Fast fertige Frühlingshose

knipÜberraschend und spontan habe ich mir letzten Freitag einen Hosenschnitt gekauft, heruntergeladen, geklebt und ausgeschnitten. Neben einer sehr engen und einer weiten Hose fehlte mir nun noch die Hose dazwischen: mit moderater Weite, schmalen Beinen, Bundfalten. Gefunden habe ich dieses Knipmodell. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: eigentlich suchte ich nicht, sondern stolperte über das Bild – dann fiel mir ein, dass ich sowas ja schon lange suchte. Und da ich weiterhin keine Lust auf selbstkonstruierte Hosen habe und dazu das Anpassen eines Hosenschnittes als erfolgreicher empfinde als das Anpassen eines Oberteilschnittes, habe ich zugegriffen. (Vielleicht sollte ich erklärend hinzufügen, dass Hosen nach Fertigschnitten nur deshalb besser für mich anpassbar sind, weil ich dort in der Regel Stoff an verschiedenen Stellen wegnehmen muss, während ich bei allem, was am Busen herum geändert werden muss, Stoff zugeben muss – was nicht immer möglich ist. Hosen finde ich ansonsten nach wie vor fast unmöglich zu perfektionieren.)

Am Sonntag dann habe ich innerhalb einer Stunde das Probemodell zugeschnitten und zusammen getackert; damit rechnend, dass das Endergebnis eher mies als gut sein würde, zumal von Kniphosen gerne einmal ungutes zu lesen ist. Aber: für einen ersten Versuch sah sie gut aus. Ich nahm nur zarte Änderungen am Schnitt vor:

  • die HM am Bund 1 cm tiefer setzen – hier darf noch ein halber Zentimeter weg
  • die Seitennähte ab mittlerer Hüfte enger nähen – auch hier darf noch einmal etwas weg
  • Bundfalten nach außen statt nach innen legen – lässt den Bauch flacher erscheinen

Vorher schon geändert hatte ich die Lage des RV – von der Mitte zur Seite, weil nichts gräßlicher ist als das Geknubbele an dickster Stelle – und die Eingriffstaschen. So herrlich ich Taschen auf Fotos finde, so gräßlich sehen sie im Laufen und Sitzen aus und auch das knubbelt es unnötig. Durch diese Änderungen ist der Schnitt sehr viel simpler und schneller nähbar geworden und sitzt theoretisch auch glatter am Körper.

Nun habe ich die Hose am Montagabend aus einem dicken Poly-Viskose-Crêpe zugeschnitten und gestern in einem Stück durchgenäht. Und blöderweise die Nähte blank gebügelt. Und, ganz blöder Fehler, aber vielleicht dem eigentlich eher hektischen Tage geschuldet, die Säume schief angenäht. Dazu beult das Ende des RV: zum einen, weil doch noch zu viel Stoff an dieser Stelle setzt (sehr ungewohnt übrigens, der Taille Mehrweite zu geben und der Hüfte Stoff zu nehmen) und zum anderen weil ich dort nicht gebügelt hatte. Sowieso hätte ich heute morgen, vor der endgültigen Anprobe, noch einmal drüber bügeln dürfen. So weit ich es erkennen konnte, lagen über Nacht diverse Katzen auf ihr.

 

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Draußen hat es wahrhaftig Minusgrade, aber da diese Hose mit Strümpfen überhaupt nicht klar kommt und unbedingt flutschige Partner braucht, habe ich mich komplett umgezogen. Und weil ich gar nicht aufs Bloggen und Knipsen vorbereitet war, stehe ich hier ungeschminkt und frierend in der Heimat.

Sehr schön sieht man noch die Stellen, an denen die Hose zusammengelegt war und offenbar haben es sich die Katzen auf den Bundfalten besonders kuschelig gemacht. Das müssen wir also ignorieren. Die schiefen Säume nicht, da werde ich noch mal ran müssen. Und wenn ich das tue, könnte ich auch die Hosenbeine etwas verschmälern. Und wäre ich sehr willig, so öffnete ich vielleicht auch den unteren Teil des RVs noch einmal und würde auch die Hüfte anpassen. Hmmm ….

