben umzu­gehen, wird den Mangel nicht oft vermissen.
  5. Haare färben, starkes Make up, Sonnenbank können zwar bei knapp dane­ben­lie­genden Farben ausgleichen, aber verändern den eigenen Farbtyp nicht — eine falsche Haar­farbe wird nur dafür sorgen, dass man älter, müder, trau­riger aussieht. Und dass die Ideal­farben sich mit den Haaren beißen … Kommt dir der Friseur mit: "Wie wäre es mit einem frischen Goldton?", wenn deine Haare eher aschig-gräulich wirken — dann nichts wie weg, es gibt keinen sicheren Weg, als sich in Zukunft Kompli­mente über die frische Haar­farbe einzu­fangen. Und die freund­liche Nach­frage, ob es einem denn nicht gut ginge …

Aber die leidige Frage nach dem Mischtyp ist noch offen. Auch der Fakt, dass manche in jeder Farbe gut auszu­sehen scheinen. Wie denn, wo denn, was denn — kann das sein? Eigentlich nicht. Hier spielen einige andere Faktoren mit:

Bei Kindern ist es sehr oft nur schwer zu erkennen, was ihnen steht und was nicht. Ihre Haut ist fast immer prall, glatt, rosig, die Haare fast immer hell und flaumig. Alles, was sie tragen, ist schlicht neben­sächlich: die Augen leuchten immer und sind stärker als alle Farben drum­herum. Es ist nur manchmal so, dass sie in einigen Klei­dungs­stücken BESONDERS leuchten und in manchen etwas quen­ge­liger wirken, aber ist man bei Klein­kindern nicht eh immer mit anderem beschäftigt als mit dem Erfor­schen der Ideal­farben besagten Kindes?

Dann gibt es aber Erwachsene, bei denen die Bestimmung auch schwierig sein kann und hier gibt es zwei Vari­anten: die Einen scheinen in allem zu strahlen, die Anderen sehen immer ausge­wa­schen aus.  Und auch das kann an zwei­erlei liegen: die Person ist insgesamt eher farblos. Oder sehr strahlend. Und das gilt für die Farben wie die Persön­lichkeit … :-) Diese beiden Vari­anten haben wieder die beiden Möglich­keiten: es steht ihnen scheinbar alles. Oder nichts. Also:

Person A ist sehr still, sehr blass, sehr unauf­fällig. Mit der rich­tigen Farbe könnte aus der Stille Zurück­haltung, aus der Blässe Zartheit und der Unauf­fäl­ligkeit Eleganz werden — und diese Verwandlung ist inten­siver als es sich anhört! Es könnte aber — wenn sie zu unserer Problem­gruppe gehört — sein, dass sie

  • sich wie ein Chamälion jeder Farbe anpasst und darin aufgeht, leben­diger wirkt
  • oder jede Farbe sie zu erschlagen scheint — was oft an der Unsi­cherheit der Person selber liegt, ohne nun hier zu pseu­do­psy­cho­lo­gisch herum­spielen zu wollen.

Das ist aber beides sehr, sehr selten. Erlebt habe ich das wohl dreimal. Etwas öfter habe ich gesehen, dass jemand insgesamt sehr "laut" war, also sehr starke eigene Farben hatte und dazu einen extro­ver­tierten Charakter. Person B: Ein tief­roter, großer Mund, sehr große türkis­blaue Augen, ganz helle Haut, schwarze Haare mit grauen Strähnen, viel Figur, ausla­dende Gesten, immer ein Lachen dabei — diese Frau hat jeder Farbe noch etwas abge­geben. Auch da ist es schwer, sie einzu­ordnen: den Farben nach ganz klar ein Winter (ja, manchmal lässt sich das sagen), aber spätestens wenn sie in Wasser­lei­chengrün, Silbergrau und Ocker noch toll aussieht, kommt man ins Grübeln ;-) Es gibt einfach Menschen, deren eigene Farb­gebung und deren Wirkung auf ihre Umwelt sie in keiner Farbe wirklich elend aussehen lassen — hier muss man ganz genau nach dem Extra­schuß an Leucht­kraft schauen, um die idealen Farben benennen zu können. Aber auch das ist sehr selten.

Das sollte die Frage nach: Steht mir nicht doch alles? in etwa abge­handelt haben, oder? :-)

Da war noch die Frage "Was tue ich, wenn meine Persön­lichkeit und meine Palette so gar nicht überein­stimmen wollen?" Finde ich ganz spannend und ich behaupte mal, dass das vor allem eine Frage ist, die sich auf Winter­typen bezieht. Sommer und Frühling verfügen beide über die weitesten Möglich­keiten in Bezug auf Dezenz und Auffäl­ligkeit und sollten immer etwas finden können, das ihrer momen­tanen Gefühlslage entspricht. Der Herbst könnte sich über die sehr gedeckte Palette Gedanken machen, aber wird hier mehr Drama gewünscht, so lässt sich das mit den Beeren­tönen und auffäl­ligem Schmuck in Gold und Bronze leicht erreichen. Aber der Winter mit all seinen leuch­tenden Diva­farben, mit seinem Platin­schmuck? Das kann schon mal schwierig sein im Beginn, denn wir haben uns daran gewöhnt, Smaragdgrün, Knallpink, Stahlblau, Diamanten und schwarze Katzen­augen mit dem ganz großen Auftritt zu verbinden. Wer bei dieser Aufzähling nicht MM in pink singend, Elizabeth Taylor mit Riesen­col­liers und überhaupt die Oscar­ver­leihung vor Augen hat, der hat in den letzten drei Jahr­zehnten nie beim Friseur in Zeit­schriften geblättert oder den Fern­seher ange­stellt. Wie gehe ich damit im Alltag um, wie damit, dass ich auffalle? Hmm, ich neige dazu, zu sagen: Da musst du durch. :-)

Du kannst es dir leicht machen und das heute so unauf­fällige Schwarz tragen. Oder weiß. Oder beides. Und daran schuld sein, dass nach deinem Anblick im schlichten schwarzen Rolli zu Capri­hosen oder im weißen Shift­kleid mit schwarzer Appli­kation sämt­liche Frauen, die einen Blick auf dich warfen, loseilen, um sich selbiges zu besorgen, weil Farbe hin oder her, Schwarz eben doch das Schönste überhaupt ist. Was ärgerlich ist, denn nur DU siehst darin wirklich umwerfend aus. Du bist die Einzige, die nicht blass, krank, lang­weilig oder verhuscht wirkt, wenn sie es trägt. Die Einzige, die im schwarzen engen Rock zur weißen Bluse NICHT um die Geträn­ke­karte gebeten wird. Und ich habe das wirklich oft erlebt, dass Frauen, frisch als Winter diagnos­ti­ziert, sich nur dank Schwarz und Weiß mit ihrem harten Schicksal versöhnen liessen, denn auf den ersten Blick ist die Winter­pa­lette nicht nur (scheinbar!) weniger alltargs­ge­eignet, nein, die Palette ist auch viel begrenzter als es beispiels­weise der Sommer ist mit seinen Endlos­va­ri­anten an Grau und Blau oder als der Herbst mit all seinen Nuancen. "Aber immerhin: wenigstens Schwarz und Weiß darf ich tragen …!" so schluchzte das arme Opfer­lämmchen wohl gerne einmal. Wie schön, dass damals auf dieser Farm die aller­meisten meiner Kundinnen Jahr für Jahr wieder vor mir standen und ich erleben durfte, was sich da so tat … glaubt mir: ich habe einige Jahre mit meinem Beruf gehadert, der als so ober­flächlich und nutzlos galt/gilt. Aber keine femis­tische Errun­gen­schaft, so weh es tut, wird Frauen dazu bringen, so ganz und gar bei sich selbst zu hin wie das Bewußtsein erreicht zu haben: "So bin ich, so bin ich gut und ich habe das Möglichste aus MIR gemacht — wo immer ich hinkomme, kann ich andere gelten lassen, weil ich mich mag." Hört sich mächtig an? Mächtig übertrieben? Mädels, ehrlich, ich könnte Geschichten erzählen, da heult ihr vor Rührung.

