Irgendwie frustig

In Kombination von Weihnachten und Geburtstag bekam ich vom Gatten Wolle – dreifach sogar. Ich wollte unbedingt mit dicker Wolle in Luxusausführung stricken und so erhielt ich drei Farben der Lana Grossa-Brigitte-Mischung (ausgerechnet diese Zeitschrift muss sich einmischen – schon mal bemerkt, wie sich deren Portal gewandelt hat? Offenbar sind die Leserinnen zwölfjährige Idiotinnen, die nix anderes im Sinn haben, als irgendwelchen Männern zu gefallen. Brigitte, wie tief bist du gesunken. Übrigens kenne ich keine idiotischen Zwölfjährigen …). Aber egal, Hauptsache das Garn ist weich und fein. Ist es. Als Merino-Kaschmirmischung kann man das auch erwarten. Ebenfalls erwarten muss man ein unglaubliches Pill- und Flusverhalten. Es gibt hier nun ein Unterhemd und ein Kissen, die sich trotz einiger Wäschen nicht mehr von den petrol-grau-blauen Fuseln befreien lassen.

 

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Aus der dunkelblauen Kuschelwolle wollte ich etwas asiatisch inspiriertes stricken und habe kurzentschlossen einfach hochgestrickt: A-Linie für Körrper und Ärmel, Raglan mit Betonung und gewebte Rippe für Bündchen und Stehkragen. Und bis ich diese Fotos knipste, war ich in diesen Pulli sehr, sehr, sehr verliebt. Nach den Bildern möchte ich am liebsten ins Bett zurück kriechen und für die nächsten 20 Jahre dort bleiben.

Damit nicht genug, wollte ich endlich wieder einmal eine gerade/weite Hose haben und weil mir nach wie vor die Lust, die Zeit, die Dringlichkeit fehlt, mich selbst an die Konstruktion zu begeben, sah ich meine Schnittmusterbestände durch und traf auf Simplicity 2925. Statt des vorgesehen Schrägbandes habe ich einen Beleg gezeichnet und freihand und probelos ein paar Änderungen eingefügt: Schrittnaht tiefer, hinteres Hosenbein an der Innenseite deutlich verschmälert und – weil der Schnitt nur bis Größe 14 ging – die Nahtzugaben auf 1 cm reduziert.

Hier muss ich jetzt noch einmal jammern und mitteilen, dass ich seit Herbst letzten Jahres von 60 auf 63 kg gewachsen bin und mich das nun doch sehr stört, denn überhaupt rein gar nicht will ich nun all meine im letzten Jahr gekauften Kleidungsstücke zur Seite legen, weil ich nicht mehr hinein passe. Und ja, es stört mich auch, dass ich mich gar nicht mehr wieder erkenne. Klar erkannt habe ich aber, dass durchaus die Neigung zu weniger Bewegung und mehr Ostfriesentee (Zucker! Sahne! 3x täglich!) und mehr Frühstück und mehr Snacks und mehr Sahne im Essen und mehr überhaupt von allem – dass also diese Dinge wohl doch zu dem Mehrgewicht beitrugen. Also habe ich all das vor einer guten Woche gestrichen und bin zumindest anderthalb Kilo runter. Was mich ein bißchen glücklicher macht, obwohl ich mir nach wie vor fremd bin. Puh, das musste mir mal von der Seele, damit ich brav und artig bei der viel gesünderen Ernährung bleibe. Deutlich fitter fühle ich mich schon.

Die erste Hose nach dem Schnitt sah ganz wunderbar aus – glaube ich, von hinten habe ich sie gar nicht sehen können – aber sie trocknet auf der Leine vor sich hin. Die zweite Hose hier ist aus einem etwas harscheren Wollstoff mit ein wenig Stretch in einem feinen Blaugrau, den ich von Arlett geschenkt bekam. Da er viel fester ist als Stoff Nummer 1, hatte ich Befürchtungen, es könne zu eng werden. Was für die zwei oberen Zentimeter auch zutrifft. Für alles darunter … hmmmm …

 

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Hmm, hier geht es fast noch, obwohl weder Pulli noch Hose schmeichelhaft zu sein scheinen. Nun war es draußen doch überraschend kalt und so bin ich ins Warme geflohen, noch davon überzeugt, wenigstens ein gutes Bild erhalten zu können.