 

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Wirklich, wirklich verknittert. Aber ausnahmsweise mag ich in dieser Hose sogar einmal meine Seitenansicht und so überlege ich schon, ob ich irgendwo auch noch Stoff für ein zweites Modell finden kann. Ich meine, wenn ich mir nun schon die Mühe machen werde, diese Hose anzupassen, dann soll sich das auch lohnen, nicht wahr?

 

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Normalerweise würde eine solche Hose, die nicht ganz eng und nicht ganz weit ist, viel mehr Falten bei mir werfen. Mit dem hier könnte ich fast schon leben. Ich denke, ich könnte die Mitte noch ein Ministückchen anheben und dann die Schrittnaht vertiefen. Zusammen mit etwas weniger Weite an der Seite könnte das schon ein glatteres Ergebnis ergeben, oder?

Das Beste aber ist: die Hose fühlte sich schon als Probemodell gut an, jetzt noch mehr. Es ist ein entspanntes Tragegefühl, das viel Freiheit gibt, aber sehr angezogen ist. Und wie schon seit Anbeginn meiner Kleiderschrankwandlung habe ich auch jetzt ein 80er-Gefühl: Bis auf die niedrige Leibhöhe sieht sie doch ein wenig wie die Bundfaltenkarottenhosen der Zeit auf. Kein Wunder, dass ich mich so rundum verjüngt fühle, wenn ich sie trage.

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7 Gedanken zu “Fast fertige Frühlingshose

  1. die Seitenansicht sieht super schön aus! tolle hose!wie im Magazin!
    wenn ich das richtig hier einschätze dann ist die balance zwischen vorne und hinten auch gut. das,was man hinten noch hat-muss in die innennaht/eventuell auch noch seite rein, d.h. die weite des bein etwas rausnehmen. das wars.

    1. Darüber hatte ich auch nachgedacht, ob ich auch bei der hier etwas von der hinteren Innennaht wegnehmen soll. Ein wenig habe ich hinten noch angehoben und etwas mehr Platz in der Schrittnaht geschaffen – jetzt wird das Ding erst einmal gewaschen, damit ich gucke, ob die blanken Stellen verschwinden. Auf die Anpassung am Bein habe ich gerade wenig Lust, lieber möchte ich noch eine nähen. Wenn ich Stoff gefunden haben werde …

    1. Sie dreht jetzt gerade in der Waschmaschine durch. Mal schauen, was sie danach sagt. Jetzt will ich ja unbedingt noch eine nähen. Und eine weite … stöhn, seufz 😀
      Aber du solltest die auch mal testen, wäre perfekt für dich. Hatte übrigens Größe 40 zugeschnitten und jetzt noch einmal an den Hüften enger genäht. Bei dir müsste die Hüftkurve genau an der richtigen Stelle sitzen.

  2. Sehr schick, Deine Hose. Den Trick mit mit den nach außen gelegten Falten merke ich mir.Meistens ht man ja sonst von Bundfalten einen dicken Bauch und einen Pampers-Po. Bei Dir sieht es schlank und elegant aus.
    Wenn ich das richtig sehe, war die Hose in der Februar-Knip und dürfte dann wohl in der März-Fashion-Style drin sein. Mal sehen, ob ich mir die nicht auch kaufe, denn ich bin auch auf der Suche nach so einem Schnitt.
    Liebe Grüße, Stefanie

    1. Ah, ich wunderte mich schon, dass die Knip und die Fashion Style so gar nicht gleich aussehen. Da hätte ich ja noch ein bißchen warten können auf das Heft 🙂
      Ich fand, die saß von Anfang schon recht gut, besser als jede Kaufhose an mir; da bin ich fast neugierig, ob das immer so ist bei den Hosenschnitten von Knip.

      Das mit den Bundfalten … klassisch ist natürlich die umgekehrte Variante, aber dann wirkt die Hüfte weiter zurück gesetzt als der Bauch, so man einen hat. Drehst du die Stofffülle nach außen, dann sinkt der Bauch optisch ein Stück zurück. Klappt eigentlich immer 😀

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