Wunderbarer Kleiderschrank: Vorwort

Jedes Jahr im Frühling vermelden Frauenzeitschriften wie Modebloggerinnen, nun sei es an der Zeit, den Kleiderschrank auszumisten und neu zu organisieren. Schon längst geht es nicht mehr nur darum, die Winterkleidung mottensicher beiseite zu packen und die Sommerkleidchen aufzubügeln – nein, der Kleiderschrank braucht eine Detox-Kur, wird zum capsule wardrobe oder soll uns zur Diva machen. Er soll minimalistisch und übersichtlich befüllt sein, aber für jede Gelegenheit das Passende bereit halten. Und auf Bildern soll er sich auch noch gut machen. Ganz schön viel Anspruch an ein paar Holzbretter und Kleiderstangen …

Versteht mich nicht falsch: ich bin durchaus dafür, seine Garderobe einer regelmäßigen Inspektion zu unterziehen, fehlendes zu ergänzen und sich auch beim Nähen ein Ziel zu setzen. Was mich verwundert, sind die fragwürdigen Regeln, nach denen das zu geschehen hat. Da gibt es Tipps, die als DIE Erkenntnis schlechthin gehandelt werden und in Wirklichkeit nichts anderes sind als all das, was Oma schon wußte.
Was mir hingegen häufig fehlt, das ist die eigentliche Hauptperson: die Besitzerin des Schrankes. Es wird wohl über ihren Alltag, ihre Träume, ihr Budget nachgedacht und das soll dann im Endergebnis die perfekt auf sie zugeschnittene Garderobe ergeben. So verspricht die Ratgeberin. Doch ihre Persönlichkeit bleibt nebulös und unerheblich. Und beim Lesen der Beiträge derer, die den Rat befolgen, fühle ich mich so, wie es mir vor Jahren bei Ute in der Boutique erging.
Ute, das müssen die meisten unter euch nun schon längst wissen, war die Modegöttin meiner 20er, die tollste Frau, die mir da und dort begegnen konnte. Und an meinem freien Samstagnachmittag war ich gerne bei ihr im kostspieligsten Geschäft der Insel und half beim Zusammenlegen, Weghängen und Einsortieren. Dass ihre Chefin mich dann eines Tages einstellen wollte und zwar am liebsten als Schwiegertochter und unbezahlte Inselhilfe, das ist eine ganz andere Geschichte. Damals fiel es mir das erste Mal auf: Frauen, die etwas anprobierten, kamen aus der Kabine mit ernstem Blick, drehten sich vor dem Spiegel und untersuchten die Passform aufs Genaueste. Macht es mich dick, macht es die Beine länger, ist der Ausschnitt zu tief, mein Po zu groß, der Busen zu klein – liebt mich dieses Kleid? Nein, falsch:
Liebt dieses Kleid meinen Körper – DAS war die Frage, auf die sie eine Antwort suchten. Eines Tages hielt es mich nicht mehr (das war der Tag, an dem ich überraschend auf die Chefin stieß und sie mich gewähren ließ) und ich sprach eine von ihnen an: „Sie sollten in Ihr Gesicht schauen und lächeln, dann sehen Sie viel besser, ob Sie sich darin mögen oder nicht.“ (Zumindest, wenn ich möchte, das Fremde in mein Gesicht und nicht auf meinen Busen schauen, macht der Rat doch Sinn, nicht wahr? Hingucken, wo die Musik gespielt wird.)

Unnötig zu sagen, dass ich selbst noch etwas brauchte, um meinen guten Rat auch zu beherzigen. Aber genau dieses Gefühl, dass Frauen an die falsche Stelle schauen, um das zu finden, was sie suchen, das habe ich beim Lesen vieler capsule wardrobe-Beiträge auch. Nicht bei allen und es gibt fantastische Ergebnisse bei manchen. Zumindest bei dem, was wir zu sehen bekommen. Und ich finde es auch spannend, zu erleben, wie sich Frauen wandeln und verändern. Nur ist meine Perpektive vielleicht eine andere und bei manch einer hätte ich gerne deren Hand ergriffen und sie begleitet, weil der Weg ins Nichts zu führen schien. Dann nämlich, wenn sie bereit war, sich von etwas ungewöhnlich oder ein bißchen schräg in mäuschenhaft-unauffällig verwandeln zu lassen. Ein bißchen Anpassung ist gut, sich komplett in einem fremden Stil aufzulösen macht wohl nicht glücklich.

