Gereifte Farben und Farbkombinationen

Wappnet euch, es kommt ein Nachschlag. Wie immer starte ich mit dem Vorsatz, mich knapp zu halten und ahne doch schon: Das wird nichts … 😉 Es steht noch die Frage im Raum, ob und wie sich meine Farben verändern, wenn ich die 30+ hinter mir lasse, wenn die Haare ergrauen und die Haut dünner wird – stehen mir meine Farben dann noch? Und wenn mir meine Farben partout nicht gefallen oder ich unbedingt auch „artfremde“ Töne tragen möchte – wie lässt sich das regeln?

Das Altern ist unausweichlich und nachdem dieser Prozess mit der Stunde unserer Geburt beginnt, hätten wir Zeit genug, uns daran zu gewöhnen. Hmm, grau ist alle Theorie und es wird wohl nur wenige Menschen auf diesem Erdenrund geben, die diese Erfahrung mit Gleichmut, Gelassenheit und Genuss erleben. Es kommt der Zeitpunkt, an dem die äußerliche Veränderung deutlich sichtbar wird – für die Person im Spiegel ist dieser Punkt oft früher erkennbar als für die Menschen herum. Und es beginnt oft eine Zeit der Unsicherheit: wie geht es mit mir weiter, was kann ich noch tragen, wie wirke ich auf andere, ist schon alles vorbei? Dazu immer wieder die tollen Tipps, wie zehn Jahre weggemogelt werden können, auf was man ab nun verzichten sollte, um sich nicht lächerlich zu machen – dazu hatte ich mich vor einem knappen Jahr schon einmal geäußert.

Und gerne taucht in solchen Altersvermeidungslisten der Tipp auf, die Haare doch in einem „freundlichen, warmen Ton“ zu färben – weil die alte Frau von 45 Jahren ja eh schon so verbissen-kühl wirkt, nehme ich an. Das Befolgen dieses Tipps, den leider auch jeder Friseur verinnerlicht zu haben scheint, führt bei etwa der Hälfte dieser gefärbten Damen dazu, dass sie so richtig müde, alt und traurig wirken. Denn egal, wie dünn, zart oder blass die Haut eines Sommers oder Winters auch noch werden mag: Goldtöne werden nie, nie, niemals einen positiven Einfluß auf kühle Farbtypen ausüben.
Genauso kann allerdings auch die Natur Ärger machen und zwar vor allem den Herbst- und Frühlingsfrauen: Haare färben sich nicht wirklich grau, sondern verlieren ihre Farbe, werden nahezu transparent – nur im Zusammenhang mit den noch farbigen Haaren drumherum entsteht der Farbeindruck. Das führt bei bei manchen Haarfarben zu schönen Ergebnissen: Schwarzhaarige ergrauen in der Regel sehr edel, auch dunkle Sommer können dieses Glück haben. Auch Schwedisch- oder Platinblonde haben es meist leicht: das Grau fällt in der eh schon silbrigen Masse nicht auf – sie bleiben irgendwie blond. Ähnliches kann mit Hellroten passieren: aus der leuchtenden Karotte wird oft ein Goldblond.
Schwierig hingegen kann es für Dunkelrote, Goldblonde oder Braunhaarige werden: da entsteht das von euch schon erwähnte Mausbraungrau, irgendwie scheint alles unstimmig, unharmonisch zu sein. Jetzt aber hingehen und die Kleidungsfarben der neuen Haarfarbe anzupassen ist der falsche Weg: hier würde ich – ehrlich gesagt – zum Frauenzeitschriftstipp greifen: eine eher helle, warme Farbe hineintönen und bei den eigenen Farben bleiben. Denn unsere Altersfarben ändern sich nur innerhalb des eigenen Farbschemas, sie werden zarter. Und so wie es in den Jahren zuvor war, kann es auch nun sein: der Einen stehen die hellen Farben, der anderen die Dunklen besser; die Eine sieht besser aus in Farben, die wenig von ihr abweichen, die Andere wirkt interessanter mit größerem Kontrast. Im Grunde ändert sich nichts, bis auf Eines: während unser Gesicht in jungen Jahren eben nicht nur glatt und schön ist, sondern auch oft weniger von unserer Persönlichkeit erzählt, so ist unser älteres Antlitz von unserem Leben, unserem Charakter geprägt – jeder bekommt irgendwann das Gesicht, das er verdient. Und dieses Gesicht zeigt die Wirkung einer falschen Farbe wesentlich stärker als ein glattes Gesicht. Das kann den Eindruck vermitteln, man könne im Alter nicht mehr die gleichen Farben tragen wie zuvor – in Wirklichkeit kam man nur Jahre mit der falschen Farbe durch 😉

Wie ist es nun, wenn ich mit meinen Farben nicht sofort klarkomme, wenn ich als Sommer gerne Orange tragen möchte, als Frühling mich in Rosa sehe? Nicht ganz einfach und es gibt nur zwei Lösungen – glaube ich: Entweder mir sind die richtigen Farben nicht so wichtig – was für den Großteil der Menschen gilt und bislang niemandem ernsthaft geschadet hat 😉 Oder aber ich arrangiere mich. Daneben gibt es für Winter und Frühling die Möglichkeit, manche ihrer Farben mit der Palette der Anderen zu ergänzen: zwei leuchtende Farben können miteinander eine spannende Mischung ergeben. Pink und Orange beispielsweise tauchen immer wieder in der Mode auf, sehr Sixties. Für Herbst und Sommer ist das schwieriger, denn diese Farben haben die Neigung, einander negativ zu beeinflussen – das Ergebnis ist oft irgendwie matschig, bieder, langweilig.
Und dann gibt es da die Farben, die schwierig einzuordnen sind: sind sie kalt oder warm, gehören sie dem Winter oder dem Frühling, stehen sie mehr als einem Farbtyp? Ich habe mich mal hingesetzt und bei Brigitte.de ein paar Bilder ausgeliehen, die wir uns gemeinsam anschauen wollen – hoffentlich sehen wir alle in etwa die gleichen Farben 🙂

Ein knallgelber Blazer – wer kann’s tragen? Gelb in dieser klaren Form ist perfekt für den Winter, zumal man hierzu am besten Schwarz oder Weiß kombiniert. Aber Geld pur steht auch für den Frühling, dann mit Tomatenrot oder Orange – ganz klar eine Frage der Persönlichkeit und des Modemutes. (Wobei: Mut? Wenn es einem steht, sollte man sich trauen und sich wundern, wie positiv das aufgenommen wird, aber dazu hatte ich mich auch schon seitenlang ausgelassen 😉 )

Ein klassischer Trench, den wir so wenig wie Jeans noch in Farbe wahrnehmen – kann also jede tragen? Jein, der Winter wird darin so tot und spießig aussehen, wie nur was. Ansonsten kommt es auf den Unterton an: es gibt einen gräulichen Sandton, der dem Sommer toll steht, aber auch dieses helle beige hier wirkt edel mit Dunkelblau – ein Fall von farbtypübergreifender guter Kombi, der Sommer käme also mit darunter hervor blitzender Sommerbluse davon und dürfte zugreifen. Aber vor allem Herbst und Frühling werden toll darin aussehen.

Zarte Spitze, gebrochenes Weiß – kommt wieder darauf an, wie stark der Gelbanteil ist. Ist die Farbe eher creme, so gehört dieses Kleid dem Frühling, ist es ein Nebenweiß (also fast weiß, nur nicht mehr so strahlend) so trägt es der Sommer. Der Herbst kann mit Goldschmuck an den Ohren das Kleid ebenfalls passend machen – der Winter nimmt Abstand.

Zartgelber Rock – wieder ein Streit zwischen Sommer und Frühling. Es gibt ein einziges Gelb, dass dem Sommer steht und dieses hier ist sehr nahe dran. Sobald die Farbe aber einen leichten Rotstich erhält, steht sie nur dem Frühling.

Ähnlich ist Fall bei Rosa: wie der Sommer ein einziges Gelb beanspruchen kann, gibt es eine Rosa (vielmehr eine Art von Rosa), das dem Frühling gehört: dieses Rosa hier hat einen leichten Stich in lachsige und sobald der Sommer es trägt, wird er sich wundern, warum er so elend aussieht. Blöd an diesem Rucksack ist: die Träger und Verschlüsse scheinen ein Sommerrosa zu sein und damit wirkt die Tasche irgendwie unharmonisch. Farbkombinationen können eben daneben gehen, vor allem bei Farben, die so dicht aneinander liegen.

Ähnliches ist hier geschehen: die Grundfarbe ist ein Frühling, das Muster ist ein Sommer. Damit wird das Muster immer dominanter sein als die Frau, die das Kleid trägt. Ist aber nur meine unmaßgebliche Meinung … aber solche Kleider kauft man begeistert und trägt sie dann selten, weil irgendetwas nicht stimmt, ohne zu wissen, was es ist.

Das Blau ist sehr leuchtend und mit Weiß kombiniert: steht dem Winter bestimmt. Aber da beide Farben zusammen auf eine kurze Entfernung ein zarteres Blau ergeben können, kann auch der Sommer hier drin an der See flanieren.