Wenn also ein Jahr später die eher schüch­terne Dame, die auf gar keinen Fall ohne Beige und Braun auskommen will, am Begrü­ßungs­abend in einem rasanten stahl­blauem Rock mit weißer Bluse vor dir steht und den Will­kom­mens­cocktail ablehnt, weil sie schon von diversen Herren mit Schampus abge­füllt werden sollte, wenn sie die Blicke, die da kommen, lässig mit einem Lächeln quit­tiert, wenn die "dicken" Beine, die sie im letzten Jahr so hasste, nun liebevoll mit schönen Strümpfen versorgt werden — ist das nicht klasse? Manchmal braucht es viel­leicht nur einen kleinen Schubs und nur ganz wenig Mut, um sich zu trauen, anders zu sein — letzt­endlich sind wir doch alle stolz darauf, nicht nur Masse zu sein, oder?

Von hier aus komme ich ganz leicht zu dem letzten Punkt: Manchmal ist uns aber danach, zu verschwinden. Manchmal fühlt man sich elend, krank, traurig, einsam, wütend — was auch immer und will das auch zeigen (na, oder eben auch nicht, sondern einfach nur unter­tauchen). Will man sich dann überhaupt sorg­fältig zurecht­machen, toll aussehen? Nein. Das sind dann die Tage, an denen das braune Shirt, die alten Jeans, die maustot­graue Mütze heraus gezogen werden. Und soll ich euch was sagen? Wenn das eine (fast) bewußte Entscheidung ist und nicht zu einer Routine wird, aus der man Jahre später erstaunt und traurig erwacht, dann ist das nicht nur ok, sondern meiner Meinung nach gesund. Jawohl! Wenn es mir beispiels­weise krank und elend zumute ist, ich aber unbe­dingt eine Arbeit im Büro beenden will — warum eigentlich soll ich dann so tun, als wäre alles ok und mich in eine strah­lende Schönheit verwandeln, die dyna­misch und kompetent wie immer ihren Job erledigt? Dankt mir das einer, wird das als Leistung wahr­ge­nommen? Komme ich statt­dessen mal mutig unge­schminkt in dem beigen, weichen Pulli, der mich auch noch krank aussehen lässt, mich aber warmhält, dann werde ich zehnmal gefragt, ob ich denn nicht besser im Bett bliebe. Aber ich bin tapfer, erledige die wichtige Arbeit, verab­schiede mich danach mit vielen herz­lichen Besse­rungs­wün­schen und bleibe am Tag danach zu Hause. Und komme gesund und strahlend in meinem Farben wieder und heimse Kompli­mente ein ;-) Macht doch Sinn, oder?

Oder ich bin in Liebes­kummer versunken und will niemanden sehen? Dann will ich nicht in den Spiegel schauen und mich toll finden — ich will ein paar Tage darin baden, will mich elend fühlen und gefäl­ligst auch so aussehen. Solange, bis ich mich nicht mehr sehen KANN und den Idioten, der mich dazu gebracht habe, in die Hölle geschickt habe und wie Phönix aus der Asche steige. So stellen wir uns das vor! ;-)

Aber wie immer fällt mir noch was ein: sich selbst zu analy­sieren, vorm Bade­zim­mer­spiegel mit diversen Stoff– und Klei­dungs­fetzen, ist nahezu unmöglich. Es ist wie mit Parfum kaufen: die Nase kann maximal drei Düfte unter­scheiden, danach riecht alles gleich. Bin ich ungeübt, dann sehe ich nach kurzer Zeit auch keinen Unter­schied mehr, dazu braucht es doch etwas Anleitung. Es ist natürlich gemein, so ausführlich über das Thema zu schreiben und dann nicht zu sagen: "Simsa­labim, und du bist ohne jeden Zweifel … dies, das und jenes." Dafür kann ich mich nur entschul­digen, wenn ihr nun mit wäss­rigem Mund dasitzt. Und abschließend (so nicht noch Fragen kommen) möchte ich mich auch bedanken:

Für all die lieben Dank­sa­gungen und Beiträge von eurer Seite, ich habe ehrlich nicht geahnt, dass das Thema so inter­essant ist, weil es für mich so selbst­ver­ständlich ist. Ich war ernsthaft gerührt, dass so viele den Wert meiner Zeit mit einem ausdrück­lichen Danke geehrt haben. Es war mir aufrichtig eine Freude. Wofür bloggen wir denn, wenn nicht, um auch ein klein wenig zurück zu geben?

Geschrieben von Michou um 13:24 | Abgelegt unter Allgemein,Farbe! | 10 Kommentare

Donnerstag, 9. Februar 2012

Farbberatung: und was hat das mit mir zu tun?

Lasst mich zunächst zwei­erlei sagen: EIGENTLICH habe ich heute viel zu viel zu tun, um zu bloggen — aber nun bin ich so drin in Thema und Schwung, dass ich das ausnutzen sollte. Da kann ich mir heute beweisen, wie flott ich wirklich bin: Bad putzen, saugen, Kind abholen, kochen, Schnitt fertig machen, Ärmel einsetzen (darüber fluchen und meckern), Kurs vorbe­reiten, mich anhüb­schen und die Wäsche versorgen. Und eben dies hier zu Ende bringen …

Viel wich­tiger aber: ich bin ja keine Kommen­tar­jä­gerin — ich freue mich immer diebisch über die Qualität der Kommentare, die Anzahl ist mir eher gleich­gültig. Besonders schön finde ich aber, wenn ich mich zu einem Thema auslasse (und ich bin ja — und hier fehlt mir ausnahms­weise die tref­fende deutsche Vokabel — very opinio­nated …) und dann Kommentare finde von Frauen, die sich darüber freuen, mir gar danken oder bei denen meine Stel­lung­nahme dazu führt, sich nach stillem Lesen einmal zu äußern. Dazu könnte ich noch gaaaaanz viel schreiben, aber ich reiße mich los und gehe zum Thema über:

Gestern habe ich die Grundlage der Farb­be­ratung aufge­zeigt und auch dargelegt, weshalb sich die Lehre von den Farben auch auf uns übertragen lässt, die wir weniger bunt sind. Genau da liegt für uns alle die Schwie­rigkeit. Oder besser gesagt: eine der Schwie­rig­keiten. Wäre ich — um bei meinem Lieb­lings­bei­spiel zu bleiben — ocker­farben von Kopf bis Fuß, so käme ich nicht auf die Idee, mich in Pink zu kleiden. Gehöre ich aber in die Farb­fa­milie Ocker, so bedeutet das was? Ich möchte gar nicht erst versuchen, alle möglichen Farb­kom­bi­na­tionen des Herbst­types aufzu­zählen — das geht nicht. Wir alle kennen diese Seiten, auf denen man sich durch vier Fragen klickt und dann DIE Lösung erhält. Die mit großer Sicherheit falsch sein wird. Beispiels­weise meine Kombi­nation von relativ gut bräu­nender Haut, die ansonsten sehr hell ist, aber einige Pigment­flecken aufweist, von grün-braunen Augen und oft rötlich schim­mernden Haaren zu asch­braunen Augen­brauen — die taucht nirgendwo auf und sobald die Augen­farbe zum Grünen tendiert, werde ich als Herbst diagnos­ti­ziert. Jede Südlän­derin ist ein Winter, jede Schwedin ein Sommer. Oder viel­leicht auch nicht? Da sind wir wieder bei dem, was mich in Rage bringt: bei den Kästchen, auf denen diesmal neben einer Jahreszeit ein (Pseudo)-Promi klebt. Neben diesen einfach zu erken­nenden Typen (die es selbst­ver­ständlich gibt)stehen viele andere, aber ebenso eindeutige Typen für jede Jahreszeit. Und vergessen wir nicht die kleinen Tricks und Späße der Genetik: die roten Haare der irischen Groß­mutter, die schwarzen Augen der römi­schen Vorfahren oder die zarte Haut des Wikin­ger­urahns) die eigentlich gar nicht in deinem Farb­schema vorge­sehen sind — kleine Produk­ti­ons­fehler sind charmant, aber nicht leicht zu kate­go­ri­sieren ;-)

Gut. Wie finde ich nun heraus, welche Farben meine sind? Und darf ich nie wieder etwas anderes tragen? Kann ich da tricksen? Und wie ist das (wie Berry fragte), wenn die idealen Farben so gar nicht mit meiner Persön­lichkeit überein­stimmen wollen? Und kann es sein, dass ich innerhalb meiner Palette weitere Beschrän­kungen erlebe? Stimmen solche Regeln, wie die, die Joanna aufge­zählt hat? Da haben wir noch ganz schön was vor uns …

Um die eigenen, idealen Farben zu finden, gibt es viele Wege — manche führen in die Irre. Diese Schnell­tests: "Haare blond, Augen blau, immer Sonnen­brand — du bist ein Frühling, trag Orange" haben wir ja schon in die Ecke gestellt. Mache drei davon und du wirst fünf Ergeb­nisse haben, von denen eines lauten wird, du seiest ein Mischtyp und kannst alles oder gar nichts tragen.
Eine Bera­terin aufzu­suchen — die heute wohl nicht mehr so oft zu finden sind wie in den 90er — ist dann der richtige Weg, wenn sie Ahnung hat und nicht in einer halben Stunde fertig sein will. Es ist nämlich nicht wichtig, dass SIE sieht, was dir steht, sondern dass DU das siehst. Erst wenn du erlebt hast, wie stark Farben dich verändern können, wirst du dich in Zukunft sicher bei der Auswahl fühlen können und auch wirklich zufrieden mit deiner Palette sein. Ich habe sehr, sehr viele Frauen getestet — oft in einer Art Happening ;-) : Eine wollte eine Beratung, die ich immer erst abends machen konnte, eine wollte bitte­bitte unbe­dingt zusehen, nachher standen alle drum­herum und am Ende der Woche waren sie alle getestet und ALLE hatten einen Blick dafür bekommen. Ich kann euch sage, es IST ein Happening, wenn am Freitag während der letzten Analyse auf einen Punkt hin sieben Frauen gleich­zeitig den Kopf schütteln, entsetzt zurück­weichen, losga­ckern oder beseligt "Ohja!" rufen ;-) .
Wie gesagt: ich habe viele getestet und sehr viele kamen zu mir mit Sätzen wie: "Egal, was Sie mir sagen, auf Grün verzichte ich niemals und Rosa hasse ich!" Wenn jemand schon mit diesen "Ängsten" kommt, dann oft deshalb, weil irgend­etwas in dir sagt: Ähm, soo gut sieht Grün an mir gar nicht aus … Im übrigen liebte ich das, wenn jemand überzeugt werden musste. Ich bin einfach nicht normal, ich mag es nur kompli­ziert. Da muss es etwas Sadis­ti­sches in mir sein, dass die Schwie­rigen dazu bringen will, mir aus der Hand zu fressen oder um den Hals zu fallen … ohweh, heute verliere ich mich ganz.

Wie sollte eine Beratung bei einem Profi aussehen? Wichtig ist in der Tat eine Tages­licht­lampe, die richtig hell ist. Das ist nicht schmei­chelhaft, nicht schön, und ihr mögt euch so nicht anschauen wollen, aber nur so können Farben arbeiten. In der Regel werdet ihr gebeten, euch vor einen großen Spiegel zu setzen und die Haare aus dem Gesicht zu klippen. Wer Brille trägt, sollte entweder ohne diese auskommen können, Linsen oder zumindest das unauf­fäl­ligste Modell tragen, das vorhanden ist. Eine große Brille in gelb mit getönten Gläsern stört eine korrekte Analyse. Auch unge­schminkt kann man mehr erkennen, aber ein zartes Make up sollte eine gute Bera­terin nicht zu sehr stören.
Gut ist auch, wenn ihr etwas tragt, das nicht zu hoch zum Gesicht hinauf ragt oder gar tief ausge­schnitten ist; wir wollen Haut sehen. Die Bera­terin wird nun immer zwei Farben mitein­ander abwechseln, um zu sehen, was geschieht: Bei mir beispiels­weise war das erste Farbset Schwarz und Braun — das sind übrigens große Tücher, die von vorne um die Schultern gelegt werden. In der Regel kann man nicht sofort sagen: das ist gut, das schlecht; während der ersten Tücher lernt man die Anatomie des Gesichtes, seine Beson­der­heiten kennen. Da sowohl Schwarz als auch Dunkel­braun nur an wenigen Menschen wirklich gut aussehen, geht es hierbei darum, eine Tendenz zu erkennen (warm oder kalt?), aber auch negative Züge im Gesicht maximal zu verstärken, so dass ich Laufe der Analyse drei oder vier Fixpunkte habe, die ich besonders betrachte. Im Laufe der Beratung zeigt sich immer stärker, wohin es geht: hell oder dunkel, leuchtend oder gedeckt, kühl oder warm. Aber wie genau sieht man das, was passiert denn da?

Nun genau zu erklären, wie das nochmal war im Physik­un­ter­richt mit Licht, Strahlen, Brechung, Brenn­weite, Prisma, Farben, Bündelung und all dem — das führt zu weit. Aber wir wissen alle, dass das Licht gebrochen wird, das es reflek­tiert wird und vom reflek­tie­renden Gegen­stand etwas mitnimmt: die Farb­in­for­mation. Trage ich nun eine Farbe am Körper, so wird diese Farbe vor allem nach oben — zum Gesicht hin — zurück­ge­worfen. Das Licht malt uns also bunte Schatten ins Gesicht, die meist so subtil sind, dass wir sie nicht wahr­nehmen. Auch deshalb, weil wir sie ständig sehen, ohne sie zu bemerken. Erst wenn eine Farbe sehr intensiv ist, erkennen wird diese Lichter — mit Übung! Und genau diese Wahr­nehmung wird während einer guter Beratung geschult: ich fand es immer spannend zu sehen, wie beispiels­weise Froschgrün in der Lage war, bei der Einen ein grünes Kinn zu malen (stand ihr nicht), der Anderen die Augen­ringe einer Wasser­leiche zu verpassen (stand ihr nicht) und bei einer Dritten die Augen strahlen zu lassen (wow — sogar diese Farbe sieht an ihr auf einmal vornehm aus!).
Oder Schwarz — ganz gefähr­liches Thema: Schwarz ist durch die Mode der letzten Jahr­zehnte von der Nicht­farbe zur Passt-immer-Farbe geworden. Stehen tut sie nur wenigen, aber das sehen wir nicht mehr, denn wir sehen sie ständig — in jeder Variante, an jeder Frau, wir haben uns daran gewöhnt. Aber es hat schon einen Grund, weshalb Schwarz und auch Weiß je nach Stand und Herkunft die Farben der Trauer waren: man sieht etwas elend und mitge­nommen darin aus. Wie man es von Trau­ernden erwartet. Und weil diese Farbe im Gesicht so starke Wirkungen hervorruft, begann und endete meine Beratung damit auch immer. Anfangs wollte keine zugeben, dass Schwarz viel­leicht nicht ideal war — am Ende riefen alle bis auf den Winter: "Oh Gott, ne, tun Sie das weg, ist ja scheußlich!"