1991 habe ich – zunächst widerwillig – eine Zusatzausbildung zur Farbberaterin absolviert und danach die zur Stilberaterin. Erstere hat mich sofort überzeugt, mit letzerer hadere ich bis heute. Wie immer, wenn ich ein neues Interessengebiet entdecke, zogen Bücher bei mir ein. Viele, viele Bücher. Ob es um das alte Ägypten geht, um die Arbeit mit einem HTML-Editor, ob es ums Nähen oder die Konstruktion geht oder eben damals um Farbenlehren und Figureinteilungen: ich musste alles dazu erlesen und erarbeiten. Während die Farbberatung auf einer Basis fußt, die nicht der Mode unterworfen ist, ist es bei der Stilberatung anders. Schaue ich mir beispielsweise Designentwurfsvorlagen der 50er an und vergleiche sie mit denen aus den 60ern, dann fällt schnell auf, dass die ideale Hüfthöhe unterschiedlich ist, die Busengröße oder die Schulterneigung. Und an diesem Ideal orientiert sich die Stilberatung bzw. Teile davon bis heute: egal, welche Form meine Figur hat, ich tue alles dafür, um diese Figur harmonisch erscheinen zu lassen. Und harmonisch ist die der momentanen Zeit angepasste Sanduhrfigur. Mit geraderen oder abfallenderen Schultern, mit höherer oder tieferer Hüftbeugung. Immer gleiche ich aus, was die Natur scheinbar hat vermissen lassen. Dass eine Frau in rund einfach anders gebaut ist und ebenso apart, wenn auch nicht klassisch-schön, sein mag – jajaja, alles richtig, aber nicht wirklich das, was sich in Regeln festhalten und transportieren lässt. Lieber ist die nicht-Sanduhr ein bißchen unglücklich als dass wir ihr gestatten, ihren zu langen Oberkörper gar noch betonen zu wollen.

Während ich bei der Farbberatung also auf das Besondere und Schöne im Gesicht der Kundin achte und nach den Farben Ausschau halte, die sie leuchten lassen und ihre natürlichen Vorzüge besonders betonen, suche ich bei der Stilberatung nach Makeln, die überdeckt werden sollen. Sicher, da ist immer die Rede vom besonders schönen Decolleté der „vollschlanken“ Kundin oder von der mädchenhaften Zierlichkeit der kleinen Frau. Aber was ist das Ergebnis? Ich betone bei ersterer den Ausschnitt und sei es 10 Grad unter Null, aber hänge alles andere zu. Vielleicht umwalle ich sie auch mit mehreren Lagen, umso optisch Länge und Taille vorzugaukeln, aber auch das mit tiefem Ausschnitt. Und die mädchenhafte Zierlichkeit wird mit Falten und Drapées entweder zu erwachsener Weiblichkeit hochgepusht oder aber sie hat für immer im Audrey-Hepburn-Look zu verharren.

Natürlich gibt es Kolleginnen, die einen fantastischen Job machen, aber das sind in der Regel die, die diese Regeln gestrichen haben. Eine kleine Frau ist ja nur im Vergleich zu anderen klein – weshalb sollte sie auf ein Maxikleid verzichten, wenn es ihr ansonsten steht? Im Minikleid wird sie neben anderen keinen Zentimeter größer wirken. Aber das Problem fängt ja schon viel früher an: eine Kundin in eine Farbkategorie einzuteilen, verschafft ihr in der Regel Sicherheit und Freiheit zugleich. Sie hingegen in eine der üblichen 5 Figurtypen pressen zu wollen …

