Das Ärmel-Plumeau live und in Farbe

Schon vor bald zwei Monaten habe ich eine Woche damit verbracht, den simpelsten Mantelschnitt überhaupt zu zeichnen, zuzuschneiden und zu nähen. Und bis zu Beginn dieser Woche war es zu warm, um den Mantel zu tragen. Gut, stimmt nicht ganz, denn ich habe ihn immer mal wieder abends übergeworfen, wenn ich die Jungs zum Training brachte. Ob also die Mischung zwischen locker gewebtem Wollstoff, einer Lage thinsulate und Viskosefutter plus weiter Silhouette wintertauglich ist, kann ich noch nicht sagen. Aber tragen lässt er sich wunderbar wolkig weich.

 

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Vergleiche ich das Bild mit der Planungszeichnung, dann muss ich sagen: hat funktioniert. Etwas fülliger ist der Mantel vielleicht, was ich der Wattierung zuschreibe.

 

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Ordentlich Masse um mich herum. Und weiterhin starke Assoziation zu den 80ern: enger genähte Jeans, knöchelhohe Schuhe, überschnittene Mäntel aus groben Wollstoffen – das hatte ich doch schon mal? Mit etwas mehr Make up, etwas mehr Haarspray und einigen Kilos weniger, aber irgendwie … passend. Auch die Weltschmerzmusik der Zeit passt perfekt zur Weimarer Endzeitstimmung dieser Tage und dudelt deutlich häufiger um mich herum.

Wie auch immer, wenn auch die Silhouette nach wie vor ungewohnt ist an mir, mag ich ohne diesen Mantel nicht mehr sein und verbuche ihn unter Erfolg. Unter Mißerfolg allerdings führe ich den Überziehpulli, der darunter hervorlugt:

 

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Farblich lässt sich leider nichts originalgetreu wiedergeben; dabei ist die Farbe das Einzige, was glücklich macht. Ansonsten habe ich strickend gerade mit einer mir neuen Problematik zu kämpfen. Während all die feinen, kleinen Vintagepullis vor dem Waschen und nach dem Waschen die gleiche Größe aufwiesen (außer bei Drops Baby Merino), so habe ich nun trotz gewaschener Maschenprobe keine Chance auf anständige Berechnung des Endergebnisses gehabt. Zweimal ist mir das nun schon passiert; einmal bei wirklich kostbarer Wolle.

Offenbar verhält sich ein mit dickeren Nadeln (so ab 4), dickeren Garnen (18 Maschen und weniger auf 10 cm) und mehr Länge als taillenkurz gestrickter Pullover sehr hinterhältig beim Waschen. Selbst, wenn die Wolle, die verwendet wurde, wie in diesem Falle schon einmal verstrickt, gewaschen, geribbelt, gewaschen, gewickelt und wieder gestrickt wurde. Die gewaschene Maschenprobe zeigte keinerlei Unterschied bis auf ein regelmäßigeres Strickbild. Der Überzieher hingegen … heiliges Blech.

VOR dem Waschen reichte er bis kurz vor die Hüfte, die überschnittenen Ärmel gingen bis an den Oberarm und einen relativ hohen Stehkragen gab es auch. NACH dem Waschen – naja, ein Blick auf das Bild reicht. Eine gar wundersame Garnvermehrung hat stattgefunden mit einer Verlängerung um satte 18 cm. Gar nicht, gar nicht, gar nicht meine Länge. Sehr frustrierend im Ergebnis und sehr unkleidsam. Ähnliches ist bei einer grauen Tunika passiert, wobei ich da erst beim Abketten der letzten Masche feststellte, dass ich die falsche Nadel erwischt hatte; das rief nach Unglück.

Noch ein anderes Problem habe ich mit dickeren Garnstärken bzw. den daraus gestrickten Pullovern: sie knittern. Für mich ein neues Phänomen. Sehr unschön bei dem ungewollten Minikleid, das Sitzfalten zeigt. Ist das normal?

Und um meiner Eitelkeit genüge zu tun, ende ich mit einem schöneren Bild vom schöneren Mantel, bevor ich mich auf die Suche nach neuen Ideen und vor allem nach neuer Motivation zum Nähen mache.

 

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13 Kommentare

  1. ich mag den Mantel an Dir. Sieht kuschelig aus und warm (war es wirklich letztens zu WARM für diesen Mantel? 70km weiter nördlich war es recht kalt, nicht klirrend vielleicht – obwohl die Rheinländer das anders sahen – aber ein warmer Mantel war schon hilfreich …). Die Farbe und das Muster sind total schön – kein Uni, nicht langweilig aber auch nicht laut.