Auf den ersten Blick eindeutig: Knallblau, muss der Winter sein und unter Umständen passen diese Schuhe auch gut zu einem Winteroutfit. Aber eigentlich ist das Blau gelbstichig – Kornblume – und damit das einzige Blau, das dem Frühling gehört. Das lässt sich auch an dem braunen Leder erkennen, dass sich nicht mit dem Blau beißt.

Ganz einfach: Herbst, denn das Orange ist sehr mild und matt. Der Frühling kann es aber zu vielen seiner Farben kombinieren.

Noch ein Herbst, aber einen Tick mehr Leuchtkraft und der Winter sähe gut darin aus. Einen Spritzer mehr Blau und der Sommer trägt es.

Ein Winter.

Und noch ein Winter.

Ok, hier sollte es mich wundern, wenn es irgendjemandem wirklich stünde: Körper ist eher Herbst, Ärmel Frühling und die Besätze Sommer.

Aber jetzt bin ich dem Thema – glaube ich – durch, oder? Hat ja auch lange genug gedauert und ich bin baff, wieviele sich hierzu geäußert haben. Danke 🙂

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Und noch mehr Farben, noch mehr Du, noch mehr Fragen – oder Antworten?

Ich gebe zu: ich habe den Überblick verloren, was die noch offenen Fragen anbelangt. Wenn heute noch Antworten offen bleiben sollten: schreit! Ich möchte ja mein Bestes tun, um einen süßen kleinen Teil der weiblichen Deutschsprechmenschheit vor dem ewigen Schwarz (der Verderbnis, der Hölle – außer für die, die phänomenal darin aussehen!) zu retten. Oder – schlimmer noch – vor Fehlfarbberatungen. Das Problem bei mir ist meine Neigung zum Dahinschreiben und da liest die Eine oder Andere verständlicherweise nicht genau: Tut es euch nicht an, irgendwelchen Onlineberatungen zu sehr zu vertrauen. Ich habe mir gestern nacht die Zeit genommen, mich auf etwa 14 Seiten zu testen und keine Einzige dieser Seiten hat mir wirklich das gesagt, was auf mich zutrifft. Natürlich bin ich einige Male korrekt als Sommer identifizier worden, die Eine oder Andere hat mir auch – trotz Fehlkategorisierung als Herbst oder Frühling – viele richtige Farben gezeigt und verschiedentlich wurde das Ganze dann sofort in eine Stilberatung gewandelt: der Sommer ist wahlweise rüschig oder konservativ-spießig. Es gab gar Seiten, die sich an die Analyse meiner Persönlichkeit wagten (unergründlicher Eisberg und so Zeug – ich lach mich weg) und wieder Andere, die sich um mein Seelenheil sorgten, da mir das lebenswichtige Orange fehlen würde und ich zur Vermeidung von Krankheiten unbedingt diese Farbe im Wohnbereich einsetzen müsse. Also bitte: nehmt das nicht zu ernst. Es ist mir ein Rätsel, wie eine wirkliche Farbberaterin solche Tests in ihre Homepage einbauen kann: weshalb soll ich noch zu ihr gehen und wie kann sie mir später erklären, dass ich doch ein anderer Typ bin? Und wieso sind fast alle Make up-Empfehlungen für meinen Typ rund um Schweinchenrosa aufgebaut?

Deshalb möchte ich ein kurzes Fazit ziehen, wo wir bis jetzt stehen:

  1. Das Farbspektrum lässt sich in warme, also gelbstichige und in kühle, nämlich blaustichige Farben unterteilen. Diese beiden Gruppen wiederum lassen sich in leuchtend-klare und in gedeckte Töne trennen, so dass wir vier Grupppen erhalten: warm-leuchtend, warm-gedeckt, kühl-gedeckt und kalt-leuchtend.
  2. Gleiches gilt für unsere persönlichen Farben – also für Haut und Haar: hier entscheidet ein Melanin über kühl und warm und die Verteilung/Häufigkeit desselben zusammen mit Durchblutung, Haut- und Haardicke über die Tiefe und Leuchtkraft dieser Farben. Wiederum erhalten wir die vier o.g. Gruppen.
  3. Auch wenn manche Seiten es gerne herunter beten: es gibt keine Mischtypen. (Das ist genauso wie der idiotischste Ausdruck von allen: Mischhaut! Lasst mich kurz schreien, so ein Schwachsinn, aber wenn ich hier erst anfange, bin ich vor Ende des Jahres nicht am Ende…) Aber dazu – zu den Mischtypen gleich mehr.
  4. Nicht jeder Typ hat alle Farben! Hier kommt die Angst der Verkäufers ins Spiel: wenn ich meiner Kundin, die Braun liebt, sagen muss, dass in ihrer Palette kein Braun ist – kauft die dann was?  Da sage ich doch lieber: alle Paletten habe alle Farben, es kommt nur auf die Nuance an … Blödsinn. Alle Typen haben viele Farben und es kommt auf die Nuance an, aber der Sommer wird nie irgendeine Form von Orange haben, der Winter nie irgendein Braun, der Herbst keinen Blauton und der Frühling keine Form von Rosa. Basta! Das ähnlichste zu diesen Farbbeispielen ist das ganz zarte Zitronengelb für den Sommer, Neonorange oder Schwarz für den Winter, deutlich grünes Petrol für den Herbst und Lachs/Apricot für den Frühling. Und jede, die gelernt hat, mit ihren Farben umzugehen, wird den Mangel nicht oft vermissen.
  5. Haare färben, starkes Make up, Sonnenbank können zwar bei knapp danebenliegenden Farben ausgleichen, aber verändern den eigenen Farbtyp nicht – eine falsche Haarfarbe wird nur dafür sorgen, dass man älter, müder, trauriger aussieht. Und dass die Idealfarben sich mit den Haaren beißen … Kommt dir der Friseur mit: „Wie wäre es mit einem frischen Goldton?“, wenn deine Haare eher aschig-gräulich wirken – dann nichts wie weg, es gibt keinen sicheren Weg, als sich in Zukunft Komplimente über die frische Haarfarbe einzufangen. Und die freundliche Nachfrage, ob es einem denn nicht gut ginge …

Aber die leidige Frage nach dem Mischtyp ist noch offen. Auch der Fakt, dass manche in jeder Farbe gut auszusehen scheinen. Wie denn, wo denn, was denn – kann das sein? Eigentlich nicht. Hier spielen einige andere Faktoren mit:

Bei Kindern ist es sehr oft nur schwer zu erkennen, was ihnen steht und was nicht. Ihre Haut ist fast immer prall, glatt, rosig, die Haare fast immer hell und flaumig. Alles, was sie tragen, ist schlicht nebensächlich: die Augen leuchten immer und sind stärker als alle Farben drumherum. Es ist nur manchmal so, dass sie in einigen Kleidungsstücken BESONDERS leuchten und in manchen etwas quengeliger wirken, aber ist man bei Kleinkindern nicht eh immer mit anderem beschäftigt als mit dem Erforschen der Idealfarben besagten Kindes?

Dann gibt es aber Erwachsene, bei denen die Bestimmung auch schwierig sein kann und hier gibt es zwei Varianten: die Einen scheinen in allem zu strahlen, die Anderen sehen immer ausgewaschen aus.  Und auch das kann an zweierlei liegen: die Person ist insgesamt eher farblos. Oder sehr strahlend. Und das gilt für die Farben wie die Persönlichkeit … 🙂 Diese beiden Varianten haben wieder die beiden Möglichkeiten: es steht ihnen scheinbar alles. Oder nichts. Also:

Person A ist sehr still, sehr blass, sehr unauffällig. Mit der richtigen Farbe könnte aus der Stille Zurückhaltung, aus der Blässe Zartheit und der Unauffälligkeit Eleganz werden – und diese Verwandlung ist intensiver als es sich anhört! Es könnte aber – wenn sie zu unserer Problemgruppe gehört – sein, dass sie

  • sich wie ein Chamälion jeder Farbe anpasst und darin aufgeht, lebendiger wirkt
  • oder jede Farbe sie zu erschlagen scheint – was oft an der Unsicherheit der Person selber liegt, ohne nun hier zu pseudopsychologisch herumspielen zu wollen.

Das ist aber beides sehr, sehr selten. Erlebt habe ich das wohl dreimal. Etwas öfter habe ich gesehen, dass jemand insgesamt sehr „laut“ war, also sehr starke eigene Farben hatte und dazu einen extrovertierten Charakter. Person B: Ein tiefroter, großer Mund, sehr große türkisblaue Augen, ganz helle Haut, schwarze Haare mit grauen Strähnen, viel Figur, ausladende Gesten, immer ein Lachen dabei – diese Frau hat jeder Farbe noch etwas abgegeben. Auch da ist es schwer, sie einzuordnen: den Farben nach ganz klar ein Winter (ja, manchmal lässt sich das sagen), aber spätestens wenn sie in Wasserleichengrün, Silbergrau und Ocker noch toll aussieht, kommt man ins Grübeln 😉 Es gibt einfach Menschen, deren eigene Farbgebung und deren Wirkung auf ihre Umwelt sie in keiner Farbe wirklich elend aussehen lassen – hier muss man ganz genau nach dem Extraschuß an Leuchtkraft schauen, um die idealen Farben benennen zu können. Aber auch das ist sehr selten.