formenNehme ich mich einmal als Beispiel: ich hatte einige Dozentinnen und immer übt man in der Gruppe untereinander. Und fast alle Figurtypen wurden mir schon zugeordnet – es kommt halt immer darauf an, wo man hinschaut und was man wie bewertet. Als ich noch schmaler war, waren Schultern und Hüften gleich breit und so ordnete manche mich als H oder Säule oder noch uncharmanter als Brett ein. Dass dazwischen eine sehr, sehr deutliche Taille war, wurde ignoriert. Andere aber blickten auf die Taille-Hüftdifferenz und erkannten ein A oder eine Birne. Dass dieser Figurtyp nach unten hin breiter wird, also vor allem starke Oberschenkel und kräftige Waden hat – ja nun, da war bei mir halt was falsch. Wieder andere gingen nach den Maßen und die legten nahe, ich müsse eine Sanduhr sein; da könne man ja mit etwas mehr Watte im oberen Bereich nachhelfen. Mein kleines Bäuchlein hingegen könne doch auf ein O hinweisen, aber dann müsste ich mehr Po haben. Po hatte ich nicht, also doch wieder Säule. Säulen haben keine Taille, also vielleicht doch eine Sanduhr? Aber die Hüfte ist so kräftig, das muss doch eine Birne sein. Nur die langen, dünnen Beine … ach, zieh doch einfach an, was dir gefällt. Nur bitte nichts, was in der Taille endet. Und auch nicht an der Hüfte. Ganz schlecht ist bis Oberschenkel, dann ist deine Taille weg, die solltest du betonen. Hauptsache, keinen tiefen Ausschnitt. Schlechter ist nur ein quadratischer. Na, wenigstens kannst du Hosen tragen. Also außer den engen. Oder den ganz weiten. Besser wäre ein Rock. Ein langer. Vielleicht eher ein ganz kurzer. Noch besser ein Kleid. Oder liebe ein Herrenhemd. Ach, du bist aber auch schwierig!

Und ich tat mich auch schwer, all diese Regeln anzuwenden, ob bei mir selbst oder bei anderen: vieles sah von vorne toll und richtig und von hinten verschoben und verboten aus. Ich scheiterte auch daran, sich widersprechende Empfehlungen auf eine einzige Kundin zu übertragen: die Frau mit dem kurzen, kräftigen Hals, die am besten einen schmalen-V-Ausschnitt trug, war gleichzeitig sehr flachbrüstig und großgewachsen und sollte deshalb nur Rundhals tragen. Öhm, ja. Also tat ich, was ich tat: ich strich die Stilberatung aus meinem Repertoire und ließ Kundinnen leuchten. Mit Farbe. Doch fast immer kam die Anschlußfrage: was steht mir denn sonst so? Würdest du vielleicht mal mit mir einkaufen gehen? Und so wurde ich zur Mit-Einkäuferin und beriet dann doch Stil. Erfolgreich. Weil nicht immer die Optimierung der Figur das Entscheidende ist, sondern die Stimmigkeit von Persönlichkeit und Erscheinungsbild – etwas, was sich allein auf Fotos schlecht darstellen lässt.

Das Schöne an den vielen capsule wardrobe-Beiträgen war für mich daher, dass die wenigsten sich im Bereich Form eng festlegten; ich also nur selten las, es stünde ihr diese oder jene Länge oder Ausschnittsform nicht, da sie ja so oder so gebaut sei. Das für mich Traurige hingegen war, wie wenige sich farblich Gedanken machten: da war oft von Modefarben die Rede oder es kamen Listen der Kleidungsstücke, die man angeblich unbedingt in jedem Kleiderschrank braucht.

Ein langes Vorwort, absolut unnötig und inhaltslos, aber hey, ich hänge noch immer mit schmerzendem Ischiasnerv in der Halbhorizontalen und lasse mich gehen. Und irgendwie muss ich ja erklären, weshalb ich Kleiderschrankaufräumregeln zwar oft seltsam finde, aber dennoch einmal zeigen möchte, wie es gehen kann. Am liebsten würde ich ja überall selbst Hand anlegen, aber weil ich das nicht kann und darf, gibt es nun nach vier Jahren wieder einmal etwas zum Thema Farb & Stil.