Nun könntet ihr als ersten Anhalts­punkt ja versuchen, euch vor dem Spiegel diverse Klei­dungs­stücke vorzu­halten, aber das ist für ein unge­übtes Auge schwierig und unsere Wohn­ver­hält­nisse erlauben selten einen klaren Blick. Aber wenn ihr euch einmal in euch zurück zieht und euch daran erinnert, welche Farbe ihr als Kind am liebsten mochtet, zu der ihr immer gegriffen habt — ganz, ganz oft ist das die Farbe, die euch am besten steht. Denn die aller­meisten Menschen haben ein gutes Gefühl für das, was ihnen gut tut. Und die richtige Farbe gehört dazu, denn sie bringt wahr­haftig alles Schöne an euch zum Leuchten, was es anderen Menschen leichter macht, auf euch zuzu­gehen. Als Kind ist uns das besonders wichtig — gemocht werden — und Dinge wie Grup­pen­zwang und Mode­farbe oder auch die Frage, was man mit einer Frage asso­ziiert, sind noch nicht wichtig, haben uns noch nicht geprägt. Sehr oft, wenn eine Beratung ein uner­war­tetes Ergebnis brachte, habe ich oft Aussagen gehört wie die eines Winters, der sich immer als Herbst gekleidet hatte: "Aber wie eigen­artig, als Kind wollte ich immer Schwarz tragen, durfte ich nicht. Meine Mutter mochte Tannengrün …" Meine Lieb­lings­farbe bis etwas zum 12. Lebensjahr war Blau — ich bin ein Beweis dieser Theorie :-)

Und da ist das nächste Problem: Die meisten von uns leben mit anderen Menschen, gehen mit Freun­dinnen einkaufen, reden mit Kolle­ginnen. Und lassen uns davon bein­flussen. Ich habe ganz oft auch Ehepaare analy­siert und in den Fällen, wo beide unter­schied­liche Farb­typen waren, passierte es sehr oft, dass sie spie­gel­ver­kehrt gekleidet waren: er der Herbst im Sommerlook, sie der Sommer im Herbstlaub. Weil die Farben, die uns stehen, häufig auch die Farben sind, die wir mögen oder die wir vermissen, wenn wir sie nicht tragen. Paare, bei denen beide dem gleichen Typ ange­hörten, waren fast immer in der rich­tigen Palette zu Hause.

Aber nun gehen wir einmal davon aus, dass ihr eure Farb­fa­milie gefunden habt. Und ich meine nicht die Farben, die nach esote­ri­schen Grund­sätzen ("Grün bringt Ihre Seele in Einklang") gewählt wurden oder die Farbe, die ihr besonders mögt (die ja eben die Farbe sein kann, die in eurer eigenen Farb­gebung komplett fehlt, also euch gar nicht steht!), sondern wirklich dieje­nigen, die das Schönste in euch hervor holen: was nun?
Ich bin ein Sommer, ich bin es seit 23 Jahren und es gab nur eine kurze Zeit, in der ich damit umzu­gehen lernen musste. Seitdem gibt es immer wieder einmal Momente, in denen ich mir eine andere Farbe an mir wünsche: zur Zeit fände ich es schön, ein kräf­tiges Gelb, gemixt mit Weiß tragen zu können — was übrigens sowohl dem Winter als auch dem Frühling (wenn das Weiß nicht am Gesicht ist) stehen würde. Oder ein schönes kräf­tiges Grün. Oder wenn ich die roten Stoffe, die sich bei der Lieferung als doch nicht richtig erwiesen hatten, einfach verwenden könnte. So etwas teste ich auch schon mal aus, es gibt auch Pullis in den nicht so idealen Farben, die einen Ticken zu gelb, einen Ticken zu schlammig, einen Ticken zu knallig sind. Sind es Farben, die knapp daneben liegen, so lässt sich das mit einem kräf­tigen Lippen­stift, einem sorg­fäl­tigen Make up, einen tieferen Ausschnitt noch ausgleichen. Ohne all diese Hilfs­mittel sehe ich schon glatt zehn Jahre älter aus. Und das schöne Sonnengelb: da hilft nur ein Sack überm Kopf, wenn das gehen soll. Also ja: die richtige Farbein­ordnung kann euch einschränken — wenn es euch wichtig ist, gut auszu­sehen. Was nicht immer die oberste Prio­rität hat oder haben muss. Aber wenn sich opti­males Aussehen — gemessen an den eigenen Möglich­keiten und nicht an Photo­shop­wer­be­pla­katen! — so leicht zu erreichen ist, gibt es nicht viele Gründe, die dagegen sprechen, oder?

Aber die richtige Farb­fa­milie wird in den meisten Fällen eher berei­chernd wirken: schauen wir uns einmal um und wir sehen vor allem Jeans, schwarz, grau, oliv und an kleinen Mädchen rosa. Sieht das aus, als würden wir uns vor einer Beschränkung fürchten müssen? Viele trauen sich an Farbe nicht heran, weil man sie a) so selten sieht, sie b) farb­un­geübt sind und c) nicht wissen, was ihnen steht. Habe ich aber nun eine Farb­pa­lette, die ja unendlich viele Nuancen erfasst, von denen ich weiß, sie stehen mir, sie lassen sich kombi­nieren — dann kann ich viel hemmungs­loser expe­ri­men­tieren, testen, ausprobieren.

Nur, wie ist das nun? Ich habe also meine Palette — ich bleibe bei mir als Beispiel — von Hell– bis Dunkelblau, von Silber bis Anthrazith, von Türkis zu Petrol (im blauen Bereich, nicht im zu grünen), von Flieder zu Brom­beere, von Rosé zur Himbeere, mit zart­gelben und kirschroten Sprenkeln. Kann ich die alle anziehen und immer, immer umwerfend aussehen? Ähmm … jein! Denn natürlich spielen auch andere Faktoren eine Rolle: innerhalb meiner Palette gibt es Farben von sehr, sehr hell bis fast schwarz, von sehr gedeckt bis zu fast leuchtend. Je nachdem, ob ich ein sehr zarter Sommer bin oder ein sehr dunkler, sehen die Farben auch unter­schiedlich an mir aus. Und hier kann man NICHT sagen: der helle Sommer trägt am besten dies, der Dunkle das. Das kann nämlich sehr stark von der Tagesform, der Frisur, der Jahreszeit abhängen. So mag ich mich beispiel­weise in einem dunklen Pflau­menton lieber sehen als in einem hellen Flieder, während das helle Grau zehnmal kleid­samer ist als das dunkle Anthrazith, während wiederum dunkelstes Nachtblau umwerfend ist. Es ist nicht zwangs­läufig immer die helle oder die dunkle Seite der Macht, ups, Farbe, die zu zu ordnen ist. Es ist die nicht immer erkennbare Menge an Blau, Gelb und Rot innerhalb dieser Farbe. Auch die Struktur spielt eine Rolle, denn sie entscheidet, wie das Licht reflek­tiert wird. So sieht ein einfar­biges Mittelgrau einfach nur trist an mir aus. Ein Mittelgrau, durch­zogen von unre­gel­mä­ßigen Webkaros, als Piquée oder mit weißen Punkten hingegen bringt mich zum Leuchten, sieht freundlich aus.