Das sollte die Frage nach: Steht mir nicht doch alles? in etwa abgehandelt haben, oder? 🙂

Da war noch die Frage „Was tue ich, wenn meine Persönlichkeit und meine Palette so gar nicht übereinstimmen wollen?“ Finde ich ganz spannend und ich behaupte mal, dass das vor allem eine Frage ist, die sich auf Wintertypen bezieht. Sommer und Frühling verfügen beide über die weitesten Möglichkeiten in Bezug auf Dezenz und Auffälligkeit und sollten immer etwas finden können, das ihrer momentanen Gefühlslage entspricht. Der Herbst könnte sich über die sehr gedeckte Palette Gedanken machen, aber wird hier mehr Drama gewünscht, so lässt sich das mit den Beerentönen und auffälligem Schmuck in Gold und Bronze leicht erreichen. Aber der Winter mit all seinen leuchtenden Divafarben, mit seinem Platinschmuck? Das kann schon mal schwierig sein im Beginn, denn wir haben uns daran gewöhnt, Smaragdgrün, Knallpink, Stahlblau, Diamanten und schwarze Katzenaugen mit dem ganz großen Auftritt zu verbinden. Wer bei dieser Aufzähling nicht MM in pink singend, Elizabeth Taylor mit Riesencolliers und überhaupt die Oscarverleihung vor Augen hat, der hat in den letzten drei Jahrzehnten nie beim Friseur in Zeitschriften geblättert oder den Fernseher angestellt. Wie gehe ich damit im Alltag um, wie damit, dass ich auffalle? Hmm, ich neige dazu, zu sagen: Da musst du durch. 🙂

Du kannst es dir leicht machen und das heute so unauffällige Schwarz tragen. Oder weiß. Oder beides. Und daran schuld sein, dass nach deinem Anblick im schlichten schwarzen Rolli zu Caprihosen oder im weißen Shiftkleid mit schwarzer Applikation sämtliche Frauen, die einen Blick auf dich warfen, loseilen, um sich selbiges zu besorgen, weil Farbe hin oder her, Schwarz eben doch das Schönste überhaupt ist. Was ärgerlich ist, denn nur DU siehst darin wirklich umwerfend aus. Du bist die Einzige, die nicht blass, krank, langweilig oder verhuscht wirkt, wenn sie es trägt. Die Einzige, die im schwarzen engen Rock zur weißen Bluse NICHT um die Getränkekarte gebeten wird. Und ich habe das wirklich oft erlebt, dass Frauen, frisch als Winter diagnostiziert, sich nur dank Schwarz und Weiß mit ihrem harten Schicksal versöhnen liessen, denn auf den ersten Blick ist die Winterpalette nicht nur (scheinbar!) weniger alltargsgeeignet, nein, die Palette ist auch viel begrenzter als es beispielsweise der Sommer ist mit seinen Endlosvarianten an Grau und Blau oder als der Herbst mit all seinen Nuancen. „Aber immerhin: wenigstens Schwarz und Weiß darf ich tragen …!“ so schluchzte das arme Opferlämmchen wohl gerne einmal. Wie schön, dass damals auf dieser Farm die allermeisten meiner Kundinnen Jahr für Jahr wieder vor mir standen und ich erleben durfte, was sich da so tat … glaubt mir: ich habe einige Jahre mit meinem Beruf gehadert, der als so oberflächlich und nutzlos galt/gilt. Aber keine femistische Errungenschaft, so weh es tut, wird Frauen dazu bringen, so ganz und gar bei sich selbst zu hin wie das Bewußtsein erreicht zu haben: „So bin ich, so bin ich gut und ich habe das Möglichste aus MIR gemacht – wo immer ich hinkomme, kann ich andere gelten lassen, weil ich mich mag.“ Hört sich mächtig an? Mächtig übertrieben? Mädels, ehrlich, ich könnte Geschichten erzählen, da heult ihr vor Rührung.

Wenn also ein Jahr später die eher schüchterne Dame, die auf gar keinen Fall ohne Beige und Braun auskommen will, am Begrüßungsabend in einem rasanten stahlblauem Rock mit weißer Bluse vor dir steht und den Willkommenscocktail ablehnt, weil sie schon von diversen Herren mit Schampus abgefüllt werden sollte, wenn sie die Blicke, die da kommen, lässig mit einem Lächeln quittiert, wenn die „dicken“ Beine, die sie im letzten Jahr so hasste, nun liebevoll mit schönen Strümpfen versorgt werden – ist das nicht klasse? Manchmal braucht es vielleicht nur einen kleinen Schubs und nur ganz wenig Mut, um sich zu trauen, anders zu sein – letztendlich sind wir doch alle stolz darauf, nicht nur Masse zu sein, oder?

Von hier aus komme ich ganz leicht zu dem letzten Punkt: Manchmal ist uns aber danach, zu verschwinden. Manchmal fühlt man sich elend, krank, traurig, einsam, wütend – was auch immer und will das auch zeigen (na, oder eben auch nicht, sondern einfach nur untertauchen). Will man sich dann überhaupt sorgfältig zurechtmachen, toll aussehen? Nein. Das sind dann die Tage, an denen das braune Shirt, die alten Jeans, die maustotgraue Mütze heraus gezogen werden. Und soll ich euch was sagen? Wenn das eine (fast) bewußte Entscheidung ist und nicht zu einer Routine wird, aus der man Jahre später erstaunt und traurig erwacht, dann ist das nicht nur ok, sondern meiner Meinung nach gesund. Jawohl! Wenn es mir beispielsweise krank und elend zumute ist, ich aber unbedingt eine Arbeit im Büro beenden will – warum eigentlich soll ich dann so tun, als wäre alles ok und mich in eine strahlende Schönheit verwandeln, die dynamisch und kompetent wie immer ihren Job erledigt? Dankt mir das einer, wird das als Leistung wahrgenommen? Komme ich stattdessen mal mutig ungeschminkt in dem beigen, weichen Pulli, der mich auch noch krank aussehen lässt, mich aber warmhält, dann werde ich zehnmal gefragt, ob ich denn nicht besser im Bett bliebe. Aber ich bin tapfer, erledige die wichtige Arbeit, verabschiede mich danach mit vielen herzlichen Besserungswünschen und bleibe am Tag danach zu Hause. Und komme gesund und strahlend in meinem Farben wieder und heimse Komplimente ein 😉 Macht doch Sinn, oder?

Oder ich bin in Liebeskummer versunken und will niemanden sehen? Dann will ich nicht in den Spiegel schauen und mich toll finden – ich will ein paar Tage darin baden, will mich elend fühlen und gefälligst auch so aussehen. Solange, bis ich mich nicht mehr sehen KANN und den Idioten, der mich dazu gebracht habe, in die Hölle geschickt habe und wie Phönix aus der Asche steige. So stellen wir uns das vor! 😉

Aber wie immer fällt mir noch was ein: sich selbst zu analysieren, vorm Badezimmerspiegel mit diversen Stoff- und Kleidungsfetzen, ist nahezu unmöglich. Es ist wie mit Parfum kaufen: die Nase kann maximal drei Düfte unterscheiden, danach riecht alles gleich. Bin ich ungeübt, dann sehe ich nach kurzer Zeit auch keinen Unterschied mehr, dazu braucht es doch etwas Anleitung. Es ist natürlich gemein, so ausführlich über das Thema zu schreiben und dann nicht zu sagen: „Simsalabim, und du bist ohne jeden Zweifel … dies, das und jenes.“ Dafür kann ich mich nur entschuldigen, wenn ihr nun mit wässrigem Mund dasitzt. Und abschließend (so nicht noch Fragen kommen) möchte ich mich auch bedanken:

Für all die lieben Danksagungen und Beiträge von eurer Seite, ich habe ehrlich nicht geahnt, dass das Thema so interessant ist, weil es für mich so selbstverständlich ist. Ich war ernsthaft gerührt, dass so viele den Wert meiner Zeit mit einem ausdrücklichen Danke geehrt haben. Es war mir aufrichtig eine Freude. Wofür bloggen wir denn, wenn nicht, um auch ein klein wenig zurück zu geben?

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Farbberatung: und was hat das mit mir zu tun?