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Kommentare

  1. Sehr schöner Artikel. Ich mach mir ja auch gerade so meine Gedanken. ..zuerst dachte ich ich brauch diese und jenes im Schrank.Ne Weisse Bluse z.B. die braucht doch jeder ! Ich hab sogar Stoff dafür gekauft. ..nur wann Bitte soll ich das Ding anziehen, und wie überstehe ich den Tag fleckenlos? Tunikas mit weitem Arm sind so vorteilhaft für Dicke! Das macht eine schöne Silhouette! Schade halt das das viele Stoffgewalle bei mir äußerst schlechte Laune auslöst aufgrund der Unpraktikabilität im Alltag. …ein Rock ! Ich brauche einen Rock !
    Im Zuge meiner Abnahme und des MemadeMay bin ich mir über vieles klarer geworden. …Mein Schnittspektrum hat sich wahnsinnig erhöht.In Gr. 52/54 zu nähen schränkt ein.Natürlich kann man hochgradieren, keine Frage, hab ich oft gemacht, aber einiges geht einfach nicht an grossen Größen. Wo keine Taille ist bringen 8 Taillenabnäher auch keine Taille hin.Das ist keine Frage des Wollens sondern reine Mathematik und Physik. Meine alte Nählehrerin sagte immer aber „zeltgrösse kann man keine gute Schnittführung mehr erwarten „. Das ist hart und gemein. I know that. Aber ich kann es bestätigen. Manche Sachen sind in meinen Augen nicht tragbar. Wenn das jemand so tragen möchte, o.k. aber ich fand mich darin nicht wieder. Mittlerweile könnte ich wenn ich wollte, aber ich will garnicht. Ich bin kein Kleidertyp. Nicht weil es mir vielleicht stehen würde, sondern weil es einfach nicht zu meinem Leben passt. Ich mag meine Hosen, meine Blusen und Strickjacken. Das ich zum Beispiel eine Jacke stricken kann in einer Größe die nicht komplizierte Umrechnungen erfordert befriedigt mich sehr. Mein Farbspektrum hat sich glaube ich nicht arg geändert, ich hab eingesehen das ich blau doch recht gerne mag, auch wenn ich es mir nie eingestehen wollte.Ach wie langweilig. Wenn schon dick dann bunt ! Fällt man gleich mal noch besser auf ! Ich kann besser Stoff einkaufen und auch brot und butter nähen.früher wollte ich immer aussergwöhnlich, heute ist mir nicht ganz so knallig lieber. Ach , da muss ich glaub selber mal was Posten, ich merke das ist ein ganz schöner Brocken der unendlich viele Nebenwege aufmacht…liegt die Reduzierung des Farbspektrums am Alter oder an der Erkenntnis das weniger mehr ist, wie auch beim Essen und all den anderen Dingen? Und brauch ich wirklich eine Weisse Bluse ?
    Vielen Dank für deine Inspiration! Und von Herzen gute Besserung für deinen Ischias!
    Stella

  2. Haha, also ich grade beim Lesen runtergescrollt bin zu den Figurtypen dachte ich mir“Aha, V, Mülleimer, Sanduhr … ach SÄULE, das soll eine Säule sein“. Ich lache immer noch über meine leicht verschobene Mustererkennung.