    Deine Erfahrungen mit den dickeren Nadeln und Garnen bestätigen meine Abneigung denen gegenüber. Es ist natürlich wahnsinnig viel Arbeit aus einem dünnen Garn einen übergroßen Pulli zu stricken – m.E. lohnt es sich dennoch. Meine „Selbstbestraffungsergebnisse“ sind recht zufreidenstellend, verhalten sich anständig beim Tragen und nach der Wäsche etc etc. Das einzige Manko ist die Gefahr dass sich die Mode ändert bevor ich mit der Strickerei fertig bin ;-).

    Übrigens – alles Gute nachträglich!!! Ich glaube bei Dir kann man wirklich nicht über Altern reden :-), Du siehst genausogut aus wie bei unserem letzten Treffen (und das war vor etwa 1. Jahr).

    liebste Grüße
    J.

  2. Hast du die Möglichkeit, den Pulli mit einer Overlock zu versäubern? Dann könntest du ihn von unten her kürzen und nach innen umnähen. Der Mantel gefällt mir sehr an dir! Aber ich glaube, mir gefällt eh alles, was ich an dir sehe. 😀 Das Muster ist toll – gab’s davon schon mal‘ n Close-up?

    Liebe Grüße
    Julia

    • Ach, der wird irgendwann geribbelt – mit dem Teil verbindet mich wirklich gar nichts 😀 Und Mantelstoffdetails? Hmm, ich glaube, auf meiner FB-Blog-Seite war mal was, aber ich kann das noch mal versuchen. Ist so eine Art Fischschuppenmuster, unglaublich grob und locker gewebt, aus drei Farben: Dunkelblau, petrol und grauweiß.

      Aber danke dir für das mögen 😀

    • das war auch mein erster impuls (mit dem kürzen):-)

  3. Ich stricke ja auch viel, auch mit dickerem Garn und das Phänomen kenn ich nicht. Wasche in der Maschine im Wollprogramm und lege die Sachen zum Trocknen hin. Auf gar keinen Fall hängen. Hab noch einen Pullover aus den 80ern, mit Angorawolle, sieht aus wie neu, bis auf den Schnitt

    • Mir ist das auch vollkommen neu. Gerade bei diesem hier, Garn ist ja schon so oft gewaschen und dennoch. Lag natürlich auch, aber schon beim Ausbreiten dachte ich, das ist irgendwie … riesig??? Der Gatte passt problemlos rein und das Ding schlabbert noch immer 😀

  4. Mantel ist schick – gefällt mir gut. So ein Kuschelteil für die wirklich üblen Tage 🙂 Pullover – hm. Garn zu schwer vielleicht? Sehr dehnbares Muster, wie bei Patent? Nähte lieber robust zusammenhäkeln als fein nähen? Das gibt nochmal Festigkeit. Sonst fällt mir auch nichts ein, woran es liegen könnte. Aber wär‘ ja schade, wenn’s nun keine dicken Pullover mehr gäbe …

    • Sind insgesamt 320 gr, also nicht soo schwer, da wiegen die Kleinen im Verhältnis viel mehr. Muster ist 1/1 auf der Rückreihe, glatt vorne – eigentlich ein nicht so dehnbarer Ripp. Sehr eigenartig, wirklich.

      • Ja, das ist komisch … ich strick‘ ja auch öfter mit dicken Garnen, von wegen des Kuschelgefühls an den ganz kalten Tagen, aber eigentlich hält das ganz gut, und es knittert auch nix. Hm. Rätselhaft. Aber ich würde deswegen nicht pauschal dicke Wolle zurückweisen. Da sind bestimmt andere geheimnisvolle Kräfte am Wirken …

        • Ich habe das ja jetzt zweimal hintereinander gehabt: drei Pullis sind jetzt mit dem Brigitte-Garn von Lana Grossa fertig geworden; gewachsen sind alle drei, aber nur der letzte, der bis an die Hüfte ging, ist ebenso gewachsen. Ich denke, da hat es was mit dem Gewicht zu tun und mit dem dummen Fehler; statt 6 hatte ich versehentlich 7 verwendet.

  5. der mantel ist sehr schick geworden. der stoff ist ein traum….mmmmm…
    und egg-form ist wirkliuch sehr gut raus zu lesen!herzlichen glückwusch!

    • Hat mich ja auch genügend verdrehte Gedanken gekostet 😀 Was ein klein wenig problematisch ist, ist der Oberstoff, der sich sehr, sehr gerne aushängen möchte. Ich glaube, er hält sich am thinsulate fest und ich habe beiden zusammen ordentlich Dampf gemacht, um sie etwas miteinander zu verbinden und den Wollstoff ein wenig anzufilzen. Das hat ganz gut funktioniert.

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