Lasst mich zunächst zweierlei sagen: EIGENTLICH habe ich heute viel zu viel zu tun, um zu bloggen – aber nun bin ich so drin in Thema und Schwung, dass ich das ausnutzen sollte. Da kann ich mir heute beweisen, wie flott ich wirklich bin: Bad putzen, saugen, Kind abholen, kochen, Schnitt fertig machen, Ärmel einsetzen (darüber fluchen und meckern), Kurs vorbereiten, mich anhübschen und die Wäsche versorgen. Und eben dies hier zu Ende bringen …

Viel wichtiger aber: ich bin ja keine Kommentarjägerin – ich freue mich immer diebisch über die Qualität der Kommentare, die Anzahl ist mir eher gleichgültig. Besonders schön finde ich aber, wenn ich mich zu einem Thema auslasse (und ich bin ja – und hier fehlt mir ausnahmsweise die treffende deutsche Vokabel – very opinionated …) und dann Kommentare finde von Frauen, die sich darüber freuen, mir gar danken oder bei denen meine Stellungnahme dazu führt, sich nach stillem Lesen einmal zu äußern. Dazu könnte ich noch gaaaaanz viel schreiben, aber ich reiße mich los und gehe zum Thema über:

Gestern habe ich die Grundlage der Farbberatung aufgezeigt und auch dargelegt, weshalb sich die Lehre von den Farben auch auf uns übertragen lässt, die wir weniger bunt sind. Genau da liegt für uns alle die Schwierigkeit. Oder besser gesagt: eine der Schwierigkeiten. Wäre ich – um bei meinem Lieblingsbeispiel zu bleiben – ockerfarben von Kopf bis Fuß, so käme ich nicht auf die Idee, mich in Pink zu kleiden. Gehöre ich aber in die Farbfamilie Ocker, so bedeutet das was? Ich möchte gar nicht erst versuchen, alle möglichen Farbkombinationen des Herbsttypes aufzuzählen – das geht nicht. Wir alle kennen diese Seiten, auf denen man sich durch vier Fragen klickt und dann DIE Lösung erhält. Die mit großer Sicherheit falsch sein wird. Beispielsweise meine Kombination von relativ gut bräunender Haut, die ansonsten sehr hell ist, aber einige Pigmentflecken aufweist, von grün-braunen Augen und oft rötlich schimmernden Haaren zu aschbraunen Augenbrauen – die taucht nirgendwo auf und sobald die Augenfarbe zum Grünen tendiert, werde ich als Herbst diagnostiziert. Jede Südländerin ist ein Winter, jede Schwedin ein Sommer. Oder vielleicht auch nicht? Da sind wir wieder bei dem, was mich in Rage bringt: bei den Kästchen, auf denen diesmal neben einer Jahreszeit ein (Pseudo)-Promi klebt. Neben diesen einfach zu erkennenden Typen (die es selbstverständlich gibt)stehen viele andere, aber ebenso eindeutige Typen für jede Jahreszeit. Und vergessen wir nicht die kleinen Tricks und Späße der Genetik: die roten Haare der irischen Großmutter, die schwarzen Augen der römischen Vorfahren oder die zarte Haut des Wikingerurahns) die eigentlich gar nicht in deinem Farbschema vorgesehen sind – kleine Produktionsfehler sind charmant, aber nicht leicht zu kategorisieren 😉

Gut. Wie finde ich nun heraus, welche Farben meine sind? Und darf ich nie wieder etwas anderes tragen? Kann ich da tricksen? Und wie ist das (wie Berry fragte), wenn die idealen Farben so gar nicht mit meiner Persönlichkeit übereinstimmen wollen? Und kann es sein, dass ich innerhalb meiner Palette weitere Beschränkungen erlebe? Stimmen solche Regeln, wie die, die Joanna aufgezählt hat? Da haben wir noch ganz schön was vor uns …

Um die eigenen, idealen Farben zu finden, gibt es viele Wege – manche führen in die Irre. Diese Schnelltests: „Haare blond, Augen blau, immer Sonnenbrand – du bist ein Frühling, trag Orange“ haben wir ja schon in die Ecke gestellt. Mache drei davon und du wirst fünf Ergebnisse haben, von denen eines lauten wird, du seiest ein Mischtyp und kannst alles oder gar nichts tragen.
Eine Beraterin aufzusuchen – die heute wohl nicht mehr so oft zu finden sind wie in den 90er – ist dann der richtige Weg, wenn sie Ahnung hat und nicht in einer halben Stunde fertig sein will. Es ist nämlich nicht wichtig, dass SIE sieht, was dir steht, sondern dass DU das siehst. Erst wenn du erlebt hast, wie stark Farben dich verändern können, wirst du dich in Zukunft sicher bei der Auswahl fühlen können und auch wirklich zufrieden mit deiner Palette sein. Ich habe sehr, sehr viele Frauen getestet – oft in einer Art Happening 😉 : Eine wollte eine Beratung, die ich immer erst abends machen konnte, eine wollte bittebitte unbedingt zusehen, nachher standen alle drumherum und am Ende der Woche waren sie alle getestet und ALLE hatten einen Blick dafür bekommen. Ich kann euch sage, es IST ein Happening, wenn am Freitag während der letzten Analyse auf einen Punkt hin sieben Frauen gleichzeitig den Kopf schütteln, entsetzt zurückweichen, losgackern oder beseligt „Ohja!“ rufen ;-).
Wie gesagt: ich habe viele getestet und sehr viele kamen zu mir mit Sätzen wie: „Egal, was Sie mir sagen, auf Grün verzichte ich niemals und Rosa hasse ich!“ Wenn jemand schon mit diesen „Ängsten“ kommt, dann oft deshalb, weil irgendetwas in dir sagt: Ähm, soo gut sieht Grün an mir gar nicht aus … Im übrigen liebte ich das, wenn jemand überzeugt werden musste. Ich bin einfach nicht normal, ich mag es nur kompliziert. Da muss es etwas Sadistisches in mir sein, dass die Schwierigen dazu bringen will, mir aus der Hand zu fressen oder um den Hals zu fallen … ohweh, heute verliere ich mich ganz.

Wie sollte eine Beratung bei einem Profi aussehen? Wichtig ist in der Tat eine Tageslichtlampe, die richtig hell ist. Das ist nicht schmeichelhaft, nicht schön, und ihr mögt euch so nicht anschauen wollen, aber nur so können Farben arbeiten. In der Regel werdet ihr gebeten, euch vor einen großen Spiegel zu setzen und die Haare aus dem Gesicht zu klippen. Wer Brille trägt, sollte entweder ohne diese auskommen können, Linsen oder zumindest das unauffälligste Modell tragen, das vorhanden ist. Eine große Brille in gelb mit getönten Gläsern stört eine korrekte Analyse. Auch ungeschminkt kann man mehr erkennen, aber ein zartes Make up sollte eine gute Beraterin nicht zu sehr stören.
Gut ist auch, wenn ihr etwas tragt, das nicht zu hoch zum Gesicht hinauf ragt oder gar tief ausgeschnitten ist; wir wollen Haut sehen. Die Beraterin wird nun immer zwei Farben miteinander abwechseln, um zu sehen, was geschieht: Bei mir beispielsweise war das erste Farbset Schwarz und Braun – das sind übrigens große Tücher, die von vorne um die Schultern gelegt werden. In der Regel kann man nicht sofort sagen: das ist gut, das schlecht; während der ersten Tücher lernt man die Anatomie des Gesichtes, seine Besonderheiten kennen. Da sowohl Schwarz als auch Dunkelbraun nur an wenigen Menschen wirklich gut aussehen, geht es hierbei darum, eine Tendenz zu erkennen (warm oder kalt?), aber auch negative Züge im Gesicht maximal zu verstärken, so dass ich Laufe der Analyse drei oder vier Fixpunkte habe, die ich besonders betrachte. Im Laufe der Beratung zeigt sich immer stärker, wohin es geht: hell oder dunkel, leuchtend oder gedeckt, kühl oder warm. Aber wie genau sieht man das, was passiert denn da?

Nun genau zu erklären, wie das nochmal war im Physikunterricht mit Licht, Strahlen, Brechung, Brennweite, Prisma, Farben, Bündelung und all dem – das führt zu weit. Aber wir wissen alle, dass das Licht gebrochen wird, das es reflektiert wird und vom reflektierenden Gegenstand etwas mitnimmt: die Farbinformation. Trage ich nun eine Farbe am Körper, so wird diese Farbe vor allem nach oben – zum Gesicht hin – zurückgeworfen. Das Licht malt uns also bunte Schatten ins Gesicht, die meist so subtil sind, dass wir sie nicht wahrnehmen. Auch deshalb, weil wir sie ständig sehen, ohne sie zu bemerken. Erst wenn eine Farbe sehr intensiv ist, erkennen wird diese Lichter – mit Übung! Und genau diese Wahrnehmung wird während einer guter Beratung geschult: ich fand es immer spannend zu sehen, wie beispielsweise Froschgrün in der Lage war, bei der Einen ein grünes Kinn zu malen (stand ihr nicht), der Anderen die Augenringe einer Wasserleiche zu verpassen (stand ihr nicht) und bei einer Dritten die Augen strahlen zu lassen (wow – sogar diese Farbe sieht an ihr auf einmal vornehm aus!).
Oder Schwarz – ganz gefährliches Thema: Schwarz ist durch die Mode der letzten Jahrzehnte von der Nichtfarbe zur Passt-immer-Farbe geworden. Stehen tut sie nur wenigen, aber das sehen wir nicht mehr, denn wir sehen sie ständig – in jeder Variante, an jeder Frau, wir haben uns daran gewöhnt. Aber es hat schon einen Grund, weshalb Schwarz und auch Weiß je nach Stand und Herkunft die Farben der Trauer waren: man sieht etwas elend und mitgenommen darin aus. Wie man es von Trauernden erwartet. Und weil diese Farbe im Gesicht so starke Wirkungen hervorruft, begann und endete meine Beratung damit auch immer. Anfangs wollte keine zugeben, dass Schwarz vielleicht nicht ideal war – am Ende riefen alle bis auf den Winter: „Oh Gott, ne, tun Sie das weg, ist ja scheußlich!“