    Aber davon abgesehen bin ich auch überhaupt kein Freund von diesem zwanghaften Einordnen. Es MUSS einfach alles in einen Schublade passen, sonst stimmt die Welt nicht. Und das Schlimme ist ja , dass die Frauen das selbst oft so wollen. Man muss immer irgendwo dazugehören, sonst ist das alles viel zu unsicher. Ich musste an meine Mama denken, die eine Superköchin ist, aber überhaupt keine Fantasie zum Kreieren eigener Rezepte hat. Wenn ich wieder irgenwas zusammengeschmurgelt habe, was eben da war und von dem ich dachte, es könnte schmecken war (legendär ist meine fränkische Bratwurst mit Curry-Ananassauce) ihre erste Reaktion immer „das habe ich aber noch nicht gehört, dass man das so machen kann“.
    Und mit dem Bekleidungsstil ist es ja auch oft so, dass man sich nicht freimachen kann, von dem was „man“ trägt, was grade in ist, oder was einem die Brigitte als Schönheitsideal verkauft.
    Vielleicht braucht man einfach diese Schubladen, um sich sicher zu fühlen, es ist ja nicht jeder mit Fantasie und ausgeprägtem Vorstellungsvermögen ausgestattet und sie freuen sich über diese Anhaltspunkte.
    Claire Shaeffer erzählte uns im Mai zum Beispiel, dass die Couture-Häuser oft Kundinnen haben, die quasi ein „Abo“ haben, d.h es werden ihnen in jeder Saison einige Sachen vorgeschlagen, von denen die Vendeuse denkt, dass sie gut für sie sind und die Kundinnen verlassen sich da hundertprozentig drauf, weil sie gar nicht die Zeit oder den Nerv haben, darüber nachzudenken. Und diese Beraterinnen haben ja auch ein sehr gutes Händchen für Stil und Form insofern hat man es sicher gut, wenn man reich ist und sich zweimal im Jahr in Paris einkleiden kann 🙂
    Wir anderen müssen uns halt selber durchwurschteln, ich bin gespannt, wie es hier weitergeht.
    Liebe Grüsse
    Ingrid
    die mal wieder völlig ausgeufert ist … ich kann halt auch nicht kurz und knapp 😀

  3. Du bringst es mal wieder auf den Punkt. Ich finde den Ansatz, einen Kleiderschrank nur mit Kleidung zu haben, die man wirklich auch anzieht echt toll aber oftmals enden diese Capsule Wardrobe Projekte doch in einunddemselben schwarz-weißen Einheitsbrei… Sie passen selten zu der Person der die Garderobe gehört. Ein weißes Hemd, ein schwarzer Bleistiftrock, 2 weiße T-Shirts und der graue Kaschmir-Pullover…
    Ich bin sehr gespannt auf dein „Wunderbarer Kleiderschrank“-Projekt!

  4. Vielen lieben Dank für Deinen schönen Post. Du bringst die Dinge wie oft gekonnt auf den Punkt und das liest sich auch noch unterhaltsam. Mit diesen capsule wardrobe kann ich nichts anfangen auch nicht mit dem minimalistischen kleiderschrank. Hallo, ich nähe gern und auch gern viel – was soll ich mit einem minimalistischen Kleiderschrank. Das hatte ich gezwungener maßen früher als mir Kaufkleidung nie so recht passte 😉 Die richtigen Farben finde ich sehr viel bedeutsamer. Lieber den Pulli in der passenden Farbe und dem „falschen“ Ausschnitt als anders rum. Die richtige Farbe überstrahlt den eventuell nicht perfekten Ausschnitt und überhaupt, mich friert es bei V- ausschnitt. LG Kuestensocke

  5. Schön geschrieben 🙂

    Ich habe einen sehr überreich gefüllten Kleiderschrank und liebe es. Nie habe ich nix anzuziehen, oft überlege ich schon beim Heimweg am Abend vorher, was ich anziehen könnte und das macht mich wirklich sehr zufrieden. Schliesslich habe ich sehr vielseitige Interessen und es muss für Sport, Wandern, Schicksein, Bequemsein, Alpleben im Tessin etc. alles dabei sein.

    Auch wenn ich nie eine Typberatung gemacht habe, weiss ich sehr klar, was mir steht und was nicht…und habe vor ein paar Jahren in einem Rausch das ganze rosa-pinke Zeugs verschenkt. Mittlerweile vermisse ich es, klar sind aubergine-violett-braun-khaki-Töne noch immer toll, aber knallpink muss unbedingt wieder in den Kleiderschrank. Oder letzte Woche habe ich einen königsblauen Afrikastoff geschenkt erhalten, nicht meine Farbe, aber ich liebe das Kleid jetzt – weil es ganz anders ist als alles andere.