 

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Um wenigstens etwas hübsches zeigen zu können, habe ich Momo auf den Bildern belassen. Ganz klar merkte ich, dass ich mich schon lange nicht mehr fotografiert habe und überhaupt rein gar nicht weiß, wo hin mit mir und meinen Armen, Händen, Beinen, Füßen und dem Zeug dazwischen. Hilft natürlich gar nicht.

Aber viel erstaunter war ich, dass der Stoff offenbar auf einmal ein Eigenleben führte – gestern noch, während ich ihn verarbeitete, schrieb ich Arlett, dass er wunderbar sei, ganz und gar kooperativ und unbockig. Lediglich die Abnäher ließen sich nicht gut ausbügeln und eine leichte Tendenz zum Leiern um gebügelte Stellen herum zeigte sich, die ich mit einer freundlichen Runde in der Waschmaschine in den Griff zu bekommen meinte. In der Tat sah die trockene Hose heute morgen glatt und artig aus, auch ließen sich die Nahtzugaben und die Abnäher fein bügeln. Doch auf einmal schien die Hose um den Schritt herum in die Breite zu wachsen. Ich legte die Naht tiefer, fasste ein wenig Weite mit hinein und für 10 Minuten sah alles perfekt und glatt aus.

Dann besah ich die Bilder und irgendwie … da war doch schon wieder zu viel Stoff?

 

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Gut, ich trug Baumwollstrümpfe und eine Wollhose und beides hing liebevoll aneinander, das erklärt sicherlich einige der Drehfalten um mich herum, aber da war Stoff nachgewachsen, eindeutig. Mit ungutem Gefühl drehte ich mich, um ein Bild der Rückseite – immer mein Problem bei Hosen – zu machen. Heiliges Blech. kein Wunder, dass ich bald 10 cm zu beiden Seiten der tiefen Hüfte fassen kann:

 

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Wohin ich mit dem Stoff soll und wie es mir gelingen kann, jemals eine weite Hose zu nähen, die von der kräftigsten Stelle aus gerade nach unten zu fallen, wenn ich solche Mengen an Stoff nicht sortiert bekomme, es ist mir noch ein Rätsel. Ok, am rechten Fuß klebt die Hose so richtig fest und sicherlich beeinflußt das das Ergebnis, aber viel mehr als Frust verspürte ich beim Anblick der Bilder erst mal nicht.

Nur noch mal zur Erinnerung: so sah die Hose 10 Minuten vor dem oberen Bild aus. Außerdem kommen die Pulliärmel in Geishahaltung am besten zur Geltung 😀

 

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Auch hier schon zuviel Stoff, der sich aber recht glatt nach unten fallen ließ. Das ist übrigens das erste Mal, dass mir eine Hose am Bund zu eng und an der Hüfte zu weit ist. Klingt verteufelt nach Wechseljahren. Wie auch immer, ich war eigentlich gedanklich schon dabei, ganz viele schöne Stoffe für diesen Hosenschnitt finden zu wollen, aber irgendwie bin ich nun verunsichert …

PS: Vor einer halben Stunde kehrte ich heim, nachdem ich einkaufen war und in der Wohung meiner Mutter einen Handwerker beim Fluchen beobachten durfte (nächste Woche muss ich dann noch einmal hin, weil – leider, leider – er nicht das richtige Material dabei hatte). Ich zog den Mantel aus, hielt mich an der Wand fest, um die Schuhe von den Füßen zu ziehen und mein Blick fiel auf die Seitenansicht der Hose. Ja … die Rückseite hängt mir nun auf den Oberschenkel, die Abnäher sind kleine Beulen und Höcker und die Beine sind komplett zerknittert. Sehr schade, sehr umschmeichelhaft, aber nun kann ich mir wenigstens einreden, auf einen Stoffhochstapler hereingefallen zu sein und mich als Opfer fühlen. Nicht als komplett unfähig. Hat alles sein Gutes.