Nun könntet ihr als ersten Anhaltspunkt ja versuchen, euch vor dem Spiegel diverse Kleidungsstücke vorzuhalten, aber das ist für ein ungeübtes Auge schwierig und unsere Wohnverhältnisse erlauben selten einen klaren Blick. Aber wenn ihr euch einmal in euch zurück zieht und euch daran erinnert, welche Farbe ihr als Kind am liebsten mochtet, zu der ihr immer gegriffen habt – ganz, ganz oft ist das die Farbe, die euch am besten steht. Denn die allermeisten Menschen haben ein gutes Gefühl für das, was ihnen gut tut. Und die richtige Farbe gehört dazu, denn sie bringt wahrhaftig alles Schöne an euch zum Leuchten, was es anderen Menschen leichter macht, auf euch zuzugehen. Als Kind ist uns das besonders wichtig – gemocht werden – und Dinge wie Gruppenzwang und Modefarbe oder auch die Frage, was man mit einer Frage assoziiert, sind noch nicht wichtig, haben uns noch nicht geprägt. Sehr oft, wenn eine Beratung ein unerwartetes Ergebnis brachte, habe ich oft Aussagen gehört wie die eines Winters, der sich immer als Herbst gekleidet hatte: „Aber wie eigenartig, als Kind wollte ich immer Schwarz tragen, durfte ich nicht. Meine Mutter mochte Tannengrün …“ Meine Lieblingsfarbe bis etwas zum 12. Lebensjahr war Blau – ich bin ein Beweis dieser Theorie 🙂

Und da ist das nächste Problem: Die meisten von uns leben mit anderen Menschen, gehen mit Freundinnen einkaufen, reden mit Kolleginnen. Und lassen uns davon beinflussen. Ich habe ganz oft auch Ehepaare analysiert und in den Fällen, wo beide unterschiedliche Farbtypen waren, passierte es sehr oft, dass sie spiegelverkehrt gekleidet waren: er der Herbst im Sommerlook, sie der Sommer im Herbstlaub. Weil die Farben, die uns stehen, häufig auch die Farben sind, die wir mögen oder die wir vermissen, wenn wir sie nicht tragen. Paare, bei denen beide dem gleichen Typ angehörten, waren fast immer in der richtigen Palette zu Hause.

Aber nun gehen wir einmal davon aus, dass ihr eure Farbfamilie gefunden habt. Und ich meine nicht die Farben, die nach esoterischen Grundsätzen („Grün bringt Ihre Seele in Einklang“) gewählt wurden oder die Farbe, die ihr besonders mögt (die ja eben die Farbe sein kann, die in eurer eigenen Farbgebung komplett fehlt, also euch gar nicht steht!), sondern wirklich diejenigen, die das Schönste in euch hervor holen: was nun?
Ich bin ein Sommer, ich bin es seit 23 Jahren und es gab nur eine kurze Zeit, in der ich damit umzugehen lernen musste. Seitdem gibt es immer wieder einmal Momente, in denen ich mir eine andere Farbe an mir wünsche: zur Zeit fände ich es schön, ein kräftiges Gelb, gemixt mit Weiß tragen zu können – was übrigens sowohl dem Winter als auch dem Frühling (wenn das Weiß nicht am Gesicht ist) stehen würde. Oder ein schönes kräftiges Grün. Oder wenn ich die roten Stoffe, die sich bei der Lieferung als doch nicht richtig erwiesen hatten, einfach verwenden könnte. So etwas teste ich auch schon mal aus, es gibt auch Pullis in den nicht so idealen Farben, die einen Ticken zu gelb, einen Ticken zu schlammig, einen Ticken zu knallig sind. Sind es Farben, die knapp daneben liegen, so lässt sich das mit einem kräftigen Lippenstift, einem sorgfältigen Make up, einen tieferen Ausschnitt noch ausgleichen. Ohne all diese Hilfsmittel sehe ich schon glatt zehn Jahre älter aus. Und das schöne Sonnengelb: da hilft nur ein Sack überm Kopf, wenn das gehen soll. Also ja: die richtige Farbeinordnung kann euch einschränken – wenn es euch wichtig ist, gut auszusehen. Was nicht immer die oberste Priorität hat oder haben muss. Aber wenn sich optimales Aussehen – gemessen an den eigenen Möglichkeiten und nicht an Photoshopwerbeplakaten! – so leicht zu erreichen ist, gibt es nicht viele Gründe, die dagegen sprechen, oder?

Aber die richtige Farbfamilie wird in den meisten Fällen eher bereichernd wirken: schauen wir uns einmal um und wir sehen vor allem Jeans, schwarz, grau, oliv und an kleinen Mädchen rosa. Sieht das aus, als würden wir uns vor einer Beschränkung fürchten müssen? Viele trauen sich an Farbe nicht heran, weil man sie a) so selten sieht, sie b) farbungeübt sind und c) nicht wissen, was ihnen steht. Habe ich aber nun eine Farbpalette, die ja unendlich viele Nuancen erfasst, von denen ich weiß, sie stehen mir, sie lassen sich kombinieren – dann kann ich viel hemmungsloser experimentieren, testen, ausprobieren.

Nur, wie ist das nun? Ich habe also meine Palette – ich bleibe bei mir als Beispiel – von Hell- bis Dunkelblau, von Silber bis Anthrazith, von Türkis zu Petrol (im blauen Bereich, nicht im zu grünen), von Flieder zu Brombeere, von Rosé zur Himbeere, mit zartgelben und kirschroten Sprenkeln. Kann ich die alle anziehen und immer, immer umwerfend aussehen? Ähmm … jein! Denn natürlich spielen auch andere Faktoren eine Rolle: innerhalb meiner Palette gibt es Farben von sehr, sehr hell bis fast schwarz, von sehr gedeckt bis zu fast leuchtend. Je nachdem, ob ich ein sehr zarter Sommer bin oder ein sehr dunkler, sehen die Farben auch unterschiedlich an mir aus. Und hier kann man NICHT sagen: der helle Sommer trägt am besten dies, der Dunkle das. Das kann nämlich sehr stark von der Tagesform, der Frisur, der Jahreszeit abhängen. So mag ich mich beispielweise in einem dunklen Pflaumenton lieber sehen als in einem hellen Flieder, während das helle Grau zehnmal kleidsamer ist als das dunkle Anthrazith, während wiederum dunkelstes Nachtblau umwerfend ist. Es ist nicht zwangsläufig immer die helle oder die dunkle Seite der Macht, ups, Farbe, die zu zu ordnen ist. Es ist die nicht immer erkennbare Menge an Blau, Gelb und Rot innerhalb dieser Farbe. Auch die Struktur spielt eine Rolle, denn sie entscheidet, wie das Licht reflektiert wird. So sieht ein einfarbiges Mittelgrau einfach nur trist an mir aus. Ein Mittelgrau, durchzogen von unregelmäßigen Webkaros, als Piquée oder mit weißen Punkten hingegen bringt mich zum Leuchten, sieht freundlich aus.

Und schon bin ich beim nächsten Haken, wenn es um Farben geht; ich erwähnte es schon kurz: was wir mit dieser Farbe assoziieren. Oliv tragen nur Jäger, Orange die Müllabfuhr. Rot ist auffällig und erotisch, in Rosa laufen nur kleine Mädchen rum. Braun ist langweilig, Pink ordinär. Gelb steht für Neid, Grün für Ausgeglichenheit. Warm ist freundlich, kühl stößt ab. Weiß wird schnell schmutzig, Beige tragen alte Kaffeehausdamen. Und so weiter und so weiter und so weiter … es ist eben zweierlei, Rosa gut tragen zu können, sich aber mit der Idee Rosa nicht identifizieren zu können. Gerade dazu ist Dolores Umbridge ein gutes Beispiel (für die HP-Kenner unter euch zumindest. Für die anderen: diese Frau trägt nur rosa: in Rüschen, in Tweed, mit Kätchen bestickt und ist ein wahrhaftig sadistischer Teufel. Und warum wirkt sie so doppelt gemein? Liefe sie in streng schwarz herum, würde sich keiner wundern, aber der Gegensatz von übertriebener Mädchenhaftigkeit, gesetzterem Alter und Benehmen schafft den wahren Horror – sehe ich das falsch?).
Umgekehrt gibt es Farben, die uns anziehen, die uns fröhlich stimmen und die unserer Persönlichkeit – wie wir selbst uns einschätzen und kennen – genau entsprechen. Und die uns bei der Farbberatung mit einem Hitlerbärtchen verzieren – wohl kaum der Effekt, der gewünscht wurde. Aber wie damit umgehen? Enweder einfach tragen, was man mag und sich in allem dieser Farbe unterordnen (was auf Außenstehende – unbewußt! – einen kostümierten, nicht authentischen, gekünstelten Eindruck hervor rufen kann) oder aber diese Farbe im Wohnbereich einsetzen. Oder als bewußten Gegensatz kombinieren: ich habe eine knallorange Tasche im Vierzigerstil, die ich im Sommer mit Wonne zu fast allem kombiniere und nie sieht das nicht gekonnt aus, obwohl ich kein großer Kombinierer bin 😉 Aber das muss jede für sich entscheiden.