Und schon bin ich beim nächsten Haken, wenn es um Farben geht; ich erwähnte es schon kurz: was wir mit dieser Farbe asso­zi­ieren. Oliv tragen nur Jäger, Orange die Müll­abfuhr. Rot ist auffällig und erotisch, in Rosa laufen nur kleine Mädchen rum. Braun ist lang­weilig, Pink ordinär. Gelb steht für Neid, Grün für Ausge­gli­chenheit. Warm ist freundlich, kühl stößt ab. Weiß wird schnell schmutzig, Beige tragen alte Kaffee­haus­damen. Und so weiter und so weiter und so weiter … es ist eben zwei­erlei, Rosa gut tragen zu können, sich aber mit der Idee Rosa nicht iden­ti­fi­zieren zu können. Gerade dazu ist Dolores Umbridge ein gutes Beispiel (für die HP-Kenner unter euch zumindest. Für die anderen: diese Frau trägt nur rosa: in Rüschen, in Tweed, mit Kätchen bestickt und ist ein wahr­haftig sadis­ti­scher Teufel. Und warum wirkt sie so doppelt gemein? Liefe sie in streng schwarz herum, würde sich keiner wundern, aber der Gegensatz von übertrie­bener Mädchen­haf­tigkeit, gesetz­terem Alter und Benehmen schafft den wahren Horror — sehe ich das falsch?).
Umge­kehrt gibt es Farben, die uns anziehen, die uns fröhlich stimmen und die unserer Persön­lichkeit — wie wir selbst uns einschätzen und kennen — genau entsprechen. Und die uns bei der Farb­be­ratung mit einem Hitler­bärtchen verzieren — wohl kaum der Effekt, der gewünscht wurde. Aber wie damit umgehen? Enweder einfach tragen, was man mag und sich in allem dieser Farbe unter­ordnen (was auf Außen­ste­hende — unbewußt! — einen kostü­mierten, nicht authen­ti­schen, geküns­telten Eindruck hervor rufen kann) oder aber diese Farbe im Wohn­be­reich einsetzen. Oder als bewußten Gegensatz kombi­nieren: ich habe eine knall­orange Tasche im Vier­zi­gerstil, die ich im Sommer mit Wonne zu fast allem kombi­niere und nie sieht das nicht gekonnt aus, obwohl ich kein großer Kombi­nierer bin ;-) Aber das muss jede für sich entscheiden.

Dazu kommen noch Gedanken wie "Ich lasse mir doch nicht vorschreiben, was ich zu tragen habe" oder "Ach, nein, das traue ich mich nicht" oder "Im kirschroten Kostüm die Konferenz leiten? Geht doch gar nicht" Bis wir uns durch all dieses Gewirr hervor gear­beitet haben, kann es ein ganz hüsch langer Weg sein. Oder auch prak­tische Überle­gungen stehen im Weg: "Wenn ich nun wirklich erfahren müsste, dass rotbrauner Cordsamt gar nicht so schön für mich ist, dann hätte ich nichts mehr zum Anziehen im Schrank", "Was denken nur die anderen, wenn ich auf einmal in Grün auftauche?" Jede Verän­derung macht uns unruhig, kann uns ängstigen. Das ist bei einer so scheinbar kleinen Ange­le­genheit wie der Blusen­farbe nicht anders.

Tja, ich habe nie behauptet, dass es einfach sein würde und ich muss noch einmal klar machen, dass ich nicht helfen kann, eure Farben zu finden; der Möglich­keiten sind einfach zu viele. Es gibt keine einzige klare Regel, die da sagt: wenn du das und das bei dir entdeckst, musst du das oder das sein. Ich bin mir heute nicht so sicher, ob ich wirklich genau das geschrieben habe, was ich hatte sagen wollen und ob ich die offenen Fragen beant­wortet habe — bin etwas konfus, weil ich heute viel Zeit hiermit verbracht habe, wo ist sie nur hin, die Zeit. Deshalb schlage ich vor, dass — wenn noch Fragen sind — ihr diese stellt :-)

Geschrieben von Michou um 10:10 | Abgelegt unter Farbe! | 11 Kommentare

Mittwoch, 8. Februar 2012

Mehr Farben, mehr Beratung, mehr Abschweifungen

Bin schneller da als gedacht: Kind holen, Essen kochen, Essen essen, wegräumen, den Beitrag Korrektur lesen (wenn ich so holper­di­holper schreibe, muss ich das mit etwas Abstand tun und bei der Farben­ge­schichte ist es mir wichtig) et voilà: weiter geht es. Wie weit, weiß ich noch nicht. Will ja heute wirklich nähen!

Wir haben also bei den Farben insgesamt und bei unseren gene­tisch bestimmten eigenen Farben eine Überein­stimmung gefunden, was die Aufteilung anbe­langt. Was nun damit beginnen? Ich habe euch mal einige Farb­bei­spiele gebastelt, die hoffentlich auch bei unter­schied­lichen Rech­ner­ein­stel­lungen in etwa so ausfallen, wie ich es mir vorstelle.
Nehme ich zwei Farben der gleichen Familie, so wird das Ergebnis (fast immer) harmo­nisch aussehen — es kann bei zu großer Nähe auch mal lang­weilig aussehen :-) Aber die Farben werden nicht mitein­ander in den Ring steigen und sich gegen­seitig die Aufmerk­samkeit stehlen. Kombi­niere ich zwei Farben unter­schied­licher Familien, so kann das ausnahms­weise — oder durch herr­schende Mode­vor­gaben, an die sich unser Auge gewöhnt hat — richtig gut aussehen. Aber in den meisten Fällen wird unser Auge zwischen beiden Hin und Her wandern und sich ermüdet abwenden. Schlimmer noch: die Farben beein­flußen sich gegen­seitig negativ. Inten­sives Pink kann an der rich­tigen Frau mit Schwarz, Smaragd, Knallblau oder Weiß unglaublich edel wirken. Kombi­niert mit Rosa (wenn wir das auch immer wieder sehen) wird es kitschig, kombi­niert mit Orange kann es zur Ausnahme kommen (an der rich­tigen Frau, im rich­tigen Verhältnis zuein­ander!) oder aber zum Augen­kneifen, mit einer Farbe wie Ocker hingegen ist Pink schlicht ordinär — und Ocker wird dadurch auch nicht hübscher. Manchmal ist dieses Verhältnis zuein­ander nicht leicht zu sehen, fast immer aber zu erkennen:

Immer voraus­ge­setzt, ihr seht in etwa das Gleiche wie ich, dann habt ihr links ein gedämpftes Dunkelblau (DER Sommerton überhaupt) und daneben ein kräf­tiges Pink (Winter). Auf der rechten Seite seht ihr das gleiche Blau mit einem zarten Rosé-Fliedergemisch. Beim ersten Bild erscheint das Blau ein wenig zu klas­sisch, etwas verstaubt — es kommt gegen das leuch­tende Pink nicht an, was das Pink leicht schreiend wirken lässt. Beim zweiten Bild hingegen gewinnt das Blau an Tiefe, während das Rosé pudrig-zart wirkt. Beide Töne ergänzen sich, weil sie der gleichen Farb­fa­milie — kühl-gedämpft — ange­hören. (Bevor jemand jetzt denkt: "Ne, mir gefällt das Erste besser, die hat ja keine Ahnung!" — erst mal weiter lesen :-) )
Drehen wir das Ganze einmal um:

Jetzt haben wir ein sehr kräf­tiges Blau (Winter), das mit dem Puderton kombi­niert wurde: Das Rosa, das mit dem Dunkelblau distin­guiert wirkte, sitzt nun als Mauer­blümchen in der Ecke — neben einer lauten Göre. Aber Knallblau und Pink kommen klar, beide wirken fröhlich, leuchtend. Natürlich nicht so zurück­haltend wie die Dunkelblau-Rosé-Kombi, aber nicht weniger harmo­nisch (voraus­ge­setzt, euer Rechner zeigt euch, was ich euch zeigen will …)

Schauen wir uns die warmen Farben an:

Es wird jetzt etwas schwerer, weil sich die rich­tigen Farben nicht so recht mischen lassen wollten: ein leuch­tendes Oran­gegelb ist gar nicht so leicht zu finden :-) Aber das Prinzip ist das gleiche, wenn es auch bei den warmen Farben schwerer zu erkennen ist: eine kräftig-klare Farbe mit einer gedämpften Farbe zu kombi­nieren wird immer ein nicht perfektes Ergebnis bringen.

Und hier bin ich an einem Punkt ange­langt, der mich etwas unzu­frieden macht: es ist hier, online, nicht möglich, euch alle Farben zu zeigen, die den einzelnen Jahres­zeiten zuge­ordnet sind und schon gar nicht so, dass sie unver­fälscht zu sehen sind. Ich kann nur so viel sagen: jede Farb­be­ratung, die euch entweder auf GENAU die Farben im Paß fest­nageln will noch die Beratung, bei der es für jeden Typ jede Farbe in irgend­einer Form gibt, ist wirklich gut gelaufen. Es gibt keine hell­blauen Töne für die warmen Typen, keine Goldtöne für Sommer und Winter, kein Grasgrün im kühlen Bereich und kein Rosa für den Frühling. Und es muss nicht dieses eine Koral­lenrot sein, das zu finden ist. Ganz verein­facht gesagt, ist es in etwa so:

Frühling:
Die Farben erinnern an die Natur im Frühjahr: frisch und leuchtend, unver­braucht und bunt. Sonnige Töne eben: Grün in fast jeder Form außer den gedämpften Oliv– und Khaki­tönen des Herbstes. Orange von super­knallig bis hin zu zartestem Apricot, solange es leuchtet. Gelb von oben bis unten bis auf das zarte Zitro­nengelb des Sommers. Als einzigen Blauton gibt es ein stark gelbsti­chiges Korn­blu­menblau. Und jede Farbe, die mit diesen harmoniert.

Sommer:
Stellt euch einen richtig heißen Tag am Meer vor — am besten die Nordsee (und da kann es ordentlich heiß werden) und ihr habt die Quint­essenz dieser Farb­fa­milie: duns­tiges Blau in jeder Variante. Dazu kommen auch die Shit­wet­tertage: grau kann sehr edel und lebendig wirken — hier kann man aber auch schnell in die Lange­wei­le­falle tapsen. Dazu kommen die Farben von müden, sommer­heißen Blumen, die keine Kraft mehr für viel Farbe haben: nebenweiß (nicht creme oder eier­schale, die gehören Frühling und Herbst), flieder, sämt­liche Rosen– und viele Beerentöne (sobald sie zu sehr ins Bräun­liche spielen, dann gehören sie dem Herbst). Aber auch viele Töne, die auf den ersten Blick hin kräftig wirken, gehören dem Sommer: kirschrot beispiels­weise. Viele Farben lassen sich nur dann richtig zuordnen, wenn sie kombi­niert werden — wer also beispiel­weise auf der Suche nach einem blauen Rot ist, nimmt sich einen blau­grauen Stoff­fetzen mit und hält gegen: lieben sich die Farben, dann her mit dem Stoff. Ansonsten: ne, das wird nichts. Ihr merkt, ich bin ein Sommer und gerate ins Quatschen.

Herbst:
Wie der Sommer auch mag der Herbst es dezent und zurück­haltend, auch wenn manche Farben durchaus leuchtend wirken. Natürlich sämt­liche Herbst­laub­farben gehören hier hinein, viel frisches Obst kommt hinzu und dazu die Farben der Wüste, alles, was nach Aben­teuer aussieht. Dazu kommen viele Petroltöne, wobei die Grenze zwischen den grün­lichen Blau­tönen des Sommers und den bläu­lichen Grün­tönen des Herbstes nicht immer eindeutig zu ziehen ist — da kann es durchaus einmal zu Überschnei­dungen kommen; ebenso im Beeren­be­reich. Herbst und Sommer sind — so unter­schiedlich sie eigentlich sind, auch die beiden Farb­fa­milien, die am häufigsten mitein­ander verwechselt werden. Was sicher mit daran liegt, dass diese Typen am häufigsten vorkommen.

Winter:
Zumindest in Mittel– und Nord­europa finden sich nur wenige Winter­frauen — Schnee­wittchen wird ja immer wieder als der perfekt Wintertyp defi­niert. Wer sich noch an Isabelle Adjani erinnert: das winter­liche Ideal. Der Winter hat sehr starke eigene Farben und ist der einzige Typ, der wirklich, wirklich gut aussieht in Schwarz und Weiß. Sicher, die Mode hat uns dahin gebracht, dass Schwarz allen steht, aber nein: DAS ist neben Jeans sicherlich die größte Sünde wider die eigene Person. Schwarz will Kontrast, will einen gleich­wer­tigen Partner und der findet sich selten. Dem Winter stehen daneben — bis auf Orange und Toma­tenrot — sämt­liche Knall-, Leucht– und Neon­farben und ist auch der einzige Typ, der diese Farben adelt. Daneben werden aber oft die Eisfarben vergessen: Farben, die so hell und leuchtend sind wie Nuancen frisch­ge­fal­lenen Schnees im Licht. Also sehr, sehr helles Blau, Geld, Rosa und Grün.

Na, nun habe ich auch hier wieder mehr aufge­zählt als gewollt — wehe, das nützt nicht wenigstens einer ;-)

Aber immer noch fragt man sich, was hat das mit mir zu tun? Ich bin ja nicht ocker­farben, kann ich also Pink tragen? Das sind doch die wirklich wich­tigen Fragen, nicht wahr? Nun, nur die wenigsten von uns sind ocker­farben — sollte eine hier denken: "Ach doch, ich bin ocker­farben." dann würde ich vorsichtig raten, einen Medi­ziner aufzu­suchen. Aber wenn auch nicht ocker­farben so mag man eben doch zur Gruppe des Ockers gehören, also eine warm­sti­chige, gedämpfte Farb­gebung sein eigen nennen. Und da muss eine Bera­terin schon sehr geübt sein, um das auf den ersten Blick zu sehen. Es gibt Menschen, die man sofort einstuft und richtig liegt. Aber es kann auch schwer sein und damit komme ich zum ersten Haken:

Es kann sein, dass man als Sommer geschaffen wurde, aber dennoch von der irischen Groß­mutter väter­lich­seits mit roten Haaren beschenkt worden ist. Dann greift manch eine Bera­terin oder Inter­net­seite zum Ausdruck Mischtyp, der ja vorhin auch schon mal im Kommentar erwähnt wurde — ich sage, nein, das gibt es nicht. Es kommt nur manchmal zu kleinen Spie­le­reien der Natur :-) Ich hatte eine Kollegin mit eben jenen sehr roten Haaren, die aufgrund dessen immer als Frühling galt. Aber so recht überzeugend fand ich das nicht, denn aus der Früh­lings­pa­lette gab es nur weniges, was wirklich freundlich an ihr war. Welch ein Glück, dass sie mit Sommer­sprossen gesegnet war: die sind meist eindeutig hilf­reich! Sind sie gräulich — kühler Farbtyp. Sind sie rotbraun — warmer Farbtyp. Ihre waren gräulich und bettrachtete man sich den Ansatz ihrer Haare, bevor das Tages­licht viel anrichten konnte (fast alle Haar­farben bauen sich unter UV-Licht über rot ab!), dann sah man ein rot, das leicht bläulich-dunkelblond schim­merte. Eine Rothaarige, die wirklich mal gut in Rosa aussah ;-)

Aber nun, meine Lieben, breche ich ab, mir brechen sonst die Finger — für heute ist es genug. Ob ich morgen dazu komme, weiter zu fahren — ich kann es nicht versprechen. Ich tue mein Bestes, schnell wieder zu schreiben. Viel­leicht gibt es Fragen?

Geschrieben von Michou um 14:05 | Abgelegt unter Farbe! | 7 Kommentare

Mittwoch, 8. Februar 2012

Mag mich gar nicht bitten lassen: Farbe und die Beratung dazu

Ich stehe vor der Wahl, mich im eise­kalten Keller an die Wasch­ma­schine zu stellen, das Bade­zimmer zu putzen oder an meinem Kleid weiter zu werkeln — aber schon wissend, dass ich mittendrin werde aufhören müssen, um den Großen von der Schule abzu­holen — was ein echtes Unter­nehmen ist: es ist so schwei­nekalt, dass auch mehrere Schichten mich nicht bis zum Garten­törchen warm halten können. Leider muss ich von da aus noch wenigstens eine Vier­tel­stunde weiter (und wieder zurück) und das zu Fuß, ähm, zu Eisklump. Unser Auto hat den Geist aufge­geben. Mein Bügel­eisen übrigens auch …

Weil ich mein Kleid aber mit Liebe und in Ruhe weiter bear­beiten möchte, setze ich mich einfach mit Decke und dicker Strick­jacke an die Heizung und blogge — so sitze ich nicht faul herum, wenn es auch dem Haushalt nicht weiter­hilft. Aber ich war gestern so fleißig mit Sofas abledern und ähnlichem Gedöns und morgen wird eh geputzt — da gönne ich mir das. Bin ich überzeugt? Weiß ich nicht, aber alles was warm hält (Laptop wärmt ja auch …), ist legitim. Und kommt mir noch einer mit "Hach, wie schön, die trockene Kälte und die schöne Sonne!" … ich bin noch unent­schlossen, was genau ich mit dem anstelle!

Wo beginne ich? Ich bin jemand, der sich nicht gerne in Kästchen einschließen lässt, ohne dass ich dabei grund­sätzlich so anders bin, so progressiv, so alter­nativ, so was auch immer. Ich fühle mich nur in großen Gruppen und in engsten Räumchen nicht wohl. Wieviel schlimmer, wenn beides zusammen kommt: Drei Figur­typen teilen etwa 40 Millionen deutsche Frauen auf — finde ich ganz schön knub­belig. Zwölf Stern­zeichen charak­te­ri­sieren unsere Persön­lichkeit — gut, nimmt den Aszen­denten und den Einfluss der chine­si­schen Zeichen unter Berück­sich­tigung der drei Doshas und den Störungen der Sonnen­stürme hinzu, dann lässt sich daraus wohl etwas basteln, was irgend­je­mandem gerecht werden kann — aber eng ist es doch immer noch. Konfek­ti­ons­größen kommen auch noch dazu — so ließen sich doch komplette Bilder erstellen, oder? "Frau, Steinbock, Aszendent irgendwas, 173 cm, Klei­der­größe 36/38, H-X-Sanduhr-Säulen-Mix, Sommertyp, NR" — fehlt da was? "Gesichtsform oval-länglich" viel­leicht noch? Hmmm .…

Ich denke, ich habe hinrei­chend klar­ge­stellt und dargelegt — jetzt und in all den Jahren davor: Ich mag das nicht, auch dann nicht, wenn es nützlich sein kann. Nützlich? Ja, kann es sein, ich mache nämlich eine Ausnahme von der Regel, dass ich dieses Grup­pieren nicht mag: bei den Farben, die zu uns passen. Wer jetzt aber zusammen zuckt und denkt, jetzt kommt die mir auch noch mit "Also, Koral­lenrot, das ist Ihre Farbe, hier ist hier Pass!", der zuckt besser schnell zurück, denn da sind wir schon wieder bei dem, was ich so hasse. Et eß äwwer uch schwie­risch mit mer, nä? (Hey, der Fastelovend steht vor der Tür, ich muss da bönn­schen!!;-))
Wie auch immer, genau dieses So-ist-das,-so-machst-du-das ist ja nichts für mich: wer mich dazu bringen will, etwas zu tun, der erklärt mir das und zwar zwingend logisch, ansonsten kann derjenige sich den Mund fusselig reden. Wer nicht erklären kann, warum etwas wie ist, weiß es selbst nicht und sollte dann nicht zu große Reden schwingen. Jemand, der sich Zeit nimmt und überlegt und nach Antworten sucht — der hat mich immer auf seiner Seite.

Nun war meine erste Erfahrung mit einer Farb­be­ratung aber genau von dieser Art und so habe ich auch später noch viele erlebt oder aus zweiter Hand erfahren. Da standen dann Frauen/Kundinnen vor mir, die mir sagten, dass das doch alles Mist sei, sie mögen nun mal kein Rosa und sowieso sei es fast unmöglich, genau die richtige Nuance wie in dem Paß zu finden. Ähm, ja, das ist es. Aber das ist ja auch gar nicht das, was mit diesem Paß passieren soll — da stand wieder einmal eine Sch…beratung hinter. Und der schnelle Abverkauf eines teuren Bündels bunter Karten nach einer Beratung, die manchmal nur eine halbe Stunde dauerte. Kreisch!!! Ihr seht, ich verliere mich in meine frühere Profession :-)

Gut, meine Erfahrung war so:
Ich arbeitete als Kosme­ti­kerin in einer Hotelfarm, einge­stellt hatte mich der Chef des Hotels, was der Chefin der Farm nicht passte. Das erklärte sich schon aus dem Umstand, dass wir beide mit dem Gewicht kämpften, nur aus unter­schied­licher Richtung heraus. Dazu gefiel es ihr nicht, dass ich zu allem eine eigene Ansicht hatte — was natürlich stressig sein konnte. Besonders deshalb, weil die meisten Kundinnen es sehr schätzten, mehr zu hören als "Das macht Ihre Haut schön weich und geschmeidig … blablabla." Lob an mir kam bei ihr als Kritik an ihr selbst an. Das hat mir das Leben dort zur Hölle gemacht und hätte ich damals den Ausdruck bossen schon gekannt, dann hätte ich gewußt, wie ich es hätte benennen können. Da war es der Dame ein gar großes Vergnügen, nachdem ihre Farb­be­ra­tungs­aus­rüstung ankam, mir zu erklären, ich hätte aber auch nicht geringste Ahnung, welche Farben mir stünden — worauf ich in den Genuß ihrer Farb­be­ratung kam. Genuß schreibe ich jetzt durchaus mal ironiefrei: als Bera­terin war sie eine Niete, denn es ging ihr darum, recht zu haben — nicht nur mir, sondern allen Kundinnen gegenüber. Und als weiteres Ziel stand der Abverkauf möglichst vieler Make up-Produkte und Seiden­schals vor Augen. Auch etwas, was ich als Behan­delnde immer gehaßt habe: wenn ich einer Kundin etwas beibringe, dann will ich das sacken und testen lassen. Der Verkauf — der sein muss, wenn ich essen will — kommt später von alleine. Ich schweife ab.

