Simplicity 2925 – Hose mit weiten Beinen

2925In der Beitragstitelfindung habe ich mich übertroffen, nicht wahr? Aber so ist es, nach wie vor habe ich keine Lust auf Hosenkonstruktionen, zumal ich in dem Punkt unentschlossen bin – was steht mir und was trage ich und was brauche ich? Im Grunde nichts, der Schrank ist gut gefüllt, nur eben nicht mehr mit Selbstgemachtem.

Vor allem sind es enge Hosen, die im Schrank hängen und das können doch nicht die einzigen Hosen sein, in denen ich mich wohlfühle oder gut aussehe. Eigentlich habe ich mein Leben lang zu Hosen mit weiten einen gegriffen, also suchte ich in meinem Vorrat, was sich passendes finden ließe: sie sollte etwas unterhalb der Taille sitzen, gemäßigt weite und gerade geschnittene Beine haben, am liebsten noch einen seitlichen Reißverschluss und überhaupt so simpel als möglich sein. Erstaunlicherweise gab es dazu eine Unmenge, meist als „Zugabe“ zu Rock-, Kleid- und Blusenschnitten. Leider meist auch in kleinen Größen. Doch Simplicity 2925 reichte bis 14 – was, sind wir einmal ehrlich, auch eher zu klein als zu groß dürfte. Aber faul und hastig, wie ich war/bin, habe ich die 14 zugeschnitten und statt mit der enthaltenen 1,5 cm Nahtzugabe mit nur einem Zentimeter gearbeitet. Und weil ich Angst hatte, es könne dennoch zu eng werden, habe ich auf Verstärkung des Belegs verzichtet und einen sehr zarten, sehr dehnbaren, sehr weichen Gabardine verwendet.

Nun ist es so, dass ich in den letzten Wochen zum allerersten Mal in meinem Leben bewußt abgenommen habe. Ich erwähnte es wohl: nach Weihnachten stellte ich fest, dass mir all die vor wenigen Monaten erst gekauften Kleidungsstücke – gekauft wegen Stilwechsel UND Gewichtszunahme! – irgendwie seltsam knapp saßen. Drei Kilo mehr: das merkt man eben doch. Und so stand ich vor der Überlegung, diese schleichende Gewichtszunahme weiterhin zuzulassen (und unglücklich darüber zu sein) oder aber etwas dagegen zu tun. Immer hatte ich zunehmen wollen, nun musste ich akzeptieren, dass ich mich beim Essen kontrollieren müsste, wenn ich noch ich selbst bleiben wollte.

Was habe ich getan? Ich habe schlicht notiert, was ich zu mir nehme und meinen Tagesbedarf eingehalten bzw. bin minimal darunter geblieben. Anfangs, als mich die Zentimeter mehr um Bauch und Hüfte störten, strich ich alle Süßigkeiten, den Ostfriesentee, die Sojasahne. Und fühlte mich irgendwann wie bestraft. Erst als ich anfing, mir das alles genauer anzuschauen, lief es gut: ich esse an manchen Tagen etwas Süßes, Ungesundes und lasse dafür etwas anderes weg. Habe ich zwischen den Mahlzeiten das Gefühl, etwas essen zu wollen, so gibt es eine Handvoll gemixter Nüsse, die mich immer glücklich machen. Der sahnige Tee ist endgültig gestrichen, denn nach solch einer Tasse will ich essen, essen, essen.

Ergebnis: nach 5 Wochen sind die 3 Kilo weg und ich könnte nun sehr locker sogar wieder zu den 58 kg zurück, mit denen ich mich recht wohl gefühlt hatte. Aber das würde ja wieder bedeuten, dass ich neu konstruieren, neu nähen, neu kaufen müsste – also bleibe ich bei den 60, die ich jetzt wieder habe und die ich für mich auch schön und altersgerecht finde. Gut, schön … das ist relativ 😀

Jetzt aber zur Hose, die nun aufgrund der Abnahme, dem sehr weichen Bund und der Elastizität ein wenig tiefer sitzt als geplant. Aber sie trägt sich so wolkenweich, so bequem, so frei – ich habe mittlerweile noch eine weitere in mittelblau und in dunkellila genäht, wenn auch aus etwas festerer Gabardine. Es folgt noch eine in einem Knallhellblau und die nicht gelungene Version aus dem wachsenden Wollstoff hatte ich schon gezeigt.

 

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Diesmal wünschte ich wirklich, ich hätte mehr Talent als Fotografin und Model, hätte Stativ und Beleuchtung und ruhigen Hintergrund und was auch immer, um gute Bilder dieser Hose zu machen. Es ist verblüffend, wie ich es immer wieder schaffe, fließende Stoffe in zementartige Gebilde zu verwandeln.

 

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Es fehlen nun noch Oberteile mit etwas weniger Weite: von vorne mag ich die Riesenbluse durchaus, von hinten – das zeige ich jetzt mal nicht, heute bin ich eitel – ist das einfach zu viel.

 

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Hier mit der gebogenen Körperhaltung lässt sich vielleicht erahnen, wie diese Hosen fallen und sich bewegen und wie sie sich anfühlen. Vielleicht findet sich Arlett dazu bereit, die Schönheit dieser Hose auch an mir zu bestätigen …

Sobald ich einige Oberteile fertig haben sollte, gibt es auch die anderen Hosen zu sehen. Bis dahin versuche ich, meinem Spiegel mehr zu glauben als diesen Bildern.

 

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3 Kommentare

  1. Sieht super aus! Vor allem zu den hohen Schuhen mag ich solche weiten Hosen gern.
    Mit dem Essen habe ich ähnliche Erfahrungen gemacht. Es liegt mir viel mehr bewusst zu essen. Mich sklavisch an Kalorientabellen zu halten, ist mir irgendwie fremd. Bewusstes Essen hat irgendwie was von Streicheleinheiten für den Körper, wenn auch mit strenger Hand 😉 … Liebe Grüße, Zuzsa

  2. oh, wie ich das, was ich hier sehe, mag! Die Hose, die gestreifte Bluse, die Farben der Liberté, Fraternité, Egalité und die wunderschöne Frau mittendrin :-). Und noch Sonne. You made my day.

  3. Was soll ich sagen, tolle Hose mit toller Frau. Und natürlich bestätige ich den wunderbaren fall des Stoffes!
    Liebe Grüße
    Arlett

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