Dazu kommen noch Gedanken wie „Ich lasse mir doch nicht vorschreiben, was ich zu tragen habe“ oder „Ach, nein, das traue ich mich nicht“ oder „Im kirschroten Kostüm die Konferenz leiten? Geht doch gar nicht“ Bis wir uns durch all dieses Gewirr hervor gearbeitet haben, kann es ein ganz hüsch langer Weg sein. Oder auch praktische Überlegungen stehen im Weg: „Wenn ich nun wirklich erfahren müsste, dass rotbrauner Cordsamt gar nicht so schön für mich ist, dann hätte ich nichts mehr zum Anziehen im Schrank“, „Was denken nur die anderen, wenn ich auf einmal in Grün auftauche?“ Jede Veränderung macht uns unruhig, kann uns ängstigen. Das ist bei einer so scheinbar kleinen Angelegenheit wie der Blusenfarbe nicht anders.

Tja, ich habe nie behauptet, dass es einfach sein würde und ich muss noch einmal klar machen, dass ich nicht helfen kann, eure Farben zu finden; der Möglichkeiten sind einfach zu viele. Es gibt keine einzige klare Regel, die da sagt: wenn du das und das bei dir entdeckst, musst du das oder das sein. Ich bin mir heute nicht so sicher, ob ich wirklich genau das geschrieben habe, was ich hatte sagen wollen und ob ich die offenen Fragen beantwortet habe – bin etwas konfus, weil ich heute viel Zeit hiermit verbracht habe, wo ist sie nur hin, die Zeit. Deshalb schlage ich vor, dass – wenn noch Fragen sind – ihr diese stellt 🙂

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Mehr Farben, mehr Beratung, mehr Abschweifungen

Bin schneller da als gedacht: Kind holen, Essen kochen, Essen essen, wegräumen, den Beitrag Korrektur lesen (wenn ich so holperdiholper schreibe, muss ich das mit etwas Abstand tun und bei der Farbengeschichte ist es mir wichtig) et voilà: weiter geht es. Wie weit, weiß ich noch nicht. Will ja heute wirklich nähen!

Wir haben also bei den Farben insgesamt und bei unseren genetisch bestimmten eigenen Farben eine Übereinstimmung gefunden, was die Aufteilung anbelangt. Was nun damit beginnen? Ich habe euch mal einige Farbbeispiele gebastelt, die hoffentlich auch bei unterschiedlichen Rechnereinstellungen in etwa so ausfallen, wie ich es mir vorstelle.
Nehme ich zwei Farben der gleichen Familie, so wird das Ergebnis (fast immer) harmonisch aussehen – es kann bei zu großer Nähe auch mal langweilig aussehen 🙂 Aber die Farben werden nicht miteinander in den Ring steigen und sich gegenseitig die Aufmerksamkeit stehlen. Kombiniere ich zwei Farben unterschiedlicher Familien, so kann das ausnahmsweise – oder durch herrschende Modevorgaben, an die sich unser Auge gewöhnt hat – richtig gut aussehen. Aber in den meisten Fällen wird unser Auge zwischen beiden Hin und Her wandern und sich ermüdet abwenden. Schlimmer noch: die Farben beeinflußen sich gegenseitig negativ. Intensives Pink kann an der richtigen Frau mit Schwarz, Smaragd, Knallblau oder Weiß unglaublich edel wirken. Kombiniert mit Rosa (wenn wir das auch immer wieder sehen) wird es kitschig, kombiniert mit Orange kann es zur Ausnahme kommen (an der richtigen Frau, im richtigen Verhältnis zueinander!) oder aber zum Augenkneifen, mit einer Farbe wie Ocker hingegen ist Pink schlicht ordinär – und Ocker wird dadurch auch nicht hübscher. Manchmal ist dieses Verhältnis zueinander nicht leicht zu sehen, fast immer aber zu erkennen:

Immer vorausgesetzt, ihr seht in etwa das Gleiche wie ich, dann habt ihr links ein gedämpftes Dunkelblau (DER Sommerton überhaupt) und daneben ein kräftiges Pink (Winter). Auf der rechten Seite seht ihr das gleiche Blau mit einem zarten Rosé-Fliedergemisch. Beim ersten Bild erscheint das Blau ein wenig zu klassisch, etwas verstaubt – es kommt gegen das leuchtende Pink nicht an, was das Pink leicht schreiend wirken lässt. Beim zweiten Bild hingegen gewinnt das Blau an Tiefe, während das Rosé pudrig-zart wirkt. Beide Töne ergänzen sich, weil sie der gleichen Farbfamilie – kühl-gedämpft – angehören. (Bevor jemand jetzt denkt: „Ne, mir gefällt das Erste besser, die hat ja keine Ahnung!“ – erst mal weiter lesen 🙂 )
Drehen wir das Ganze einmal um:

Jetzt haben wir ein sehr kräftiges Blau (Winter), das mit dem Puderton kombiniert wurde: Das Rosa, das mit dem Dunkelblau distinguiert wirkte, sitzt nun als Mauerblümchen in der Ecke – neben einer lauten Göre. Aber Knallblau und Pink kommen klar, beide wirken fröhlich, leuchtend. Natürlich nicht so zurückhaltend wie die Dunkelblau-Rosé-Kombi, aber nicht weniger harmonisch (vorausgesetzt, euer Rechner zeigt euch, was ich euch zeigen will …)

Schauen wir uns die warmen Farben an:

Es wird jetzt etwas schwerer, weil sich die richtigen Farben nicht so recht mischen lassen wollten: ein leuchtendes Orangegelb ist gar nicht so leicht zu finden 🙂 Aber das Prinzip ist das gleiche, wenn es auch bei den warmen Farben schwerer zu erkennen ist: eine kräftig-klare Farbe mit einer gedämpften Farbe zu kombinieren wird immer ein nicht perfektes Ergebnis bringen.

Und hier bin ich an einem Punkt angelangt, der mich etwas unzufrieden macht: es ist hier, online, nicht möglich, euch alle Farben zu zeigen, die den einzelnen Jahreszeiten zugeordnet sind und schon gar nicht so, dass sie unverfälscht zu sehen sind. Ich kann nur so viel sagen: jede Farbberatung, die euch entweder auf GENAU die Farben im Paß festnageln will noch die Beratung, bei der es für jeden Typ jede Farbe in irgendeiner Form gibt, ist wirklich gut gelaufen. Es gibt keine hellblauen Töne für die warmen Typen, keine Goldtöne für Sommer und Winter, kein Grasgrün im kühlen Bereich und kein Rosa für den Frühling. Und es muss nicht dieses eine Korallenrot sein, das zu finden ist. Ganz vereinfacht gesagt, ist es in etwa so:

Frühling:
Die Farben erinnern an die Natur im Frühjahr: frisch und leuchtend, unverbraucht und bunt. Sonnige Töne eben: Grün in fast jeder Form außer den gedämpften Oliv- und Khakitönen des Herbstes. Orange von superknallig bis hin zu zartestem Apricot, solange es leuchtet. Gelb von oben bis unten bis auf das zarte Zitronengelb des Sommers. Als einzigen Blauton gibt es ein stark gelbstichiges Kornblumenblau. Und jede Farbe, die mit diesen harmoniert.

Sommer:
Stellt euch einen richtig heißen Tag am Meer vor – am besten die Nordsee (und da kann es ordentlich heiß werden) und ihr habt die Quintessenz dieser Farbfamilie: dunstiges Blau in jeder Variante. Dazu kommen auch die Shitwettertage: grau kann sehr edel und lebendig wirken – hier kann man aber auch schnell in die Langeweilefalle tapsen. Dazu kommen die Farben von müden, sommerheißen Blumen, die keine Kraft mehr für viel Farbe haben: nebenweiß (nicht creme oder eierschale, die gehören Frühling und Herbst), flieder, sämtliche Rosen- und viele Beerentöne (sobald sie zu sehr ins Bräunliche spielen, dann gehören sie dem Herbst). Aber auch viele Töne, die auf den ersten Blick hin kräftig wirken, gehören dem Sommer: kirschrot beispielsweise. Viele Farben lassen sich nur dann richtig zuordnen, wenn sie kombiniert werden – wer also beispielweise auf der Suche nach einem blauen Rot ist, nimmt sich einen blaugrauen Stofffetzen mit und hält gegen: lieben sich die Farben, dann her mit dem Stoff. Ansonsten: ne, das wird nichts. Ihr merkt, ich bin ein Sommer und gerate ins Quatschen.