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17 Kommentare

  1. Das sieht echt nach Stoffhochstapler aus.Und Hosen sind halt auch echt manchmal vertrackt. Vor allem weite aus Wolle….eventuell würde das bebügeln mit G785 bis zur Schrittnaht helfen…meine Freundin hat auch so weite mondäne Hosen aus Wolle genäht, allerdings mit Futter gedoppelt bis zu den Knien. Das wär aufwändig aber sorgte für ein tolles Ergebnis
    aber halt eine Marlene. .http://madamemonty.blogspot.de/2015/10/me-made-mittwoch.html
    Dein Pulli und Hose sehen zusammen von der Silhouette sehr gut aus.Gefällt mir sehr !
    Liebe Grüsse
    Stella

    • Danke dir, die Silhouette hatte ich mir eigentlich hübscher erhofft; vorhin habe ich einen leichten Schock erlitten, als ich die Bilder auf der Kamera selbst ansah.

      Ich bin ja nicht für aufwendige zu haben, wenn ich auch nichts gegen eine so tolle Hose wie die deiner Freundin hätte. Aber mich macht das rappelig, wenn ich ewig lang sitze. Und ich glaube, es ist eher ein grundlegendes Problem, dass ich vielleicht weniger Stoff am Bein bräuchte, aber gerade nicht sicher bin, wie ich das schaffe, ohne dass es woanders zu eng wird.

      Nähe jetzt erst mal eine Bluse, obwohl ich da böse verrutscht bin mit dem Stoff. Hach, seufz 😀

  2. Oh Gnade, ein Zickenstoff. Sowas gibt es – ich hatte mal einen Pullover, der im Laufe der Jahre (ohne seine Passform in Schultern und Ärmeln zu verlieren) um lässige 15 Zentimeter wuchs. Im Prinzip keine Einwände, denn ob Pulli oder Kleid war mir reichlich schnuppe. Aber Ärmel, die bis knapp übers Knie reichen?? 🙁

    • Solche Pullis habe ich ja gerade auch produziert, siehe beim letzten Beitrag 😀 Rätsel der Menschheit. Der Stoff hier jetzt ist wirklich sehr seltsam, aber immerhin warm und irgendwi angezogen.

  3. Oh – neuer Pulli 🙂 Sehr schön, finde ich, und steht Dir gut! Bei der weiten Hose kann ich Deinen Frust nachfühlen – mir fehlen optisch da immer ein paar Linien, die die Form definieren, aber abgesehen von vorn ein bisschen zu viel Stoff sitzt sie doch gar nicht so schlecht, oder …? Aber der Pullover haut’s in jedem Fall wieder raus 🙂

    • ABER man kann gar nicht wirklich sehen, dass er wirklich hübsch ist 🙁 Ich muss den noch einmal knipsen, wenn ich eine Hose dazu trage, die nicht zu riesig ist und ich wieder ein wenig mehr wie ich aussehe oder mich zumindest so fühle – nur, um ihm Gerechtigkeit widerfahren zu lassen!

  4. Hach, das ist wirklich frustig…ich schieb’s auch auf den Stoff. Doofes Teil aber auch. Und so unwillig. Und wächst in allen Richtungen davon…Betrug!
    Dafür finde ich den Pullover ganz toll. Die weiten Ärmel und die lässige Silhouette passen sehr gut zu dir. Vielleicht ist das Gesamtbild mit einer schmaleren Hose wieder ganz anders? Und versöhnt dich mit der Kamera.
    Ich wünsche viele Muße für die neue Bluse (und wenn es gar nicht anders geht, eliminier die betrügerische Hose einfach – sie hat es nicht besser verdient!)
    Alles Liebe, Jenny

    • Eliminieren ist gut – jetzt sehe ich Daleks vor mir, die „Determinate“ krächzen 😀 Ich setze meine Hoffnung jetzt auf die Hose Nummer 1, die habe ich nämlich gnädiger in Erinnerung. Zumindest habe ich jetzt die Dringlichkeit, mich an einen echten Hosenschnitt zu passen, was mit Sicherheit in ganz viel Frustbeiträgen hier sich zeigen wird.