Das Ergebnis war: ich bin ein Sommer, während ich mich seit meinem 21. Lebensjahr als Herbst verkleidet hatte — meiner henna­roten Haare wegen und weil mir die Idee der Farben zusagte. Nur Gold­schmuck mochte ich nie und konnte auch nicht finden, dass er mir stand. Hmmm, da überlegte ich schon öfter hin und her. Natürlich erklärte mir die Dame nicht, warum ich ein Sommer bin und wie ich damit nun umgehe — es ging ja nur darum, mir zu beweisen, dass ich ein dummes kleines Puttchen war, das nun seine komplette Garderobe in die Tonne treten konnte :-) Es war kein schöner Tag, kein gutes Gefühl, wie sie nun mit Wonne auf meine durch die falsche Farbe schiefe Lippe, die leuch­tenden Pickel, meinen dünnen Hals hinweisen konnte; mit jeder Minute wurde ihre Laune besser. ABER: je länger ich schaute, umso mehr sah ich, dass sie recht hatte.
Nun, ein halbes Jahr später hatte der Chef des Hotels endlich einen guten Grund gefunden, die Dame loszu­werden — er konnte sie nie leiden — und mich auf ihren Platz zu hieven. Jetzt beschäf­tigte ich mich ernsthaft mit dem Thema, las und testete alles, was ich finden konnte und bot letzt­endlich den Dienst mit an — und bei mir ist keine raus gegangen und war unglücklich. Bin ich stolz drauf!

Aber worum geht es nun genau: Die Farb­be­ratung beruht auf der Erkenntnis, dass unsere eigenen Farben gene­tisch fest­gelegt sind und sich zwar verändern können, das aber nur innerhalb eines bestimmten Bereiches. Es gibt zwei Farb­pig­mente im Menschen, von denen jeder nur eine Sorte in sich trägt. Es handelt sich dabei um Melanine, das sind farb­ge­bende Horn­stoffe und Horn ist überall dort in großen Mengen zu Hause, wo der Körper mit körper­fremden Stoffen in Berührung gerät — sämt­liche Schleim­häute, aber für uns inter­essant vor allem in Haar, Haut und Nägel.

Die Melanine sind zum Einen das Phaeo­me­lanin, das gelblich-orange-braun ist und das Eume­lanin, das gräulich-braun ist. Ihr seht schon: Ersteres ist ein soge­nannter warmer Farbton — also mit einem deut­lichen Gelbstich — während das Andere dem kühlen Farb­be­reich — also bläulich — zuzu­ordnen ist. Und nur eines von beiden tragt ihr in euch. Damit ist fest­gelegt, ob euch warme oder kühle Farben besser stehen.
Nun lassen sich Haut und Haar noch weiter unter­scheiden: abhängig von der Anzahl der Pigmente ergibt sich ein sehr zarter Hautton, hell­blaue Augen und sehr hell­blonde Haare (kaum Pigmente vorhanden) bis hin zu sehr dunkler Haut, schwarzen Augen und Haaren (sehr viel Pigment vorhanden). Auch das ist gene­tisch vorge­geben und ändert sich nur minimal durch Sonnen­bräune oder Alter (wenn die Produktion der Farb­stoffe nach­lässt). Aber immer noch sind die vorhan­denen Pigmente an ihr Farb­schema warm oder kalt gebunden. Auch die Stärke der Durch­blutung, die Dicke der Haare und Haut spielt bei der Farb­gebung eine Rolle und auch diese ist weitest­gehend fest­gelegt. Diese Faktoren bestimmen nun die Stärke oder Trans­parenz der eigenen Farbe und deren Leucht­kraft: so können die eigenen Farben leuchten oder eher dezent durch­scheinend sein.
Somit kann ich unsere natür­lichen Farben in vier Gruppen einteilen: die warm-leuchtenden oder warm-gedämpften Töne und die kühl-gedämpften oder kalt-leuchtenden Farben. Damit habe ich schon die Vierer-Gruppierung, wie wir sie von der Farb­be­ratung her kennen. Nun gibt es hier noch einen kleinen Haken, aber zu dem kommen wir dann später — ich befüchte viel später. Konnten alle bis hierher folgen? Wie sehr ihr euch auch schminkt, in die Sonne legt, altert, färbt oder sonst etwas tut: diese Farb­grup­pierung ändert sich nicht. Gut :-)

Jetzt vergessen wir das für den Moment und wenden uns den Farben zu — nicht nur der beschränkten Anzahl, die der Mensch so von Natur aus mitbringt, sondern ALLEN. Hach, wat is et doch schön, nä? Und wir alle erinnern uns an die Grund­schule, an den Malun­ter­richt, an das Farben­spektrum, an Wasser­far­ben­pan­scherei und die schmuddelig-braunen Wasser­soßen, die später im Spül­becken landeten. Und wir erinnern uns weiter an die drei Grund­farben, die da sind — na, wer zeigt auf? Keiner? Ok, ich sage es: es sind Blau, Gelb und Rot. Und die aufmerksame und schlaue Leserin wird sich nun schon an die Stirn fassen und sagen: "Blau und Gelb — das hatten wir doch heute schon einmal?" Ja, richtig, du schlaues Mädel. :-)
Blau — kühle Farbe — Eume­lanin — kühles Pigment. Gelb — warme Farbe — Phaeo­me­lanin — warmes Pigment. Äh, und was ist mit Rot? Rot vergessen wir erst einmal, kommen wir nachher zu und jetzt komme ich mir vor wie der Schnauz in der Feuer­zan­gen­bowle … "und hinge dat Loch, dat kräje mer später!"
Aber nun haben wir schon die Aufteilung in blausti­chige Farben und in gelbsti­chige Farben — in warm und kühl. Nun nehmen wir einen weiteren Faktor hinzu: Das Spektrum von Weiß über Grau zu Schwarz. Stellen wir uns diese Farben als trans­parent bis undurch­sichtig vor und legen sie über unsere Farben von Blau zu Gelb, Grün zu Lila — so ändern wir ihren Eindruck: mit einem Hell­grau­schleier wirken die Farben gedämpft, belassen wir sie pur, so erscheinen sie leuchtend. Und wieder haben wir es geschafft: wir haben eine Vierer­gruppe von warm-Leuchtend, warm-gedämpft, kühl-gedämpft und kalt leuchtend.

Und jetzt habe ich richtig viel Zeit hier verbracht und lasse euch mit diesen Erkennt­nissen ein Weilchen alleine. Die wesent­lichen Fragen wollen noch beant­wortet werden: wie erkenne ich die Farb­fa­milie — bei mir und bei den Farben vor mir? Wieso verändert mich die richtige Farbe? Wie gehe ich mit einem Farbpaß um, wenn ich denn einen habe? Schränkt mich das nicht unnötig ein? Können wir unsere Städte schöner machen? Wollt ihr das hören?

Geschrieben von Michou um 10:40 | Abgelegt unter Farbe! | 5 Kommentare

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