Herbst:
Wie der Sommer auch mag der Herbst es dezent und zurückhaltend, auch wenn manche Farben durchaus leuchtend wirken. Natürlich sämtliche Herbstlaubfarben gehören hier hinein, viel frisches Obst kommt hinzu und dazu die Farben der Wüste, alles, was nach Abenteuer aussieht. Dazu kommen viele Petroltöne, wobei die Grenze zwischen den grünlichen Blautönen des Sommers und den bläulichen Grüntönen des Herbstes nicht immer eindeutig zu ziehen ist – da kann es durchaus einmal zu Überschneidungen kommen; ebenso im Beerenbereich. Herbst und Sommer sind – so unterschiedlich sie eigentlich sind, auch die beiden Farbfamilien, die am häufigsten miteinander verwechselt werden. Was sicher mit daran liegt, dass diese Typen am häufigsten vorkommen.

Winter:
Zumindest in Mittel- und Nordeuropa finden sich nur wenige Winterfrauen – Schneewittchen wird ja immer wieder als der perfekt Wintertyp definiert. Wer sich noch an Isabelle Adjani erinnert: das winterliche Ideal. Der Winter hat sehr starke eigene Farben und ist der einzige Typ, der wirklich, wirklich gut aussieht in Schwarz und Weiß. Sicher, die Mode hat uns dahin gebracht, dass Schwarz allen steht, aber nein: DAS ist neben Jeans sicherlich die größte Sünde wider die eigene Person. Schwarz will Kontrast, will einen gleichwertigen Partner und der findet sich selten. Dem Winter stehen daneben – bis auf Orange und Tomatenrot – sämtliche Knall-, Leucht- und Neonfarben und ist auch der einzige Typ, der diese Farben adelt. Daneben werden aber oft die Eisfarben vergessen: Farben, die so hell und leuchtend sind wie Nuancen frischgefallenen Schnees im Licht. Also sehr, sehr helles Blau, Geld, Rosa und Grün.

Na, nun habe ich auch hier wieder mehr aufgezählt als gewollt – wehe, das nützt nicht wenigstens einer 😉

Aber immer noch fragt man sich, was hat das mit mir zu tun? Ich bin ja nicht ockerfarben, kann ich also Pink tragen? Das sind doch die wirklich wichtigen Fragen, nicht wahr? Nun, nur die wenigsten von uns sind ockerfarben – sollte eine hier denken: „Ach doch, ich bin ockerfarben.“ dann würde ich vorsichtig raten, einen Mediziner aufzusuchen. Aber wenn auch nicht ockerfarben so mag man eben doch zur Gruppe des Ockers gehören, also eine warmstichige, gedämpfte Farbgebung sein eigen nennen. Und da muss eine Beraterin schon sehr geübt sein, um das auf den ersten Blick zu sehen. Es gibt Menschen, die man sofort einstuft und richtig liegt. Aber es kann auch schwer sein und damit komme ich zum ersten Haken:

Es kann sein, dass man als Sommer geschaffen wurde, aber dennoch von der irischen Großmutter väterlichseits mit roten Haaren beschenkt worden ist. Dann greift manch eine Beraterin oder Internetseite zum Ausdruck Mischtyp, der ja vorhin auch schon mal im Kommentar erwähnt wurde – ich sage, nein, das gibt es nicht. Es kommt nur manchmal zu kleinen Spielereien der Natur 🙂 Ich hatte eine Kollegin mit eben jenen sehr roten Haaren, die aufgrund dessen immer als Frühling galt. Aber so recht überzeugend fand ich das nicht, denn aus der Frühlingspalette gab es nur weniges, was wirklich freundlich an ihr war. Welch ein Glück, dass sie mit Sommersprossen gesegnet war: die sind meist eindeutig hilfreich! Sind sie gräulich – kühler Farbtyp. Sind sie rotbraun – warmer Farbtyp. Ihre waren gräulich und bettrachtete man sich den Ansatz ihrer Haare, bevor das Tageslicht viel anrichten konnte (fast alle Haarfarben bauen sich unter UV-Licht über rot ab!), dann sah man ein rot, das leicht bläulich-dunkelblond schimmerte. Eine Rothaarige, die wirklich mal gut in Rosa aussah 😉

Aber nun, meine Lieben, breche ich ab, mir brechen sonst die Finger – für heute ist es genug. Ob ich morgen dazu komme, weiter zu fahren – ich kann es nicht versprechen. Ich tue mein Bestes, schnell wieder zu schreiben. Vielleicht gibt es Fragen?

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Mag mich gar nicht bitten lassen: Farbe und die Beratung dazu

Ich stehe vor der Wahl, mich im eisekalten Keller an die Waschmaschine zu stellen, das Badezimmer zu putzen oder an meinem Kleid weiter zu werkeln – aber schon wissend, dass ich mittendrin werde aufhören müssen, um den Großen von der Schule abzuholen – was ein echtes Unternehmen ist: es ist so schweinekalt, dass auch mehrere Schichten mich nicht bis zum Gartentörchen warm halten können. Leider muss ich von da aus noch wenigstens eine Viertelstunde weiter (und wieder zurück) und das zu Fuß, ähm, zu Eisklump. Unser Auto hat den Geist aufgegeben. Mein Bügeleisen übrigens auch …

Weil ich mein Kleid aber mit Liebe und in Ruhe weiter bearbeiten möchte, setze ich mich einfach mit Decke und dicker Strickjacke an die Heizung und blogge – so sitze ich nicht faul herum, wenn es auch dem Haushalt nicht weiterhilft. Aber ich war gestern so fleißig mit Sofas abledern und ähnlichem Gedöns und morgen wird eh geputzt – da gönne ich mir das. Bin ich überzeugt? Weiß ich nicht, aber alles was warm hält (Laptop wärmt ja auch …), ist legitim. Und kommt mir noch einer mit „Hach, wie schön, die trockene Kälte und die schöne Sonne!“ … ich bin noch unentschlossen, was genau ich mit dem anstelle!

Wo beginne ich? Ich bin jemand, der sich nicht gerne in Kästchen einschließen lässt, ohne dass ich dabei grundsätzlich so anders bin, so progressiv, so alternativ, so was auch immer. Ich fühle mich nur in großen Gruppen und in engsten Räumchen nicht wohl. Wieviel schlimmer, wenn beides zusammen kommt: Drei Figurtypen teilen etwa 40 Millionen deutsche Frauen auf – finde ich ganz schön knubbelig. Zwölf Sternzeichen charakterisieren unsere Persönlichkeit – gut, nimmt den Aszendenten und den Einfluss der chinesischen Zeichen unter Berücksichtigung der drei Doshas und den Störungen der Sonnenstürme hinzu, dann lässt sich daraus wohl etwas basteln, was irgendjemandem gerecht werden kann – aber eng ist es doch immer noch. Konfektionsgrößen kommen auch noch dazu – so ließen sich doch komplette Bilder erstellen, oder? „Frau, Steinbock, Aszendent irgendwas, 173 cm, Kleidergröße 36/38, H-X-Sanduhr-Säulen-Mix, Sommertyp, NR“ – fehlt da was? „Gesichtsform oval-länglich“ vielleicht noch? Hmmm ….

Ich denke, ich habe hinreichend klargestellt und dargelegt – jetzt und in all den Jahren davor: Ich mag das nicht, auch dann nicht, wenn es nützlich sein kann. Nützlich? Ja, kann es sein, ich mache nämlich eine Ausnahme von der Regel, dass ich dieses Gruppieren nicht mag: bei den Farben, die zu uns passen. Wer jetzt aber zusammen zuckt und denkt, jetzt kommt die mir auch noch mit „Also, Korallenrot, das ist Ihre Farbe, hier ist hier Pass!“, der zuckt besser schnell zurück, denn da sind wir schon wieder bei dem, was ich so hasse. Et eß äwwer uch schwierisch mit mer, nä? (Hey, der Fastelovend steht vor der Tür, ich muss da bönnschen!!;-))
Wie auch immer, genau dieses So-ist-das,-so-machst-du-das ist ja nichts für mich: wer mich dazu bringen will, etwas zu tun, der erklärt mir das und zwar zwingend logisch, ansonsten kann derjenige sich den Mund fusselig reden. Wer nicht erklären kann, warum etwas wie ist, weiß es selbst nicht und sollte dann nicht zu große Reden schwingen. Jemand, der sich Zeit nimmt und überlegt und nach Antworten sucht – der hat mich immer auf seiner Seite.