      Mit schmalen Hosen sieht der Pulli sehr nett aus, solange die Hosen auch dunkelblau sind. Aber mir schwebte mal so was japanisch-chinesisches vor – das muss doch irgendwie zu schaffen sein. Nunja, jetzt mal Bluse, obwohl ich eigentlich heute von allem die Hände lassen sollte. Vor allem von flutschiger Viskose …!

      • Ich fürchte, das Problem mit dem asiatisch-chinesischem Look ist, dass die Japanerinnen und Chinesinnen einen dezent anderen Körperbau haben als wir (ich bin dir im Körperbau nicht unähnlich). Sowas kann an uns einfach nur sackig und tonnig und frustig werden…also natürlich nicht immer und nicht alles, aber ich denke, du verstehst shcon, was ich meine 😉
        Das Outfit von heute (Tunika) finde ich übrigens klasse. Passt gut zu dir!

        • Ich denke, das Geheimnis liegt in der Stoffqualität und in der Abwesenheit von Busen über Körbchengröße C 😀 Habe eben noch mal schnell die Hose eins getestet, die herrlich fließt. Sieht total anders aus, nur ob ich das abgelichtet bekomme, weiß ich nicht …

          figürlich ähnlich? Bestimmt nur theoretisch, denn du hast ja eine tolle Figur 🙂 Ich sollte dich mal in meine Blogliste einfügen.

          • Ach, ich wäre ja sehr neugierig auf die fließende Hose. Vielleicht schafft sie es in einem wohlwollenden Moment auch vor die Kamera 🙂
            Stimmt, über zu kleine Körbchen kann ich nicht klagen (und herzlichen Dank fürs Kompliment!), an der Hüfte sind wir uns aber sehr ähnlich. Und ich bewundere dich dafür, dass du deine Hosen generell selbst schneiderst. Das ist etwas, über das mich nicht so recht drüber traue…

            Und ja, in deiner Blogliste würde ich mich sicher wohl fühlen :). Danke für die Erinnerung, ich muss meine auch mal wieder updaten.

            Wünsch dir noch einen wunderbaren Abend!

  5. was japanisch chinesisches? Langer gerader Rock? Der Pulli ist sehr schön!!! Über die Hose werde ich nicht herziehen, denn ich habe niemals eine besser sitzende produzieren können ;-).
    Liebe Grüße

    • Die Hose liegt mittlerweile auf dem Badewannenrand, weil ich mit dem Stoffüberschuß am Po an der Tischkante hängen geblieben bin. Ginge es nach der Hose, sollte ich zu-, nicht abnehmen.
      Weißt du, ich finde es gerade unglaublich schwierig, meinen Stil neu zu definieren (nicht zuletzt natürlich wegen des Gewichtes), irgendwie ist alles noch nicht so ganz da und selbstverständlich wie es noch vor einem Jahr war. Ich stehe so hilflos herum und sehe übel aus 😀

      • zu- oder abnehmen sollte grundsätzlich nicht eine Hose zufriedenstellen sondern den Besitzer des Körpers ;-). 63 kg ist nicht weiter tragisch finde ich …

        • Für mich schon. Denn wenn das so weitergeht, werde ich sehr unzufrieden sein. Sind ja letztes Jahr schon 2 kilo und davor das Jahr und das Jahr zuvor. 58-60 – da war ich wirklich mal happy mit mir.

  6. Ich finde den Pulli ja toll! und Bilder sagen auch nicht immer die Wahrheit 😉 … LG, Zuzsa

    • Der ist auch ganz hübsch, wobei er wirklich nur gut aussieht, wenn er mit der gleichen Farbe getragen wird, was ich sehr eigensinnig finde. Aber dunkelblau hat sich mehr noch als je zuvor als meine Basisfarbe erwiesen, da kann ich damit leben 😀
      Ich wollte die Anleitung noch richtig in Form bringen und zur Verfügung stellen, falls jemand mag.

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