    Und als kleine Anekdote zur Stilberatung: ich habe wirklich breite Schultern und eher muskulöse Oberarme (nicht unbedingt gewollt, sondern einerseits genetisch veranlagt und meiner Sportliebe wegen). Viele Kleider sehen irgendwie blöd aus und alles was die Schultern noch mehr betont und wovor jede Stilberatung wahrscheinlich warnen würde. Mein Mann findet das aber sehr sehr toll und mag gerade diese „Schwachstelle“ so gerne und ermutigt mich, schulterbetonende „athletische“ Kleidung zu tragen. Das ist doch irgendwie schön, eine „Schwachstelle“ meines Körpers wird als schön angesehen. Und ich habe mir übrigens ein ganz tolles Tank-Top Bikinioberteil gekauft, das meine Schultern noch viel mächtiger erscheinen lässt 😉 aber ich fühle mich wohl darin.

    • Ute

      Liebe Lotti,
      ich finde, dass du mit Recht Deine Schultern betonen darfst! Wer kann einer Frau verbieten eine sportliche Firgur zu haben und warum sollte man sie verbergen?
      Gruß
      Ute

  6. Vielen, vielen Dank für deinen Blog. Du schaffst es gekonnt, wichtige und aktuelle Themen geistreich – aber dennoch aufschlussreich und trotz allem amüsant – zu erklären.
    Mir hat dieser Post besonders aus dem Herzen gesprochen. Ich finde es ganz toll, wenn jemand strukturiert und organisiert ist. Wenn sein Kleiderschrank optimiert und es ein optischer Genuss ist, hineinzusehen. Aber ich kann es gar nicht leiden, wenn dies zur Allgemeingültigkeit führt. Nur so und nicht anders hat es zu sein. So etwas vermittelt mir das Gefühl der Unzulänglichkeit. (Boah, wieder nichts geschafft!)
    Wenn es um Stilberatung geht, schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Die eine weiß, dass Kategorisierungen den Alltag erleichtern. Die andere möchte sich aber diesen Zwängen nicht hingeben. Außerdem finde ich es sehr schwierig, sich selbst einer Gruppe zuzuordnen. (Hat vielleicht auch etwas mit meiner eigenen Unsicherheit und fehlender Selbstwahrnehmung zu tun. Das aber nur mal so am Rande.)
    So, ganz schön viel Geschreibsel für einen Kommentar. Ich hätte noch mehr gekonnt, muss mich jetzt aber selbst zügeln.
    Ich freue mich jedenfalls sehr auf deine weiteren Beiträge.
    Martina

  7. joanna

    Wie immer ein Genuss zu lesen :-).
    Bemerkenswert dass das Thema mich auch letztens beschäftigt, tja, nachdem ich meinen Kleiderschrank mal wieder aufgeräumt habe. Ich finde dei moduläre Garderobe sehr reizend – weil ich ja so unglaublich faul bin (mit etwas wollwollen kann man das „ergebnisorientiert“ nennen). Ein Traum wäre wahllos in den Schrank zu greifen und alle Sachen passen zusammen und sehen gut aus (und müssen nicht gebügelt werden). Daher, nach der Aufräum-Ernüchterung, kam ich auf die capsule wardrobe blogs zurück, nur um festzustellen dass sie nicht gerade hilfreich sind (Colettes Wardrobe Architect – der ja wunderbar technisch ist – mal ausgenommen). Entweder sind das irgendwelche Zahlenspiele, oder Listen zum abhaken, oder ein grau-beiges Ödnis (ich habe nichts gegen grau und beige). Aber – wenn ich mal Zeit habe – werde ich mir meine, meine eigene moduläre Garderobe ausdenken, schon alleine um Nähprojekte zu kanalisieren… Bin gespannt auf Deine Blogposts dazu.
    (mit den Figurentypen geht es mir genauso – und zugegebenermaßen auch mit Farben – es gibt welche die mich strahlen lassen, aber wenn ich nun mal blau sooo mag, dann Sch.. drauf, ich werde es tragen und mich wohlfühlen, auch wenn es mich aschig ausschauen lässt 😉 ).

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