Nun war meine erste Erfahrung mit einer Farbberatung aber genau von dieser Art und so habe ich auch später noch viele erlebt oder aus zweiter Hand erfahren. Da standen dann Frauen/Kundinnen vor mir, die mir sagten, dass das doch alles Mist sei, sie mögen nun mal kein Rosa und sowieso sei es fast unmöglich, genau die richtige Nuance wie in dem Paß zu finden. Ähm, ja, das ist es. Aber das ist ja auch gar nicht das, was mit diesem Paß passieren soll – da stand wieder einmal eine Sch…beratung hinter. Und der schnelle Abverkauf eines teuren Bündels bunter Karten nach einer Beratung, die manchmal nur eine halbe Stunde dauerte. Kreisch!!! Ihr seht, ich verliere mich in meine frühere Profession 🙂

Gut, meine Erfahrung war so:
Ich arbeitete als Kosmetikerin in einer Hotelfarm, eingestellt hatte mich der Chef des Hotels, was der Chefin der Farm nicht passte. Das erklärte sich schon aus dem Umstand, dass wir beide mit dem Gewicht kämpften, nur aus unterschiedlicher Richtung heraus. Dazu gefiel es ihr nicht, dass ich zu allem eine eigene Ansicht hatte – was natürlich stressig sein konnte. Besonders deshalb, weil die meisten Kundinnen es sehr schätzten, mehr zu hören als „Das macht Ihre Haut schön weich und geschmeidig … blablabla.“ Lob an mir kam bei ihr als Kritik an ihr selbst an. Das hat mir das Leben dort zur Hölle gemacht und hätte ich damals den Ausdruck bossen schon gekannt, dann hätte ich gewußt, wie ich es hätte benennen können. Da war es der Dame ein gar großes Vergnügen, nachdem ihre Farbberatungsausrüstung ankam, mir zu erklären, ich hätte aber auch nicht geringste Ahnung, welche Farben mir stünden – worauf ich in den Genuß ihrer Farbberatung kam. Genuß schreibe ich jetzt durchaus mal ironiefrei: als Beraterin war sie eine Niete, denn es ging ihr darum, recht zu haben – nicht nur mir, sondern allen Kundinnen gegenüber. Und als weiteres Ziel stand der Abverkauf möglichst vieler Make up-Produkte und Seidenschals vor Augen. Auch etwas, was ich als Behandelnde immer gehaßt habe: wenn ich einer Kundin etwas beibringe, dann will ich das sacken und testen lassen. Der Verkauf – der sein muss, wenn ich essen will – kommt später von alleine. Ich schweife ab.

Das Ergebnis war: ich bin ein Sommer, während ich mich seit meinem 21. Lebensjahr als Herbst verkleidet hatte – meiner hennaroten Haare wegen und weil mir die Idee der Farben zusagte. Nur Goldschmuck mochte ich nie und konnte auch nicht finden, dass er mir stand. Hmmm, da überlegte ich schon öfter hin und her. Natürlich erklärte mir die Dame nicht, warum ich ein Sommer bin und wie ich damit nun umgehe – es ging ja nur darum, mir zu beweisen, dass ich ein dummes kleines Puttchen war, das nun seine komplette Garderobe in die Tonne treten konnte 🙂 Es war kein schöner Tag, kein gutes Gefühl, wie sie nun mit Wonne auf meine durch die falsche Farbe schiefe Lippe, die leuchtenden Pickel, meinen dünnen Hals hinweisen konnte; mit jeder Minute wurde ihre Laune besser. ABER: je länger ich schaute, umso mehr sah ich, dass sie recht hatte.
Nun, ein halbes Jahr später hatte der Chef des Hotels endlich einen guten Grund gefunden, die Dame loszuwerden – er konnte sie nie leiden – und mich auf ihren Platz zu hieven. Jetzt beschäftigte ich mich ernsthaft mit dem Thema, las und testete alles, was ich finden konnte und bot letztendlich den Dienst mit an – und bei mir ist keine raus gegangen und war unglücklich. Bin ich stolz drauf!

Aber worum geht es nun genau: Die Farbberatung beruht auf der Erkenntnis, dass unsere eigenen Farben genetisch festgelegt sind und sich zwar verändern können, das aber nur innerhalb eines bestimmten Bereiches. Es gibt zwei Farbpigmente im Menschen, von denen jeder nur eine Sorte in sich trägt. Es handelt sich dabei um Melanine, das sind farbgebende Hornstoffe und Horn ist überall dort in großen Mengen zu Hause, wo der Körper mit körperfremden Stoffen in Berührung gerät – sämtliche Schleimhäute, aber für uns interessant vor allem in Haar, Haut und Nägel.

Die Melanine sind zum Einen das Phaeomelanin, das gelblich-orange-braun ist und das Eumelanin, das gräulich-braun ist. Ihr seht schon: Ersteres ist ein sogenannter warmer Farbton – also mit einem deutlichen Gelbstich – während das Andere dem kühlen Farbbereich – also bläulich – zuzuordnen ist. Und nur eines von beiden tragt ihr in euch. Damit ist festgelegt, ob euch warme oder kühle Farben besser stehen.
Nun lassen sich Haut und Haar noch weiter unterscheiden: abhängig von der Anzahl der Pigmente ergibt sich ein sehr zarter Hautton, hellblaue Augen und sehr hellblonde Haare (kaum Pigmente vorhanden) bis hin zu sehr dunkler Haut, schwarzen Augen und Haaren (sehr viel Pigment vorhanden). Auch das ist genetisch vorgegeben und ändert sich nur minimal durch Sonnenbräune oder Alter (wenn die Produktion der Farbstoffe nachlässt). Aber immer noch sind die vorhandenen Pigmente an ihr Farbschema warm oder kalt gebunden. Auch die Stärke der Durchblutung, die Dicke der Haare und Haut spielt bei der Farbgebung eine Rolle und auch diese ist weitestgehend festgelegt. Diese Faktoren bestimmen nun die Stärke oder Transparenz der eigenen Farbe und deren Leuchtkraft: so können die eigenen Farben leuchten oder eher dezent durchscheinend sein.
Somit kann ich unsere natürlichen Farben in vier Gruppen einteilen: die warm-leuchtenden oder warm-gedämpften Töne und die kühl-gedämpften oder kalt-leuchtenden Farben. Damit habe ich schon die Vierer-Gruppierung, wie wir sie von der Farbberatung her kennen. Nun gibt es hier noch einen kleinen Haken, aber zu dem kommen wir dann später – ich befüchte viel später. Konnten alle bis hierher folgen? Wie sehr ihr euch auch schminkt, in die Sonne legt, altert, färbt oder sonst etwas tut: diese Farbgruppierung ändert sich nicht. Gut 🙂

Jetzt vergessen wir das für den Moment und wenden uns den Farben zu – nicht nur der beschränkten Anzahl, die der Mensch so von Natur aus mitbringt, sondern ALLEN. Hach, wat is et doch schön, nä? Und wir alle erinnern uns an die Grundschule, an den Malunterricht, an das Farbenspektrum, an Wasserfarbenpanscherei und die schmuddelig-braunen Wassersoßen, die später im Spülbecken landeten. Und wir erinnern uns weiter an die drei Grundfarben, die da sind – na, wer zeigt auf? Keiner? Ok, ich sage es: es sind Blau, Gelb und Rot. Und die aufmerksame und schlaue Leserin wird sich nun schon an die Stirn fassen und sagen: „Blau und Gelb – das hatten wir doch heute schon einmal?“ Ja, richtig, du schlaues Mädel. 🙂
Blau – kühle Farbe – Eumelanin – kühles Pigment. Gelb – warme Farbe – Phaeomelanin – warmes Pigment. Äh, und was ist mit Rot? Rot vergessen wir erst einmal, kommen wir nachher zu und jetzt komme ich mir vor wie der Schnauz in der Feuerzangenbowle … „und hinge dat Loch, dat kräje mer später!“
Aber nun haben wir schon die Aufteilung in blaustichige Farben und in gelbstichige Farben – in warm und kühl. Nun nehmen wir einen weiteren Faktor hinzu: Das Spektrum von Weiß über Grau zu Schwarz. Stellen wir uns diese Farben als transparent bis undurchsichtig vor und legen sie über unsere Farben von Blau zu Gelb, Grün zu Lila – so ändern wir ihren Eindruck: mit einem Hellgrauschleier wirken die Farben gedämpft, belassen wir sie pur, so erscheinen sie leuchtend. Und wieder haben wir es geschafft: wir haben eine Vierergruppe von warm-Leuchtend, warm-gedämpft, kühl-gedämpft und kalt leuchtend.

Und jetzt habe ich richtig viel Zeit hier verbracht und lasse euch mit diesen Erkenntnissen ein Weilchen alleine. Die wesentlichen Fragen wollen noch beantwortet werden: wie erkenne ich die Farbfamilie – bei mir und bei den Farben vor mir? Wieso verändert mich die richtige Farbe? Wie gehe ich mit einem Farbpaß um, wenn ich denn einen habe? Schränkt mich das nicht unnötig ein? Können wir unsere Städte schöner machen? Wollt ihr das hören?

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